Stadtteilspaziergänge

Fakten - Bogenhausen

776

776

Bogenhausen„Pubenhusen“, das heutige Bogenhausen, wird erstmals in einer Urkunde des „Klosters Schäftlarn“ genannt.


1229

1229

München - Regensburg * In einer Regensburger Urkunde wird als jüdischer Zeuge ein „Abraham von München“ genannt.

Ein Hinweis, dass es bereits zu dieser Zeit Juden in München gegeben hat.


1285

1285

München - München-Graggenau * Ein Münchner Jude soll einen christlichen Knaben ermordet und sein Blut für rituale Zwecke missbraucht haben, obwohl der jüdische Glauben den Genuss von Blut verbietet.

Die Juden der Stadt sterben als „jüdische Glaubenszeugen“ in den Flammen der von Christen angezündeten „Synagoge“.


1310

1310

München * Die Juden dürfen den Christen die Teile geschlachteter Tiere verkaufen, die zu verzehren ihnen verboten sind.


1315

22. Dezember 1315

Freising * Im Auftrag des Freisinger Bischofs Konrad III. dem Sendlinger wird eine Diözesan-Beschreibung gefertigt, die sogenannte Konradinische Matrikel. 

Sie beinhaltet sämtliche fürstbischöfliche Besitzungen und zählt gleichzeitig alle Einnahmen auf. Daneben enthält sie eine präzise Diözesanbeschreibung, die alle Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe aufführt.  

  • Nach der Konradinischen Matrikel ist das Bistum Freising in 18 Dekanate eingeteilt, die insgesamt 233 Pfarreien, 564 Filialkirchen und 22 weitere Kapellen umfassen.
  • Das rechte Isarufer gehört bis hinunter zur Menterschwaige zur Pfarrei Bogenhausen, die wiederum dem Dekanat Ismaning unterstellt ist.
  • ​Die Pfarrei Bogenhausen umfasst die Filialkirchen mit Begräbnisstätten in Haidhausen, die Leprosenkirche am Gasteig, sowie die in Giesing, Trudering, Riem, Gronsdorf, Haar und Harthausen, einer im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Siedlung bei der heutigen Menterschwaige.
  • Aus der Konradinischen Matrikel geht auch hervor, dass die zum Dekanat Ismaning gehörende Pfarrkirche in Baumkirchen eine Filialkirche in Pachem besitzt.  
  • In dieser Matrikel findet sich erstmals eine farbige Abbildung des Hochstiftswappen, das den Freisinger Mohr enthält. 

1319

10. September 1319

München - Freising * König Ludwig der Bayer verkauft um 100 Mark Silber die Herrschaft über die Orte Ismaning, Niederföhring (heute Unterföhring), Oberföhring, Englschalking und Daglfing an das Hochstift Freising. Fürstbischof Konrad III. der Sendlinger von Freising wird erster Landesherr der aus diesen Orten gebildeten Grafschaft auf dem Yserrain, der späteren Grafschaft Ismaning, die bis zur Säkularisation 1802/03 Bestand haben wird. 


1327

13. Februar 1327

München-Angerviertel * Beim „ersten Hahnenschrei“ bricht im „Angerkloster“ ein Feuer aus, das zum verheerendsten „Stadtbrand“ der Geschichte Münchens wird. 

Fast ein Drittel der Stadt wird ein Opfer der Flammen. 

Dreißig Menschen sterben bei dem Großfeuer. 


1357

1357

Bogenhausen - Schäftlarn - Freising * Nach langer Zugehörigkeit zum „Kloster Schäftlarn“ kommt Bogenhausen zum „Chorherrnstift Sankt Veit“ bei Freising.


1418

22. April 1418

München * Ein verheerendes Großfeuer zerstört weite Teil der Stadt.


1429

24. April 1429

München * Ein Brand legt große Teile der Stadt in Schutt und Asche.


1442

1442

München * Herzog Albrecht III. vertreibt alle Juden aus dem Teilherzogtum München-Oberbaiern.

Die „Synagoge“ wird in eine „Marienkapelle“ umgewandelt.

Die Vertreibung bedeutet zudem das Ende der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in München.


1504

18. Oktober 1504

München - Bogenhausen - Grünwald * Die pfälzischen Truppen belagern München im Landshuter Erbfolgekrieg ohne Erfolg. Doch alle Dörfer im Isartal, von Bogenhausen bis Grünwald werden verwüstet. 


1538

1538

Obergiesing * Zur „Hauptmannschaft Obergiesing“ gehören Haidhausen, die Au, Niedergiesing, Putzbrunn, Höhenkirchen, Bogenhausen und Obergiesing.


1553

1553

München * In der „Landesordnung“ wird das Verbot für Juden, sich im Herzogtum Baiern aufzuhalten, bestätigt.


1564

16. April 1564

Rom-Vatikan - München * Papst Pius IV. gestattet den „Laienkelch“, also die „Kommunion in beiderlei Gestalt“, auch im Herzogtum Baiern. Das päpstliche Breve kommt zu spät, da Herzog Albrecht V. seine Meinung inzwischen geändert hat und nun gegen den „Laienkelch“ kämpft. 


1572

1572

Bogenhausen * Heinrich Schobinger der Jüngere, Kaufmann, Waffenschmied von der Au, Inhaber zahlreicher Ämter der Münchner Bürgerschaft sowie der baierischen Herzöge und des Deutschen Kaisers, kommt durch Heirat mit Juliane Stadler in den Besitz des „Zaichingerhofes“ in Bogenhausen.


1616

29. September 1616

München * Herzog Maximilian I. erneuert das Aufenthalts-, Handels- und Gewerbeverbot für Juden in Baiern.


1623

1623

Wien - München * Kaiser Ferdinand II. erhebt Georg Schobinger in den erblichen Adelsstand.


1628

3. Juni 1628

Au - Bogenhausen * Die Pfarrei Neudeck wird von der Pfarrei Bogenhausen abgetrennt. Die Carl-Borromäus-Kirche wird die Pfarrkirche der Au.


1635

1635

Bogenhausen * Auf einem Teil des Grundes des „Zaichingerhofs“ entsteht Bogenhausens erstes Adelsschlösschen.


1640

1640

Bogenhausen * Georg Schobingers „gemauertes Haus“ in Bogenhausen wird unter dem Namen „Stepperg“ zum „Adelssitz mit Niedergerichtsbarkeit“.


1660

1660

Bogenhausen * Zwölf Quellen führen dem unterhalb „Neuberghausen“ gelegenen „Brunnhaus im Brunnthal“ das Wasser zu.


1675

1675

München * Die Legende des Heiligen Georg wird in der „Acta Sanctorum“ ausführlich publiziert.


1683

1683

Bogenhausen * Im „Brunnthal“ in Bogenhausen entsteht ein „Militärwaisenhaus und Militärlazarett“.


1697

1697

Bogenhausen * Der aus dem Bogenhausener „Kögelhof“ entstandene Adelssitz „Neuberghausen“ kommt unter die Fittiche des „Hofmalers“ Johann Antonio Gumpp.


1700

Um 1700

Bogenhausen * Das „Militärwaisenhaus und -lazarett“ wird in eine „Pflegeanstalt für bresthafte Frauen“ umgewandelt.


1704

1704

Bogenhausen * In Geldnot verkauft Johann Antonio Gumpp das Bogenhausener „Schloss Neuberghausen“ an die Gräfin Adelheid Felicitas von Törring-Seefeld.


1715

Nach dem 11. April 1715

München * Nachdem Kurfürst Max Emanuel aus seinem Exil wieder nach Baiern zurückgekehrt ist, lässt er alle Juden aus dem Land weisen.

Dabei hat die „Kurbaierische Landschaftsverordnung“, die Vertretung der „Landstände“, in den letzten Monaten der kaiserlichen Besatzungsherrschaft auf jüdische Finanzmittel zurückgegriffen.

Um den Abzug der kaiserlichen Besatzungstruppen zu beschleunigen, hat sie die ausstehenden kaiserlichen Forderungen und alle Landesausgaben übernommen.
Diese Aufwendungen hat sich die „Landschaftsverordnung“ von jüdischen Geldgebern finanzieren lassen.

Als Gegenleistung gesteht man den Kreditgebern den freien Aufenthalt im Kurfürstentum bis zur Zurückzahlung der Schulden zu.


1718

2. September 1718

München * Kurfürst Max Emanuel erteilt dem Pferdehändler Joseph Mändle als erstem Juden den Hofschutz und damit eine Aufenthaltsberechtigung in München. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Mändle und Kurbaiern werden mit der Zeit immer intensiver.


1720

1720

München * Die prunkvolle Hofhaltung von Max Emanuel lassen den Finanzbedarf in gewaltige Dimensionen anwachsen und treibt den Kurfürsten verstärkt in die Arme jüdischer Geldgeber.

Auch deshalb, weil Baiern bei anderen Bankhäusern kaum noch als kreditwürdig angesehen wird.

Erstmals stellt ihm der burgauische „Hoffaktor“ Gerson Daniel Oppenheimer Geldmittel zum Teil in bar und zum Teil durch die Einlösung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung.


1722

5. Oktober 1722

Wien * Der baierische Kurprinz Carl Albrecht heiratet in Wien die Erzherzogin Maria Amalia von Österreich, Tochter Kaiser Josephs I..

Zur Finanzierung der Hochzeitsfeierlichkeiten, aber auch für sonstige Luxusbedürfnisse des Hofes und zur Behebung der finanziellen Engpässe der kurfürstlichen Behörden gewährt der pfalz-sulzbachische Oberfaktor Noe Samuel Isaak aus Mergentheim dem Land gewaltige Finanzvorschüsse. Die Rückzahlung der Schulden wird in erster Linie einigen Salzämtern und der Landschaft übertragen.

Auch der Wiener Oberhoffaktor und Bankier Simon Wolf Wertheimer wird Gläubiger des kurfürstlichen Hauses.


1723

9. August 1723

München * Kurfürst Max Emanuel ernennt den Wiener Oberhoffaktor und Bankier Simon Wolf Wertheimer zum geheimen Hofjuwelier. Wertheimer verlegt daraufhin den Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit nach München. 

Joseph Mändle, Noe Samuel Isaak, Simon Wolf Wertheimer und Nathan Moyses, der dem Kurfürsten ebenfalls einen Kredit gewährt, werden die ersten „kurbaierischen Hofjuden“


1728

15. April 1728

Rom-Vatikan - München * Mit einer päpstlichen Bulle erhält der „Churbaierische hohe Ritterorden St. Georgii“ seine kirchliche Bestätigung.


1729

28. März 1729

München * Kurfürst Carl Albrecht setzt die Statuten des Georg-Ritterordens in Kraft. Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden ist ein 300jähriger Adelsbesitzstand und 15 altadelige Ahnen väterlicher- und mütterlicherseits.

24. April 1729

München-Graggenau * Kurfürst Carl Albrecht begründet mit dem ersten Ritterschlag den Georgs-Ritterorden in einer feierlichen Zeremonie.


1737

1737

Bogenhausen * Das Bogenhausener Törring-Schloss kommt in den Besitz des „Hofkammerrats“ Caspar Gregor von Lachenmayr.


1738

1738

Bogenhausen * In einem „Visitationsbericht“ wird die Bogenhausener „Sankt-Georgs-Kirche“ als „eine der schöneren Landkirchen im guten Zustand“ beschrieben.


1740

1740

Bogenhausen * Das Bogenhausener Schlössl des „Hofkammerrats“ Caspar Gregor von Lachenmayr wird zum „Adeligen Sitz mit Patrimonialgerichtsbarkeit“ erhoben.

Es trägt seither den Namen „Neuberghausen“.


1741

24. April 1741

München-Graggenau * Die Aufnahme von sechs Geistlichen in den Georgs-Ritterorden wird beschlossen. Sie müssen aber die gleiche Ahnenprobe wie die weltlichen Mitglieder erfüllen.


1751

1751

Bogenhausen * Das „Schloss Neuberghausen“ in Bogenhausen geht in den Besitz des Grafen Hieronimo von Spreti über.


1759

1759

Bogenhausen * Der Dachstuhl der „Georgskirche“ in Bogenhausen wird als „fast völlig verfault“ bezeichnet.


1760

1760

Bogenhausen * August Joseph Graf von Törring-Jettenbach kauft „Schloss Neuberghausen“ und lässt es von François Cuvilliès und dem „Stadtoberbaumeister“ Ignaz Anton Gunetzrhainer umbauen. 

Als Mitglied des „Georgs-Ritterordens“ finanziert er auch Teile des Umbaus der Bogenhausener „Georgskirche“.


1766

März 1766

Bogenhausen * Die Umbauarbeiten an der Bogenhausener „Georgskirche“ beginnen.


1768

1768

München * Die Statuten des „Georgs-Ritterordens“ werden geändert. 

Es müssen jetzt 17 statt 15 altadelige Ahnen väterlicher- und mütterlicherseits vorgewiesen werden.
Man wollte eben - als elitäre Clique - unter sich bleiben.


1771

1771

Bogenhausen * Der Turm der „Sankt-Georgs-Kirche“ in Bogenhausen wird erhöht und mit der charakteristischen Kuppel bekrönt.


