Fakten - Reif für die Inseln?

1180

Um 1180

München * Die erste Isarbrücke entsteht.  

Der Verlauf der „Salzstraße“ findet sich heute in der „Einstein-“ und in der Fortsetzung in der „Inneren-Wiener-Straße“ wieder.  
Beim später entstandenen „Leprosenhaus“ führt sie über den Streckenabschnitt „Am Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) mit einem starken Gefälle hinunter zur Isar, die durch mehrere Inseln in viele Flussläufe geteilt ist. 


1310

1310

München-Lehel * Die „Floßlände“ - nördlich der heutigen „Ludwigsbrücke“ - wird erstmals genannt. 

1310

München * In der ältesten Münchner „Floßordnung“ ist der Preis für die Beförderung des Weines und Strafen für die Beschädigung des Weinfasses oder unerlaubtes Trinken aus dem Fass festgelegt.


1347

1347

München * Die heutige „Ludwigsbrücke“ wird im „Stadtrechtsbuch“ sinngemäß beschrieben: 

„Im Abstand von 36 Schuh [9,36 Meter] werden Joche, die aus einer Reihe von senkrecht zur Strömung gerichteten Baumstämmen bestehen, in den kiesigen Untergrund getrieben.

Dann sägt man sie auf gleicher Höhe ab und verbindet sie mit Querhölzern.
Sechs Balken liegen von Joch zu Joch.
Auf diese Balken werden Bohlen von 16 Schuh [4,67 Meter] Länge quer aufgebracht.
Dies ergibt die Brückenbreite.
Über diese Bohlen wird Kies geschüttet.

Die Höhe über den mittleren Wasserstand ist so ausgelegt, daß ein Mann, der auf einem Floß oder Kahn unter der Brücke hindurchfährt, mit ausgestrecktem Arm die Hauptträger nicht berühren kann“.


1414

12. Juli 1414

München * Ein Hochwasser beschädigt die Isarbrücke. 


1421

1421

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Ein „torhäusl auf der Iserbrucken“ wird genannt.

Es ist der Vorläufer des „Roten Turms“.


1464

3. Juni 1464

München * Umfangreiche und 107 Pfund und 11 Pfennige teuere Arbeiten an der Isarbrücke beginnen und dauern bis 7. Oktober an. 


1475

1475

München * In der inneren Stadt dürfen keine Schweine gehalten werden.

Im Bereich an der heutigen Erhardstraße werden auf städtischem Grund Schweinställe angelegt.


1493

1493

München * Der von Michael Wolgemut gefertigte Holzschnitt in der „Hartmann Schedel‘schen Weltchronik“ ist die älteste Darstellung von München.  

  • Es sind noch keine Isarinseln zu sehen,  
  • dafür wird am unteren Bildrand die am „Gasteigberg“ gelegene „Wasserstube“ gezeigt. 

1500

1500

München * München hat 13.500 Einwohner. 

Es gibt 14 berufsmäßig betriebene „Badstuben“.


1517

1517

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Zwischen 1517 und 1519 wird der „Rote Turm“ zur Verteidigung der „Isarbrücke“ erbaut.


1572

1572

München * Die Stadtansicht von Braun und Hagenberg zeigt zwar eine nicht ganz realitätsgetreue Ansicht von München, doch Isarinseln sind noch nicht erkennbar.


1586

1586

München * Die „Beschreibung und Contrafractur der vornehmbsten Stätt der Welt“ von Braun und Hagenberg zeigt eine Ansicht von München.

Auch sie gibt nur die typischen, naturbelassenen Kiesbänke in der Isar wieder.
Isarinseln sind noch immer nicht vorhanden.


1613

1613

München * Auf dem Stadtplan von Tobias Volckmer ist die erste, offensichtlich dauerhafte Kiesbank in der Isar zu sehen.

Hier ist die spätere „Kohleninsel“ ein „Whördt“, eine knapp aus dem Wasser ragende Insel, die mit Büschen und Gestrüpp bewachsen ist.
Die südliche und die nördliche Spitze der Insel ist mit einer Uferverbauung, einem „Beschächt“, befestigt. 
Die natürliche „Kiesbank“ wird damit befestigt.

Die Münchner Isarinseln sind also ein Produkt menschlicher Arbeit.


1616

Um den 14. September 1616

München * Nach der Hitzeperiode lässt ein Hochwasser die Flüsse über die Ufer treten. 


1633

5. August 1633

München * Ein nachweisbarer Einsturz der heutigen Ludwigsbrücke ereignet sich. Es gibt zwar kein amtliches Dokument, dafür aber ein Mirakelbild an der südlichen Außenmauer der Tuntenhausener Kirche.

„Bei dem theilweisen Einsturze der Isarbrücke zu München am 5. August 1633 kam Jakob Oefele, Zimmermann von der Au, in große Todesgefahr, indem er mit noch 50 Personen ins Wasser fiel, nach gemachten Gelöbnis wurde er errettet”. Über die Zahl der Opfer dieses Brückeneinsturzes ist allerdings nichts Näheres bekannt.


1680

Ab etwa 1680

München-Lehel * Das „Wöhrl oberhalb der Isarbrücke“ wird mit Bauschutt aufgefüllt, vergrößert und befestigt.


1691

22. Dezember 1691

Haidhausen - Giesing - Zamdorf - München-Lehel * Die Bauern aus Haidhausen, Giesing, Zamdorf und anderen Orten haben die 455 Fudern Bauschutt des abgebrochenen Schäfflerturms an der Weinstraße auf das Wöhrl oberhalb der Isarbrücke [= Museumsinsel] gebracht. Der Abbruch des ehemaligen Stadttores war wegen des Neubaus der Englischen Fräulein notwendig geworden. 


1711

1711

München-Isarvorstadt * Auf der Insel zwischen Großer und Kleiner Isar entsteht eine „Kavallerie-Kaserne“, die „Alte Isarkaserne“.


1715

1715

München-Lehel * Auf dem Nordteil der „Isarinsel“ entsteht ein „Militärholzgarten“.

1715

München * Die Münchner Kasernen bieten Unterkunft für 1.568 Mann.


1721

1721

Rom-Vatikan - Prag * Nepomuk, der Beichtvater der böhmischen Königin Sophie, wird von Papst Innocenz XIII. „selig“ gesprochen.


1722

23. Mai 1722

München-Kreuzviertel * In der Frauenkirche wird ein Te Deum [= Lob-, Dank- und Bittgebet] zu Ehren des „seligen“ Nepomuks gehalten.


1723

1723

München * Der Rat der Stadt beschließt den Bau einer dauerhaften, steinernen Brücke über die Isar.

Dabei sollen zwei getrennte Brücken und nicht mehr eine durchgehende Brücke entstehen.


1729

19. März 1729

Rom-Vatikan - München * Johannes von Nepomuk wird von Papst Benedikt XIII. „heilig“ gesprochen und auf Wunsch des Kurfürsten Carl Albrecht zum „Landespatron Baierns“ ernannt.


1730

Um 1730

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Auf der heutigen „Ludwigsbrücke“ entsteht eine Kapelle zur Verehrung des „Heiligen Johannes von Nepomuk“.


1742

12. Februar 1742

München * In der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1742 ziehen österreichische Truppen über die Isarbrücke in die Stadt ein.

6. Oktober 1742

München * Die österreichischen Truppen verlassen München. Sie legen noch Feuer an das Tor des Roten Turms und an die Isarbrücke.


1744

16. Oktober 1744

München * Bei einem erneuten Abzug österreichischer Truppen wird die Isarbrücke von einem gewaltigen Feuer zerstört. Dazu müssen die Münchner zehn Zentner Pech und weiteres Brandzeug beschaffen.

18. Oktober 1744

München * Mit einem Arbeitseinsatz von 39 Männern kann die Isarbrücke bis zum 24. Oktober wieder hergestellt werden.


1745

15. April 1745

München * Als das „Kurfürstliche Leibregiment“ aus der Stadt marschiert, wird - zu Verteidigungszwecken - die „Isarbrücke“ abgerissen.


1750

Ab 1750

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die Pfeiler der „Inneren Ludwigsbrücke“ werden erstmals aus Stein erbaut.

Die Arbeiten dauern bis 1752.


1760

Ab 1760

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die „Äußere Ludwigsbrücke“ wird vollständig in Steinbauweise ausgeführt.


