Stadtteilspaziergänge

Fakten - An jedem Eck a Gaudi - Die Münchner Volkssänger

1433

29. Mai 1433

München-Angerviertel * Die Herzogbrüder Ernst und Wilhelm III. erlassen - auf Bitte des Rats der Stadt - eine ausführliche Verordnung über das „Spielen“ und den Bau eines Frauenhauses (Stadtbordell), „daz dadurch vil ybels an frawen und jugkfrawen understannden [verhindert] werde“. Die Stadt erwirbt dafür vom Heiliggeist-Spital ein Anwesen an der Mühlgasse am Anger.


1437

Um den 28. Oktober 1437

München-Angerviertel * Das neue Stadtbordell wird eröffnet. Es befindet sich in der Mühlgasse am Anger, Ecke Rossmarkt und Blumenstraße. Umgeben ist das Gebäude von einem kleinen Garten. 

Das Münchner Frauenhaus ist ein zweigeschossiges, äußerlich an ein oberbaierisches Bauernhaus erinnerndes Gebäude mit 32 großen und zwei kleinen Fenstern. In jedem Geschoss ist eine Stube untergebracht, in der die Kontakte zwischen dem Freier und den Prostituierten hergestellt werden. Hier kann aber auch gezecht und vermutlich gespielt werden. Sie sind also ein Ort der Geselligkeit.  

Um diese Stuben, die als einzige Räume beheizbar sind, gruppieren sich insgesamt zwölf abschließbare Kammern. Diese sind mit je einem Bett bestückt. Sehr wahrscheinlich sind das die einzigen Einrichtungsgegenstände dieser Räume. Das Münchner Frauenhaus“ähnelte demnach eher einem modernen Barbetrieb mit angeschlossenen chambres separées als einem heutigen Eroscenter.  

Das Frauenhaus ist nicht weit vom Haus des Scharfrichters entfernt. In dem direkt an das Haus angebauten Gebäude mit dem Aufzuggiebel ist lange Zeit der städtische Schinder, Wasenmeister oder Abdecker untergebracht, der ebenso wie der Henker bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als „ehrlos“ gilt und nicht im bürgerlichen Wohnbereich geduldet wird. 

Um den 30. Oktober 1437

München-Angerviertel * Die Dirne Aellen wird im Frauenhaus (= Stadtbordell) ermordet. Der Scharfrichter muss sie auf der Freistatt, einem henkereigenen Begräbnisplatz, verscharren.


1448

25. Juni 1448

München * Der Rat der Stadt erlässt eine Rennordnung für das sogenannte Scharlachrennen. Die selbe Rennordnung gilt auch für das Fräuleinlaufen, bei dem sich „die freylein“ einen Wettlauf „umb das parchanttuech“ liefern. Das Hurenlaufen ist ein großes jährliches Spektakel. 


1497

8. Mai 1497

München * Eine Schlichtungsvereinbarung zwischen den Meistern und Gesellen des Messerschmiedehandwerks regelt in dreißig Artikeln das Verhalten der Messerschmiedegesellen. Der Inhalt spannt sich von Bekleidungsvorschriften über Essens- und Trinkgebahren oder so detailierte Vorschriften, wonach kein Geselle Semmeln in Wein tränken und danach essen soll.

Dazu gibt es auch das Verbot, mit einer „gemeinen Frau“, gemeint ist eine Prostituierte, zu tanzen. Die Ordnung schließt mit dem berühmten Artikel 30, in dem es heißt: „Es sol auch kain gesell täglich in dem frawnhauß ligen.“


1498

19. August 1498

München-Angerviertel * Randalierende Handwerksgesellen stürmen das Frauenhaus (Stadtbordell) und wollen dem Frauenmeister ans Leben, weil sie ihn für die Einschleppung der Syphilis verantwortlich machen. 35 bewaffnete Soldaten müssen daraufhin 46 Tage und Nächte das Frauenhaus bewachen.


1503

8. Januar 1503

München * Eine Nachricht aus dieser Zeit besagt, dass man den Münchner Bordellwirt doch noch ermordet hat. Die Suche nach dem Täter weitet man sogar bis nach Landshut und Burghausen aus. 


1507

16. Mai 1507

München-Angerviertel * Erzürnten Gesellen gelingt erneut die Erstürmung des Frauenhauses, wofür sie zur Strafe in der Schergenstube eingesperrt werden. 


1530

1530

München * Die „Reichspolizeiordnung“ verbietet jeden „Beischlaf außerhalb der Ehe“.

Anno 1530

München * Der Rat der Stadt erlässt eine „Ordnung wider die Laster“, die sich vor allem gegen die „Winkelhurerey“ außerhalb des „Frauenhauses“ wendet.  

In dem Dekret heißt es:  
„Glaubhaften Berichten zufolge trieben etliche unverschämte Weibspersonen öffentlich innerhalb und außerhalb der Stadt, unter den Kramen am Marktplatz, in Ställen, in der Au etc., bei Tag und bei Nacht Unzucht“


1533

Im Jahr 1533

München * Man lässt mehrere „liederliche, öffentliche Unzucht treibende Weibspersonen“ an den „Pranger“ stellen, züchtigen und anschließend aus der Stadt treiben.  

Fallen diese nichtregistrierten „Lustmädchen“ in die Hände des „Frauenwirts“, so kann er sie ohne weiteres in das „Gemeine Haus“ überführen und dort solange behalten, „bis sie ihr Leben von Sünde und Schande zur Bußfertigkeit kehrten“


1536

1536

München * Die Münchner „Lustdirnen“ wenden sich an den Rat der Stadt und bezichtigen den „Frauenwirt“, eine der ihren geschlagen und gepeinigt zu haben.


1563

1563

München * Die Herzöge führen strenge Aufsicht über die „Konkubinen“ der Geistlichen.


1578

1578

München * Der Rat der Stadt erhält von Herzog Wilhelm V. den Auftrag, die „Schlafweiber“ genannten „Pfaffenhuren“ (Konkubinen) aus der Stadt zu vertreiben.  

Dabei sieht der Stadtrat nicht nur die menschliche Seite des Problems, sondern sorgt sich auch um die unversorgten Kinder, sodass er drei Jahre später wegen „Nachlässigkeit im Kampf gegen die Konkubinen“ zu einer Geldstrafe von 500 Gulden verurteilt wird. 


1588

Dezember 1588

München-Angerviertel * Beim Einsammeln des sogenannten „Leibpfennigs“ suchen die Kapläne Graßmann und Ostler von der „Sankt-Peters-Pfarrei“ auch das „Stadtbordell“ auf und zechen mit dem Wirt und seiner „Gesellschaft“.

Als sich die „genachbarten Knappen“ vor dem Haus zusammenrotten, wagen sie sich nicht mehr aus dem „Bordell“ und verbringen die Nacht in demselben.


1595

18. November 1595

München * Die letzte Meldung über das Münchner Frauenhaus taucht auf. An diesem Tag wird dem Hanns Ernst und seiner Hausfrau Rosina Selberin, „verschidener zeit gewester wirtin im gemainen haus alhie“, von der Stadtkammer die zehn Gulden Büßerinnen-Prämie ausbezahlt, die man jeder Prostituierten überreicht, wenn sie aus dem Bordell ausscheidet. 


1602

1602

München * In der „Haußpolicey“ findet man zu den Schauspielern folgenden Text: 

„Nicht die geringste ursach warumb die Jugent in die unzucht und geilheit gerahtet seind die Comedien Spektackel und Schawspiel / welche an etlichen orten an den Fürstlichen Höfen oder in den Heusern der Mechtigen oder in den offentlichen darzu bestimbten Heusern gehalten werden. 

Dann sie [die Schauspieler] seindt gemeinklich eitele / liderliche / verschlagene / arglistige / unverschambte und gottlose leut / ja was mehr ist / man findt under jhnen Landverwisene / ehvergessene / Landstürtzer / Zigeiner und arge Ketzer.“

Es ist die Zeit der „Gegenreformation“ und schon deshalb hat alleine das „Schauspiel der Jesuiten“ Niveau und ist staatlicherseits legitimiert worden.


1611

1611

München * Der Münchner Rat verhält sich gegenüber der Ausweisung der „Schlafweiber“ weiterhin so zurückhaltend, dass in den Jahren 1611, 1612 und 1613 der „Befehl wegen Ausweisung der Priesterkonkubinen“ von Herzog Maximilian I. wiederholt werden muss.  

Der Befehl sieht bei der Vernehmung der „Konkubinen“ auch die Anwendung des „Daumenstocks“ vor. 


1612

1612

München * Herzog Maximilian I. verlangt vom Rat der Stadt, die „Konkubine“ Barbara Ferchthin an drei Sonn- oder Feiertagen hintereinander öffentlich vor die Frauenkirche zu stellen und sie danach „sechs Meilen Wegs“ von München wegzuschaffen.


1635

20. September 1635

München * Kurfürst Maximilian I. untersagt per Dekret die „heimlichen Zusammenkünfte von Manns- und Weibspersonen“ auf das Strengste. Vor- und außerehelicher Geschlechtsverkehr, selbst Tabakrauchen auf der Straße, führen zu Schandstrafen. 


1680

1680

München * Zur Bestrafung von „Prostituierten“ verwendet man ein so genanntes „Narrenhäusl“.  

Es handelte sich dabei um einen Käfig „mit weiblichen Inhalt“, der auf einer Drehscheibe befestigt ist.  
„Auf der Straße offen aufgestellt, findet sich immer Gesindel, das heftig dreht und spuckt und gar Kot auf die Weibsperson wirft“


1696

22. Juli 1696

München * Mit einem kurfürstlichen Mandat des Kurfürsten Max Emanuel wird sogar das Kammerfensterln verboten. 


1700

14. Juli 1700

München - Haidhausen - Au * Ein Befehl des Hofrats fordert dazu auf, bei „behöriger Straff“ endlich alle „Hurerey- und Gaukelhäuser auszurotten“. Doch die Hopfengärten rings um die Stadt, die finsteren Bögen an der Südseite des Marktplatzes, die Ziegelöfen in Haidhausen und die Herbergen in der Au sind beliebte Liebesnester und Schlupflöcher vagierender Mädchen.  

An den genannten Plätzen werden immer wieder sogenannte „Schrannenmentscher“ aufgegriffen. 


1730

1730

München - Au * „Hofoberrichter“ Pistorini rühmt sich damit, er habe „die ganz ungescheucht in der Au sich aufhaltenden Huren“ mit öffentlichen Spott davongejagt. 


1751

1751

München * Der „Codex Juris Bavarici Criminalis“ droht:

„Gemeine und offenbare Hurerey, welche mit jedermann ohne Scheu um Gewinns willen getrieben wird, oder auch in Gestalt der Ehe gepflogener Beyschlaf, ist mit der Landesverweisung, oder da das Handwerck schon lange dauert, noch schärfer zu bestraffen“.


1752

1752

München * Der Rat der Stadt lässt einen „Geißbock“ auf Rädern, zum Herumführen von „Huren“, fertigen. 


1765

1765

Berlin - München * Während König Friedrich der Große im aufgeklärten Preußen alle „Hurenstrafen“ abgeschafft hat, wird die „Prostitution“ in München erst wieder zu Beginn des 19.Jahrhunderts offiziell etabliert.  

Doch bis in München wieder ein „Bordell“ eröffnet werden kann, werden noch Jahre vergehen.

Man bekämpft hier nicht nur die „Huren“, die „durch ihr geiles Hingeben und Toben [auf dem Tanzboden] die Achtung und Ehrfurcht der Männer längst verloren hatten“, sondern sogar den „Wiener Walzer“


1767

1767

München * Joseph Sulzbeck, später als „Kapellmeister Sulzbeck“, als Urvater der Münchner „Volkssänger“ bekannt, wird in München geboren.


1772

16. Mai 1772

München - Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. hebt auf Bitten der baierischen Regierung zwanzig kirchliche Feiertage auf. Bisher gibt es 124 Sonn- und Feiertage, die sich aufteilen in 52 Sonntage, 53 übliche und 19 gebotene Feiertage, was im Schnitt einer Fünf-Tage-Woche entspricht. Abgeschafft werden

  • acht Apostelfeste,
  • dazu die Festtage der Heiligen Anna (26. Juli),
  • Laurentius (10. August),
  • Michael (29. September),
  • Johann Evangelist (27. Dezember),
  • Georg (23. April),
  • Magdalena (22. Juli),
  • Martin (11. November),
  • Katharina (25. November),
  • Nikolaus (6. Dezember),
  • Unschuldige Kindlein (28. Dezember). 
  • Dann noch der Osterdienstag und
  • der Pfingstdienstag.