1772

1772

Bogenhausen * Der vom Sedlhof in Finsing (Landkreis Erding) stammende Stephan Selmayr heiratet auf den Bogenhausener Hanslmarterhof ein.


1773

1773

Bogenhausen * Der Hochaltar der Bogenhausener „Georgskirche“ von Johann Baptist Straub ist vollendet.


1777

1777

Bogenhausen * Mit den zwei Seitenaltären ist die Innenausgestaltung der „Georgskirche“ in Bogenhausen abgeschlossen.


1803

Um 1803

Bogenhausen * Staatsminister Maximilian Joseph von Montgelas kauft den „Sitz Stepperg“ in Bogenhausen.

1803

Bogenhausen * Mit der „Säkularisation“ wird Stephan Selmayr Eigentümer des „Hansmarterhofs“ in Bogenhausen.


1804

1804

Bogenhausen * Freiherr Maximilian Joseph von Montgelas lässt unterhalb Bogenhausen durch Oberst Adrian von Riedl eine Holzbrücke über die Isar errichten, die er als bequeme Verbindung nach München nutzt. 

Sie hält bis zum Jahr 1812. 

1804

Bogenhausen * Oberst Riedel baut die erste Isarbrücke bei Bogenhausen.

Sie hält bis zum Jahr 1812.


1805

Ab 1805

Bogenhausen * Durch die ab der „Bogenhausener Brücke“ in Richtung Oberföhring beginnende Isarregulierung durch Oberst Adrian von Riedl wachsen Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas 117 Tagwerk Grund zu.
Auf dem Gelände entsteht später der heutige „Herzogpark“.

Neben seinen Münchner Besitzungen hat Montgelas noch kleinere und größere Besitzungen über ganz Baiern verstreut. 

25. August 1805

Bogenhausen * Angesichts des heraufziehenden Dritten Koalitionskriegs erneuern Baiern und Frankreich ihr Bündnis im Vertrag von Bogenhausen. Ort der Verhandlungen ist Schloss Stepperg, das Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas als Landsitz nutzt. 

Die Geheimverhandlungen zwischen dem französischen Abgesandten und Minister Montgelas werden mit einem baierischen Bündniswechsel zu Frankreich in einem vorläufigen Vertrag abgeschlossen. Er beendet die Koalition mit Österreich und Russland. Napoleon sagt Baiern weitere Gebietszuwächse im Falle eines Sieges zu. Dafür verpflichtet sich das Kurfürstentum Baiern zur Stellung von 20.000 Mann.

Neben Baiern schließt Napoleon Verträge mit weiteren süddeutschen Mitgliedern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine Verbündeten werden Baiern, Württemberg, Baden und Hanau. Napoleon Bonaparte schließt mit diesen die Verträge von Bogenhausen, Baden-Baden und Ludwigsburg.

Die baierische Regierung erhofft sich nach den Erfahrungen der beiden letzten Kriege von Frankreich eine wesentlich bessere Behandlung als von den kaiserlichen Österreichern. Um aber die Österreicher nicht unnötig herauszufordern, wird das Bündnis mit Frankreich zunächst noch geheim gehalten. Die baierische Abneigung gegenüber Österreich soll sich jedoch bald bestätigen. 


1806

1. Januar 1806

München * Mit der Erhebung Baierns zum Königreich wird der Georgs-Ritterorden zum Königlich-Bayerischen Hausritterorden.


1807

1807

Bogenhausen * Der französische Emigrant Dumenyl betreibt im Bogenhausener „Brunnthal“ einen Badebetrieb mit Wirtschaft.


1808

Ab 1808

Bogenhausen * Durch die Regulierung der Isar ab der Bogenhausener Brücke fällt die „Bogenhausener Au“, der heutige „Herzogpark“, trocken.

Langsam entsteht Siedlungsland. Minister Maximilian Joseph von Montgelas wachsen dadurch 117 Tagwerk Grund zu.

1808

Bogenhausen * Graf August Joseph von Törring-Jettenbach verkauft „Schloss Neuberghausen“ an Johann Wilhelm von Hompesch, weshalb der „Adelssitz“ später auch als „Hompesch-Schlössl“ oder „Villa Hompesch“ bezeichnet wird.


1809

2. November 1809

München * Freiherr Max Joseph von Montgelas wird in den Grafenstand erhoben.

29. November 1809

München * In Anerkennung seiner Verdienste um den König, die königliche Familie und um Baiern erhält Freiherr Montgelas das Grafendiplom verliehen. Es ist vererbbar - und damit können seine ehelichen männlichen und weiblichen Nachkommen auch diesen Adelstitel führen.  

Damit verbunden ist, als besonderer Gnadenerweis und Vertrauensbeweis des Königs, die Errichtung eines Majorats. Ein Majoratsbesitzer kann frei über sein Eigentum bestimmen und darf es im Erbfall sogar ungeteilt an den ältesten Sohn weitergeben. Neben Montgelas gelingt es in Altbaiern nur zwei Familien, ein Majorat zu bilden: Carl Philipp Fürst von Wrede und Johann Maximilian von Preysing-Hohenaschau.

Für Montgelas, der ursprünglich aus einer Familie ohne jeglichen Grundbesitz stammt, hat das Majorat zwischenzeitlich erhebliche Bedeutung gewonnen, denn er wird schon während seiner Amtszeit zu einem der reichsten Grundherren. 


1812

1812

Bogenhausen * Kaspar Selmayr übernimmt den „Hanslmarterhof“ in Bogenhausen.

1812

Bogenhausen * Die zweite, die sogenannte „Wiebekingsche Brücke“ bei Bogenhausen entsteht.

Sie hält bis zum Hochwasser von 1826.

1812

Bogenhausen * Die alte Isarbrücke bei Bogenhausen muss wegen Baufälligkeit abgerissen werden.


1813

10. Juni 1813

München * Im Königreich Baiern tritt das Judenedikt in Kraft. Es legt detaillierte Rechte wie zahlreiche Beschränkungen für die Juden und die genaue Zahl der jüdischen Bevölkerung fest. Die letzte Auflage gilt bis 1861. 


1815

25. Januar 1815

München * 39 jüdische Männer gründen in der Wohnung von Judith Wertheimer, der Witwe des kurfürstlichen Hoffaktors Abraham Wolf Wertheimer, die Israelitische Kultusgemeinde. Sie beschließen die Anlage eines jüdischen Friedhofs und für diesen Zweck den Kauf eines Grundstücks an der Thalkirchner Straße. 


1816

24. März 1816

München * Die erste Bestattung auf dem jüdischen Friedhof an der Thalkirchner Straße. 

1. April 1816

Berg am Laim - Bogenhausen * Die „provisorische Sternwarte“ an der - damals noch zu Ramersdorf gehörenden - westlichen Ecke der Kreuzung an der heutigen Rosenheimer- und Friedenstraße wird offiziell an den „Astronom und Vermessungsfachmann“ Johann Georg Soldner übergeben. 

Soldner stammt aus Mittelfranken und hat seine astronomische Ausbildung in Berlin erhalten.
Dort entstand auch seine erst über einhundert Jahre später in ihrer Bedeutung erkannte Arbeit „Über die Ablenkung eines Lichtstrahls von seiner geradlinigen Bewegung, durch die Attraktion eines Weltkörpers, an welchem er nahe vorbeigeht“.  
Die Arbeit lässt ihn zu einem Vorläufer Albert Einsteins werden. 

18. April 1816

München - Bogenhausen * Nur wenige Tage nach der Ernennung Johann Georg Soldners zum „Direktor der Sternwarte“ legt die „Baierische Akademie der Wissenschaften“ König Max I. Joseph Baupläne zum Neubau einer „Sternwarte in Bogenhausen“ vor. 

4. Juni 1816

München * König Max I. Joseph genehmigte die Pläne zum Neubau einer Sternwarte in Bogenhausen. Der endgültige und heutige Standort wird von Johann Georg Soldner sowie von Georg Friedrich von Reichenbach und wahrscheinlich Joseph von Fraunhofer festgelegt. 

11. August 1816

Bogenhausen * Der erste Spatenstich für den Neubau einer Sternwarte in Bogenhausen wird getan. Der Bogenhausener Grund kam teils durch Kauf, teils durch Tausch mit dem Ramersdorfer Grundstück in den Besitz der Baierischen Akademie der Wissenschaften


1817

15. November 1817

Bogenhausen * Die  Sternwarte in Bogenhausen geht in Betrieb. Sie hat knapp 50.000 Gulden gekostet. 


1820

1820

Bogenhausen * Im „Betz‘schen Wirtshaus“ in Bogenhausen wird als besondere Attraktion in einem Holzpavillon ein Karussell aufgestellt.

Die Figuren und Wagen kommen 1920 ins „Münchner Stadtmuseum“. Sie gelten als die weltweit ältesten erhaltenen Teile eines volkstümlichen Karussells.


1824

1824

Bogenhausen * Bogenhausen erhält in einem alten Bauernhof am Kirchplatz 3 eine eigene Schule.

26. Juli 1824

München-Angerviertel * Der Grundstein für den Bau der jüdischen Synagoge an der Westenriederstraße wird gelegt. 


1826

1826

Bogenhausen * Ein Hochwasser zerstört die „Wiebekingsche Brücke“ bei Bogenhausen.

1826

Bogenhausen * Eine ganz aus Holz hergestellte provisorische Isarbrücke bei Bogenhausen wird gebaut.

Diese „Interimsbrücke“ hält bis 1873.


1827

1827

Bogenhausen * Aus dem „Schloss Neuberghausen“ in Bogenhausen wird eine Ausflugswirtschaft, die die „Wirtin vom Tivoli“ betreibt.

31. Dezember 1827

Königreich Bayern * In ganz Bayern gibt es etwas mehr als 350 Ziegeleien.


1835

1835

Landgericht Au * Im Landgericht Au, das die Vorstadt Au und die Gemeinden Haidhausen, Obergiesing, Bogenhausen, Oberföhring, Daglfing und Berg am Laim umfasst, werden 514 eheliche und 252 uneheliche Kinder geboren. 


1836

1836

Königreich Bayern • In Bayern werden 1.125 Ziegelstadel betrieben.


1837

1837

Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Anselm Martin, für den Münchner Osten zuständiger „Armenarzt“, schreibt in seiner „Topographie“ über die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten:

„Die Masse der Bevölkerung zieht [...] ihre Nahrungsquelle aus den Tages-Arbeiten in der benachbarten Stadt, den Fabriken des Bezirkes und namentlich den vielen nahen Ziegelöfen“.


1846

1846

Bogenhausen * Nachdem die Schülerzahl in Bogenhausen stark angestiegen war, kommt es zur Erweiterung der Schule.


1848

26. März 1848

München * Mit der Abdankung König Ludwigs I. am 20. März muss er auch auf das Amt des „Großmeisters des Georgs-Ritterordens“ verzichten. 

Diese Funktion übernimmt der neue König Max II..


1849

26. Mai 1849

Waal bei Landsberg * Hubert Herkomer kommt in Waal bei Landsberg zur Welt.


1852

1852

Cleveland/Ohio * Die Familie Herkomer wandert nach Cleveland, Ohio, aus.


1855

1855

Berg am Laim * Der Berg am Laimer Pfarrer Anton Joseph Geyer schreibt an die „Königliche Regierung“ über das Spekulantentum:

„Eine kleine Anzahl schwerreicher Bauern steht einer großen Menge halber Existenzen gegenüber“.


1856

1856

Bogenhausen * Joseph Selmayr sen. ist Bauer auf dem Bogenhausener „Hanslmarterhof“.

1856

Berlin * Der Berliner Baumeister Friedrich Hoffmann erfindet den „Ringofen“.

Damit kann die „Ziegelherstellung“ wesentlich kostengünstiger und energiesparender erfolgen.


1857

4. April 1857

München-Haidhausen - Bogenhausen * König Max II. lässt die „Maximiliansanlagen“ durch den 26jährigen „Hofgärtner“ Carl Effner anlegen. 

Die Arbeiten für den „Landschaftspark“ dauern bis 1866.


1858

1858

Southhampton * Die Familie Herkomer lässt sich in Southampton in England nieder.

1858

Bogenhausen * Die „Leipziger Illustrirten“ loben die „Dr. Steinbachs Naturheilanstalt“ im „Brunnthal“ von Bogenhausen, die sich einen international bekannten Namen gemacht hat.


1859

12. September 1859

Bogenhausen * Der Unternehmer Reinhold Hirschberg gründet eine oHG (= offene Handelsgesellschaft) und eröffnet eine Ziegelei mit dem Namen Fabrik Steinhausen.


1860

1860

München * Die Münchner „Ziegeleibesitzer“ schließen sich im „Verein Münchner Ziegeleien“ zusammen und verpflichten sich in ihren Statuten, jährlich nur eine festgelegte Anzahl von Steinen zu brennen.

Gleichzeitig vereinbaren sie einen Mindestpreis.


1861

1861

Bogenhausen * Auf dem Grundstück des „Rappelhofes“ in der Neuberghausener Straße, der mit rund 100 Tagwerk Wirtschaftsfläche zweitgrößte Bauernhof Bogenhausens, wird die Wirtschaft „Neuberghausen“ eröffnet.

