Stadtteilspaziergänge

Fakten - Der Englischer Garten

1387

1387

München-Englischer Garten - Schwabing * Die „Aw vor dem Schwäbinger Tor“, das unmittelbar an die Münchner Residenz anschließende Jagdrevier des baierischen Herrscherhauses, wird erstmals erwähnt.

Der stadtnahe Teil führt den Namen „Hirschanger“ mit dem „Hirschangerwald“.
Flussabwärts, auf der Höhe von Schwabing, schließt sich die „Hirschau“ an.


1409

1409

München-Graggenau * Erstmals wird ein herzoglicher „Pawmgarten auf dem Pachh“ erwähnt.  

Er liegt östlich der um 1385 erbauten „Neuveste“


1515

Um 1515

München-Graggenau * In der Regierungszeit Herzog Wilhelms IV. wird bei der „Residenz“ ein italienischer Ziergarten mit einem zentralen Gartentempel angelegt.  

Er ersetzt den alten „Burggarten“


1560

Ab dem 1560

München-Graggenau * Herzog Albrecht V. lässt für seine Ehefrau, die Erzherzogin Anna, einen neuen „Lustgarten“, mit „Lusthaus“, „Arkadengang“, „Ziertürmen“ und aufwändigen „Wasseranlagen“ anlegen.  

Der sogenannte „Annagarten“ entsteht nördlich des „Alten Hofgartens“ und bildet den Ausgangspunkt für die späteren Anlagen unter Herzog/Kurfürst Maximilian I.. 


1563

1563

München-Graggenau * Melchior Bocksberger erhält eine hohe Summe ausbezahlt.  

Wahrscheinlich für die Deckenbilder im Saal des „Lusthauses“ im neuen herzoglichen „Lustgarten“


1570

1570

München-Graggenau * Die Holzbrücke zum herzoglichen „Lustgarten“ wird durch eine Brücke aus Stein ersetzt. 


1574

1574

München-Graggenau * Im herzoglichen „Lustgarten“ wird ein aufwändig gestalteter Brunnen mit Drehmechanik für den herzoglichen „Lustgarten“ geliefert.  

Er wird bereits 1577 als „nicht funktionsfähig“ wieder abmontiert. 


1610

1610

München-Graggenau * Die Baumaßnahmen für den zukünftigen „Hofgarten“ beginnen im Osten.

Sie dauern bis 1620.  
Der Garten wird beträchtlich vergrößert und erreicht etwa seine heutige Dimension. 


1614

1614

München-Graggenau * Der „Hofgarten“ wird im Zusammenhang mit der Erweiterung der „Residenz“ unter Herzog Maximilian I. angelegt und der „Zentrale Pavillon“ erstellt.  

Die Wegachsen der Gartenanlage münden sternförmig in die Rundbogenöffnungen des „Pavillons“


1615

1615

München-Graggenau * Der Teich im „Unteren Hofgarten“ wird eingelassen.  

An der Stelle des ehemaligen „Lustgartens“ Herzog Wilhelms IV. entsteht die „Zeughaus-Anlage“ Herzog Maximilians I.. 


1616

Um 1616

München-Graggenau * Auf der Spitze des zentralen „Pavillons“ im „Hofgarten“ wird die Statue der „Diana“ oder „Tellus Bavarica“ aufgestellt.  

Erbaut werden die Nord- und Westarkaden, das neue „Brunnhaus“ und eine Brücke zum „Hofgarten“, die den Zugang von der durch den Stadtgraben abgetrennten „Residenz“ bildet. 


1620

1620

München-Graggenau * Mit der Fertigstellung des „Vischhauses“ sind die Baumaßnahmen am „Hofgarten“ beendet. 


1698

1698

Moosach - Hirschau - Perlach * Kurfürst Max Emanuel lässt die „Fasanerie“ in Moosach ausbauen und weitere in der „Hirschau“ und bei Perlach anlegen. 


1720

Ab 1720

Großbritannien * Von England aus entwickelt sich ein neuer Gartenstil.

Philosophen, Dichter und Landschaftsmaler propagieren ein neues Persönlichkeitsbewusstsein und Naturgefühl. „Landschaftsgärten“ entsprechen immer mehr dem neuen „Gartenideal“.


1723

1723

Schwabing * Der sich ständig in Geldnöten befindliche Kurfürst Max Emanuel verkauft „öde Gründe“ in der „Schwabinger Hayd“ - oberhalb des „Schwabinger Fischweihers“ - an sogenannte „Kulturanten“, die hier Gärten und Häuser errichten wollen. 


1724

7. November 1724

München * Im Burgfriedensbrief wird der Münchner Burgfrieden neu festgelegt. Ursprünglich reichte der zum Hoheitsgebiet der Stadt zugerechnete Burgfrieden im Norden bis unmittelbar vor das Dorf Schwabing. Das Leprosenhaus am heutigen Nicolaiplatz gehörte noch zum Stadtgebiet. Von dort aus zieht sich die Stadtgrenze etwas südöstlich zur heutigen Veterinärstraße, überquert hier den Schwabinger Bach und in schnurgerader Richtung die Hirschau bis zur Isar.

Da aber Kurfürst Max Emanuel souverän über die Hirschau als Jagdgebiet verfügen will, klammert er das Gebiet aus dem Münchner Burgfrieden aus und erklärt: „Wür aber ersagte Hirschau Uns zu Unseren fürstlichen Jagden und Lust specialiter gnädigst reserviert haben.“

Mit der Ausgemeindung der Hirschau aus dem Burgfrieden der Stadt verläuft nun die Stadtgrenze vom Schwabinger Bach aus stark südöstlich bis etwa an die Stelle des heutigen Monopteros, in dessen Nähe sich heute auch die Burgfriedenssäule mit der Nummer 12/13 befindet.

Für die Ausgemeindung der Hirschau aus dem Stadtgebiet Münchens wird die Stadt durch die Eingemeindung der drei Mühlen am Dreimühlenbach, der Schwalbensteinmühle, der Au- oder Papiermühle und der Brudermühle entschädigt. Gleichzeitig wird das Lehel der städtischen Gewalt unterstellt. Eine schriftliche Fixierung des Münchner Burgfriedens erfolgt aber erst zwölf Jahre später. 


1725

11. Oktober 1725

München * Eine Hofkommission und Vertreter der Stadt umreiten die neue Münchner Burgfriedensgrenze. 


1728

Juni 1728

München * Die neuen „Burgfriedenssäulen“ werden unter Beteiligung einer Kommission aus kurfürstlichen „Hofräten“ und aus städtischen Abgeordneten aufgestellt. 

Begleitet werden sie von 37 Bürgersöhnen im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, die Kohlen aus Eichenholz und Glasscherben zum Einlegen in die Grundsteine der Säulen mittragen.
Jeder der Knaben erhält zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis einen „Gedenkpfennig“ und eine „Maulschelle“, die an das alte baierische Recht erinnert, bei dem die Zeugen an den Ohren gezogen wurden.

Ähnlich einem Bildstock wird die „Stele“ oben von einer halbrunden Bekrönung abgeschlossen.
Die Säulen sind aus Tuffstein, der aus der Gegend um Valley stammt.
Sie zeigen auf der einen Seite einen Mönch, auf der anderen das Rautenwappen, das Stadt- und das Landeswappen.


1750

6. Oktober 1750

Mannheim * Stephan von Stengel kommt in Mannheim zur Welt. Seine Mutter Maria Christina ist eine geborene Edle von Hauer, sein Vater Johann Georg von Stengel. Gerüchte sagen allerdings, Stephan von Stengel sei ein illegitimes Kind des Kurfürsten Carl Theodor. 


1753

26. März 1753

Woburn * Benjamin Thompson, der spätere Graf Rumford, wird in Woburn, einer kleinen Stadt im Staate Messachusetts im Nordosten der USA, in der Nähe von Boston, als Sohn eines Farmers geboren.


1762

1762

Genf * In seiner Publikation „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechte“ schreibt Jean-Jaques Rousseau: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“.


1773

1773

Schwetzingen - Großbritannien * Zum Studium des neuen „Gartenstils“ schickt Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz den Sohn des Schwetzinger „Hofgärtners“, Friedrich Ludwig Sckell, nach England.


1779

1779

Schwabing * Baron Carl Albert von Aretin kauft vom „Kurfürstlichen Hofkuchelschreiber und Triftverwalter“ Josef Seemüller ein Grundstück in der „Schwabinger Hayd“, auf dem später „Schloss Biederstein“ entstehen wird. 


1780

1780

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor lässt den „Hofgarten“ der Öffentlichkeit zugänglich machen.


1781

1781

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Die „Gemäldegalerien“ in den nördlichen „Hofgartenarkaden“ werden für das Volk frei zugänglich. 

Sie werden zu einem Anziehungspunkt und Ausflugsort für die mondäne Münchner Bevölkerung und der städtischen Eleganz.

In den Arkaden hat Kurfürst Carl Theodor Anschläge anbringen lassen, wonach es verboten ist, im „Hofgarten“ zum Grüßen den Hut zu ziehen. 


1782

1782

München-Englischer Garten - Lehel * Die „kurfürstlich privilegierte Tabakfabrique“ wird gegründet. 

Eine der zwei Zufahrtsstraßen führt über die „Hofwiese“ und wird im Jahr 1789 Teil des „Englischen Gartens“.

18. Mai 1782

München-Graggenau * Laut einer Verordnung dürfen Hunde nicht in den Hofgarten mitgenommen werden. 


1784

1784

Schwabing * Nachdem Baron Carl Albert von Aretin eine Erbschaft macht, verkauft er sein Grundstück in der „Schwabinger Hayd“, auf dem später „Schloss Biederstein“ entstehen wird, an Kurfürst Carl Theodor. 

1784

London - München * Der englische König George III. erteilt Sir Benjamin Thompsons Bitte zum Eintritt in baierische Dienste, eine Zusage. 

Damit kann er „Leibadjutant“ von Kurfürst Carl Theodor und Mentor dessen außerehelichen Sohnes Graf Bretzenheim werden. 

England verfolgt die Tauschpläne des baierischen Herrschers mit Argwohn.
Dieser will mit Baiern einen Teil seines Kurfürstentums gegen die „Österreichischen Niederlande“ eintauschen, um Herrscher des neuen „Königreichs Burgund“ zu werden.

Das Vorhaben hätte aus der zerstückelten Pfalz einen ansehnlichen Staat gemacht.
Während die Pläne in Österreich befürwortet werden, formiert sich in Baiern massiver Widerstand.

1784

München * Sir Benjamin Thompson kommt in das Kurfürstentum Baiern und wird zunächst „Oberst“ eines Kavallerieregiments.


1785

1785

München * Sir Benjamin Thompson wird zum „Kammerherrn“ am „baierisch-pfälzisch kurfürstlichen Hof“ in München ernannt.

1785

München-Englischer Garten - Hirschau * Nachdem die „Fasanenzucht“ in der „Hirschau“ schon bald aufgelöst wurde, wird jetzt auch das „Hirschgehege“ aufgelassen. 

An seiner Stelle wird der „Hirschgarten“ bei Nymphenburg eröffnet. 

1785

Schwabing * Kurfürst Carl Theodor lässt für seinen „Kabinettssekretär“ und - vermutlich - illegitimen Sohn Stephan Freiherr von Stengel den „Rittersitz Biederstein“ erbauen.

17. Dezember 1785

Schwabing * Kurfürst Carl Theodor überlässt den „gefreiten Sitz zu Manns- und Weibsritterlehen“ seinem Geheimen Kabinettssekretär Stephan von Stengel. Stengel erweitert seinen Besitz durch Zukäufe und nennt seinen Rittersitz mit Niedergerichtsbarkeit künftig Schloss Biederstein. 


1787

1787

München * Kurfürst Carl Theodor ernennt Sir Benjamin Thompson zum „Geheimen Rat“.


1788

7. Februar 1788

München * Sir Benjamin Thompson legt Kurfürst Carl Theodor ein „Memorandum zur Neuorganisation der baierischen Armee“ vor. 

Hauptziel und der Zweck der Reform „ist eine gute Armee bei geringen Kosten“

Der begeisterte Baiernherrscher ernennt den Urheber der Reformvorschläge zunächst zum „Oberst“.

29. März 1788

München * Das von Sir Benjamin Thompson vorgelegte „Memorandum zur Verbesserung des baierischen Militärwesens“ wird von der kurfürstlichen Kommission angenommen.

Thompson wird zum „Kriegsminister“ im Rang eines „Generalmajors“ befördert. 

Sein Vorgänger, Freiherr Johann Ernst Theodor von Heyen gen. Belderbusch, wird „ungnädig wegen missfälliger Verwaltung“ entlassen und als „Militärgouverneur“ nach Mannheim versetzt.


1789

21. Februar 1789

München * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine Anweisung, wonach in der Nähe einer jeden Garnisonsstadt Militärgärten anzulegen sind. Jeder Einheit wird ein eigener Destrikt zugewiesen. Die Soldaten sollen Gelegenheit erhalten zu graben und zu hacken, zu säen und zu ernten, sich aber auch auszuruhen und zu erholen. 

