Fakten



Um den 25. Dezember 354

Papst Liberius verlegt Christi Geburt auf den 25. Dezember

Rom * Papst Liberius verlegt das Fest Christi Geburt vom damals üblichen Termin, dem 6. Januar, auf den 25. Dezember. An diesem Tag feiert man im Römischen Reich den Tag der unbesiegbaren Sonne. Ein Fest zu Ehren von Mithras. Damit tritt die Geburt Christi an die Stelle eines heidnischen Festes.

An diesem Tag wird das Weihnachtsfest in der westlichen Welt noch heute gefeiert, im Gegensatz zur orthodoxen und orientalischen Kirche, die Weihnachten an Epiphanie [= 6. Januar] begeht.

25. Dezember 800

Karl der Große wird in Rom zum Kaiser gekrönt

Rom * Karl der Große wird von Papst Leo III. in Rom zum Kaiser gekrönt. 

962

Papst Johannes XII. krönt Otto I. „den Großen“ in Rom zum Kaiser

Rom * Papst Johannes XII. krönt den römisch-deutschen König Otto I. „der Große“ in Rom zum Kaiser. 

Seitdem besteht eine unverbrüchliche Verbindung zwischen den beiden Funktionen.  
Der deutsche König versteht sich automatisch als Anwärter auf das Kaisertum.  
Der Papst gilt als der richtige „Koronator“ für den Papst.  

Damit entsteht eine besondere Beziehung zwischen dem römisch-deutschen König und dem Papst.  

Die Päpste werden im Umkehrschluss  

  • ihr Recht ableiten, die Eignung des zukünftigen Kaisers zu überprüfen und  
  • auf die Erhebung zum deutschen König Einfluss zu nehmen. 

1048

Der letzte Baier auf dem Papstthron

Rom-Vatikan * Der letzte Baier auf dem „Stuhl Petri“ ist Poppo von Brixen, der sich Damasus II. nennt und nach wenigen Wochen im Amt stirbt.

März 1095

Byzanz bittet Papst Urban II. um Unterstützung

Rom * Papst Urban II. wird von einer Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Alexios I. um Hilfe gegen die türkischen Seldschuken gebeten.

Diese haben das Byzantinische Reich im Sturm erobert und kommen der Hauptstadt Konstantinopel bedrohlich nah.

Ab August 1095

Papst Urban II. reist 3.000 Kilometer durch Frankreich

Frankreich * Zwischen August 1095 und September 1096 unternimmt der damals etwas über sechzig Jahre alte Papst Urban II. eine mehr als dreitausend Kilometer lange Reise durch Frankreich.

Er wird dabei von einer Eskorte von Erzbischöfen und Bischöfen begleitet. Man nimmt an, dass die im Gefolge angeschlossenen Haushalte den Zug auf mehrere Kilometer anwachsen ließen.

Die Reiseroute ist zuvor so festgelegt worden, dass das Eintreffen des Papstes in den Städten mit den Ehrentagen wichtiger Schutzpatrone zusammenfällt.

Ab 18. November 1095

Papst Urban II. ruft zur Vertreibung der Türken aus Kleinasien auf

Clermont * Ein Höhepunkt der Reise ist das Konzil, das bis zum 27. November 1095 in der Hauptkirche von Clermont tagt. Unter dem Vorsitz des Papstes werden finanzielle und organisatorische Angelegenheiten der französischen Kirche abgearbeitet.

Am Ende des Konzils hält das Kirchenoberhaupt auf einem Feld vor der Stadt eine Rede, in der es den anwesenden Rittern und Klerikern zunächst die Ergebnisse des Konzils darlegt, danach gegen den Kaiser und den Gegenpapst wettert und anschließend die Befreiung der Kirche von aller weltlichen Gewalt fordert.

Schließlich ruft Papst Urban II. die Anwesenden zum Kriegszug zur Vertreibung der Türken aus Kleinasien auf. Als die Menge die päpstliche Predigt am Ende begeistert mit den Worten „Deus le volt - Gott will es!“ quittiert, bestimmt der oberste Kirchenmann, dass dies der Schlachtruf sein soll.

Ab Dezember 1095

Papst Urban II. kann die Emotionen seiner Zuhörer wecken

Frankreich * Auf seiner weitere Reise wird der Papst nicht müde zu betonen, dass die Teilnehmer an diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen einen „Befreiungskrieg gegen die muslimische Tyrannei“ führen, bei dem es einerseits um die Befreiung der christlichen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern und andererseits darum geht, „das Heilige Grab aus den Händen der Heiden zu befreien“.

Zur „Beruhigung des Gewissens“ versichert der Papst seinen Zuhörern, dass das Unternehmen eine Umsetzung „christlicher Barmherzigkeit“ ist, bei dem die „Kreuzfahrer“ ihr Leben aus Liebe zu Gott und „zu ihrem Nächsten“ aufs Spiel setzen werden. Die noch fast ein Jahr andauernde „Predigtreise“ spielt eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der Menschen.

Der alternde Papst versteht es hervorragend, die Emotionen seiner Zuhörer zu wecken. Papst Urban II. nimmt für sich in Anspruch, im Namen Jesu Christi zu sprechen.

März 1096

Die ersten „Kreuzfahrer-Kontingente“ machen sich auf den Weg

Frankreich * Von einer Woge populärer Begeisterung getragen, machen sich - gegen dem Wunsch des Papstes - die ersten „Kreuzfahrer-Kontingente“ auf den Weg.

Die meisten dieser „Kreuzzugs-Pilger“ stammen überwiegend dem einfachen Sozialmilieu des Bauernstandes und der Städte. Viele von ihnen verkaufen ihre geringe Habe, um die Reise nicht völlig ohne Barschaft antreten zu müssen. Wegen des dadurch entstandenen Überangebots fallen die Preise dramatisch, sodass sich der Verkauf oft kaum mehr lohnt. Andere lassen einfach alles liegen und stehen und schließen sich einem „Pilgerzug“ in den „Nahen Osten“ an.

In den nächsten sechs Jahren folgen etwa 130.000 Frauen und Männer ihrem Beispiel. Aus dem Stand des Adels und der Ritter kommen kaum zehn Prozent der „Kreuzfahrer“. Allerdings übernimmt diese Gruppierung die Führerschaft und - neben den sie begleitenden Priestern - die Verantwortung für die nachfolgend beschriebenen „Judenpogrome“. Nach den Beweggründen für die Teilnahme an den „Kreuzzügen“ zu suchen ist müßig. Sie sind nicht rational sondern ideologisch begründet. Die meisten, die den Aufrufen der Päpste folgen, bereuen später ihr - in einer durch „Predigt und Propaganda“ bewusst ausgelösten Atmosphäre religiöser Hysterie - abgelegtes „Gelübde“.

Die meisten dieser am sogenannten „Vor-Kreuzzug“ beteiligten „Pilger“ kommen nicht weiter als bis zum „Balkan“. Besteht für die Kirche die Rechtfertigung für den „ersten Kreuzzug“ in der „Besetzung Jerusalems“ durch die „Muslime“, so entfesselt die „Kreuzzugsbewegung“ aber auch gewalttätige Emotionen in eine andere Richtung.

Viele der christlichen „Kreuzfahrer“ nehmen, bevor sie sich überhaupt ins „Heilige Land“ aufmachen, erst einmal Rache an den „Juden“, die - nach ihrer Auffassung - für die „Kreuzigung des Heilands“ verantwortlich sind. Die aus einfachsten Verhältnissen stammenden Kriegsteilnehmer haben bis dahin ein sehr bescheidenes Dasein gefristet und setzen nun als „Wagemutige“ ihre Existenz aufs Spiel. Und dass etliche „Juden“ durch ihre Geschäfte reich geworden sind, steht im krassen Gegensatz zur „kirchlichen Doktrin“, wonach die „Juden“ als Strafe und Zeugnis für den ihnen zur Last gelegten „Gottesmord“ sichtbar in „Knechtschaft unter den Christen“ leben sollen - und nicht umgekehrt. Da die „Kreuzfahrer“ ihr gegen die „Muslime“ gerichtetes „Feindbild“ und die damit verbundenen Aggressionen problemlos auch gegen die „Juden“ anwenden können, entsteht eines der dunkelsten Kapitel in der eh schon so grausamen „Kreuzzugs-Geschichte“.

10. April 1096

Die „Kreuzfahrer“ drohen den „Juden“ mit einem „Massaker“

Trier * In Trier gestaltet sich das Zusammenleben der „Juden“ und der „Christen“ bislang weitgehend friedlich.  

Doch jetzt drohen die „Kreuzfahrer“ den „Juden“ mit einem „Massaker“, wenn sie nicht auf ihre Geldforderungen eingehen. 

In ihrer Todesangst geben ihnen die „Juden“ alles, was sie haben.
Daraufhin ziehen die „Kreuzfahrer“ weiter, doch kommt dann der zweite Trupp und verlangt ebenfalls Geld und Wertsachen.
Die „Juden“ kratzen den Rest zusammen und geben es hin.
Der Trupp zieht ab und schon bald kommen die nächsten „Kreuzfahrer-Kontingente“, die zum Teil auch mit „Bürgern“ der Städte und den „Landbewohnern“ gemeinsame Sache machen.

Nun haben die „Juden“ nichts mehr, weshalb fundamentalistische Geistliche in den Reihen der „Kreuzfahrer“ die Losung ausgeben:
„Wer einen Juden erschlägt, dem werden seine Sünden vergeben“.

Berufen können sie sich auf den Abt des Klosters, aus dem auch Papst Urban II. stammt, Pierre de Cluny. 
Sein Leitspruch lautet: 
„Es ist sinnlos die Feinde unseres Christenglaubens in der Fremde zu bekämpfen, wenn diese Juden, die schlimmer als die Muslims sind, in unseren Städten ungestraft unseren Herrn Jesus Christ beleidigen dürfen“

Insgesamt kommen anlässlich des „Ersten Kreuzzuges“ mindestens 2.500 Angehörige der deutschen „Judengemeinden“ ums Leben.
Nur wer sich nach christlichem Ritus „taufen“ lässt, kann sein Leben retten.
Viele „Juden“ ziehen allerdings der „Zwangstaufe“ den „Freitod“ vor.

Ende Mai 1096

Die „Pilger“ des „Vor-Kreuzzuges“ hinterlassen eine blutige Spur

Ungarn - Griechenland - Naher Osten * Die „Pilger“ des „Vor-Kreuzzuges“ überqueren die ungarische Grenze.

Sie bedrohen inzwischen alle, die sich anders verhalten als die „Kreuzfahrer“. Egal ob „Muslime“, „Juden“ und bald auch „griechisch-orthodoxe Christen“. Die „Kreuzfahrer“ überfallen und töten eben jene „Christen“ zu deren Beistand sie der Papst ins „Heilige Land“ entsandt hat.

Und es sind ausgerechnet die „Türken“, die den „orthodoxen Christen“ beistehen, die „Kreuzfahrer“ besiegen und den „Vor-Kreuzzug“ beenden.

1113

Papst Paschalis II. erkennt das „Hospital des heiligen Johannes“ an

Jerusalem * Papst Paschalis II. erkennt das „Hospital des heiligen Johannes“ in Jerusalem an.

1135

Papst Innocenz II. unterstützt die „Tempel-Ordensritter“

Rom-Vatikan * Papst Innozenz II., ein ehemaliger „Zisterziensermönch“ und Schüler von Bernhard von Clairvaux, treibt die Gründung von „Bruderschaften“ zur finanziellen Unterstützung der „Templer“ voran.

1139

Papst Innozenz II. erklärt „trennende Ehehindernisse“ für Priester

Rom-Vatikan * Papst Innozenz II. erklärt die „Spende der Weihen“ zu einem „trennenden Ehehindernis“.  

Damit können verheiratete Männer nur noch dann zu Priestern geweiht werden, wenn sie ihre Frau durch Ablegung eines „Keuschheitsgelübdes“ freigibt.  

Für die Erlangung der „Bischofswürde“ ist sogar der Eintritt der Ehefrau in ein Kloster Voraussetzung. 

1139

Die „Tempel-Rittern“ erhalten eine umfangreiche „Ordensregel“

Rom-Vatikan * In der Bulle „Omne datum optimum“ gibt Papst Innozenz II. den „Tempel-Rittern“ eine umfangreiche „Ordensregel“, die mit Ergänzungen im Jahr 1230 und 1260 auf insgesamt 678 Artikel anwachsen wird.

Durch die „päpstliche Bulle“ werden die „Tempelherren“ als „extemt“ erklärt, also aus dem kirchlichen Gesamtorganismus heraus genommen.
Sie sind damit die erste Gemeinschaft von „Rittermönchen“, die jeglicher „bischöflicher Jurisdiktion“ entnommen und alleine und direkt dem „Heiligen Stuhl“ unterstellt sind.

Er erklärt die „Templer“ auch zu „Vorkämpfer der Christenheit“ und hebt sie damit über alle anderen „Orden“

Dadurch nehmen die „Templer“ in der Gesamtkirche eine elitäre Ausnahmestellung ein, die von den Folgepäpsten fortgeschrieben und durch eine Vielzahl von „Privilegien“ erhärtet wird. 

So darf kein Kirchenmann oder Laie, lediglich der „Templer-Meister“ mit Zustimmung des „Kapitels“, die „Ordens-Statuten“ ändern. 
Das Recht der „Tempel-Ritter“ eigene „Priester“ zu haben, wird in der „Bulle“ ebenso festgeschrieben wie die „Freistellung vom Zehent“.

Die „Templer-Kapläne“ sind berechtigt „Spenden“ zu sammeln, um „Almosen“ zu bitten und einmal im Jahr in jeder Kirche die „Kollekte“ für sich zu behalten.

Einmal jährlich dürfen sie in den unter „Interdikt“, dem „Verbot gottesdienstlicher Handlungen“, gestellten Regionen die „Messe“ halten.

Die Kirche macht - nicht nur aus Sicht der „Templer“ - viel zu viel Gebrauch von dieser Strafmaßnahme, die darauf abzielt, jede religiöse Aktivität, ob das nun Messen oder die Segnungen der Sakramente sind, in einer Ortschaft, einer Region oder einem ganzen Königreich zeitweilig zu verbieten. Damit wollen die Kirchenmänner die Sünden eines Herren, einer Gemeinde oder eines Königs bestrafen.

Gottesdienste, die in solchen vernachlässigten und teilweise auch vollkommen ungerechtfertigt bestraften Regionen abgehalten werden, ziehen freilich viele Gläubige an und bringen schon deshalb außergewöhnlich hohe Einnahmen von „Almosen und Opfergaben“.

Darüber hinaus dürfen die „Tempelherren“ eigene „Kirchen und Friedhöfe“ besitzen, worin sie auch „Exkommunizierte“ beerdigen können, was ihnen häufig großzügigst gedankt wird.

Schließlich ergänzt Papst Coelestin II. die „Privilegien der Templer“ indem er die „Ritter-Brüder“, ihre „Vasallen“ und „Grundholden“ von den durch die Bischöfe ausgesprochenen „Exkommunizierungen“ und „Interdikten“ als ausgeschlossen erklärt.
Dies geschieht sehr zum Ärgernis des „Weltklerus“ und vergiftet das eh schon angespannte Verhältnis zwischen dem „Ritterorden“ und den „Weltpriestern“.

Dennoch hält der „Heilige Stuhl“ beständig seine „schützende Hand“ über die „geistlichen Ordensritter“ und stellt die gewährten „Privilegien“ nie in Frage.

Seit Hugo von Payns den „Tempelherren“ seine Besitzungen schenkte, folgte jeder, der in den „Orden“ eintritt oder sich ihm anschloss, diesem Beispiel.

Durch Schenkungen von Land und Vermögen sind die „Ordensritter“ sehr schnell reich geworden.
Und nachdem heimgekehrte „Kreuzfahrer“ Wunderdinge über das „Heldentum der Templer“ berichten, führt dies in ganz Europa zu einer großzügigen Spendentätigkeit für die Ordensgemeinschaft.

1140

Das umfangreiche Imperium der „Tempel-Ordensritter“

Paris * Die „Templer“ besitzen ausgedehnte Ländereien in Frankreich, England, Schottland, Spanien, Portugal, Flandern, Italien, im Deutschen Reich, Ungarn und in der Levante.

Geschenkt wird ihnen vor allem für die „Ablösung von Sünden“ sowie das „Seelenheil“ des Spenders und seiner Angehörigen.
Durch Tausch, Verkauf und Erwerb optimieren die „Templer“ die Ertragslage ihrer „Schenkungen“ zu wirtschaftlich lukrativen Gebilden.

Da ihre Besitzungen hohe Renditen erwirtschaften, fließen dem „Ritterorden“ daraus reichliches Einkommen zu.
Viele ihrer landwirtschaftlichen Gründe haben sie verpachtet.

Nur wenn sich die Ertragslage der Böden wirklich rentiert, dann bearbeiten sie diese auch in „Eigenbewirtschaftung“.
Dafür holen sie sich eigens qualifizierte Spezialisten.
In Spanien und auf den Balearen beschäftigen die „Tempelherren“ dafür sogar geschickte „Muslime“.

Durch ihren Kontakt zur jüdischen und islamischen Welt sind die „Tempelherren“ recht weltoffen und für neue Wissenschaften und Ideen empfänglich geworden.
Der „Orden“ besitzt die „fortschrittlichste Technologie“ der Zeit: im Bereich der „Landwirtschaft“, des „Vermessungswesens“, des „Straßenbaus“ und der „Schifffahrt“.

Die „Templer“ veranlassen die „Bewässerung des Rio-Cinca-Tales“ in Aragón, den Bau eines Mühlensystems an der Aude und die Einführung des vierjährigen Fruchtwechsels in der Normandie.
Mit „Mühlen“ lässt sich ebenso viel Geld verdienen wie mit dem „Weinanbau“ in Portugal.
Der Wein wird bis nach England verkauft.

Auch die „Templer-Schiffe“ bringen einen erheblichen Gewinn.
Den „Ordensrittern“ gehören eigene Häfen, Werften und Schiffe.
Sie sind die Ersten in Europa, die mit einem Magnetkompass ausgestattet sind.

Selbst die der europäischen weit überlegene arabische Medizin ist den „Templern“ nicht fremd.
In den Krankenhäusern des „Ordens“ kommen moderne Prinzipien wie „Hygiene“ und „Sauberkeit“ zum Tragen und sogar das Wissen um die „antibiotische Wirkung von bestimmten Pilzen“ ist vorhanden.

Die „Tempelherren“ sind also keineswegs reine „Haudraufs“.
Neben ihren kriegerischen, politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten betreiben sie auch noch Geldgeschäfte.

Sie sind die einzigen Christen, die aufgrund eines weiteren päpstlichen Privilegs Geld gegen Zinsen verleihen dürfen.
Dadurch können sie einen gewaltigen Reichtum anhäufen.

Und da, um seine Wertgegenstände aufzubewahren, nichts so sicher und unverletzlich ist wie ein „gottgeweihtes Haus“ und nichts mehr Vertrauen erweckt als die „Templer-Burgen“, die von hohen Mauern geschützt, von „Ritter-Mönchen“ verteidigt vor jedem Angriff sicher scheinen, dienen diese bald als Tresore für Kostbarkeiten von weltlichen und geistlichen Herren.
Sie werden zu „Depots“ für Wertgegenstände, Schmuck und Geld, die den Grundstock des immer noch gesuchten „Templerschatzes“ bilden.

Die „Templer“ verwalten die „Depots“ ihrer Kunden, die damit über ein „laufendes Konto“ verfügen.
Sie können Geld abheben, Zahlungen durch einen simplen Brief an den „Schatzmeister“ entrichten und erhalten darüber hinaus drei Mal jährlich einen „Kontoauszug“ zugeschickt.

Zu jedem trogähnlichen Geldschrank gibt es, ähnlich wie bei den heutigen „Bankschließfächern“, zwei verschiedene Schlüssel.
Je einen für den „Hüter der kirchlichen Kostbarkeiten“ und dem „Depotinhaber“.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Depots der „Templer“ absolut sicher, da geldgierige Herrscher nur ganz selten ihre Finger nach ihnen ausstrecken.

So können sich die Niederlassungen der „Templer“ in Europa und im Nahen Osten zu „Zentren des Finanzwesens“ entwickeln und das „Pariser Ordenshaus“, der „Temple“, zum „europäischen Finanzzentrum“.
Der König von Frankreich vertraut beispielsweise im 13. Jahrhundert seine „Kronjuwelen“ der Obhut der „Pariser Templer“ an.