Mit der Aufhebung der Feiertage entfällt die Verpflichtung zum Besuch der heiligen Messe am Vormittag und das Fastengebot am Vorabend. Andererseits müssen an den aufgehobenen Feiertagen die Werkstätten und Läden geöffnet werden. Weil die Einhaltung der Verordnung nicht überprüft wird, wird sie auch nicht eingehalten. 

22. Juli 1772

München * Der Feiertag der heiligen Magdalena wird letztmalig gefeiertEr wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

10. August 1772

München * Der „Feiertag des heiligen Laurentius“ wird letztmals gefeiert. 

Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche „Breve“ vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

11. November 1772

München * Der Feiertag des heiligen Martin wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

25. November 1772

München * Der Feiertag der heiligen Katharina wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

6. Dezember 1772

München * Der Feiertag des heiligen Nikolaus wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 


1773

1773

München * Kurfürst Max III. Joseph reduziert die „Feiertage“ von rund einhundert auf 22.


1781

1781

München * Der pfalz-baierische Kurfürst Carl Theodor lässt einige „vaterländische“ Stücke aus politischen Gründen verbieten.

Ein Verbot folgt dem anderen. Dabei spielen die „Vorstadttheater“ gerade diese „Volksstücke“ mit Vorliebe.

Die Gründe für diese restriktiven Maßnahmen der Regierung liegen zum einen in der „Unsittlichkeit“ der Stücke, zum anderen im Bestreben der Obrigkeit, angebliche „öffentliche Unruheherde“ zu unterbinden.


1782

1782

München * In seinen „Beschreibungen der Haupt- und Residenzstadt München“ bezeichnet Lorenz von Westenrieder das „Buden- und Wandertheater“ als ein beliebtes Freizeitvergnügen aller bürgerlichen Stände.

Besonders das einfache Volk findet Gefallen an den derben Späßen und Spektakelstücken.

Der „Schauspieldirektor des Dulttheaters“, Lorenz Lorenzini, macht mit seiner „Kreuzerkomödie“ - so genannt, weil der Eintritt nur einen Kreuzer kostet - Furore. Pathos und Rührung, Zoten und Hanswurstiaden beherrschen das Stück.

Das Volk liebt sein „Lipperl-Theater“.


1790

22. September 1790

München • Der Antrag des Schauspieldirektors Franz Schweiger für ein Engagement im Kreuzlgießergarten wird vom Stadtrat abgelehnt. Er darf weder in der Stadt noch im Burgfrieden auftreten. 


1798

1798

Paris * Die erste große „Industrieausstellung“ findet in Paris statt.

Bewusst stellt man einen Bezug zur „Französischen Revolution“ von 1789 her und will die engen Zusammenhänge zwischen der politisch-gesellschaftlichen und technisch-wirtschaftlichen Revolution darstellen und zeigen, zu welchen Leistungen der „befreite menschliche Erfindungsgeist“ fähig sei.


1805

1805

München * Joseph Sulzbeck tritt mit seiner dreisaitigen Bassgeige in verschiedenen Wirtschaften auf.


1808

1808

Vorstadt Au - München-Isarvorstadt * In den Jahren von 1808 bis 1865 leiten die Angehörigen der Familie Schweiger, eine „Münchner Theater- und Schauspielerdynastie“, vier „Münchner Vorstadttheater“.

Juli 1808

München * Das „Journal des Luxus und der Moden“ berichtet, dass es in München bei allen Ständen üblich sei, sich von „Lipperltheatern, Menagerien, Automaten und italienischen Puppenspielern“ unterhalten zu lassen.


1810

Um 1810

München * Drei weitere Musiker gesellen sich zu Joseph Sulzbeck hinzu. 

Es sind dies der Flötist Straubinger, der Violinspieler und Sänger Huber, genannt „Canape“, und der Harfenzupfer Bacherl. 

Ein Programm hat die erste „Münchner Volkssängergruppe“ nicht. Ihre Mitglieder spielen und singen, was ihnen gerade einfällt oder was gefordert wird.

Sie haben kein festes Engagement und leben alleine von den „Trinkgeldern“, die sie beim Einsammeln, beim „Schuberln“ oder „Abwackeln“ mit dem Teller, erhalten.


1813

1813

München * In München gibt es acht von der Polizei anerkannte „Bordelle“.


1814

1814

München * Die Polizei duldet sechs „Bordelle“ mit vier bis acht Luxusdirnen, „obwohl sie gesetzlich nicht erlaubt“ sind.

31. Oktober 1814

München * Der Münchner Polizeidirektor von Stetten vermerkt in seinem Rapport:

„[...] Man mag ein Wirtshaus betretten, welches man wolle, so werden in demselben Husaren getroffen und in der Regel nicht alleine, sondern in der Gesellschaft ihrer Schönen, welche nicht neben, sondern auf ihnen sitzen. Gewöhnlich sind diese Damen aus der Vorstadt Au oder aus Haidhausen oder Dienstmägde.“


1820

1820

München * Da trotz der tolerierten „Freudenhäuser“ die „Straßenhurerei“ nicht abnimmt, hebt die Regierung die Münchner „Bordelle“ wieder auf.

31. Dezember 1820

Königreich Baiern * In Bayern leben 3.700.000 Menschen, wovon 3 Millionen oder 81 Prozent auf die landwirtschaftliche Bevölkerung entfallen, die auf 680.000 land- und forstwirtschaftlichen Betriebe aufgeteilt sind.


1830

Um 1830

München - Wien * Das „Jodeln“ wird in den „Vorstadt-Theatern“ in Wien und München „erfunden“.

Freilich hat das „Jodeln“ eine alpenländische Tradition, deren Ursprünge auf vorhistorische Zeiten zurückreichen. 

In allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es verschiedene Techniken, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken.
Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler.

Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit „Almschrei“ (Almschroa) oder „Juchzer“ (Juchetzer, Jugitzer, Juschroa) kommuniziert oder auch das Vieh mit einem „Jodler“ (Viehruf) angelockt.

Dennoch wird das „Jodeln“ erst als Unterhaltungseinlage in den „Vorstadttheatern“ und „Singspielhallen“ populär gemacht.
Erst von dort aus kommt es von gastierenden Künstlern aufs Land.

Um 1830

München * Der Begriff „Industrielle Revolution“ wird erstmals verwendet.


1833

1833

München-Graggenau * Das Hofbräuhaus ist als öffentliches Lokal zugänglich. Hier spielt der Kapellmeister Sulzbeck mit seine „Bande“ auf. Von hier aus ertönt immer wieder der Landler „Huraxdax, packs bei der Hax“


1842

1842

München-Kreuzviertel * Die Brauerei „Zum Oberpollinger“ in der Neuhauser Straße wird eingestellt, die Wirtschaft zum Gasthof umgewandelt. 


1843

1843

London * Der „Theatre Regulation Act“ definiert die Grenzen zwischen künstlerischem und mehr unterhaltendem Theater.

Es gibt daraufhin nur mehr zwei große Theater in London, die für dramatische Aufführungen zugelassen sind.

Die kleinen Bühnen dürfen keine vollständigen Dramen mehr anbieten und müssten dadurch auf die „Randgebiete der theatralischen Kommunikation“ zurückgreifen.


1845

1845

England * Friedrich Engels veröffentlicht sein Werk „Über die Lage der arbeitenden Klasse in England“, das ihn auch in Deutschland populär macht.

Darin schreibt er: „Die Teilung der Arbeit, die Benutzung der Wasser- und besonders der Dampfkraft und der Mechanismus der Maschinerie - das sind die drei großen Hebel, mit denen die Industrie seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts daran arbeitete, die Welt aus ihren Fugen zu heben. [...]

Denn wie die neue Industrie erst dadurch bedeutend wurde, dass sie die Werkzeuge in Maschinen, die Werkstätten in Fabriken - und dadurch die arbeitende Mittelklasse in arbeitendes Proletariat, die bisherigen Großhändler in Fabrikanten verwandelte; wie also schon hier die kleine Mittelklasse verdrängt und die Bevölkerung auf den Gegensatz von Arbeitern und Kapitalisten reduziert wurde, so geschah dasselbe, außer auf dem Gebiet der Industrie im engeren Sinne, in den Handwerken und selbst im Handel. [...] Die wichtigste Frucht aber dieser industriellen Umwälzung ist das englische Proletariat“.


1846

31. Dezember 1846

München * München hat 85.555 Einwohner, Bayern 4.504.876.


1847

1847

Paris * Das „Kostümverbot“ wird in Frankreich eingeführt.

28. Februar 1847

Karlsruhe * Im Karlsruher Hoftheater bricht ein Feuer aus, das innerhalb von 28 Minuten gelöscht werden kann und deshalb „nur“ 63 Menschenleben fordert.


1848

Bis 1848

München * Mit der sogenannten „Bauernbefreiung“ ist der Landwirt zwischen 1800 und 1848 zum „freien Eigner“ seines bisher in „grundherrlicher Leihe“ besessenes Anwesens, und somit „Grundherr“, geworden - mit allen Vorteilen, aber auch Risiken des „freien Marktes“.

In diesen „mobil“ geworden „befreiten Bauern“, die seither ihren Grundbesitz verkaufen, anderen Besitz ankaufen oder dem ländlichen Raum ganz den Rücken kehren konnten, sah der Adel und das Besitzbürgertum den „natürlichen Damm“ gegen die „revolutionär-kommunistischen [= demokratischen] Umtriebe“.

1848

München * Nach der „Revolution von 1848“ betrachten die politischen Führungskräfte das „Bauerntum“ als „staatstragende Schicht“ und unterstützen und fördern dieses, während sie den Auswirkungen des Fabrikwesens - „Proletarisierung der Arbeiter“ und „Niedergang alter Handwerksbetriebe“ - sehr widersprüchlich gegenüberstehen.

Und tatsächlich bildet das traditionell wirtschaftende „Bauerntum“ und die „dörfliche Sozialverfassung“ eine starke Abwehrfront gegen alle Einflüsse der „Industrialisierung“.


1850

Um 1850

Königreich Bayern * Die ersten „Stempeluhren“ werden installiert, wodurch die Erfassung der Arbeitszeit ständig präzisiert wird.

1. Mai 1850

Vorstadt Au * Das „Schweiger Volkstheater“ in der Au erhält Gasbeleuchtung.

Nach dem 1. Mai 1850

Vorstadt Au - München-Isarvorstadt * Die „Schweiger Volkstheater“ dürfen auf Druck des „Königlichen Hoftheaters“ keine „Dramen“ und „Konversationsstücke“ mehr zur Aufführung bringen, sondern nur noch „Lokalpossen“ aufführen.


1852

1852

London * Das erste „Varieté“ entsteht in London. Es wird „Music Hall“ genannt und befindet sich in der „Saint George's Tavern“.

Das „Varieté“ hat ihren Ursprung in den „Gauklern“ der Antike und des Mittelalters, die auf den Jahrmärkten herumzogen. In festen Häusern etabliert sich diese Kunstform im 19. Jahrhundert in England.


1853

1853

Deutschland * Die junge spanische Tänzerin Pepita de Olivia löst nach einigen Gastauftritten in Deutschland einen wahren „Pepita-Rummel“ aus.


1857

1857

München-Isarvorstadt * Max Schweiger engagiert die Wiener Soubrette „Fräulein Dellson“ als „Pepita“ an sein Theater.

Verschiedene Possen mit „Pepita“ im Namen werden in diesem Jahr im „Isar-Vorstadt-Theater“ in der Müllerstraße aufgeführt.


1858

31. Dezember 1858

München * In München wohnen 121.234 Einwohner in 6.083 Häusern.


1859

1859

Wien * In Wien wird die „Gewerbefreiheit“ eingeführt.


1861

1861

München-Kreuzviertel * Die Häuser Nr. 41 - 44 in der Neuhauser Straße werden zum „Hotel Oberpollinger“ umgebaut. 

31. Dezember 1861

München * München hat 130.222 Einwohner, 4.251 Familien, 6.210 Häuser.


1864

1864

Paris * Das „Kostümverbot“ in Frankreich wird zum „Schutz der Theater“ polizeilich überwacht.

1864

Wien - München * Joseph Gungl übersiedelt von Wien nach München und gibt mit seinem „Orchesterverein Wilde Gungl“ bis 1876 regelmäßig Konzerte und Bälle „á la Gungl“.