Dennoch sollen die Gärten „nicht nur alleine zum Vorteil und Ergötzung des Militärs, sondern auch zum allgemeinen Gebrauch als ein öffentlicher Spaziergang dienen“ sowie „Nahe an der Stadt angelegt werden und in einer luftigen, gesunden Gegend und wo man von einem der Stadttore oder sonstigen Ausgängen der Stadt bis zum Garten eine Allee leicht anlegen kann“.

24. März 1789

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor fordert den Münchner Magistrat auf, für die Verwirklichung eines Militärgartens einen geschützten Platz ausfindig zu machen. Da es der Stadtverwaltung mit der Durchführung des von Thompson vorgelegten Planes nicht eilig ist, schreitet der Minister selbst zur Tat. 

Er hält die Gegend um den Hirschanger vor dem Schwabinger Tor, ein bisher lediglich zur kurfürstlichen Jagd genutztes Stück Land, das zum Teil außerhalb des Münchner Burgfriedens liegt und damit dem Einfluss und der Polizeigewalt des Münchner Magistrats entzogen ist, als am besten geeignet.

20. Juni 1789

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor beauftragt Sir Benjamin Thompson mit der Verwirklichung der Militärgärten. Er soll den Platz bestimmen, ausstecken, unter die Regimenter aufteilen und von ihnen bearbeiten lassen. Die Grundstückseigentümer werden finanziell entschädigt. 

1. Juli 1789

München * Sir Benjamin Thompson gründet eine Militärgartenkommission.

8. Juli 1789

München-Englischer Garten * Unter dem Kommando von Benjamin Thompson nehmen Soldaten die ersten Pflanzungen für den Militärgarten vor.

14. Juli 1789

Paris * Mit dem Sturm auf die Bastille beginnt in Paris die Französische Revolution. Durch dieses Ereignis wird das Militärgarten-Projekt in München [= Englischer Garten] zu einem Politikum, das in aller Eile realisiert werden muss.

7. August 1789

München * Der Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig Sckell wird von Kurfürst Carl Theodor nach München berufen, um unter der Oberaufsicht von Sir Benjamin Thompson Entwürfe zur Anlage des Englischen Gartens zu entwerfen. Sckell zeichnet „gleich in der Natur selbst“ den Verlauf des ersten Weges und steckt die Grenzen der Ehren Pflanzungen aus. 

13. August 1789

München-Englischer Garten - Hirschanger * Kurfürst Carl Theodor unterzeichnet ein Dekret, wonach er „den hiesigen Hirsch-Anger [...] zur allgemeinen Ergötzung für Dero Residenzstadt München herstellen zu lassen, und diese schönste Anlage der Natur dem Publikum in ihrem Erholungs-Stunden nicht länger vor zu enthalten gnädigst gesonnen“ sei. 

Sir Benjamin Thompson erhält den Auftrag, den Landschaftspark unverzüglich zu verwirklichen. Der geplante Volksgarten wird zunächst Theodors-Park, später Englischer Garten genannt.

Um September 1789

München-Englischer Garten - Lehel * Nach Entwürfen des aus Mannheim stammenden „Militärarchitekten“ Joseph Frey entsteht im „Englischen Garten“ der „Chinesische Turm“

Die Initiative für den exotischen Turm geht von Sir Benjamin Thompson aus.

Um September 1789

München-Englischer Garten - Lehel * Nach Planungen des „Ingenieur-Lieutenants beim Hofkriegsrat“, Johann Baptist Lechner, entsteht ein „Apollo-Tempel“ als Staffage-Bau im „Englischen Garten“.

Das von spiegelnden Wassern umgebene „Hein-Heiligtum“ befindet sich im alten „Hirschangerwald“ auf einer Halbinsel.
Der Rundtempel mit Dorischer Ordnung ist im wesentlichen eine Holzkonstruktion.
Die Gebälkzone und das Kuppelinnere sind zum Teil gemauert, zum Teil aus stuckiertem Holz.
Die Kuppelabdeckung besteht aus Blech.

Seinen Standort nimmt heute die „Steinerne Bank“ ein.


1790

1790

Hirschgarten * Kurfürst Carl Theodor lässt den „Hirschgarten“ für das Volk öffnen.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Der vom „Geometer“ Adrian von Riedl geplante, etwa 2 Kilometer lange „Isardamm“ ist fertig gestellt.

Er schützt den „Englischen Garten“ nicht nur vor Hochwasser, sondern ermöglicht auch die Entwässerung des Parkgeländes.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Die Aufbauarbeiten am „Chinesischen Turm“ sind abgeschlossen.

Südlich des „China-Turms“ entsteht die „Chinesische Wirtschaft“
Es ist ein Rechteckbau mit vier niedrigen Eckpavillons, sowie Haupt- und Nebengebäuden aus Holz mit den charakteristisch geschweiften Dächern.
Im Inneren befindet sich sogar ein „Porcellain-Zimmer“.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * In der Nähe der „Wirtschaft des Chinesischen Turms“ entsteht der „Gotische Pavillon“.

Der Holzbau wird von der Münchner Bevölkerung ebenso exotisch und bizarr betrachtet wie die chinesische Baukunst.

Er verschwindet - wie die meisten Holzkostruktionen - bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

1790

München-Englischer Garten - Schwabing * An der ursprünglichen nördlichen Grenze des „Englischen Gartens“ befinden sich zwei kleine „Holländische Bauernhäuser“, die dem „Parkwächter“ Josef Tax als Wohnung dienen. 

Er hält Kühe und Esel und betreibt außerdem einen Bierausschank für die im „Englischen Garten“ beschäftigten Arbeiter und Tagelöhner.

Damit legt er den Grundstein für das später so beliebte Ausflugslokal „Kleinhesselohe“, das anfangs im Volksmund auch „Kleines Eselsloch“ genannt wird.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Zwischen 1790 und 1791 wird die „Schwaige“ mit den „Ökonomiegebäuden“ hinter dem „Gasthaus am Chinesischen Turm“ nach Plänen von Johann Baptist Lechner erbaut.

Sie sind „zur Errichtung einer sogenannten Schweizerey [Hornviehzucht] von wenigstens 60 Stücken bestimmt“.

März 1790

München * Kurfürst Carl Theodor macht Sir Benjamin Thompson zum „Geheimen Staatsrat“.

10. März 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Kurfürst Carl Theodor ruft in einem Dekret die „Thier-Arzney-Schule“ ins Leben.

Sie soll nicht nur Viehseuchen erforschen und bekämpfen, sondern auch Tierärzte und Schmiede für die „Kavallerie“ ausbilden.

29. März 1790

München-Englischer Garten - Lehel * Auf den „kinesischen thurn“ im „Englischen Garten“ wird vom Kupferschmied Michael Leithner der Knopf angebracht. 

25. Mai 1790

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor unternimmt eine erste groß angelegte Besichtigungsfahrt im offenen Gartenwagen durch den neu angelegten Englischen Garten. Doch noch ist der Park für die Öffentlichkeit gesperrt.

Der Bericht der ersten Spazierfahrt erwähnt eine Vieharzneyschule, eine Baumschule, eine Schweizerey, eine Schäferey und eine Ackerbauschule. Diese Einrichtungen sind als Lehr- und Musterbetriebe konzipiert und sollen die Landbevölkerung mit den neuesten Anbau- und Zuchtmethoden vertraut machen.

10. August 1790

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine „Spezialresolution“, die die Verwaltung und Benutzung des „Englischen Gartens“ und aller darin befindlichen Grundstücke und Gebäude regelt. 


1791

1791

München-Englischer Garten - Lehel * Der „Apollo-Tempel“ im „Hirschangerwald“ erhält seine vom kurfürstlichen Hofbildhauer Josef Nepomuk Muxel geschnitzte Statue.

29. April 1791

München-Lehel * Das Rumford-Haus im Englischen Garten, errichtet nach den Plänen des Baumeisters Johann Baptist Lechner, ist fertiggestellt.

Im Hauptschloss befindet sich ein großer Speisesaal, denn das Bauwerk dient während der Militärübungen im Nordteil des Englischen Gartens als Offiziers-Casino.  

Dieser Militärsaal erhält später den Namen Rumfordsaal

1. Mai 1791

München-Englischer Garten * Im „Englischen Garten“ wird ein „Manöver“ abgehalten.   

Aus ganz Baiern beteiligen sich von jedem Regiment eine Kompanie.  
Das sind 1.500 Mann, davon 300 zu Pferd.   

Das „Manöver“ dauert bis zum 29. Juni. 


1792

1792

München-Englischer Garten - Lehel * Die „Ökonomiegebäude“ bei der „Schwaige“ im „Englischen Garten“ werden erweitert.

1. April 1792

München-Englischer Garten - Lehel * Die Gaststätte beim „Chinesischen Turm“ wird eröffnet.

Damit steht die Gartenanlage endlich der Öffentlichkeit zur Verfügung.

25. Mai 1792

München * Generalleutnant Sir Benjamin Thompson wird durch Kurfürst Carl Theodor zum Reichsgrafen von Rumford erhoben.

26. Juli 1792

München-Englischer Garten * Kaiser Franz II. besichtigt den neu angelegten Englischen Garten.


1793

1793

München-Englischer Garten - Schwabing * Nördlich des „Rumford-Hauses“ im „Englischen Garten“ - in der Umgebung der Martiusbrücke nahe der Königinstraße - entsteht das „Amphitheater“ mit einem Durchmesser von 180 Fuß = ~ 60 Meter.

1793

München-Englischer Garten * Der erste Führer „des neu angelegten englischen Gartens oder Theodors Park zu München“ erscheint.

1793

München-Englischer Garten - Lehel * Am östlichen Rand des „Englischen Gartens“ entsteht ein „Diana-Tempel“.

7. März 1793

München-Englischer Garten * Der Englische Garten wird für die Bevölkerung offiziell zum allgemeinen Besuch geöffnet.


1794

1794

München-Englischer Garten * Widerwillig kehrt Sir Benjamin Thompson Graf von Rumford von seinem Erholungsurlaub von Italien nach München zurück. 

Da ihn eine - hauptsächlich aus Bettlern bestehende - Menschenmenge freundlich empfängt, organisiert er zum Dank eine großes Fest im „Englischen Garten“.
30.000 Besucher kommen. Ochsen werden gebraten und Bierfässer angezapft, Musikkapellen spielen und Lampions brennen.


1795

9. August 1795

München-Englischer Garten * Aus Anlass der Vermählung des 70-jährigen pfalz-baierischen Kurfürsten Carl Theodor mit der 18-jährigen Erzherzogin Maria Leopoldine aus dem Hause Österreich-Este hält der kurfürstliche Hof im Englischen Garten eine festliche Veranstaltung ab. Ausgerichtet wird das Fest vom Reichsgrafen von Rumford.

Es gibt Lustfahrten auf dem See, einen „Tanz der neun Musen“ im Apollotempel, die „Vorstellung einer baierisch-ländlichen Nationalhochzeit“, Musik und Tanz und viele andere Vergnügungen. Zum Ausklang wird der ganze Park mit tausenden Lampions beleuchtet. Außerdem hält ein „Chinese im Nationalkostüm“ eine Huldigungsrede für das Kurfürstenpaar.

Die jugendliche „Landesmutter“ ist jedoch durch „eine Unpässlichkeit an der Teilnahme verhindert“.


1796

1796

München-Englischer Garten - Lehel * Das „Rumford-Denkmal“ im „Englischen Garten“ wird noch zu Lebzeiten Benjamin Thompson durch Franz Schwanthaler d.Ä. aus Kalktuff, Sandstein und Marmor geschaffen und befindet sich im Südteil des Parks.


1797

1797

München-Englischer Garten - Lehel * In der Nähe des heutigen „Wasserfalls“ im „Englischen Garten“ wird ein „Weyher“ angelegt.

27. Mai 1797

München * Reinhard Freiherr von Werneck tritt als General-Leibadjutant und Oberst der Invanterie für ein Jahresgehalt von 400 Gulden in baierische Dienste.

14. Juni 1797

München * Reinhard Freiherr von Werneck muss den vorgeschriebenen Schwur leisten, dass er nicht dem radikal aufklärerischen - und deshalb verbotenen - Geheimbund der Illuminaten angehört.


1798

Um 1798

München-Englischer Garten - Lehel * Adrian von Riedl, der zuvor mit zwei Dämmen das weitverzweigte Wildflussbett der reißenden Isar zwischen Lehel und Ismaning gebändigt hatte, kauft einen Teil des von ihm trockengelegten ehemaliges Isarbetts, das als „ödes Land“ vom Kurfürst Carl Theodor freigegeben wurde.

Zunächst lässt er sich zwischen „Eisbach“ und „Schmiedbach“, am Rande des „Englischen Gartens“ ein stattliches Palais erbauen, das er mit einem kleinen „Englischen Garten“ mit allerlei Zubehör umgibt.

Sogar eine Brunnquelle, eine „Gloriette“ und ein kleiner „Chinesischer Turm“ dürften nicht fehlen.
Aus dieser Anlage entsteht später der „Paradiesgarten“, ein beliebtes Ausflugslokal.

