Fakten - Die südliche Au

1249

1249

Au * Die Au wird erstmals urkundlich erwähnt.


1257

Anno 1257

München-Angerviertel * Die Wurzeln der „Jakobi-Dult“ gehen auf dieses Jahr zurück. 


1310

1310

München-Angerviertel * Erstmalige schriftliche Nennung der „Jakobi-Dult“


1315

22. Dezember 1315

Freising * Im Auftrag des Freisinger Bischofs Konrad III. dem Sendlinger wird eine Diözesan-Beschreibung gefertigt, die sogenannte Konradinische Matrikel. 

Sie beinhaltet sämtliche fürstbischöfliche Besitzungen und zählt gleichzeitig alle Einnahmen auf. Daneben enthält sie eine präzise Diözesanbeschreibung, die alle Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe aufführt.  

  • Nach der Konradinischen Matrikel ist das Bistum Freising in 18 Dekanate eingeteilt, die insgesamt 233 Pfarreien, 564 Filialkirchen und 22 weitere Kapellen umfassen.
  • Das rechte Isarufer gehört bis hinunter zur Menterschwaige zur Pfarrei Bogenhausen, die wiederum dem Dekanat Ismaning unterstellt ist.
  • ​Die Pfarrei Bogenhausen umfasst die Filialkirchen mit Begräbnisstätten in Haidhausen, die Leprosenkirche am Gasteig, sowie die in Giesing, Trudering, Riem, Gronsdorf, Haar und Harthausen, einer im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Siedlung bei der heutigen Menterschwaige.
  • Aus der Konradinischen Matrikel geht auch hervor, dass die zum Dekanat Ismaning gehörende Pfarrkirche in Baumkirchen eine Filialkirche in Pachem besitzt.  
  • In dieser Matrikel findet sich erstmals eine farbige Abbildung des Hochstiftswappen, das den Freisinger Mohr enthält. 

1330

1330

Au * Die Münchner bauen in der Höhe der heutigen Marienklausenbrücke ein Wehr in die Isar, um damit das Flusswasser für die Festungsgräber, die Mühlen, die Floßlände und die Holztrift zur Stadt hin aufstauen zu können.

Dadurch entsteht zwischen der Isar und dem Hochufer ein Streifen Trockenland - die Au. 


1371

18. April 1371

München * Der „Münchner Rat“ setzt die „Bürgerrechtsgebühr“ auf fünf Pfund fest und damit in eine - für Arbeiter, Taglöhner, Kleinhandwerker, Dienstboten und Knechte, Mägde und Handelsdiener - unerreichbare Höhe. 

Um das Gemeinwesen und damit das „Stadtsäckel“ durch den Zuzug unvermögender Personen nicht übermäßig zu belasten, werden besitz- und gewerbslose Zuwanderer in der jungen, aufstrebenden Stadt schon ziemlich früh zu „unwillkommenen Gästen“ erklärt. 

Der „Rat der Stadt“ will nicht Armut, sondern leistungsfähige und finanzkräftige Menschen einbürgern.
Umgekehrt müssen die Aufgenommen mindestens zehn Jahre in der Stadt bleiben, sonst haben sie mit einer Strafsteuer von 31 Pfund zu rechnen. 


1403

1403

Au * Erwerb des „Edelsitzes Niedergiesing“ durch den mit seiner Münchner Verwandtschaft zerstrittene Ingolstädter Herzog Ludwig der Bärtige.

Er will von hier aus seine Fehde mit den Münchner Herzögen austragen. 


1445

6. März 1445

München * Baiernherzog Albrecht III. gibt den Befehl, wonach den Münchner Bürgern zwei Jahre lang Arbeiter aus dem Umland zur Hilfeleistung für die Schanzarbeiten geschickt werden sollen. Die „armen Leute aus Oberbaiern“ erhalten „genügend Brot und einen Zehrpfennig“. In Haidhausen und in der Au finden sie eine neue Heimat.


1463

Anno 1463

Au * Bei einem Hochwasser der Isar wird ein Kruzifix aus der Gegend um Tölz am heutigen Mariahilfplatz angeschwemmt.