1861

Bogenhausen * Das ehemalige „Schloss Neuberghausen“ wird abgerissen.

Die „Gastwirtsgerechtsame“ des Ausfluglokals geht auf den „Rappelhof“ - neben der Bogenhausener Georgs-Kirche - über.


1862

August 1862

Bogenhausen * König Max II. beabsichtigt, im Garten von „Schloss Neuberghausen“ für sich ein „Mausoleum“ und in der „Georgskirche“ seine provisorische Ruhestätte einzurichten.

Der Pfarrer von Bogenhausen argumentiert gegen diese Planungen, weshalb der König Abstand von dem Vorhaben nimmt.

20. September 1862

Bogenhausen * Der Privat-Fidei-Kommiß König Max II. kauft das Anwesen des ehemaligen Schlosses Neuberghausen mit 14 Tagwerk Grund um 60.000 Gulden von Franz und Anna Wagenpfeil. Auf dem Areal soll das Marienstift für verwaiste Töchter von Staatsdiener aller Klassen errichtet werden, die sogenannte Beamten-Relikten-Anstalt.


1865

1865

München-Kreuzviertel * Hubert Herkomer besucht die „Akademie der Bildenden Künste“ in München.

1865

Bogenhausen * Die Gemeinde Bogenhausen stellt erstmals den Antrag auf Eingemeindung nach München.

1865

Bogenhausen * Nach der Fertigstellung des „Beamten-Relikten-Anstalt“ in Bogenhausen wird es wegen der stattfindenden Kriege zunächst als „Militärspital“ benutzt.


1866

1866

Bogenhausen * Die Georgskirche in Bogenhausen wird dem Zeitgeschmack entsprechend renoviert. Dabei versieht man die Ignaz-Günther-Kanzel mit einem braun-mamorierten Anstrich.

1866

München * Aus der Firma Hirschberg & Co geht die Actien-Ziegelei München hervor. 1.080 Aktien zum Preis von 250 Florin werden ausgegeben. Sie bringen ein Kapital von 270.000 Gulden.


1867

1867

Bogenhausen * Die „Actien-Ziegelei München“ richtet an der Denninger Straße, beim heutigen Herkomerplatz, die „Fabrik Bogenhausen“ ein.

Nach dem Jahr 1867

Bogenhausen - Zamdorf * Die „Actien-Ziegelei München“ betreibt eine Ziegelei in Zamdorf. 

Eine weitere, die sogenannte „Ziegelei IV“ entsteht am Prinzregentenplatz.

Sie muss vor 1901 dem „Prinzregententheater“ Platz machen.


1870

Um 1870

Königreich Bayern * Die bayerischen Ziegeleibarone holen jährlich etwa 15.000 Saisonarbeiter aus der Gegend von Udine und dem Friaul ins Land, da sie - so die offizielle Begründung - als „streng katholisch“ sowie „genügsam und anspruchsvoll“ gelten. Auch würden sie „am Montag früh stets vollständig zur Arbeit erscheinen, eine Eigenschaft, auf die man bei den einheimischen Arbeitern nicht bestimmt rechnen kann“.

Wesentlich interessanter war für die „Loambarone“ allerdings, dass die italienischen Arbeitskräfte gegenüber ihren deutschen Kollegen erheblich billiger waren und dass sie das in Italien traditionelle Akkordanten-System von jeglicher sozialer Verantwortung gegenüber den Ziegeleiarbeitern entband. Die Anwerbung der Ziegelarbeiter, den Fornaciai, übernahmen die Akkordanten oder Capuzats. Das waren Friulaner, die mit den hiesigen Verhältnissen bestens vertraut und sprachkundig waren und so als Bindeglied zwischen den Ziegeleibesitzern und den Arbeitern fungierten.

August 1870

Bogenhausen * Die Gemeindeverwaltung Bogenhausen wendet sich an die Lokalschulinspektion mit der Bitte: „Keinen ledigen Schullehrer hierher zu versetzen, der Verlockungen durch die nahe Stadt wegen“.


1871

1871

Garmisch * Hubert und sein Vater Lorenz Herkomer leben für sechs Monate bei Bauern in Garmisch.

1871

Bogenhausen * Die Beamten-Relikten-Anstalt wird seinem Zweck zugeführt. Die von der Bevölkerung „Drachenburg“ genannte Einrichtung bietet Platz für rund 100 Frauen.


1873

1873

England * Hubert Herkomers Bild „Nach des Tages Arbeit“ entsteht.

Es zeigt bayerische Bauern, die von der Feldarbeit nach Hause kommen.


1874

1874

Bogenhausen - München-Haidhausen * Das neue Bogenhausener Schulhaus für rund 200 Schüler wird fertig gestellt.

Es ist bald zu klein, weshalb die älteren Kinder in die Haidhauser „Kirchenschule“ ausweichen müssen.

1874

Berg am Laim * Der Berg am Laimer „Maurermeister“ Joseph Behringer betreibt im Münchner Osten den ersten „Ringofen“.

Um August 1874

Bogenhausen * Durch das Fehlen der Isarbrücke bei Bogenhausen geht die Zahl der Münchner Ausflügler stark zurück.

Die Gemeinde Bogenhausen finanziert deshalb den Bau einer Eisenbrücke selbst.


1875

Um 1875

England * Hubert Herkomer ist für seine ausdrucksvollen Darstellungen der Armen der Stadt und sozialer Probleme bekannt.

Er malt Bilder mit dem Titel „Harte Zeiten“ oder „Im Streik“.

28. August 1875

Zamdorf - Berg am Laim * Zamdorf wird auf eigenen Wunsch der Gemeinde Berg am Laim zugeschlagen. Zu Zamdorf gehört auch Steinhausen. 


1877

1877

München-Ramersdorf - Unterföhring * Zwischen Ramersdorf und Unterföhring werden 60 „Ziegeleien“ gezählt.


1878

1878

Berg am Laim - München-Haidhausen - Bogenhausen * Da die „padroni“ jenseits der Alpen bei den „Akkordanten“ komplette Arbeitstrupps anheuern, stellen sie anfangs auch keine Geräte zur Verfügung.

Das bedeutet, dass die Italiener Schaufeln und Hacken schleppen und selbst Schubkarren und anderes Gerät über die Alpen schieben müssen.

An ihrem Arbeitsplatz in München angelangt, liegt ihnen ausschließlich daran, durch möglichst viel Arbeit möglichst viel Geld zu verdienen.
Durch das Bezahlen von „Akkordlöhnen“ entziehen sich die Italiener den Kontrollen, die man zur überwachung der gesetzlichen Vorgaben eingeführt hat.

Frauen und Kinder übernehmen die körperlich weniger schweren Tätigkeiten.
Manchmal bilden Familien ein Team, mit dem „stampadore“ an der Spitze.
Frau und Kinder haben ihm zuzuarbeiten und je besser die einzelnen Arbeitsschritte koordiniert sind, desto besser ist auch das Gesamtergebnis. 

Schon zehnjährige Buben verdingen sich als Handlanger.
Die „mulis“ stehen an der untersten Stelle der Hierarchie, haben den Mund zu halten und müssen einfach funktionieren.

Zwar sieht die „Reichsgewerbsordnung“ aus dem Jahr 1878 Bestimmungen zum „Arbeitsschutz für Kinder und Frauen“ vor, so eine „Beschränkung der Arbeitszeit“ sowie das „Verbot von körperlich schwerer Arbeit“.
Doch die Verordnung wird in der Praxis unterlaufen und die Strafen sind so lächerlich niedrig, dass sie wirkungslos bleiben.

Wenn kontrolliert wird, dann, so ein resignierter Fabrikinspektor, „[...] braucht sich der Jugendliche nur neben der [Arbeits-]Bank auf den Boden zu setzen, um Jedermann ad oculos zu demonstrieren, daß er seine Ruhepause in echt italienischer Weise feiert“.


1879

1879

Friaul - Königreich Bayern * Durch die neue Bahnlinie verkürzt sich die Reisedauer der italienischen „Ziegeleiarbeiter“ auf zwei Tage.

Bis dahin mussten sie den ganzen Weg über die Alpen zu Fuß zurücklegen. Das dauerte etwa 10 Tage.


1880

Nach 1880

Bogenhausen * Auf dem vom „Gas-Konsortium“ aufgekauften Grund entsteht das „Gaswerk am Kirchstein in Steinhausen“.

26. Juli 1880

Bogenhausen * Das Gas-Konsortium erwirbt am Kirchstein von dem Ziegeleibesitzer Nicolaus Huber ein Areal von insgesamt 6,077 Hektar.

13. August 1880

München - Bogenhausen * Das Gas-Konsortium kauft weitere 2,976 Hektar am Kirchstein an.


1882

1882

Bogenhausen * Joseph Selmayr junior wird mit 32 Jahren „Bürgermeister“ von Bogenhausen.

Der „Eingemeindungsbürgermeister“ bringt es noch zum „Landrat von Oberbayern“ und zum „Königlichen Kommerzienrat“.


1883

Um 1883

London * Hubert Herkomer macht sich einen Namen als Porträtist.

Queen Viktoria und Richard Wagner sitzen ihm Modell.

1883

Bushey * Hubert Herkomer betreibt in Bushey, England, eine „Kunstschule“.

Sie schließt 1904.

1883

München - Bogenhausen * Der „Panoramenmaler“ Ernst Philipp Fleischer wohnt bis 1911 in München.


1885

1885

Oxford * Hubert Herkomer wird „Professor der Schönen Künste“ an der Universität in Oxford.

Diese Funktion bekleidet er bis 1894.

Um August 1885

Bushey * Unter dem Titel „Leben und Arbeit in den bayerischen Bergen“ malt Hubert Herkomer eine Serie von 40 Bildern.


1886

1886

Bogenhausen * Joseph Selmayr jun., der „Bürgermeister“ von Bogenhausen, übernimmt den „Hansmarterhof“.

Neben der Landwirtschaft betreibt er noch Ziegeleien an der Ismaninger Straße.

16,7 der 22,4 Hektar (~ 75 Prozent) Grund des entstehenden Villenviertels gehören Joseph Selmayr.


1887

1887

München * Dr. Bruno Schoenlank, Vordenker in der „SPD“, kommentiert die Berichte der „Fabrikinspektoren“ in seinem Buch „Zur Lage der arbeitenden Klasse in Bayern“, das während der Zeit der „Sozialistengesetze“ verboten ist, wie folgt:

„[...] Das harte Werk, der lange Arbeitstag, der in den oberbayerischen Ziegeleien, diesen Musteranstalten rücksichtslosester Ausbeutung der Arbeitskraft herrscht, ist vom Fabrikinspektor oft genug denunziert worden.

Aber was nützt es? Die Herren Ziegeleibrenner lassen sich, um den einheimischen Arbeitern die Lebenshaltung noch tiefer als sie bereits steht, herabzudrücken, beständig neue Waggonladungen italienischer Kulis von ihren Lieferanten aus dem Lande kommen, wo die Citronen und die Schmutzconkurrenz blüh‘n.

So nimmt es Keinen, der die Verhältnisse selbst zu beobachten Gelegenheit gehabt, Wunder, wenn es über die Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen betreffs der Kinderarbeit von den Ziegeleien heißt:
‚In einer namhaften Zahl derartiger Anlagen, die ich im Berichtsjahr theils zum erstenmale, theils nach mehrjähriger Zwischenpause besucht habe, fanden sich nicht einmal die Arbeitsbücher und man war anscheinend entweder noch in völliger Unkenntniß der die jugendlichen Arbeiter betreffenden Vorschriften, oder man hat sie mangels genügender Controle einfach außer Acht gelassen. Das behufs dieser Mißstände weiter Erforderliche ist eingeleitet‘.

Mangel an Controle, weil Mangel an Aufsichtspersonal, und darum eine Gesetzesverletzung nach der anderen, begangen durch die sittenstrengen Stützen der bürgerlichen Gesellschaft, die Moral, Ehrbarkeit, Gesetzlichkeit und Schutz nationaler Arbeit in Erbpacht haben, ferner Unkenntnis der Gesetze, d.h. derjenigen, die den Profit der Kapitalisten ein wenig zu beschneiden bestimmt sind.

O diese unschuldvollen, ahnungslosen Engel von Kapitalisten!“


1891

1891

München-Lehel * Hubert Herkomer malt ein gewaltiges Gruppenbild mit dem Titel „Die Magistratssitzung“.

Es wird auf der ersten Ausstellung der „Münchner Secession“ gezeigt.

1891

München-Haidhausen * Insgesamt 80 Italiener werden in einer „Sammelklasse“ in der Haidhauser „Wörthschule“ unterrichtet.

„Einer allgemeinen Fortbildungsschule konnte man sie nicht zuführen, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Für sie bildete man eine eigene Klasse an der Wörthschule und erteilte ihnen abends und an Sonntagen acht Stunden wöchentlich Unterricht“.