Die Finanzspezialisten der „Tempelherren“ führen bald fortschrittliche Techniken im „Kreditwesen“ und in der „Buchführung“ ein.
Sie entwickeln den „bargeldlosen Zahlungsverkehr“ und führen den „Wechselbrief“ und den „Scheck“ in Europa ein.

Wer also in einem „Ordenshaus“ eine Summe einzahlt, kann sie nach Vorlage der „Kassenanweisung“ in einer weit entfernten „Komturei“ wieder in Empfang nehmen.
Der „Orden“ kassiert dafür lediglich Gebühren und verdient an den Zinsen.
Doch wird dadurch der risikoreiche Transfer von Münzgeld fast völlig entbehrlich.

Neben der einfachen Vermögensverwaltung für Dritte betreibt der „Templer-Orden“ auch „Geldleihe“, wodurch er die eigenen Gelder und die ihnen durch Dritte anvertrauten Einlagen arbeiten lässt.
Alle „Klöster“ und „Konvente“ fungieren deshalb als „Leihkasse“.

An Bauern verleihen die „Templer“ kleinere Summen, damit diese einen Engpass überbrücken können, Kaufleuten geben sie größere Kredite.
Als Sicherheit ziehen sie Grundbesitz heran.
Gibt es bei der Rückzahlung des Kredits Probleme, dann halten sie sich an den Ländereien des „Schuldners“ schadlos.

Zwar passen die Finanzaktivitäten des „Templer-Ordens“ nicht zu ihrer religiösen Berufung, es ist aber die allgemein den „Ritterorden“ aufgetragene Mission, die sie auch in diesem Bereich tätig werden lassen.
Auch die „Johanniter“, der „Deutsche Orden“ und selbst die traditionellen „Mönchsorden“ betätigen sich ähnlich, allerdings auf einer wesentlich niedrigeren Stufe.

Um im Orient überleben zu können, muss der „Templer-Orden“ über umfangreiche Finanzmittel verfügen und all seine Einkünfte weitestgehend in Geld verwandeln.
Sie kaufen dazu auf Märkten und Messen möglichst viele Rechte und Monopole, die ihnen wiederum Einnahmen sichern.

So wird zum Beispiel das ausschließliche „Wiegerecht“, das der „Orden“ vom Grafen der Champagne erwirbt, sehr zu Ungunsten der dort ansässigen Bürger vereinnahmt.
Von dem eingenommenen und erwirtschafteten Verdienst gehen anfangs ein Drittel an die Häuser im Orient. Später werden die Abgaben auf ein Zehntel reduziert.

Aus abendländischer Sicht entsteht immer wieder der Eindruck, als hätten die Männer und Frauen aus dem Westen die Kultur in den „Nahen Osten“ gebracht.
Genau das Gegenteil ist richtig.

Die arabischen Reiche sind den Christen nicht nur militärisch, sondern auch in ihrer Kultur weit überlegen.
Dort im Osten ist das geistige Erbe der Griechen und Römer bewahrt und weiterentwickelt worden.
Geniale Mathematiker und Astronomen sowie geschickte Kaufleute kommen von dort her.

Die Araber haben ein Zahlensystem entwickelt: die arabischen Ziffern, die wir heute noch verwenden.
Eine der wesentlichen Neuerungen besteht darin, dass es für „nichts“ ein eigenes Zeichen gibt: die „Null“.
Diese macht das Multiplizieren und das Bruchrechnen viel einfacher und erlaubt die einprägsame Darstellung des „Dezimalsystems“.

Und genau dieses System lernen die Christen, allen voran die „Tempelherren“, zur Zeit der „Kreuzzüge“ kennen.
Die „arabischen Ziffern“ ersetzen die bisher üblichen „römischen“.
Da die Kaufleute nun einfacher rechnen können, rechnen sie auch besser und erhalten damit ein genaueres Bild über den Verlauf ihrer Geschäfte.

Dezember 1145

Papst Eugenius III. ruft den zweiten „Kreuzzug“ aus

Rom-Vatikan * Papst Eugenius III. ruft einen „Kreuzzug“, den „Zweiten“, aus.

März 1146

Papst Eugenius III. erlässt eine „Kreuzzugbulle“

Rom-Vatikan * Papst Eugenius III. erlässt eine päpstliche „Kreuzzugbulle“, in der er die „Privilegien für die Kreuzfahrer“ festlegt:

  • die „Vergebung der Sünden“,
  • den „Schutz für Eigentum und Angehörige“ und
  • einen „Zinserlass“.

Zum „Hauptprediger des Kreuzzugs“ beruft er Bernhard von Clairvaux.

1147

Das rote und typische „Tatzenkreuz“ der „Tempel-Ordensritter“

Rom-Vatikan * Das rote und typische „Tatzenkreuz“ der „Tempel-Ordensritter“ kommt auf den weißen Umhang.

Es wird ihnen von dem, dem „Ritterorden“ nahestehenden „Zisterzienser-Papst“ Eugen III. verliehen. Die rote Farbe soll an den „Opfertod Christi“ erinnern und die „Bereitschaft zum Martyrium für den Glauben“ symbolisieren.

Ein weiteres wichtiges Erkennungszeichen ist deren „Siegel“. Es zeigt eine Darstellung von zwei Rittern auf einem Pferd und wird inzwischen als „Symbol der Brüderlichkeit“, des „guten Einvernehmens“, der „Harmonie“ und der „Disziplin“, die im „Orden“ herrschen soll, angesehen.

Ebenso symbolträchtig ist der Artikel „Über die Näpfe und Becher“ in der „Templer-Regel“. Dieser besagt: „Was die Näpfe angeht, so sollen sie jeweils für zwei Brüder verteilt werden, damit ihn sich jeder vom anderen besorge; sie sollen das Leben in der Enthaltsamkeit und im Brauch des gemeinsamen Essens schätzen lernen“.

Es geht hierbei nicht um das Essen aus einem Napf, sondern um das gemeinschaftliche Leben im „Konvent“.

Um März 1147

Der Krieg gegen die „Mauren“ wird einem „Kreuzzug“ gleichgestellt

Rom-Vatikan - Spanien * Papst Eugenius stellt den „Feldzug“, den König Alfons VII. von Kastilien gegen die „Mauren“ in Spanien führt, einem „Kreuzzug“ gleich.

Juli 1148

Dank der „Templer“ endet der „Kreuzzug“ nicht in einem Desaster

Damaskus * Die „Kreuzfahrer“ können zwar die Obstgärten von Damaskus erobern, stoßen aber auf heftigen Widerstand und verlegen deshalb ihre Truppen in den Osten der Stadt.

Doch dieses Gebiet war eine offene Ebene, die weder Schutz noch Wasser bot, sodass die christlichen Kampftruppen schließlich zum Rückzug gezwungen waren. Die „Templer“ erwerben sich durch ihre Teilnahme am „Zweiten Kreuzzug“ den Ruf „fanatischer Kämpfer von großem Mut“, „äußerster Disziplin“, aber auch von „außerordentlicher Überheblichkeit“.

Frankreichs König Ludwig VII. berichtet, dass es nur den „Tempelherren“ zu verdanken sei, dass der falsch geplante und schlecht geführte „Kreuzzug“ nicht in einem Desaster endete.

Es folgen wechselseitige Beschuldigungen, die das Verhältnis zwischen dem „Abendland“ und den „Kreuzfahrerstaaten“ auf Jahre hin vergiften. Und die Akteure des „Zweiten Kreuzzuges“ beschönigen die Geschichte, indem sie eisern die „Schmach“ verschweigen oder schön reden.

Die Kritiker, die den Tod von vielen Tausenden als sinnlose Opfer bezeichnen, werden immer lauter. Bernhard von Clairvaux, der in seinen „Kreuzzug-Predigten“ sagte: „Im Tod des Heiden sucht der Christ seinen Ruhm, weil Christus verherrlicht wird“, erklärt jetzt, dass das Desaster durch die „Sünden der Pilger“ verursacht worden ist und dass Gott deshalb den „Kreuzfahrern“ seinen Segen entzogen habe. Bischof Otto von Freising, ein Bruder des „Stauferkönigs“ Konrad III. und selbst aktiver Teilnehmer am „Zweiten Kreuzzug“, räumt zwar den Misserfolg des Unternehmens ein, versucht aber zumindest einen kleinen Gewinn zu erkennen, wenn er den Kritikern entgegnet: „Wenn [...] unser Feldzug nicht gut war zur Ausweitung unserer Grenzen, noch für die Wohlfahrt unseres Leibes, so war er dennoch gut für das Heil vieler Seelen“.

Bernhard von Clairvaux ist von der Kritik an seiner Person schwer enttäuscht, weshalb er sich gegenüber Papst Eugenius III. ausführlich rechtfertigt und dabei jede Schuld von sich weist: „Wir eilten nicht dorthin wie ins Ungewisse, sondern auf Deinen, ja durch Dich auf Gottes Befehl“. Der „Zisterzienser-Abt“ lässt sich schließlich in Chartres erneut zum Anführer eines „Kreuzzuges“ wählen, doch der Papst will nach den gemachten leidigen Erfahrungen diesen Plan erst fördern, wenn die Aussicht auf Erfolg auch gesichert ist.

24. Juli 1177

Frieden zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III.

Venedig * In Venedig kommt es zu einem Verständigungsfrieden zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa mit Papst Alexander III.. 

1179

„Templer“ und „Johanniter“ zu einem Friedensschluss bewegt

Rom-Vatikan * Papst Alexander III. sieht sich veranlasst, die „Templer“ und die „Johanniter“ zu einem Friedensschluss zu bewegen.

1198

„Sündenablass“ für die Verehelichung mit einer Prostituierten

Rom-Vatikan * Papst Innozenz III.  erklärt, dass „alle, die öffentliche Frauen aus dem Bordell führen und sie zu Ehefrauen machen, den Ablass ihrer Sünden erhalten“.  

Wohlgemerkt, der Ehemann erhält den „Ablass“, nicht die „Ex-Prostituierte“

1223

Papst Innozenz III. bestätigt die Ordensregel der „Franziskaner“ schriftlich

Rom-Lateran * Nachdem der „Franziskanerorden“ bereits in vielen Teilen Europas - möglicherweise auch schon in München - Anhänger gefunden hat, bestätigt Papst Innozenz III. die Ordensregel schriftlich.

Nicht aber ohne zuvor noch Änderungen vorzunehmen. So werden beispielsweise die „Wanderpredigten“ verboten und es muss eine Organisation, verbunden mit dem Entstehen einer Ordenshierarchie, aufgebaut werden.

1226

Die „Einsiedlerbrüder vom Berge Karmel“ erhalten ihre päpstliche Bestätigung

Rom-Lateran * Die Ordensgemeinschaft der „Einsiedlerbrüder vom Berge Karmel“ erhält ihre päpstliche Bestätigung.

Mit dem Vordringen der Muslime gehen viele Eremitenmönche im 13. Jahrhundert nach Zypern, Sizilien, Südfrankreich und England.
Dort wenden sie sich einer mehr weltzugewandten Richtung zu, sodass Papst Innozenz IV. die „Karmeliter“ unter die Bettelorden eingereiht und ihnen so die Möglichkeit der Niederlassung in den Städten gibt.

Um 1230

Freunde der „Franziskaner“ dürfen Geld sammeln und verwalten

Rom-Lateran * Die regierenden Päpste wirken mildernd auf die „Franziskaner-Ordensregeln“ ein und setzen die Praxis durch, dass Freunde des Ordens der „Minderbrüder“ Geld sammeln und verwalten dürfen.

Die „Spiritualen“ wenden sich zwar scharf dagegen, werden aber dafür verfolgt, eingekerkert und sogar erschlagen. Ihr Protest kann jedenfalls die „Konventualen“ nicht bremsen.

1231

Die „Inquisition“ wird den „Dominikanern“ und „Franziskanern“ anvertraut

Rom-Lateran * Die „Inquisition“ wird durch den Papst den Bettelorden der „Dominikaner“ und „Franziskaner“ anvertraut.

29. März 1231

Der Freisinger Bischof Gerold von Waldeck stirbt

Freising * Der Freisinger Bischof Gerold von Waldeck stirbt.  

Er wird von Papst Gregor IX. abgesetzt und exkommuniziert, weil er im Jahr 1230 die Stadt Freising den Wittelsbachern als Lehen überlassen will.  
Dazu kam es durch überwiegend selbst verschuldeter Finanzschwierigkeiten.  

Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Konrad I. von Tölz und Hohenburg. 

2. Dezember 1232

Die Dominikaner verfolgen die neue Hexen-Ketzer-Sekte

Rom-Lateran * Papst Gregor IX. überträgt den Dominikanern die Aufgabe, die Orthodoxie des christlichen Glaubens zu schützen und deren Feinde aufzuspüren. Gemeint ist damit das Beharren auf bestimmten traditionellen Lehrmeinungen, Ideologien oder Handlungsweisen. Das steht im Gegensatz zu den Erneuerungsbewegungen, der Heterodoxie. 

Dadurch engagieren sich die Dominikaner verstärkt in der Verfolgung der neuen Hexen-Ketzer-Sekte. 

1252

Papst Innozenz IV. sieht der „Folter“ ein Mittel gegen die „Häresie“

Rom-Lateran * Papst Innozenz IV. sieht in der Bulle „Ad extirpendam“ die „Folter“ ausdrücklich als Mittel vor, um in Fällen der „Häresie“ die Wahrheit ans Licht zu bringen.

1253

In Deutschland entdeckt man eine ketzerische Teufelsanbetung

Rom-Lateran - Deutschland * In Deutschland entdeckt man eine ketzerische Teufelsanbetung, deren charakteristischen Züge Papst Gregor IX. beschreibt: Man findet hier

  • die Verleugnung Christi und des Kreuzes,
  • die Götzen [Kröte und schwarze Katze, die Verkörperung Luzifers],
  • die sexuellen Ausschweifungen und die Homosexualität,
  • den Geheimbund und die nächtlichen Versammlungen.

1256

Der Orden der „Augustiner-Eremiten“ wird gegründet

Rom-Lateran * Der Orden der „Augustiner-Eremiten“ wird gegründet.

Seine Ordensangehörigen führten aber kein einsiedlerhaftes Leben, wie uns dies ihr Name zunächst suggerieren möchte.

Die „mönchische Gemeinschaft“ wird nur deshalb so genannt, weil sie im Gegensatz zu den alten anerkannten Orden, wozu in unserem Falle die „Augustiner-Chorherren“ gehören, ihren Sitz beziehungsweise ihre Mutterkirche nicht in einer der „päpstlichen Basiliken“ hat.
Nur aus diesem Grund wird sie „Eremiten-Kongregation“ genannt.

13. Januar 1257

Ein Ablassbrief nennt erstmals das Franziskanerkloster

Rom-Lateran * Papst Alexander IV. erteilt einen Ablassbrief für das Franziskanerkloster in München. Der Ablass gilt an den Festen der Heiligen Franziskus, Antonius und Klara sowie acht darauffolgende Tage. Es ist die erste sichere Kunde vom Bestehen des Franziskanerklosters. 

1262

Der Papst erlaubt den „Augustiner-Eremiten“ das „Predigen“

Rom-Lateran * Papst Alexander IV. erlaubt den „Augustiner-Eremiten“ das „Predigen“ und „Beichtehören“ - sofern der Diözesanbischof dagegen keine Einwände erhebt.

1265

Papst Clemens IV. bestätigt die Anwendung der „Folter“

Viterbo * Papst Clemens IV. bestätigt ausdrücklich die Anwendung der „Folter“.

29. April 1273

Papst Gregor X. bestätigt die Gründung der Frauen-Pfarrei

München * Papst Gregor X. bestätigt die Gründung

  • der Frauen-Pfarrei gleichzeitig mit
  • Münchens dritter Pfarrei, der Heiliggeist-Pfarrei, die allerdings nur das Heilig-Geist-Spital umfasst.

1279

Die „Franziskaner“ dürfen Nutznießer von Vermögen und Grundstücken sein

Rom-Lateran - München * Papst Nikolaus III. entscheidet, dass der Orden der „Franziskaner“ Nutznießer von Vermögen und Grundstücken sein dürfen.

Nun gehen auch die Münchner „Barfüßer“ allmählich zu einer abgemilderten Praxis des Besitzes über und nehmen bewegliches und unbewegliches Eigentum für ihr Kloster an.

Nach der Auffassung des höchsten Kirchenvertreters verletzen die „Franziskaner“ ihr Armutsgelübde dadurch nicht, da ja letztlich er, der Papst, der eigentliche Eigentümer sei.

1304

Die Missgunst gegen die „Templer“ steigert sich immer mehr

Paris * Die Missgunst steigert sich immer mehr, nachdem der „Templer-Orden“ ganz offiziell den „Kampf gegen die Heiden“ aufgibt, der „Großmeister“ sich ins damals schon als flott bekannte Paris zurückzieht und viele „Tempelherren“ in ihrer Heimat, vor allem in Frankreich, wichtige Positionen bekleiden - allerdings ohne der französischen Krone Rechenschaft schuldig zu sein.

Die reichen und arroganten „Templer“, dieser „Staat im Staat“, stört den französischen König Philipp IV., den man „den Schönen“ nennt.

Er ist ein durchaus tüchtiger Herrscher, der etwas von der Macht versteht und deshalb weis, dass es „Macht ohne Geld“ nicht gibt.

Doch gegen die gut ausgebildeten und disziplinierten „Templer“ hat selbst der französische König militärisch nichts entgegenzusetzen.
Außerdem untersteht der „Orden“ direkt dem Papst, gegen dessen Willen er nichts unternehmen kann.

5. Juni 1305

Clemens V. wird zum Papst gewählt

Avignon * Frankreichs König Philipp IV. gelingt es, seinen Wunschkandidaten Bertrand de Got, den Erzbischof von Bordeaux, durch ein französisch dominiertes Kardinalskollegium, auf den Papstthron zu setzen. Der neue Pontifex maximus Clemens V. lässt sich nicht nur außerhalb Roms krönen, sondern residiert dauerhaft in Avignon. 

Das bedeutete eine Abkehr vom päpstlichen Universalismus. Denn während der Papst in Rom und dem Kirchenstaat einigermaßen autonom ist, besitzt er um Avignon herum nur wenig Ländereien, die zudem vollständig vom französischen Staatsgebiet umschlossen sind. Das Papsttum gerät damit in Abhängigkeit zur französischen Krone. Der Papst verliert seine überparteiliche Autorität.

August 1307

Papst Clemens V. will die „Johanniter“ und die „Templer“ vereinen

Avignon * Papst Clemens V. will die „Johanniter“ und die „Templer“ vereinen.

Der Versuch scheitert jedoch.

24. August 1307

Papst Clemens V. ordnet eine Untersuchung gegen die Templer an

Avaginon * Papst Clemens V. ordnet von sich aus eine Untersuchung gegen die Templer an. Aus Angst, dass sich dadurch die Untersuchung verzögern oder im schlimmsten Fall sogar mit einem Freispruch enden könnte, nimmt die königliche Polizei die Sache selbst in die Hand und schafft damit vollendete Tatsachen.

13. Oktober 1307

Im Morgengrauen werden die Templer verhaftet

Paris * Zur Überraschung von Papst Clemens V. werden im Morgengrauen - gleichzeitig in ganz Frankreich - die Templer verhaftet, ihre Güter beschlagnahmt und die Ordenshäuser unter königliche Aufsicht gestellt. Der Überraschungscoup gelingt und es gibt keinen militärischen Widerstand der Tempelritter. Trotzdem kann der Großmeister der Tempelherren, Jacques de Molay, noch kurz vor der Massenverhaftung Bücher und Dokumente des Ordens verbrennen. Die Zahl der Verhaftungen lässt sich nur schwer abschätzen. In Paris gibt es 138 Festnahmen. Lediglich zwölf bis zwanzig Ordensritter können vor der Razzia fliehen, darunter nur ein hoher Würdenträger.

Der Brief von König Philipp IV., datiert vom 14. September [Tag der Kreuzerhebung], hat den folgenden Inhalt:

  • „Eine bittere, beklagenswerte, entsetzlich sich vorzustellende Sache [...].
  • Ein verabscheuungswürdiges Verbrechen, eine scheußliche Missetat [...].
  • Eine ganz und gar unmenschliche, ja jeder Menschlichkeit fremde Sache ist uns dank mehrerer glaubwürdiger Menschen zu Ohren gekommen“.