Um das Jahr 1798

München-Englischer Garten - Lehel * „Vizekanzler“ Adam Freiherr von Aretin kauft ein „ödes“ Grundstück an der Ostseite des „Englischen Gartens“ und baut dort einen Sommersitz mit zwei kleinen Häusern und einem „Lustgarten“ im französischen Stil.

24. Juli 1798

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor lässt 2.000 Gulden zum Bau der an der Kreuzung von Schwabinger Bach und Eisbach gelegenen Militär-Mühlen oder Rumford-Mühlen zur Verfügung stellen. Es handelt sich um eine Sägemühle und eine Mahlmühle für das Getreide des von Benjamin Thompson Verbesserten Kommissbrotes.

19. August 1798

München - London * Sir Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford wird zum „Bevollmächtigten Minister Baierns am Kgl. Großbritannischen Hofe“ ernannt und verlässt deshalb Baiern. Die Oberaufsicht über den Ausbau des Englischen Gartens gibt er gleichzeitig an seinen Nachfolger Reinhard Freiherr von Werneck ab.

November 1798

München-Englischer Garten * „Zur Ausfüllung seiner Mußestunden“ erhält Reinhard Freiherr von Werneck die „Intendanz des Englischen Gartens“ übertragen.


1799

März 1799

München-Englischer Garten * Der „Englische Garten“ ist inzwischen nicht mehr der „Militärbehörde“, sondern dem „kurfürstlichen Kabinett“ unterstellt.

Reinhard Freiherr von Werneck ist hauptamtlicher „Direktor“ des 375 Morgen großen „Englischen Gartens“.
Er untersteht aber dem zum „Gartenbaudirektor für die Rheinpfalz und ganz Baiern“ ernannten Friedrich Ludwig Sckell. 

Werneck achtet hauptsächlich auf die wirtschaftliche Rentabilität der Gartenanlage.
Durch landwirtschaftliche Einrichtungen soll sich das Gartenprojekt selbst tragen - und möglichst sogar einen Gewinn erwirtschaften.

Dies will Werneck durch die Erweiterung der Wiesen- und Waldflächen, durch eine Vergrößerung des Viehbestandes und den Ausbau der Ökonomie und der Mühlen erreichen.
Die Ökonomie und die „Schweizerey“ wird dem „Englischen Garten“ einverleibt.

November 1799

München-Englischer Garten * Die „Militärgärten“ werden abgeschafft, dem „Hoffuttermeisteramt“ unterstellt und vom „Englischen Garten“ abgetrennt.

9. Dezember 1799

München-Englischer Garten * Die beiden im Jahr 1798 errichteten Säge- und Mahlmühlen werden ebenfalls dem Wirtschaftsbetrieb Englischer Garten einverleibt.

23. Dezember 1799

München-Englischer Garten - Hirschau * Kurfürst Max IV. Joseph schlägt dem Englischen Garten 300 Tagwerk der unteren Hirschau zu. Die Erweiterung erstreckt sich vom Kleinhesseloher See bis zum heutigen Aumeister. 


1800

Um 1800 München-Englischer Garten * Auf einem Wiesengelände bei Schwabing wird der „Kleinhesseloher See“ angelegt. Er wird zwischen 1807 und 1812 beträchtlich erweitert.
7. Januar 1800

München-Englischer Garten * Das Gelände der Militärgärten wird wieder mit dem Englischen Garten vereinigt und daraus eine ausgedehnte längliche Wiesenfläche, die Schönfeldwiese, angelegt.


1803

1803

München-Englischer Garten * Das „Dianabad“ beim „Englischen Garten“ öffnet seine Pforten. 

Zur luxuriösen Ausstattung gehören neben 51 Hotelzimmern auch zwei geräumige und mit viel Pomp ausgestattete „Festsäle“.
Die Badewannen bestehen aus innen verzinktem Kupfer.

1803

München-Englischer Garten * Friedrich Ludwig Sckell wird die Oberaufsicht über das gesamte „Gartenwesen“ übertragen. 

Der von Rumford angelegte „Theodor-Park“ war - wenn auch dem „allgemeinen Publikum“ gestiftet - in seiner Ausstattung doch auf eine Gesellschaft abgestimmt, die eher im höfischen Leben beheimatet ist.

9. Mai 1803

Schwabing * Kurfürst Max IV. Joseph kauft von Stephan von Stengel um 18.000 Gulden den Edelsitz Biederstein.  In der Folge wird das Schloss durch den Hofbaumeister Franz Thurn aufgestockt und um zwei Seitenflügel zu einem „Feensitz“ erweitert. Die Umgebung wird durch Friedrich Ludwig Sckell im englischen Stil zu einem Landschaftsgarten umgestaltet. 

4. Oktober 1803

München-Graggenau * Auf dem Weg vom Hofgarten in den Englischen Garten wird das denkmalartige Standbild des „Harmlos“ von Franz Jakob Schwanthaler d.Ä. enthüllt. Es ist eine Stiftung des Ministers Theodor Graf von Morawitzky.


1804

1804

Schwabing * „Hofbaumeister“ Franz Thurn überarbeitet „Schloss Biederstein“.

Friedrich Ludwig Sckell legt den Garten neu an.

30. Januar 1804

Schwabing * Das Schloss Biederstein kommt von Kurfürst Max IV. Joseph als Schenkung „in die Hände unserer vielgeliebten Frauen Gemahlin“ Caroline. 

24. Mai 1804

München-Graggenau * Der Grundstein für das Palais Salabert, dem heutigen Prinz-Carl-Palais, wird gelegt. Das Gartenpalais wird nach Plänen von Carl von Fischer erbaut.


1805

1805

München * Reichsgraf Rumford wird „Präsident der Akademie der Wissenschaften“ in München.

1805

München * Adrian von Riedl wird mit 59 Jahren in den Ruhestand versetzt.

Trotz seines grünen Paradieses am Rande des „Englischen Gartens“ behagt ihm die Ruhe nicht, weshalb er den Bau einer Mühle plant.
Der an seinem Grundstück vorbeifließende „Eisbach“ mit einem Wasserdurchlauf von 22 Kubikmetern pro Sekunde erscheint ihm dafür ideal.


1806

1806

München * Weitere Flussregulierungsarbeiten an der Isar beginnen.
Sie dauern bis 1812.

Die Isar wird in ein knapp 44 Meter breites Flussbett gezwängt.
Dabei gräbt sich die Isar so tief ein, dass man das Flussbett im Jahr 1889 wieder auf 60 Meter erweitern muss.

1806

München-Englischer Garten - Lehel * Auf Friedrich Ludwig Sckells Wunsch hin werden die „Militärmühlen“ an der Kreuzung von Schwabinger Bach und Eisbach stillgelegt und der Befehl zum Abbruch gegeben.


1807

1807

München-Englischer Garten - Schwabing * Der künstlich auf einer Wiese angelegte „Kleinhesseloher See“ wird unter der Leitung von Friedrich Ludwig Sckell auf seine heutige Größe von acht Hektar gebracht.

Die Arbeiten dauern bis 1812.

1807

München-Englischer Garten - München-Lehel * Friedrich Ludwig Sckell will den „Apollo-Tempel“ wegen seiner „missglückten Proportionen“ sowie der „schlechten Bauweise“ abreißen lassen.

Er wird aber noch vermutlich bis 1838 stehen bleiben.

10. August 1807

München-Englischer Garten * Friedrich Ludwig Sckell fertigt einen „Plan B“, den er gemeinsam mit „Plan A“ samt einer erläuternden Denkschrift dem König überreicht.

Darin drückt er seine Unzufriedenheit mit der Art der Bepflanzung, der er das Fehlen von „pittoresken Ansichten“ vorwirft, und der architektonischen Gestaltung der zumeist aus Holz errichteten „Parkbauten“ aus.
Diese sind nach seiner Meinung weder stabil genug gebaut, noch entsprechen sie der „reinen Baukunst“.

Den „Chinesischen Turm“ will er sofort abreißen lassen, da „der Chinesische Geschmack der Baukunst keine Nachahmung verdienet, und wenn einst dieser ganz faul seyn wird, und abgebrochen werden muß, Kein anderer mehr erbauet werden dürfte“.


1808

1808

München * Friedrich Ludwig von Sckell erhält den „Zivil-Verdienstorden der Baierischen Krone“, womit der persönliche Adel verbunden ist.

13. September 1808

München-Englischer Garten - Tivoli * Adrian von Riedl erbittet bei Kurfürst Max IV. Joseph den Bau einer Mühle mit vier Gängen. Sie soll auf seinen Wiesen unterhalb der Bogenhausener Brücke, zwischen Isardamm und Schwabinger Bach entstehen. Zum Betrieb der Mahlmühle will er „mittels eines Kanals durch seine Wiesen das Wasser aus dem Eisbach hereinleiten und unterhalb der Mühle wieder in denselben einlassen“.

24. September 1808

München-Englischer Garten - Tivoli * Die Königliche Regierung steht Adrian von Riedls Mühlenplanungen positiv gegenüber, da damit die anliegenden Dörfer Schwabing, Bogenhausen und Föhring eine Mahlmöglichkeit erhalten würden.
Bisher mussten die Bewohner dieser Dörfer zwei bis drei Stunden zur nächsten Mühle fahren.

Doch die Kgl. General Direction des Wasser-, Brücken- und Straßenbaus hat Bedenken, dass dadurch der Eisbach zurückgestaut und damit die Geschwindigkeit es Baches und somit der Abfluss des Eises vermindert werden würde. Der Eisbach nimmt nämlich im Winter die Schneemassen der Münchner Straßen auf. Daher der Name.

Doch zuletzt wird Riedl der Mühlenbau mit der Auflage genehmigt, dass er das Abeisen von seinem Grundbaum bis aufwärts zur Bogenhausener Brücke auf eigene Kosten zu besorgen hätte. Damit wird Adrian von Riedl zum Gründer der Neumühle am Eisbach.


1809

1809

München-Englischer Garten * Pläne für eine zum Andenken der „großen Teutschen“, einer „Walhalla“ im „Englischen Garten“ entstehen.

9. März 1809

München-Englischer Garten * Adrian von Riedl verkauft die sich im Rohbau befindliche „Neumühle“ zu einem Schleuderpreis von 1.200 Gulden an den Münchner Bäcker und Müller Johann Jakob Schöttl. Auch der Mühlkanal ist bereits gegraben.

18. März 1809

München * Adrian von Riedl stirbt neun Tage nach seinem Verkauf der Neumühle.


1810

1810

Schwabing * Carl von Fischer baut im Park von „Schloss Biederstein“ einen „Belvedere“

1810

München-Englischer Garten * Freiherr Adam von Aretin verkauft sein Grundstück am Ostrand des „Englischen Gartens“ an den „Großhändler und Bankier“ Raphael Kaula.

Seine im Jahr 1812 als jüngstes Kind geborene Tochter Nanette wächst zu einer so auffallenden Schönheit heran, dass sie unter dem Titel „Münchens schönste Jüdin“ weithin bekannt ist.

In der Folgezeit lässt Kaula kleinere Gebäude seines Vorbesitzers Aretin abreißen und durch das elegantere „Kaula-Schlössl“ ersetzen.
Nach seiner Erhebung in den Adelsstand heißt das „Kaula-Schlössl“ nun „Murat-Schlössl“.

1810

München-Englischer Garten * Das alte „Aumeisterjäger-Haus“ wird an der Nordgrenze des „Englischen Gartens“ für die Heger und Jäger der „Hirschau“ erbaut.


1814

18. Mai 1814

München-Englischer Garten - Hirschau * Der Hofhammerschmied Lindauer erhält - gegen den erbitterten Widerstand des Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig von Sckell - die Erlaubnis zur Errichtung einer Stahlfabrik am Eisbach in der Hirschau.

22. August 1814

Auteuil * Sir Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford stirbt in Auteuil bei Paris.


1815

1815

München-Englischer Garten - Lehel * Der „Große Wasserfall“ an der Kreuzung des Schwabinger Bachs und des Eisbachs wird geschaffen.

Seither stürzen die durch ein Stauwehr zurückgehaltenen Wassermassen über von Menschenhand platzierte Felsen.
Die Szenerie erinnert an ein romantisches Landschaftsgemälde.


1817

1817

München-Graggenau * Luigi Tambosi und die Kurfürstinwitwe Maria Leopoldine sind sich handelseinig.
Er will ihr um 22.000 Gulden das „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ abkaufen.

Dann erfahren sie, dass das „Kaffeehaus“ abgerissen und in den „Englischen Garten“ verlegt werden soll.

Die Niederlegung der Gebäude verzögert sich bis 1825.
So lange bleibt Maria Leopoldine Eigentümerin und Luigi Tambosi Pächter des „Kaffeehauses an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“


1818

1818

München-Englischer Garten - Lehel * Die nahe dem „Diana-Tempel“ am östlichen Rand des „Englischen Gartens“ gelegene „Tabakfabrik“ wird in ein Bad umgewandelt.

Bald bürgert sich dafür der Name „Diana-Bad“ ein.