In München gab es - im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten im Reich - diese äußerst fortschrittliche Einrichtung, in der italienisch-kundige bayerische Lehrer zwei- bis dreimal in der Woche in den Fächern „Geographie“, „Kalligraphie“, „Rechnen“, „Deutsch“ und „Religion“ unterrichteten.

Durch das Erlernen der deutschen Sprache sollte eine Integration hierzulande erleichtert werden, durch das Fach Geographie, in dem ausschließlich „italienische Landeskunde“ gelehrt wurde, die Bindung zur Heimat gewahrt bleiben.
Da ein Mann in Italien erst dann als vollberechtigter Staatsbürger galt, wenn er vor einem Notar seinen Namen schreiben konnte, war der Schreibunterricht für eine Wiedereingliederung in der Heimat von besonders großer Wichtigkeit.

Da die Schule von den weit außerhalb gelegenen „Ziegeleien“ jedoch oft nur in mehrstündigen Fußmärschen zu erreichen war, und auch die „Akkordanten“ nicht einmal für die Zeit der Schulstunden auf ihre billigsten Arbeitskräfte verzichten wollten, konnte nur eine begrenzte Anzahl der italienischen Kinder die „Schule an der Wörthstraße“ besuchen.


1892

1. Januar 1892

München-Bogenhausen * Die bis dahin selbstständige Gemeinde Bogenhausen wird mit den Gemeindeteilen Brunnthal, Neuberghausen und Priel mit seinen 1.570 Einwohner auf 441 Hektar nach München eingemeindet.

Um Februar 1892

Berlin * Ernst Philipp Fleischer erhält für das Panoramengemälde „200 Jahre aus der Geschichte der Hohenzollern“ in Berlin den Professorentitel.


1894

1894

München-Bogenhausen * Die Villa an der Maria-Theresia-Straße 17 wird als „Stadtpalais“ für Prinz Friedrich von Hohenzollern gebaut.


1895

Ab 1895

München-Bogenhausen * Bis 1898 entsteht das „Wohn- und Atelierhaus“ für Adolf von Hildebrand in der Maria-Theresia-Straße 23.

12. Juni 1895

München-Maxvorstadt * Der vom Bildhauer Adolf von Hildebrand entworfene Wittelsbacher Brunnen am Lenbachplatz wird eingeweiht.


1896

Ab 1896

München-Bogenhausen * Der Architekt Martin Dülfer erbaut die herrschaftliche Villa in der Maria-Theresia-Straße 27 für Clemens von Berchtolsheim, dem „Erfinder der Milchzentrifuge“.

Es handelt sich hier um eines der ersten Jugendstilhäuser in München.

9. Mai 1896

München-Bogenhausen * Am 9. und 10. Mai, exakt 25 Jahre nach dem - für Bayern und das Reich siegreichen - Krieg gegen Frankreich, findet die Grundsteinlegung für das Friedensdenkmal auf der Prinzregent-Luitpold-Terrasse statt. 


1898

1898

München-Bogenhausen * Der Panoramenmaler Ernst Philipp Fleischer fertigt das Rundgemälde „Kaiser Franz Joseph und seine Zeit“.

1898

München-Bogenhausen * Die neubarocke, schlossartige Bürgermeistervilla an der Ismaninger Straße 95 wird für das Ehepaar Joseph und Pauline Selmayr auf dem Grund es ehemaligen Hansmarterhofs erbaut. Sie umgibt der Bürgermeistergarten.


1899

1899

Berlin * Hubert Herkomer wird von Kaiser Wilhelm II. zum Ritter des Ordens Pour le Merite für Künste und Wissenschaft ernannt.

1899

München * Die Tonindustrie-Zeitung stellt fest: „In den Alpenländern hat der Arbeiterstand eine fast unausrottbare Abneigung gegen Lehmarbeit, sodass es wirklich schwer fällt, einheimische Kräfte heranzuziehen.“

1899

München-Bogenhausen * Zwischen 1899 und 1901 entsteht an der heutigen Maria-Theresia-Straße 27 die neobarocke Villa für Rudolf Diesel. Sie kostet 900.000 Mark.

16. Juli 1899

München-Bogenhausen * Das Friedensdenkmals wird feierlich eingeweiht. Das ist „der Tag, an dem vor 28 Jahren die bayerischen Truppen ihren Siegeszug in München gehalten“ haben.

13. September 1899

München-Bogenhausen * Die Isar schwillt auf 1.290 Kubikmeter in der Sekunde an. Bei diesem sogenannten Jahrhunderthochwasser wird die Luitpoldbrücke in Bogenhausen von den Fluten des Gebirgsflusses weggerissen.

17. Dezember 1899

München * Die „Gesellschaft Prinzregenten-Theater [GmbH]“ als Auftraggeber des Theaterneubaus wird gegründet. Da trifft es sich gut, dass der Architekt Max Littmann noch vor der endgültigen Entscheidung über den neuen Theaterbau, fünf Projektskizzen für

  • ein Wagnertheater nach Bayreuther Vorbild und 
  • Volkstheater ohne soziale Rangunterschiede,
  • ausgestattet mit den modernsten bühnentechnischen Mitteln erstellt hat.

1900

1900

München-Bogenhausen * Das Betz‘sche Wirtshaus in Bogenhausen wird als repräsentative Gaststätte neu gebaut. In ihr gibt es die „Millionärs-Trinkstube“, in der sich unter anderen die „Heiligen Drei Könige von Bogenhausen“ treffen: Selmayr, Kaffl und der Wirt Betz.

1900

München-Bogenhausen * Das Bogenhausener Schulhaus am Kirchplatz 3 erhält einen Anbau, womit - vorübergehend - eine spürbare Verbesserung der Zustände eintritt.

5. Mai 1900

München-Bogenhausen * Zunächst verkauft Graf Maximilian Joseph von Montgelas gleichnamiger Sohn seine Bogenhausener Besitzungen an Herzog Max in Bayern.

Über dessen Erben geht das Bauerwartungsland an die „Terrain-Aktiengesellschaft Herzogpark München-Gern“ von Jakob Heilmann und Max Littmann.
Unter der Bezeichnung „Herzogpark“ wird es mit Villen für betuchte Münchner Bürger bebaut.


1901

1901

Oberföhring * Der „Oberföhringer Bürgermeister und Ziegeleibesitzer“ Fritz Meyer antwortet dem „Bezirksamt“ auf detaillierte Beanstandungen folgendermaßen:

„Für unsere italienischen Arbeiter [...], die sich vom frühen Morgen bis zum Eintritt der Dämmerung im Freien aufhalten und bei Eintritt der rauheren Jahreszeit wieder in ihre Heimat reisen, genügen die Dachschlafräume in den Trockenstädeln vollkommen. 

Sie sind leicht ventilierbar und gegen Zugluft abgesperrt und wenn in denselben noch für genügend Abstand der Bettstellen, für mehr Licht, Ordnung und Reinlichkeit gesorgt wird, dann sind sie sogar gesund zu nennen.
Auf alle Fälle sind sie viel gesünder als die Schlafstätten der meisten Arbeiter in München“

Die Auflage nach stabil gebauten „Toiletten“ nannte er „sehr wohl gemeint, praktisch aber wirkungslos“, denn, so der „Ziegeleibesitzer“ weiter, „der Italiener kennt am Haus keinen Sitzabort und geht auch bei uns nur ungern in einen solchen und wenn er nicht in nächster Nähe ist, gar nicht, und die für unsere Landwirtschaft so wertvollen Fäkalien gehen verloren“.

1901

München-Bogenhausen * Die „Max-Joseph-Brücke“, Bogenhausens fünfte Brücke, entsteht.

Sie hält bis zum heuten Tag.

1901

München-Bogenhausen - München-Haidhausen * Die „Actien-Ziegelei München“ beteiligt sich mit 130.000 Goldmark an der für den Bau des „Prinzregententheaters“ zuständigen Gesellschaft.


1902

1902

Oberföhring * Ein Arbeitsvertrag der „Ziegelei Grimmeisen“ in Oberföhring legt die tägliche Arbeitszeit in den Monaten Mai mit August zwischen „4 Uhr früh und 9 Uhr abends“ fest.

Ab 1902

München-Bogenhausen * Der Professor, Architekt und Bauunternehmer Max Littmann baut für sich und seine Familie in der Höchlstraße 2 die „Villa Lindenhof“.

Ab 1902

München-Bogenhausen * Benno Becker, „Landschaftsmaler“ und „Schriftführer der Münchner Secession“, lässt sich in der Maria-Theresia-Straße 26 eine Villa erbauen.

Die Pläne stammen von Paul Ludwig Troost, der 30 Jahre später zum „Lieblingsarchitekten“ Adolf Hitlers aufstieg.


1904

1904

München-Bogenhausen * Da nach Auffassung des Bogenhausener Pfarrers das „Wirtshaus Neuberghausen“ zu Nahe an der Kirche, dem Friedhof und der Schule liegt, werden die beliebten Musik- und Tanzveranstaltungen, vor allem im Garten, nicht mehr gestattet.

Nur sanfte Musik, ohne Blech- und Schlaginstrumente werden im Ausnahmefall genehmigt.

Die Gastwirtschaft verliert dadurch ihre Attraktivität und Anziehungskraft, weshalb die Brauerei anno 1904 den Rückgang des Bierkonsums innerhalb von zwanzig Jahren auf ein Zehntel beklagen muss.


1905

1905

Deutschland - Österreich * Hubert von Herkomer betreibt in den Jahren 1905 bis 1907 legendäre Automobilrennen, die „Herkomerkonkurrenz“, die durch Deutschland und Österreich führt.

1905

München-Bogenhausen * Die Kuppel der Bogenhausener „Georgskirche“ wird letztmals mit Schindeln gedeckt.


1907

1907

London * Hubert von Herkomer wird die „englische Ritterwürde“ verliehen.

Er darf sich jetzt Sir Hubert von Herkomer nennen.


1908

Bis 1908

Berg am Laim * Bis zur Änderung des „Kommunalwahlrechts“ ist die Stimmabgabe bei politischen Wahlen weitgehend an Besitz gebunden.

Von den 2.200 Berg am Laimer Gemeindebewohnern dürfen nur 50 männliche Gemeindebürger wählen.

Kein Wunder also, dass nahezu alle Bürgermeister betuchte „Ziegeleibesitzer“ sind und sich auch der „Gemeinderat“ zu etwa einem Drittel aus diesem Berufsstand rekrutiert.

1908

Unterföhring * Die „Actien-Ziegelei München“ betreibt in Unterföhring ein Werk, in dem sie vor allem „Trottoir- und Klinkerwaren, Verblendsteine für Tiefbauten und Handmauersteine“ herstellt.

28. Februar 1908

München * Ernst Philipp Fleischers Ehe wird „wegen Ehebruchs mit der früheren Modellsteherin Maria Reitmaier“ geschieden.


1909

1909

München-Bogenhausen * Es entstehen Planungen für einen Kirchenneubau der „Georgskirche“ nahe der heutigen „Gebeleschule“ in Bogenhausen.

Mai 1909

München-Bogenhausen * Die Arbeiten zum 108 x 29 Meter messenden „Fleischer-Schlössl“, auf dem 2,38 Hektar großen Parkgrundstück in Bogenhausen beginnen.

Das Hochparterre sollte eine Wohnfläche von 1.600 qm bieten. Das Atelier wäre 150 qm groß geworden.


1910

1910

München-Bogenhausen * Die Schülerzahl in Bogenhausen steigt in kürzester Zeit derart an, dass Schichtunterricht abgehalten werden muss.

1910

München-Bogenhausen * Das „Bad Brunnthal“ wird abgebrochen.

Um April 1910

München-Bogenhausen * Die Arbeiten zum „Fleischer-Schlössl“ in Bogenhausen müssen wegen finanzieller Schwierigkeiten des Bauherrn eingestellt werden.


1911

1911

München-Bogenhausen * Das Wirtshaus „Neuberghausen“ in Bogenhausen wird stillgelegt und das Anwesen an Friedrich Lauer verkauft.

Nach weiteren Zukäufen errichtet er hier seine 3.000-Quadratmeter-Villa.


1912

Um Dezember 1912

München-Bogenhausen * Das „Zwangsversteigerungsverfahren“ für das „Fleischer-Schlössl“ wird eingeleitet.


1913

1913

München-Bogenhausen * Die eigens zum Erwerb des „Fleischer-Anwesens“ gegründete „Bogenhausener Grundverwertungsgesellschaft“ ersteigert das Grundstück.

1913

München-Bogenhausen * Thomas Mann erwirbt ein Grundstück im Münchner „Herzogpark“ und lässt sich von den Architekten Aloys und Gustav Ludwig eine Villa erbauen.

Die Anschrift lautet: Poschingerstraße 1.

1. Juli 1913

München-Oberföhring * Die selbstständige Gemeinde Oberföhring mit dem Gemeindeteil St. Emmeram wird nach München eingemeindet.


1914

1914

München-Ludwigsvorstadt * Das Unternehmen „Pharmacia M. Schmidt & Co“, die späteren „Togal-Werke“, wird in gemieteten Räumen in der Goethe- und Schillerstraße gegründet.