März 1864

Augsburg * Eine Gruppe Augsburger Arbeiter tritt dem 1863 in Leipzig gegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein - ADAV“ bei.

Damit beginnt in Bayern die Geschichte der „Sozialdemokratie“, denn der „ADAV“ ist die erste selbstständige deutsche Arbeiterpartei.


1865

8. Juni 1865

München-Isarvorstadt * Im Isar-Vorstadt-Theater wird eine Parodie auf Tristan und Isolde unter dem Titel „Triftanderl und Süßholde“ aufgeführt. Die Titelfigur Triftanderl ist ein Floßknecht von Ammerland, Süßholde eine reiche Bäckerstochter aus Wolfratshausen. Schwerpunkte bei diesem Stück sind:

„Dramatische Verslein mit Worten ohne Melodie, gegenwärtige Parodie von einer Zukunfts-Oper in 3 Aufzügen, wo darüber viel losgezogen wird, und einem Vorspiel des Vorspielers, von Richard, Wagnermeister und Stückschreiber, sowie musikalischen Dramatisirer.“


1868

30. Januar 1868

München * Das Königreich Bayern führt - als letztes deutsches Land - die Gewerbefreiheit ein. In dem Gesetz heißt es:

„Alle Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts und des Glaubensbekenntnisses sind zum Betriebe von Gewerben im ganzen Umfange des Königsreichs berechtigt.
In dieser Berechtigung liegt insbesondere die Befugnis, verschiedenartige Geschäfte gleichzeitig an mehreren Orten und in mehreren Lokalitäten desselben Ortes zu betreiben, von einem Gewerbe zum andern überzugehen, ein Geschäft auf den Bereich anderer Gewerbe auszudehnen und Hilfspersonen aus verschiedenartigen Gewerbszweigen in beliebiger Anzahl in und außer dem Hause zu beschäftigen.“
 

Das bedeutet, dass jeder, ob Mann oder Frau, ob Christ oder Jude, beliebig viele Gewerbeunternehmungen an beliebig vielen Orten in Bayern betreiben kann. Nur für Apotheken und Gastwirtschaften bleibt auch weiterhin ein Konzessionssystem erhalten.


1869

21. Juni 1869

Berlin * Die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund wird erlassen.

21. September 1869

Dresden • Das Dresdner Hoftheater wird ein Raub der Flammen.


1870

Um 1870

München * In München entstehen - als Ableger der Varietés - die ersten Singspielhallen. 

Um 1870

München * Die Sonntags- und Feiertagsarbeit nimmt ständig zu.

11. Juni 1870

Berlin * Das erste deutsche Reichsgesetz betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken, Abbildungen und musikalischen Kompositionen wird verabschiedet. Es hat aber bis zur Gründung der Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht im Jahr 1902 nur wenig Bedeutung.


1871

1871

Wien * Im Gegensatz zu München dürfen in Wien erst jetzt Frauen auf Kleinkunstbühnen auftreten.

28. März 1871

Graz * Das Grazer Landstädtische Theater brennt ab.

8. Dezember 1871

Wien * Ein Großfeuer zerstört das Wiener Ringtheater. Es kommen 384 Menschen zu Tode.


1872

12. Juni 1872

München * Die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund wird mit einem Reichsgesetz auch auf Bayern übertragen.

Diese allgemeine Gewerbefreiheit ermöglicht es Unterhaltungskünstlern, ihre Darbietungen im ganzen Kaiserreich anzubieten, Singspielgesellschaften zu gründen und Bühnen oder Schauspielbetriebe zu eröffnen. Damit blühen viele Theaterbetriebe, besonders aber deren Mischformen wie Varieté, Revue, Tingeltangel und Singspielhalle auf.

Da das Reichsgesetz die Restaurationsbetriebe mit Unterhaltungsdarbietungen zwar wie Theater unter die Gewerbeordnung stellt, schränkt sie deren Tätigkeit jedoch umgehend wieder ein, denn die Betreiber sind weiterhin in erster Linie Gastronomen und keine Theaterdirektoren.


1873

1873

München-Ludwigsvorstadt * Adele Spitzeders Plan, die „Westendhalle“ zu kaufen und in ein glitzerndes „Vandevillet-Theater“ umzuwandeln, scheitert.


1874

Januar 1874

München-Maxvorstadt„Theaterdirektor“ Emil Weinberger gründet das „Volkstheater in der Leopoldstadt“ in der Senefelderstraße.

13. März 1874

München-Ludwigsvorstadt * Die Münchner Sozialdemokraten organisieren ein stark besuchtes „Arbeiter-Massenfest zur Feier der Pariser Commune“ in den Räumlichkeiten der „Centralhalle“.

22. März 1874

Augsburg * Das Augsburger „Stadttheater“ wird vom Feuer zerstört.


1875

25. November 1875

Barmen * Das Theater in Barmen wird ein Raub der Flammen.


1876

1876

München * Über die Münchner „Prostituierten“ liest man:

„München zählt [...] nahezu 1.000 konskribierte öffentliche Phrynen [Dirnen], deren Kleiderkunst und übertünchte Gesichter sich in den schönen Teilen der Stadt zeigen“.

Weiter beklagt der Bericht die überhand nehmende Straßenprostitution und plädierte für die Errichtung eigener „Freudenhäuser“.

1876

München-Kreuzviertel * Zwischen 1876 und 1899 tritt „Papa“ Jakob Geis, der bekannte Münchner Komiker und Direktor einer Singspielgesellschaft, tritt - mehrmals in der Woche - im „Oberpollinger“ auf. 


1878

1878

Berlin * In einer „Reichspolizeiverordnung“ wird festgelegt, dass jeder Vortrag in einem „Tingeltangel“ polizeilich genehmigt werden muss, dass diese Genehmigung nur für ein bestimmtes Lokal gilt und dass die Erlaubnis zudem zurückgezogen werden kann.

Außerdem wird die Aufführung von Dramen, Lustspielen, Possen, Opern, Operetten, Sing- und Liederspielen, Tänzen und Balletts als unzulässig erklärt.
Nur Gesangs- und Deklamationsstücke mit einer Besetzung von höchstens zwei Personen sind erlaubt.

Die vortragenden Personen dürfen aber nur in bürgerlicher Kleidung (Gesellschaftsanzug) auf der Bühne erscheinen.
Alle Vorträge im Kostüm sind verboten.
Als Ausnahme wird der Auftritt im „wirklichen Nationalkostüm“ (Tracht) genehmigt.

Auch Kulissen, Vorhänge und jede Art von Requisiten werden von der Bühne verbannt.  

Außerdem durften die vorgetragenen Gesangs- und Deklamationsstücke in Inhalt und Vortragsweise nicht gegen die Religion, die Sittlichkeit, die staatlichen Einrichtungen, den öffentlichen Anstand und die öffentliche Ordnung verstoßen.

Die Vorträge dürfen frühestens um 18 Uhr beginnen und müssen spätestens um 23 Uhr beendet sein.

1878

München-Ludwigsvorstadt * Der Schriftsteller Karl Theodor von Perfall entdeckt im „Thalia-Theater“ im „Grünen Hof“ in der Bayerstraße 16a einen „Ort der Halbwelt mit Lebemännern und Prostituierten in den Logen“, die sich an „leichtgeschürzten Offenbachiaden“ erfreuen.

5. Oktober 1878

München-Isarvorstadt * Die Singspielhalle Kil's Colosseum erhält die Konzession für Singspielhallen und Café chantants. Sie wird in Bezug zum Bayerischen Polizei-Strafgesetzbuch vom 16. Dezember 1871 gestellt, in dem festgelegt ist: „das sogenannte Chansonetten-Kostüm selbst in der abgeschwächten Form des kurzen ausgeschnittenen Kleides mit kurzen Ärmeln und mit Trikot ist verboten.

Die Chansonetten und Coupletsängerinnen dürfen nur in langem Gesellschaftskleide auftreten. Nur das National-Costüm von echten National-Sängern ist von den Bestimmungen [...] ausgenommen“.


1879

8. April 1879

München * Der Münchner „Volkssänger“ Georg Schwarz wird zu sechs Mark Strafe verurteilt. 

Er hat bei Abendauftritten am 27. November 1878 im „Fraunhofergarten“ und am 4. Dezember 1878 im „Braunauerhof“ Bärte, Perücken, Zylinder und „andere Versatzstücke“ benutzt.


1880

1880

München-Ludwigsvorstadt * Im „Thalia-Theater“ in der Bayerstraße 16a wird eine abends beleuchtete und geschmückte „Rollschuhbahn“ für 150 bis 200 Personen eröffnet.


1881

21. Mai 1881

München-Hackenviertel * „Das Aquarium“ am Färbergraben wird eröffnet. Der Eintrittspreis beträgt 1 Mark.

  • Die namensgebende Attraktion - das Aquarium - befindet sich im Keller des Anwesens. Dort gibt es in einer Tropfsteinhöhle eine „Tauchergrotte“ und 30 offene oder verglaste Süß- und Salzwassergrotten zum bestaunen. In den Becken tummeln sich - neben einheimischen Fischen und diversem Meeresgetier - auch Seehunde, Haie und zwei Nilkrokodile.
  • Im Erdgeschoss sind Affen, ein junger Bär, Schlangen, Eidechsen und eine Anzahl exotischer Vögel ausgestellt.
  • Der erste Stock beherbergt eine umfangreiche Kunstsammlung, die ein Sammelsurium von Gegenständen beinhalten: Chinesische Skulpturen, historische Waffen, ausgestopfte Tiere, Spieluhren und moderne mechanische und elektrische Automaten; darunter auch einige lebensgroße mechanische Wachspuppen. Ein sogenanntes Lachkabinett, bestehend aus verschiedenen Vexierspiegeln, sorgt für zusätzliches Vergnügen.
  • Im zweiten Stock befindet sich „Ein wunderbar perspektivisches Gemälde von Neapel mit dem Vesuv“ sowie 19 verschiedene Wachsfigurengruppen und eine Sammlung von Totenmasken.
  • Im als Steingrotte eingerichteten Innenhof des Anwesens können die Besucher im Gartenlokal „Alhambra“ - wenn sie wollen - „noch ein Stündchen im trauten Gespräch beim Glase Spatenbier das Gesehene am Geistesauge vorbeiziehen lassen“.

Dort oder in einem Konzert- bzw. Vorstellungssaal finden darüber hinaus regelmäßig diverse Sonderdarbietungen statt: Tiere und Menschen werden zur Schau gestellt, aber auch Automaten.


1883

1883

München-Maxvorstadt * Das „Panorama“ an der Theresienstraße 78 wird eröffnet.

1883

München-Isarvorstadt * Eine „Musikerbörse“ wird in der Singspielhalle „Neue Welt“ in der Blumenstraße ins Leben gerufen.

1883

München-Hackenviertel * „Das Aquarium“ am Färbergraben, am 21. Mai 1881 eröffnet, schließt seine Pforten.

1. Juli 1883

München * Mit dem Ergänzungsparagraphen 33a der Gewerbeordnung müssen Personen, die „gewerbsmäßig Singspiele, Gesangs- und deklamatorische Vorträge, Schaustellungen von Personen oder theatralische Vorstellungen“ öffentlich veranstalteten, „ohne Rücksicht auf die etwa bereits erwirkte Erlaubnis zum Betriebe des Gewerbes“, um eine gesonderte Erlaubnis dafür nachzusuchen.

Das bedeutete, dass nicht nur der Besitzer und damit Betreiber der Singspielhalle, sondern auch der Direktor der Singspielhalle und der Direktor der Volkssänger-Gesellschaft eine Konzession benötigt. Außerdem muss jeder Unterhaltungskünstler für jede Stadt, in der er auftritt, eine ortspolizeiliche Erlaubnis vorweisen.


1885

1885

München * Nach Wiener Vorbild wird der „Krankenunterstützungsverein der Münchner Volkssänger“ gegründet.

1885

Europa * Die Zahl der bekannten Theaterbrände seit 1800 wird mit „mehr als 500“ angegeben.

1885

München-Ludwigsvorstadt * Das „Panorama“ an der Goethestraße 45 wird eröffnet.

31. Dezember 1885

München * München hat 262.000 Einwohner. 

  • Nur 37 Prozent sind eingeborene Münchner. Die anderen sind aus Bayern zugezogen. 
  • 6 Prozent kommen aus anderen deutschen Länder, 4 Prozent aus dem Ausland, überwiegend aus Österreich und Ungarn. 