1820

Um das Jahr 1820

München-Englischer Garten * Friedrich Ludwig von Sckell schreibt über den „Englischen Garten“:  

„Hier will das Volk gesehen, gefallen und bewundert werden, alle Stände müssen sich also da versammeln und in langen bunten Reihen bewegen und die frohe Jugend unter ihnen hüpfen können“


1821

1821

München-Englischer Garten - Tivoli * Johann Jakob Schöttl übergibt die „Neumühle“ an seinen gleichnamigen Sohn.


1823

Um 1823

München-Englischer Garten - Schwabing * Der baierische „Kriegsminister“ Nikolaus Freiherr von Maillot de la Treille lässt sich von dem Architekten Jean Baptiste Métivier am Westrand des „Englischen Gartens“ ein Schlösschen im Stil der italienischen Renaissance erstellen.

Es befindet sich an der Stelle des heutigen Verwaltungsgebäude der „Generaldirektion der Allianz-Versicherung“.

24. Februar 1823

München * Friedrich Ludwig von Sckell stirbt in München. Er wird auf dem Alten Südfriedhof beigesetzt. Sein Nachfolger als Hofgartenintendant wird sein Neffe Carl August Sckell.


1824

1824

München-Englischer Garten - Schwabing * König Max I. Joseph lässt am Südufer des „Kleinhesseloher Sees“ durch den Bildhauer Ernst von Bendel für Friedrich Ludwig von Sckell ein Denkmal errichten.

1824

Schwabing * Leo von Klenze baut im Park von „Schloss Biederstein“, anstelle des „Belvedere“ von Carl von Fischer, das neue „Schloss Biederstein“


1825

Nach dem 29. Oktober 1825

Schwabing * König Ludwig I. teilt - ohne vorher mit der Betroffenen gesprochen zu haben - dem Magistrat von München mit, dass die Königin-Witwe Caroline künftig in Würzburg leben wird. Die Königin-Witwe wehrt sich dagegen und lebt bis zu ihrem Tod mit ihrem Hofstaat im neuen Schloss Biederstein. 

31. Dezember 1825

München-Englischer Garten * Der Englische Garten hat eine Größe von 231 Hektar.


1826

1826

München-Englischer Garten - Tivoli * Johann Jakob Schöttl junior verkauft die „Neumühle“ an den Schwabinger Wirt Johann Gradl.


1827

1827

Bogenhausen * Aus dem „Schloss Neuberghausen“ in Bogenhausen wird eine Ausflugswirtschaft, die die „Wirtin vom Tivoli“ betreibt.


1829

1829

München * König Ludwig I. lässt Nanette Kaula als 17-jährige für die „Schönheiten-Galerie“ malen.

Sie trägt einen goldenen Pfeil in ihren dunklen Haaren.

Um 1829

München * Der jüdische Mitbürger Raphael Kaula wird er mit dem „Ritterkreuz des Ordens der Bayerischen Krone“ dekoriert und wird damit als „Baron de Murat“ in den Adelsstand erhoben.


1830

1830

München-Englischer Garten - Tivoli * Der Schwabinger Wirt Georg Ferstl kauft das „Murat-Schlössl“ und eröffnet darin seine Gaststätte „Zum Tivoli“.

Dort gibt es auch eine einfache Badeanstalt.
Im Winter wird die Wiese durch Spritzen zur beliebten Eislaufbahn.
Außerdem gibt es einen „Kaffeepavillon“ und ein Kinderkarussell. 

Damit wird Georg Ferstl „Tivoli“ ein beliebtes Ausflugslokal der Münchner.
Es besteht bis zum Jahr 1923.

Bald heißt auch die ganze Gegend ums Wirtshaus „Am Tivoli“.


1832

1832

München-Englischer Garten - Lehel * Ein künstlicher Hügel wird im „Englischen Garten“ aufgeschüttet.

Ziegelfundamente in fast gleicher Höhe wie der „Monopteros“ selbst, geben dem Kunstberg den nötigen Halt. 
Der Hügel besteht aus Ziegelsteinen, Resten der Stadtbefestigung und angefallenem Erdreich.  


1835

1835

München * Die Vision von Simon von Eichthal, dem Bankier und Mitbegründer der Eisenbahngesellschaft München - Augsburg, zum Eisenbahnbau lautet:

„Die Großartigkeit des Unternehmens wird es dann auch möglich machen, im Inlande Anstalten ins Leben zu rufen, aus welchen Dampfwägen und alle diejenigen Gegenstände, welche zur Verfertigung und Befahrung der Eisenbahnen sonst aus England und den Niederlanden bezogen werden müssen, hervorgehen können“.

1835

München * Gründung einer Aktiengesellschaft zum Betrieb der Dampfschifffahrt auf der Donau zwischen Ulm und Linz durch bayerische Bankiers und Unternehmer.

1835

München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Anton von Maffei investiert in einen riskanten Zukunftsmarkt: dem Schiffs- und Lokomotivenbau. Um den Ausbau des bayerischen Eisenbahnnetzes zu forcieren, beteiligt er sich - als einer der Initiatoren und Hauptaktionäre von Münchner und Augsburger Bank- und Kaufleuten - an der Gründung einer Aktiengesellschaft zum Bau der Eisenbahn München - Augsburg.

18. Juni 1835

München * Auf Betreiben des Hofbankiers Simon von Eichthal beteiligt sich Joseph Anton von Maffei - unterstützt von den Bankhäusern Rothschild in Frankfurt sowie Hirsch in Würzburg - mit 250.000 Gulden an der Gründung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. In den kommenden fünf Jahren steuert Ritter von Maffei als Vorstandsmitglied die Geschicke der Bank aktiv mit.


1836

1836

München-Englischer Garten - Lehel * Die Bauarbeiten am „Monopteros“, auf dem durch Menschenhand künstlich aufgeschütteten Hügel, beginnen.  

Die Arbeiten dauern bis 1837.  
Der Architekt ist Leo von Klenze.  

Heute geht hier der Blick geht über die „Po-Ebene“, weil sich hier das bevorzugte Revier der sich hüllenlos sonnenden Parkbesucher befindet. 

31. August 1836

München * Hugo Alois von Maffei wird geboren. Er wird später die Maffei-Werke von seinem Onkel erben und erfolgreich weiterführen.


1837

1837

München * Der inzwischen 80-jährige Freiherr Reinhard von Werneck erhält von König Ludwig I. das „Großkreuz des Civil-Verdienstordens der Bayerischen Krone“.

1837

München-Englischer Garten - Tivoli * Der aus dem Hessischen stammende „Großhändler und Banquiers“ Christian August Erich kauft Johann Gradl die „Neumühle“ um 41.000 Gulden ab.

Erich war unter anderem Mitinhaber einer „Walzmühle“ in Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau.

Herbst 1837

München-Englischer Garten - Tivoli * Christian August Erich legt König Ludwig I. einen Statutenentwurf zur Errichtung einer „Walz-Getreidemühle“ vor, die von einer Aktiengesellschaft betrieben werden, an der sich vornehmlich die ansässigen Müller beteiligen sollten.

1837

Karlsruhe - Berlin * Die Ingenieure Emil Keßler in Karlsruhe und August Borsig in Berlin gründen ihre Maschinenbauwerkstätten.

Sie produzieren ihre ersten Lokomotiven - wie Joseph Anton von Maffei - im Jahr 1841.

1837

München-Englischer Garten - Hirschau * Der vielseitige Unternehmer Josef Anton Ritter von Maffei, einer der Mitbegründer der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“ erwirbt in der „Hirschau“ für 57.000 Gulden den mit Wasserkraft betriebenen ehemaligen „Lindauer'schen Hammer“ mit einer kleinen Eisengießerei. 

Er baut ihn zu einer der leistungsfähigsten Lokomotiven- und Maschinenfabriken Bayerns aus.

23. Juli 1837

München * Der Münchner Unternehmer Joseph Anton von Maffei setzt die Visionen von Simon von Eichthal in die Tat um, in dem er sich intensiv um die Förderung des bayerischen Eisenbahnbaus kümmert.  

Nachdem die München - Augsburger Eisenbahngesellschaft ihre endgültige Konzessionierung erhalten hat, wird Joseph Anton von Maffei auf der konstituierenden Verwaltungsratssitzung zunächst ins Direktorium und danach zum Vorsitzenden gewählt. 

August 1837

Regensburg * Der erste Dampfer der „Bayerisch-württembergischen Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“, ein „Seitenraddampfer“, wird vom Stapel gelassen.

Er war in der Regensburger Werft von Maffei gebaut worden.


1838

1838

München-Englischer Garten - Schwabing * In Erinnerung an Freiherr Reinhard von Wernecks „verdienstvolle Tätigkeit“ als „Direktor des Englischen Gartens“ veranlasst König Ludwig I. die Errichtung des „Werneck-Denkmals“ auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe des Ostufers des „Kleinhesseloher Sees“.

Architekt ist Leo von Klenze.

1838

München-Englischer Garten - Lehel * Der im „Hirschangerwald“ gelegene „Apollo-Tempel“ wird wegen Baufälligkeit entfernt.

Dafür entsteht an gleicher Stelle ein anderes Idyll: die „Steinerne Bank“, die Leo von Klenze nach Art einer griechischen „Exedra“ errichtet.

1838

München-Englischer Garten - Hirschau * Der aus einem italienischen Adelsgeschlecht stammende Joseph Anton Ritter von Maffei kauft von der Witwe Lindauer die weit außerhalb der Stadtgrenze Münchens gelegene „Hofhammerschmiede“ in der „Hirschau“ ab.

8. Oktober 1838

München-Englischer Garten - Tivoli * König Ludwig I. genehmigt die Gründung einer Walz-Getreidemühle zu Tivoli. Am Namen wird noch gefeilt und so wird aus der Neumühle die Königlich bayerische privilegierte Ludwigs-Walzmühle in München. 

Von den damals 13 ansässigen Münchner Müllermeistern wird nur Anton Huber von der Hofpfistermühle Aktionär. Die übrigen bekämpften Christian August Erich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Argumenten.


1839

1839

München-Englischer Garten - Tivoli * Christian August Ernst kauft die Gaststätte „Zum Tivoli“ und verpachtet sie an den bisherigen Besitzer.

1839

München-Englischer Garten - Hirschau * Ein Wirt, dessen Namen nicht mehr feststellbar ist, erwirbt ein kleines Waldgrundstück in der „Hirschau“ und erstellt darauf ein einstöckiges Wirtshaus, das er „Zum Hasenstall“ nennt. 

1839

München-Englischer Garten - Hirschau * Angeblich beschäftigt die „Maffei'sche Fabrik“ bereits 160 Arbeiter und Tagelöhner.

Doch diese Angabe scheint weit überzogen.
Das Münchner „Kunst- und Gewerbeblatt“ vom Juni 1852 beziffert die von Maffei im Jahr 1839 bezahlten Wochenlöhne auf 12.500 Gulden. 

Davon kann er unmöglich 160 Arbeiter bezahlt haben.
Das wären lediglich 1½ Gulden in der Woche.

1839

München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Anton von Maffei engagiert Joseph Hall, einen englischen Ingenieur, als Direktor für das „Eisenwerk Hirschau“.

Joseph Hall war zur Montage der sechs in England gefertigten Lokomotiven nach München gekommen.
Die Zugmaschinen sollen auf der Strecke München - Augsburg eingesetzt werden.


1840

Um März 1840

München-Englischer Garten - Hirschau * Das Gasthaus „Zum Hasenstall“ in der „Hirschau“ wird eröffnet. 

Es wird zur „Werkskantine“ der „Maffei‘schen Maschinenbauanstalt“
Seine Gäste sind ausschließlich Arbeiter aus der „Maffei-Fabrik“.


1841

11. September 1841

München - Berchtesdaden * Das von Joseph Anton von Maffei aufgesetzte Schreiben zur Namensgebung seiner in der Hirschau gefertigten Lokomotive erhält der Verfasser mit einem von König Ludwig I. ausgeführten handschriftlichen Vermerk aus Berchtesgaden zurück: 

„Mit vielem Vergnügen erfuhr des Dampfwagens Erbauung aus München und dem ausgesprochenen Wunsche gemäß, daß ich ihm einen Namen geben möchte, soll er der „Münchner“ heißen“. Von einem Kaufangebot für die Lokomotive ist nichts zu lesen. Das wird bis noch 1845 dauern.

Überhaupt muss Joseph Anton von Maffei seine erste Lokomotive wie Sauerbier anbieten, denn „Der Münchner“ war keine Auftragsarbeit, sondern eher ein Gesellenstück, mit dem er die Leistungsfähigkeit seines Unternehmens unter Beweis stellen will. Räder, Treibachse, Kesselbleche und einige feinmechanische Teile mussten noch aus England bezogen werden. Und die München - Augsburger Eisenbahngesellschaft hat sich schon mit acht Lokomotiven eingedeckt und ist damit überversorgt.

7. Oktober 1841

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Münchner“ genannte Lokomotive wird von „zehn Pferden gezogen und aufs Schönste mit Blumen und Girlanden geschmückt“ zum Bahnhof auf dem Marsfeld gebracht.