4 Mitarbeiter hat das Unternehmen.

1914

München-Bogenhausen * Der Neubau der Bogenhausener „Gebeleschule“ wird bezogen.

1914

München-Bogenhausen * In das alte Schulgebäude am Kirchplatz 3 zieht ein „Kindergarten“ ein, der als „praktische Übungsstätte“ des zum „Annalyzeums“ im Lehel gehörenden „Kindergärtinnenseminars“ genutzt wird.

Es ist Bestandteil der „Städtischen Frauenschule“.

1914

München-Bogenhausen * Im Bogenhausener „Brunnthal“ entstehen vornehme neoklassizistische Villen.

Anfang 1914

München-Bogenhausen * Thomas Mann und seine Familie beziehen ihre Villa in der Poschingerstraße 1 im „Herzogpark“. (Heute: Thomas-Mann-Allee 10)

31. März 1914

Großbritannien * Sir Hubert von Herkomer stirbt in England an den Folgen eines Magenkrebs.


1918

Februar 1918

München-Bogenhausen * Die Baufirma Heilmann & Littmann will in den Fleischer-Palast 110 Kleinwohnungen unterbringen. 

Ein weiterer Plan war, das Gebäude abzureißen und das Gelände in 30 Villenbauplätze aufzuteilen.

26. Juli 1918

Berlin - München-Bogenhausen * Das Gesetz zur Errichtung des Reichsfinanzhofs - RHF wird verabschiedet. Gleichzeitig fällt die Entscheidung, dass München der Standort für das höchste Gericht im Finanzwesen wird. Der Reichsfinanzhof wird später im Rohbau der Künstlerresidenz des Panoramenmalers Ernst Philipp Fleischer in der Ismaninger Straße in Bogenhausen untergebracht. 

1. Oktober 1918

München-Bogenhausen * Der Reichsfinanzhof nimmt seine Tätigkeit auf.


1919

1919

München-Bogenhausen * Das Reichsvermögensamt kauft das Fleischer-Anwesen in Bogenhausen und stellt die nur provisorisch eingedeckte Bauruine bis zum Jahr 1923 fertig. Der Bau wird auf 78 Meter verkürzt.

1. Oktober 1919

München-Bogenhausen * Der erste Hortleiterinnenkurs innerhalb der Städtischen Frauenschule wird abgehalten.


1920

16. März 1920

München * Der „Antisemitismus“ wird gewalttätig.

Der konservative „Ministerpräsident“ Gustav von Kahr (BVP) kündigt in seiner ersten Regierungserklärung an, gegen die „Überfremdung durch Stammesfremde“ einzuschreiten und erklärt die „Reinhaltung des eigenen Volkes von fremden Elementen“ zum Gebot der Stunde. 
Er meint damit den besonders verhassten „Teil der jüdischen Rasse“, die „Ostjuden“.

Und Münchens „Polizeipräsident“ Ernst Pöhner hält es für nicht ausgeschlossen, wenn „wegen der unerträglichen Teuerung etwas unternommen, etwa einige Juden aufgehängt würden“.

Gegen die gewalttätigen und gewaltbereiten „Antisemiten“ unternimmt die Münchner Polizei allerdings nichts.
Nun wird die Situation für die jüdischen Mitbürger unerträglich.
Viele verlassen die Stadt.


1921

1921

München-Bogenhausen * Der Inhaber der Chemiefirma „Pharmacia M. Schmidt & Co“ Gerhard Schmidt erwirbt das Anwesen der ehemaligen „Gaststätte und Metzgerei Betz“ an der Ismaninger Straße.


1923

1. Juli 1923

Bogenhausen * Die von Friedrich Lauer in seiner Villa in der Neuberghausener Straße 11 gegründete Münchner Edelmesse GmbH wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Sie wird als „Ständige Musterschau Deutscher Qualitätswaren mit Großhandelsvertretung für das In- und Ausland“ definiert. Nur geschultes, sprach- und warenkundiges Verkaufspersonal bedient die kaufkräftige, elitäre und vornehme Kundschaft. „Kein Schund, kein Kitsch, keine Ramschware wird zur Schau gestellt, sondern Gediegenes, Zweckentsprechendes, Echtes, mit einem Wort: ,Edles'."


1924

3. Januar 1924

München-Bogenhausen * Der Bau des Reichsfinanzhofs an der Ismaninger Straße 109 wird offiziell seiner Bestimmung übergeben.


1925

1925

München-Lehel - München-Bogenhausen * Die theoretische Ausbildung des „Kindergarten-Seminars“ wird vom „Anna-Lyzeum“ im Lehel an den Bogenhausener Kirchplatz verlegt.

1925

München-Bogenhausen * Die Kuppel der „Sankt-Georgs-Kirche“ in Bogenhausen wird mit Kupferblech überzogen.

Um 1925

München-Bogenhausen * Gegen Planungen, die Bogenhausener „Georgskirche“ umzubauen und dazu das Gotteshaus teilweise abzureißen, formiert sich massiver Protest, der auch von Liesl Karlstadt unterstützt wird.

Oktober 1925

München-Bogenhausen * Die „Münchner Edelmesse AG“ in Bogenhausen ist bankrott und wird aus dem Handelsregister gelöscht.


1927

1927

München-Bogenhausen * Die „Villa Lauer“ in der Neuberghausener Straße 11 wird von den „Suevia-Corpsbrüdern“ für 320.000 Rentenmark gekauft.

Es war das großzügiste und exclusivste Verbindungshaus Münchens.


1930

1930

München-Haidhausen * Die beiden Grützner-Kinder versteigern alle Güter - einschließlich der umfangreichen und kostbaren Antiquitätensammlung.

Die „Künstler-Villa“ erwirbt die Studentenvereinigung „Danubia“, die einige Räume umbauen lässt.

9. September 1930

München * Pater Rupert Mayer schreibt einen Brief an Kardinal Michael Faulhaber und die Bischofskonferenz, in dem sich der Jesuit wiefolgt äußert: 

„Die völkischen Hetzereien können wir uns nicht groß genug vorstellen. So herrscht in unserem katholischen Volk eine beispielslose Verwirrung. Unbegreiflich, aber wahr ist es, daß der Hitlerschwindel wieder die weitesten, auch katholischen Volkskreise erfasst hat“.

18. November 1930

München * Die Bischöfe beschäftigen sich in einer Diözesansynode auch mit dem Nationalsozialismus. Domdekan Prälat Dr. Anton Scharnagl referiert über dieses Thema. Seine Ausführungen beginnen mit den Worten: „Der Nationalsozialismus ist politische Partei und Weltanschauung zugleich“ und kommt zum Ergebnis, dass der Nationalsozialismus mit den Aussagen der katholischen Glaubenslehre unvereinbar sei.

Dr. Scharnagl begründet danach seine Thesen mit den

  • von den Nationalsozialisten propagierten germanischen Christentum,
  • der Ablehnung des Alten Testaments,
  • der Forderung nach einer deutschen Volkskirche,
  • die Ablehnung der Bekenntnisschule und
  • einer rassisch definierten Sittlichkeit, die die kinderlose Frau als minderwertiges Mitglied der Volksgemeinschaft betrachtet. 

In den angefügten Feststellungen wird der Sachverhalt in nie mehr wiederholter Deutlichkeit schließlich auf den Punkt gebracht: „Der Nationalsozialismus ist eine Häresie und mit der christlichen Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen.“  

Das im Februar 1931 veröffentlichte Amtsblatt Nr. 4 schwächt allerdings entscheidende Passagen bereits wieder ab. 


1931

1931

München-Bogenhausen * Aufgrund von Bürgerprotesten dauert das Genehmigungsverfahren für den Betrieb einer Chemieanlage des Pharma-Unternehmens „Pharmacia M. Schmidt & Co“, den späteren „Togal-Werken“, auf dem Anwesen des ehemaligen Betz‘schen Anwesens zehn Jahre lang.


1933

Ab 1933

München-Bogenhausen * Die Aufgabe des „Reichsfinanzhofes“ bestand während der Jahre von 1933 bis 1945 im Wesentlichen in der Weiterentwicklung der Steuergesetze und der Entwicklung des Steuerrechts im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Den Boykott jüdischer Geschäfte, die Entziehung der Berufszulassungen von jüdischen ärzten und die Entfernung jüdischer Beamten aus dem öffentlichen Dienst bezeichneten die Finanzrichter lediglich als „in steuerlicher Hinsicht irrelevante Belästigungen“.

Mit ihren Urteilen nahmen die „furchtbaren Juristen von der Ismaninger Straße“ entscheidenden Einfluss an der „Arisierung“ jüdischen Vermögens. 

So mussten Juden, deren Wohnung von der „Gestapo“ versiegelt wurden, nachdem sie ins Ausland geflohen waren, ein Viertel ihres Vermögens als „Reichsfluchtsteuer“ zahlen.

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.

10. Februar 1933

München-Maxvorstadt * Im „Richard-Wagner-Jahr“ hält Thomas Mann aus Anlass des 50. Todestages des berühmten Künstlers im Auditorium maximum der Universität München einen Vortrag über „Leiden und Größe Richard Wagners“. Thomas Mann verliest dabei ein zwanzigseitiges Manuskript aus einem rund siebzig Seiten umfassenden Aufsatz. 

In seinem Referat spricht sich Thomas Mann gegen eine einseitig heroisierende Verherrlichung und eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Werken Richard Wagners aus.

11. Februar 1933

München - Holland * Der Schriftsteller Thomas Mann verlässt München zu weiteren Wagnervorträgen in mehreren europäischen Großstädten. Diese Reise wird der Beginn seines mehrjährigen Exils.

20. März 1933

Berlin - Rom-Vatikan * Abschluss des „Kokordats“ zwischen dem „Deutschen Reich“ und dem „Vatikan“.

24. März 1933

Berlin * Der Reichstag beschließt - nach der Aberkennung der Reichstagsmandate der KPD und mit den Gegenstimmen der SPD das Gesetz zur Behebung der Not im Volk und Staat, das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Für das Gesetz stimmen die Reichstagsfraktionen der NSDAP, DNVP, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei - BVP, DVP und DStP.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes wird kein Steuergesetz mehr parlamentarisch beraten und beschlossen.

16. April 1933

München * Gegen den „Wagner-Vortrag“ Thomas Manns organisieren der Bayerische Staatsoperndirektor Prof. Hans Knappertsbusch und der Generalmusikdirektor Prof. Dr. Hans Pfitzner einen „Protest der Stadt München“. Dieser wird in den Münchner Neuesten Nachrichten abgedruckt und ist von den führenden Vertretern des künstlerischen Lebens Münchens unterzeichnet worden. Darunter

  • der Präsident der Akademie der Bildenden Künste, Prof. Dr. German Bestelmeyer;
  • der Bildhauer Bernhard Bleeker;
  • Oberbürgermeister Karl Fiehler;
  • der Akademieprofessor Olaf Gulbransson;
  • der Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, Clemens von Frankenstein;
  • der Generalmusikdirektor Dr. Richard Strauß;
  • der Präsident der Industrie- und Handelskammer Josef Pschorr
  • und viele andere Honoratioren mehr.

In dem Protestschreiben heißt es: „Nachdem die nationale Erhebung Deutschlands festes Gefüge angenommen hat, kann es nicht mehr als Ablenkung empfunden werden, wenn wir uns an die Öffentlichkeit wenden, um das Andenken an den großen deutschen Meister Richard Wagner vor Verunglimpfung zu schützen. 

Wir empfinden Wagner als musikalisch-dramatischen Ausdruck tiefsten deutschen Gefühls, das wir nicht durch ästhetisierenden Snobismus beleidigen lassen wollen, wie das mit so überheblicher Geschwollenheit in Richard-Wagner-Gedenkreden von Herrn Thomas Mann geschieht. [...] 

Wir lassen uns eine solche Herabsetzung unseres großen deutschen Musikgenies von keinem Menschen gefallen, ganz sicher aber nicht von Herrn Thomas Mann, [...]. 

Wer sich selbst als derart unzuverlässig und unsachverständig in seinen Werken offenbart, hat kein Recht auf Kritik wertbeständiger deutscher Geistesriesen.“

Thomas Mann wiederholt seinen Vortrag in Amsterdam, Brüssel und Paris. Doch nach dem „Protest der Richard-Wagner-Stadt München“ kann er nicht mehr in seine Heimatstadt zurückkehren.

17. Juni 1933

München-Bogenhausen * Der Zierbrunnen am Shakespeareplatz in Bogenhausen geht in Betrieb.

14. Juli 1933

Berlin * Im Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses bestimmten die Nationalsozialisten, dass Menschen in acht Krankheitsfällen - auch gegen ihren Willen - sterilisiert, also unfruchtbar gemacht werden können. Die aufgeführten Krankheiten sind: 

  • angeborener Schwachsinn,
  • Schizophrenie,
  • manisch-depressives Irresein,
  • Epilepsie,
  • Veitstanz,
  • erbliche Blindheit und Taubheit und
  • schwere körperliche Mißbildungen.

Außerdem können Personen, die an schwerem Alkoholismus leiden, unfruchtbar gemacht werden.