1886

1886

München-Ludwigsvorstadt * Das „Panorama“ in der Theresienhöhe 2a, zwischen „Hacker- und Bavariakeller“, wird eröffnet.

9. September 1886

Bern * Der Verband zum internationalen Schutz des Urheberrechts tagt in Bern. Die souveränen Staaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Haiti, Italien, Schweiz, Spanien und Tunis erklären in der Berner Übereinkunft, die Rechte des Autors am eigenen Werk in den teilnehmenden Staaten schützen und vertreten zu wollen.


1887

1887

Milbertshofen * „Die Rosenau“, ein Gartenlokal in der Schleißheimer Straße 128, wird eröffnet. 

Es wird besonders an den Wochenenden von Soldaten und ihren Liebschaften frequentiert. 

5. Februar 1887

München * Johann Kögel ersucht in einer Bittschrift an Prinzregent Luitpold um die Aufhebung des Kostümverbots. Er begründet sein Schreiben damit, dass nicht jeder Volkssänger in konzessionierten Singspielhallen auftreten kann und deshalb die weniger etablierten Künstler weiter ins berufliche Abseits gedrängt werden würden.

8. März 1887

München * Das Bayerische Innenministerium stellt einen Antrag an Prinzregent Luitpold, Kostümierungserlaubnisse alleine auf Singspielhallen zu beschränken, da diese leichter zu überwachen sind, als andere Etablissements.


1889

September 1889

Berlin * Das Berliner Ehepaar Gotthilf und Anna Heinze, er ein „Zuhälter“, sie eine „Prostituierte“, halten über mehrere Tage ein Mädchen fest, missbrauchen es sexuell und ermorden es schließlich.  

Das ist der Ausgangspunkt für die Gesetzgebung für das „Kuppelei-Gesetz“, die sogenannte „Lex Heinze“


1890

1890

München-Isarvorstadt * Die „Kapuziner-Brauerei“ wirbt mit „Jeden Samstag und Sonntag Auftreten einer Komiker- und Sängergesellschaft“.

1890

München-Ludwigsvorstadt * Nach 15 Jahren „Varieté-Betrieb“ wird die „Westendhalle“ in der Sonnenstraße in ein „Volkstheater“ umgewandelt.

19. April 1890<p><strong><em>München-Theresienwiese</em></strong> * William Frederick Cody, besser bekannt als <em>„Buffalo Bill“</em>, gastiert mit seiner <em>„Buffalo Bill‘s Wild West Show“</em> im Rahmen seiner Europa-Tournee&nbsp;bis zum 4. Mai 1890 auf der Theresienwiese. Er ist mit über 200 Cowboys und Indianern sowie 170 Pferden, Mauleseln und rund 20 Bisons unterwegs. Mit dabei ist auch die junge <em>„Kunstschützin“</em> Annie Oakley.</p>
Juli 1890

München-Hackenviertel * Nach Buffalo Bills Gastspiel geben „D'Münchner“ im „Bamberger Hof“ das komische Singspiel „Biffola Bull“ oder „Der Indianerhäuptling 'Hau Wau' von Holzkirchen“.


1891

1891

Schliersee * Das „Schlierseer Bauerntheater“ wird gegründet. 

Oktober 1891

Berlin * Der Mordprozess gegen das Berliner Ehepaar Heinze beginnt.

In der Verhandlung wird der Zusammenhang mit „Kuppelei“ und „Prostitution“ hergestellt.

Daraus schließt man, dass „Obszönität“ eine der Hauptursache für kriminelles und von der Norm abweichendes Verhalten sei.


1892

Ab 1892

Schliersee * Der Münchner Schauspieler und Komiker Konrad Dreher ist mit seinem „Schlierseer Bauerntheater“ häufig unterwegs.

1892

München-Ludwigsvorstadt * Das „Panorama“ an der Goethestraße 45 wird abgerissen.


1893

1893

München * Die amerikanische Tänzerin Loïe Fuller tritt mit ihrem „Serpentinentanz“ erstmals in München auf. 

1893

München-Maxvorstadt * Im „Café Luitpold“ in der Brienner Straße wird ein „Panoptikum und Anthropologisches Museum“ eröffnet.

15. Juni 1893

München - Deutsches Reich - Berlin * Bei der Reichstagswahl des Jahres 1893 sind über 106.800 Münchner Männer wahlberechtigt. 

  • Den Wahlkreis München I (Altstadt, Lehel, Maxvorstadt) gewinnt Georg Birk [SPD],
  • der Wahlkreis München II (Isarvorstadt, Ludwigsvorstadt, Au, Haidhausen, Giesing), München-Land, Starnberg, Wolfratshausen, wird von Georg von Vollmar [SPD] erobert. 
12. Juli 1893

Königreich Bayern * Bei der Neuwahl zum Bayerischen Landtag können zwei neue Parteien in die Abgeordnetenkammer einziehen.  

  • Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD erhält fünf Mandate,
  • der Bayerische Bauernbund - BBB stellt sogar neun Abgeordnete.  
  • Das Zentrum, das aus der Patriotischen Partei hervorgegangen ist, verfügt nur noch über 74 Mandate.  

Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in Reich, Land und Stadt sind

  • bei der Landtagswahl 56.100, hingegen
  • bei der Reichstagswahl 106.800, und
  • bei der Kommunalwahl aber nur 19.292 Münchner wahlberechtigt. 
August 1893

München * Der „Wachsplastiker“ Emil Eduard Hammer stellt bei der „Königlich Bayerischen Polizeidirektion München“ ein „Gesuch um die ortspolizeiliche Erlaubnis zur Einrichtung und Betrieb eines Panoptikums“.

Noch im selben Monat erhält er die Genehmigung.

5. Dezember 1893

München * Kommunalwahl: Von den rund 380.800 Einwohner Münchens haben gerade einmal 19.292 das Wahlrecht für die Stadtratswahl. Die Wahlberechtigten setzen sich vor allem Haus- und Grundbesitzern, selbstständigen Handwerkern, Geschäftsleuten und Industriellen zusammen.

  • Nur der darf wählen, der das (gebührenpflichtige) Bürgerrecht besitzt.
  • Voraussetzung dafür sind unter anderem der Besitz des Heimatrechts, ein ständiger Wohnsitz in München, die Entrichtung von Steuern sowie Unbescholtenheit und Volljährigkeit.
  • Tagelöhner, Handwerksgesellen, kleine Gewerbetreibende und Frauen sind vom politischen Leben nahezu ausgeschlossen.  

Trotzdem kann Georg Birk als erster Sozialdemokrat in das Gemeindekollegium einziehen. 


1894

1894

Paris * In Paris wird Thomas Alpha Edisons „Kinetoscope“ vorgestellt.

Das Bild hat eine sehr geringe Größe und muss in einem Kasten betrachtet werden.

1894

München-Ludwigsvorstadt * Der geschäftstüchtige Münchner „Kommerzienrat“ Friedrich Haenle, der mit der Herstellung von Silberbeschlägen reich geworden ist, besitzt an der Schwanthalerstraße ein 5.400 Quadratmeter großes Grundstück.
Dieses will er gewinnbringend veredeln und sein Geld mit einem weiteren Projekt vermehren.

Zusammen mit dem aus Frankreich stammenden Architekten Alexander Bluhm, der auch als „Konzessionär“ verantwortlich zeichnet, baut er ein Theater für „Aufführungen von Schauspiel, Lustspiel, Schwank und Ballett“

Und wer mit einem „Unterhaltungspalast“ sein Geld verdienen möchte, darf „nicht knausern“.
Die Beiden lassen es also krachen und setzen auf „mondänen Luxus“, sodass die „Münchner Fremdenzeitung“ über die ehrgeizige Ausstattung euphorisch jubiliert:
„Überall ist nur das Beste gewählt, die ersten Firmen der Welt wurden mit Lieferungen betraut, ohne Rücksicht auf Entfernung oder Unkosten, die bis jetzt schon sechs Millionen verschlungen haben. Welches Finanzkonsortium hat diese sechs Millionen gezahlt?  Was kümmert‘s uns und Euch!“.

Das Bauprogramm hat sich aber keineswegs nur auf das „Deutsche Theater“ beschränkt.
Die sogenannte „Schwanthaler Passage“ ist eine interessante Kombination. 
Neben dem „Bühnenhaus“ besteht die „Schwanthaler Passage“ aus dreißig Wohnungen mit insgesamt 114 Zimmern.
Zusätzlich bieten zwanzig Läden vielfältige Möglichkeiten für einen Einkaufsbummel.

Februar 1894

München-Hackenviertel * Das „Restaurant Panoptikum“ in der Neuhauser Straße 1 wird eröffnet.

10. März 1894

München-Hackenviertel * Der „Schausteller“ Carl Gabriel eröffnet gemeinsam mit dem „Wachsplastiker“ Emil Eduard Hammer im ehemaligen „Vogl'schen Kaufhaus“ in der Neuhauser Straße 1/Ecke Färbergraben das „Internationale Handels-Panoptikum“

Es ist das größte und bedeutendste „Panoptikum“ Münchens und wird als „ein Bedürfnis der werdenden Großstadt“ bezeichnet.
Es gibt rund 2.000 Exponate zu betrachten, davon etwa 500 Wachsfiguren und Wachspräparate.

Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfennig, Kinder und Soldaten zahlen die Hälfte.
Das „Panoptikum“ ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet.

Als besondere Attraktion befindet sich in der dritten Etage das „Anatomische Museum“ und ein „Extrakabinett“ mit über 600 Exponaten.
Das „Extrakabinett“ dürfen nur Personen über 18 Jahren betreten.
Personen beiderlei Geschlechts ist die gemeinsame Besichtigung „polizeilich verboten“.
Am Dienstag und Freitag ist die „Anatomische Abteilung“ ab 14 Uhr nur für Damen geöffnet.

Im Keller befindet sich die „Inquisitionsabteilung“ mit einer Sammlung von „Folterwerkzeugen“, deren Anwendung an lebensgroßen Wachsfiguren dargestellt werden.
In der angeschlossenen „Verbrecher-Galerie“ werden hauptsächlich zeitgenössische „Massenmörder“ als Wachsimitate gezeigt.

April 1894

München-Isarvorstadt * Der Tenor Josef „Beppo“ Benz kommt aus dem Schwarzwald an das „Gärtnerplatz-Theater“, um den „Zigeunerbaron“ zu singen. 

Mai 1894

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ treten „Hawai-Tänzerinnen“ auf.

Es gibt Programme für Familien und „Elite-Vorstellungen“ nur für Herren.

Juni 1894

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ lauschen die Besucher den „Wort-, Gesangs- und Tierstimmenreproduktionen“ des „Original-Edison-Phonographen“.


1895

1895

München-Hackenviertel * „Krao, das Affenmädchen“, eine am ganzen Körper behaarte junge Frau aus Burma, lockt die Besucher ins „Internationale Handels-Panoptikum“.

1895

Berlin * Der „arbeitsfreie Sonntag“ wird im Kaiserreich gesetzlich verankert.

1895

New York * Konrad Drehers „Schlierseer Bauerntheater“ gastiert während seiner USA-Tournee auch an der „Metropolitan Opera“ in New York.

Februar 1895

Paris * Die Brüder August und Louis Lumiére erhalten das Patent für einen „Cinématographe“.

Ab März 1895

Paris * Der „Cinématographe“ der Gebrüder Lumiére wird in Paris einem Fachpublikum vorgestellt und vorgeführt.


1896

1896

München-Hackenviertel * Die „Schlangendomptöse Miss Clio“ beeindruckt das Münchner Publikum im „Internationalen Handels-Panoptikum“ mit sechs „Riesenschlangen“.

1896

München * Ludwig Schlecht beantragt die „Singspielhallen-Konzession“ für sein „Theater“ im „Münchner Hof“, das bislang als klassische „Varieté-Bühne“ geführt wurde.

1896

München-Hackenviertel * Auch das „Kinetoscope“ wird im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in München vorgeführt uns als „Edison's Wunderwerk“ bejubelt.

Doch um die Massen zu begeistern braucht es mehr, weshalb stündlich der „Pariser Original-Flohmarkt mit ca. 300 dressierten Menschen-Flöhen“ auftritt.

April 1896

Wien - München * Der „Cinématographe“ der Herren August und Louis Lumiére wird im „Jugendstil-Salon der französischen Botschaft“ in Wien gezeigt.

Der „Schausteller“ Carl Gabriel kann ein „Aufnahme- und Wiedergabegerät“ erwerben.

Noch im gleichen Monat findet die erste öffentliche Vorführung im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in München durch den „Operateur“ Francis Doublier statt.