1762

1762

München-Isarvorstadt * Die „Alte Isarkaserne“ auf der „Isarinsel“ brennt ab und wird neu aufgebaut.


1767

Ab 1767

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die „Innere Ludwigsbrücke“ wird in Steinbauweise erbaut.


1781

1781

München * Die Zahl der in München stationierten Militärpersonen beträgt 4.243.

Die Mannschaften sind in Kasernen unergebracht.


1790

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Der vom „Geometer“ Adrian von Riedl geplante, etwa 2 Kilometer lange „Isardamm“ ist fertig gestellt.

Er schützt den „Englischen Garten“ nicht nur vor Hochwasser, sondern ermöglicht auch die Entwässerung des Parkgeländes.


1798

1798

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die verbliebenen Reste des „Roten Turms“ werden beseitigt.

Übrig bleibt nur der nördliche der beiden Anbauten, der den Abbruch fast 100 Jahre überdauert.


1800

1800

München-Isarvorstadt * Die „Alte Isarkaserne“ wird wiefolgt beschrieben:

„Die Caserne liegt außerhalb der Stadt, jenseits des Isaar-Flußes, auf einer sogenannten Insel“.

Das zweistöckige Hauptgebäude war 140 Meter lang. Es fasste damals 954 Mann, für die zweiundsechzig Zimmer und vierzehn Küchen vorhanden waren. Das Erdgeschoss diente als Pferdestall, in dem insgesamt 274 Pferde Platz fanden.

Die Kasernenanlage wurde mehrfach umgebaut. Dabei war die Truppenstärke höchst unterschiedlich. Zeitweise befanden sich in der „Alten Isarkaserne“ außer den Pferden nur einige Stallwachen.


1802

1802

München-Lehel * Die heutige „Praterinsel“ ist vor der „Säkularisation“ der „Erholungsplatz der Franziskaner“, nachdem diese in ihrem Kloster für eine Stätte der Einkehr und Besinnung keinen ausreichenden Platz gefunden haben.

Mit der „Säkularisation“ kommt die Insel in das Eigentum des Staates.


1803

28. November 1803

München-Lehel * Die Johann-Nepomuk-Kapelle zwischen den Isarbrücken wird abgebrochen. 


1805

1805

München * Die „Gesetze zur Ergänzung des stehenden Heeres“ von 1805 und 1812 gestatten dem Bürgertum großzügige „Befreiung vom Wehrdienst“.


1810

1810

München-Lehel * Als Anton Gruber, ein Münchner Gastwirt und „Schnürrleibmacher“ erfährt, dass die „Isarinsel“ zu kaufen sei, kratzt er seine Reserven zusammen, nimmt einen Kredit auf und erwirbt das Eiland um 1.033 Gulden.

Von der „Polizey-Direktion“ erhält er die Konzession zum Bierausschank.

Nun baut er einige Holzhütten, nennt den Platz „Zum lustigen Dörflein“ und verabreicht während der Sommermonate „frisches Bier und Bratwürst“.

Der Zuspruch der Münchner ist bald so groß, dass Anton Gruber seine „Insel-Gaststätte“ das ganze Jahr bewirtschaftet.


1811

Ab 1811

München-Lehel - Haidhausen * Der „Militärholzgarten“ nördlich der „Isarbrücke“ wird auf den „Ga­steig“ verlegt.

27. Mai 1811

München-Isarvorstadt * Grundsteinlegung für die Neue Isarkaserne an der Zweibrückenstraße. Auf dem Baugelände befinden sich noch die Obst- und Gemüsegärten des Stifts der Englischen Fräulein. In der Nachbarschaft liegen der Holzlagerplatz der Münchner Kistlerzunft und eine Werkstatt der Stadt, in der die hölzernen Wasserleitungsrohre gebohrt werden.

Der Flurname An den Schweineställen, in früherer Zeit auch Plärrer, kommt vom Verbot der Schweinehaltung in der inneren Stadt.


1813

1813

München-Lehel * Nachdem Anton Gruber ein „Caroussel“ und eine Schaukel aufstellt, wird aus dem „Lustigen Dörferl“ der „Prater“.

Der Gastwirt ist ein Vollprofi in Sachen „Volksbelustigung“.

3. Mai 1813

München-Isarvorstadt * Ein Teil der „Neuen Isarkaserne“ an der Zweibrückenstraße, am Standort des heutigen „Marken- und Patentamtes“, ist mit Zimmern für 428 Mann und Stallungen für 104 Pferde bezugsfertig.

13. September 1813

Vorstadt Au - Haidhausen * Ein Hochwasser reißt die Hälfte der Äußeren Ludwigsbrücke weg. Eine pervers neugierige Menschenmenge hat auf der Äußeren Brücke gewartet, um dabei zu sein, wenn der nahe gelegene Kaiserwirt in sich zusammenfallen und in den Isarfluten mitgerissen wird. Die Schaulustigen glauben sich auf der aus Stein erbauten Brücke in Sicherheit, da sie gerade ihr eine hohe Standfestigkeit unterstellen.

Der Fuhrknecht eines Brauwagens, der den Flussübergang gerade passiert hatte, warnte die Gaffer, dass die Brücke wankt. Eine Totengräberin, die auf einem Schubkarren ein Kruzifix über die Brücke rollt, ruft: „Schauts auf, da Tod kummt!” Unmittelbar danach „knickte der östliche Brückenpfeiler ein, die Brückendecke senkte sich und stürzte dann in die Fluten“. Zwei weitere Bögen folgen nach. 108 Menschen stürzen in den tosenden Gebirgsfluss, nur sechs können gerettet werden.

Nach dem 13. September 1813

München * Nach dem Einsturz der Isarbrücke untermauert Carl Friedrich von Wiebeking, der Leiter der staatlichen Straßen- und Wasserbaubehörde, seine Argumentation mit dem Hinweis, dass mit dem Abbruch des Isartores das anfallende Abbruchmaterial beim Neubau der Brücke verwendet werden könne. Wiebekings Vorschlag wird jedoch verworfen, die weiteren Planungen erst im Jahr 1816 wieder aufgenommen. 


1814

1814

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die Wiederaufbauarbeiten für die heutige Ludwigsbrücke beginnen. Sie werden aber nie beendet.

31. Oktober 1814

München * Der Münchner Polizeidirektor von Stetten vermerkt in seinem Rapport:

„[...] Man mag ein Wirtshaus betretten, welches man wolle, so werden in demselben Husaren getroffen und in der Regel nicht alleine, sondern in der Gesellschaft ihrer Schönen, welche nicht neben, sondern auf ihnen sitzen. Gewöhnlich sind diese Damen aus der Vorstadt Au oder aus Haidhausen oder Dienstmägde.“


1817

1817

München-Isarvorstadt * Die „Kürassierkaserne“, „Schwere-Reiter-Kaserne“ oder „Neue Isarkaserne“ in der Zweibrückenstraße wird bezogen.

Bis 1885 dient die „Alte Isarkaserne“ nur noch als Behelfsunterkunft.


1818

1818

München * Wegen der auftretenden Hautkrankheiten wird von höchster Stelle eine „strenge Reinlichkeit“ verordnet.

Die Soldaten sollen künftig in den warmen Sommermonaten an „ausgewählten, schicklichen und gefahrlosen Stellen“ in fließendem Wasser öfter baden. Die Leibwäsche ist wöchentlich, die Bettwäsche monatlich zu wechseln.

Die Füllungen der Strohsäcke müssen fortan alle vier Monate ausgetauscht, die Bettdecken halbjährlich gereinigt werden. An der zweimännigen Bettenbelegung wird aber weiterhin festgehalten.

Lediglich das „rollierende Schlafen“, bei dem sich die vom Wach- oder Arbeitsdienst kommenden Soldaten in die Betten der Ablösung legt, ein Bett also von vier Soldaten benutzt wird und deshalb tagsüber gar nicht mehr auslüften kann, wird streng verboten.

Ende April 1818

München-Isarvorstadt * Die „Neue Kavalleriekaserne an der Isar“, an der Zweibrückenstraße, ist insgesamt fertiggestellt.

Sie bietet jetzt Platz für 1.558 Soldaten und 359 Pferde.

