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Vielleicht Mai 1911

Karl Valentin und Elisabeth Wellano im „Hotel Frankfurter Hof“

München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin und Elisabeth Wellano treffen im „Hotel Frankfurter Hof“ aufeinander.

Der bereits etablierte Karl Valentin kommt auf die „dantschige“ Nachwuchs-Schauspielerin zu und meint:
„Sie, Fräulein, Sie sind als Soubrette aufgetreten.
Heut hab ich Sie zum ersten Mal gesehen. 

Des is nix. Wissen‘s, Sie sind zu schlank für a Soubrette.
Als Soubrette muss man kess sein, die muss an großen Busen haben.
Außerdem sind Sie viel zu schüchtern. Und so brav schaun Sie aus, fast wia a Kommunionmäderl. -

Aber Sie sind sehr komisch.
Sie müssen sich aufs Komische verlegen.
Das ist geeignet für Sie“
.

Daraufhin ist das Fräulein Wellano empört und schwer beleidigt.

Doch Karl Valentin meint es ehrlich, weshalb er weiter auf Liesl Wellano einredet und meint:
„Ich schreib Ihnen einmal in der nächsten Zeit a komisches Soubrettencouplet, also eine Parodie auf eine richtige Soubrette. Und des bringens dann“.

Er schreibt ihr also ein Couplet mit dem Titel „Das Gretchen“.

Die talentreiche Nachwuchsschauspielerin ist zwar nicht überzeugt davon, lässt sich aber auf das Abenteuer ein, lernt das Lied auswendig und trägt es vor. „Ich hab mich aber nicht so schön angezogen im Flitterkleid, sondern schon a bissl komisch gmacht“, schreibt sie später.

Und weiter: „Damals war es Mode, dass man irgend einen Herrn im Publikum ansingt als Soubrette“.
Liesl sucht ihr Opfer aus und singt in der letzten Strophe: „O nimm mir diesen Stein vom Herzen“.

Dabei greift sie in ihren Ausschnitt, zieht einen Isarkiesel hervor, schmeißt ihn auf den Boden und schmettert dann weiter:
„Bereit mir nicht so viel Kummer, Sorg und Schmerzen, Sag‘ es aufrichtig, hast Du mich lieb, Du kecker Herzensdieb“.

Das war ein Riesenerfolg und ein großer Lacher - und machte aus der einst „feschen Soubrette“ eine „komische Soubrette“

xx