11. Juli 1896

München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt. Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers Panoptikum statt. Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“. Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein.

Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab. Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

  • Ein heranbrausener Eisenbahnzug,
  • Eine Schlangendomteuse,
  • Ein Kettensprenger und
  • Das Aufziehen der Hauptwache.

Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert.

September 1896

München-Theresienwiese * Nach der Münchner Kinopremiere im „Internationalen Handelspanoptikum“ von Carl Gabriel ist die nächste Spielstätte das „Oktoberfest“.

Der „Filmpionier“ Johann Dienstknecht zeigt dort die Filme.

11. September 1896

München-Ludwigsvorstadt * Gut zwei Wochen vor der Eröffnung des Deutschen Theaters und der Schwanthaler Passage steht das Unternehmen am Rande des Bankrotts. Eine Gläubigerversammlung mit rund 120 Handwerkern und Lieferanten mahnt ihre ausstehenden Zahlungen an. Theaterdirektor Alexander Bluhm schafft es gerade noch, die Gläubiger zu einem Stillhaltabkommen zu überreden und sie für sechs Monate von Pfändungen abzuhalten.

Denn wenn der Theaterbetrieb erst einmal laufen würde, so argumentiert der optimistische Theaterdirektor, dann wären auch alle finanziellen Probleme gelöst. Doch nur wenige Stunden vor der Premiere muss er eine größere Summe Geld auftreiben, weil der Lieferant der roten Teppiche im Foyer ansonsten mit einem Skandal droht.

Zum Glück gibt es aber im Hintergrund noch den reichen Kommerzienrat Friedrich Haenle, der für sechzig Prozent aller offen stehenden Forderungen eintreten will. Dieses Angebot führt allerdings in der Familie des Unternehmers zu Überlegungen, den Patriarchen „entmündigen“ zu lassen, um dadurch weiteres Unheil zu verhindern.

Aber nicht nur die verschwenderische Ausgestaltung der Schwanthaler Passage bringt die Unternehmung an den Rand des Desasters. Theaterdirektor Alexander Bluhm hat auch beim Künstlerpersonal kräftig hingelangt. Neben dem üppig besetzten Schauspieler-Ensemble leistet er sich ein mit fünfzig Musikern besetztes Orchester und ein stattliches Ballett: 36 Tänzerinnen, 16 Tänzer, 48 Figuranten und 60 Komparsen gehören zum festengagierten Stammpersonal.  
Weil aber Direktor Bluhm schon zwei Monate vor der Premiere kein Geld mehr für Gagen besitzt, müssen die Proben abgesagt werden.

In München machen die Probleme des neuen Theaters schnell die Runde. Für die hiesigen Lästermäuler wird aus der Schwanthaler Passage ganz schnell die „Schwanthaler Blamage“, während man die Betreiber des Etablissements als „Schwanthaler Bagage“ verhöhnt.

Die erzkonservative Zeitung Das Bayerische Vaterland blickt sowieso mit Schaudern auf die Programmankündigung des Unterhaltungstempels an der Schwanthalerstraße und sieht schon dadurch die „moralischen Grundsätze des christlichen Abendlands“ als gefährdet an. Die Zeitung befürchtet, dass es sich bei dem neuen Theater um ein „Institut für moralische Schweinezüchterei“, ja sogar um einen „Kunstsaustall“ handelt.  

Neben der veröffentlichten Meinung bereiten aber auch die genehmigenden staatlichen Behörden dem Theaterdirektor Alexander Bluhm große Probleme, indem sie ihm zunächst „die ortspolizeiliche Productionsbewilligung für theatralische Vorstellungen“ verweigern. Im Hintergrund agiert hier der einflussreiche Münchner Hoftheaterdirektor Ritter Ernst von Possart, der in dem neuen Theater in der Schwanthaler Passage eine „dauernde schwere Schädigung der materiellen Interessen der königlichen Hofbühne“ sieht.  

Aber nicht nur die Angst vor einer unliebsamen Konkurrenz, die den Hoftheatern die Zuschauer abspenstig machen könnten, sondern auch eine tief empfundene Abneigung gegen alles Moderne bringen Ritter Ernst von Possart gegen das neue Theater in Rage. Der den Traditionalisten angehörende Hoftheaterintendant pflegt auf seinen Hofbühnen einen antiquierten, stark verstaubten Stil, der kaum mit dem zeitgenössischen Theater der Naturalisten zu vereinbaren ist.


1897

1897

München-Hackenviertel * „Miss Alwanda“ beeindruckt die Besucher des „Internationalen Handels-Panoptikums“ mit ihren Tätowierungen von verschiedenen europäischen Staatsoberhäuptern auf ihrem Körper.

1897

München-Hackenviertel * Carl Gabriel scheidet aus der „Direktion“ des „Internationalen Handels-Panoptikums“ in der Neuhauser Straße aus.

Eduard Hammer führt das Unternehmen alleine weiter.

Ab 1897

München * In verschiedenen Etablissements werden die Filme vorgeführt.

Feste „Filmtheater“ gibt es noch nicht. Neben „Konzertsälen“, verschiedenen „Theatern“, dem „Panoptikum“ und dem „Volksgarten“ dienen auch Gaststätten und Bierkeller als Filmvorführstätten.

9. Januar 1897

München-Ludwigsvorstadt * Im Deutschen Theater findet der erste Maskenball statt. „Das mit Glühlichtern festlich beleuchtete Haus strahlte nur so von herrlichen Masken und Dominos“, heißt es in der Chronik. Es gibt eine strenge Kleiderordnung. Die Herren müssen im Frack erscheinen, die Damen im Domino, einem schwarz-weißen Abendkleid. 

April 1897

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ wird eine „Witwenverbrennung in Indien“ und der „Tod eines lebenslänglich Verurteilten in den sibirischen Bergen“ gezeigt.

Mit solchen Darstellungen soll den Besuchern die Überlegenheit der westlichen Zivilisation insbesondere gegenüber der außereuropäischen Welt vor Augen geführt werden.

November 1897

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ werden „lebende Gemälde“ vorgeführt.

Junge, leicht bekleidete Modelle stellen im Goldrahmen vor dem entsprechenden Hintergrund bei passender Beleuchtung bestimmte Themen wie „Morgen, Nacht, Amor, Salome“ dar.


1898

1898

München-Hackenviertel * „Krao, das Affenmädchen“, die junge Frau aus Burma mit der Ganzkörperbehaarung, lockt - nach 1895 - erneut die Besucher ins Internationale Handels-Panoptikum an der Neuhauser Straße 1.

1898

München * In der Feuerdienstordnung der königlichen Polizei-Direktion München wird die „Vorgehensanweisung für Vergnügungsetablissements“ festgeschrieben.

1898

München-Kreuzviertel * In der Folge des Pariser Basarbrands müssen im Oberpollinger zur Freihaltung von Fluchtwegen zehn Tische entfernt werden. Damit verringern sich die Sitzplätze von 300 auf 220, was natürlich den Umsatz und damit das Einkommen der Gastronomie und der auftretenden Künstler erheblich schmälert.

1898

Berg am Laim * Bei der Firma Franz Kathreiner's Nachfolger beträgt das Wochenleistungsmaß 57 Stunden.

  • Die Beschäftigten müssen nach der geltenden Betriebsordnung um 7 Uhr morgens im Betrieb sein und dürfen ihn vor abends 19 Uhr nicht mehr verlassen. 
  • Es gibt zwar eine allgemeingültige Gewerbeordnung für alle Unternehmen, doch wird diese durch innerbetriebliche spezielle Arbeitsordnungen, in der die Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer noch eindeutiger festgelegt sind, ergänzt. 
  • Verstöße gegen diese Hausordnung werden durch von der Firmenleitung einseitig festgelegte Geldstrafen geahndet. 
  • Es gibt eine Paragraphen-Liste für die sogenannten „50-Pfennig-Strafen“. Diese können fällig werden, wenn ein Beschäftigter während der Arbeitszeit schlafend angetroffen wird. Das ist zwar ein nicht akzeptierbares Verhalten, doch bei einer 57-Stunden-Arbeitswoche, oftmals verbunden mit schweren körperlichen Arbeit kann das schon vorkommen. 
  • Selbst das Führen von Unterhaltungen am Arbeitsplatz, die von der Geschäftsleitung als „arbeitsstörend“ eingestuft werden, führen zu dieser Strafe. Das gilt gleichfalls für das „Müßiggehen“ in den Geschäftsräumen. 
  • Daneben regelt die Arbeitsordnung das Verhalten der Arbeitnehmer. So darf niemand die Arbeit niederlegen, bevor nicht das Glockenzeichen oder die Dampfpfeifen ertönt sind. 
  • Die Geldstrafen für Verspätungen sind bei der Firma Franz Kathreiner's Nachfolger GmbH noch differenzierter geregelt. Da müssen jene Beschäftigte, die zu spät an ihren Arbeitsplatz kommen, außer beim ersten Mal, eine Mindeststrafe von 20 Pfennigen entrichten. Sind die Verspätungen größer als zwanzig Minuten, dann ist pro Minute ein Pfennig fällig.
1898

München-Maxvorstadt * Anderl Welsch tritt zwischen 1898 und 1905 im Apollotheater in der Dachauer Straße 19 - 21 auf.

1898

München-Ludwigsvorstadt * Im Frankfurter Hof wird von dem Pächter Josef Durner eine Volkssänger-Bühne eröffnet, in der die Gesellschaft von Hans Blädel spielt, bis sie 1907 in den Peterhof am Marienplatz umzieht. 


1899

November 1899

München-Hackenviertel - München-Schwabing * Eine Gruppe von „Sioux-Indianern“ wird im „Internationalen Handels-Panoptikum“ ausgestellt.

„Red-Tail“, ein Mitglied der Truppe stirbt in München an Tuberkolose.
Der Todesfall und die Beerdigung am „Schwabinger Friedhof“ sorgt für großes Aufsehen in der Presse.


1900

Um 1900

München * In München treten Volkssänger in etwa 80 Singspielhallen, Varietés und Bierkellern auf. Insgesamt verfügt München etwa über 1.500 Gasthäuser.

1900

München-Hackenviertel * Über eine Agentur in der Sendlinger Straße können Wirte Singspielgruppen für 3 bis 5 Mark Tagesgage buchen.

1900

München-Schwabing * Josef „Beppo“ Benz „erheiratet“ das Haus an der Leopoldstraße 50, in dem sich eine gutbürgerliche Gaststätte befindet. Die Benz-Kleinkunstbühne wird bald zum Stammlokal von Ludwig Thoma, Ignatius Taschner, Albert Langen, Ferdinand von Reznicek, Rudolf Wilke und Dr. Georg Hirth. 

1900

München-Ludwigsvorstadt * Die Spatenbrauerei wird Teilhaber am Deutschen Theater. 

15. März 1900

München * In München wird der „Goethe-Bund zum Schutze freier Kunst und Wissenschaft“ gegründet.

Ihm gehören unter anderen an: Paul Heyse, Max Halbe, Georg Hirth, Friedrich August von Kaulbach, Otto Falckenberg, Franz von Lenbach, aber auch der „Volkssänger“ Jakob Geis angehört.  

Zweck ist es, „Angriffen auf die freie Entwicklung des geistigen Lebens, insbesondere von Wissenschaft, Kunst und Literatur gemeinsam entgegenzutreten“


1901

Ab 1901

München-Hackenviertel * Für besonderes Aufsehen sorgen die in den Jahren 1901/02 im „Internationalen Handels-Panoptikum“ abgehaltenen „Damenringkämpfe“.

1901

München-Maxvorstadt * Das „Panorama“ an der Theresienstraße 78 wird abgerissen.

April 1901

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ finden „Elite- oder Separatvorstellungen“ nur für männliche Personen und Mitglieder wissenschaftlicher Vereine unter dem Titel „20 schöne Mädchen“ statt.

13. April 1901

München-Maxvorstadt * „Die Elf Scharfrichter“ eröffnen ihre Bühne in der Türkenstraße 28. 

19. Juni 1901

Berlin * Das Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und Tonkunst wird verabschiedet.


1902

1902

München-Angerviertel * Das ehemalige „Frauenhaus“ (Stadtbordell) wird abgerissen.

An seiner Stelle entsteht der Bau der „Städtischen Hauptfeuerwache“.

Sommer 1902

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in der Neuhauser Straße 1 bricht im 4. Stock ein Brand aus.

Die städtische Feuerwehr schließt daraufhin seine Pforten.