Die Kapazität der Mannschaftszimmer schwankt zwischen 3 und 17 Bettladen für je zwei Personen. Die Standardzimmer haben entweder 8 oder 14 Bettladen.

Juni 1818

München-Isarvorstadt * Das Eliteregiment „Garde du Corps“ erhebt erfolgreich Einspruch gegen die Absicht der Militärverwaltung, die Mannschaft in der „Neuen Isarkaserne“ sehr dicht zu kasernieren und einen Teil der Zimmer leer stehen zu lassen, um dadurch Brenn- und Beleuchtungsmaterial sparen zu können.

August 1818

München-Isarvorstadt * Die „Neue Isarkaserne“ wird dem Regiment „Garde du Corps“ übergeben und auf 876 Mann Friedensbelegung bzw. 1.140 Mann in Ausnahmesituationen festgelegt.

Oktober 1818

München-Theresienwiese * Anton Gruber, der Wirt von der „Praterinsel“, erhält für fünf Jahre die Konzession für ein besonderes Publikumsvergnügen.

Auf der „Theresienhöhe“, also nicht auf dem „Festplatz“, betreibt er ein „Carussel“, eine „teutsche Schauckel“, wohl eine normale Schwingschaukel, eine „russische Schauckel“, ein Vorläufer des heutigen Riesenrads in bescheidener Größe, ein   und eine „Taubenscheibe“, mit einer aufgehängten Holztaube als Zielwurfobjekt.

Zugleich darf er Speisen und Getränke anbieten.


1823

1823

München-Ludwigsvorstadt - München-Lehel * Josef Schweiger muss sein „Theater vor dem Karlstor“ verschuldet schließen.

Bis 1925 gibt er ein kurzes Intermezzo beim Wirt auf der „Praterinsel“.


1824

1824

München * In den Kasernen sind aber nicht nur die Soldaten, sondern auch deren Ehefrauen untergebracht.

Diese müssen sich - gemeinsam mit ihren Männern und ihren Kindern - die Kasernenzimmer mit mehreren Soldaten teilen, sodass sich das ganze Ehe- und Familienleben „vor Publikum“ abspielt.

Ein Bericht beschreibt die Situation so: „[...] In Krankheit und Geburtsfällen müssen die Weiber in den nämlichen Zimmern, in denen sich auch die Mannschaft befindet, nur durch einen leichten Vorhang gedeckt, ihr Schicksal erleiden [...]

Wenn auch in Geburts Fällen im entscheidenden Augenblicke die Mannschaft aus dem betreffenden Zimmer entfernt, und für einige Zeit in ein anderes Zimmer gewiesen wird, so müssen zur Nachtzeit, wenn die leeren Bettstellen der im Dienst befindlichen Leute nicht hinreichen, drei Mann in einer Bettlade der Ruhe genießen“.


1828

1828

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Eine hölzerne, fünfbogige „Notbrücke“ über die Isar wird eingeweiht.

Sie erhält den Namen „Ludwigsbrücke“.
Sie ist bis dahin die einzige Isarüberführung zwischen Bogenhausen und Schäftlarn.


1829

1829

München * Für Unteroffiziere werden allmählich Einzelbetten eingeführt.


1831

1831

München-Isarvorstadt * Mit der hölzernen „Reichenbachbrücke“ kommt ein zweiter Flussübergang über die Isar hinzu.


1835

23. Juli 1835

Haidhausen * Grundsteinlegung für das Muffat-Brunnhaus auf der Kalkofeninsel.


1837

Anfang 1837

Haidhausen * Das „Brunnhaus auf der Kalkofeninsel“ wird in Betrieb genommen.


1850

1. Mai 1850

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Maschinenfabrik“ präsentiert ihr erstes Dampfschiff.

Über dem zu den Werkstätten in der „Hirschau“ führenden Isarkanal fährt der Raddampfer „Stadt Donauwörth“ über die Isar bis zur „Praterinsel“.
Die Fabrikarbeiter haben den Dampfer, der eine Länge von etwa 40 Metern bei 3½ Meter Breite und einen sehr geringen Tiefgang besitzt, reich verziert und an der Landspitze nahe der „Praterinsel“ eine große, mit maschinentechnischen Emblemen geschmückte Pyramide aufgebaut.

Eine große Schar Neugieriger beobachtet die Fahrt des Schiffes, das mit einer Leistung von 43 Pferdestärken gegen den Strom der Isar hinauf fährt; später dann flussabwärts bis zur Donau.


1853

1853

München-Isarvorstadt - Museumsinsel - München-Lehel * Die Insel zwischen den beiden Isarbrücken wird „Kohleninsel“ genannt.


1855

7. Mai 1855

München-Maxvorstadt * Oskar von Miller wird in der Nymphenburger Straße geboren.


1858

1858

Main * Die Dampfschifffahrt auf dem Main wird bis 1886 eingestellt.


1859

1859

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Im nördlichen Anbau des ehemaligen „Roten Turms“ wird die „Gastwirtschaft zum Roten Turm“ eingerichtet.

Sie erhält die „Taferngerechtsame des Heiliggeistspitals“.

Die Gäste dieses Lokals sind hauptsächlich Soldaten der nahen „Schwere-Reiter-Kaserne“.


1862

1862

München * In München gibt es 3.891 Gewerbebetriebe.


1869

Ab 1869

München * Die zweischläfrigen Mannschaftsbetten werden abgeschafft.

Es dauert aber noch etliche Jahre, bis in allen Kasernen tatsächlich Einzelbetten für alle Soldaten vorhanden sind. Bis dahin müssen sich zwei ausgewachsene Männer ein Bett teilen, das eine Länge von 1,79 Metern und eine Breite von 1,30 Metern nicht überschreiten darf.

Als Schlafunterlage dient ein gemeinsamer Strohsack, über den ein Leintuch gespannt ist. Darüber liegt eine große Decke.

9. Mai 1869

München * Im Gasthof Zur blauen Traube gründen 36 Männer, 34 davon aus München, dazu ein Kurat aus Vent im Ötztal und ein Prager Kaufmann, einen „bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein“. Das ist die Geburtsstunde des Deutschen Alpen Vereins. Im Paragraph 1 der Vereinsstatuten ist als Ziel festgeschrieben: „[…] die Kenntniss der deutschen Alpen zu verbreiten und die Bereisung Derselben zu erleichtern.“ 


1870

Ab August 1870

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Zusätzliche Baracken neben der Alten Isarkaserne werden zur Unterbringung von französischen Kriegsgefangenen genutzt.


1873

Ab 1873

München * Dritte „Cholera-Epidemie“ bricht in München aus.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der „Schwemmkanalisation“,
  • einer „zentralen Wasserversorgung“ und
  • dem zentralen „Schlacht- und Viehhof“.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.


1879

1879

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Nach einem Bericht des „Münchener Gewerkschaftsvereins“ liegen die Einschreibegebühren für die privaten Arbeitsvermittler zwischen 50 Pfennigen und einer Mark.

Nach der Vermittlung eines Arbeitsplatzes ist eine entsprechende Gebühr fällig, die sich nach dem zu erwartenden Lohn ausrichtet.
Sie beträgt, bei einem Monatsverdienst von 10 bis 50 Mark, die Hälfte bis zu einem doppelten Monatslohn.

Die Vermittlungsgebühr zahlt zuerst der Arbeitgeber, der sie dann zumeist dem Arbeitnehmer vom Lohn abzieht.

Die Einrichtung von zentralen städtischen oder staatlichen Arbeitsvermittlungen ist ein besonderes Anliegen der Gewerkschaften, deren Einsatz die Münchner Stadtverwaltung zu einem fortschrittlichen Handeln bewegen wird.


1881

Ab 1881

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die „Kohleninsel“ wird mit einer Kaimauer gegen Hochwasser geschützt.

Die Arbeiten dauern bis 1904 an.


1882

1882

München-Maxvorstadt * Oskar von Miller organisiert die „Internationale Elektrizitäts-Ausstellung“.

Sie findet im „Glaspalast“ statt.

Die Sensation ist die übertragung von Gleichstrom von Miesbach nach München. Der in 57 Kilometern erzeugte Strom treibt im Ausstellungsgebäude einen Motor an, der wiederum einen Wasserfall in Gang setzt.


1883

1883

München - Berlin * Oskar von Miller verlässt München.