In den Jahren von 1933 bis 1945 werden aufgrund dieses Gesetzes circa 400.000 Männer und Frauen mit erblichen Krankheiten sterilisiert. Nach den Grundsätzen nationalsozialistischer Erbgesundheitspflege gehört die Maßnahme der Sterilisation zur künstlichen Ausmerze, die bis zur Vernichtung lebensunwerten Lebens geht.


1934

18. Januar 1934

München-Bogenhausen * Die Bayerische Politische Polizei - BPP konfisziert die Villa von Thomas Mann in der Poschingerstraße 1, heute: Thomas-Mann-Allee 10.

25. September 1934

München-Bogenhausen * Elisabeth Braun kauft die Hildebrand-Villa in der Maria-Theresia-Straße 23. Sie bewohnt das Haus gemeinsam mit ihrer Stiefmutter Rosa Braun seit dem 30. November.


1935

1935

München-Bogenhausen * Das bekannte Schmerzmittel „Togal“ wird in 46 Ländern verkauft.

18. Oktober 1935

Berlin * Das Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes, auch Ehegesundheitsgesetz genannt, wird verkündet. Es soll alle - nach Ansicht der Nationalsozialisten unerwünschten und nach ihrer Auffassung minderwertigen Nachkommen verhindern.

Das Gesetz verbietet in einer Reihe von Fällen die Eheschließung. Deshalb müssen die Verlobten vor der Eheschließung „durch ein Zeugnis des Gesundheitsamtes [Ehetauglichkeitszeugnis] nachweisen, daß ein Ehehindernis nach § 1 nicht vorliegt“.

  • Als Ehehindernis gilt, wenn einer der Partner an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit leidet, die nach nationalsozialistischer Ansicht eine erhebliche gesundheitliche Schädigung des Partners oder der Nachkommen befürchten ließ.
  • Darüber hinaus wurde mit dem Ehetauglichkeitszeugnis bescheinigt, dass die Eheschließung nicht gegen das Blutschutzgesetz verstößt.
  • Das Ehegesundheitsgesetz schreibt ja vor: „Eine Ehe soll ferner nicht geschlossen werden, wenn aus ihr eine die Reinhaltung des deutschen Blutes gefährdende Nachkommenschaft zu erwarten ist.“
  • Damit ist nicht nur das Verbot der Ehe zwischen Juden und Nicht-Juden gemeint, sondern nach dem Gesetzeskommentar auch die Verheiratungen mit „Negern und Zigeunern“.

Später wird die Vorschrift noch auf die Eheschließung zwischen Deutschen und Angehörigen osteuropäischer Volker ausgedehnt.

12. Dezember 1935

Berlin * Der Lebensborn e.V. wird auf Veranlassung des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, in Berlin gegründet und ist von Anfang an in die nationalsozialistische Rassenpolitik eingebunden. Himmler will die „erbgesundheitlich wertvolle Sippe deutscher nordisch bestimmter Art“ erhalten und vermehren, wobei die SS die „Elite des Herrenvolkes“ der Deutschen werden soll. 

Der Gedanke des „guten Blutes“ basiert auf der nationalsozialistischen Rassenkunde und der Gedankenwelt des Sozialdarwinismus, in der behauptet wird, es gibt minderwertige Rassen und eine hochwertige, die nordische Rasse, zu der die Mehrheit der Deutschen zu zählen sei.


1936

1936

Berlin * Heinrich Himmler bestimmt die Aufgaben des „Lebensborn e.V.“ im Detail. 

Mindestens vier Kinder sollen in jeder SS-Familie aufwachsen, da die „Frage vieler Kinder [...] nicht Privatangelegenheit des einzelnen, sondern Pflicht gegenüber seinen Ahnen und unserem Volk“ ist. „Falls unglückliche Schicksalsumstände der Ehe eigene Kinder versagen, soll jeder SS-Führer rassisch und erbgesundheitlich wertvolle Kinder annehmen und sie im Sinne des Nationalsozialismus erziehen [...]“

Punkt 2 bestimmt als Aufgabe des Vereins: „Rassisch und erbbiologisch wertvolle werdende Mütter unterzubringen und zu betreuen, bei denen nach sorgfältiger Prüfung der eigenen Familie und der Familie des Erzeugers [...] anzunehmen ist, daß gleich wertvolle Kinder zur Welt kommen“

Wenn schwangere Frauen nachweisen können, dass unter ihren Vorfahren keine „Juden“ sind, und wenn ihnen zudem „SS-Ärzte“ ihre so genannte „erbbiologische Gesundheit“ bestätigen, wird ihnen - um eine Abtreibung zu verhindern - die Aufnahme in ein „Entbindungsheim“ des „Lebensborn e.V.“ versprochen. 

Die Verwirklichung der rassischen Komponente der NS-Weltanschauung zielt auf die Ablösung der alten Führungsschichten durch eine neue, biologisch geformte nationalsozialistische Elite.

15. August 1936

Steinhöring * Das erste Entbindungsheim des Lebensborn e.V. wird in Steinhöring bei Ebersberg eingeweiht und als Musterheim „Hochland“ bezeichnet. Der Verein kauft das ehemalige Caritas-Kinderheim für 55.000 Reichsmark vom Bayerischen Staat und baut es später um 540.000 RM aus und um.

4. Oktober 1936

Berlin * Der Übertritt von Juden zum Christentum hat laut Erlass des Reichsinnenministeriums keine Bedeutung für die Rassenfrage.

3. Dezember 1936

München-Bogenhausen * Im Zuge der Ausbürgerung von Thomas und Katia Mann wird das Deutsche Reich als neuer Besitzer der Mann-Villa in der Poschingerstraße 1 (heute: Thomas-Mann-Allee 10) eingetragen.


1937

Ende 1937

München * In der Zentrale des „Lebensborn e.V.“ werden 23 Angestellte beschäftigt.

1937

München-Haidhausen * Nachdem die Studentenverbindung „Danubia“ die Zinsen für den Kredit nicht aufbringen kann, kommt die ehemalige „Grützner-Villa“ in Haidhausen zwangsweise unter den Hammer und geht daraufhin in den Besitz von Grützners Sohn Karl Eduard über, der dort mit seiner Frau Gisela lebt.

28. April 1937

Berlin * Die Polizeidienststellen werden verpflichtet, Personen, die einer geplanten Emigration verdächtigt werden, der Finanzbehörde anzuzeigen.

12. Juni 1937

Berlin * Durch einen Geheimerlass des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, werden „jüdische Rasseschänder“ und Partnerinnen in „rassenschänderischen Beziehungen“ nach Verbüßung der Haftstrafe in ein Konzentrationslager eingewiesen.

11. November 1937

München-Bogenhausen * Die ehemalige Thomas-Mann-Villa in der Poschingerstraße 1 (heute: Thomas-Mann-Allee 10) wird dem Lebensborn zur Verfügung gestellt. Dieser richtet hier seine Zentrale ein, nachdem der Vereinssitz von Berlin nach München verlegt wird.


1938

1938

München-Bogenhausen * Die Villa des Bankdirektoren-Ehepaares Auguste und Martin Aufhäuser in der Maria-Theresia-Straße 28 wird „arisiert“ und geht in den Besitz des „NS-Reichskolonialbundes“ über.

Januar 1938

München-Bogenhausen * Der „Lebensborn e.V.“ bezieht die ehemalige „Thomas-Mann-Villa“ in der Poschingerstraße 1.

Er muss keine Miete bezahlen und einzig für die laufenden Kosten und Unterhaltskosten aufkommen.

17. August 1938

Berlin * Die „Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ tritt in Kraft. Die Verordnung beinhaltet eine „Richtlinie über die Führung von Vornamen“. Darin dürfen neugeborene Juden nur solche jüdische Vornamen führen, die in einer Liste aufgeführt werden. Juden, die keinen typisch jüdischen Vornamen tragen, müssen einen zusätzlichen Vornamen annehmen - „Sara“ oder „Israel“

9. November 1938

München * Noch in der Nacht finden - unter passiver Anteilnahme sehr vieler Schaulustiger - die seit längerer Zeit geplanten Ausschreitungen gegen die Juden statt.

  • In München werden ein Jude ermordet sowie 900 Menschen verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht.
  • Rund 700 Geschäfte und Betriebe werden demoliert und die Synagogen in der Herzog-Rudolf-Straße und in der Reichenbachstraße zerstört.
  • Die Münchner Hauptsynagoge war bereits im Juni 1938 abgerissen worden.

Die Bilanz dieser später auch noch beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten Juden-Pogrome bedeutet für Deutschland:

  • 91 Ermordete, zahllose Verletzte, Misshandelte und Vergewaltigte,
  • 191 zerstörte Synagogen,
  • 7.500 zerstörte und ausgeraubte Geschäfte,
  • Verwüstung unzähliger Wohnungen und
  • fast aller jüdischer Friedhöfe,
  • rund 30.000 Einlieferungen in Konzentrationslager.

Die reichsweit organisierten antijüdischen Ausschreitungen dauern auch noch am 10. November an.

12. November 1938

Berlin * Hermann Göring, der Beauftragte für den Vierjahresplan zur Kriegsvorbereitung, erlässt eine Sühneverordnung, die zur Finanzierung der Aufrüstung gedacht ist.

  • Die Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssen zusammen eine Milliarde Reichsmark wegen „ihrer feindlichen Haltung gegenüber dem deutschen Volk und Reich“ zahlen.
  • Weiterhin werden alle Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben ausgeschaltet.
  • Und schließlich gibt es die Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes.
  • Sie besagt: „Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.
  • Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen. Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt.“

In München wird eine eigene Arisierungsstelle in der Widenmayerstraße 27 eingerichtet, die die Enteignung und Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung durchführen soll.

18. November 1938

München * Innerhalb des isolierten jüdischen Lebensbereiches wird die Israelitische Kultusgemeinde gezwungen, die staatlichen Terror-Maßnahmen durchzusetzen und zu organisieren. So kündigt der Völkische Beobachter an:

„Die Israelitische Kultusgemeinde richtet im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen ab sofort eigene Verkaufsstellen ein, in denen die in München ansässigen Juden ihren notwendigen Bedarf decken können. Zutritt zu diesen Verkaufsstellen haben nur Juden.“

Dezember 1938

München-Bogenhausen * Das Anwesen Cuvilliésstraße 22 gehört der jüdischen Mitbürgerin Rosa Wassermann und ihrem Sohn Rudolf.

Weil den Juden der eigenständige Handel mit Immobilien verboten ist, müssen sie das Grundstück für 36.900 RM an die „Vermögensverwertung München GmbH“ übertragen.


1939

Um 1939

München-Bogenhausen * Die „Villa Benno Becker“ in der Möhlstraße wird arisiert. 

Der „Reichsleiter der NSDAP“, Martin Bormann, bezieht mit seiner elfköpfigen Familie die Immobilie.

1939

München-Bogenhausen * Die Villa in der Cuvilliésstraße 22 wird durch einen Treuhänder um 61.000 RM an den „Reichsfiskus“ (Luftfahrt) verkauft. 

Dieser stellt die Bogenhausener Villa dem „Lebensborn e.V.“ ab 1940 zur Verfügung.

1939

München-Bogenhausen * Karl Freiherr von Eberstein, der Münchner „Polizeipräsident“ und damit „Gerichtsherr über die SS-Wachmannschaften im KZ Dachau“, bezieht die Villa in der Maria-Theresia-Straße 17.

Ab Januar 1939

München-Bogenhausen * Obwohl Elisabeth Braun am 4. Oktober 1920 der „Evangelisch-lutherische Kirche“ beigetreten war, muss sie ihrem Vornamen den Zusatz „Sara“ hinzufügen.

1. Januar 1939

Berlin * Alle deutschen Juden mussten als zweiten Vornamen „Sara“ oder „Israel“ annehmen und in ihre Ausweise eintragen lassen. Ab diesem Zeitpunkt mussten sie ihre Briefe mit dem diskriminierenden Vornamen unterzeichnen, Briefköpfe, Praxisschilder und ähnliches ändern und ergänzen. Verstöße werden mit Gefängnishaft bestraft. 

Um Juli 1939

München-Bogenhausen * Mit der „Gleichschaltung“ der Studentenverbindungen verliert das „Corpshaus der Suevia“ in Bogenhausen seinen Zweck.

Es wird um 350.000 Reichsmark an die Stadt München zur Unterbringung der „Meisterschule für Mode“ verkauft.

September 1939

München-Bogenhausen * Nach dem Kriegsbeginn zieht in die ehemalige „Lauer-Villa“ in der Neuberghausener Straße 11 eine „Luftschutzrettungsstelle“ für Bogenhausen ein.

Weitere Militäteinrichtungen, darunter die „Luftschutzschule“, folgen.

1. September 1939

Berlin * Der Euthanasiebefehl Hitlers, wird zwar erst Ende Oktober 1939 geschrieben, aber auf den 1. September 1939 rückdatiert. „Träger minderwertigen Erbgutes“ (siehe 14. Juli 1933) gelten den Nazis als „lebensunwertes Leben“. Das geheime Ermächtigungsschreiben Adolf Hitlers hat die planmäßige Tötung von 100.000 Erwachsenen und 20.000 Kindern zur Folge. 