1902

Berlin * Gründung der „Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht“.

Januar 1902

München-Hackenviertel * Erneut werden „Elite- oder Separatvorstellungen“ im „Internationalen Handels-Panoptikum“ gezeigt.

Dieses Mal stellt man „24 Frauen und Mädchen, 4 Männer und 3 Kinder aus der deutschen Kolonie Togo“ zur Schau.


1903

Januar 1903

München-Hackenviertel - München-Ludwigsvorstadt * Der Versuch des „Wachsplastikers“ und ehemaligen Betreibers des „Internationalen Handels-Panoptikums“ in der Neuhauser Straße 1, Emil Eduard Hammer, sein Unternehmen in einem Neubau an der Bayerstraße 13/15 fortzuführen, wird aus feuerpolizeilichen Gründen untersagt.


1904

1904

München-Ludwigsvorstadt * Kommerzienrat Hans Wagner erwirbt das „Hotel Treffler“ in der Sonnenstraße 23 und benennt es in „Hotel Wagner“ um. 


1905

Vor 1905

München * Eine nicht datierte Aktennotiz vermerkt:

Die „Zensur“ betrifft auch „das kleine Theaterwesen, die Varietées, Tingeltangel, Singspielhallen, Cabarets; ferner die Volkssänger, Komiker, Rezitatoren sind vermittels der Präventivzensur nach Möglichkeit in ordnungsgemäßen Bahnen zu halten, zumal da erfahrungsgemäß gerade auf diesem Weg die Kenntnis von Unsittlichkeiten und Unanständigkeiten aller Art in die breitesten Schichten der Bevölkerung getragen wird“.

1905

Berlin * Carl Gabriel eröffnet sein erstes „Kinematographentheater“ in Berlin.


1906

1906

München * In Deutschland setzt eine große Gründungswelle an „Kinematographentheatern“ ein.

15. April 1906

München-Hackenviertel * In der Kaufingerstraße eröffnet mit dem „Welt-Kinematograph“ das erste fest installierte Kino in München.


1907

1907

München * Johann Dienstknecht gründet den „allerersten“ Filmverleih und wird damit bis zu seinem Tod im Februar 1910  der unumschränkte Herrscher auf dem Filmmarkt sein.

21. April 1907<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino unter dem weltmännischen Namen <em>„The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Theater lebender Bilder“</em> mit 145 Plätzen.&nbsp;Es ist Münchens viertes Kino.&nbsp;Es werden Stummfilme gezeigt, die von einem mehr oder weniger talentiertem Klavierspieler und einem Explikateur, einen Filmerklärer, begleitet werden.</p> <p>An den Lehnen der Vordersitze sind Drahtgestelle angebracht, in denen man seinen Masskrug abstellen kann.&nbsp;Statt Popkorn und Eis - wie heute - werden Schokolade und Wurstsemmeln verkauft.</p> <p>Nach 19 Uhr geht fast niemand mehr ins Kino, denn:&nbsp;<em>„Der Münchner geht im Gegensatz zum Berliner, soweit er es ermöglichen kann, lieber Nachmittags ins Kino, weil er den Abend gern im Bierrestaurant verbringt.“</em>Trotzdem suchen die <em>„Gebildeten“</em> das Kino erst im Schutz der Dunkelheit auf. Etwaige Bekannte begrüßen sich - wenn überhaupt - mit einem verlegenem Lächeln.&nbsp;Es gibt Logen&nbsp;mit einem Loch im Vorhang, von dem aus man zwar alles sehen kann, selbst aber nicht gesehen wird.</p> <p>Die Münchner Polizei besucht im Auftrag der Obrigkeit&nbsp;regelmäßig die Kinematographen.&nbsp;Sie muss sicherstellen, dass im dunklen Kinosaal alles <em>„sittlich“</em> und <em>„mit rechten Dingen“</em> zugeht.</p>

1908

1908

München * Der „Verband zur Wahrung und Förderung der Interessen der Münchner Volkssänger“ wird gegründet.

1908

München * Prinz Leopold ist ein gern gesehener Gast im „Imperial-Thater“.


1909

Oktober 1909

München * In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt:

  • im „Gasthaus Herzogpark“ an der Mauerkirchener Straße,
  • im „Mühldorfer Hof“ an der Einsteinstraße,
  • in den „Unionsbräuhallen“ an der Einsteinstraße,
  • im „Münchner-Kindl-Keller“ an der Rosenheimer Straße,
  • im „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße,
  • im „Salvatorkeller“ an der Hochstraße,
  • im „Bergbräukeller“ an der Tegernseer Landstraße,
  • in den „Bergbräubierhallen“ an der Bergstraße im Münchner Osten und
  • im „Schwabingerbräu“ an der Leopoldstraße,
  • in der „Gaststätte zur Blüte“ in der Blütenstraße,
  • im „Alten Hackerkeller“ an der Bayerstraße und
  • im „Neuen Hackerkeller“ auf der Theresienhöhe im Westen.

1910

1910

Berlin * Die „Lustbarkeitssteuer“ wird in Deutschland eingeführt.

1910

München * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast betreibt bis 1913 das Münchner Kabarett „Serenissimus“

1910

München-Maxvorstadt * Aus Carl Gabriels „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Thater lebender Bilder“ in der Dachauer Straße 16 wird „Gabriels Tonbildtheater“.

1910

München * Auf Anregung von Carl Gabriel wird der „Verein bayerischer Kinematographeninteressenten“ als Interessensverband der Kinobesitzer gegründet.

Der Grund der Vereinsgründung ist der Versuch der Münchner „Lokalschulkommission“, ein „Kinderverbot im Kinematographentheater“ durchzusetzen.

Damit wäre ein treuer Kundenstamm des Kinos ausgeschlossen worden.


1911

1911

Königreich Bayern * Auf Drängen der bayerischen Industrie verlegt die katholische Kirche zwei „Heiligenfeste“ und sämtliche „Patrozinien“ der Kirchen- und Ortspatrone auf Sonntage; drei „Marienfeiertage“ werden sogar ganz gestrichen.


1912

1912

München * Mit dem Wegfall einer restriktiven, die Gewerbeordnung beschränkende „Polizeiordnung“ setzt ein Kinogründungs-Boom ein.

Ab 1912

München * Die 20-jährige Elisabeth Wellano tritt - solo und selbstbewusst - als „Blödsinnkönigin Frl. Lisi“ auf.

ab 1912

München * Karl Valentin stellt seine eigenen „Volkssänger-Ensembles“ zusammen.

Das ist das Ende seines „Ein-Mann-Unternehmens“.


1913

Ab 1913

München * Gustl Annast betreibt bis 1926 das „Varieté Savoy“ im „Hotel Reichsadler“

1913

München * In München gibt es 45 „Lichtspieltheater“.

Zum Vergleich: 1909 waren es nur acht.

26. April 1913

München-Ludwigsvorstadt * Carl Gabriel eröffnet die „Alhambra-Lichtspiele“ an der Lindwurmstraße 124 mit etwa 200 Plätzen.

18. Oktober 1913

München-Hackenviertel * Carl Gabriel eröffnet die Sendlingertor-Lichtspiele mit 680 Plätzen. Der Neubau wird von Jacob Heilmann und Max Littmann geplant und ausgeführt. Es ist das erste Münchner Großkino und das erste Kino mit Balkon.


1914

1914

München-Maxvorstadt * Georg „Papa“ Steinicke im Hinterhof einer Buchhandlung in der Adalbertstraße eine „Volkssänger-Bühne“

1914

München * In München gibt es etwa 800 als „Volkssänger“ gemeldete Personen.

Sie organisieren sich im „Volkssängerverband“, mit eigener Zeitung, Krankenversicherung und Künstlerbörse, organisieren.

Ab August 1914

München-Ludwigsvorstadt * Mit Beginn des Ersten Weltkrieges treten im „Deutschen Theater“ nur noch deutsche Unterhaltungskünstler auf. 


1915

1915

München-Ludwigsvorstadt * Das „Panorama“ an der Theresienhöhe 2a brennt ab.

1915

München-Hackenviertel * Prinzregent Ludwig III. wird mit seiner Gattin Maria Theresia bei ihrem Kinobesuch in Carl Gabriels „Sendlingertor-Lichtspielen“ gefilmt.

Seither ist das Kino „hoffähig“.


1917

1917

München-Graggenau * Constantin Pfrang, genannt „Stanzl“, feiert zusammen mit Hans Blädel im „Café Perzl“ am Marienplatz [heute: „Kaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck“] große Erfolge.

Das „Café Perzl“ bringt immer Neuigkeiten auf den Markt.
Von der ersten in München spielenden „Damenkapelle“ bis zu „Schleier- und Charaktertänzerinnen“ - jedoch immer unter Überwachung der Polizei. 


1918

1918

München-Au * Das Gabriels Lichtspieltheater in der Lilienstraße 2 wird in Museum-Lichtspiele umbenannt.

Seit 1. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Die Revolutionsregierung nutzt das Deutsche Theater bis zum 21. Februar 1919 als Sitz des Parlaments des Volksrates. 


1919

1919<p><strong><em>USA</em></strong> * Im Alter von 13 Jahren, heiratete Josephine McDonald den nur wenig älteren Willie Wells, um sich von ihrer Familie zu befreien. Nur wenige Monate später war diese Ehe schon wieder beendet.&nbsp;</p>
1919

München-Ludwigsvorstadt * Josef Durner gibt den Frankfurter Hof auf. Damit verliert es seine Bedeutung als Volkssänger-Lokal. 

1. April 1919

München-Graggenau * Hermine Körner übernimmt die Leitung des Münchner Schauspielhauses


1920

1920

München-Kreuzviertel * Carl Gabriel eröffnet die „Rathaus-Lichtspiele“ an der Weinstraße 8, Ecke Filserbräu- und Albertgasse mit 670 Plätzen.

1920

München-Ludwigsvorstadt * Hans Gruß wird neuer Leiter des „Deutschen Theaters“


1921

1921<p><strong><em>USA</em></strong> * Josephine McDonald heiratet fünfzehnjährig den Zugbegleiter Willie Baker, dessen Nachnamen sie zeitlebens behält. Auch diese Ehe hält nicht lange.&nbsp;</p>
1921

München-Maxvorstadt„Gabriels Tonbildtheater“ in der Dachauer Straße 16 wird in „Carl Gabriels Lichtspiele“ umbenannt.

1921

München-Milbertshofen„Die Rosenau“, das Gartenlokal in der Schleißheimer Straße 128, wird geschlossen.

Karl Valentin wird das Gartenlokal in seinem Bühnenstück „Das Brilliantfeuerwerk oder ein Sonntag in der Rosenau“ verewigen.

April 1921<p><strong><em>New York</em></strong> * &nbsp;Mit <em>„Shuffle Along“</em> wird das erste erfolgreiche afroamerikanische Musical am Broadway aufgeführt. Nach mehreren Versuchen schafft Josephine Baker die Aufnahme in das Ensemble.&nbsp;</p> <p>Gleich am ersten Abend tanzt sie - zum Ärger ihrer Kolleg*innen - aus der Reihe und improvisiert eine clowneske Tanznummer. Der Manager will ihr umgehend kündigen, doch der Komponist hält ihn davon ab. Und tatsächlich erreicht es Josephine, in fast allen Kritiken positiv erwähnt zu werden. So wird ihr die Aufmerksamkeit zuteil, die sie schon immer gesucht hat.&nbsp;</p>

1922

1922

München-Ludwigsvorstadt * Peter Kreuder, der Schlager- und Filmkomponist, der auch das Lied „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn“ komponiert hat, wird zum „musikalischen Leiter“ des „Deutschen Theaters“

1. Februar 1922

München-Ludwigsvorstadt * Das Komikerpaar Valentin-Karlstadt tritt bis 15. August im Germania-Brettl in der Schwanthalerstraße auf.

9. Dezember 1922

München-Ludwigsvorstadt * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Der Firmling“ im Germania-Brettl in der Schwanthalerstraße 28. Das Stück erlebt 395 Vorstellungen.