In Berlin nimmt er die Aufgabe eines „Technischen Direktors“ bei der „Deutschen Edison-Gesellschaft“, der späteren „Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft - AEG“, wahr.

Seine Hauptaufgabe besteht im Bau elektrischer Zentralstationen zur Versorgung kleiner Stadtbezirke.


1884

Seit 1884

Isarvorstadt - Museumsinsel * Die Verhandlungen über den Verkauf der „Alten Isarkaserne“ auf der „Kohleninsel“ mit der Münchner Stadtverwaltung werden geführt und 1888 abgeschlossen.


1885

September 1885

München-Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ wird mit 16 elektrischen Bogenlampen beleuchtet.

Acht davon brennen die ganze Nacht.


1887

1887

München-Lehel - Praterinsel * Die „Mariannenbrücke“ als Zugang zum „Café Isarlust“ auf der „Feuerwerksinsel“ wird gebaut.

Sie ist benannt nach Herzogin Maria Anna, der Gemahlin von Herzog Clemens, dem Bruder des letzten baierischen Wittelsbachers.

Durch ihren patriotischen Einsatz - sagt man - verhinderte sie, dass der pfalz-baierische Kurfürst Carl Theodor seine baierischen Erblande an Österreich abtrat und München dadurch seinen Staus als Residenzstadt behielt.


1888

1888

München-Lehel - Praterinsel * „Stadtbaurat“ Friedrich Loewel erbaut das „Weinrestaurant und Wiener Café Isarlust“ auf der „Feuerwerkinsel“.

Er realisiert hier ein Rokoko-Schlösschen, das mit seinem hohen Mittelbau fast an einen Theaterbau erinnert und deren mächtige Kuppel und reiche Dachlandschaft sich schön zwischen die hohen Bäume einfügt. „Die prunkvolle Rokokoausstattung des Innern lässt noch deutlich den seinerzeitigen Einfluss der Prachtbauten Ludwigs II. erkennen“.

Nach der „Kunstgewerbe-Ausstellung“ wird die „Isarlust“ eine gehobene Restauration für die feine Gesellschaft, in der auch Künstlerfeste stattfinden.


1889

Herbst 1889

München-Isarvorstadt * In den Stallgewölben der „Neuen Isarkaserne“ an der Zweibrückenstraße bemerkt man besorgniserregende Sprünge im Mauerwerk.

Die Fäkalien der Pferde haben das tragende Mauerwerk stark angegriffen.


1890

1890

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die „Gastwirtschaft zum Roten Turm“ muss dem Neubau der „Ludwigsbrücke“ weichen.

??? 1890

München * Oskar von Miller gründet sein eigenes „Ingenieur-Büro“ in München, das sich zu einem der bedeutendsten europäischen Planungsbüros für Kraftwerkanlagen entwickeln wird.

23. August 1890

München-Isarvorstadt * Die Instandsetzungsarbeiten an der Neuen Isarkaserne beginnen. Die Reparaturen sind bis zum Frühjahr 1893 abgeschlossen.


1891

1891

Bethel - Berlin * Der evangelische Pastor Friedrich von Bodelschwingh gründet in Bethel und Berlin ein sogenanntes „Brockenhaus“.

Mit dieser neuen Form einer Sozialeinrichtung will Bodelschwingh durch die Abholung und Verarbeitung schadhafter oder im Haushalt nicht mehr verwendeter Gegenstände arbeitslosen und erwerbsbeschränkten Personen Beschäftigung verschaffen und gleichzeitig Hilfsbedürftigen billige Gebrauchsgegenstände vermitteln.

Die Idee setzt sich rasch durch und schon bald darauf arbeiteten die „Brockenhäuser“ in allen größeren Städten Deutschlands.

9. Mai 1891

München * Die Private Münchener Gasgesellschaft, die das Beleuchtungsmonopol in München bis zum Jahr 1899 besitzt, unterzeichnet einen Ablösungsvertrag. Dadurch kann die Stadtgemeinde eine Kraftanlage zur Erzeugung von Strom aufbauen.

Oktober 1891

München * Die „Ludwigsbrücke“ wird erweitert.

Sie erhält plastischen Schmuck in Form von je zwei „Pylonen“, die die Allegorien der „Fischerei“, der „Flößerei“, der „Industrie“ und der „Kunst“ aufnehmen. 


1892

März 1892

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die „Garnisonsverwaltung“ zieht von der „Alten Isarkaserne“ auf der „Kohleninsel“ nach Neuhausen.

Damit beginnt die Übergabe des Geländes an die Stadt München. 

Diese quartiert in der ehemaligen Kaserne zahlreiche Behörden ein:

  • die „städtische Desinfektionsanstalt“,
  • die „Inspektion für Blitzableiteranlagen“,
  • das „polizeiliche Krankenträgerinstitut“,
  • den „Sanitätsverband“,
  • die „Lehrwerkstätten des Volksbildungsvereins“ und
  • die „Berufsschule für Friseure“.

1893

1893

München-Haidhausen * Das „Brunnhaus auf der Kalkofeninsel“ wird zu Münchens erstem Elektrizitätswerk umgebaut.

Die dazu notwendige Energie liefert der Auer Mühlbach.


1894

1894

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Das „Städtische Wehramt“, das zuvor im Rathaus untergebracht war, zieht auf die „Kohleninsel“.

Die Musterung der Wehrpflichtigen findet anfangs noch in der „Schrannenhalle“ statt, weshalb die notwendigen Akten jedes Mal vom „Wehramt“ zum Musterungslokal und danach wieder zurückgebracht werden müssen.

Das war nicht ganz ungefährlich, wie nachstehender Bericht beweist: „[...] bei einem solchen Transport [hat] ein Windstoß eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Stammrollen entführt und den grünen Fluten der Isar zugetragen, die sie nicht mehr herausgab“.

Januar 1894

München-Haidhausen * Johann Karl Bernhard Müller vermacht der Stadt seinen gesamten Münchner Immobilienbesitz, um dafür ein Bad „für das unbemittelte Volk“ zu errichten.

20. Februar 1894

München-Haidhausen * Die Stromerzeugungsanlage im ehemaligen Muffatwerk auf der Kalkofeninsel liefert erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung. 278 Bogenlampen erhellen nun die Stadt.


1895

1895

München * In München gibt es 34.708 Gewerbebetriebe bei 413.255 Einwohner.

1895

München * In München gibt es 147 „Arbeitsnachweise“.

Davon sind 99 gewerbsmäßige Stellenvermittlungen, 18 Arbeitgeber- und 23 Arbeitnehmerbüros. Weitere 7 Vermittlungsbüros werden von karitativen Vereinigungen betrieben.

22. März 1895

München * Seit 1893 plant die Stadt München einen zentral organisierten, unparteiisch geleiteten und unentgeltlichen „Arbeitsnachweis“.

Am 22. März 1895 fasst der Magistrat der Stadt den maßgebenden Beschluss zu dieser Einrichtung zur Vermittlung von Arbeitsstellen.

Und nachdem das achtköpfige Gremium gewählt ist, wird mit der Einrichtung des „Städtischen Arbeitsamtes“ in der Zweibrückenstraße 20 begonnen und deren Eröffnung durch Plakate, Annoncen und Zeitungsartikel bekannt gegeben.

1. November 1895

München-Isarvorstadt * Mit sieben Mitarbeitern beginnt die Arbeitsvermittlung von „gewerblichen Arbeitern, Handlungsangestellten, Dienstboten, Tagelöhnern und Lehrlingen“ im Südpavillon auf der Kohleninsel. Damals öffnet das Städtische Arbeitsamt München seine Pforten für arbeitsuchende Münchnerinnen und Münchner.

Die bayerische Hauptstadt übernimmt mit dieser Einrichtung im Bereich der kommunalen Arbeitsvermittlung - neben einigen Städten in Württemberg - eine Vorreiterrolle.


1896

1896

München-Au * Der „Kaisergarten“ an der Lilienstraße 2 wird abgerissen und dafür der heute noch bestehende Bau errichtet.

Das neue Wirtshaus trägt den Namen „Gasthaus & Singspielhalle zum Kaisergarten“.

1. Januar 1896

München-Haidhausen * Das Muffatwerk erzeugt jetzt Strom mit 600 PS.


1897

1897

München-Haidhausen * Dem „Muffatwerk“ stehen 1.370 PS zur Stromerzeugung zur Verfügung.