Denn in der Zwischenzeit hatte Joseph Anton von Maffei, der Vorsitzende der München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft, im Maffeischen Eisenwerk in der Hirschau, mit dem Bau von Lokomotiven begonnen. Das erforderliche technische Know-how brachte der Engländer Joseph Hall in das Unternehmen ein. 

13. Oktober 1841

München-Englischer Garten - Hirschau * „Der Münchner“, die von dem englischen Ingenieur Joseph Hall in der Münchner Hirschau gefertigte Lokomotive absolviert erfolgreich ihre Probefahrt auf der Strecke München - Augsburg. Die Lokomotive ist noch vollständig einem englischen Vorbild nachgebaut.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h auf der Horizontalen bei 161 Tonnen Anhängelast übertrifft sie jedoch die Leistung der englischen Vorbilder. „Der Münchner“ erreicht bei Probefahrten sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 59 Stundenkilometern. 


1842

August 1842

München * In einem Expertengutachten kommt die für den Ankauf der Lokomotiven zuständige „Eisenbahnkommission“ zu folgendem Ergebnis:

„Es hat daher die Lokomotive Münchner [...] keinen Wert mehr, und ist, selbst geschenkt, zu theuer“.


1843

1843

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Kgl. Bay. Staatsbahn“ erteilt dem „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei einen Auftrag über die Lieferung von acht Lokomotiven des Typs „Bavaria“
Sie sollen auf der Strecke Nürnberg - Bamberg eingesetzt werden.

Um den Auftrag zu erhalten, muss Maffei die väterliche „Tabakfabrik“ als Kaution einbringen.
Der Auftrag geht aber nicht nur an
„Maffei“, sondern auch an „Kessler & Martiensen“ in Karlsruhe und „Meyer & Comp.“ im elsässischen Mühlhausen.
Sie müssen sich den Auftrag zu je acht Lokomotiven teilen.

Die wichtigste Auflage für die drei Firmen lautet: „Alle Teile an den 24 Lokomotiven müssen untereinander austauschbar sein“.

Seine erste Lokomotive, den „Münchner“, hat Maffei aber noch immer nicht verkauft.

1843

München-Englischer Garten - Hirschau * Für das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei wird mit George Jon Ashton ein zweiter Engländer angeworben.


1844

1844

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Fabrik“ liefert die ersten acht Lokomotiven an die „Bayerische Staatsbahn“ aus, die bald einen Großteil ihres Lokomotivenbedarfs bei Maffei deckt.

Die „Suevia“, eine technisch verbesserte Lokomotive, fährt die Strecke Augsburg - Donauwörth. 

Daneben stellt Maffei auch Dampfschiffe, Dampfmaschinen, Walz- und Mühlwerke, Werkzeugmaschinen und sonstige Maschinen her.

1844

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Maschinenfabrik“ in der Hirschau beschäftigt 150 Arbeiter.

25. August 1844

Nürnberg - Bamberg * Die Eisenbahnlinie von Nürnberg nach Bamberg wird eröffnet. Dabei kommt erstmals eine bayerische Lokomotive - die Bavaria der Firma Maffei in der Hirschau - zum Einsatz.

September 1844

München * Der bayerische Staat übernimmt die seit 1839 bestehende private Eisenbahnstrecke zwischen München und Augsburg.  

Er kauft dem privaten Konsortium die Bahnstrecke um 4,4 Millionen Gulden ab.


1845

1845

München-Englischer Garten - Hirschau * Da Joseph Anton von Maffei seine erste, im „Eisenwerk Hirschau“ gefertigte Lokomotive immer noch nicht verkauft hat, greift er zur Feder und schreibt an König Ludwig I. folgende Zeilen:

„Es sind sechs Jahre, seitdem der „Münchner“ zu bauen angefangen wurde.
Die Durchschnittszahl der in dieser Fabrik allein seither Beschäftigten Arbeiter beläuft sich für ein Jahr auf 230.
Jeder derselben, gering gerechnet, gebraucht zur Stillung seines Durstes des Tages drei Maaß Bier, was in sechs Jahren 1.511.100 Maaß betrug. 

Bekanntlich entrichtet die Maaß Bier beiläufig 1 Kreuzer ärarialischen Aufschlag, so entziffert sich an diesem einzigen Gefälle schon seither eine Staatseinnahme von ohngefähr 25.000 Gulden“.

Daraufhin kauft die „Königliche Bayerische Staatsbahn“ den „Münchner“ für 24.000 Gulden und reiht ihn unter der „Nummer 25“ in ihren Lokomotivenpark ein.


1846

1846

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei fertigt eine „200-PS-Dampfmaschine“ für die „Mechanische Fabrik Augsburg“.

1846

München * Der bayerische Staat rettet die privatrechtlich organisierte „Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“ durch die Übernahme vor dem Konkurs.

1846

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Maschinenbauanstalt“ in der „Hirschau“ beschäftigt 372 Arbeiter.  

Das ist eine für das damalige München „gewaltige“ Zahl.


1847

1847

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Fabrik in der Hirschau“ liefert ihre Lokomotive „Donau“ an die „Kgl. Bay. Staatsbahn“.
Sie ist bis 1895 im Einsatz.

4. April 1847

München-Maxvorstadt * Einem Brandanschlag auf den „Münchner Bahnhof“, eine Holzkonstruktion etwa auf der Höhe der heutigen „Hackerbrücke“, fällt nicht nur das Gebäude, sondern auch sechs Waggons samt der darauf gelagerten 300 Scheffel Weizen zum Opfer.

Vermutlich machen die unbekannt gebliebenen Täter die Eisenbahn für die seit mehreren Jahren anhaltende Teuerung des Getreides verantwortlich. 

Denn schon bald hieß es:
„Zu meinen Zeiten hast nix von Dampfwagen g'hört! Alles ist ruhig sein Weg gangen;
aber desto mehr Dampfnudeln hat's geben;
und je mehr Dampfwagen herkommen, desto rarer werden die Dampfnudeln!
Die Zeit wird immer schlechter!“


1848

1848

München-Englischer Garten - Hirschau * Die im „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei gefertigte Lokomotive „Behaim“ wird auf der Steilrampe zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast eingesetzt.

Die „Behaim“ ist die erste dreifach gekuppelte Lokomotive für die „Königlich Bayerische Staatsbahn“.

1848

München-Englischer Garten - Hirschau * Maffei beschäftigt 500 Mitarbeiter in der Hirschau.


1850

1850

Burglengenfeld * Joseph Anton von Maffei ist Hauptaktionär und Vorstand der oberpfälzischen „Eisenwerk-Gesellschaft-Maxhütte“ bei Burglengenfeld.

Das Unternehmen hat sich vor allem auf die Herstellung von Eisenbahnschienen spezialisiert.


1851

1851

München-Englischer Garten - Hirschau - Starnberg * Der bei „Maffei“ gebaute Raddampfer „Maximilian“ läuft in Starnberg vom Stapel. 

Er hat eine genietete eiserne Schiffsschale mit Holzaufbauten.

1851

München-Englischer Garten - Hirschau * Maffei gewinnt mit seiner 72. Lokomotive, die ebenfalls auf den Namen „Bavaria“ hört, den ersten Preis beim „Semmering-Wettbewerb“ um die leistungsfähigste „Steilrampen-Lokomotive“.

1851

München-Englischer Garten - Hirschau * Am nordwestlichen Rand des „Englischen Gartens“ wird die „Woll- und Lodenfabrik Frey“ am „Dianabad“ gegründet.


1852

1852

München-Englischer Garten - Tivoli * Es kommt zum Zerwürfnis zwischen Christian August Ernst und der „Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ wegen nicht ausbezahlter Dividenden.


1853

1853

München * Joseph Anton von Maffei übernimmt den Vorsitz der „Aktiengesellschaft für die Dampfschiffahrt auf Inn und Donau“.

1853

München-Hirschau * Die im „Maffei-Werk Hirschau“ gebaute Lokomotive „Die Pfalz“ für die „Bayerische Pfalzbahn“ erreicht bereits 120 km/h.


1856

1856

München-Lehel * Das „Karussell“ am „Chinesischen Turm“ entsteht.
(Nicht schon 1823!)

Juli 1856

München-Tivoli * Christian August Ernst wird von der „Generalversammlung der Aktionäre“ gezwungen, von der Leitung der „Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ zurückzutreten und die Mühle verhältnismäßig günstig an die „Gemeinschaft der Aktionäre“ zu verkaufen.

Für die Mühle und und das Ausflugslokal „Tivoli“ erhält er 59.000 Gulden. Die Aktionäre wollen keinesfalls auf das „Tivoli“ verzichten.


1857

1857

München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Hall verlässt das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei.

Sein Nachfolger wird George Jon Ashton.

4. April 1857

München-Haidhausen - Bogenhausen * König Max II. lässt die „Maximiliansanlagen“ durch den 26jährigen „Hofgärtner“ Carl Effner anlegen. 

Die Arbeiten für den „Landschaftspark“ dauern bis 1866.


1858

1858

Main * Die Dampfschifffahrt auf dem Main wird bis 1886 eingestellt.


1860

Um 1860

München-Englischer Garten - Hirschau * Immer mehr Münchner nutzen das in der „Hirschau“ gelegene Wirtshaus „Zum Hasenstall“ als Ausflugslokal.

In Stadtführern taucht deshalb auch der Name „Hirschauer Ausflugslokal“ auf.
Die Bezeichnung „Zum Hasenstall“ gerät immer mehr in Vergessenheit.

3. September 1860

München-Englischer Garten - Hirschau * Das Eisenwerk Hirschau von Joseph Anton von Maffei liefert den von ihr gefertigten eisernen Dachstuhl für die Befreiungshalle bei Kehlheim und beginnt vor Ort mit den Arbeiten. Innerhalb von 14 Tagen ist die Bedachung des kolossalen Gebäudes vollendet.

Bis 31. Dezember 1860

München-Englischer Garten - Hirschau * Im Eisenwerk Hirschau von Joseph Anton von Maffei sind 465 Lokomotiven entstanden. Davon fanden 129 einen Käufer im Ausland.


1862

1862

München-Maxvorstadt * Der zur Münchner Oberschicht zählende „Großhandelsaufmann“ Benedikt Benedikt erwirbt ein Gelände am Westrand des „Englischen Gartens“, wo er einen „Zoologischen Garten“ anlegen möchte.

Zuvor war seine Initiative zur Gründung einer Aktiengesellschaft für diesen Zweck gescheitert, da die Mehrheit der von ihm Eingeladenen nicht an die Rentabilität eines solchen Unternehmens glauben wollten.


1863

Januar 1863

München-Englischer Garten - Schwabing * Der „Großhandelsaufmann“ Benedikt Benedikt vergrößert durch Zukäufe sein für einen „Zoologischen Garten“ vorgesehenes Grundstück am Westrand des „Englischen Gartens".

Es hat jetzt die Größe von sechs Fußballfeldern und ist damit etwa ein Zehntel des heutigen „Tierparks Hellabrunn“.

Die landschaftliche Anlage des „Zoologischen Gartens“ übernimmt der königliche „Hofgärtner“ August Klein.
Die Bauten erstellt der Münchner Architekt Carl Schönhammer.

Als nächstes werden Tiere angeschafft, die das Münchner Klima vertragen müssten.


1864

1864

München-Englischer Garten - Hirschau * Die 500. Lokomotive mit dem Namen „Hirschau“ (?) verlässt die „Maffei'sche Lokomotiven-Fabrik“.

Um April 1864

München-Englischer Garten - Schwabing * Das „Maillot-Schlösschen“ wird umgebaut und als „Restaurant“ für den „Zoologischen Garten“ am Westrand des „Englischen Gartens“ genutzt.


1866

21. August 1866

München-Englischer Garten * Der Zoo des Kaufmanns Benedikt Benedikt am Westrand des Englischen Gartens ist nach drei Jahren schon wieder bankrott. Die Versteigerung des auf 118.000 Gulden geschätzten Geländes wird anberaumt, doch es findet sich kein Käufer. Das Gelände übernimmt die Stadt, die Wirtschaftsgebäude werden für den Betrieb eines Kaffeehauses verpachtet.


1869

1869

München-Englischer Garten - Tivoli * Wegen Misswirtschaft und sinkenden Umsätzen muss die „Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ um eine staatliche Finanzhilfe bitten.

Diese wird nicht gewährt.

Januar 1869

München-Englischer Garten - Schwabing * Die Unternehmer eines kleinen, aber populären zoologischen Museums in München, Leven & Sohn, beantragen bei der Stadt, den ehemaligen „Benedikt-Tierpark“ zu pachten.

Der „Zoologische Garten“ am Westrand des „Englischen Gartens“ soll wieder mit lebenden Tieren bevölkert und ein „Seewasseraquarium“ eingerichtet werden.
Bei Erfolg wollen sie das Anwesen kaufen.

Dezember 1869

München-Englischer Garten - Schwabing * Die Unternehmer Leven & Sohn werden als Pächter des „Zoologischen Gartens“ am Westrand des „Englischen Gartens“ erwähnt.