1924

1924<p><strong><em>New York</em></strong> * Bei der am Broadway aufgeführten Komödie <em>„Chocolate Dandies“</em> ist Josephine Baker auf der Besetzungsliste als <em>„das bestbezahlte Revuegirl der Welt“</em> aufgeführt. Sie verdient 125 $ in der Woche und tanzt eine Solonummer. Als selbstironischer Clown hat sie sich ein Alleinstellungsmerkmal ertanzt. Mit dieser Revue gelingt ihr auch der erfolgreiche Sprung nach Europa.</p>

1925

2. Oktober 1925<p><strong><em>Paris</em></strong> * Mit ihrem Auftritt im Théâtre des Champs Elysées betritt Josephine Baker die Bühne der Welt als Hauptdarstellerin der <em>„Revue Negre“</em> [= „<em>Negerrevue“</em>]. Das heute - mit Recht - verpönte Wort <em>„Neger“</em> ist damals gang und gäbe. Das Interesse an afrikanischer Kunst [= <em>„Negerkunst“</em>] ist in Paris bereits um 1900 erwacht. Künstler wie Henri Matisse und Pablo Picasso beschäftigen sich damit.</p> <p>Josephine bringt all das auf die Bretter, die die Welt bedeuten, was sich Paris unter <em>„schwarzer Kultur“</em> vorstellt: Sie ist wild, sie ist exotisch, sie ist Afrika. Eine Unterscheidung zwischen afroamerikanisch und afrikanisch wurde auch in Frankreich noch nicht gemacht. Schwarz ist Schwarz und Schwarz ist Afrika.&nbsp;</p>

1926

1926<p><strong>Paris</strong> * Als Josephine Baker im Folies-Bergère mit einem Gürtel aus 16 Plüschbananen über die Bühne fegt, sind ihr die Pariser Männer endgültig verfallen. Ihr schlanker, biegsamer Körper, der exotische Charme, die Verheißung erotischer Abenteuer jenseits von Zivilisation und abendländischer Moral passt genau zu dem nach Amüsement und Ekstase lechzenden Geist der Zwanzigerjahre.&nbsp;</p>
14. Januar 1926<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Josephine Bakers Auftritt im Nelson-Theater am Kurfürstendamm in Berlin löst bei etlichen Zuschauern nicht nur Schnappatmung aus, sondern verleiht - zum Entsetzen konservativer Kreise - auch Jazz und Charleston enorme Popularität. <em>„Berlin, das ist schon toll! Ein Triumphzug. Man trägt mich auf Händen“</em>, schreibt sie später.&nbsp;</p>
1. September 1926

München-Ludwigsvorstadt * Premiere des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Rundfunkszene“, später „Der Antennendraht/Im Senderaum“ im Deutschen Theater in der Schwanthalerstraße 13. Das Stück wird insgesamt 498 Mal aufgeführt.


1927

3. Juni 1927<p><strong><em>Paris</em></strong> * Josephine Baker heiratet den sizilianischen Steinmetz Giuseppe Pepito Abatino, der bereits zuvor künstlerisch in ihren Shows mitgewirkt hat. Abatino gibt sich als Graf Di Albertini aus. Damit trägt Josephine als erste schwarze Amerikanerin aus Publicity-Gründen einen europäischen Adelstitel.</p>

1928

Februar 1928<p><strong><em>Wien</em></strong> * Als Josephine Baker für Februar 1928 einen Auftritt im Wiener Ronacher ankündigt, gehen die Wogen hoch. Eine fast nackte, dunkelhäutige Frau ist für das Wien der 1920er-Jahre zu viel. Die &nbsp;konservativen und katholischen Kreise protestieren, organisieren Aufmärsche und warnen, dass <em>„der schwarze Teufel kommt“</em>.</p> <p>Tageszeitungen sprechen vom <em>„Negerskandal“</em>, Vertreter der katholischen Kirche organisieren Sondergottesdienste zur Buße gegen Bakers <em>„schwere Verstöße gegen die Moral“</em>, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - NSDAP - Wiens protestiert gegen ihre <em>„obszönen“</em> Auftritte und fordert ein Auftrittsverbot.</p> <p>Es wird öffentlich und sogar im Parlament diskutiert, ob man ihren Auftritt nicht verbieten sollte. Ein christsozialer Abgeordneter meint, dass Josephine Baker eine Gefährdung der öffentlichen Moral sei. <em>„Wir können keine pornografischen Tanzaufführungen zulassen.“</em> Worauf ein liberaler Abgeordneter kontert: <em>„Gott hat die Menschen nackt erschaffen. Wenn wir Nacktheit verbieten, kommt das Blasphemie gleich.“</em></p>
1. März 1928<p>Wien * Infolge des öffentlichen Drucks erhält das Ronacher keine Bewilligung für die Josephine-Baker-Show. Der Kompromiss ist, dass Baker ab dem 1. März für sechs Wochen im Johann-Strauß-Theater in der Revue <em>„Schwarz auf Weiß“</em> anstatt in einer Solo-Show auftritt.&nbsp;</p>
5. März 1928<p>Wien * Im <em>„Morgen“</em> ist zu lesen, dass in Erfahrung gebracht wurde, dass <em>„Dr. Jerzabek und Genossen ein Gesetz einzubringen gedenken, wodurch die Nacktarbeit im Bakergewerbe verboten wird.“</em></p>
9. März 1928<p>Wien * Die satirische Zeitung <em>„Götz von Berlichingen“</em> schreibt: <em>„Die Gerüchte, wonach Josephine Baker eine Menschenfresserin sein soll, beruhen auf der tendenziösen und böswilligen Entstellung dermTatsache, daß sie neulich im Café einen Weißen verlangt hat.“</em>&nbsp;</p>
Ab Mai 1928<p><strong><em>Europa</em></strong> * Nicht nur in Wien, sondern auch in Budapest, Stockholm und Zagreb kommt es während Josephine Bakers Europa-Tournee zu zum Teil massiven Protesten. Ihr Kommentar zu solchen Vorkommnissen lautete nur: <em>„Farbige sind nicht genötigt, zu provozieren: Die Zwischenfälle ereignen sich ganz von alleine.“</em></p>

1929

14. Februar 1929<p><strong><em>München</em></strong> * Wegen einer zu erwartenden <em>„Verletzung des öffentlichen Anstands“</em> erteilt die Stadt München der Tänzerin Josephine Baker zwei Tage vor ihrem Engagement im Deutschen Theater ein Auftrittsverbot. Der Grund: Ihr <em>„Bananentanz“</em> verstößt gegen die <em>„guten Sitten“</em>.&nbsp;</p>
16. Februar 1929<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> * Vom 16. bis 20. Februar 1929 soll Josephine Baker im Deutschen Theater auftreten. Zwei Tage vorher wird ihr Auftritt verboten.&nbsp;</p>
3. April 1929

München-Maxvorstadt * Das Apollo-Theater in der Dachauer Straße 19 wird geschlossen.


1930

1930

München-Ludwigsvorstadt * Das „Deutsche Theater“ ist Münchens zweitgrößtes Kino.


1931

2. Februar 1931

München-Schwabing * Karl Valentin stellt den „Antrag zur Erteilung eines Bühnenspielbetriebs im Goethesaal“ in der Leopoldstraße 46a und begründet diesen mit seiner Asthmaerkrankung. Doch selbst ein Künstler wie Karl Valentin muss sich den polizeilichen Vorgaben unterwerfen. Er erhält zwar die Konzession, doch kleinliche behördliche Auflagen zwingen ihn schon bald wieder zur Aufgabe des Lokals.

Die Feuerpolizei will ihm sogar eine wichtige Pointe aus dem Bühnenstück „Im Photoatelier“ zunichte machen. Sie verbietet Karl Valentin, dass das in der Szene vom Gehilfen abgeschnittene glühende Ende der Zigarette, die Valentin verbotenerweise im Atelier raucht, auf den Boden fällt und sich durch seine Rauchentwicklung verrät, was zu Valentins Ausrede führt, es handle sich dabei wohl um ein „Glühwürmchen“.

22. April 1931

München-Ludwigsvorstadt * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Stummfilms „Die beiden Musikal-Clowns“ im „Deutschen Theater“ anlässlich der Tagung des „Reichsverbands Deutscher Lichtspieltheaterbesitzer“

Der Film kommt nie in die Kinos.

26. April 1931

München * In der „Süddeutschen Sonntagspost“ heißt es zu Karl Valentins Scheitern im „Goethesaal“

„Seine Nervenzerrüttung ist in erster Linie auf die zahlreichen, fortgesetzten, paragraphenhaften, kleinlichen Reklamationen zurückzuführen, mit denen die Behörden ihm die Arbeit auf seiner eigenen Bühne erschwerten“.


1933

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.


1934

17. März 1934

München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin beantragt die Konzession für sein „Panoptikum“ in den Kellerräumen des „Hotels Wagner“ in der Sonnenstraße. 

Als Unternehmer gibt er an: „Karl Valentin (Fey) Schauspieler, Liesl Karlstadt (Wellano) Schauspielerin, Eduard Hammer Universitätsplastiker und Gebrüder Wagner, Besitzer des Hotels Wagner“.
Die Illustrationen für das „Panoptikum“ fertigt Ludwig Greiner.

9. April 1934

München * Die „Polizeidirektion“ bewilligt die Konzession für Valentins „Panoptikum“ für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 1934.

21. Oktober 1934

München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin eröffnet in den Kellerräumen des Hotels Wagner in der Sonnenstraße sein Panoptikum, einen Kuriositäten- und Schauerkeller, mit dem angeschlossenen Nachtlokal Die Hölle mit Barbetrieb und Höllenmusik.


1935

1935

München-Ludwigsvorstadt * Weil am „Deutschen Theater“ Stücke von jüdischen Autoren aufgeführt werden, entlassen die Nazis den Theaterleiter Hans Gruß. 

16. November 1935

München-Ludwigsvorstadt * Das „Panoptikum“ Karl Valentins im Hotel Wagner schließt - wegen Erfolglosigkeit - endgültig.


1939

1939

Bayern * Die Zahl der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung in Bayern ist auf rund zwei Millionen, bei 500.000 Betrieben, gesunken. 

Die Gesamtbevölkerung Bayerns ist aber in der Zwischenzeit auf 8,5 Millionen angestiegen, was den Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung auf 25 Prozent drückt.


1943

9. März 1943

München-Ludwigsvorstadt * Bomben zerstören das Deutsche Theater nahezu vollständig. 


1944

Juli 1944

München-Ludwigsvorstadt * Das „Hotel Frankfurter Hof“ wird von Bomben schwer beschädigt, später abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. 


1945

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.


1947

9. April 1947

Steinebach am Wörthsee * Wilhelm Raabe, der später unter seinem Künstlernamen „Tiger Willi“ bekannt gewordene Liedermacher wird in Steinebach am Wörthsee geboren. 


1949

1949

München * Hannes König regt an, bei Fußballspielen in der Halbzeit "Volkssänger" auftreten zu lassen.


1951

21. Dezember 1951

München-Ludwigsvorstadt * Das Deutsche Theater wird nach seinem provisorischen Wiederaufbau als eine Mischung aus Unterhaltungstheater und Festsaal wiedereröffnet. Es steht inzwischen unter städtischer Aufsicht. Neuer Theaterleiter ist Paul Wolz. 


1952

1952

Welt * Weltweit werden Urheberrechte durch ein „Welturheberrechtsabkommen" geschützt.


1953

18. Oktober 1953

München-Angerviertel * Der Weiß-Ferdl-Brunnen am Viktualienmarkt wird in Betrieb genommen.

18. Oktober 1953

München-Angerviertel * Der Karl-Valentin-Brunnen am Viktualienmarkt wird in Anwesenheit von Liesl Karlstadt enthüllt.


1959

1959

München-Schwabing * Hannes König gründet die „Münchner Volkssänger-Bühne“.

Nach verschiedenen Spielorten findet sie in der „Max-Emanuel-Brauerei“ ihren festen Auftrittsort.

Hannes König führt Regie, schreibt Stücke neu oder um und entwirft sowie gestaltet die Bühnenbilder. 


1961

1961

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die Turmschreiber vergeben im Turmstüberl des Valentin-Musäums erstmals ihren Poetentaler

1961

München-Ludwigsvorstadt * Kurt Plapperer wird stellvertretender Geschäftsführer des „Deutschen Theaters“


1964

1964

München * Hannes König gründet zusammen mit Gurdun Köhl die „​Münchner Volkssängerbühne".


1965

9. September 1965

Bonn * Das Gesetz über das Urheberrecht und Verwandte Schutzrechte wird erlassen. Es löst das Urheberrecht aus der Zeit des Nationalsozialismus ab, das dem Urheber nur mehr als „Treuhänder des Werks für die Volksgemeinschaft“ betrachtet hatte.