1898

1898

Wien * Die Wiener „Alpine Gesellschaft D‘Reichensteiner“ beschließt bei ihrer Gründung einen Arier-Paragraphen, um damit jüdische Mitbürger von der Mitgliedschaft auszuschließen.

1898

München-Haidhausen - München-Lehel * Der Kabelsteg - Münchens schönste und meistfotografierte Brücke - wird zur Kabelüberführung errichtet.

1898

München-Isarvorstadt * Das Münchner Arbeitsamt ist die Hauptvermittlungsstelle für die Bezirke Oberbayern, Schwaben und Neuburg. Seine Hauptaufgabe ist, möglichst viele am Münchner Arbeitsmarkt gemeldete Arbeitslose auf das Land zu vermitteln.

Doch für die Landbevölkerung stellt das Leben in der Stadt die wünschenswertere Perspektive dar, weshalb die meisten Zuzügler nicht zur Rückkehr zu bewegen sind. Deshalb bietet man diesen Arbeitern und Dienstboten nur mehr landwirtschaftliche Stellen an. Die anderen Stellenangebote werden dagegen nur den Münchnern vorgelegt.

11. Juni 1898

München-Isarvorstadt * Prinzregent Luitpold eröffnet die II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung. Als Ausstellungsgelände dient die Kohleninsel, die auch „zu etwas anderem gut sei als zu schmutzigen Schuppen, nächtlichem Aufenthalt lichtscheuen Gesindels und ab und zu einer verschwiegenen Mord- oder Gewalttat“.

Der Ausstellungsbau ist ein gewaltiges Gebäude im neoklassizistischen Stil mit einer imponierenden, säulengeschmückten Eingangshalle, einem 45 Meter hohen Rundturm, dessen Aussichtsgalerie über einen elektrischen Fahrstuhl erreicht werden kann, und weiteren Nebengebäuden. Zusammen mit der integrierten Isarkaserne stehen rund 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Architektonisch folgt man zwar den großen Vorbildern der Weltausstellungen, doch der schöne Schein ist trügerisch, denn die Bauten bestehen aus zusammengenagelten und weiß getünchten Brettern, die Säulen und der üppige Figurenschmuck sind lediglich Gips und Stuck - und damit nur für eine begrenzte Dauer konzipiert. 

Im südlichen Teil der Insel erreicht man über einen Park das Hauptrestaurant. Dem gegenüber befindet sich das Automatenrestaurant, in dem man sich - eine absolute Neuheit für die Münchner - gegen Geldeinwurf verpflegen kann. Im Park gibt es außerdem eine große Gartenschau und täglich stattfindende Standkonzerte.

10. Oktober 1898

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung auf der Kohleninsel wird geschlossen. Trotz der 600.000 Besucher müssen die Veranstalter ein Defizit von 200.000 Mark zur Kenntnis nehmen.


1899

1899

Brandenburg * Die Alpenvereins-Sektion Brandenburg des DuOeAV wird ausschließlich für „christlich getaufte, deutsche Staatsbürger“ gegründet.

1899

München-Isarvorstadt * Der „Verein zur Erbauung eines Monuments für Weiland Seine Majestät König Ludwig II. e.V.“ wird gegründet. Er wird die Summe von 185.000 Mark sammeln und den Auftrag für ein 3,40 Meter hohes und von Ferdinand von Miller entworfenes und gegossenes Denkmal auf der Corneliusbrücke erteilten.

1899

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Um das Defizit der II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung etwas zu mindern, findet in der Ausstellungsanlage auf der Kohleninsel die Allgemeine Deutsche Sport-Ausstellung München statt. Es ist die erste Sportartikelschau, die in München durchgeführt wird.

13. September 1899

München-Bogenhausen * Die Isar schwillt auf 1.290 Kubikmeter in der Sekunde an. Bei diesem sogenannten Jahrhunderthochwasser wird die Luitpoldbrücke in Bogenhausen von den Fluten des Gebirgsflusses weggerissen.

15. September 1899

München * Im Rahmen der Allgemeinen Deutschen Sportausstellung findet ein Demonstrations-Spiel statt. In diesem ersten offiziellen Fußballspiel auf Münchner Boden spielt eine Mannschaft aus der damals führenden süddeutschen Fußballstadt Karlsruhe gegen die noch junge Mannschaft des Männerturnvereins von 1879 - MTV, um beim Münchner Publikum Begeisterung für die Sportart des Association Football zu erzeugen. Das Spiel wird für die Münchner zum Desaster, denn die Karlsruher gewinnen mit 10:0 Toren.

Am Anfang distanzieren sich noch viele bürgerliche und Arbeiter-Turnvereine von dieser Form des Wettkampfsports. Verhindern können sie diese Sportart auf Dauer natürlich nicht, da sie sonst zu viele fußballbegeisterte Sportler an andere Vereine verloren hätten.

Dezember 1899

München * Bereits 2.000 Münchner Haushalte sind an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen.

Dezember 1899

München-Isarvorstadt - Museumsinsel„Stadtbaumeister“ Theodor Fischer entwickelt ein neues Bebauungskonzept für die „Kohleninsel“.

Eine kleine Idealstadt soll entstehen, „umrauscht von der Isar und mit Blick auf die Alpen“.

Nach Fischers Vorstellungen soll „um einen mit Brunnen und Monumenten geschmückten Platz, ähnlich den Marktplätzen in manchen Tiroler und altbayerischen Städten, gruppieren sich die verschiedenen malerischen Bauten mit offenen Lauben und Säulenhallen zu einem reizenden architektonischen Gesamtbild“.

Die Bebauung der „Kohleninsel“ sollte eine Art Münchner Gegenstück zur „Mathildenhöhe“ von Darmstadt werden. Doch der Magistrat lehnt die Planungen ab.


1901

1901

München-Isarvorstadt - Museuminsel * Münchner Bürger beabsichtigen die Gründung eines „Brockenhaus-Vereins“.

Da man anfangs jedoch gegenüber dem Projekt finanzielle Bedenken äußerte, übernahm zunächst Kommerzienrat Kaspar Baerwindt das geschäftliche Risiko der karitativen Einrichtung als persönlich Haftender.

Die Stadt München stellt Räumlichkeiten auf der „Kohleninsel“ zur Verfügung.

April 1901

München * Der „Civilingenieur“ Karl Müller wird in den Adelsstand erhoben. 

Er nennt sich jetzt Ritter Karl von Müller.


1902

1902

München-Lehel - Kohleninsel * Auf dem nördlichen Teil der „Kohleninsel“ findet der Vergnügungsteil der „Auer Dult“ statt.

Gegenüber dem „Münchner Arbeitsamt“ war ein Karussell und das „Schichtl-Varieté“ aufgestellt worden. Durch ihre Musik fühlten sich besonders die Arbeitgebervertreter gestört.

April 1902

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die erste Abhol-Aktion für das „Brockenhaus“ startet.

12. Mai 1902

München-Isarvorstadt * Provisorische Eröffnung des Brockenhauses auf der Kohleninsel

Die Initiative ist sofort erfolgreich und erwirtschaftet bereits im ersten Jahr ihres Bestehens einen Überschuss.

4. Juni 1902

München-Isarvorstadt * Die Neue Isarkaserne an der Zweibrückenstraße wird an die Garnisonverwaltung übergeben.

21. November 1902

München-Isarvorstadt * Der Verein Münchner Brockenhaus wird gegründet.


1903

1903

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die endgültige Nutzung der „Kohleninsel“ als Standort für das „Deutsche Museum“ wird vom Magistrat beschlossen.

Juni 1903

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * In den „Mittheilungen der Münchner Brockensammlung“ heißt es:

„Die Münchner Brockensammlung erbittet und läßt kostenfrei durch ihre Leute abholen: Alte, auch zerbrochene Möbel, jeder Art gebrauchter Kleiderstücke, Wäsche, abgetragene Schuhe, Hüte, Strümpfe, alle Arten Bücher, Broschüren, Zeitungen, Papier, Marken, Zeugreste und Lumpen, Schirme, Zigarrenabschnitte, Korke, Staniolkapseln, Flaschen, Glas, Körbe, altes Werkzeug, Metall und Geschirre aller Art, Militär-Effekten, kurz alles, was im Hause unnütz umherliegt“.