Die Auer bauen eine „Heilig-Kreuz-Kapelle“ um das Relikt. 


1490

6. Januar 1490

München - Au * Balthasar Pötschner erhält von Herzog Albrecht IV. das Recht, „zu Giesing under dem perg, genannt Neydeck, ain papirmul zu pawen“. Gleichzeitig bekommt er das Produktionsmonopol für Papier auf 20 Jahre. 


1511

Wahrscheinlich 1511

Au * Herzog Wilhelm IV. lässt in der Au ein Jagdschoss erbauen, das spätere „Schloss Neudeck“


1518

1518

München * Mit der „Landes- und Polizeiordnung“ von 1518 und der „Gerichtsordnung“ von 1520 wird die Grundlage für eine einheitliche „Gerichtsverfassung“ und ein einheitliches „Gerichtsverfahren“ geschaffen.


1538

1538

Obergiesing * Zur „Hauptmannschaft Obergiesing“ gehören Haidhausen, die Au, Niedergiesing, Putzbrunn, Höhenkirchen, Bogenhausen und Obergiesing.


1555

1555

Au * Die „Riegermühle“ wird durch Herzog Albrecht V. neu erbaut. 


1571

1571

München - Au * Der Herzog muss einen Streit zwischen den Münchner und den Auer „Schneidern“ schlichten.

Es endet damit, dass die Münchner ihre Schmähungen und Herabsetzungen zurücknehmen müssen.

Dafür müssen es die Auer künftig unterlassen, mit Elle und Schere „auf die Stör“ in die Stadt zu kommen. Sie dürfen nur Schneiderarbeiten annehmen, die man ihnen bringt.


1578

1578

München - München-Isarvorstadt - Giesing * Herzog Albrecht V. gründet die „Salvator-Stiftung“ zum Unterhalt der „Salvatorkirche“ am heutigen „Alten Südlichen Friedhof“.

Zur „Salvator-Stiftung“ gehören drei Bauernhöfe in Ober- beziehungsweise Untergiesing. 


1586

3. Mai 1586

Au * Herzog Ferdinand von Baiern lässt zur Versorgung des großen Brunnens in seinem Münchner Garten am Neudeck ein Brunnwerk erbauen.

Außerdem kauft er die Neudecker Weiher.
Die Unterhaltung der Fischerei unterstand dem Hoffischer. 


1587

1587

Au - Haidhausen * Die „herzoglichen Brunnwerke“ am „Lilienberg“ und im „Brunnthal“ gehen in Betrieb.


1590

1590

Au * Die Au ist nach Auffassung des „herzoglichen Hofkastenamtes“ so stark besiedelt, dass man sich zu ersten Gegenmaßnahmen entschließt. 


1596

1596

München-Kreuzviertel - Au * Als Ersatz für die 34 Bürgerhäuser, die dem Bau der „Michaelskirche“ geopfert werden müssen, befasst sich der Magistrat der Stadt München erstmals mit dem Gedanken der Eingemeindung der Au.

Man nimmt aber wieder Abstand davon, nachdem Herzog Wilhelm V. auf eine jährliche Steuer von 600 Gulden verzichtet. 


1610

Mai 1610

Au - Haidhausen - Untergiesing * Der „Gerichtsbezirk ob der Au negst München“ wird wegen seiner besonderen Sozialstruktur geschaffen.  

Die vergleichsweise große Einwohnerzahl der Ortschaften Haidhausen, Au und Niedergiesing, das sich in der Gegend um den heutigen „Nockherberg“ befindet, und der daraus resultierende Verwaltungs- und Jurisdiktionsbedarf erfordert diese Sonderstellung.

Gerade auch deshalb, weil das „Landgericht“ weit entfernt liegt und der „Richter von Wolfratshausen“ sowie der „Amtmann von Perlach“ den Verhältnissen nicht mehr gewachsen sind.

In einem ersten Schritt werden diese Orte dem „Hofoberrichter“ unterstellt. 