Und weiter heißt es:

  • „Die Brüder des Ordens der Miliz vom Tempel, die die Wolfsnatur unter dem Schafspelz verbargen und unter dem Habit des Ordens in erbärmlicher Weise die Religion unseres Glaubens beleidigten, werden beschuldigt, Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken, sich bei der Aufnahme in den Orden obszönen Gesten hinzugeben“, und
  • „sie verpflichten sich durch Gelübde und ohne Furcht, das menschliche Gesetz zu beleidigen, sich einander hinzugeben, ohne Widerrede, sobald es von ihnen verlangt wird.“

Zur Aufdeckung der Wahrheit werden „ausnahmslos alle Mitglieder des selbigen Ordens unseres Königreichs festgenommen, gefangengehalten und dem Urteil der Kirche vorbehalten“. Alle ihre Güter, „bewegliche und unbewegliche“, werden „beschlagnahmt, von uns eingezogen und getreu verwahrt werden“.

27. Oktober 1307

Papst Clemens V. protestiert gegen den Gebrauch der Folter

Avignon * Papst Clemens V., der ja eigentlich die direkte Gerichtsgewalt über die Templer hat, zeigt sich lediglich gekränkt und schreibt: „Euer überstürztes Vorgehen ist eine Beleidigung gegen Uns und die römische Kirche.“ Gleichzeitig protestiert er gegen den Gebrauch der Folter.

Dezember 1307

Die „Templer-Würdenträger“ widerrufen ihr Geständnis

Paris * Der „Großmeister der Templer“, Jacques de Molay, und die anderen „Templer-Würdenträger“ widerrufen ihr Geständnis vor zwei vom Papst entsandten Bischöfen und begründeten dieses mit ihrer Angst vor der Folter.

Februar 1308

Der Papst ist von der Unschuld der „Tempelherren“ überzeugt

Avignon - Paris * Der Papst, der inzwischen von der Unschuld der „Tempelherren“ überzeugt ist, suspendiert die Vollmachten der „Inquisitoren“.

Die inhaftierten „Templer“ bleiben allerdings in den Gefängnissen des Königs.
Auch wenn die Vernichtung des „Templer-Ordens“ vorerst fehlgeschlagen ist, so lässt König Philipp IV. dennoch nicht locker.

März 1308

König Philipp IV. überhäuft den Papst mit Drohungen

Paris - Avignon * Frankreichs König Philipp IV. überhäuft den Papst mit Drohungen, lässt ihn der „Häresie“ bezichtigen und schickt ihm gleichzeitig ausgewählte „Tempelherren“, die ihre früheren Geständnisse wiederholen.

Mai 1308

Papst Clemens V. wird der Wille gebrochen

Poitiers * Papst Clemens V. wird bei der Zusammenkunft in Poitiers endgültig der Wille zum Widerstand genommen.

Mit den führenden „Templern“, Jacques de Molay und Hugues de Pairaud, die in Chinon inhaftiert sind, trifft der „Pontifex maximus“ nie zusammen, weshalb sie ihm auch nie ihre Sicht der Dinge erklären können.

Deshalb beginnt der Papst allmählich selbst an der Unschuld der „Tempelherren“ zu zweifeln und hebt die „Suspension der Inquisitoren“ wieder auf.

1309

Die Päpste regieren nicht mehr in Rom, sondern in Avignon

Rom - Avignon * Die Päpste regieren nicht mehr in Rom, sondern in Avignon, wohin Papst Clemens V. seine Residenz verlegt. 

Ab 8. August 1309

Die päpstliche Kommission verhört 546 Templer

Paris * Die päpstliche Kommission nimmt in Paris ihre Arbeit auf und verhört insgesamt 546 Templer, die aus dem ganzen Königreich Frankreich kommen.

1310

Vier „Templer“ sagen vor der „Päpstlichen Kommission“ aus

Paris * Vier Vertreter des „Templer-Ordens“ sagen vor der „Päpstlichen Kommission“ aus:

Man habe „außerhalb des französischen Königreichs, auf der ganzen Welt keinen einzigen Templerbruder gefunden, der diese Lügen sagt oder gesagt hat, woraus man recht deutlich den Grund ersieht, weshalb diese Lügen im französischen Königreich ausgesprochen werden: weil diejenigen, die sie gesagt haben, durch Furcht, Gebete oder Geld korrumpiert waren“.

1311

Papst Clemens V. befiehlt die Anwendung der „Folter“

Avignon * Papst Clemens V. befiehlt, dass die „Templer“ dort, wo dies noch nicht geschehen ist, der „Folter“ zu unterziehen sind.

Das ist die Iberische Halbinsel, Norditalien, Deutschland und England.

22. März 1312

Papst Clemens V. hebt den „Templerorden“ auf

Avignon * Ungeachtet der Konzilsmeinung hebt Papst Clemens V. den „Templerorden“ durch die Bulle „Vox in excelso“ auf.

In der Begründung heißt es, dass allein schon durch den nunmehr schlechten Ruf des Ordens eine derartige Maßnahme notwendig sei, um weiteren Schaden von der Gesamtkirche abzuwenden.

Anschließend übereignet der Papst durch die Bulle „Ad providam“ die Güter des Ordens den „Johannitern“.

In Deutschland übernimmt der „Deutschherrenorden“ den „Templer-Reichtum“ für sich.

Doch der Vollzug dieser Anordnung geht nur langsam vonstatten, und in Frankreich eignet sich König Philipp den größten Teil des verfügbaren Besitzes an, da er für die Abwicklung des Prozesses entsprechende Rechnungen stellt.

18. März 1314

Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden verbrannt

Avignon - Paris * Die Verfügungsgewalt über die höchsten Würdenträger des „Templer-Ordens“ hat sich der Papst vorbehalten.

Sie werden von einem „Kardinalskollegium“ zu lebenslanger Haft verurteilt.
Zwei von ihnen, der „Großmeister“ Jacques de Molay und der „Praeceptor der Normandie“, Geoffroy de Charnay, pochen auf ihre Unschuld und lehnen das Urteil ab.

Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden - ohne Rücksicht auf den Papst - noch am gleichen Tag auf der „Ile de la Cité“ in Paris verbrannt.

Der letzte „Templer-Großmeister“ soll den Papst und den König noch auf dem Scheiterhaufen verflucht haben, weshalb Clemens V. später „der verfluchte Papst“ genannt wird.

Der „Templer-Prozess“ ist bis heute einer der ganz großen Justizskandale geblieben.
Dem „Templer-Orden“ wurde bis zum heutigen Tage keine Genugtuung erteilt.

Das Hauptziel der Verfolgung der „Tempelherren“ durch König Philipp „dem Schönen“, sich das bewegliche Vermögen des „Ritterordens“ anzueignen, war allerdings gescheitert.
Der sagenhafte „Schatz der Templer“ wird nie gefunden, sein Verbleib nie geklärt.
Das bildet wiederum die Grundlage für eine Vielzahl von Spekulationen.
Und kein „Orden“ bot so viel Anlass zu Spekulationen wie der der „Templer“.

Durch ihr Engagement im „Heiligen Land“ kamen die „Tempelritter“ mit Traditionen der jüdischen Welt, des Islam und nicht zuletzt der Antike in Berührung, die ihren mittelalterlichen Horizont enorm erweiterten.

Ihre beachtlichen Erfolge auf technischem und finanziellem Gebiet lassen sich darauf zurückführen.

Sie entwickelten ein eigenes Weltbild, das höchstwahrscheinlich als Fernziel die „Vereinigung der monotheistischen Religionen“ anstrebte.
Gleichzeitig musste der „Ritter-Orden“ erkennen, dass sein neu erworbenes Wissen für das abergläubische mittelalterliche Europa noch nicht nachvollziehbar war und deshalb Schwierigkeiten heraufbeschwören musste.
So wurde vieles geheim gehalten, und aus diesen Geheimnissen entstanden sowohl die „Arroganz der Wissenden“ als auch viele Legenden.

Nach April 1314

Wirklich aufgehoben wird der „Tempel-Ritterorden“ nur in Frankreich

Paris * Wirklich aufgehoben wird der „Orden der Tempel-Ritter“ nur in Frankreich.

In Aragón werden sie ähnlich wie in Frankreich behandelt, in England ergreift King Edward II. zunächst die Partei des Ordens und schwenkt später - nur widerwillig - auf die päpstlich-französische Linie ein, sodass die „Tempelritter“ der Verfolgung größtenteils entgehen.

In Schottland wird die „päpstliche Bulle“ nie verkündet, weshalb der „Templerorden“ dort ungehindert fortleben kann.

Im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ findet eine Verfolgung der „Templer“ nicht statt. Sie schließen sich nach der offiziellen Auflösung des „Ordens“ den „Johannitern“ oder dem „Deutschen Orden“ an.

20. April 1314

Der „verfluchte Papst“ Clemens V. stirbt

Roquemaure * Der „verfluchte Papst“ Clemens V. stirbt im Jahr der Ermordung der Tempelherren in Roquemaure in Frankreich.

7. August 1316

Johannes XXII. besteigt den Apostolischen Stuhl in Avignon

Leyden * Der 67-jährige französische Kardinal Jacques Duèze - in deutschen Quellen auch Jakob von Cahors genannt - wird in Leyden in den Niederlanden nach einem vierzigtägigen Conclave zum Papst gewählt. Als Johannes XXII. besteigt er den Apostolischen Stuhl in Avignon.

Zuvor hatte Dante die sieben italienischen Kardinäle beschworen, einen Italiener zum Papst zu wählen, der die Kurie wieder nach Rom bringen sollte. Das Ansinnen hatte jedoch gegen die 17 französischen Kardinäle keine Chance. Johannes XXII. ist der zweite in Avignon residierende Papst.

Im deutschen Thronstreit nimmt Johannes XXII. lange eine abwartende Haltung ein und betrachtet den Thron des Reiches als vakant.

16. Juni 1322

Johann Wulfing von Schlackenwerth wird Bischof von Bamberg

Avignon - Bamberg * Papst Johannes XXII. ernennt Johann Wulfing von Schlackenwerth zum Bischof von Bamberg. 

Oktober 1322

Papst Johannes XXII. eröffnet einen Prozess gegen Ludwig den Baiern

Avignon * Papst Johannes XXII. erkennt Ludwig den Baiern nicht als römischen König an, weil ihm König Friedrich der Schöne Unterstützung im Kampf gegen die großen oberitalienischen Stadtkommunen in Aussicht gestellt hat. Daraufhin unterstützt König Ludwig der Baier die Visconti in Mailand, die sich dadurch erfolgreich gegen einen päpstlichen Kreuzzug erwehren können.

Papst Johannes XXII. eröffnet deshalb einen Prozess gegen König Ludwig des Baiern. Er ihn bezichtigt ihn 

  • der Anmaßung königlicher Rechte und
  • seiner Regierung ohne päpstliche Approbation [Anerkennung, Genehmigung] sowie
  • der Unterstützung der als Ketzer verurteilten italienischen Signori.

Um den 5. Mai 1323

Das „Freisinger Domkapitel“ wählt Albert von Enn zum Bischof

Freising * Das „Freisinger Domkapitel“ wählt den Freisinger „Dompropst“ Albert von Enn zum Bischof.  

Nachdem der Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz die Wahl nicht bestätigen will, muss Papst Johannes XXII. in Avignon eine Entscheidung herbeiführen.  

12. November 1323

Papst Johannes XXII. bezieht Stellung zur Armutsfrage

Vienne * Papst Johannes XXII. bezieht auf dem Konzil von Vienne abschließend Stellung zur sogenannten Armutsfrage. Die Lehre, wonach Christus und die Apostel kein Eigentum besessen haben, sei eine Entstellung der Evangelien, womit diese Lehre grundsätzlich für irrtümlich und ketzerisch erklärt wird.

23. Dezember 1323

Johann Wulfing von Schlackenwerth wird Freisinger Bischof

Avignon - Freising * Papst Johannes XXII. ernennt Johann Wulfing von Schlackenwerth zum Freisinger Bischof. 

20. März 1324

Bischof Johann Wulfing von Schlackenwerth begibt sich nach Freising

Bamberg - Freising * Der vom Papst Johannes XXII. zum Freisinger Bischof ernannte Johann Wulfing von Schlackenwerth begibt sich erst jetzt von Bamberg in sein neues Bistum. 

23. März 1324

Papst Johannes XXII. spricht den Bannfluch über Ludwig den Baiern

Avignon * Der in Avignon residierende Papst Johannes XXII. spricht den Bannfluch wegen Häresie über König Ludwig den Baiern aus. Er schließt ihn damit aus der Gemeinschaft der Kirche aus, in die Ludwig bis zu seinem Tod nicht wieder aufgenommen werden wird. In der katholischen Kirche gilt er bis heute als exkommuniziert.  

Gleichzeitig enthebt ihn der Papst seiner königlichen Rechte und belegt das Reich mit Interdikt, also dem Verbot der Spendung der Sakramente. Der Bannfluch wird Ludwig bis zu seinem Tod verfolgen.

22. Mai 1324

König Ludwig der Baier klagt den Papst der Häresie an

Sachsenhausen * In der Sachsenhausener Appellation bezeichnet König Ludwig der Baier Papst Johannes XXII. wegen seiner Haltung in der viel diskutierten Armutsfage als „Schützer und Gönner ketzerischer Bosheit“ und klagt ihn der Häresie an. Der König benutzt dabei die Formulierung: „Johannes, der sich Papst nennt“ und dass er „ein Feind des Friedens“ sei.

4. Juli 1324

Albert von Enn wird Bischof von Brixen

Avignon - Brixen - Freising * Albert von Enn wird von Papst Johannes XXII. zum Bischof von Brixen ernannt. Damit endet die Auseinandersetzung um die Besetzung des Freisinger Bischofstuhls, der an Konrad IV. von Klingenberg übertragen wird. 

5. Juli 1324

Konrad IV. von Klingenberg wird der neue Bischof von Freising

Avignon - Freising * Papst Johannes XXII. ernennt Konrad IV. von Klingenberg zum neuen Bischof von Freising.

13. März 1325

Friedrich der Schöne erkennt Ludwig IV. als römischen König an

Nabburg * Mit der sogenannten Trausnitzer Sühn“ versöhnt sich König Ludwig der Baier mit Friedrich dem Schönen auf der Burg Trausnitz bei Nabburg in der Oberpfalz.

Friedrich erkennt Ludwig als römischen König an und verpflichtet sich, ihn bei seinem Kampf gegen den Papst zu unterstützen. Dafür erhält er die Freiheit.

1326

Ockhams Ansichten werden als „häretisch oder irrig“ bezeichnet

Avignon * Im abschließenden Gutachten werden von 51 Lehrsätzen Occhams 29 als „häretisch oder irrig“, die übrigen 22 als „möglicherweise falsch“ bezeichnet.

Unter anderem wurde Ockham des „Pelagianismus“ für schuldig befunden.
[Der „Pelagianismus“ lehrt, dass die menschliche Natur – von Gott stammend – auch göttlich ist und dass der sterbliche Wille in der Lage sei, ohne göttlichen Beistand zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Damit steht seiner Verurteilung durch Papst Johannes XXII. nichts mehr im Wege, doch Ockham bleibt bis 1328 als Angeklagter in Avignon und es kommt aus unbekannten Gründen zu keinem Urteil.

Januar 1326

Ludwig der Baier bietet Papst Johannes XXII. einen Amtsverzicht an

München - Avignon * König Ludwig der Baier bietet Papst Johannes XXII. einen Amtsverzicht zugunsten seines Vetters Friedrich den Schönen an. Doch der Papst geht auf das Angebot nicht ein.

3. April 1327

Aus dem Dux Bavarie wird Ludwig aus Baiern

Avignon - München * Papst Johannes XXII. spricht König Ludwig IV. sogar das Herzogtum ab. Aus dem „Dux Bavarie“ wird nun „Ludovicus de Bavaria“, also „Ludwig aus Baiern“ oder eben „Ludwig der Baier“

1. Dezember 1327

Der Franziskaner-General Michael von Cesena trifft in Avignon ein

Avignon * Der Ordensgeneral der Franziskaner, Michael von Cesena, trifft, von Papst Johannes XXII. nach Avignon zitiert, in der Stadt ein. Er wohnt dort im Franziskanerkonvent, wo auch Wilhelm von Ockham untergebracht ist.

Ockham, der sich bisher auf theologische und philosophische Fragen konzentriert hatte und kirchenpolitisch kaum hervorgetreten war, sieht sich zur Auseinandersetzung mit dem Armutsstreit veranlasst. 

Michael von Cesena überzeugt Wilhelm von der Richtigkeit der Armutsforderung und dass die gegenteiligen Verordnungen des Papstes häretisch sind. Daraus ziehen die beiden Franziskaner die Konsequenz, dass der Papst vom wahren Glauben abgefallen sei.

Ab 1328

Michael von Cesena lebt im „Franziskaner-Kloster“

München-Graggenau * Michael von Cesena, der anno 1316 zum „Generaloberen der Franziskaner“ gewählt worden war und der wegen der „Armutsfrage“ in Konfrontation mit Papst Johannes XXII. steht, lebt im „Franziskaner-Kloster“.

17. Januar 1328

König Ludwig der Baier wird in Rom zum Kaiser gekrönt

Rom * König Ludwig IV., der Baier, wird in Rom unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und in feierlicher Zeremonie erstmals zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekrönt. An Stelle des Papstes vollziehen zwei kaisertreue - und gebannte - Bischöfe die Krönung.

18. April 1328

Kaiser Ludwig der Baier setzt Papst Johannes XXII. wegen Häresie ab

Rom - Avignon * Kaiser Ludwig der Baier setzt Papst Johannes XXII. unter dem Vorwurf der Häresie ab und lässt den Beschluss durch eine Volksversammlung bestätigen.

Papst Johannes XXII. schickt daraufhin im Gegenzug eine Bannbulle nach Rom, worauf Ludwig der Baier für ihn die Todesstrafe wegen Ketzerei verkündet.

12. Mai 1328

Der Franziskaner Pietro Rainalducci wird zum Papst Nikolaus V.

Rom * Kaiser Ludwig der Baier lässt den Franziskaner Pietro Rainalducci vom römischen Volk zum Papst Nikolaus V. wählen.

26. Mai 1328

Ludwig der Baier stellt die flüchtigen Franziskaner unter seinen Schutz

Pisa * Michael von Cesena, Wilhelm von Ockham und die Franziskaner Bonagratia von Bergamo und Franz von Marchia fliehen aus Avignon und begeben sich auf dem Seeweg nach Pisa. Dort treffen sie auf König Ludwig den Baiern. Dieser stellt die flüchtigen Franziskaner unter seinen Schutz.

27. Mai 1328

Kaiser Ludwig der Baier und Papst Nikolaus V. krönen sich gegenseitig

Rom * Kaiser Ludwig der Baier und Papst Nikolaus V. krönen sich gegenseitig. Größere Bedeutung erlangt Nikolaus V. nie. Nach Ludwigs Kaiserkrönung und seiner Abreise aus Rom findet er nicht einmal mehr genug Anhänger in Italien. Sein eigentliches Ziel, den Papst in Avignon zu schwächen, ist gescheitert.

20. Juli 1328

Wilhelm von Ockham wird vom Papst exkommuniziert

Avignon * Wilhelm von Ockham wird von Papst Johannes XXII. exkommuniziert. Er wird nun zu einem Vorkämpfer der Gegner des Papstes und beginnt sich intensiv mit politischen und kirchenrechtlichen Grundsatzfragen zu befassen. Insbesondere dem Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht und den Grenzen der Befugnisse des Papstes.

Februar 1330

Der Freisinger Bischof Konrad IV. von Klingenberg flüchtet nach Österreich

Freising * Nach der Rückkehr Kaiser Ludwigs IV. des Baiern aus Italien flüchtet der Freisinger Bischof Konrad IV. von Klingenberg nach Österreich. Das Bistum wird seither vom Freisinger Dompropst Leutold von Schaunberg verwaltet.  

Aus Verärgerung lässt Bischof Konrad IV. von Klingenberg das Domkapitel durch Papst Benedikt XII. exkommunizieren - allerdings ohne jede Wirkung. 