1870

1. September 1870

München * Joseph Anton Ritter von Maffei stirbt im Alter von 80 Jahren. Sein Neffe Hugo Alois von Maffei führt die Firma weiter.

5. Dezember 1870

München-Englischer Garten - Tivoli * Weil im Gebäude der Ludwigs-Walzmühle am Tivoli inzwischen weder Tische noch Stühle vorhanden sind, findet die Generalversammlung der Königlich bayerischen Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft im Nebenzimmer des Gasthauses Zum Tivoli statt. Diese beschließt die Auflösung der Gesellschaft.


1871

15. März 1871

München-Englischer Garten - Tivoli * Frühere Aktionäre der Königlich bayerischen Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft gründen unter dem Namen Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp. - Commanditgesellschaft in Tivoli bei München eine neue Gesellschaft.


1872

Vor 1872

München-Englischer Garten - Schwabing * Scheinbar haben sich die Unternehmer Leven & Sohn etwas zu Schulden kommen lassen, denn seither bezahlt ein Joseph Hermann die Pacht.

Ob aber das Antreffen von „ein Paar Frauenzimmer zweideutigen Rufes“ zur Kündigung des Pachtvertrages geführt haben, ist unklar.

Jedenfalls lässt sich Joseph Hermann „die Hebung des Unternehmens sehr angelegen sein.
Er richtete im ehemaligen Schlössl eine feudale Restauration ein und suchte dem Publikum möglichst viel zu bieten.
Da war ein Raubtierhaus, auf einem Hügel ein Bärenzwinger, ein Affenhaus, Singvögelhäuser, ein wildverwachsner Wasserfall
[...]. Die Münchner kamen gern heraus und ließen sich's wohl sein.
[...] Auch für artistische Darbietungen sorgte der Pächter und ließ Seiltänzer wie Blondin und Miss Victoria auftreten.
Und besonders schön und beliebt war's an Sommerabenden, wenn im Zoologischen ein wenig getanzt wurde“
.

1872

München-Englischer Garten - Schwabing * Der „Zoo“ am Westrand des „Englischen Gartens“ schließt endgültig seine Pforten.

Der Münchner „Textilgroßkaufmann“  und „Königlich Spanische Konsul“ Michael Rosipal kauft das „Maillot-Schlösschen“ um 70.000 Gulden und macht es zur „Villa Rosipal“.
Er nutzt es rein für private Zwecke und übergibt es seinen Sohn Carl Rosipal.

21. Februar 1872

München-Englischer Garten - Tivoli * Ein Großbrand vernichtet die Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp.. Da die Gesellschaft gut versichert war, ist man eher „aufgebrannt“ statt abgebrannt.

29. November 1872

München-Englischer Garten - Tivoli * Nahezu alle Gründer der Kommanditgesellschaft Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp. gründen eine neue Aktiengesellschaft. Diese firmiert jetzt endgültig unter dem Namen Kunstmühle Tivoli.


1873

1873

München-Englischer Garten - Tivoli * Die „Königlich Bayerische privilegierte Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ wird in „Kunstmühle Tivoli Aktiengesellschaft“ umbenannt.

Damit hat sich der Name des „Ausflugslokals Tivoli“ endgültig auf die ehemalige „Neumühle“ übertragen.

21. Februar 1873

München-Englischer Garten - Tivoli * Die Kunstmühle Tivoli A.G. wird mit ihrer Rechtsnachfolgerin Tivoli Handels- und Grundstücks-Aktiengesellschaft, München ins Handelsregister eingetragen. Dieses Datum gilt als Geburtstag der Kunstmühle Tivoli.


1874

1874

München-Englischer Garten - Tivoli * Die „Kunstmühle Tivoli“ wird neu erbaut und im Jahr darauf bereits erweitert.

1. Oktober 1874

München-Englischer Garten - Hirschau * Die 1.000. Lokomotive verlässt das Maffei-Werk in der Hirschau.


1883

1883

München-Englischer Garten - Schwabing * Das „Seehaus“ am „Kleinhesseloher See“ wird von Gabriel von Seidl als Bootshaus errichtet.

Später nimmt es das „See-Restaurant Kleinhesselohe“ auf.

1883

München-Untergiesing * Die „Kunstmühle Bavaria AG“ baut die „Giesinger Kunstmühle“ zur zweitgrößten Mühle Münchens und der größten „Mahlmühle“ östlich der Isar um.

Nur die „Tivoli-Mühle“ am „Englischen Garten“ ist auf Münchner Gebiet noch größer.
Damit gilt die Mühle als „Handelsmühle“.
Zuvor war sie jahrhundertelang eine sogenannte „Bachmühe“.


1885

1885

Starnberger See - Ammersee * Der im Jahr 1851 im „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei produzierte Raddampfer „Maximilian“ wird nach 34 Dienstjahren auf dem Starnberger See in zwei Teile zerlegt und zum Ammersee transportiert.

Dort ist er weitere zehn Jahre im Einsatz.


1889

1889

Isar * Die Isar hat sich seit der Flussregulierung der Jahre 1806 bis 1812 so eingegraben, dass das Flussbett von 44 auf 60 Meter verbreitet werden muss.

1889

München-Englischer Garten - München-Graggenau - München-Haidhausen - Bogenhausen * Das Rad fahren im „Englischen Garten“, in den „Maximiliansanlagen“ und im „Hofgarten“ ist untersagt.

Auch viele Straßen der Innenstadt sind für „Velocipedisten“ tagsüber nur zu Fuß zu benutzen, das Rad muss geschoben werden.


1890

1890

München-Graggenau * Der „Eisbach“ vor dem „Prinz-Carl-Palais“ wird überwölbt.

Ab 1890

München-Lehel * Die Prinzregentenstraße wird angelegt.

Das hat einen Flächenverlust im Süden des „Englischen Gartens“ zur Folge.


1891

1891

München-Englischer Garten - Hirschau * Über das zur „Schwabinger Brauerei“ gehörende Ausflugslokal in der „Hirschau“ heißt es: 

„Diese Wirtschaft steht ganz abseits. Werktags kommen nur Maffei-Arbeiter zum Essen.
Die Gassenschänke ist nur für diese da. 
Ohne Maffei wäre das Gasthaus nicht lebensfähig“
.


1892

26. Januar 1892

München * Herzogin Ludowica Wilhelmine in Bayern stirbt im Alter von 84 Jahren. Ihre Grabstätte befindet sich in der Gruft von Schloss Tegernsee. Ihr jüngster Sohn, Herzog Max Emanuel in Bayern, erbt Schloss Biederstein. 


1893

12. Juni 1893

München - München-Schwabing * Herzog Max Emanuel in Bayern stirbt im Alter von 43 Jahren. Schloss Biederstein erbt seine Gemahlin Amalie. 

31. Dezember 1893

München-Englischer Garten * Der Englische Garten umfasst 272,40 Hektar.


1894

1894

München-Englischer Garten - Hirschau * Der Pächter des Ausflugslokals in der „Hirschau“ bittet den Magistrat um Genehmigung von zwei Kegelbahnen, „um auch Normalpublikum in mein Etablissement zu bekommen“.

Sie werden genehmigt.

6. Mai 1894

München-Schwabing * Herzogin Amalie in Bayern, Erbin von Schloss Biederstein, stirbt im Alter von 48 Jahren, ein Jahr nach ihrem Ehemann. 


1895

1895

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei-Kraftwerk“ am Eisbach, das heutige „Tivoli-Kraftwerk“, wird zur Stromerzeugung für das „Maffei-Lokomotivenwerk“ erbaut.

Es dient der Firma zur Deckung des eigenen Strombedarfs.


1900

1900

München-Englischer Garten * Die Ringbahn um den Münchner Norden wird gebaut. Das Obersthofmeisteramt hat sich lange Zeit den Planungen widersetzt, da diese Bahnstrecke die Hofjagd stark beeinträchtigen würde.

1900

München-Englischer Garten - Hirschau * Die 2.000. Lokomotive verlässt das Maffei‘sche Werk und wird an die Kgl. Bay. Staatsbahn geliefert.


1901

1901

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke“ wird erweitert.

Dazu werden die das Fabrikgelände durchziehenden Wasserläufe zum „Eisbach“ vereinigt.
In der neuen Kraftzentrale kommen drei „Francis-Turbinen“ mit einer Leistung von 1.000 PS zum Einsatz. 

1901

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei'sche Eisenwerk“ in der „Hirschau“ erhält einen vom Prinzregenten Luitpold genehmigten Gleisanschluss zum „Schwabinger Güterbahnhof“

Bis dahin mussten über 2.000 Lokomotiven auf Straßenfahrzeuge verladen werden.
Anfangs wurden die Maschinen von vielen Pferden, später von einer „Lokomobile“ durch die ganze Stadt zur „Zentralwerkstätte der Eisenbahn“ gezogen und dort mit den separat transportierten Radsätzen erneut zusammengebaut.

1901

München-Englischer Garten - Hirschau * Der Pächter des Ausflugslokals in der „Hirschau“ beantragt „einen Umbau vornehmen zu dürfen, da das Gastlokal zwar bis zum vorigen Jahr genügte, jetzt aber der Andrang zu dem Mittagstische so groß wird, besonders seitens der Arbeiter der Maffei'schen Fabrik, daß sich der Raum als unzureichend erweist“.


1902

1902

München-Englischer Garten - Hirschau * Durch einen ebenerdigen Anbau wird die „Schank- und Bierwirtschaft Hirschau nebst Kegelbahnen und Gartenbetrieb“ erweitert.


1904

1904

München-Englischer Garten - Tivoli * Das am Ostrand des „Englischen Garten“ gelegene Ausflugslokal „Tivoli“ wird als „Ort der Mode“ beschrieben.

„An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten.
An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein“
.

1904

München-Englischer Garten - Lehel * Der sogenannte „Kocherlball“ am „Chinesischen Turm“ im „Englischen Garten“ wird aus „Mangel an Sittlichkeit“ polizeilich verboten.

Bis dahin vergnügten sich sonntags ab fünf Uhr früh die „Dienstboten“.


1905

1905

München * Die Isar hat sich in die „Flinzschicht“ eingegraben. 

Die Eintiefung beträgt 8,5 Meter.


1907

2. Juli 1907

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „S 2/6“, eine speziell für Schnellfahrversuche bei Maffei in der Hirschau gebaute Lokomotive erreicht mit einer Geschwindigkeit von 154,5 km/h einen Weltrekord, der bis 1936 Bestand hat.


1908

1908

München-Englischer Garten - Hirschau * Der von der „Maffei'schen Maschinenfabrik“ entwickelte neue Lokomotiventyp S3/6 ist mit einer „Heißdampfmaschine“ ausgerüstet.

Sie kommt mit wesentlich weniger Kohle aus als vergleichbare Lokomotiven mit „Nassdampfmaschinen“ und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern.

1908

München-Englischer Garten - Hirschau * Bisher hat die „Maffei'sche Maschinenbaufabrik“ in der „Hirschau“ insgesamt 8.165 Lokomotiven produziert.


1910

1910

München-Englischer Garten - Hirschau * Aufgrund der zur Serienreife entwickelten neuen „Maffei'schen“ Lokomotive mit Heißdampfmaschine verfolgt das „Bayerische Verkehrsministerium“ die Elektrifizierung der Bahn mit wesentlich geringerem Nachdruck.


1912

1912

München-Englischer Garten - Hirschau * Der Mitarbeiterstamm bei „Maffei“ hat sich auf 2.026 Personen erhöht.

1912

München-Englischer Garten - Lehel * Nahe dem „Chinesischen Turm“ wird ein neues „Kinder-Karussell“ errichtet.

Es ersetzt das Alte aus dem Jahr 1856.

1912

München-Englischer Garten - Lehel * Die „Chinesische Wirtschaft“ aus dem Jahr 1790 wird durch die noch heute stehende „Gaststätte am Chinesischen Turm“ ersetzt.


1913

1913

München-Englischer Garten - Lehel * Das heutige „Karussell am Chinesischen Turm“, ein Gemeinschaftswerk des Schwabinger Bildhauers Joseph Erlacher und des Dekorationsmalers August Julier, geht in Betrieb und dreht noch heute seine Runden.


1919

1919

München-Schwabing - Hirschau * Ein Revolutionsweg von der Martiusbrücke zur Maffei-Fabrik quer durch die Seewiese (= Werneck-Wiese) wird angelegt.

6. Oktober 1919

München-Englischer Garten - Hirschau * Die Forstärarialische Hirschau wird parkartig bewirtschaftet.


1920

1920

Berlin * Die „Bayerische Staatsbahn“ wird vom Reich übernommen.

Ihr Streckennetz umfasst mehr als 8.500 Kilometer, auf dem etwa 2.400 Lokomotiven, 5.000 Personen- und 64.000 Güterwaggons bewegt werden.


1921

13. Mai 1921

München * Hugo Alois von Maffei stirbt. Bis zuletzt ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. 


1923

1923

Englischer Garten - Tivoli * Das bei den Münchnern als Ausflugslokal beliebte „Tivoli“ schließt für immer seine Pforten.