1612

Anno 1612

Au - Haidhausen - Untergiesing * Ein eigenständiges „Gericht ob der Au negst München“ wird eingerichtet.

Es ist allerdings kein selbstständiges „Landgericht“, sondern ein „Niedergericht“, deren „hochgerichtlichen Funktionen“ auch weiterhin vom „Landrichter in Wolfratshausen“ wahrgenommen werden.

Das „Gericht ob der Au“ ist also letztlich nichts anderes als eine „Hofmark“ unter der „Gerichtsbarkeit“ des „Hofoberrichteramtes“

Haidhausen, die Au und Niedergiesing scheiden deshalb aus der „Hauptmannschaft Obergiesing“ aus.

6. Dezember 1612

Au * Herzog Wilhelm V. schenkt Neudeck seinem Kammerdiener Johann Hebenstreit. Dieser fungiert als Strohmann und kauft im herzoglichen Auftrag weitere Grundstücke hinzu. 


1616

29. September 1616

München * Mit dem Landrecht Herzog Maximilians I. wird die endgültige Rechtseinheit in Baiern hergestellt, die alle Rechtsgebiete umfasst. Damit ist Baiern eines der wenigen deutschsprachigen Territorien, das über eine systematisch erfasste und in allen Rechtsangelegenheiten abgestimmte Landesgesetzgebung verfügt.  

Die Landes- und Polizeiordnung enthält:  

  1. Eine Polizeiordnung.  
  2. Das Landrecht, das einheitlich für Ober- und Niederbaiern gültige Zivilrecht, das bis 1756 in Kraft bleibt.  
  3. Eine Gerichtsordnung, die den ordentlichen Prozess auf der Grundlage der Gerichtsordnung von 1520 regelt.  
  4. Die summarische Prozessordnung, die bis 1753 Gültigkeit hat.  
  • Sie schreibt unter anderem das Wandern der Handwerksgesellen als Grundlage für den Erwerb der Meisterschaft vor.  
  • Sie enthält eine allgemeine Fischordnung für Donau, Salzach, Isar und den Inn usw..  
  • Sie schafft in der Malefizordnung die Strafe des Ertränkens ab.

1618

1618

München * München verfügt über 1.771 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.


1621

6. September 1621

Au * Neudeck wird geschlossene Hofmark.


1623

10. März 1623

Au * Herzog Wilhelm V. kauft Johann Hebenstreit die „Hofmark Neudeck“ um 15.000 Gulden ab. 

29. Oktober 1623

Au * Bischof Veit Adam von Gepeckh weiht die Carl-Borromäus-Kirche in der Au ein.


1624

Anfang Oktober 1624

Au * Die „Basilianer“ werden fristlos entlassen, da sie „zur Seelsorge nicht taugen und ein burschikoses Leben führen“.


1626

16. Mai 1626

München - Au * Kurfürst Maximilian I. unterzeichnet den Stiftungsbrief für die Pfarrei Neudeck. 


1627

20. August 1627

Au * Die Paulanermönche werden in die Au geholt.

17. November 1627

Au * „8 Väter und 4 Laienbrüder des Ordens der minderen Brüder des heiligen Franziskus von Paula“ treffen in der Au ein. 


1628

3. Juni 1628

Au - Bogenhausen * Die Pfarrei Neudeck wird von der Pfarrei Bogenhausen abgetrennt. Die Carl-Borromäus-Kirche wird die Pfarrkirche der Au.


1629

1629

Au * Das Mariengnadenbild, das Sebastian Rottaw in Frankreich vor den Kalvinisten gerettet hatte, wird den Paulaner-Mönchen übergeben.

24. Februar 1629

Au * Die Paulaner übernehmen die kirchliche Seelsorge der Pfarrei in der Au.

24. Februar 1629

Au * Die Au wird erstmals als Vorstadt bezeichnet.


1632

15. Mai 1632

München * Die schwedische Schutzgarde wird nach München verlegt und nimmt Einquartierungen in den „Klöstern und Häusern der Vornehmen in München, deren Insassen meist nach Tirol oder Italien geflohen waren“.