Da stellen also die wohlhabenden Bürger Münchens ihre ausgedienten oder aus der Mode gekommenen Möbel und Dinge des täglichen Bedarfs, kurz „all den Kram des Speichers und Kellers, der überflüssig, hindernd und störend im Wege liegt“, kostenlos zur Verfügung, um sie dann an Interessenten zu verkaufen oder - zu kleinsten Preisen - den Bedürftigen zur Verfügung zu stellen.

Lumpen, Knochen und Altmetall werden in eigens aufgestellten Tonnen gesammelt und dann zur Weiterverarbeitung an einschlägige Unternehmer weiterverkauft.
Die privaten Organisatoren geben die Gegenstände an die Bedürftigen ausdrücklich nicht gratis ab.

Im Gegenteil, sie legen großen Wert darauf, dass die Käufer eine - wenn auch noch so geringe - Eigenleistung erbringen.
Man will den Bedürftigen zwar tätige Hilfe zukommen lassen, ohne sie jedoch in die Rolle von würdelosen Almosenempfängern zu drängen.


1905

1905

Wien * Die „Sektion Wien des Deutsch- und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV“, die aus dem „Turnverein“ hervor gegangen war, wird mit einem „Arier-Paragraphen“ gegründet.

1905

Mittenwald * Das „letzte Floß“ verlässt Mittenwald in Richtung München. 

1905

München * Die Isar hat sich in die „Flinzschicht“ eingegraben. 

Die Eintiefung beträgt 8,5 Meter.

1905

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * In einem kleinen Ausstellungsbau auf der „Kohleninsel“ wird die Wanderausstellung „Die Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung“ gezeigt.


1906

12. November 1906

München-Isarvorstadt - Museuminsel - München-Lehel * Kaiser Wilhelm II. eröffnet die provisorische Ausstellung des Deutschen Museums im Alten Nationalmuseum an der Maximilianstraße, dem heutigen Museum Fünf Kontinente.

13. November 1906

München-Isarvorstadt - Museuminsel * Kaiser Wilhelm II. legt im Beisein des Prinzen Ludwig III. von Bayern den Grundstein für das Deutsche Museum.

Ab 15. November 1906

München-Isarvorstadt * Vom 15. bis 30. November 1906 findet unter dem Allerhöchsten Protektorat Seiner Königlichen Hoheit, des Prinzregenten Luitpold, die Erste bayerische Geweih-Ausstellung im Pavillon an der Ludwigsbrücke statt.


1907

1907

Wien * Die „Akademische Sektion Wien des DuOeAV“ nimmt den „Arier-Paragraphen“ in ihre Satzung auf.

1907

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Der Verkaufsraum der „Brockensammlung“ auf der „Kohleninsel“ ist zu klein, weshalb die karitative Einrichtung zusätzlich zwei Ställe der „Alten Isarkaserne“ erhält.

1907

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Als neue Dienstleistung übernimmt das „Arbeitsamt“ für Frauen mit Kindern die Suche nach einer geeigneten „Koststelle“.

14. Juni 1907

München - Innsbruck * Die Generalversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV beschließt die Errichtung eines Alpinen Museums. Innsbruck und München bewerben sich. Die bayerische Hauptstadt erhält den Zuschlag.


1908

31. März 1908

München-Lehel * Der Wirtschaftsbetrieb im „Café Isarlust“ auf der „Praterinsel“ wird eingestellt. 

Der neue Besitzer, der „Deutsche und Österreichische Alpenverein - DuOeAV“, verfolgt mit der Immobile andere Ziele. 


1909

1909

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die „Brockensammlung“ zieht von der „Kohleninsel“ in aufgelassene Räume der „Neuen Isarkaserne“ an der Kohlstraße.

1. Januar 1909

München-Isarvorstadt * Der zweite Teil der provisorischen Ausstellung des Deutschen Museums wird in den aufgelassenen Räumen der Neuen Isarkaserne in der Zweibrückenstraße eröffnet.

4. Juli 1909

Bozen * Ritter Karl von Müller, der Sponsor des Volksbades, stirbt in der Nähe von Bozen. 


1910

1910

München * In München gründen ein paar Professoren eine „Alpenvereinssektion“ für „akademisch gebildete Herren germanischer Abstammung“.

1910

München-Haidhausen * Die Dienstvilla für den Direktor des „Muffatwerkes“ an der Zellstraße 8 wird bezogen.

19. Juni 1910

München-Isarvorstadt * Das 3,40 Meter hohe Standbild für den Märchenkönig Ludwig II. wird auf der Corneliusbrücke eingeweiht. Es zeigt den jungen Monarchen im Krönungsornat vor seinem Thron.


1911

1911

München * Die Suche nach einer geeigneten „Koststelle“ übernimmt an Stelle des „Arbeitsamtes“ ab sofort der „städtische Berufsvormund“.

1911

München-Lehel - Praterinsel * Nach Umbauarbeiten kann das „Alpine Museum“ in den ehemaligen Räumen des „Café Isarlust“ auf der „Praterinsel“ eröffnet werden.

Ziel der Ausstellung ist die Präsentation des „Alpinismus“ und der Aktivitäten des „Deutsch- und Österreichischen Alpenverein - DuOeAV“. Im ersten Jahr zählt man bereits 30.000 Besucher.


1912

1912

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * In der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der „Brockensammlung“ heißt es: „Kein Bazar und kein noch so großes Kaufhaus“ kann sich in „Vielseitigkeit des hier zum Verkauf Ausgestellten“ mit dem „Brockenhaus“ messen.

In den ersten zehn Jahren konnten 90.000 Mark an Institutionen der „Wohlfahrtspflege“ abgegeben werden.

Der Erfolg hält bis zu den im „Ersten Weltkrieg“ behördlich angesetzten Sammlungen an.


1913

1913

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Nachdem das Gebäude des „städtischen Arbeitsamtes“ an der Thalkirchner Straße bezugsfertig ist, erfolgt der Umzug von der „Kohleninsel“.

1913

München-Lehel - Praterinsel * Die Begeisterung für das „Alpine Museum“ auf der „Praterinsel“ führt zur Gründung des „Vereins der Freunde des Alpinen Museums“

Er will die Lücken der Ausstellung schließen und den Ausbau des Museums fördern.

Im Süden des Anwesens wird ein „Alpenpflanzengarten“ angelegt und rund um das Haus Gesteinsblöcke der „Geologischen Schausammlung“ ausgestellt.


1914

Um August 1914

München-Schwabing * Das „Städtische Wehramt“ zieht von der „Kohleninsel“ an die Winzererstraße. 

Heute ist dort das „Stadtarchiv“ untergebracht.


1916

1916

München-Au * Oskar Richard Moler übernimmt von Carl Gabriel das inzwischen in „Gabriels Lichtspieltheater“ umbenannte Kino an der Lilienstraße 2.


1918

1918

München-Au * Das Gabriels Lichtspieltheater in der Lilienstraße 2 wird in Museum-Lichtspiele umbenannt.

21. Juni 1918

München-Kreuzviertel * Der Landtag beschließt die von Oskar von Miller angestrebte landesweite staatliche Stromversorgung und den Bau des Walchenseewerkes. 


1920

1920

Wien * Eduard Pichl, studierter „Chemiker“ und „Hofrat“ in Wien, der „Vater der Bergwarte“ und Schwärmer für ein „germanisches Christentum“, gibt seinen Beruf auf, um sich fortan als hauptamtlicher Funktionär des „Deutschen und österreichischen Alpenvereins“ der „völkischen Propaganda“ zu widmen.

Innerhalb kürzester Zeit gewinnen seine Sympathisanten die Oberhand in 45 „Sektionen“, die sich als „Deutsch-Völkischer Bund im DuOeAV“ zusammenschließen und mit ihrer Mehrheit Abstimmungsprozesse an den Vollversammlungen vorbei in ihnen genehme Ausschüsse umleiten.

April 1920

Wien * Der „Österreichische Touristenklub - öTK“ in Wien führt den „Arier-Paragraphen“ ein.


1921

1921

Wien * Der „Österreichische Gebirgsverein - öGV“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1921

Wien * Der „Österreichische Alpenklub - öAK“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1921

München * Die „Alpenvereins-Sektion München“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

April 1921

Wien * Die von ihren „arisierten“ Sektionen ausgeschlossenen Juden gründen die „Sektion Donauland“.