1923

Oberföhring - Englischer Garten * Trotz der Aufweitung ihres Flussbetts im Jahr 1889 hat sich die Isar weiter in den Untergrund eingegraben.

Mit dem Bau des „Stauwehrs Oberföhring“ steigt der Wasserspiegel um vier Meter an.
Doch unterhalb des „Stauwehrs“ befindet sich fast kein Wasser mehr, weil 92 Kubikmeter Isarwasser in der Sekunde in den. „Isarkanal“ umgeleitet werden.

In der Folge sinkt der Grundwasserspiegel im nördlichen „Englischen Garten“, weshalb die alten Bäume reihenweise absterben.

1923

Schwabing * Der „Biedersteiner See“ ist eingetrocknet und halb verfüllt.


1924

1924

München-Schwabing * Zur besseren wirtschaftlichen Verwertung wird die 250 Tagwerk [= ~53.000 Quadratmeter] große Immobilie um das „Schloss Biederstein“ von den wittelsbachischen Erben veräußert.  

Die „Firma Heilmann & Littmann“ erhält den Auftrag zum Verkauf. 


1926

Bis 1926

München-Englischer Garten - Hirschau * In der „Maffei'schen Fabrik“ sind 44 Dampfschiffe für deutsche Seen und Flüsse entstanden.


1930

1930

München-Schwabing * Das Inventar aus den Schlössern „Biederstein“ wird versteigert. 


1931

1931

München-Englischer Garten - Hirschau * Die Firmen „Krauss“ und „Maffei“ fusionieren.

Das Werk in der „Hirschau“ wird stillgelegt nach Allach verlegt.


1932

1932

München-Englischer Garten - Schwabing * Das „Sckell-Denkmal“ am Südufer des „Kleinhesseloher Sees“ muss abgetragen werden.

Das aus „Grünkalkstein“ bestehende Denkmal ist schnell verwittert.


1933

1933

München-Englischer Garten - Lehel * Durch den Bau des Hauses der Deutschen Kunst verliert der Englische Garten an seiner Südseite erneut Grund und Boden.


1934

1934

München-Englischer Garten - Lehel - Schwabing * Ausbau der „Omnibusstraße“ durch den „Englischen Garten“ zwischen Martiusbrücke und Oettingnstraße.

1934

München-Schwabing * Das „Neue Schloss Biederstein“ - von Leo von Klenze - wird abgerissen.  

Das Gelände um das „Schloss Biederstein“ wird als Bauland parzelliert. 


1935

1935

München-Englischer Garten - Hirschau * Mit dem Abbruch der „Maffei'schen Maschinenbaufabrik“ wird begonnen.

1935

München-Schwabing - Englischer Garten * Das baufällig gewordene „See-Restaurant Kleinhesselohe“ wird abgerissen und durch einen etwas größeren hölzernen Neubau von Professor Rudolf Esterer ersetzt.


1937

1937

München-Maxvorstadt * Auf Befehl Adolf Hitlers wird die Königinstraße zwischen der Von-der-Thann-Straße und der Veterinärstraße von 10 auf 30 Meter erweitert.

289 Bäume des „Englischen Gartens“ müssen deshalb gefällt werden.

1937

München-Englischer Garten * Eine „Lastenstraße“ zur Durchquerung des „Englischen Gartens“ in Ost-West-Richtung wird gebaut.

Daraus entwickelt sich der heutige „Isarring“.


1939

1939

München-Englischer Garten - Schwabing * Das im Jahr 1932 beseitigte „Sckell-Denkmal“ am Südufer des „Kleinhesseloher Sees“ wird durch eine Kopie von Georg Petzold aus „Kalktuff“ ersetzt.


1940

20. August 1940

München-Englischer Garten - Hirschau * Der 67 Hektar große Hirschauer Forst wird dem Englischen Garten gegen eine Bezahlung von 100.000 Mark übergeben.


1943

19. November 1943

München-Englischer Garten - Hirschau * Der Staat erwirbt auf Druck der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen das circa 30 Hektar große Maffei-Gelände um 2,5 Millionen Mark.


1944

1944

München-Schwabing * Das alte „Schloss Biederstein“ wird durch Bomben größtenteils zerstört. 

13. Juli 1944

München-Englischer Garten - Lehel * Der Chinesische Turm im Englischen Garten wird von Bomben getroffen und brennt vollständig nieder.


1945

Bis 1945

München-Englischer Garten - Lehel * Der Zusammenfluss aller äußeren Stadtbäche wird - bis zur Kreuzung mit dem „Eisbach“ - als „Schwabinger Bach“ bezeichnet.
Dieser Bachabschnitt wird seither „Eisbach“ genannt. 
Er beginnt unter der Prinzregentenstraße mit der Vereinigung des „Stadtmühlbachs“ und des „Stadtsägmühlbachs“.

Genau umgekehrt ist es beim jetzigen „Schwabinger Bach“.
Er heißt bis 1945 „Eisbach“.
So heißt der Bachabschnitt ab der Galeriestraße nach dem Zusammenfluss von „Kögelmühlbach“ und „Kainzmühlbach“.

Ab der Kreuzung zwischen „Eisbach“ und „Schwabinger Bach“ besteht wieder die alte Namensgebung.

Nach Juni 1945

München-Englischer Garten * Der „Englische Garten“ wird noch lange Zeit nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Auf dem „Hirschanger“ werden 93.000 Kubikmeter Schutt gelagert.
Die „Schönfeldwiese“ ist von „Splitterschutzgräben“ durchzogen.
680 Bombentrichter hat der Bombenkrieg alleine im „Englischen Garten“ hinterlassen.


1946

Um 1946

München-Englischer Garten - Hirschau * Aus dem „Ausflugslokal Hirschau“ wird das „Parkrestaurant Hirschau“.

Auf der großen Wiese vor dem Lokal entsteht der „Luna-Park“, mit Schiffsschaukeln, Karussells und einem großen Tanzplatz.


1947

1947

München-Schwabing * An Stelle des neuen „Schlosses Biederstein“ wird durch den Architekten Roderich Fick ein Gebäude für den „Beck-Verlag“ errichtet. 

1947

München-Englischer Garten * Eine Ulmen-Krankheit vernichtet im Englischen Garten 6.000 Bäume.


1948

Herbst 1948

München-Englischer Garten - Hirschau * Die erste Turbine im wieder instandgesetzten „Maffei-Kraftwerk“ geht in Betrieb und liefert Strom für die Getreidemühlen der „Kunstmühle Tivoli“.

Langsam überträgt sich der Name „Tivoli“ auf das ehemalige „Maffei-Kraftwerk“.

Um 1948

München-Englischer Garten - Hirschau * Die Wiese vor dem „Parkrestaurant Hirschau“ wird zubetoniert und damit in eine riesige „Parktanzfläche“ umgewandelt, wo Big-Bands aufspielten.

9. Januar 1948

München-Englischer Garten - Tivoli - Hirschau * Philipp Mathes, der Direktor der Kunstmühle Tivoli beginnt mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen über die Übernahme des Kraftwerks des ehemaligen Maffei-Kraftwerks am Eisbach zu verhandeln.


1950

1950

München-Lehel - Englischer Garten * Der „Hofblumen-Treibgarten“ an der Oettingenstraße wird aufgelöst.


1951

Ab dem Jahr 1951

München-Schwabing * An der Stelle des alten „Schlosses Biederstein“ entstehen - durch amerikanische Spenden - Studentenwohnheime. 

1951

München-Lehel - Englischer Garten * „Radio Free Europa“ sendet aus dem ehemaligen „Hofblumen-Treibgarten“ an der Oettingenstraße.

1951

München-Lehel - Englischer Garten * Auflassung der „Hofbaumschule“ an der Königinstraße.

12. Juli 1951

München - Englischer Garten * Gründung des „Vereins zum Wiederaufbau des Chinesischen Turms“.


1952

1952

München-Englischer Garten - Schwabing * Wegen der Erweiterung der „Tierärztlichen Fakultät" muss der „Schwabinger Bach" im „Englischen Garten" verlegt werden.

23. Juli 1952

München-Englischer Garten - Hirschau * Das 30 Hektar große Maffei-Gelände wird in den Englischen Garten einbezogen.

6. September 1952

München-Englischer Garten - Lehel * Der wiederhergestellte Chinesische Turm im Englischen Garten wird der Öffentlichkeit übergeben. Er ist in seiner äußeren Erscheinung eine ziemlich genaue Rekonstruktion des ursprünglichen Bauwerks.


1953

1953

München-Englischer Garten * Der „Schuttberg am Hirschanger“ ist abgetragen.


1954

Ab 1954

München-Englischer Garten - Lehel * Der „Verein zum Wiederaufbau des Chinesischen Turms“ lässt den „Monopteros“, das „Rumford-Denkmal“ und die Figur des „Harmlos“ instandsetzen.


1955

1955

München-Englischer Garten - Schwabing * Nach der Behebung der Kriegsschäden wird das „Seehaus“ wieder eröffnet.

Ab 1955

München-Englischer Garten - Hirschau * Der „Hirschauer Forst“ wird bis zum Jahr 1962 in den „Englischen Garten“ einbezogen.


1960

1960

München-Englischer Garten * Der „Verein zum Wiederaufbau des Chinesischen Turms“ löst sich auf.

Ab 1960

München-Englischer Garten * Der „Aumeister“ wird umgebaut und erweitert.


1962

Um 1962

München-Englischer Garten - Hirschau * Aus der „Parktanzfläche“ vor dem Restaurant „Hirschau“ entsteht eine „Rollschuhbahn“.

21. Juni 1962

München-Schwabing * An Fronleichnam, einem katholischen Feiertag in Bayern, beginnen die sogenannten „Schwabinger Krawalle“. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Polizei und etwa 50 Zuhörern von drei Gitarrenspielern erfolgt gegen 21:45 Uhr - weit weg von jedem Wohnblock - im Englischen Garten am Monopteros. Doch es läuft glimpflich ab, denn die Jugendlichen folgen der Aufforderung der Polizei und gehen auseinander.

Eine knappe halbe Stunde später löst am Wedekindplatz eine andere Streifenwagenbesatzung - ebenfalls ohne größere Probleme - eine aus etwa 150 Personen bestehende Ansammlung auf, die sich um drei Gitarristen gruppiert hat.

Um 22:35 Uhr kommt es an der Leopold-/Ecke Martiusstraße zum dritten Polizeieinsatz und daraus resultierend zur tätlichen Auseinandersetzung zwischen der Polizei und einer aus etwa 200 Personen bestehenden Gruppe, die sich um fünf Gitarristen gebildet hat. Die Band besteht aus den Gymnasiasten Michael Erber und Klaus Olbrich, den Lehrlingen Wolfram Kunkel und Hans (Sitka) Wunderlich und dem jungen Schreiner Rüdiger Herzfeldt. Sie singen und spielen russische Volkslieder.

Nachdem sich einige Anwohner über die Störung der Nachtruhe bei der Polizei beschwert haben, treffen zwei Beamte am „Tatort“ ein und fordern die jungen Gitarrespieler zum Einsteigen in den Funkstreifenwagen auf. Das Einschreiten der Polizei gegen die Musiker wird von den Zuhörern - „spontan und ohne vorherige Planung“ - als Festnahme gedeutet.

Diese artikulieren daraufhin ihren Unmut ziemlich laut und unmissverständlich. Es kommt zu Rangeleien mit den Ordnungshütern, die nun ihrerseits Verstärkung anfordern, nachdem die Randalierer die Luft aus den Reifen des Polizeiautos lassen. Mit einem ersten Gummiknüppeleinsatz kann die Polizei die auf mehrere hundert Menschen angewachsenen Protestierer vom Schauplatz abdrängen. Kaum dass die Polizisten abgerückt sind, läuft eine noch größere Menschenmenge als zuvor (Schätzungen sprechen von 5.000 Personen) auf die Leopoldstraße und blockiert den Auto- und Straßenbahn-Verkehr mit Stühlen und indem sie sich selbst auf der Straße niederlassen.

Erst nach der zweimaligen Räumung der Straße und der Festnahme von 41 Personen erklärt die Polizei um 1:40 Uhr den Einsatz für beendet. Laut Polizeibericht kommen 90 Beamte zum Einsatz. Zwei Protestierer werden nachträglich zur Anzeige gebracht.

26. Juni 1962

München-Lehel - Englischer Garten * Am Monopteros im Englischen Garten treffen sich rund 250 Protestierer zu einer vom Ortnungsamt verbotenen Kundgebung. Doch statt der Protestkundgebung wird über die Ereignisse der Schwabinger Krawalle diskutiert und in einer Resolution eine genaue Überprüfung der Vorfälle und die Kennzeichnung der Polizisten mit Dienstnummern gefordert. Die Versammlung wird aufmerksam von der Polizei beobachtet.

Der Allgemeine Studenten-Ausschuss der Ludwig-Maximilians-Universität distanziert sich per Flugblatt von den Protesten.


1963

18. Dezember 1963

München-Englischer Garten * Der Isarring und die John-F.-Kennedy-Brücke wird dem Verkehr übergeben. Die stark befahrene Straße zerteilt den Englischen Garten am Herzstück des Parks, dem Kleinhesseloher See und entwertet dadurch den Bereich entscheidend.