Die innerhalb der Stadtummauerung lebenden Münchner kommen wieder einmal glimpflich davon. Die Soldateska plündert, verwüstet, drangsaliert und vergewaltigt dafür um so stärker in den Vororten - besonders in der bevölkerungsreichen Au und in Haidhausen.

17. Mai 1632

München - Haidhausen * Unterwürfig überreichen die Münchner Stadtväter dem anrückenden Kriegsherrn Gustav II. Adolf am Gasteig die Stadtschlüssel. Der Schwedenkönig zieht in München ein, um in der Residenz Quartier zu nehmen. Sein Weg führt ihn über die Isarbrücke zum Roten Turm und dem Isartor. In seiner Begleitung befindet sich der „Winterkönig“ Friedrich V., der Pfalzgraf August von Sulzbach und die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar sowie Johann von Holstein. Diesen folgen noch drei Regimenter.

Gustav Adolf ist von München angeblich so begeistert, dass er am liebsten die Residenz mit nach Schweden genommen hätte - sagt man. Es stimmt wohl, dass er München - angesichts des eher kargen Umlandes - mit einem „goldenen Sattel auf einem mageren Pferde“ verglichen hat. Seine Schwärmerei für die Residenz ist jedoch eine Ausschmückung späterer Jahre. Denn eigentlich war es nur ein Ofen, der ihm so gut gefiel, dass er „gewinschet, daß dieser ofen zu Stockholm wehre“.

 Die Schweden besetzen die baierische Haupt- und Residenzstadt. Siegmund Riezler schrieb dazu: „Im Übrigen aber wurde weder Eigentum noch Person angetastet“. Das stimmt so nicht! Denn die Hauptleidtragenden der Kriege sind immer die Vorstädter. Sie bieten den Belagerern der Stadt Ersatz fürs Morden, Plündern, Brandschatzen, Foltern und Vergewaltigen. Die Hauptarmee lagert nicht in der Stadt, sondern ist auf die Dörfer vor den Stadttoren verteilt worden. Und diese Soldateska raubt und stiehlt alles, was nicht niet- und nagelfest ist und verkauft es in der Stadt, sodass die Münchner Waren zu billigsten Preisen kaufen können.

19. Mai 1632

München * König Gustav II. Adolf besucht die Michaelskirche und lässt sich das Gottesdienstritual genauestens erklären. Der schwedische König fordert von der Stadt 300.000 Reichstaler, um München vor der Zerstörung zu verschonen. Die in der Stadt verbliebene Bürgerschaft versucht daraufhin, soviel wie möglich von der geforderten Summe zusammenzutragen.

Selbst die Ärmsten der Stadt müssen sich daran beteiligen. Und auch die schon so stark gebeutelten Einwohner der Au, Haidhausens und Giesings haben für die Zahlungen ihr Schärflein beizutragen. Exakt 940 Gulden und 43 Kreuzer steuern sie aus ihren sowieso schon begrenzten Mitteln bei. Und dennoch reicht es nicht. 

Gerade mal 144.273 Gulden bringt die Geldeintreibung ein. Das ist nicht mal ein Drittel der geforderten Summe, worauf der Schwedenkönig je 22 weltliche und geistliche Geiseln verlangt.


1633

17. September 1633

München-Hackenviertel * Die Paulanermönche kommen in den Besitz der Lärchlbrauerei in der Neuhausergasse. Mit kurfürstlicher Genehmigung dürfen sie ihren Haustrunk brauen. 


1634

1634

München - Au * Weil sich die Paulanermönche nicht an die Abmachungen halten und ihr Bier auch außerhalb des Klosters verkaufen, beschweren sich die Münchner Brauer beim Magistrat der Stadt und bitten „um entschiedene Abhilfe des klösterlichen Brau- und Ausschankunwesens“.

Dieser Protestbrief gilt als Geburtsurkunde der „Paulaner-Brauerei“.
Die Paulaner verstoßen aallerdings auch in den kommenden 165 Jahren immer wieder ganz bewusst gegen Vorschriften und Gesetze.


1639

1639

Au * Die Kirche für die Auer Marienwallfahrt wird fertiggestellt.