Dieser gehören bald 4.000 Mitglieder an, von denen ein Fünftel Nicht-Juden sind und aus Solidarität beitreten.

Um Juni 1921

Wien * Die „Sektion Donauland“ wird gegen die mehrheitliche ablehnende Haltung der „Wiener Sektionen“ vom „Hauptausschuss des DuOeAV“ mit einer Stimme Mehrheit genehmigt.

Oktober 1921

Wien * In der „Sektion Austria des DuOeAV“ wird mit 98 Protent aller abgegebenen Stimmen der „Arier-Grundsatz“ durchgesetzt.


1922

1922

Wien * Der „Arier-Paragraph“ gilt im Gesamtbereich des „österreichischen Touristenklubs - öTK“.

1922

Dresden * Die „Akademische Sektion Dresden des DuOeAV“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.


1924

1924

München-Au * Josef Liebl leitet die „Museum-Lichtspiele“.

24. Januar 1924

Walchensee * Das Walchensee-Kraftwerk geht in Betrieb. 

14. Dezember 1924

München-Ludwigsvorstadt * Im Deutschen Theater in München stimmen 1.663 von 1.906 Delegierten des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV dem Ausschluss der jüdischen Sektion Donauland zu. Dies geschieht elf Jahre vor den Rassegesetzen der NS-Regierung.


1925

7. Mai 1925

München-Isarvorstadt * Das Deutsche Museum auf der Kohleninsel wird eröffnet.


1926

1926

München-Lehel - Praterinsel * Zur Vergrößerung der Ausstellungsflächen im „Alpinen Museum“ auf der „Praterinsel“ wird die Terrasse im ersten Obergeschoss überbaut.

Damit gewinnt der Bau an Monumentalität.


1927

1927

Wien - München * Der „Deutsche und österreichische Alpenverein - DuOeAV“ erklärt den „Arier-Paragraphen“ reichsweit für „zulässig“.


1928

1928

München-Au * Wilhelm van Laak und Valentin Neumeier übernehmen die „Museum-Lichtspiele“ in der Lilienstraße 2.

Das Kino wird umgebaut und das Fassungsvermögen auf 280 Plätze erhöht.

Ab 1928

München-Lehel * Die Holzkonstruktion der „Mariannenbrücke“ wird durch die noch heute bestehende Stahlbetonbrücke ersetzt.


1930

1930

München-Au * Neuer Leiter der „Museum-Lichtspiele“ ist Erich König.


1933

1933

München-Au * Die Museum-Lichtspiele werden von Anton Rösch betrieben.

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.

31. Dezember 1933

München-Isarvorstadt * Die Münchner Brockensammlung wird aufgelöst.


1935

November 1935

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Nachdem die „Ludwigsbrücke“ schon wieder für den sich ständig verstärkenden Verkehr zu schmal geworden war, wird sie auf 29 Meter verbreitert.

Sie dient nun als Zubringer für die nach Salzburg führende „Autobahn München - Landesgrenze“.

Alle vier „Pylone“ werden an der Altstadtseite angebracht.


1937

1937

München-Au * Wilhelm Sensberg führt die „Museum-Lichtspiele“ in der Lilienstraße 2.


1938

1938

München - Wien - München-Lehel * Nachdem Österreich als „Ostmark“ dem Deutschen Reich „angeschlossen“ worden war, wird der „Deutsche und österreichische Alpenverein - DuOeAV“ in „Deutscher Alpenverein - DAV“ umbenannt.

Das „Alpine Museum“ auf der „Praterinsel“ erhält den Namen „Alpines Museum des DAV“.


1939

1939

München-Lehel - Praterinsel * Das Alpine Museum des DAV zählt 400.000 Besucher. Der Besuch des Alpinen Museums wird in München-Führern besonders empfohlen.


1940

Ab dem 29. Mai 1940

München * Am 29. und 30. Mai 1940 regnete es in Strömen und ununterbrochen. Beim gewaltigsten Hochwasser der Isar stürzen 1.440 Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch das Flussbett. 


1942

Mai 1942

München-Isarvorstadt * Das „Ludwig-Monument“ auf der „Corneliusbrücke“ wird - als einziges Königsdenkmal Münchens - abgebaut und in Hamburg zur Gewinnung von „kriegswichtiger Munition“ eingeschmolzen. 

Nur der Königskopf bleibt aus „Pietät“ erhalten.


1944

17. Dezember 1944

München-Lehel * Bomben beschädigen das Alpine Museum auf der Praterinsel.


1945

19. März 1945

Berlin * „Reichskanzler“ Adolf Hitler befiehlt: 

„Alle militärischen, Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen, die sich der Feind für die Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören“.
Und weiter: „Entgegenstehende Weisungen sind ungültig“.

Für „Gauleiter“ Paul Giesler ist nun der Zeitpunkt gekommen, alle Isarbrücken Münchens zu sprengen.

29. April 1945

München * Nur wenige Stunden bevor die amerikanischen Soldaten München besetzen, will ein Sprengkommando der Wehrmacht die Ludwigsbrücke zerstören.
Ihre Erhaltung verdanken wir den Überredungskünsten des Kommissars der Landespolizei, Jakob Eder.

Ungehorsame Zivilisten retten durch ihren Einsatz die Großhesseloher Brücke und Bogenhausener Brücke.

Die Grünwalder Brücke, diejenige bei Föhring und die strategisch völlig unbedeutende Bosch-Brücke am Deutschen Museum fliegen aber dennoch in die Luft.

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.


1948

1948

München-Lehel - Praterinsel * Nach einem Beschluss des Münchner Stadtrats darf der „Deutsche Alpenverein - DAV“ das Gebäude des zerstörten „Alpinen Museums“ auf der „Praterinsel“ weiterhin mietfrei nutzen.


1949

1949

München-Lehel - Praterinsel * Erste Priorität des „Deutschen Alpenvereins“ ist der Bau eines „Vereinsheimes“.

So wird aus dem „Alpinen Museum“ auf der „Praterinsel“ das „Alpenvereinshaus“.

12. Oktober 1949

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Mit einem Gründungskongress im Deutschen Museum wird der Deutsche Gewerkschaftsbund - DGB von 16 Branchengewerkschaften ins Leben gerufen. Der Bayerische Gewerkschaftsbund - BGB löst sich zuvor als Landesorganisation auf und geht in den DGB-Bezirk Bayern über. Das „Parlament der Arbeit“ wählt den 74-jährigen Hans Böckler zu seinen Vorsitzenden.

Mit der Gründung des DGB wird auch die politische Spaltung der Arbeiterbewegung aus der Weimarer Republik überwunden. Nun gilt das Prinzip der Einheitsgewerkschaft, also einer parteipolitisch neutralen Organisation, die sich ausschließlich um Fragen der Arbeitnehmer*innen widmet. 


1954

Ab 1954

Fall * Die Arbeiten am Sylvensteinspeicher beginnen. Die Arbeiten dauern bis 1957 an. Ein Hochwasser führt dazu, dass der Damm um zwei Meter höher ausgeführt wird, als ursprünglich geplant. Damit kann die reißende Isar gezähmt werden. 


1955

1955

München-Lehel - Praterinsel * Bei Eduard Pichls Beerdigung werden dessen letzten Grüße verlesen:

„Ich würde genau wieder so leben wollen. Ich bereue nichts“.


1956

13. Juni 1956

Schloss Nymphenburg - München-Isarvorstadt * Die Statue von König Ludwig II. auf der Corneliusbrücke ist im Mai 1942 ein Opfer der Kriegsindustrie geworden. Da sich bisher keine offizielle Stelle um die Wiederkehr eines König-Ludwig-Standbildes bemüht, bildet sich an Ludwigs 70. Todestag in Schloss Nymphenburg ein Komitee, das den Freistaat und die Stadt auf den leeren Platz an der Isarbrücke hinweisen will.


1959

Um den 28. Mai 1959

Fall * Das sogenannte Beamtenhaus im Dorf Fall wird gesprengt. Darin hatte sich zuvor der letzte Bewohner von Fall verschanzt. Damit kann der Sylvenstein-Stausee in Betrieb genommen werden. 