1966

1966

München-Ludwigsvorstadt * Kurt Plapperer übernimmt die Leitung des „Deutschen Theaters“

Er und sein Sohn Heiko Plapperer-Lüthgard verändern das Programm stark in Richtung internationale Musicals. 


1967

1967

München-Graggenau - München-Angerviertel * Das „Valentin-Musäum“ vergibt den „Blödsinnstaler“.  

Prämiert wird der „größte Blödsinn des Jahres“


1975

8. April 1975<p><em><strong>Paris</strong></em> * Josephine Baker feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Kurze Zeit später erleidet die Tänzerin, Sängerin und Entertainerin eine Gehirnblutung, an deren Folgen sie vier Tage später, am 12. April 1975, in Paris stirbt.</p>

1978

1978

München-Ludwigsvorstadt * Das „Deutsche Theater“, erbaut 1896, im Krieg stark zerstört und in den 1950er Jahren relativ einfach wieder aufgebaut, wird für 54 Millionen DMark generalsaniert. 

Die Arbeiten werden bis 1982 andauern. 


1983

1983

München * Der „Turmschreiber-Kalender“ erscheint jährlich. 


1989

11. Oktober 1989

München * Hannes König, der Gründer des Valentin-Musäums, stirbt. An seinem Grab spielt man die Internationale. Gudrun Köhl leitet das Valentin-Karlstadt-Musäum bis zum 1. November 2004 weiter.


1993

1993

München * Der „Turmschreiber-Verlag“ wird gegründet. 


1994

1994

München-Graggenau - München-Angerviertel * Im Valentin-Musäum wird wieder einmal der Blödsinnstaler für den größten Blödsinn des Jahres vergeben. Es ist der „Gebissersatz Marke Seehofer“ - ein Fleischwolf, der die Speisen so zerkleinert, dass sie auch ohne Zähne verspeist werden können. 


2000

2000

München-Ludwigsvorstadt * Der Stadtrat will wissen, wie es um das „Deutsche Theater“ steht. 

Rund zwei Dutzend Experten begutachten in der folgenden Zeit nahezu jeden Winkel des Gebäudes.


2003

April 2003

München-Ludwigsvorstadt * Die Untersuchungsergebnisse zum „Deutschen Theater“ werden den Stadträten vorgelegt. 

Das „Wirtschaftsreferat“ berechnet die Kosten für die notwendige Sanierung mit 138 Millionen Euro und empfiehlt aufgrund der „unfinanzierbaren Kosten“, das Theater zu schließen.
Innerhalb kürzester Zeit werden 60.000 Unterschriften zum Erhalt des „Deutschen Theaters“ gesammelt. 

Auch Oberbürgermeister Christian Ude will das „Deutsche Theater“ dicht machen, doch das Theater und seine Freunde kämpfen dagegen, schlagen günstigere Alternativen vor, auch einen Neubau.
Doch der kommt aus rechtlichen Gründen nicht in Frage.

Dezember 2003

München-Ludwigsvorstadt * Der Stadtrat beschließt, vier Millionen Euro für die Notsanierung des „Deutsche Theaters“ zur Verfügung zu stellen, um dort bis Ende 2007 spielen zu können und in der Zwischenzeit einen privaten Investor zu finden.

Doch alle Verkaufspläne zerschlagen sich.
Es wird klar, die Stadt müsste ihre Bühne herschenken und einem Käufer für die Sanierung sogar noch 30 Millionen Euro drauflegen.


2004

1. November 2004

München-Graggenau - München-Angerviertel * Sabine Rinberger folgt Gudrun Köhl als neue Direktorin des Valentin-Karlstadt-Musäums. 


2007

14. Februar 2007

München-Ludwigsvorstadt * Der Stadtrat lehnt das letzte Kaufangebot der „Musicalfirma Stage Entertainment“ ab und entscheidet: 

München behält das „Deutsche Theater“ und renoviert es.


2008

Mai 2008

München-Ludwigsvorstadt * Die vom Stadtrat gebilligte „Mindestsanierung“ für das „Deutsche Theater“ soll 79,5 Millionen Euro kosten, inklusive Risikoreserve.

Später wird das Budget wegen der Preisentwicklung auf 86 Millionen Euro aufgestockt.
Bis zum Herbst 2011 soll alles fertig sein.

24. Juli 2008

München-Graggenau * Mit einem Festakt im Innenhof des Isartors wird das völlig neu gestaltete Valentin-Karlstadt-Musäum eröffnet. 

Um August 2008

München-Ludwigsvorstadt * Die Bühnentechnik und die Inneneinrichtung im „Deutschen Theater“ werden abgebaut. 

Die „Asbestsanierung“ beginnt. 

Oktober 2008

München-Ludwigsvorstadt - München-Fröttmaning * Anders als bei den vorhergehenden Sanierungen ruht der Theaterbetrieb im „Deutschen Theater“ nicht.

Das Unternehmen zieht während der Zeit der Sanierung in ein riesiges „Theaterzelt“ nahe der Fröttmaninger „Fußballareana“.
Das Exil soll bis Ende 2011 dauern. 

Diese Übergangslösung ist allerdings sehr teuer.
Allein die Zeltmiete kostet im Jahr gut zwei Millionen Euro.
Und weil am Anfang nicht genug Publikum kommt, schreibt das Theater Verluste.  


2009

Juni 2009

München-Ludwigsvorstadt * Erstmals wird öffentlich darüber gesprochen, dass die Sanierungsarbeiten am „Deutschen Theater“ länger als geplant dauern werden. 

Der Grund sind Arbeiten am Fundament, das tiefer in die Erde reichen könnte, als von den Genehmigungen gedeckt.
Die Sache ist heikel, weil unter dem Theater die U-Bahn verläuft.

Dezember 2009

München-Ludwigsvorstadt * Die Rohbauarbeiten am „Deutschen Theater“ beginnen. 

Schon bald tauchen die ersten Probleme und Überraschungen auf, von denen trotz intensiver Begutachtung niemand wusste: ein unbekanntes Kellergewölbe, Pilzbefall oder statische Probleme.
All das kostet Zeit und Geld.


2010

November 2010

München-Ludwigsvorstadt * Die Wiedereröffnung des „Deutschen Theaters“ ist nun für Oktober 2012 geplant.
Doch auch dieser Termin ist nicht sicher. 

Zur Not muss das Theater halt bis April 2013 in seinem Zelt bleiben, heißt es in einem Papier der Stadtverwaltung.
Theater-Chef Werner Steer braucht aber einen klaren Umzugstermin, „denn wir müssen die Eröffnungsproduktion bereits jetzt planen“


2011

Mai 2011

München-Ludwigsvorstadt - München-Fröttmaning * Nun wird der Umzugstermin für das „Deutsche Theater“ im April 2013 offiziell. 

Die Stadtverwaltung genehmigt weitere zwei Millionen Euro für den längeren Zelt-Betrieb in Fröttmaning.

August 2011

München-Ludwigsvorstadt * Ein Schwelbrand im Dachstuhl des gerade sanierten „Deutschen Theaters“ wird den geplanten Umzugstermin nicht verzögern. 

Oktober 2011

München-Ludwigsvorstand * Nach einer Sitzung des „Aufsichtsrates des Deutschen Theaters“ lässt dessen Chef Hep Monatzeder wissen, dass man „sehr unzufrieden“ ist mit der Leistung der Architekten und Projektsteuerer. 

Doch eine Auswechslung der Verantwortlichen für die Baustelle will bei dem Stand des Verfahrens keiner mehr.

Deutlich wird, dass die 86 Millionen Euro nicht reichen werden.
Außerdem ist die geplante Wiedereröffnung im Frühjahr 2013 sehr ungewiss.
Womöglich wird der Umzugstermin erst im Oktober 2013 stattfinden. 


2012

März 2012

München-Ludwigsvorstadt * Die Rohbauarbeiten im „Deutschen Theater“ sind abgeschlossen, der Innenausbau läuft.

Klar ist inzwischen, dass die Wiedereröffnung nicht vor Herbst 2013 stattfinden wird.

15. Mai 2012

München-Graggenau - München-Angerviertel * Im Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums gründet sich der „Valentin-Karlstadt-Förderverein e.V. * SAUBANDE“. Seine Aufgaben sieht er in der „Wahrung, Stärkung und Verbreitung des Ansehens und des Wissens über Karl Valentin, Liesl Karlstadt und den Münchner Volkssängern“.

Juli 2012

München-Ludwigsvorstadt * Bürgermeister Hep Monatzeder bestätigt, dass die Sanierung des „Deutschen Theaters“ mindestens 94 Millionen Euro kosten wird.

Doch eine solche Kostensteigerung ist - nach seinen Worten - nicht ungewöhnlich für Altbauten.
Das renovierte Haus soll nun im Juni 2013 spielfertig übergeben werden.

18. September 2012

München-Ludwigsvorstadt * In einer Aufsichtsratssitzung sagen die Fachleute, der Termin Juni 2013 für die Wiedereröffnung des Deutschen Theaters ist „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht zu halten. Das Deutsche Theater muss daraufhin einen unterschriftsreifen Vertrag für ein großes Musical wieder platzen lassen.

Als offizielle Gründe für die neuerliche Verzögerung werden angegeben: „die Komplexität des Bauvorhabens, Anpassung von Vertragsterminen, Wechsel von Firmen und Ausführungsdefizite“. Inklusive Zeltmiete wird die Sanierung mehr als 100 Millionen Euro kosten.

27. September 2012

München-Isarvorstadt * Dem Chef des Deutschen Theaters, Werner Steer, platzt in einem Interview der Süddeutschen Zeitung der Kragen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die für die Sanierung Verantwortlichen und fordert - ohne Namen zu nennen - Konsequenzen. „Irgendwas muss jetzt passieren, ein Signal. Irgendeiner muss den Hut nehmen, und nicht der Pförtner, einer von denen, die Verantwortung tragen“.


2013

23. März 2013

München-Ludwigsvorstadt * Der Vorverkauf für die Aufführungen im neu renovierten „Deutschen Theater“ für Januar 2014 beginnen.

17. November 2013

München-Maxvorstadt * Im Volkstheater findet die zweite SAUBANDE-Matinée statt. 


2014

17. Januar 2014

München-Ludwigsvorstadt * Das Deutsche Theater wird nach fünfjähriger Renovierungszeit mit einem „gigantischen Fest“ durch die Münchner Philharmoniker wiedereröffnet.

25. Januar 2014

München-Ludwigsvorstadt * Im Deutschen Theater beginnt mit dem Eröffnungsball „Hoch hinaus!“ die Faschingssaison mit 16 Bällen. 

19. März 2014

München-Ludwigsvorstadt * Mit dem Leonard Bernsteins Klassiker „West Side Story“ wird der Musical-Betrieb im Deutschen Theater wieder aufgenommen. Das Musical hatte 1961 seine Europa-Premiere im Deutschen Theater.

25. Juni 2014

München-Ludwigsvorstadt * Nach der Vorstellung von „The Wiz“ löst sich die Sprinkleranlage in neu renovierten Deutschen Theater aus ungeklärten Gründen aus. Es entstehen große Schäden an der Bühnentechnik, weshalb die fünf Produktionen The Wiz, Ewig jung, Dylan, Alice und Der kleine Drache Kokosnuss ersatzlos gestrichen werden. 

29. Juli 2014

München-Ludwigsvorstadt * Das nach einem Wasserschaden geschlossene Deutsche Theater wird mit dem „Alvin Ailey American Dance Theater“ wiedereröffnet. 


2015

22. November 2015

München-Maxvorstadt * Der Valentin-Karlstadt-Förderverein SAUBANDE veranstaltet im Münchner Volkstheater seine vierte Matinée. 

Mit dabei sind: 


2018

11. März 2018

Steinebach am Wörthsee * Der unter seinem Künstlernamen „Tiger Willi“ bekannte Liedermacher Wilhelm Raabe stirbt kurz vor seinem 71. Geburtstag (9. April). 

11. November 2018

München-Maxvorstadt * Zum siebten Mal veranstaltet die SAUBANDE, der Valentin-Karlstadt-Förderverein, eine Benefiz-Matinée im Münchner Volkstheater. Es treten auf:

 

Die namhaften Künstlerinnen und Künstler geben ihr Bestes, garniert mit valentinschen Spitzen. 


2021

30. November 2021<p><strong><em>Paris</em></strong> * Josephine Baker erhält als erste schwarze Frau einen Platz im Pariser Panthéon. Nach der Entscheidung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden die Gebeine der Afroamerikanerin in den Pariser Ruhmestempel überführt, wo die Großen der Nation ruhen.</p>