Den Namen „Unserer lieben Frauen Bild Von der Hülff“ erhält das Gnadenbild jedoch erst später.


1651

1651

Au * Kurfürst Ferdinand Maria gestattet den Paulanern den Bau eines Brauhauses im Auer Kloster.

Das Jahr gilt als Geburtsjahr des weltweit bekannten „Salvator-Bieres“.


1666

Juli 1666

Au * Wegen der hohen Unterhaltskosten verzichten die Söhne Albrechts VI. auf das Erbe der Hofmark Neudeck. Es soll lieber dem kurfürstlichen Haus offeriert werden.

Um August 1666

Au * Kurfürst Ferdinand Maria überlässt den Paulanern den Neudecker Garten.


1674

9. April 1674

München - Au - Haidhausen * Beim nächtlichen Brand der Residenz hält man die Stadttore geschlossen.

Zu groß erscheint den Münchnern die Gefahr, dass sich Bettler, Tagediebe und Kranke aus der Au und Haidhausen einschleichen könnten.


1679

Um 1679

Obergiesing * Zur Einlagerung ihres Märzenbieres erwerben eine Scheune, die Teil des „Lambacher-Bauernhofs“ in Obergiesing war und zur „Salvator-Stiftung“ gehört.


1686

Um den 1686

Au * Freskierung der Klostergänge im Kloster Neudeck durch den in der Au gebürtigen Paulaner-Mönch Joseph Schwaiger.


1689

1689

München - Au * Der Jahrhunderte lange „Wasserkrieg“ zwischen den Münchner und den Auern erreicht seinen Höhepunkt.

Nach einer der vielen überschwemmungen nutzen die Auer die Gelegenheit, möglichst viel Wasser in ihren Mühlbach zu leiten. Als Antwort zerstören die Münchner die Auer Wehranlagen.


1690

1690

Au * Die Münchner Bäcker errichten - sehr zum Ärger der Auer Bäcker - ein „Brothäusl“ auf dem innerhalb des „Münchner Burgfriedens“ gelegenen Gasteigbergs.


1691

1691

Au * Die Paulaner-Mönche stellen trotz kurfürstlichen Verbots Weißbier her.


1692

3. März 1692

Haidhausen * Da Graf Franz Pongraz von Leiblfing in seinem Bestreben, die Erhöhung seines Besitzes in Haidhausen zur geschlossenen Hofmark, nicht nachlässt, erklärt Kurfürst Max Emanuel schließlich die Hofmark des Geheimen und Conferenzrates, Kämmerers, Revisionsrates und Pflegers von Waldmünchen, des inzwischen in den Reichsstand erhobenen Reichsgrafen von Leiblfing - wegen der „vill vnd lange Jar trew geleisteter Dienst vnd aus absonderlichen gnaden“ - mitsamt dem Brunnthal für geschlossen. Damit ist der Haidhauser Schlossbesitzer endlich am Ziel seiner langjährigen Bemühungen.  

In seiner geschlossenen Hofmark unterstehen ihm nun alle dem „Hofkastenamte zinsbaren Unterthanen zu Haidhausen“ und nicht nur die Bauern und Dienstboten, die seine Güter bearbeiteten. Neben riesigen landwirtschaftlichen Flächen besitzt der Graf auch das Recht Scharwerke, Bodenzins und sonstige Steuern und Abgaben - also die gesamten Einkünfte aus Haidhausen - einzutreiben. Selbst die Vergabe der Gerechtsamkeiten“ also die Erlaubnis innerhalb der Hofmark ein bestimmtes Handwerk oder Gewerbe ausüben zu dürfen, unterliegen nun ausschließlich seiner Entscheidung.  