Ab 12. Juni 1959

Fall * Der Sylvensteinspeicher wird erstmals aufgestaut. Ergiebige Niederschläge füllen den Speichersee bis zum 16. Juni mit einem Spitzenzufluss von 626 Kubikmetern Wasser in der Sekunde.

Das übertrifft das auf 600 Kubikmeter festgelegte sogenannte „Katastrophenereignis“ um 26 Kubikmeter. Zum Glück hat man die Höhe des Damms um zwei Meter höher ausgeführt als ursprünglich geplant. Dadurch kann Bad Tölz und München vor größeren Schäden bewahrt werden. 


1966

1966

Freistaat Bayern * Der „Bund Naturschutz“ wildert die ersten Biber wieder in Bayern aus.


1967

1967

München-Lehel * Der Einlass für den „Fabrikbach“ nördlich der „Mariannenbrücke“ gebaut.

Durch die Verbreiterung der Kaimauern verliert die „Mariannenbrücke“ viel an Eleganz.


1970

1970

München-Au - München-Isarvorstadt * Die noch vorhandene Denkmal-Anlage auf der „Corneliusbrücke“ für König Ludwig II. wird - gegen Proteste der Bevölkerung - abgetragen.


1973

1973

München-Isarvorstadt * Ein Abguss des Kopfes der „König-Ludwig-II.-Monuments“ wird im „Rosengarten“ an der „Corneliusbrücke“ aufgestellt.

1973

München-Haidhausen * Das „Muffatwerk“ wird wegen Unwirtschaftlichkeit aufgelassen.


1975

1975

München-Au * Die „Museum-Lichtspiele“ werden in drei Kinos aufgeteilt.

September 1975

New York * Die „Rocky Horror Pictures Show“ wird in New York uraufgeführt.


1976

1976

München * Die für München geltende „Badeverordnung“ sieht ein generelles Badeverbot „außerhalb der Badeanstalten in fließenden oberirdischen Gewässern“ vor.  

Ausgenommen sind mehrere Abschnitte am Ostufer der Isar - vor allem im Süden der Stadt. 

4. Oktober 1976

München-Au * Bevor die Museum-Lichtspiele in der Lilienstraße 2 endgültig zum Pornokino verkommen, läuft die „Rocky-Horror-Picture-Show“ an. Ein Kino wird eigens dafür umgebaut. Es ist damit das erste Kino der Welt, dessen Inneneinrichtung für einen einzigen Film gestaltet worden ist.


1988

1988

München-Lehel - Praterinsel * Kommunalreferent Georg Welsch entdeckt den Vertragsbruch des Deutschen Alpenvereins, der auf der Praterinsel statt eines Alpinen Museums die Hauptverwaltung des DAV eingerichtet hat. Welsch droht dem Verein mit der ortsüblichen Miete.

1988

München-Haidhausen * Der neubarock ummantelte Kamin des Muffatwerks wird für fast 2 Millionen DMark renoviert.


1989

1989

München-Haidhausen * Die Trennung der Geschlechter im „Volksbad“ wird offiziell aufgehoben.


1993

1993

München-Lehel - Praterinsel * Die weitere mietfreie Nutzung des Gebäudes des „Deutschen Alpenvereins“ auf der „Praterinsel“ wird von der Einrichtung eines „Alpinen Museums“ bis Mai 1996 abhängig gemacht.

Nach der Zusage überlässt die Stadt dem „DAV“ das Anwesen für weitere 80 Jahre.

1. Juli 1993

München-Haidhausen * Die Muffathalle wird als Kultur-Projekt betrieben.


1995

Ab 1995

Fall * In den 1970er Jahren beginnenden Diskussionen über den zu erwartenden Klimawandel führen ab dem Jahr 1995 zu Nachrüstungen des Sylvensteinspeichers. Zur zusätzlichen Hochwasserentlastung wird der Damm um weitere drei Meter erhöht. 


1999

Mai 1999

München * Obwohl die Isar beim „Pfingsthochwasser“ nur 750 Kubikmeter Wasser in der Sekunde führt, gibt die „Wilde Karwendelkönigin“ einen Eindruck ihrer Macht und Gewalt, die in ihr steckt.

20. August 1999

Zugspitze - Hannover * Als Beitrag Bayerns auf der EXPO im Jahr 2000 wird ein Felsstück von der Zugspitze weggesprengt. Der 3,3 Tonnen schwere und 2,70 Meter hohe Fels mit einem Durchmesser von rund einem Meter steht jetzt im Garten des Alpinen Museums.


2001

5. April 2001

München-Isarvorstadt - Museumsinsel - München-Englischer Garten * Die „Abendzeitung“ meldet: „Die Biber sind wieder zurück in München“.

Nördlich der „Zenneck-Brücke“ am „Deutschen Museum“ und am „Oberst-Jägermeister-Bach“ im „Englischen Garten“ können die Tiere seither beobachtet werden.

6. Dezember 2001

München-Lehel * Im Beisein hoher Funktionäre des Deutschen Alpenvereins und des Österreichischen Alpenvereins wird neben dem Eingang des Alpinen Museums auf der Praterinsel ein Gedenkstein aufgestellt. Er trägt die Inschrift: „Gegen Intoleranz und Hass - 1921-1945 - Uns Bergsteigern zur Mahnung - DAV 2001.“


2005

April 2005

München-Haidhausen * Der „Club Ampere“ ergänzt die „Muffathalle“, das Café und den Biergarten.


2014

20. Juli 2014

München * Mit einem „Big Jump“ demonstrieren Münchnerinnen und Münchner für die Aufhebung des innerstädtischen Badeverbots.  


2015

6. Oktober 2015

München-Isarvorstadt * Auf der Museumsinsel wird eine 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Es handelt sich um einen sogenannten Zerscheller, also den Überrest einer nicht detonierten, aber in der Luft oder beim Aufschlag zerbrochenen amerikanischen Bombe.  

Es ist der erste Bombenfund auf der im Krieg schwer getroffenen Museumsinsel. 

18. Oktober 2015

München-Isarvorstadt * Nach dem Ende der „Langen Nacht der Museen“ beginnen die Modernisierungsarbeiten für das Deutsche Museum. Etwa die Hälfte des Hauses wird bis 2019 geschlossen. Danach wird die zweite Hälfte saniert, sodass bis 2025 alles fertig sein soll.


2019

14. Mai 2019

München-Isarvorstadt * Die Schiffsschraube vor dem Kongresssaal des Deutschen Museums wird demontiert und auf das Außengelände der Flugwerft Schleißheim gebracht.

Die Schiffsschraube entstand im Jahr 1905, war aber nie in Gebrauch. Sie ist elf Meter lang und hat einen Durchmesser von 6,85 Meter. Es ist der Propeller eines Schnelldampfers, die von der Friedrich Krupp AG Essen gegossen worden war. Jeder der drei Flügel wiegt 4.400 Kilogramm. Insgesamt, samt den Lagerblöcken, wiegt das Monstrum 52.040 Kilo.

Die Verlegung der Schiffsschraube ist wegen der Sanierung der Ludwigsbrücke notwendig. Sie kommt frühestens in sechs Jahren (2025) zurück.

23. Juni 2019

München * Mehrere Männer eines Sicherheitsdienstes haben barbusige Frauen am Isarufer zwischen Wittelsbacherbrücke und Reichenbachbrücke angesprochen und sie an das Nacktbadeverbot erinnert, das mit einigen Ausnahmen überall in der Landeshauptstadt gilt, obwohl der Wachdienst angewiesen worden war, das textilfreie Baden an der Isar auch außerhalb der FKK-Zonen nicht von sich aus zu verfolgen.

Die Badeverordnung verlangt etwas unpräzise: „Wer öffentlich badet, muss im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München Badekleidung tragen“. Der Stadtrat muss sich nun in seiner Sitzung am 26. Juni damit beschäftigen, wie viel Nacktheit München verträgt und was unter „nackt“ überhaupt zu verstehen sei. 

26. Juni 2019

München * Die CSU-Stadtratsfraktion stellt einen Dringlichkeitsantrag für die Vollversammlung des Stadtrats in dem es heißt: „Die Badekleidungssatzung der Landeshauptstadt München wird dahingehend geändert, dass Badebekleidung im Sinne dieser Satzung die primären Geschlechtsorgane vollständig bedecken muss.“ Damit ist geklärt, was „nackt“ ist.