25. August 1330

Der Gegenpapst Nikolaus V. verzichtet auf sein Amt

Avignon * Nachdem man ihm Leben und Pension zugesichert hat, verzichtet der Gegenpapst Nikolaus V. auf sein Amt, unterwirft sich Papst Johannes XXII. und begibt sich nach Avignon.

16. Oktober 1333

Der als Gegenpapst gescheiterte Nikolaus V. stirbt in Avignon

Avignon * Der als Gegenpapst gescheiterte Nikolaus V. stirbt in Avignon, wo er in der Franziskanerkirche beigesetzt wird.

4. Dezember 1334

Papst Johannes XXII. stirbt in Avignon

Avignon * Papst Johannes XXII. stirbt in Avignon. Sein Nachfolger wird Benedikt XII..

2. November 1336

Albert von Enn, der Bischof von Brixen, stirbt

Brixen * Albert von Enn, der Bischof von Brixen und für die selbe Stelle in Freising vom Domkapitel gewählt, aber vom Papst nicht anerkannt, stirbt in Brixen. 

Mai 1338

Die Unabhängigkeit des gewählten Römischen Königs vom Papst

??? * Kaiser Ludwig der Baier manifestiert die Unabhängigkeit des gewählten Römischen Königs von einer Anerkennung durch den Papst.

7. Mai 1342

Clemens VI. zum Papst gewählt

Avignon * Der Erzbischof von Sens und Rouen sowie Bischof von Arras, Pierre Roger, wird nach zehntägiger Sedisvakanz zum neuen Papst gewählt. Der 1338 zum Kardinal erhobene Kleriker nimmt den Namen Clemens VI. an. 

19. Mai 1342

Papst Clemens VI. wird in Avignon inthronisiert

Avignon * Papst Clemens VI. wird in Avignon inthronisiert. 

4. Juli 1348

Papst Clemens VI. gegen die Verfolgung von Juden

Avignon * Papst Clemens VI. wendet sich in einer Bulle gegen die Verfolgung von Juden als Verursacher der Pest. Doch niemand hält sich an die Worte des Oberhaupts der katholischen Kirche. 

26. September 1348

Papst Clemens VI. droht den Verfolgern mit Exkommunikation

Avignon * In einer zweiten päpstlichen Bulle, in der Papst Clemens VI. die Juden vor dem Vorwurf in Schutz nimmt, Verursacher von Brunnenvergiftungen und der Pest zu sein. Er droht den Verfolgern die Exkommunikation an. 

20. Oktober 1349

Papst Clemens VI. verbietet das Flagellantentum

Avignon * Papst Clemens VI. verbietet das Flagellantentum. Die Flagellanten sind nach Beginn der Pest gekommen. Sie ziehen durch die Städte, singen Hymnen und schlagen sich mit Peitschen, um damit Vergebung für die Sünden der Menschen zu erflehen. 

Um den 28. Oktober 1349

Albert II. von Hohenberg wird zum Bischof von Freising ernannt

Freising * Albert II. von Hohenberg wird von Papst Clemens VI. zum Bischof von Freising ernannt. Das Domkapitel wird dabei bewusst übergangen.  

6. Dezember 1352

Papst Clemens VI. stirbt

Avignon * Papst Clemens VI. stirbt. Er wird in der Abtei La Chaise-Dieu beigesetzt. Sein Nachfolger auf dem apostolischen Stuhl wird Innozenz VI.. 

1359

Eine 17 Jahre andauernde „Wilde Ehe“ wird sanktioniert

Tirol - Rom-Vatikan * Die Ehe zwischen der Gräfin Margarete Maultasch von Tirol und dem Markgrafen Johann Heinrich von Mähren, die Kaiser Ludwig der Baier anno 1341 für ungültig erklärt hatte, wird nun auch vom Papst annulliert. Erst damit wird die 17 Jahre andauernde „Wilde Ehe“ von Herzog Ludwig dem Brandenburger mit Margarete von Tirol kirchenrechtlich sanktioniert. 

3. Oktober 1369

Herzogin Margarete „Maultasch“ stirbt in Wien

Wien * Herzogin Margarete von Baiern-München und Gräfin von Tirol stirbt in Wien. Ihre Grabstätte befindet sich in der dortigen Minoritenkirche zum Heiligen Kreuz.

Margaretes Beiname „Maultasch“ taucht erst seit dem späten 14. Jahrhundert auf. Von Zeitgenossen wird sie als schöne Frau beschrieben. Es ist wohl mehr die luxemburgische und päpstliche Propaganda, die mit diesem abwertenden Beinamen das „wenig rollenkonforme Verhalten“ der Herzogin brandmarken und sie in ein schiefes Licht bringen soll.

1376

Papst Gregor XI. verlegt seine Residenz von Avignon nach Rom

Avignon - Rom-Vatikan * Der mittlerweile regierende Papst Gregor XI. verlegt seine Residenz von Avignon nach Rom.

27. März 1378

Papst Gregor XI. stirbt

Rom-Vatikan * Als Papst Gregor XI. stirbt, befürchten die Römer, dass der neue Papst wieder nach Avignon zurückkehren wird.  

Auch deshalb, weil sich an der französischen Dominanz im „Kardinalskollegium“ nichts geändert hat.

7. April 1378

Römische Bürger stürmen das „Konklave“

Rom-Vatikan * Bewaffnete römische Bürger stürmen das „Konklave“ und fordern die Wahl eines Römers zum Papst.

8. April 1378

Die Kardinäle einigen sich nicht auf einen Römer

Rom-Vatikan * Die Kardinäle einigen sich zwar nicht auf einen Römer, wohl aber auf einen Italiener, den Erzbischof von Bari namens Bartolomeo Prignano. 

Weil jedoch das „Konklave“ am Wahltag erneut von römischen Bürgern gestürmt wird, schiebt man um sich zu retten" für kurze Zeit den Seniorkardinal Tebaldeschi als angeblich neu gewählten Papst vor.

9. April 1378

Erst einen Tag nach der Wahl wird das Ergebnis bekannt gemacht

Rom-Vatikan * Erst einen Tag nach der Wahl wird die Ernennung Bartolomeo Prignanos zum Papst Urban VI. bekannt gegeben.

Die Wirren des „Konklaves“ bietet den Kardinälen später die Möglichkeit, das Wahlergebnis öffentlich anzufechten.

August 1378

Papst Urban VI. regiert sehr autokratisch und unerbitterlich streng

Rom-Vatikan * Papst Urban VI. regiert sehr autokratisch und unerbitterlich streng.

Insbesondere die elf französischen Kardinäle und der Spanier Peter von Luna rücken daher von ihm ab und monieren, dass die Wahl unter Zwang stattgefunden und der Gewählte sich zudem als „unfähig und geisteskrank“ erwiesen hat - und erklären ihn für abgesetzt.

Papst Urban VI. ernennt daraufhin 29 neue Kardinäle, wodurch das Kollegium erheblich vergrößert wird.

Dagegen protestieren nun auch italienische Kardinäle, denn üblicherweise entscheiden Papst und Kardinäle gemeinsam über die Ernennung neuer Purpurträger.

An einer Ausweitung des Kreises haben die Kardinäle kein Interesse, weil die Einkünfte des Kollegiums dann auf mehr Köpfe verteilt werden muss.

20. September 1378

Zwei Päpste konkurrieren untereinander

Fondi * Die protestierenden Kardinäle verlassen den päpstlichen Hof, schließen sich mit den Franzosen zusammen und wählen in Fondi Robert von Genf zum Papst Clemens VII.. Damit ist das Schisma besiegelt: Zwei Päpste konkurrieren um den Anspruch, der „wahre Inhaber der kirchlichen Höchstgewalt“ zu sein.

Das Abendländische Schisma unterscheidet sich gegenüber früheren Kirchenspaltungen fundamental. Waren es in vergangenen Zeiten meistens Könige und Kaiser, die im Streit mit dem Papst ihnen genehme Gegenpäpste einsetzten, so war die jetzige Trennung aus der Mitte der Kirche entstanden. Außerdem gleicht es einem revolutionärer Akt, dass sich das Kardinalskollegium selbst die Kompetenz zusprach, einen Papst abzusetzen und einen Nachfolger zu wählen.

Frankreich, England und Spanien erklären Clemens VII. zum rechtmäßigen Papst. Das deutsche Reich ist uneins, aber Kaiser Carl IV. und sein Nachfolger Wenzel unterstützten Urban VI., ebenso Schottland, Ungarn und weitere Territorien.

Um den 6. Dezember 1389

Die Andechser Heiltümer kommen in die Lorenzkirche

München-Graggenau * Die Andechser Heiltümer kommen nach München und werden in die Lorenzkirche im Alten Hof gebracht. Die Reliquien werden zeitweise der Öffentlichkeit gezeigt. Zahlreiche päpstliche und bischöfliche Ablässe werden erteilt. 

Ab 17. März 1392

Das erste „Gnadenjahr“ außerhalb Roms ist in München

Rom-Vatikan - München * Papst Bonifaz IX. gewährt für die Zeit vom 17. März bis zum 1. August 1392 einen auf München und seinen Burgfriedensbezirk beschränkten Ablass.  
Er gilt für alle Sünden, außer für vorsätzliche Tötungen.  

Es war das erste „Gnadenjahr“ außerhalb Roms.  

Die Ablasserbitter müssen in dieser Zeit  

  • nach München pilgern,  
  • dort sieben Tage verweilen,  
  • je dreimal die Frauenkirche,  
  • die Peterskirche,  
  • die Jakobskirche am Anger und  
  • die Spitalskapelle besuchen und  
  • mindestens einmal die ausgestellten Reliquien verehren,  
  • beichten und  
  • ein vom Beichtvater festgelegtes Almosen spenden.  

Die ganze Aktion ist nur darauf angelegt, dieses „Almosen“, eine versteckte Steuer, den Gläubigen aus der Tasche zu ziehen.  
Der Zugang zum Himmel muss mit barem Geld erkauft werden.  

Der Kirche ist es höchst effektvoll gelungen, den um ihre arme Seele fürchtenden Gläubigen einzureden, sie könnten sich durch Beichte und milde Gabe von der Strafe des Fegefeuers loszukaufen:  
„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“  

Nonnen wollen trotz Klausur nach München.
Ihre Kirchenoberen können es ihnen nur unter Androhung der Exkommunikation und des Kerkers verbieten.  
Damit die Pilger ihr Geld nur an die vorbestimmte Stelle bringen, wird eine eigene Straßenpolizei gegründet.  

Die Masse der kleinen Leute ist es, die das Geld nach München bringt.  
Die Geschäftsleute Münchens machen einen enormen „Schnitt“.  
Auch die „Jakobidult“ erlebt ab dem Gnadenjahr einen ungeheueren Aufschwung.  

Ursprünglich hat man geplant, die Einnahmen je zur Hälfte den genannten Kirchen und dem Papst zuzugestehen.  
Später wird auch Herzog Stephan ein Viertel zugesprochen.  

Da die Münchner einen Teil der Einnahmen abzweigen und der Papst dadurch leer ausgeht, werden über die „ruchlose Stadt“ die höchsten Kirchenstrafen verhängt: „Bann und Interdikt“.  
Das gesamte kirchliche Leben der Stadt muss solange ruhen, bis die Gelder zurückerstattet werden. 

25. März 1409

Das „Konzil von Pisa“ beginnt

Pisa * Das „Konzil von Pisa“ beginnt.

Noch nie zuvor hat ein „Kardinalskollegium“ - ohne Rücksprache mit Papst oder Kaiser - ein allgemeines Konzil der Gesamtkirche einberufen.
Die Initiative der „Kardinäle“ stößt auf breite Zustimmung: Über 600 Kleriker nehmen am „Konzil von Pisa“ teil.

Die parallel einberufenen „Konzilien“ der beiden Päpste Gregor XII. in Cividale und Benedikt XIII. in Perpignan haben nicht annähernd so viele Teilnehmer.
Die überwiegende Zustimmung des Klerus zum „Konzil in Pisa“ isoliert die beiden Päpste auf Dauer.

Das „Konzil von Pisa“ zitiert die Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. nach Pisa und macht ihnen nach deren Weigerung einen förmlichen „Ketzerprozess“ als hartnäckige „Schismatiker“.
Damit ist die entscheidende Grundlage für das weitere Vorgehen geschaffen.

5. Juni 1409

Das Konzil von Pisa setzt die beiden amtierenden Päpste ab

Pisa * Das Konzil von Pisa setzt die beiden Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. ab.

24. Juni 1409

Alexander V. wird vom Konzil von Pisa zum Papst gewählt

Pisa * Zum Nachfolger wählt das Konzil von Pisa Papst Alexander V.. Weil jedoch Benedikt XIII. und Gregor XII. auch weiterhin auf ihre Ansprüche beharren, gibt es nunmehr statt zwei drei Päpste. Doch nun bekennen sich die wichtigsten Mächte zu Papst Alexander V. und dessen Nachfolger, Johannes XXIII.. Nur Spanien unterstützt auch weiterhin Papst Benedikt XIII..

3. Mai 1410

Papst Alexander V. stirbt. Sein Nachfolger wird Johannes XXIII.

Bologna * Papst Alexander V., der hauptsächlich in Bologna regiert, stirbt.

Sein Nachfolger wird Papst Johannes XXIII.. 

17. Mai 1410

Papst Johannes XXIII. wird zum Papst gewählt

Bologna * Baldassare Cossa wird in Bologna zum Papst gewählt. Er wird den Namen Johannes XXIII. annehmen. 

24. Mai 1410

Papst Johannes XXIII. erhält die Priesterweihe

Avignon * Der eine Woche zuvor zum Papst Johannes XXIII. gewählte Baldessare Cossa erhält die Priesterweihe

25. Mai 1410

Papst Johannes XXIII. wird gekrönt

Avignon * Der zum Papst Johannes XXIII. gewählte Balassare Cossa erhält die Bischofskonsekration. Am späten Nachmittag des selben Tages wird er schließlich zum Papst gekrönt. 

23. März 1411

Konrad V. von Hebenstreit zum Bischof von Freising ernannt

Avignon - Freising * Papst Johannes XXIII. ernennt Konrad V. von Hebenstreit - gegen des Willen des „Domkapitels“ - zum Bischof von Freising. 

Um April 1412

Bischof Konrad V. von Hebenstreit wird von seinen Dienern ermordet

Straßburg - Freising - Bischoflack * Der von Papst Johannes XXIII. zum Freisinger Bischof ernannte Konrad V. von Hebenstreit macht sich nach seiner Berufung von Straßburg aus auf den Weg in seine Freisinger Besitzungen.  

In Bischoflack wird er im Schloss von einer Freisinger Gesandtschaft empfangen.  
In der selben Nacht aber von seinen Dienern ermordet. 

26. Juli 1412

Hermann von Cilli wird Freisinger Bischof

Avignon - Freising * Hermann von Cilli wird von Papst Johannes XXIII. - auf Intervention des deutschen Kaisers Sigismund - zum Bischof von Freising ernannt. 

1413

König Sigismund will das dreifache „Schisma“ beenden

Lodi * Der neue deutsche König Sigismund will das dreifache „Schisma“ ein für alle Mal beenden.
Neben religiösen Aspekten verbindet er damit die Hoffnung auf die Kaiserkrone.

Sigismund trifft sich mit Papst Johannes XXIII. in Lodi und zwingt diesen zur Einberufung des „Konzils von Konstanz“

Um den September 1414

Papst Johannes XXIII.: „Hier liege ich in Teufels Namen!“

Arlbergpass * Papst Johannes XXIII. bricht zum „Konzil“ nach Konstanz auf.

Als sein Wagen am „Arlbergpass“ umstürzt, schreit er wenig päpstlich und zornig: „Hier liege ich in Teufels Namen!“ 

Ab dem 5. November 1414

Auf dem Konzil von Konstanz soll das Schisma überwunden werden

Konstanz * Das Konzil von Konstanz beginnt. Es dauert bis zum 22. April 1418. Der wichtigste Tagesordnungspunkt des Konzils ist die Beendung des Abendländischen Schisma und damit die Wiederherstellung der Einheit der Kirche. Die Lösung besteht darin, alle drei Päpste abzusetzen und einen neuen, von allen anerkannten Papst zu wählen. 

Doch auf dem Konzil wird nach kurzer Zeit eine ungewöhnliche Reform des Stimmrechts unternommen: Fortan gilt nicht mehr das Prinzip ein Teilnehmer, eine Stimme, sondern es wird nach Nationen abgestimmt, wobei jede Nation nur eine Stimme haben soll. Damit haben die Italiener nur noch eine Stimme, die gegen die drei anderen Nationen England, Deutschland und Frankreich sowie die des Kardinalskollegiums steht.

Dem Kirchenkritiker Jan Hus, dem König Sigismund freies Geleit zugesichert hatte, wird auf dem Konzil von Konstanz der Prozess gemacht und am Scheiterhaufen verbrannt. 

20. März 1415

Papst Johannes XXIII. flieht nach Schaffhausen

Konstanz - Schaffhausen * Papst Johannes XXIII., als dessen Gefangener Jan Hus gilt, flüchtet - heimlich und als Knappe verkleidet - von Konstanz nach Schaffhausen.   

Er befürchtet, dass man ihm wegen früherer Fehltritte den Prozess machen könnte. 

6. April 1415

Die „Hoheit des Konzils über den Papst“ wird festgeschrieben

Konstanz * Auf dem „Konzil von Konstanz“ wird die „Hoheit des Konzils über den Papst“ wird festgeschrieben. 

29. April 1415

König Sigismund lässt Papst Johannes XXIII. gefangen nehmen

Heidelberg * König Sigismund lässt Papst Johannes XXIII. gefangen nehmen und im Heidelberger Schloss inhaftieren. 

29. Mai 1415

Das Konzil von Konstanz erklärt Papst Johannes XXIII. für abgesetzt

Konstanz * Das Konzil von Konstanz erklärt Papst Johannes XXIII. für abgesetzt. Nun muss sich das Konzil mit den beiden anderen Päpsten beschäftigen.

  • Papst Gregor XII., bereits über 80 Jahre alt, lenkt bald ein. Er erkennt das Konzil von Konstanz als legitimes Konzil der Kirche an und erklärt seine Resignation. 
  • Papst Benedikt XIII., der inzwischen in Perpignan residiert, erklärt sich zwar zu einer Abdankung bereit, knüpft daran jedoch Bedingungen, die ihm allerdings nicht bewilligt werden. Daraufhin hält er seinen Anspruch aufrecht und flieht nach Peñiscola in Spanien.

König Sigismund erreicht aber, dass ihm die spanischen Königreiche die Unterstützung entziehen und als fünfte Konzilsnation nach Konstanz kommen. Damit ist Papst Benedikt XIII. endgültig isoliert. Wegen „Verweigerung der Resignation“ wird ihm der Prozess gemacht.

31. Mai 1415

Papst Johannes XXIII. erhält seine Absetzung

Heidelberg - Konstanz * Papst Johannes XXIII. erhält während seiner Gefangenschaft auf Schloss Heidelberg seine vom Konzil in Konstanz ausgesprochene Absetzung. Er erklärt sich mit seinem Rücktritt unter der Bedingung einverstanden, dass auch die beiden anderen Päpste abtreten. 

4. Juli 1415

Der römische Papst Gregor XII. tritt zurück

Konstanz * Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz, ein religiös sehr engagierter Mann, bringt den römischen Papst Gregor XII. dazu, zu resignieren. Der Greis wird im Gegenzug zum päpstlichen Legaten auf Lebenszeit ernannt. 

26. Juli 1417

Der Avignoner Gegenpapst Benedikt XIII. wird abgesetzt

Konstanz - Avignon * Der Avignoner Gegenpapst Benedikt XIII., der erst gar nicht zum Konzil von Konstanz erschienen ist, wird für abgesetzt und sein Papsttum für ungültig erklärt.

Nach der Absetzung beziehungsweise der Abdankung der drei Päpste ist der Weg frei für eine Neuwahl. Das in Konstanz versammelte Kardinalskollegium erklärt sich bereit, an der Wahl auch die Vertreter der Nationen zuzulassen.

8. November 1417

Das Konklave beginnt mit der Wahl des neuen Papstes

Konstanz * Das Konklave beginnt mit der Wahl des neuen Papstes.

11. November 1417

Der Italiener Oddo di Colonna wird zum Papst Martin V. gewählt

Konstanz * Das Konklave entscheidet sich für den Italiener Oddo di Colonna, der sich den Namen Martin V. gibt. Damit hat die Kirche wieder einen von allen anerkannten Papst. Das Abendländische Schisma gilt damit als beendet. 