1964

August 1964

München-Englischer Garten * Ein Sturm entwurzelt 450 alte Bäume im „Englischen Garten“.


1965

Um 1965

München-Englischer Garten * Bis zur Mitte der 1960er Jahre wird für die Milchversorgung der Beschäftigten des „Englischen Gartens“ eine eigene Kuh gehalten.

1965

München-Englischer Garten - Schwabing * Der „Biedersteiner Tunnel“ im Gebiet des „Biedersteiner Sees“ entsteht bis 1966.


1967

1967

München-Englischer Garten - Hirschau * Eingliederung des restlichen „Maffei-Geländes“ in den „Englischen Garten“.


1968

1968

München-Lehel * Der „Schwabinger Bach“ im Bereich des „Hauses der Kunst“ wird aufgelassen. 

Dafür erhält der „Eisbach“ nun 32 Kubikmeter Isarwasser in der Sekunde.


1970

1970

München-Englischer Garten - Tivoli * Aus der „Kunstmühle Tivoli Aktiengesellschaft“ geht die „Tivoli Handels- und Grundstücks AG“ hervor.

1970

München-Englischer Garten - Schwabing * Das „Seehaus am Kleinhesseloher See“ wird wegen Baufälligkeit abgerissen.

Danach richtet man sich in provisorischen Holzhütten ein.


1971

1971

München-Englischer Garten - Tivoli * Dort, wo sich die „Tivoli-Kunstmühle“ befand, steht jetzt das „Hilton-Hotel“.

Von der ganzen ehemaligen Anlage blieb nur noch der Name „Tivoli“.


1972

1972

München-Englischer Garten * Das 3,6 Hektar große „Rattenhuber-Grundstück“ wird als Parkfläche im „Englischen Garten“ angelegt.

1972

München-Englischer Garten - Lehel * In München wird das „Fluss-Surfen“ erfunden. 

April 1972

München-Englischer Garten - Lehel * Hinter dem „Haus der Kunst“ entsteht auf einer Insel im See das „Japanische Teehaus“.

28. August 1972

Sapporo - München * Weil beide Städte im selben Jahr Veranstalter der Olympischen Spiele sind, gehen Sapporo und München eine Städtepartnerschaft ein. Das Japanische Teehaus im Englischen Garten [1972] und der Japanische Garten im Westpark zur Internationalen Gartenschau 1983 sind Gastgeschenke der Partnerstadt. 

Ab dem 7. September 1972

München-Englischer Garten - Schwabing * Auf der Werneckwiese im Englischen Garten finden zwischen dem 7. und dem 10. September 1972 die olympischen Wettbewerbe im Bogenschießen statt.


1973

Bis 1973

München-Englischer Garten - Lehel * 38 Masttiere werden in den Ställen der „Ökonomiegebäude“ beim „Chinesischen Turm“ gehalten.


1974

1974

München-Englischer Garten - Lehel * Der „Chinesische Turm“ erhält eine neue Schindelbedeckung.


1976

1976

München * Die für München geltende „Badeverordnung“ sieht ein generelles Badeverbot „außerhalb der Badeanstalten in fließenden oberirdischen Gewässern“ vor.  

Ausgenommen sind mehrere Abschnitte am Ostufer der Isar - vor allem im Süden der Stadt. 


1978

1978

München-Englischer Garten - Isarinsel Oberföhring * Eine überdachte Holzbrücke über die Isar verbindet den „Englischen Garten“ mit der 22 Hektar großen „Isarinsel Oberföhring“.


1979

1979

München-Englischer Garten - München-Schwabing * Nach der Verlagerung von „Hochschulsportplätzen“ können weitere 6,6 Hektar Grünflächen angelegt werden.

Sie werden als „Schwabinger Bucht“ dem „Englischen Garten“ einverleibt.
Im Bereich der „Schwabinger Bucht“ werden im gleichen Jahr noch zwei neue Brücken errichtet.

24. Juli 1979

München-Oberföhring * Das ausgebaute Naherholungsgebiet Isarinsel Oberföhring wird der Bevölkerung übergeben.


1982

Bis 1982

München-Englischer Garten * Zur Bewirtschaftung der „Baumschule“ und zum Einsammeln von Abfällen werden im „Englischen Garten“ Pferde gehalten.


1984

1984

München-Englischer Garten - Hirschau * In der Gyslingstraße in der „Hirschau“ wird ein neuer „Kiosk“ gebaut.


1985

1985

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei-Kraftwerk“ am Eisbach, heute „Tivoli-Kraftwerk“, wird in die „Denkmalschutzliste“ der Stadt München aufgenommen.

1985

München-Englischer Garten - Schwabing * Das heutige „Seehaus am Kleinhesseloher See“ wird von den Architekten Ernst Hürlimann und Ludwig Wiedemann errichtet.


1986

Um Juli 1986

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Tivoli-Kraftwerk“ wird in technisch modernisierter Form wieder in Betrieb genommen.


1988

24. Juli 1988

München-Englischer Garten * Ein Gewittersturm und das große Ulmen-Sterben fordert im Englischen Garten einen bisher noch nie erlebten Verlust von Altbäumen. Die Abendzeitung ruft anschließend zu einer Baumspendeaktion auf. Damit können über 4.000 Bäume gepflanzt werden. 

31. Dezember 1988

München-Englischer Garten * Der Englische Garten hat eine Größe von 373,44 Hektar. Zum Vergleich: 

  • Central-Park in New York = 335 Hektar,
  • Hyde-Park in London = 125 Hektar.

1989

1989

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Tivoli-Kraftwerk“ speist 690 Kilowattstunden in das öffentliche Stromnetz ein.

16. Juli 1989

München-Englischer Garten - Lehel * Zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens wird die Tradition des Kocherlballs am Chinesischen Turm wiederbelebt. An jedem dritten Sonntag im Juli, um 6 Uhr früh, treffen sich Münchner Traditionalisten und sonstiges Partyvolk zum Tanz bei Volksmusikklängen. Um 10 Uhr endet die Veranstaltung.


1990

28. Februar 1990

Deutschland - Schweiz - Österreich - München-Englischer Garten * Der Orkan „Wiebke“ wütet über Deutschland, Teilen der Schweiz und Österreichs. In der Folge fallen rund 70 Millionen Festmeter Sturmholz an, was ungefähr der doppelten Holzmenge entspricht, die üblicher Weise im normalen Holzeinschlag erarbeitet wird. Auch der Baumbestand im Englischen Garten ist stark betroffen. 


2001

5. April 2001

München-Isarvorstadt - Museumsinsel - München-Englischer Garten * Die „Abendzeitung“ meldet: „Die Biber sind wieder zurück in München“.

Nördlich der „Zenneck-Brücke“ am „Deutschen Museum“ und am „Oberst-Jägermeister-Bach“ im „Englischen Garten“ können die Tiere seither beobachtet werden.


2008

2008

München-Isarvorstadt * Mit der „Renaturierung der Isar“ verschwinden die „Surfwellen“ im Fluss. 


2009

2009

München-Englischer Garten - Lehel * Bjoern Richie präsentiert seinen Dokumentarfilm „Keep surfing“ über die Surfszene am „Eisbach“

2009

München-Thalkirchen * Das „Surfen“ an der „Floßlände“ in Thalkirchen ist nur mehr eingeschränkt möglich. 


2010

2010

München-Englischer Garten - Lehel * Das „Eisbach-Surfen“ auf der „stehenden Welle“ beim Eintritt des „Eisbachs“ an der Prinzregentenstraße in den „Englischen Garten“ ist offiziell erlaubt. 
Das Baden ist dagegen verboten!

Die Surfer reisen aus der ganzen Welt an.
Und die Passanten können das ganze Jahr von der Brücke aus dem nassen Vergnügen zusehen.


2011

2011

München-Englischer Garten * Wenn man die Maximiliansanlage, den Hofgarten und den Finanzgarten hinzu zählt, umfasst der Englische Garten eine Fläche von über 417 Hektar.

  • Die drei Bäche (Schwabinger Bach, Eisbach und Oberstjägermeisterbach) haben eine Länge von 8,5 Kilometern.
  • Von den 16 Hektar Wasserflächen ist der Kleinhesseloher See mit acht Hektar das größte Gewässer.
  • Das 78 Kilometer lange Wegenetz (davon 12 Kilometer Reitwege) beinhaltet auch über 100 Brücken und Stege.

2013

2013

München-Englischer Garten - Lehel * Am Chinesischen Turm im Englischen Garten befindet sich der mit rund 7.000 Plätzen zweitgrößte Biergarten Münchens.

2013

München-Englischer Garten - Schwabing * Mit 2.500 Sitzplätzen ist das „Seehaus“ im Sommer ein stark frequentierter „Biergarten“.

April 2013

München-Englischer Garten - Hirschau * Die Gastwirts- und Wiesnwirtefamilien Hagn und Spendler eröffnen die Hirschau im Englischen Garten.


2014

2014

München-Thalkirchen * Die Surfwelle an der Floßlände in Thalkirchen ist ganz verschwunden, weil die Stadtwerke die Wasserzuführungen stark gedrosselt haben. Dabei galt diese Welle für Anfänger als ideal. Der Eisbach ist nur was für Könner. 

8. April 2014

München * Nachdem das Bayerische Innenministerium im Herbst 2013 die Badeverordnung hat auslaufen lassen, endet in Bayern auch der darin enthaltene „Zwang zur Badekleidung“. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat will das Nacktbaden in der Stadt auf insgesamt fünf Bereiche festschreiben. Das sind jene Orte, an denen der hüllenlose Bade- und Sonnengenuss auch bisher schon erlaubt war und deren Adressen sich seit Jahren in diversen Reiseführern wiederfinden.  

Gerade die Nackerten im Englischen Garten sind - vor allem bei Besuchern aus Ländern, in denen solche textilfreien Zonen als „unsittlich“ gelten - eine bekannte Touristenattraktion. Und das sind die künftigen Nackerten-Paradiese:

  • Im Englischen Garten auf der Schönfeldwiese hinterm Haus der Kunst, innerhalb des Ovals der Reitbahn. Die sogenannte „Poebene“
  • In der Schwabinger Bucht, zwischen Sulzbrücke und Alte-Heide-Steg im nördlichen Teil des Englischen Gartens.
  • Am Ostufer der Isarinsel Oberföhring.
  • Bei Maria Einsiedel im westlichen Hochwasserbett der Isar.
  • An der Brudermühlbrücke im östlichen Hochwasserbett der Isar bis hinauf zur Braunauer Eisenbahnbrücke. 
  • Am Südufer des Feldmochinger Sees dürfen die Münchner auch künftig auf ihre Badekleidung verzichten. 
  • Und selbst am Flaucher, dem Nacktbadestrand Nummer Eins, an dem bisher - sehr zur Verwunderung der Stadtpolitiker - Textilzwang bestand, dürfen jetzt offiziell die letzten Hüllen fallen. 
19. Mai 2014

München-Englischer Garten - Lehel * Heimatminister Markus Söder eröffnet am Chinesischen Turm - als Chef der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen - an diesem absolut unhistorischen Datum - die Feierlichkeiten zum 225. Jubiläum des Englischen Gartens.  

20. Juli 2014

München * Mit einem „Big Jump“ demonstrieren Münchnerinnen und Münchner für die Aufhebung des innerstädtischen Badeverbots.  

1. August 2014

München-Englischer Garten * Im Café Fräulein Grüneis im Englischen Garten treffen sich Vertreter von 16 Surf-Initiativen- und Verbänden. Sie wollen sich über ihre regionalen Projekte austauschen. 

9. August 2014

Flughafen MUC * Am 9. und 10. August findet am Flughafen die „4. Europameisterschaft im Stationary Wave Riding“ statt. 


2019

23. Juni 2019

München * Mehrere Männer eines Sicherheitsdienstes haben barbusige Frauen am Isarufer zwischen Wittelsbacherbrücke und Reichenbachbrücke angesprochen und sie an das Nacktbadeverbot erinnert, das mit einigen Ausnahmen überall in der Landeshauptstadt gilt, obwohl der Wachdienst angewiesen worden war, das textilfreie Baden an der Isar auch außerhalb der FKK-Zonen nicht von sich aus zu verfolgen.

Die Badeverordnung verlangt etwas unpräzise: „Wer öffentlich badet, muss im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München Badekleidung tragen“. Der Stadtrat muss sich nun in seiner Sitzung am 26. Juni damit beschäftigen, wie viel Nacktheit München verträgt und was unter „nackt“ überhaupt zu verstehen sei. 

26. Juni 2019

München * Die CSU-Stadtratsfraktion stellt einen Dringlichkeitsantrag für die Vollversammlung des Stadtrats in dem es heißt: „Die Badekleidungssatzung der Landeshauptstadt München wird dahingehend geändert, dass Badebekleidung im Sinne dieser Satzung die primären Geschlechtsorgane vollständig bedecken muss.“ Damit ist geklärt, was „nackt“ ist.