Die Verwirklichung des Euthanasieprogramms soll vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden, weshalb die unmittelbar Hitler unterstellte Kanzlei des Führers der NSDAP mit der Vorbereitung und Durchführung der Tötungsmaßnahmen beauftragt wird. Die Euthanasie-Aktion wird inoffiziell als Aktion T 4 bezeichnet, nach dem Sitz der zuständigen Dienststelle in der Berliner Tiergartenstraße 4.

Um keinen Verdacht zu erregen, werden in den Tötungsanstalten eigene Standesämter zur Ausstellung der Todesurkunden eingerichtet. Die Angehörigen erhalten eine Mitteilung, dass der Kranke „unerwartet an einer Krankheit“ gestorben und bereits eingeäschert worden ist.

20. September 1939

Berlin * Juden müssen sämtliche Radioapparate abliefern.


1940

1940

München-Bogenhausen * Eine Dienststelle des Lebensborn e.V. ist in der Cuvilliésstraße 22 untergebracht. Vorteilhaft ist die Nähe zur Bürgermeister-Villa in der Ismaninger Straße 95, die ab 1941 ebenfalls als Lebensborn-Dienststelle genutzt wird.

Um 1940

Europa * Im „Deutschen Reich“ (einschließlich Österreich) besitzt der „Lebensborn e.V.“ neun „Entbindungsheime“ und zwei „Kinderheime“.

Für die Geburt unehelich gezeugter Kinder deutscher Besatzungstruppen eröffnet der „Lebensborn e.V.“ in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Norwegen insgesamt zwölf „Entbindungsheime“.

Alleine in Norwegen kommen 8.000 bis 9.000 Kinder zur Welt.
Jedes „Lebensborn-Heim“ besitzt ein eigenes „Standesamt“ und eine „polizeiliche Meldestelle“.

1. Januar 1940

Steinhöring * Nach dem Umbau des Lebensbornheims Hochland in Steinhöring bietet es jetzt Platz für 50 statt für 30 Mütter. Die Kinderbettenzahl ist von 55 auf 109 aufgestockt worden.

15. Januar 1940

München-Kreuzviertel * Der ebenfalls geplante Abriss des jüdischen Gemeindehauses in der Herzog- Max-Straße 3-5 kommt nicht zur Ausführung. Die Gebäude werden daraufhin dem Rasse- und Siedlungs-Hauptamt der SS zur Verfügung gestellt. Daraufhin verlegt die Zentrale des Lebensborn e.V. ihren Sitz von der Poschinger Straße 1 in die Herzog-Max-Straße 3-7.

21. Juni 1940

München-Bogenhausen * Da Elisabeth Braun „infolge bestimmter persönlicher Bedrohungen“ mit ihrem „vorzeitigen Ableben“ rechnet, vermacht sie ihre irdischen Güter der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern rechts des Rheins.


1941

Ab 1941

Berlin * Der „Lebensborn e.V.“ wirkt bei der Eindeutschung „rassisch wertvoller“ Kinder aus den besetzten Gebieten mit. 

Mehrere hundert Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 17 Jahren werden - gegen den Willen oder ohne Wissen der Eltern - aus Norwegen, Polen, dem früheren Jugoslawien oder der ehemaligen Tschechoslowakei nach Deutschland geschickt.

Der „Lebensborn e.V.“ gibt ihnen deutsche Namen, erzieht sie in seinen Heimen ausschließlich in deutscher Sprache zu deutscher Lebensweise und vermittelt sie in deutsche Pflege- oder Adoptionsfamilien.

Die äußeren Merkmale der Kinder müssen sie als „reinrassisch“ und zur Vermehrung des „guten Blutes“ geeignet erscheinen lassen, denn - so hat Heinrich Himmler SS-Führern im besetzten Polen erklärt: „Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen“.

16. Juni 1941

München-Bogenhausen * Der Jesuitenpater Alfred Delp beginnt seine Tätigkeit als Seelsorger in der Bogenhausener Pfarrei Heilig Blut und als Kirchenrektor an der Sankt-Georgs-Kirche.

24. Juni 1941

München-Bogenhausen * Der Lebensborn e.V. erwirbt die Bürgermeister-Villa in der Ismaninger Straße 95 in Bogenhausen. Zu diesem Zweck genehmigt Heinrich Himmler die Aufnahme eines Kredits in Höhe von 750.000 RM. Die Villa wird zur Unterbringung von Lebensborn-Dienststellen gebraucht, die in der Herzog-Max-Straße 3-7 keinen Platz mehr haben. So zum Beispiel die Krankenkassenabteilung

In einem Rundschreiben vom 24. Juni 1941 wird die Eröffnung der Verwaltungsstellen als „Dienststelle Ismaningerstraße 95“ bekannt gegeben. Unter der Anschrift Ismaninger Straße 95 findet sich die einzige offizielle Eintragung des Lebensborn e.V. in einem Münchner Adressbuch.

August 1941

Berlin * Hitler lässt die Tötungsaktionen aus dem „Euthanasiebefehl“ einstellen, weil trotz strengster Geheimhaltung Tatsachenberichte an die Öffentlichkeit dringen.

Dennoch fallen bis 1945 noch Tausende von Menschen in den „Heilanstalten“ der „Euthanasie“ zum Opfer.

18. August 1941

München-Bogenhausen - München-Berg am Laim * Elisabeth und Rosa Braun und einige Mitbewohner des Hauses Maria-Theresia-Straße 23 werden in die sogenannte „Heimanlage für Juden“ in Berg am Laim, im Kloster der Barmherzigen Schwestern, eingewiesen.

20. November 1941

Kaunas/Litauen * Die 54-jährige Elisabeth „Sara“ Braun wird nach Kaunas in Litauen gebracht und mit etwa 3.000 anderen Juden aus dem Hinterhalt mit Maschinengewehren niedergeschossen.

1. Dezember 1941

Berlin * Die Gestapo verbietet Juden den Verkauf, die Vermietung, die Verpachtung oder das Verschenken ihres mobilen Eigentums.


1942

1942

Berlin * Der „Lebensborn e.V.“ beschäftigt in seiner Zentrale 220 Personen.

Bei Kriegsende werden es insgesamt 700 Angestellte sein.

Ab Ende 1942

München-Bogenhausen * Da in der „Bürgermeister-Villa“ in der Ismaninger Straße 95 Dienstwohnungen des „Lebenborn e.V.“ untergebracht werden, müssen die Büros in die Mathildenstraße 8/9 umziehen.

Februar 1942

München-Bogenhausen * Im Auftrag des „Jesuiten-Ordensprovinzials“ August Rösch nimmt Alfred Delp -  als Experte für Fragen der Katholischen Soziallehre, insbesondere der Arbeiterfrage - Verbindungen zum „Kreisauer-Kreis“ auf, um die Erneuerung des Staates auf der Grundlage der christlichen Soziallehre nach dem absehbaren Zusammenbruch des Dritten Reiches zu bewirken. 

Die Gruppierung um Graf James von Moltke gewinnt bis 1944 an Breite. 

Neben Priestern beiderlei Konfession, Offizieren, Adeligen und meist konservativen Politikern arbeiten auch Sozialdemokraten mit.

24. April 1942

München * Juden wird die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel verboten.

15. Mai 1942

Berlin * Verbot der Haustierhaltung für Juden.

9. Juni 1942

Berlin * Juden müssen alle entbehrlichen Kleidungsstücke abgeben. Außerdem sind alle optischen und elektrischen Geräte wie Ferngläser, Fotoapparate und Kochplatten abzuliefern.

1. Juli 1942

Theresienstadt * Rosa Braun aus der Maria-Theresia-Straße 23 kommt nach Theresienstadt, wo sie am 4. März 1945 umgebracht wird.

18. September 1942

Berlin * Juden erhalten keine Fleisch-, Milch-, Raucher- und Weißbrotmarken mehr.

9. Oktober 1942

Berlin * Juden wird der Kauf von Büchern verboten.

Ab 16. Oktober 1942

Kreisau * Die 2. Kreisauer Tagung dauert bis 18. Oktober und beschäftigt sich mit den Themen: Staat, Kirche und sozialen Fragen. Dieses Mal ist der Jesuitenpater Alfred Delp dabei. 

Um November 1942

München-Bogenhausen * Alfred Delp stellt Verbindungen zwischen dem „Kreisauer Kreis“ und dem „Sperr-Kreis“ her.

12. November 1942

München-Bogenhausen * Dr. Hermann Joseph Wehrle wird Kaplan in der Pfarrei Bogenhausen.

18. Dezember 1942

München-Bogenhausen * Dr. med. Gregor Ebner, der Geschäftsführende Vorstand des Lebensborn e.V. und ärztlicher Leiter sämtlicher Lebensborn-Heime, wohnt mit seiner Frau und den beiden jüngeren Töchtern bis zum 4. April 1943 im ersten Obergeschoss der Villa an der Ismaninger Straße 95. 

Weitere Bewohner der Villa sind die Lebensborn-Mitarbeiter Ueberschaar, Taubenheim und Pröll. Die Erdgeschosswohnung nutzt der Leiter der Rechtsabteilung des Lebensborn e.V., Günther Tesch.


1943

April 1943

München-Bogenhausen * Günther Tetsch, der „Abteilungsleiter Rechtswesen des Lebensborn e.V.“ bezieht die „Bürgermeistervilla“ in Bogenhausen.

23. April 1943

Berlin * Juden wird die „deutsche Staatsangehörigkeit“ entzogen.

1. Juli 1943

Berlin * Deutsche Juden werden dem Polizeirecht unterstellt. Damit verbunden ist die Aufhebung jeglichen Rechtsschutzes. Im Todesfall eines Juden verfällt dessen Vermögen automatisch dem Deutschen Reich.

2. Oktober 1943

München-Bogenhausen * In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober wird das Schulgebäude am Kirchplatz 3 in Bogenhausen durch Bomben total zerstört. Das Seminar und der Kindergarten wird in die Gebeleschule verlegt.

13. Dezember 1943

München-Bogenhausen * Der Wehrmachtsoffizier Ludwig Freiherr von Leonrod sucht seinen Beichtvater Dr. Hermann Wehrle in der Bogenhausener Georgs-Kirche auf. Ihn plagen Gewissensbisse, seit er von Claus Graf Schenk von Stauffenberg in die Attentatspläne auf Hitler eingeweiht worden ist. Er will wissen, wie die katholische Kirche zum „Tyrannenmord“ steht.


1944

1944

München-Bogenhausen * Die Gebäude der „Beamten-Relikten-Anstalt“, einem „Königlichen Damenstift“, wird von Bomben dem Erdboden gleich gemacht.

Sommer 1944

München-Bogenhausen * Bei einem Bombenangriff wird die „Bürgermeister-Villa“ in der Ismaninger Straße 95 in Bogenhausen soweit zerstört, dass sie völlig unbewohnbar ist.

Das „KZ-Außenkommando“ errichtet im Garten Baracken als Dienstgebäude.

Sommer 1944

München-Kreuzviertel - Steinhöring * Der Gebäudekomplex in der Herzog-Max-Straße 3-7 wird durch Bomben so schwer beschädigt, dass der „Lebensborn e.V.“ nach Steinhöring verlagern muss.

14. Januar 1944

Kreisau ? * James Graf von Moltke wird verhaftet. Dem Kreisauer Kreis fehlt seither sein Kopf.

Juni 1944

München-Bogenhausen * Eine Sprengbombe beschädigt den Westturm des „Reichsfinanzhofs“ an der Ismaninger Straße.

20. Juli 1944

Wolfsschanze * Das Attentat auf Reichskanzler Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze und der Umsturzversuch durch Stauffenberg und seine Mitverschwörer in Berlin scheitern. Die Geheime Staatspolizei - Gestapo wird dadurch auch auf die Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis aufmerksam.

28. Juli 1944

München-Bogenhausen * Gestapo-Agenten nehmen Pater Alfred Delp nach der Frühmesse in der Bogenhausener Georgskirche fest und bringen ihn ins Wittelsbacher Palais.

18. August 1944

München-Bogenhausen - Berlin * „Kaplan“ Dr. Hermann Joseph Wehrle wird im Bogenhausener Pfarrhof von der „Gestapo“ verhaftet und im Nachtzug nach Berlin gebracht.

21. August 1944

Berlin * In der Hauptverhandlung gegen Freiherrn Ludwig von Leonrod wird Dr. Hermann Wehrle als Zeuge dem Angeklagten gegenüber gestellt. Ludwig von Leonrod wird zum Tode verurteilt.

26. August 1944

Berlin * Freiherr von Leonrod wird hingerichtet. In einem Gnadengesuch hat er kurz zuvor dargelegt, dass er sich „nicht an den Vorbereitungen zum 20. Juli beteiligt hätte, wenn ich durch meinen Beichtvater anders beraten worden wäre [...]. Wahrscheinlich hätte schon ein anderer Beichtvater genügt. Mein Unglück ist eben, daß ich an diesen geraten war“.

13. September 1944

Berlin * Das Gnadengesuch des Freiherrn von Leonrod bringt Kaplan Dr. Hermann Joseph Wehrle in akute Gefahr. Im Hauptverfahren gegen ihn wird er zum Tode verurteilt. Das Urteil wird umgehend vollstreckt.