29. März 1422

Nikodemus della Scala zum Bischof von Freising ernannt

Rom-Vatikan * Papst Martin V. ernennt den von Herzog Heinrich XVI. dem Reichen von Baiern-Landshut unterstützten Nikodemus della Scala zum Bischof von Freising. 

1430

Ein fünfbändiger Entwurf für einen „christlichen Idealstaat“

Savoyen * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, der spätere „Gegenpapst“ Felix V., lässt einen fünfbändigen Entwurf für einen „christlichen Idealstaat“ erarbeiten.

Darin dürfen keinerlei „Normverstöße“, erst recht keine „Gotteslästerung, Häresie und Zauberei“ geduldet werden.
Als weltlicher Herrscher führt er in seinem Herzogtum bereits schärfere Gesetze gegen „sittliche und religiöse“ Verstöße ein.

Dabei führt Herzog Amadeus - „der Friedfertige“ - das „inquisitorische Verfahren“ gegen „Ketzer“ wie gegen „Zauberer“ ein und ermuntert seine Amtsleute, mit „dominikanischen und franziskanischen Inquisitoren“ zusammenzuarbeiten. 

5. November 1439

Herzog Amadeus VIII. wird zum Gegenpapst Felix V. gewählt

Basel * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, genannt der Friedfertige, wird zum Gegenpapst Felix V. gewählt, aber lediglich von Baiern, Aragonien, Ungarn und der Schweiz in dieser Funktion anerkannt. 

1462

Papst Pius II. bestätigt die „Augustinische Lehre“ zur „Prostitution“

Rom-Vatikan * Papst Pius II. bestätigt die Gültigkeit der „Augustinischen Lehre“ zur „Prostitution“

19. März 1479

Papst Sixtus IV. führt das Fest des „Hl. Joseph“ ein

Rom-Vatikan * Josef ist ein später Heiliger.

Erst Papst Sixtus IV. führt das Fest des „Hl. Joseph“ ein.

1480

Herzog Albrecht IV. zwingt die „Konventualen Franziskaner“ zum Abzug

München-Graggenau * Der regierende Herzog Albrecht IV. zwingt - mit päpstlicher Genehmigung und mit Ausnahme von drei reformwilligen Mönchen - die „Konventualen“ zum Abzug und initiiert gemeinsam mit Papst Sixtus IV. eine Reform des Münchner „Franziskanerordens“.

Das Kloster übernehmen nunmehr Pater der „alten Observanz“. Seit dieser Zeit gehen auch die anfallenden Baulasten des Klosters zu Lasten des Herzogs, da den „Observanten“ nach der strengen Auslegung der Armutsregel jedes Eigentum an den Gebäuden untersagt ist.

1484

Papst Innozenz VIII. erlässt die Bulle „Summis desiderantes“

Rom-Vatikan * Der Verfasser des „Hexenhammers“, Heinrich Kramer [„Henricus Institoris“], erwirkt von Papst Innozenz VIII. die Bulle „Summis desiderantes“, in der er die von „Hexen“ begangenen Schäden beklagt, die in den „Erzbistümern“ Köln, Mainz, Trier, Salzburg und Bremen aufgetreten sein sollen.

Gleichzeitig kritisiert er den Widerstand, mit dem viele Städte und Territorien eine „Hexenverfolgung“ verweigern. 

1484

Papst Innozenz VIII. erlässt eine „Hexenbulle“

Rom-Vatikan * Papst Innozenz VIII. erlässt eine „Hexenbulle“.

1490

Das „öffentliche oder heimliche Halten von Konkubinen“ wird verboten

Rom-Vatikan * Der päpstliche Vikar Giacomo Botta erlässt ein Dekret, das allen Klerikern und Laien bei Androhung der „Exkommunikation“ und des „Verlustes der Ämter und Pfründe“ das „öffentliche oder heimliche Halten von Konkubinen“ verbietet.  

Papst Innozenz VIII., das ist übrigens auch der mit dem „Hexenhammer“, lässt den Erlass umgehend zurücknehmen und erklärt, dass das „Konkubinat“ nicht verboten sei.  
In der Folge gibt es in der heiligen Stadt Rom kaum noch einen Priester oder „Kurialen“, der ohne „Konkubine“ lebt. 

9. Februar 1492

Haidhausen erhält eine feste Stelle für einen „Kaplan“

Rom-Vatikan - Haidhausen * Papst Alexander VI. genehmigt für Haidhausen ein „Inkuratbenefizium“, eine feste Stelle für einen „Kaplan“.

26. Oktober 1520

Carl V. wird zum Kaiser erhoben

Rom-Vatikan * Papst Leo X. willigt ein, dass Carl V. den Titel „erwählter römischer Kaiser“ führen kann. 

3. Januar 1521

Martin Luther wird exkommuniziert

Rom-Vatikan * Martin Luther wird durch die päpstliche Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ exkommuniziert. 

8. Mai 1521

Über Martin Luther wird die Reichsacht verhängt

Worms * Als Folge der päpstlichen Bannbulle vom 3. Januar 1521 wird in Worms von Kaiser Carl V. das Edikt gegen Martin Luther erlassen.

  • Über Luther wird die Reichsacht verhängt und außerdem
  • das Lesen und die Verbreitung seiner Schriften verboten. 
  • Luther kann von jedermann, der seiner habhaft wird, an Rom ausgeliefert werden. 
  • Seine Beherbergung ist bei Strafe verboten. 

31. Mai 1523

Papst Hadrian VI. spricht den Bischof Benno von Meißen heilig

Rom * Papst Hadrian VI. spricht - auf Betreiben Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen - den Bischof Benno von Meißen, den späteren Münchner Stadtpatron, heilig. 

24. Juni 1524

Der Theatiner-Orden wird gegründet

Rom • Papst Clemens VII. bestätigt die Gründung des Theatiner-Ordens. Er war als Regularkleriker-Orden zur religiösen Erneuerung des Klerus gegründet worden. Die Klostergemeinschaft wird auf Initiative von Gian Pietro Caraffa, dem späteren Papst Paul IV., und von Kajetan von Thiene ins Leben gerufen. 

24. Februar 1530

Kaiser Carl V.: „Die lutherische Ketzerei in Deutschland ausrotten“

Rom-Vatikan * Kaiser Carl V. gibt Papst Clemens VII. das Versprechen, „die lutherische Ketzerei in Deutschland mit Stumpf und Stil auszurotten“.

10. Juni 1530

Begrüßung mit Prachtentfaltung und lebenden Bildern

München - Haidhausen * Nach der Schlacht bei Haidhausen setzt sich der Zug wieder in Richtung München in Bewegung. Als die hochgestellten Persönlichkeiten von der Stadt aus sichtbar werden,

  • beginnen alle Glocken Münchens zu läuten,
  • von den Türmen und Stadtmauern begrüßen Freudenschüsse die Gäste,
  • von der Isarbrücke aus gibt es ein Fischerstechen zu sehen und
  • über dem Isartor schwebt ein Ballon in Gestalt eines fliegenden Drachens.
  • Hoch in der Luft, noch über dem Ballon, werden weißblaue Fahnen mit dem baierischen Wappen sichtbar, die ein Taubenschwarm trägt.

Auf dem weiteren Weg können von den hochrangigen Gästen dann noch die damals so beliebten lebenden Bilder besichtigt werden. Sie stoßen auf um so größeres Interesse, je blutiger es dabei zugeht. Und die Münchner sollen an diesem Pfingstfreitag voll auf ihre Kosten kommen.

  • Auf einer Bühne bei der Hochbrücke im Tal sehen die Besucher die Geschichte der Königin Esther, die als Gemahlin des persischen Königs Xerxes ihren jüdischen Glaubensbrüdern zu blutiger Rache verhilft.
  • Das zweite Bild zeigt die Skythenkönigin Tomiris, wie sie das abgeschlagene Haupt des Cyrus in einen Eimer voll Blut stößt. „Der Schauplatz bei den städtischen Fleischbänken war dafür nicht übel gewählt“, schreibt Sigmund Riezler lapidar dazu.
  • Auf der dritten Bühne - an der Burgstraße - lässt der Perserherrscher Kambyses einen ungerechten Richter schinden und mit dessen Haut einen Sessel polstern, auf den sich der Sohn des Bösewichts setzen muss, um als Nachfolger seines Vaters später einmal gerecht zu urteilen.
  • Andere Bilder zeigen das Herausreißen des Herzens aus einer geöffneten Brust durch einen Wilden und ähnliche Grässlichkeiten, die aber durchwegs mit Wohlgefallen und Zustimmung aufgenommen werden.

Nur der Kaiser zeigt sich - nach Aussage eines Augenzeugen - „ein wenig befremdet ob des vielen Blutes”.

Dem päpstlichen Legaten Campeggi „schien es gut zu sein, Seiner Majestät zu sagen, dass die Szenen nicht ohne geheime Anspielung gemacht seien, und dass man sie auf die Ketzer beziehen könne, gegen welche man, wenn sie den von Seiner Majestät gebotenen Gottesfrieden nicht annehmen wollen, die eisernen Ruten brauchen werde“

11. Juni 1530

Das Programm für Kaiser Carl V. geht weiter

München - Perlach * Das Programm für Kaiser Carl V. geht weiter. Die Gäste und die Gastgeber pflegen das Waidwerk und begeben sich zur Hirschjagd auf die Perlacher Haid. Mehr als einhundert Hirsche finden bei dieser eingestellten Jagd den Tod. Der päpstliche Legat Campeggi würdigt das Abschlachten von zuvor eingefangenen Tieren später als „schönste Hirschjagd der Welt“

14. Juni 1530

Kaiser Carl V. verlässt München in Richtung Augsburg

München - Augsburg * Kaiser Carl V. und sein Gefolge verlassen München in Richtung Augsburg, wohin er einen Reichstag einberufen hat. Dort sollen die Religionsparteien geeinigt werden, doch der Kaiser will „die lutherische Ketzerei in Deutschland mit Stumpf und Stil ausrotten“. Denn genau dieses Versprechen hat er am 24. Februar 1530 Papst Clemens VII. ja gegeben.

27. September 1540

Die Jesuiten erhalten die päpstliche Bestätigung für ihren neuen Orden

Rom-Vatikan * Die Gesellschaft Jesu, die Jesuiten, erhält die päpstliche Bestätigung für ihren neuen Orden.

26. Februar 1558

Ferdinand I. wird - gegen den Willen von Papst Paul IV. - zum Kaiser gekrönt

Rom * Ferdinand I. wird - gegen den Willen von Papst Paul IV. - zum Kaiser gekrönt. Erst Pauls IV. Nachfolger, Papst Pius IV., erkennt ihn an. 

16. April 1564

Papst Pius IV. gestattet den Laienkelch im Herzogtum Baiern

Rom-Vatikan - München * Papst Pius IV. gestattet den „Laienkelch“, also die „Kommunion in beiderlei Gestalt“, auch im Herzogtum Baiern. Das päpstliche Breve kommt zu spät, da Herzog Albrecht V. seine Meinung inzwischen geändert hat und nun gegen den „Laienkelch“ kämpft. 

1566

Papst Pius V. gibt die „Toleranz“ gegenüber dem „Dirnenwesen“ auf

Rom-Vatikan - München * Papst Pius V. gibt die „Toleranz“ gegenüber dem „Dirnenwesen“ auf.  

Am Ende appellieren sogar die katholischen Pfarrer an den Rat der Stadt, das „Frauenhaus“ zu schließen.  
Sie beziehen sich dabei - wie die „Reformierten“ - auf die Aussagen der Bibel gegen die „Hurerei“

18. Oktober 1566

Papst Pius V. genehmigt die Resignation des Freisinger Bischofs

Rom-Vatikan - Freising * Nach längeren Verhandlungen genehmigt Papst Pius V. die Resignation [= freiwilliger Amtsverzicht] des Freisinger Bischofs Moritz von Sandizell. Damit kann der elfjährige Baiernprinz Ernst zum Bischof von Freising gewählt werden. 

12. Februar 1582

Papst Gregor XIII. ordnet eine grundlegende Kalenderreform an

Rom-Vatikan * Papst Gregor XIII. ordnet in der Bulle Inter gravissima eine grundlegende Kalenderreform an. Er will damit den auf die Antike zurückgehenden Julianischen Kalender reformieren, um die Nachtgleichen wieder mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bringen und so eine gesicherte Osterberechnung zu ermöglichen.

Mit dem neuen Kalender sollte auf den 4. Oktober 1582 der 15. Oktober folgen. 

4. Oktober 1582

Umstellung des Kalenders bei den Katholiken

Rom-Vatikan * Papst Gregor XIII. reformiert den auf die Antike zurückgehenden Julianischen Kalender, um damit die Nachtgleichen wieder mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bringen. Auf den 4. Oktober soll der 15. Oktober 1582 folgen.

Kaiser Rudolph II. fordert daraufhin die Reichsstände auf, den neuen Gregorgianischen Kalender einzuführen. Doch während die Katholischen Stände den Kalender annehmen, lehnen ihn die Evangelischen Stände aus konfessionellen Gründen ab.

Damit werden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zwei Kalender mit unterschiedlicher Tageszählung benutzt, was die Handels- und Rechtsgeschäfte massiv beeinträchtigt. Das bleibt so bis zum 17. Februar 1700 so.

1585

In einer Bulle verbietet Papst Sixtus V. sämtliche Zauberbücher

Rom-Vatikan * In einer Bulle verbietet Papst Sixtus V. sämtliche Zauberbücher.

1593

Spaltung und innere Reform des „Karmeliter-Ordens“

Rom * Reformbewegungen führen zur Spaltung und zur inneren Reform des „Karmeliter-Ordens“.

Die Hauptträger der Erneuerung des „Karmels“ - Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz - greifen auf die alten Regeln, ohne die späteren Milderungen, zurück.

Im Volk nennt man die Mitglieder dieser Reformklöster die „Unbeschuhten Karmeliter“.
Nach langen Konflikten losen sich die „Unbeschuhten Karmeliter“ vom „Beschuhten“ Stammorden los.

Der Papst will die „Unbeschuhten“, ähnlich wie die anderen Reformorden, vordringlich zur Erneuerung des kirchlichen Lebens in den Städten, zur Abwehr der „Häretiker“ und zur Ausbreitung des Glaubens in den Missionsgebieten einsetzen.

18. Dezember 1596

Fürstbischof Philipp Wilhelm wird Kardinal

Regensburg - Rom * Der Regensburger Fürstbischof Philipp Wilhelm wird im Alter von 20 Jahren von Papst Clemens VIII. zum Kardinal erhoben. 

18. Januar 1598

Erzherzog Ferdinand II. bedankt sich für die erteilte Ehedispens

Wien - Rom-Vatikan * Erzherzog Ferdinand II. bedankt sich bei Papst Clemens VIII. für die erteilte Ehedispens mit Herzogin Maria Anna von Baiern. Zuvor waren von protestantischer Seite Angriffe auf das Paar unternommen worden.

Beanstandet wurden der beträchtliche Altersunterschied, wobei die 24-jährige Maria Anna lediglich vier Jahre älter als Ferdinand II. war, dann die Hässlichkeit der Braut und schließlich die nahe Verwandtschaft der Geschwisterkinder. [Ferdinands Mutter Erzherzogin Maria war die Schwester von Maria Annas Vater Wilhelm V..]  Schon deshalb musste der päpstlicher Dispens eingeholt werden.

13. November 1600

Papst Clemens VIII. teilt den Karmeliter-Orden auf

Vatikan * Papst Clemens VIII. teilt den Karmeliter-Orden in zwei selbstständige Kongregationen auf.

  • In eine Spanische, die für die Länder der spanischen Krone, also Spanien, Portugal und Mexiko, zuständig ist.
  • Und in eine Italienische, die sich in der übrigen Welt ausbreiten soll.

Oktober 1610

Ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ für das „Hochstift Augsburg“

Augsburg * Bischof Heinrich V. von Knöringen erlässt ein entsprechendes „Aberglaubens- und Hexenmandat“ für das „Hochstift Augsburg“.

Sie alle stehen damit in einer Linie mit den fränkischen Bischöfen und den Fürsten in München sowie Köln und zählten zu den von Papst Urban VIII. so bezeichneten „Zelanten“

17. Februar 1612

Kölns Kurfürst und Erzbischof Ernst stirbt bei der Jagd

Arnsberg - Köln * Kölns Kurfürst und Erzbischof Ernst stirbt bei einem Jagdausflug im westfälischen Arnsberg in Westfalen. Er wird im Kölner Dom beigesetzt. Sein Nachfolger wird der jüngste Sohn von Herzog Wilhelm V., Herzog Ferdinand von Baiern, der Bischof von Lüttich.

Er erhält nun zusätzlich das Bistum Köln einschließlich der Kurfürstenwürde, dazu die Bistümer Hildesheim und Münster, ohne dass dagegen der Papst, der Kaiser oder die Fürsten einschreiten. Nur das Freisinger Domkapitel widersteht allen Einschüchterungsversuchen des Münchner Hofs. 

Ferdinand zeigt sich als kompromissloser Vorkämpfer einer kirchlichen Restauration auf der Grundlage des Trienter Konzils. Trotzdem weigert er sich lebenslang, die höheren Weihen zu empfangen und als konsekrierter Bischof seiner Ämter zu walten. Selbst die Jesuiten in seiner Umgebung, die als ständige Berater und Beichtväter die einflussreichsten Positionen einnehmen, können Ferdinand diese Entscheidung nicht abringen. 

Anno 1617

Papst Paul V. lässt eine Bronze-Madonna auf eine antike Säule stellen

Rom * Papst Paul V. lässt die Bronzefigur einer „Maria Immaculata“ in Rom bei „Santa Maria Maggiore“ auf eine antike Säule stellen. 

Mai 1620

Der „Karmelitengeneral“ Dominicus a Jesu Maria geht nach Baiern

Schärding * Der bereits 60-jährige „Karmelitengeneral“ Dominicus a Jesu Maria geht auf päpstliche Weisung nach Baiern.

Noch in Rom hat er den Sieg von Prag vorausgesagt:
„Wenn die Schlacht anfangen wird, werde ich auf einem mutigen Pferd sitzen, durch die Glieder des Kriegsheeres reiten, die Soldaten anfrischen: Die mich erblickenden Feinde werden aufschreien: Was für ein Teufel aus der Hölle kommt zu dem katholischen Kriegsheer?“

In Schärding am Inn, wo die „Liga“ ihre Truppen gesammelt hat, trifft der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria erstmals auf Herzog Maximilian I. und dessen Ehefrau Elisabeth Renata von Lothringen.

Gemeinsam begeben sich die zur „Strafaktion“ versammelten Regimenter und Maximilians Hofstaat nach Böhmen.
Der „Karmeliter-Pater“ reist in einer Sänfte.

In einem von den böhmischen Aufständischen zerstörten Dorf findet der Ordensmann ein kleines Bild, das die Geburt Jesu darstellt.

Calvinistische Bilderstürmer haben Maria und Josef die Augen ausgekratzt.
Sofort hängt sich der „Karmelit“ dieses „Gnadenbild“ um den Hals.

1625

Papst Urban bestätigt die „Franziskanerprovinz“

Rom-Vatikan - München * Papst Urban VIII. bestätigt die von Kurfürst Maximilian I. angestrebte selbstständige baierische „Franziskanerprovinz zum heiligen Antonius von Padua“.

6. März 1629

Kaiser Ferdinand II. erlässt das Restitutionsedikt

Wien * Kaiser Ferdinand II. erlässt - in Übereinstimmung mit den Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und Baiern - das Restitutionsedikt, das jede „Entfremdung von katholischem Kirchengut nach dem Stichjahr 1552 für unrechtmäßig“ erklärt.

Davon betroffen sind rund 500 Klöster und Konvente vor allem in Niedersachsen und Württemberg, die Erzbistümer Bremen und Magdeburg sowie zwölf reichsunmittelbare Bistümer in Norddeutschland. Nur Meißen, Merseburg und Naumburg werden dem Kurfürsten von Sachsen aus politischen Rücksichten vorerst überlassen. Es erhebt sich nicht nur bei den protestantischen Reichsständen lauter Protest. Selbst der Papst äußert Bedenken.

8. Oktober 1629

Papst Urban VIII. spricht Kajetan von Thiene selig

Rom • Papst Urban VIII. spricht Kajetan von Thiene, den Mitbegründer des Ordens der Theatiner, selig. 

28. Juli 1655

Bitte um Heiligsprechung des seligen Kajetan

München - Rom • Kurfürstin Henriette Adelaide bittet in einem Brief Papst Alexander VII. um die Heiligsprechung des Mitbegründers des Theatinerordens Kajetan von Thiene. 

29. April 1670

Ein erneutes Gesuch um Heiligsprechung des seligen Kajetan

München - Rom • Da sich in dem nur zwei Jahre dauernden Pontifikat des Papstes Clemens IX. in der Frage der Heiligsprechung des Theatinerorden-Gründers Kajetan von Thiene noch kein Ergebnis vorliegt, richtet das baierische Kurfürstenhaus erneut ein entsprechendes Gesuch an Papst Clemens X.. 

12. April 1671

Papst Clemens X. spricht Kajetan von Thiene heilig

Rom • Papst Clemens X. spricht Kajetan von Thiene, den Mitbegründer des Theatiner-Ordens, heilig. Seine Reliquien werden in der Kirche von St. Paul zu Neapel aufbewahrt. 

4. August 1671

Der Heilige Stuhl gewährt einen Vollkommenen Ablass

Rom - München • Der Heilige Stuhl gewährt aus Anlass der Heiligsprechung von Kajetan von Thiene einen Vollkommenen Ablass in den Kirchen des Theatinerordens. 

1683

Kölns Kurfürst Maximilian Heinrich wird Landesherr von Münster

Münster * Der Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich, Herr über die drei Bistümer Köln, Lüttich und Hildesheim, wird mit Hilfe hoher Bestechungsgelder noch zum Bischof von Münster gewählt.  

Doch Papst Innozenz XI. erkennt die Wahl aufgrund der Vorfälle nicht an, sodass Maximilian nur Landesherr, nicht aber Bischof ist. 

31. März 1683

Ein breites Devensivbündnis gegen die Osmanen

Rom - Wien - Warschau * Der päpstlichen Diplomatie gelingt es Ende März 1683, Kaiser Leopold I. und den polnischen König Johann III. Sobieski zum Abschluss eines Defensivbündnisses gegen die Osmanen zu bringen. Auch Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen erklären sich zum Beistand des Kaisers bereit. 

Papst Innozenz XI. unterstützt die christlichen Herrscher in ihrem Kampf gegen die vorrückenden Türken mit 1,5 Millionen Gulden - und seinem Segen. Er selbst sieht sich als „Streiter für die Reinhaltung des katholischen Glaubens“.

Schon deshalb bemüht er sich während seines ganzen Pontifikates, die Fürsten zu einer „Heiligen Liga“ zum „Kampf und zur Abwehr der Osmanen“ zu gewinnen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche bittet mit einem päpstlichen Aufruf die Gottesmutter unter der Parole „Maria hilf!“ um ihre Unterstützung. 

5. März 1684

Gründung einer Heiligen Liga zum Kampf und zur Abwehr der Osma­nen

Rom * Mit Unterstützung von Papst Innozenz XI., der sich selbst als „Streiter für die Rein­haltung des katholischen Glau­bens“ sieht, gelingt die Gründung einer Heiligen Liga zum „Kampf und zur Abwehr der Osma­nen“. König Johann III. Sobieski von Polen, Kaiser Leopold I. und die Republik Venedig schließen dazu ein Bündnis, dem zwei Jahre später auch Russland beitreten wird.

Durch die Heilige Liga fließen umfangreichere Subsidien, sodass die baierische Armee auf eine Sollstärke von 18.000 Mann erhöht werden kann. 

7. Januar 1688

​Papst Innozenz XI. kennt das Ergebnis der Wahl nicht an

Köln * Die Kölner Domherren legen sich - auf Wunsch des Fürstbischofs Maximilian Heinrich - einstimmig für Wilhelm Egon von Fürstenberg als Koadjutor [= Nachfolger] für den Kölner Bischofsstuhl fest.  

  • Kaiser Leopold I. erklärt die Wahl für ungültig und auch  
  • Papst Innozenz XI. erkennt das Ergebnis der Wahl nicht an und zögert die Sache so lange hinaus, bis Kurfürst Maximilian Heinrich stirbt. 

19. Juli 1688

Joseph Clemens wird Kölner Erzbischof und Kurfürst

Köln - Rom-Vatikan * Es kommt zur Wahl zum Kölner Erzbischof und Kurfürsten.  

  • Bei der Kampfabstimmung erhält der Straßburger Bischof Wilhelm Egon von Fürstenberg 13 der 24 Stimmen. 
  • Bischof Joseph Clemens von Freising und Regensburg erhält dagegen nur neun Stimmen.  

Dennoch bestätigt Papst Innozenz XI. den unterlegenen Kandidaten in der Funktion des Kölner Fürstbischofs und Kurfürsten. Daraufhin lässt der französische König Ludwig XIV. Köln besetzen. Der frisch gekürte 17-jährige Kurfürst Joseph Clemens kann dadurch die nächsten neun Jahre nicht in Köln residieren. 

27. Oktober 1692

Geburt des baierischen Kurprinzen Ferdinand Joseph in Wien

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia bringt in der Wiener Hofburg einen Sohn zur Welt. Das Kind wird noch am selben Tag vom päpstlichen Nuntius im Beisein des Kaiserpaares in feierlicher Zeremonie auf den Namen Joseph Ferdinand Leopold getauft.  

Kurfürst Max Emanuel, der Vater des Kindes, ordnet - nachdem er von der Geburt seines Sohnes erfahren hat - in Brüssel eine Festbeleuchtung an - und gibt ein Galadiner. Er nutzt schließlich jeden sich bietenden Grund zum Feiern. 

27. Oktober 1692

Kurprinz Joseph Ferdinand Leopold wird in Wien geboren

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia bringt in der Wiener Hofburg einen Sohn zur Welt. Das Kind wird noch am selben Tag vom päpstlichen Nuntius im Beisein des Kaiserpaares in feierlicher Zeremonie auf den Namen Joseph Ferdinand Leopold getauft.

Kurfürst Max Emanuel, der Vater des Kindes, ordnet - nachdem er von der Geburt seines Sohnes erfahren hat - in Brüssel eine Festbeleuchtung an - und gibt ein Galadiner. Er nutzt schließlich jeden sich bietenden Grund zum Feiern. 

4. Mai 1694

Joseph Clemens erhält das Amt des Fürstbischofs von Lüttich

Lüttich * Pfalzgraf Ludwig Anton stirbt an einer in Lüttich grassierenden Seuche. Damit ist der Pfalzgraf als Konkurrent um das Bistum Lüttich ausgeschieden. Papst Innozenz XII.kann dadurch Kurfürst Joseph Clemens - ohne auf die Vorgänge der Wahl eingehen zu müssen und ohne Stellung zu Fragen der besseren Legitimität des baierischen Bewerbers zu nehmen - das Amt des Fürstbischofs von Lüttich übertragen. 

Um sich nicht dem Vorwurf der Nachgiebigkeit gegenüber dem Haus Baiern und der Parteilichkeit aussetzen zu müssen, entzieht Papst Innozenz XII. daraufhin Bischof Joseph Clemens die Bistümer Freising und Regensburg, indem er sie für „vakant“ erklärt und die dortigen Domkapitel zur Wahl eines neuen Bischofs auffordert. In Erinnerung an die Reformbeschlüsse des Konzils von Trient, welche die Anhäufung von geistlichen Pfründen als „unerträglichen Missstand“ brandmarkten, sieht sich der Papst zum Handeln gezwungen.

Um den Besitzstand des 22-jährigen Kurfürsten ein wenig zu beschneiden, greift der Papst zum Mittel der Einziehung der eher unbedeutenden Bistümer Freising und Regensburg. Gleichzeitig sichert er ihm aber die Nachfolge in Hildesheim zu.

17. Februar 1695

Joseph Clemens zum zweiten Mal zum Regensburger Bischof gewählt

Regensburg * Das Domkapitel in Regensburg wählt Joseph Clemens zum zweiten Mal zu ihrem Bischof. Papst Innozenz XII. überträgt ihm daraufhin das Bistum, verbindet es aber mit einer Klausel, wonach er bei einem Regierungsantritt in Hildesheim endgültig auf das Bistum Regensburg verzichten muss.

Spätestens Januar 1708

Giovanni Antonio Viscardi wird „kayserlicher Hofpaumeister“

Wien - Freystadt - München * Giovanni Antonio Viscardi wird aufgrund seiner vom ihm gebauten Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt spätestens im Januar 1708 zum „kayserlichen Hofpaumeister“ ernannt.

Für Giovanni Antonio Viscardi bedeutete die Ernennung die höchstmögliche Anerkennung. Denn in Diensten des Kaisers zu stehen war - neben einer Anstellung beim Papst - durch nichts mehr zu toppen. 

14. Oktober 1709

Eine päpstliche Genehmigung ist notwendig

Au - Freising * Johann Maximilian von Alberti wendet sich an den ihm gewogenen Bischof von Freising, um „das hochwürdigste Gut für ständig in der Kapelle einsetzen und zeitweilig zur öffentlichen Anbetung aussetzen“ zu dürfen. Da es sich bei dem Kirchlein am Gaisberg um eine Privatkapelle handelt, ist dazu die Zustimmung durch die höchste katholische Instanz notwendig, den Papst.

19. Dezember 1709

Papst Clemens XI. ist für die ständige Aufbewahrung des Allerheiligsten

Rom-Vatikan - Au * Papst Clemens XI. gibt sein Einverständnis für die ständige Aufbewahrung des Allerheiligsten in der Kapelle am Gaisberg.

11. Dezember 1711

Die Paulaner-Patres verzögern die Kloster-Genehmigung

Au * Die Eifersüchtig auf ihre Einkünfte achtenden Paulaner-Patres verzögern die Genehmigung des Klosters auf dem Gaisberg über ein Jahr. Erst dann kann der Papst die Konzessionsurkunde ausstellen.

7. Februar 1717

Der Regensburger Bischof Clemens August trifft in Rom ein

Rom * Der 16-jährige Regensburger Bischof Clemens August trifft in Begleitung seines älteren Bruders Philipp Moritz in Rom ein. 

Sie erhalten eine Audienz beim Papst, unter dessen Aufsicht sie auch studieren dürfen.
Die Kontakte zum Papst und der römischen Kurie sollen die kanonischen Hürden bei der Besetzung von weiteren Bischofsstühlen erleichtern.

26. März 1719

Der 18-jährige Clemens August wird Bischof in Münster

Münster * Mit Unterstützung des Papstes wird der 18-jährige Clemens August anstelle seines Bruders Philipp Moritz Bischof in Münster.

1721

Nepomuk wird von Papst Innocenz XIII. „selig“ gesprochen

Rom-Vatikan - Prag * Nepomuk, der Beichtvater der böhmischen Königin Sophie, wird von Papst Innocenz XIII. „selig“ gesprochen.

9. November 1727

Kurfürst Clemens August erhält die Bischofsweihe

Viterbo * Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August von Köln erhält von Papst Benedikt XIII. im Kloster San Maria della Querica in Viterbo die Bischofsweihe. 

15. April 1728

Der „Hohe Ritterorden St. Georgii“ erhält seine kirchliche Bestätigung

Rom-Vatikan - München * Mit einer päpstlichen Bulle erhält der „Churbaierische hohe Ritterorden St. Georgii“ seine kirchliche Bestätigung.

19. März 1729

Johannes von Nepomuk wird von Papst Benedikt XIII. „heilig“ gesprochen

Rom-Vatikan - München * Johannes von Nepomuk wird von Papst Benedikt XIII. „heilig“ gesprochen und auf Wunsch des Kurfürsten Carl Albrecht zum „Landespatron Baierns“ ernannt.

28. April 1738

Papst Clemens XII. verbietet die Freimaurer

Vatikan * Papst Clemens XII. ist ein hochbegabter Jurist und Finanzexperte, der - blind und Krank - die katholische Welt mit einem eisernen Willen vom Bett aus regiert. Er erlässt die Verdammungsbulle „In eminenti apostolatus specula“, die den Freimaurern aus ihrer Geheimniskrämerei einen Strick dreht. „Wenn sie nichts Böses täten, würden sie nicht so sehr das Licht hassen“, argumentiert der greise Papst. Die Zugehörigkeit zur Freimaurerei wird bei Strafe der Exkommunikation verfolgt.  

Während man in Spanien, Portugal und Polen Logenbrüder foltert und hinrichtet, bekleiden in Frankreich viele Priester hohe freimaurerische Ämter. In Deutschland gehören Domherren, Äbte und Kardinäle den Logen an, darunter der Kölner Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August. 

1740

Kurfürst Clemens August gründet den Mopsorden

Köln * Der Kölner Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August gründet - nach dem päpstlichen Verbot der Freimaurer - als Ersatz den Mopsorden. Es handelt sich dabei um einen für Männer und Frauen gleichsam zugänglichen Orden, der vermutlich auch am Münchner Hof Verbreitung findet.

Um den Papst nicht erneut zu erzürnen, ersetzt man den Eid der Freimaurer durch das Ehrenwort der Geheimhaltung und nimmt - am Anfang - nur Katholiken in den Logen auf. Um die ganze Angelegenheit als harmlos und ungefährlich hinzustellen, befürwortet man den Zutritt der Damen. Dabei ist gerade dies eine fast revolutionäre Tat, da den Möpsinnen alle Grade der Loge offen stehen und die Ämter paritätisch besetzt werden.

Der Name Mopsorden geht auf die im 18. Jahrhundert vorhandene Begeisterung für die gleichnamigen Hunde zurück. Zugleich steht die französische Bezeichnung für die Ehefrau eines Freimaurers Pate: Mopse. Das Brauchtum ist von „einer gewissen galanten Laszivität, wie sie dem Geschmacke des Rokoko entsprach“.

Der Zirkel in der Mopsloge soll Folgendes lehren: „Gleich, wie alle Durchschnitte des Kreises durch seinen Mittelpunkt gehen, müssen alle Handlungen eines Mopses aus einer Quelle gehen, nämlich der Liebe.“ 

9. September 1743

Johann Theodor wird in das Kardinalskollegium aufgenommen

Rom-Vatikan * Papst Benedikt XIV. nimmt den Freisinger und Regensburger Fürstbischof Johann Theodor als „Kardinal in pectore“ [= unter Geheimhaltung] in das Kardinalskollegium auf. 

17. Januar 1746

Der Freisinger Fürstbischof Johann Theodor wird zum Kardinal befördert

Rom-Vatikan - Freising - Lüttich * Die bereits am 9. September 1743 durch Papst Benedikt XIV. erfolgte Ernennung des Freisinger, Regensburger und Lütticher Fürstbischofs Johann Theodor zum Kardinal wird erst jetzt offiziell publiziert. 

Was zunächst wie eine Rangerhöhung aussieht ist aber in Wirklichkeit das Karriere-Ende des an Macht und Einfluss Gefallen findenden Wittelsbachers. Denn kein noch so „handgesalbtes“ Domkapitel würde einen Kardinal zum Bischof küren. Das verbot schon der Standesdünkel.

Johann Theodor geht deshalb als „Kardinal von Baiern“ in die Geschichte ein. Seine Zeit verbringt der Kardinalswürden- und Purpurträger bis zu seinem Lebensende in Lüttich.

11. März 1761

Kardinal Johann Theodor darf nicht Kölner Erzbischof werden

Rom-Vatikan - Köln * Papst Clemens XIII. verweigert seine Zustimmung zur Wahl des Kardinals Johann Theodor zum Kölner Erzbischof. Er begründet dies mit dem „skandalösen und ungeistlichen Lebenswandel“ des Kirchenfürsten. 

26. Juni 1770

Mozart erhält von Papst Clemens XIV. den Orden vom Goldenen Sporn

Rom-Vatikan * Wolfgang Amadeus Mozart wird durch Papst Clemens XIV. mit dem Orden vom Goldenen Sporn ausgezeichnet. Der Träger ist berechtigt, sich cavaliere, Chevalier oder Ritter zu nennen. 

Selbst der sonst so geschwätzige Leopold Mozart schweigt auffällig über die Auszeichnung seines Sohnes. Der Grund liegt bei den adeligen Ruperti-Rittern in Salzburg, die dem bürgerlichen musicus diesen gesellschaftlichen Aufstieg nicht vergönnen.

27. Dezember 1771

Der Feiertag des heiligen Johann Evangelist wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag des heiligen Johann Evangelist wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

28. Dezember 1771

Der Feiertag der Unschuldigen Kinder wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag der Unschuldigen Kinder wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

23. April 1772

Der „Feiertag des heiligen Georg“ wird letztmals gefeiert

München * Der „Feiertag des heiligen Georg“ wird letztmals gefeiert. 

Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche „Breve“ vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

16. Mai 1772

Die Menschen sollen arbeiten, nicht feiern!

München - Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. hebt auf Bitten der baierischen Regierung zwanzig kirchliche Feiertage auf. Bisher gibt es 124 Sonn- und Feiertage, die sich aufteilen in 52 Sonntage, 53 übliche und 19 gebotene Feiertage, was im Schnitt einer Fünf-Tage-Woche entspricht. Abgeschafft werden

  • acht Apostelfeste,
  • dazu die Festtage der Heiligen Anna (26. Juli),
  • Laurentius (10. August),
  • Michael (29. September),
  • Johann Evangelist (27. Dezember),
  • Georg (23. April),
  • Magdalena (22. Juli),
  • Martin (11. November),
  • Katharina (25. November),
  • Nikolaus (6. Dezember),
  • Unschuldige Kindlein (28. Dezember). 
  • Dann noch der Osterdienstag und
  • der Pfingstdienstag.

Mit der Aufhebung der Feiertage entfällt die Verpflichtung zum Besuch der heiligen Messe am Vormittag und das Fastengebot am Vorabend. Andererseits müssen an den aufgehobenen Feiertagen die Werkstätten und Läden geöffnet werden. Weil die Einhaltung der Verordnung nicht überprüft wird, wird sie auch nicht eingehalten. 

22. Juli 1772

Feiertag der heiligen Magdalena letztmals gefeiert

München * Der Feiertag der heiligen Magdalena wird letztmalig gefeiertEr wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

26. Juli 1772

Der Feiertag der heiligen Anna wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag der heiligen Anna wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

10. August 1772

Der „Feiertag des heiligen Laurentius“ wird letztmalig gefeiert

München * Der „Feiertag des heiligen Laurentius“ wird letztmals gefeiert. 

Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche „Breve“ vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

29. September 1772

Der Feiertag des heiligen Michael wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag des heiligen Michael wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

11. November 1772

Der Feiertag des heiligen Martin wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag des heiligen Martin wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

25. November 1772

Der Feiertag der heiligen Katharina wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag der heiligen Katharina wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

6. Dezember 1772

Der Feiertag des heiligen Nikolaus wird letztmals gefeiert

München * Der Feiertag des heiligen Nikolaus wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

21. Juli 1773

Das Aufhebungsdokument für den Jesuitenorden

Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. stellt das Aufhebungsdokument für den Jesuitenorden aus. Es tritt einen Monat später in Kraft.

21. Juli 1773

Die Marianische Männerkongregation unter weltlicher Obhut

München-Kreuzviertel * Bis zur Auflösung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. liegt die geistliche Leitung der Marianischen Männerkongregation unter jesuitischer Obhut. Die Betreuung geht nun auf Weltgeistliche über. 

21. August 1773

Papst Clemens XIV. hebt den Jesuitenorden auf

Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. hebt - auf Drängen mehrerer katholischer Monarchien - den Jesuitenorden auf.

1. Mai 1782

Papst Pius VI. besucht den „Bürgersaal“

München-Kreuzviertel * Mit Papst Pius VI. besucht erstmals ein Papst München. 

Er sucht den „Bürgersaal“ zum Gebet auf. 

1785

Baiern erhält eine „Nuntiatur“

Rom-Vatikan - München * Der „Heilige Stuhl“ richtet im „Kurfürstentum Baiern“ eine „Nuntiatur“ ein. 

Sie bleibt die Einzige auf deutschem Gebiet, bis ihr im Jahr 1920 in der „Reichshauptstadt Berlin“ eine zweite „päpstliche Gesandtschaft“ folgt. 

18. Juni 1785

Die Mitgliedschaft bei den Illuminaten ist unvereinbar mit dem Glauben

Rom-Vatikan - Freising * Papst Pius VI. erklärt erstmals in einem Brief an den Bischof von Freising, dass die Mitgliedschaft bei den Illuminaten unvereinbar mit dem katholischen Glauben ist. Diese Auffassung unterstreicht er in einem weiteren Brief vom 12. November 1785 an den selben Empfänger. 