1945

1945

Deutsches Reich und Ausland * In den „Lebensborn-Heimen“ sollen etwa 8.000 Kinder geboren worden sein, davon vor 1940 etwa 80 Prozent, nach 1940 etwa 50 Prozent „unehelich“.

Fast alle Akten und Unterlagen des „Lebensborn e.V.“ wurden vernichtet, sodass genaue Einzelheiten nur schwer festzustellen sind.

Ab 9. Januar 1945

Berlin * Die Hauptverhandlung gegen Alfred Delp vor dem Volksgerichtshof in Berlin beginnt. „Hitlers Blutrichter“, der Präsident des Volksgerichtshofs, Dr. Roland Freisler, führt die Verhandlung und beschimpft den Angeklagten mit den Worten:

„Sie Jämmerling, Sie pfäffisches Würstchen - und so etwas erdreistet sich, unserem geliebten Führer ans Leben zu wollen. [...] Eine Ratte - austreten, zertreten sollte man so was.“

11. Januar 1945

Berlin * Der Jesuitenpater und Pfarrer von Bogenhausen, Alfred Delp, wird wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.

11. Januar 1945

Berlin * Die Hauptverhandlung vor dem Volksgerichtshof gegen Franz Sperr beginnt. Er kam durch Aussagen und Unterlagen von Mitgliedern des Kreisauer Kreises nach dem misslungenen Attentat auf Hitler in die Fänge der Gestapo.

15. Januar 1945

München * Alle die in einer sogenannten „Mischehe“ lebenden arbeitsfähigen Juden sollen bis zum 15. Februar per Sammeltransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden.

23. Januar 1945

Berlin * Der wegen „verräterischen Unterlassens“ in einem Ringen des Reiches „um Sein und Nichtsein“ zum Tode verurteilte Franz Sperr wird hingerichtet.

2. Februar 1945

Berlin * Der 37-jährige Jesuitenpater Alfred Delp wird in Berlin-Plötzensee gehängt. Seine Asche wird auf den Berliner Rieselfeldern, auf denen man die Abwässer der Metropole versickern lässt, verstreut.

29. April 1945

München * Nur wenige Stunden bevor die amerikanischen Soldaten München besetzen, will ein Sprengkommando der Wehrmacht die Ludwigsbrücke zerstören.
Ihre Erhaltung verdanken wir den Überredungskünsten des Kommissars der Landespolizei, Jakob Eder.

Ungehorsame Zivilisten retten durch ihren Einsatz die Großhesseloher Brücke und Bogenhausener Brücke.

Die Grünwalder Brücke, diejenige bei Föhring und die strategisch völlig unbedeutende Bosch-Brücke am Deutschen Museum fliegen aber dennoch in die Luft.

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.


1946

Um Oktober 1946

München-Bogenhausen * In den „Festsaal“ der ehemaligen „Lauer-Villa“ wird eine „Synagoge“ eingebaut.

Sie ist das erste jüdische Gotteshaus in München nach dem Zweiten Weltkrieg.


1947

1947

München-Bogenhausen * In den Räumen der Bogenhausener „Lauer-Villa“ wird eine „jüdische Volksschule“ und ein „hebräisches Gymnasium“ eingebaut.

Das Wohngebäude dient daneben als Wohngebäude für jüdische „Displaced Persons“.

20. Oktober 1947

Nürnberg * Der Lebensborn e.V. gilt nach dem Zweiten Weltkrieg für lange Zeit als eine der mysteriösesten Institutionen der NS-Herrschaft. Dass sein Geheimnis während des Dritten Reichs mit Erfolg gehütet werden konnte, erregt nach dem Jahr 1945 die besondere Neugier der Öffentlichkeit. Von seiner Existenz erfährt sie zum ersten Mal während des Nürnberger Prozesses gegen den SS-Gruppenführer Ulrich Greifelt, dem Chef des Stabshauptamtes beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, und seinen Mitangeklagten.

Der als Fall VIII aufgerufene Prozess begann am 20. Oktober 1947 und endete am 10. März 1948 mit der Verkündung des Urteils.


1948

10. März 1948

Nürnberg * Der Prozess gegen den „Lebensborn e.V.“ endet mit der Verkündigung des Urteils.  

In den Prozessen konnte die Anklage nicht den Beweis erhärten, dass im „Lebensborn e.V.“ die „gelenkte Fortpflanzung“ betrieben worden sei.

Die Richter sprechen den Verein sogar von der Beteiligung an Verbrechen frei und bestätigten ihm seinen gemeinnützigen Zweck, wonach es Heinrich Himmler und der „Lebensborn-Führung“ darum ging, die „ledige Mutter und ihr Kind“ vor der Diffamierung durch die Gesellschaft zu schützen.
„Angestrebt wurde vielmehr, die soziale Stellung der Mutter und ihres Kindes zu erleichtern“.

Mai 1948

München-Bogenhausen * Im Garten der Bogenhausener „Lauer-Villa“ finden „Solidaritäts-Kundgebungen“ für den im Entstehen begriffenen „Staat Israel“ statt.

31. Oktober 1948

München-Bogenhausen * Die Gedenktafel an Alfred Delp, Dr. Hermann Joseph Wehrle, Ludwig Freiherr von Leonrod und Franz Sperr an der Bogenhausener Georgskirche wird enthüllt.


1950

1950

München-Bogenhausen * Beim „Togalwerk“ wird der 100. Mitarbeiter eingestellt.

7. Juli 1950

München-Bogenhausen * Der Grundstein für ein zusätzliches Fabrikationsgebäude der Firma Togal an der Ismaninger-/Törringstraße wird gelegt.

17. Dezember 1950

München * Die Arbeit des Zentralkommitees der befreiten Juden wird eingestellt.


1951

1951

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Das „Gesetz über das Wohnungseigentum“ ermöglicht den Wunsch nach einer „dinglichen Sicherung von Wohnräumen für den Wohnungsinhaber“.

Damit besteht erneut die Möglichkeit der Teilung von Gebäuden in „Brucheigentum“.


1952

1952

München-Bogenhausen * Das „Kindergärtnerinnen-Seminar“ zieht in die Räume der ehemaligen „Lauer-Villa“ in Bogenhausen.


1956

1956

München-Lehel - München-Bogenhausen * Das „Französische Konsulat“ zieht von der Widenmayerstraße 51 in die Möhlstraße 10.


1958

1958

München-Bogenhausen * Ein Neubau für die „Sozialpädagogische Fachschule“ am Bogenhausener Kirchplatz 3 entsteht.


1959

2. Juli 1959

München-Bogenhausen * Zwischen dem 2. und 9. Juli wird auf Betreiben des Vereins für die Wiedererrichtung eines Denkmals für König Ludwig II. von Bayern in der Mittelnische unterhalb des Friedensengels eine Statue aufgestellt. Die Planungen werden jedoch scheitern.


1960

1960

München-Bogenhausen * Nach dem Tod des „Togal“-Firmengründers Gerhard Friedrich Schmidt streiten sich die drei Söhne um das attraktive Erbe.

Der jüngste der Brüder, Günther J. Schmidt, siegt nach einem erbitterten Rechtsstreit.

17. März 1960

München - Verona * Die Städtepartnerschaft zwischen dem oberitalienischen Verona und München wird gegründet.  

München erhält zwei „Julia-Statuen“.

Eine Figur steht - häufig blumengeschmückt und am Busen abgewetzt - am „Alten Rathaus“.  
Das andere Standbild befindet sich in Bogenhausen im „Shakespeare-Platz“

30. Juli 1960

München-Obergiesing - München-Bogenhausen * Liesl Karlstadt wird unter größter Anteilnahme der Münchner Bevölkerung am Ostfriedhof ausgesegnet. Ihr Grab befindet sich auf dem Bogenhausener Prominentenfriedhof.


1962

1962

München * In 14 Münchner „Ziegeleien“ werden 100 Millionen Steine gebrannt.


1967

1967

München-Bogenhausen * Die „Evangelisch-lutherische Landeskirche“ verkauft das Anwesen in der Maria-Theresia-Straße 23 für 630.000 Mark an den „Generalkonsul“ Heckelmann.


1969

Ab 1969

München-Bogenhausen * Die Sankt-Georgs-Kirche in Bogenhausen wird renoviert und dabei Veränderungen aus dem Jahr 1866 zurückgenommen.

1969

München-Bogenhausen * Die „Villa Benno Becker“ in der Maria-Theresia-Straße 26 wird abgerissen und durch einen zeittypischen Neubau ersetzt.

1969

München-Bogenhausen * Die „Raulino Treuhand- und Verwaltungs AG“ kauft die ehemalige „Hildebrand-Villa“ in der Maria-Theresia-Straße 23 für 1,6 Millionen DMark.


1971

1971

München-Bogenhausen * Die Bogenhausener „Georgskirche“ erhält einen rosaroten Außenanstrich.


1972

1972

München-Bogenhausen * Zur Montgelasstraße hin wird ein „Bibliotheksgebäude“ für den „Bundesfinanzhof“ erbaut.


1974

1974

München-Bogenhausen * Umbenennung der „Sozialpädagogischen Fachschule“ in „Fachakademie für Sozalpädagogik“.

17. Oktober 1974

München-Bogenhausen * Obwohl schon die Abbruchgerüste stehen, kann das Gebäude an der Maria-Theresia-Straße 23 [= Hildebrand-Haus] für 2,5 Millionen DMark - aus den Mitteln des Denkmalsschutzes - von der Stadt gekauft werden.


1977

1977

München-Bogenhausen * Die „Monacensia-Bibliothek“ öffnet ihre Pforten im ehemaligen „Hildebrand-Haus“ in der Maria-Theresia-Straße 23.


1978

1978

München-Bogenhausen * Der „Bürgermeistergarten“ wird der Öffentlichkeit übergeben.


1980

1980

München-Bogenhausen * Mit „efasit“, das das „Togalwerk“ seit dem Jahr 1938 herstellt, wird die Münchner Firma an der Ismaninger Straße zum Markenführer im Bereich „Fußpflege“.


1981

1981

München-Bogenhausen * Die „Vereinigung der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“ stiftet einen Gedenkstein zur Erinnerung an Pater Alfred Delp.

Die Bronzeplastik „Drei Jünglinge im Feuerofen“ befindet sich vor dem „Pfarrhof“.


1983

7. Februar 1983

München-Bogenhausen * Die Initiative für die totale Nachrüstung setzt eine Attrappe einer Pershing II-Rakete auf den leeren Sockel des Friedensengels. 


1984

1984

München-Obergiesing - München-Bogenhausen * Die „Fachakademie für Sozialpädagogik“ zieht in das „Anton-Fingerle-Zentrum“ in Giesing um.

In den aufgelassenen Räumen in Bogenhausen findet  die „Berufsschule für Jungarbeiterinnen und Jungarbeiter“ Unterkunft.


1992

Ab 1992

München-Bogenhausen * Errichtung eines Erweiterungsbaues zur Unterbringung der Bibliothek und der Dokumentationsstelle des „Bundesfinanzhofs“ in der Ismaninger Straße. 

1992

München-Bogenhausen * Der Außenanstrich der Bogenhausener „Georgskirche“ wird Grau.


2000

30. April 2000

München-Bogenhausen * Nach sechs Jahren Arbeit und unter Verwendung von 3,8 Millionen DMark wird die „Georgskirche“ in Bogenhausen im neuen Glanz wieder eröffnet.

3. November 2000

München-Bogenhausen * Die Studiengänge Musical, Dramaturgie sowie Theaterkritik der August-Everding Theater-Akademie beziehen die Bürgermeistervilla in Bogenhausen.


2004

Bis 20. September 2004

München-Bogenhausen * Mehr als 160 Kauf- und Fusionsangebote hat der Bogenhausener Togal-Chef Günther J. Schmidt schon abgelehnt.


2012

2012

München-Bogenhausen * Auf dem Gelände des „Togalwerks“, dort wo einst Schmerztabletten hergestellt wurden entstehen durch die „Bayerische Hausbau“ 60 Eigentumswohnungen „im gehobenen Segment“ und moderne Büros.

Der neubarocke Bau des ehemaligen „Betz'schen Gasthauses“ an der Ismaninger Straße bleibt bestehen.


2013

17. Juli 2013

Bayreuth * Die Finanzierung des Bayreuther Festspielhauses steht. Für den ersten Bauabschnitt, bei dem es nur um das Festspielhaus - ohne Nebengebäude und Proberäume - geht, werden 30 Millionen Euro benötigt.

Der Bund und der Freistaat zählen jeweils 10 Millionen, das letzte Drittel kommt von der Stadt Bayreuth, dem Bezirk Oberfranken und der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Die Bauarbeiten sollen insgesamt zehn Jahre andauern.


2016

11. Dezember 2016

München-Haidhausen - München-Berg am Laim - München-Steinhausen * Die Trambahn-Linie 25 wird bis zum S-Bahnhof Berg am Laim verlängert. Die 2,7 Kilometer lange Strecke hat sechs neue Stationen erhalten.