7. August 1814

Papst Pius VII. stellt den Jesuitenorden wieder her

Rom-Vatikan * Papst Pius VII. stellt die Gesellschaft Jesu, den Jesuitenorden, wieder her.

7. Dezember 1816

Der päpstliche Konkordatsentwurf wird für unannehmbar erklärt

München * Der päpstliche Konkordatsentwurf wird für „unannehmbar“ erklärt.  

Noch während der Regierungszeit des Grafen von Montgelas wurden Verhandlungen mit der päpstlichen Administration über die Neuordnung der Kirchenverhältnisse in die Wege geleitet. Anno 1807 stellte man die Gespräche ein, bis im Jahr 1816 der Bayerische Gesandte beim Heiligen Stuhl, Bischof Kasimir Freiherr von Häfflein, in neue Konkordats-Verhandlungen eintrat.  

Da aber die Positionen der bayerischen Regierung und dem wieder erstarkten, selbstbewussten Papsttum nur schwer zu vereinbaren sind, schlägt Bayern als einzigen Gegenstand der Verhandlungen

  • die Neufestsetzung der Diözesangrenzen und 
  • die Regelung zur Besetzung der Bischofsstühle vor.  

Die Grenzen der Diözese stimmen nicht mit den Landesgrenzen überein, weshalb Bayern eine geschlossene territoriale Kirchenorganisation will und auf einen maximalen Einfluss bei der Besetzung der Bischofsstühle und damit indirekt auch auf die Pfarreien drängt. Eine Preisgabe der bisher ausgeübten staatlichen Kirchenhoheit kommt für die Regierung Montgelas nicht in Frage. 

1846

Giovanni Maria Mastai Ferreti wird als Pius IX. zum Papst gewählt

Rom-Vatikan * Giovanni Maria Mastai Ferreti wird zum Papst gewählt.

Er nimmt den namen Pius IX. an. Seine Regentschaft wird bis 1878 dauern und ist geprägt vom Kampf der römisch-katholischen Kirche um Macht und Einfluss im Verhältnis zu den Staaten und zur eigenen Anhängerschaft.

8. Dezember 1854

Papst Pius IX. verkündet das dritte Marianische Dogma

Vatikan * Papst Pius IX. verkündet das dritte Marianische Dogma, das besagt: „Maria hat unbefleckt empfangen.“  Es geht darum, dass bereits Maria ohne Erbsünde geboren worden ist.  

Damit entscheidet das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Jahrhunderte alten theologischen Streit. Doch nicht nur der Inhalt des Dogmas erregt Aufsehen, sondern auch die Tatsache, dass der Papst diese Entscheidung ohne ein Konzil und damit völlig eigenmächtig getroffen hat. Dogmen gelten in der katholischen Kirche als geoffenbarte Glaubenswahrheit und sind deshalb für alle Katholiken verbindliche und unumstößliche Glaubenssätze.  

Ignaz von Döllinger und viele deutsche Theologen sind entsetzt über dieses Dogma. Döllinger kann aber weder in der Heiligen Schrift noch in der Überlieferung der alten Kirche etwas auffinden, das diesen Glaubenssatz gerechtfertigten würde. Die Münchner theologische Fakultät rät dem Papst jedenfalls in einem Gutachten von diesem Schritt eindringlich ab. Ignaz von Döllinger hält sich dabei noch zurück. 

11. Februar 1858

Marienerscheinung in einer Felsengrotte bei Lourdes

Lourdes - Rom-Vatikan * In den Auseinandersetzungen um das Dogma der unbefleckten Empfängnis erscheint dem Bauernmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsengrotte bei Lourdes eine „schöne weiße Dame“, die sich als „die unbefleckte Empfängnis“ betitelt.

Aus der Sicht von Papst Pius IX. gerade im richtigen Moment. Umgehend wird der Ort der Erscheinung zum Wallfahrtsort erhoben. 

1864

Papst Pius IX. erlässt eine „Enzyklika“ aller „zeitgenössischen Irrlehren“

Rom-Vatikan * Papst Pius IX. erlässt - wieder ohne Konzil - die „Enzyklika Quanta Cura“, den sogenannten „Syllabus“, der eine Aufstellung von 80 „zeitgemäßen Irrlehren“ enthält. 

Dazu gehören nicht nur der „Pantheismus“, Naturalismus“ und „Rationalismus“, sondern vor allem der „Sozialismus“, Kommunismus“ sowie „irrige Anschauungen“ über die „Natur der Ehe“ und das „Verhältnis von Staat und Kirche“.
Verurteilt wird auch der „ungezügelte Fortschrittsglaube“ und der „Liberalismus“, der die „Trennung von Staat und Religion“ vorsieht. 

Die „Kurie“ sieht ihren Feind in der „modernen Welt“.
Deshalb ist sie gegen die Glaubensfreiheit, Gewissens-, Kult-, Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit sowie die Demokratie.
Im Gegensatz dazu verlangt der Papst im „Syllabus“ die Oberhoheit der Kirche über die staatliche Gewalt. 

Auf Kritik an der „römisch-katholischen Kirche“ und auf „Individualismus“ antwortet sie mit dem Anspruch, dass nur sie selbst auf Erden die Sache Gottes „ausschließlich, alleinig und entscheidend“ vertreten könne.
Wer zu dieser Kirche nicht gehören will, der muss sie eben verlassen. 

Besonders in Deutschland entbrennt daraufhin eine Auseinandersetzung, in deren Folge es zum sogenannten „Kulturkampf“ kommt. 

8. Dezember 1869

Papst Pius IX. lädt zum Ersten Vatikanischen Konzil ein

Rom-Vatikan * Für diesen Tag lädt Papst Pius IX. zum Ersten Vatikanischen Konzil, ohne dass er in der Einladung die zu beratenden Punkte angibt.

1870

Die Altkatholiken spalten sich von der römisch-katholischen Kirche ab

Rom-Vatikan - München * Das Erste Vatikanische Konzil beschäftigt sich mit der Lehrgewalt des Papstes, bei der die Mehrzahl der Bischöfe die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Glaubensfragen bejaht. Daraufhin spalten sich - unter Führung von Ignaz Döllinger - die Altkatholiken von der römisch-katholischen Kirche ab, da sie die Konzilsentscheidung nicht anerkennen wollen.

1870

Der Papst verliert seine weltlichen Machtbefugnisse über den Vatikan

Rom-Vatikan * Der Papst verliert seine weltlichen Machtbefugnisse über den Vatikan.

18. Juli 1870

Unfehlbarkeit des Papstes verkündet

Rom-Vatikan • Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil wird die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Von dem umstrittenen Dogma wird nur einmal Gebrauch gemacht. 

18. Juli 1870

Die Unfehlbarkeit des Papstes wird beschlossen

Rom-Vatikan * Die Konzilsmehrheit beschließt auf dem Ersten Vatikanischen Konzil die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Fragen des Glaubens und des Lebens der Christen sowie seine oberste und alleinige Rechtsgewalt in der Kirche. Ignaz von Döllinger sieht durch das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit die apostolische Tradition verraten.

Doch die Reaktion der römischen Kurie folgt umgehend. Alle Katholiken, die aus Gewissensgründen die neuen Glaubenssätze nicht annehmen und ihnen öffentlich widersprechen, werden exkommuniziert, also aus der sakramentalen Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen.

20. September 1870

Die weltliche Herrschaft der Päpste beendet

Rom • Die weltliche Herrschaft der Päpste endet mit dem Einzug der italienischen Truppen in Rom. Der Kirchenstaat mit Latinum wird dem Königreich einverleibt. 

8. Dezember 1870

Josef wird zum Patron der katholischen Kirche ernannt

Rom-Vatikan * Josef, der Nährvater Jesu, wird von Papst Pius IX. zum Patron der katholischen Kirche ernannt.

2. März 1876

Eugenio Pacelli wird in Rom geboren

Rom * Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. und langjährige Nuntius in München, wird in Rom geboren. 

1878

Die „Heilig-Kreuz-Kirche“ besitzt zwei bemerkenswerte Nebenaltäre

München-Obergiesing * Die „Heilig-Kreuz-Kirche“ besitzt zwei bemerkenswerte Nebenaltäre: den „Marienaltar“ und den „Josephsaltar“.

Das Programm des „Marienaltars“ wird im Rahmen einer Altarstiftung zum Tode des Papstes Pius IX. festgelegt.
Es geht hierbei um den Kampf der katholischen Kirche um Macht und Einfluss im Verhältnis zu den Staaten und zur eigenen Anhängerschaft.

25. November 1881

Angelo Giuseppe Roncalli wird in der Provinz Bergamo geboren

Sotto il Monte * Angelo Giuseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., wird in Sotto il Monte, in der Provinz Bergamo, geboren. 

26. September 1897

Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini wird nahe Brescia geboren

Concesio * Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini, der spätere Papst Paul VI., wird in Concesio, nahe Brescia, geboren. 

Um 1900

Das Haus Georgenstraße 8 wird vollständig umgebaut

München-Schwabing * Das Haus Georgenstraße 8 wird nach dem Entwurf von Josef Hoelzle vollständig umgebaut. Das palastähnliche Bauwerk im Wiener Ringstraßen-Stil wird dem päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli als Residenz angeboten. Eine Kapelle befindet sich im Osttrakt des Bauwerks.

17. Oktober 1912

Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I., wird geboren

Forno di Canale * Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I., wird in Forno di Canale geboren. 

26. April 1916

Die „Muttergottes“ wird zur „Patronin des Königreichs Bayern“

München - Rom-Vatikan * Papst Benedikt XV. genehmigt dies durch ein Dekret der „Ritenkongregation“, dass die „Muttergottes“ zur „Patronin des Königreichs Bayern“ wird.  

Das Königreich wird jedoch bald darauf in den revolutionären Wirren untergehen. 

20. April 1917

Eugenio Pacelli zum Nuntius in München ernannt

Vatikan - München * Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum Nuntius in München. 

25. Mai 1917

Nuntius Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf

München * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf. 

24. Juli 1917

Michael von Faulhaber wird 8. Erzbischof von München und Freising

Vatikan * Der Bischof von Speyer, Michael von Faulhaber, wird durch Papst Benedikt XV. zum 8. Erzbischof von München und Freising ernannt. Zuvor hat Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die Eignung und Würdigkeit des Kandidaten festgestellt. 

1. August 1917

Papst Benedikt XV. fordert einen Frieden ohne Annexionen

Vatikan * Papst Benedikt XV. richtet einen Friedensappell an die kriegführenden Mächte: „Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein?“, fragt der Papst in seiner Friedensnote. „Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?“

Er ruft in seiner Friedensbotschaft zu einem Frieden ohne Annexionen auf, so „wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt“.

Doch sowohl die Entente wie auch die Mittelmächte glauben an ein Komplott und diffamieren Benedikt XV. als „Papst der Gegner“. Für die Franzosen wird er zum „pape boche“; der deutsche Generalquartiermeister Erich Ludendorff spricht dagegen nur noch vom „Franzosenpapst“.

Wohl am enttäuschendsten sind für Papst Benedikt XV. aber die Reaktionen der Bischöfe in den kriegführenden Ländern. Die meisten haben sich schon 1914 dem allgemeinen Hurrapatriotismus angeschlossen. Statt sich nun hinter ihr übernationales Oberhaupt der katholischen Kirche zu versammeln, geben sie sich nationalistisch.

Nur im kriegsmüden Italien findet der Vorschlag große Zustimmung. 

1. November 1917

Ein Hirtenbrief warnt vor einem Frieden

Deutsches Reich * Der deutsche Episkopat warnte in Hinblick auf den Friedensappell von Papst Benedikt XV. vom 1. August 1917 in einem Hirtenbrief vor einem Frieden „als Judaslohn für Treubruch und Verrat am Kaiser“

28. Juli 1918

König Ludwig III. und die Weihe der Pasinger Maria-Schutz-Pfarrkirche

Pasing * König Ludwig III. nimmt mitten im Krieg als Schirmherr an der Weihe der Pasinger Pfarrkirche Maria Schutz teil. Geweiht wird der Pasinger Dom, eine neuromanische Basilika, durch den Münchner Erzbischof Michael von Faulhaber.

Der Patrona Bavariae konnte die Kirche aber erst gewidmet werden, nachdem Papst Benedikt XV. am 26. April 1916 die besondere Beziehung zwischen dem Königreich Bayern und der Muttergottes auf König Ludwigs III. Bitten hin offiziell anerkannte und Maria zur „Patronin des Königreichs Bayern“ erhob. Bekanntlich half dies dem wenig beliebten Bayernkönig nur sehr wenig. 

17. Oktober 1918

Für Nuntius Eugenio Pacelli kommt die Revolution nicht überraschend

München - Vatikan * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli berichtet an den Kardinalsstaatssekretär Pietro Gasparri mit großer Sorge über „sozialistische Propaganda und Wühlarbeit“ in Deutschland und bei den Frontsoldaten. Die folgende Revolution ist für Pacelli deshalb nicht überraschend. 

9. November 1918

Der Vatikan wird aus erster Hand informiert

München - Vatikan * Seit der Revolution berichtet der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli täglich an den Kardinalsstaatssekretär Pietro Gasparri über die Ereignisse. 

11. November 1918

Erzbischof Faulhaber rät dem Nutius zur Flucht aus der Stadt

München * Erzbischof Michael von Faulhaber rät dem päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli die Stadt umgehend zu verlassen, da seine Person gefährdet sei. 

15. November 1918

Nuntius Pacelli berichtet dem Vatikan zu den revolutionären Vorgängen

München - Vatikan * Nuntius Eugenio Pacelli verfasst zwei von drei analytisch-zusammenfassende Berichte an den Kardinalsstaatssekretär Pietro Gasparri. Die Ursache der Revolution sieht Pacelli in

  • der militärischen Lage mit dem Kriegseintritt der USA,
  • dem Zusammenbruch von Österreich-Ungarn,
  • die Kampfmüdigkeit der deutschen Soldaten, sodass die als unüberwindlich geltende Hindenburg-Linie ins Wanken geriet,
  • und dass die Generäle die päpstliche Friedensvermittlung vom 1. August 1917 zurückgewiesen haben, die Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg befürwortet hatte. 

Über Ministerpräsident Kurt Eisner äußert sich Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII, folgendermaßen: Eisner ist „Atheist, Radikalsozialist, unversöhnlicher Propagandist, Busenfreund russischer Nihilisten und noch dazu galizischer Jude. […] Unmittelbar nach den Ereignissen hat sich das bayerische Diplomatische Corps in der Nuntiatur zusammengefunden und beschlossen, jegliche Anerkennung der neuen Regierung zu vermeiden.“ 

20. November 1918

Kurt Eisner lädt Nuntius Eugenio Pacelli zum Gespräch

München * Sigmund Ritter und Edler von Lössl bittet den päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli um einen Besuch beim bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der zugleich das Amt des Außenministers bekleidet.

Pacelli verweigert den Kontakt mit der neuen bayerischen Regierung, bei dem es Kurt Eisner hauptsächlich um Anerkennung oder Nicht-Anerkennung, also um die Legitimitätsfrage, gegenüber der Regierung geht. 

20. November 1918

Pacelli begründet seine Ablehnung der Regierung Eisner

München - Vatikan * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., berichtet in seinem dritten analytisch-zusammenfassenden Bericht ausführlich an den Kardinalsstaatssekretär Pietro Gasparri zur Deutung und Auswirkung der Revolution nach Rom. In diesem Brief begründet Nuntius Pacelli auch, warum er den Kontakt zur neuen bayerischen Regierung unter Kurt Eisner ablehnt:

  • Die Entscheidung zum Kulturkampf statt zum pragmatischen Kompromiss.
  • Das Entgegenkommen der neuen Regierung ist nur taktisch bis zur nächsten Wahl, danach beginnt die offene Kirchenfeindschaft.
  • Ein diplomatischer Kontakt wird die Katholiken nur verwirren und demobilisieren, anstatt sie auf den Gegner einzuschwören.
  • Die Regierung Eisner besteht aus Juden, Atheisten und Protestanten, alles Sozialisten. Mit solchen Leuten sind keine anständigen Beziehungen möglich.
  • Eisner ist ein ostgalizischer Jude, der wegen politischer Verbrechen mehrfach bereits eingesperrt war. 

31. Dezember 1918

Eine päpstliche Fleischspende für die Münchner Armen

München - Rom * Der Magistrat bedankt sich im Namen der Stadt bei Papst Benedikt XV. für die Spende von 5.000 Paketen Fleischkonservenbüchsen und Schokoladentafeln für die Münchner Armen. 

15. Januar 1919

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden brutal ermordet

Berlin * Die beiden Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden verhaftet und ins Hotel Eden gebracht, in dem die Garde-Kavallerie-Schützen-Division ihr Stabsquartier aufgeschlagen hat.

  • Karl Liebknecht wird - nach schweren Misshandlungen - am Abend in den Tiergarten gefahren und von hinten erschossen.
  • Rosa Luxemburg wird niedergeschlagen, in ein Auto gezerrt und während der Fahrt durch einen aufgesetzten Schläfenschuss getötet. Ihren Leichnam werfen die Mörder in den Landwehrkanal. 

Der Hauptverantwortliche für die Ermordungen, Waldemar Papst, beruft sich später auf einen angeblichen „Schießbefehl“ des SPD-Innenministers Gustav Noske. 

31. Januar 1919

Nuntius Pacelli kehrt wieder nach München zurück

Rorschach - München * Nuntius Eugenio Pacelli kehrt von Rorschach wieder nach München zurück, nachdem er auf Anraten von Erzbischof Michael von Faulhaber am 22. November 1918 die bayerische Landeshauptstadt wegen der revolutionären Vorgänge verlassen hatte. 

Um den 8. April 1919

Württemberg und der Schweiz den Krieg erklärt

München * Der Volksbeauftragte für Äußeres, Dr. Franz Lipp, erklärt Württemberg und der Schweiz den Krieg, weil sie sich weigern, ihm leihweise 65 Lokomotiven zu überlassen.

Er schreibt an den Volksbeauftragten für Verkehr, Gustav Paulukum: „Ich bin sicher, dass wir siegen, außerdem werde ich den Segen des Papstes, mit dem ich gut bekannt bin, für diesen Sieg erflehen“

29. April 1919

Nuntius Eugenio Pacelli flieht in die Schweiz

München-Maxvorstadt * Nuntius Eugenio Pacelli flieht umgehend in die Schweiz. Er wird erst am 8. August 1919 wieder nach München zurückkehren.

29. April 1919

Schwerbewaffnete Soldaten der Roten Armee in der Nuntiatur

München-Maxvorstadt * Gegen 15 Uhr tauchen schwerbewaffnete Soldaten der Roten Armee in der Nuntiatur in der Brienner Straße auf und fordern - unter persönlicher Bedrohung des Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., - die Herausgabe seines Dienstautos.

Eine Beschwerde beim Kriegsministerium verstärkt nur die Forderung: „Wenn das Auto nicht sofort abgeliefert wird, dann wird die Nuntiatur zusammengeschossen und die ganze Bande verhaftet!“ 

Die Eindringlinge ziehen erst ab, nachdem die Stadtkommandantur eingreift.

30. April 1919

Das Dienstauto des geflohenen päpstlichen Nuntius beschlagnahmt

München * Auf schriftlichen Befehl Rudolf Egelhofers hin, wird das Dienstauto des inzwischen geflohenen päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli beschlagnahmt. Der Wagen ist jedoch nicht fahrbereit.

6. Mai 1919

Nuntius Eugenio Pacelli befürchet weitere Unruhen

München - Vatikan * Nuntius Eugenio Pacelli schreibt in seinem Bericht in die Vatikanstadt: „Die Behauptung der Regierung Hoffmann, sie habe die Stadt lediglich von den Spartakisten befreien wollen und beabsichtige, nach der Ermordung des Anführers der Roten Armee in München, Rudolf Egelhofer, streng zu ermitteln und festgenommene Spartakisten menschlich zu behandeln.“ 

Der Nuntius fürchtet nämlich „weitere Unruhen angesichts dessen, dass viele Spartakisten, die nicht alle hingerichtet werden können, das Gefängnis mit ihrer Rachsucht verlassen werden“. Harte Worte für den ranghohen Kirchenmann und späteren Papst

20. Mai 1919

Nuntius Eugenio Pacelli erholt sich in Rorschach

München - Rorschach * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli hält sich bis zum 8. August 1919 in Rorschach auf. 

8. August 1919

Eugenio Pacelli kehrt aus seinem Exil in der Schweiz wieder zurück

Rorschach - München * Nuntius Eugenio Pacelli kehrt aus seinem Sommerurlaub in Rorschach in der Schweiz wieder nach München zurück. 

18. Mai 1920

Karol Józef Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., wird geboren

Wadowice * Karol Józef Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., wird in Wadowice, einem kleinen polnischen Städtchen bei Krakau, geboren. 

7. März 1921

Michael von Faulhaber wird zum Kardinal erhoben

Vatikan * Michael von Faulhaber, der Erzbischof von München-Freising, wird durch Papst Benedikt XV. in Rom in das Kardinalskollegium aufgenommen.

1922

Der „päpstliche Nuntius“ Eugenio Pacelli bewohnt das „Seyssel-Palais“

München-Maxvorstadt * Bis 1925 bewohnt der „päpstliche Nuntius“ Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., während des Umbaus der „Nuntiatur“ in der Brienner Straße die Räume des „Seyssel-Palais“ in der Kaulbachstraße 13.

27. August 1922

Der Deutsche Katholikentag in München wird eröffnet

München - München-Maxvorstadt * Der Deutsche Katholikentag in München wird eröffnet. Für die anreisenden Zehntausenden von Gläubigen wird ein großer Festgottesdienst auf dem Königsplatz abgehalten, bei dem sich die katholische Kirche mit eindrucksvollem Gepränge darstellt. Die Straßen der Stadt sind mit Fahnen geschmückt, nur das Schwarz-Rot-Gold der Weimarer Republik ist demonstrativ vergessen worden.

Kardinal Michael von Faulhaber enthält sich bei dieser zur politischen Kundgebung umgestalteten Veranstaltung weder politischer noch demokratiefeindlicher Äußerungen und ruft in seiner Ansprache zum Kampf der Kirche gegen den Staat auf:

„Wehe dem Staat,

  • der seine Rechtsordnung und Gesetzgebung nicht auf den Boden der Gebote Gottes stellt,
  • der eine Verfassung schafft ohne den Namen Gottes,
  • der die Rechte der Eltern in seinem Schulgesetz nicht kennt,
  • der die Theaterseuche und die Kinoseuche nicht fernhält von seinem Volk,
  • der Gesetze gibt, die die Ehescheidung erleichtern,
  • die die uneheliche Mutterschaft in Schutz nehmen“.

Diesem Satz folgt ein - von den dicht gedrängten Besuchern stürmisch bejubelter - rhetorischer Tiefschlag gegen die Republik und ihrer Gründer: „Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet“. Diese Worte wirken, wie Faulhaber später einmal recht zufrieden feststellt, wie eine Bombe. Der Kardinal versagt sich damit wieder einmal - mit seiner ganzen Autorität und in der Öffentlichkeit - der Weimarer Republik und bereitet damit - ohne das möglicherweise direkt zu beabsichtigen - Adolf Hitler den Weg.

Schon damals stellt die sozialdemokratische Münchener Post unter der Überschrift „Wohin des Wegs, Herr Kardinal?“ fest: „Seine Ansichten sind ein Beweis für den Machthunger der römischen Kirche und ihres Klerus, die nicht mit dem Staat in Frieden und Verträglichkeit zusammenleben, sondern ihn um jeden Preis beherrschen wollen.“  

Die in Anwesenheit der Spitzen von Kirche, Staat und Gesellschaft gemachten Aussagen des Kardinals führen allerdings auch zu einem „weltweit hallenden Eklat“ und veranlasst die - konservative - Reichsregierung, sich bei Papst Pius XI. zu beschweren. Damit, dass sich ein Widerstand derjenigen Katholiken formiert, die im neuen Staat ehrlich mitarbeiten wollen, hat Faulhaber nicht gerechnet. 

19. September 1922

Faulhaber verhindert Ordensverleihung an Adenauer

München-Kreuzviertel - Rom-Vatikan * Kardinal Michael von Faulhaber schreibt an den Unterstaatssekretär im Vatikan, Giuseppe Pizzardo, über die öffentliche Auseinandersetzung mit Konrad Adenauer: 

„Er behauptete, die Revolution sei organisch geworden, die gestürzten Herrscherhäuser seinen morsche Bäume gewesen, der deutsche Katholizismus sei auf das deutsche Vaterland angewiesen. [...] Ich bitte darum Eure Exzellenz, es möge keine päpstliche Kundgebung erfolgen, die von den Katholiken als Zustimmung zur Politik des Zentrums und zu einer Koalition mit der Sozialdemokratie ausgelegt werden könnte. Präsident Adenauer wird die päpstliche Auszeichnung, die früher für den Präsidenten üblich war, nicht erhalten können“.  

Damit verhindert Kardinal Faulhaber, dass Konrad Adenauer den sonst üblichen päpstlichen Orden bekommt.  

In einer eigenwilligen Rechtfertigung gegenüber dem bayerischen Gesandten beim Vatikan schreibt Faulhaber am selben Tag: „[...] Damit habe ich nicht die Verfassung von Weimar und die republikanische Staatsform an sich verurteilt; denn eine Verfassung kann rechtmäßig zustandegekommen sein, ohne daß dadurch die vorausgehende Revolution legitimiert wird. Ein unehelich Geborener kann ein ordentlicher Mensch werden, ohne daß damit die uneheliche Mutterschaft als solche Rechtsdasein erhält.“ 

29. März 1924

Das „bayerische Konkordat“ - ein Staatsvertrag

München * Durch die „Revolution“ und der damit verbundenen veränderten Staatsform wird dem „Staatskirchentum“ das Fundament entzogen. 

Deshalb versucht die katholische Kirche seit dem Jahr 1920 vergeblich, einen „Staatsvertrag“ - ein „Konkordat“ - mit den Vertretern der „Weimarer Republik“ zu schließen, mit dem ihre Stellung im Staat fest definiert wird.

Nachdem sich dieser Weg so nicht realisieren lässt, beginnt der „päpstliche Nuntius“ in München, Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., gemeinsam mit „Kardinal“ Michael von Faulhaber, mit dem republikanischen „Freistaat Bayern“ ein „Konkordat“ abzuschließen.

Das bayerische „Konkordat“

  • sichert der Kirche nach Außen den „Schutz durch den Staat“ zu und
  • gibt ihr gleichzeitig die „völlige Unabhängigkeit nach Innen“.
  • Die „Ernennung und Abberufung von Professoren“ an den „theologischen Fakultäten der Universitäten“ und der „Religionslehrer an den höheren Schulen“ obliegen nun allein den Bischöfen, die wiederum nur vom Papst ernannt werden.
  • Der „Religionsunterricht“ wird zum „Hauptfach“ an den Schulen erklärt und die „Bekenntnisschule zur Regelschule“ gemacht.  
  • „Schulgebet und Schulgottesdienste“ werden staatsrechtlich abgesichert.
  • Weiter wird festgelegt, dass der „Freistaat Bayern“ feste Beträge an die Kirche abzutreten und bei finanziellen Notlagen die Kirche zu unterstützen hat.
  • Der Steuerzahler finanziert die Gehälter und Wohnungen der Geistlichen, ihre Ruhestandsgelder, Gebäude usw.  
  • Die katholische Kirche in Bayern lässt sich ihre Ausgaben zu einem großen Teil vom Staat zahlen, ohne gleichzeitig dessen Kontrolle dulden zu müssen. Dazu wird die „Kirchensteuer“ festgeschrieben.  

Das „bayerische Konkordat“ hat Vorbildfunktion für weitere Abkommen zwischen Staat und Kirche. 

14. Juli 1925

Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli übersiedelt nach Berlin

München - Berlin * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli gibt nach dem erfolgreichen Abschluss des Bayerischen Konkordats sein Amt in München auf, um sich auf seine Aufgaben in Berlin zu konzentrieren. 

18. August 1925

Nuntius Eugenio Pacelli beendet seine Tätigkeit in München

München * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli beendet seine Tätigkeit in München. Seine Aufgabe übernimmt Alberto Vassallo di Torregrossa. 

22. August 1925

Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa nimmt seine Tätigkeit auf

München-Maxvorstadt * Der päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa nimmt seine Tätigkeit in München auf.

16. April 1927

Papst Benedikt XVI. wird in Marktl geboren

Marktl * Joseph Aloisius Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., wird in Marktl geboren. 

5. März 1933

Die gemeinsamen Feinde der katholischen Kirche und der NSDAP

München-Kreuzviertel - München-Maxvorstadt * In ihrer unbedingten Gegnerschaft zum Bolschewismus und zur Freidenker- und Gottlosenbewegung sind sich katholische Kirche und NSDAP einig. In einem Schreiben teilt Kardinal Michael von Faulhaber dem päpstlichen Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa mit: 

„Verbot auf die gesamte kommunistische Propaganda und auf die sozialdemokratischen Freidenkerverbände ausgedehnt, die ebenso radikal wie die eigentlichen Proletarier gegen christlichen Glauben und christliche Sitte wüteten. [...] Sicher müssen neben den staatlichen Gewaltmitteln heute die kirchlichen Kräfte neu erweckt werden, um den Vormarsch des russischen Bolschewismus zum Weltbolschewismus in Deutschland aufzuhalten.“

13. März 1933

Päpstlicher Dank an Adolf Hitler

Rom-Vatikan - Berlin * Papst Pius XI. drückt Adolf Hitler öffentlich seinen Dank dafür aus, dass er als erster Staatsmann klar und deutlich vom „Bolschewismus“ abgerückt ist. 

20. Juli 1933

Das Konkordat wird ratifiziert

Rom-Vatikan - Berlin * Das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich wird vom - katholischen - Vizekanzler Franz von Papen und vom Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli im Vatikan unterzeichnet.

  • Das Vertragswerk bestätigt die bestehenden Länderkonkordate mit Bayern, Preußen und Baden und
  • den Fortbestand der katholischen theologischen Fakultäten an den Universitäten,
  • sichert den katholischen Religionsunterricht an allen Schularten und
  • die Beibehaltung und Neueinrichtung von Bekenntnisschulen,
  • die Freiheit des Bekenntnisses und
  • der öffentlichen Ausübung der Religion,
  • den staatlichen Schutz für Geistliche, 
  • den Schutz des Beichtgeheimnisses und
  • den Schutz der katholischen Organisationen. 
  • Außerdem wird die Militärseelsorge und
  • das eigene kirchliche Steuerrecht garantiert.


Die Kirche gesteht hingegen den neuen Machthabern nur wenig zu:

  • Entpolitisierung des Klerus,
  • Treueeid der Bischöfe gegenüber dem Deutschen Reich und seinen verfassungsmäßig gebildeten Regierungen.

Die Reichsregierung macht der Kirche sehr große Zugeständnisse mit dem Ziel, internationale Anerkennung zu erhalten und die deutschen Katholiken für die Bewegung zu gewinnen, solange deren Macht noch nicht gefestigt ist.   

Keine der anderen neunzehn Weimarer Regierungen, auch nicht die Koalitionen mit Zentrumsbeteiligung, war der katholischen Kirche so weit entgegengekommen. 

30. Mai 1934

Die päpstliche Nuntiatur in München wird aufgelöst

München-Maxvorstadt * Die päpstliche Nuntiatur in München wird aufgelöst. 

31. Mai 1934

Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa beendet offiziell seine Tätigkeit

München * Der päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa beendet offiziell seine Tätigkeit in München. 

23. Oktober 1936

„Nuntius“ Alberto Vassallo di Torregrossa verlässt München

München * Der ehemalige päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa verlässt München. 

10. Februar 1939

Papst Pius XI. stirbt

Rom-Vatikan * Papst Pius XI. stirbt. Sein Nachfolger wird der langjährige Nuntius in München, Eugenio Pacelli, als Pius XII.. 

2. März 1939

Eugenio Pacelli wird zum Papst Pius XII. gekrönt

Rom-Vatikan * Eugenio Pacelli, der langjährige Nuntius in München, wird zum Papst Pius XII. gekrönt. 

1947

Der Theologiestudent Joseph Ratzinger studiert im Georgianum

München-Maxvorstadt * Der 22-jährige, aus Marktl am Inn stammende Theologiestudent Joseph Ratzinger beginnt im Georgianum seine Laufbahn.

1. November 1950

Papst Pius XII. verkündet das vierte und bisher letzte Marianische Dogma

Vatikan * Der frühere päpstliche Nuntius in München, Eugenio Pacelli, verkündet als Papst Pius XII. das vierte und bisher letzte Marktnische Dogma. Es lautet: „Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.“

9. August 1952

Joseph Wendel zum 9. Erzbischof von München und Freising ernannt

Rom-Vatikan * Papst Pius XII. ernennt Bischof Joseph Wendel zu Michael von Faulhabers Nachfolger als 9. Erzbischof von München und Freising. Joseph Wendel gilt als ein gemäßigter Konservativer. 

1955

Der 1. Mai als Festtag „Joseph der Arbeiter“

Rom-Vatikan * Papst Pius XII. bestimmt den 1. Mai als Festtag „Joseph der Arbeiter“ und gibt damit dem „Tag der Arbeit“ seine christliche Weihe.

9. Oktober 1958

Papst Pius XII. stirbt in Castel Gandolfo

Castel Gandolfo * Papst Pius XII. stirbt in Castel Gandolfo. 

28. Oktober 1958

Angelo Giuseppe Roncalli wird als Papst Johannes XXIII. gewählt

Rom-Vatikan * Angelo Giuseppe Roncalli wird als Papst Johannes XXIII. zum Nachfolger von Papst Pius XII. als Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. 

30. September 1961

Kardinal Julius Döpfner wird inthronisiert

München-Kreuzviertel * Kardinal Julius Döpfner wird als Erzbischof von München und Freising inthronisiert. Er gehört - neben Papst Johannes XXIII. - zu den vier leitenden Persönlichkeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils und bemüht sich um eine Annäherung an die SPD. 

3. Juni 1963

Papst Johannes XXIII. stirbt im Vatikan

Vatikan * Papst Johannes XXIII. stirbt im Vatikan. 

21. Juni 1963

Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini wird als Papst Paul VI. gewählt

Vatikan * Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini wird im fünften Wahlgang als Papst Paul VI. zum Nachfolger von Papst Johannes XXIII. gewählt. 

24. März 1977

Joseph Ratzinger wird Erzbischof von München und Freising

Vatikan * Papst Paul VI. ernennt Joseph Ratzinger zum 11. Erzbischof von München und Freising. 

6. August 1978

Papst Paul VI. stirbt auf Castel Gandolfo

Castel Gandolfo * Papst Paul VI. stirbt auf Castel Gandolfo an den Folgen eines Herzinfarkts. 

26. August 1978

Albino Luciani wird zum Papst Johannes Paul I. gewählt

Rom-Vatikan * Albino Luciani wird in einem eintägigen Konklave im vierten Wahlgang zum Nachfolger von Papst Paul VI. gewählt. Sein Gegenkandidat ist der konservative Guiseppe Siri, der bereits im Jahr 1958 als „zum Papst geeignet“ bezeichnet wurde.

Er nimmt als Papst den Namen Johannes Paul I. an. Beide Namen erinnern an seine Vorgänger, die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI.. Als erster Papst trägt er einen Doppelnamen. 

28. September 1978

Papst Johannes Paul I. stirbt nach 33 Tagen im Amt

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul I. stirbt nach 33 Tagen im Vatikan. Eine Obduktion des Leichnams wird von der seiner Familie und vom Vatikan verweigert. Kein Wunder, dass dadurch zahlreiche Verschwörungstheorien entstehen. Damit geht das Jahr als Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. 

18. Oktober 1978

Karol Józef Wojtyla wird als Papst Johannes Paul II. gewählt

Rom-Vatikan * Karol Józef Wojtyla wird als Papst Johannes Paul II. zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Er folgt auf den 33-Tage-Papst Johannes Paul I.. 

25. November 1981

Ratzinger wird Präfekt der römischen Kongregation für die Glaubenslehre

Rom-Vatikan * Kardinal Joseph Ratzinger wird von Papst Johannes Paul II. zum Kurienkardinal und Präfekten der römischen Kongregation für die Glaubenslehre ernannt. 

28. Oktober 1982

Friedrich Wetter wird 12. Erzbischof von München und Freising

Rom-Vatikan - München * Friedrich Wetter wird von Papst Johannes Paul II. zum 12. Erzbischof von München und Freising ernannt, nachdem Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom berufen worden war. 

Um den August 1986

Papst Johannes Paul II. bekräftigt die Existenz des Satans

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul II. bekräftigt die Existenz des Satans.

„Hexenangst“ ist aber beileibe keine rein katholische Angelegenheit.
„Hexenglauben“ findet sich auch unter Protestanten.
Vor allem pietistisch geprägte Richtungen innerhalb der protestantischen Konfession bejahen eine angstbesetzte Vorstellung vom „Teufel“

1. Mai 1987

Papst Johannes Paul II. spricht Edith Stein in Köln „selig“

Köln * Papst Johannes Paul II. spricht Edith Stein in Köln „selig“.

3. Mai 1987

Papst Johannes Paul II. spricht Pater Rupert Mayer „selig“

München - Oberwiesenfeld * Papst Johannes Paul II. spricht Pater Rupert Mayer im Münchner Olympiastadion „selig“

Er besucht zuvor die „Bürgersaalkirche“

3. September 2000

Papst Johannes Paul II. spricht Johannes XXIII. selig

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul II. spricht Johannes XXIII. selig. 

2005

Joseph Ratzingers alten „VW Golf“ um 189.000 € verkauft

Rom-Vatikan * Der alte „VW Golf“ von Joseph Ratzinger wird im Jahr seiner „Papstwahl“ um 189.000 € nach Amerika verkauft.  

Das „Heilige Blechle“ ist damit aber noch lange keine „Reliquie“.  
Dazu müsste Benedikt XVI. erst gestorben und zumindestens zum „Seligen“ erklärt worden sein. 

2. April 2005

Papst Joannes Paul II. stirbt im Vatikan

Rom-Vatikan * Papst Joannes Paul II. stirbt im Vatikan.

Dieser Papst hat während seiner Amtszeit alleine 482 Personen „zur Ehre der Altäre“ in den Heiligenstand erhoben. So viele wie kein anderer Papst in den vergangenen 500 Jahren vor ihm. 

Mit seiner eigenen Heiligsprechung am 27. April 2014 ist die Zahl der seit 1594 in den Heiligenstand erhobenen auf 839 angestiegen. 

19. April 2005

Kardinal Joseph Ratzinger wird zum Papst gewählt

Rom-Vatikan * Nach dem Tod des Papstes Johannes Paul II. wird Kardinal Joseph Ratzinger zu seinem Nachfolger auf dem „Stuhl Petri“ gewählt. Der in Marktl am Inn als Sohn eines Gendarmen geborene gibt sich den Namen Benedikt XVI..Das motiviert die Bild-Zeitung umgehend, ihre Titelseite mit „WIR SIND PAPST“ zu überschreiben. In der englischen Presse wird dagegen die Vergangenheit in der Hitler-Jugend des „Papa-Ratzi“ hervorgehoben. 

30. November 2007

Reinhard Marx wird 13. Erzbischof von München und Freising

Rom-Vatikan * Papst Benedikt XVI. ernennt den bisherigen Bischof von Trier, Reinhard Marx, zum 13. Erzbischof von München und Freising. 

20. November 2010

Reinhard Marx wird Kardinal

Rom-Vatikan * Erzbischof Reinhard Marx wird von Papst Benedikt XVI. in das Kardinalskollegium aufgenommen. Bis zum Februar 2012 ist der Münchner Bischof das jüngste Mitglied des Kardinalskollegiums. 

1. Mai 2011

Papst Benedikt XVI. spricht seinen Vorgänger, Papst Johannes Paul II., selig

Rom-Vatikan * Papst Benedikt XVI. spricht seinen Vorgänger, Papst Johannes Paul II., selig. 

27. April 2014

Papst Franziskus spricht zwei Päpste heilig

Rom-Vatikan * Papst Franziskus spricht zwei Päpste heilig.

Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. werden unter den 839 Heiligen aufgenommen, die seit 1594 formal anerkannt sind. Sie gelten als Vorbilder eines christlich geführten Lebens und dürfen von den Katholiken in Gebeten angerufen werden.