  • Dem Hofmarkherrn unterstehen „im Dorfe 85 Hausbesitzer, die Scharwerkgeld zu entrichten haben.  
  • In der Schwaige nimmt er von 42 Untertanen Scharwerkgeld und Bodenzins ein.  
  • Der Großwirt hat Stift und Gilt zu entrichten und Melber, Metzger, Schmid, Hufschmid und Schneider haben unterschiedliche Beträge abzuführen.  
  • Der jährliche Ertrag der Hofmark beläuft sich auf 188 Gulden 11 Kreuzer“.
  • Die Konsequenz aus der Erhebung Haidhausens zur geschlossenen Hofmark ist der Austritt aus dem Verband des Gerichts ob der Au.  

Während der Leiblfing‘schen Hofmarkszeit wird die Ansiedlung minderbemittelter Leute stark begünstigt. Jeder, der die Gebühren entrichten und eine Herberge erwerben kann, darf sich niederlassen und heiraten. Zeitgenossen merken kritisch an, dass der Hofmarkherr nur auf seinen Vorteil bedacht ist und sein Streben einzig der Erhöhung seiner Einnahmen gilt. Er ergreift „jede Gelegenheit Geld aus den Untertanen zu pressen, z.B. durch offenbare Begünstigung der Herbergskäufe und Ansässigmachungen und Verehelichungen, wegen der anfallenden Laudemien, Verbriefungs- und anderer Taxen und Sporteln“


1694

Anno 1694

Au * Auf dem Mariahilfplatz werden „zum Schutze der Andächtigen vor Regen und Sonnenbrand“ Linden gepflanzt.


1704

1704

Au * Zwei „Jungfrauen vom Kloster am Lilienberg“ beziehen unten im Tal ein Haus mit Garten.

Ihrer Ansiedelung geben sie den Namen „Kloster Lilienthal“.


1710

23. Januar 1710

Meißen * Kurfürst August der Starke von Sachsen und König von Polen gründet Europas erste Manufaktur für Hartporzellan, nachdem es dem Alchymisten Johann Friedrich Böttger im Jahr zuvor gelungen war, erstmals Porzellan herzustellen.


1713

1713

München - Au * Der „Hofoberrichter“ Pistorini brüstet sich damit, er habe „die ganz ungescheucht in der Au sich aufhaltenden Huren“ mit öffentlichen Spott davongejagt. 

13. August 1713

Obergiesing * Obergiesing und die Lohe werden dem Gericht ob der Au negst München zugeschlagen. Das geschieht auch, um die dort „eindringenden Fremden und Bettelleut“ besser überwachen zu können. 


1723

Anno 1723

Au * Eine Erweiterung und Erneuerung der Auer Marien-Kapelle ist nicht mehr zu umgehen.

Erst jetzt erhält das Gebetshaus den Namen „Mariahilf-Kirche“.


1724

1724

München - Au - Untergiesing * Der Münchner Rat wünscht - aufgrund der Neufestsetzung des erweiterten Burgfriedens - die Eingemeindung der Au und der „Lohe“.


1729

1729

München * Kurfürst Carl Albrecht stellt den Dresdner „Glas- und Spiegelmacher“ Elias Vater an, weil dieser behauptet, er könne Porzellan herstellen. 

Wie sich bald herausstellt, ist Vater aber nur ein Hochstapler. 


1730

1730

München - Au * „Hofoberrichter“ Pistorini rühmt sich damit, er habe „die ganz ungescheucht in der Au sich aufhaltenden Huren“ mit öffentlichen Spott davongejagt. 

6. Februar 1730

Au * Januarius Zick wird als drittes von fünf Kindern im ehemaligen Jagdschloss Neudeck geboren und in der Auer Carl-Borromäus-Kirche getauft.


1734

Im Jahr 1734

Au * Die „Johann-von-Nepomuk-Kapelle“ auf dem Mariahilfplatz wird eingeweiht.


1737

1737

Au * Die „Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ vom „Kloster Lilienthal“ leben seither nach der strengen Regel der Paulaner.


1743

Anno 1743

Au * Johann Zick fertigt das Deckengemälde für die „Mariahilf-Kirche“.


1747

1. November 1747

Au * Im ehemaligen Hofmarkschloss Neudeck beginnt der Münchner Hafnermeister Franz Ignatz Niedermayer mit der Herstellung von Hartporzellan. Er kommt aber über feine Hafnerware nicht hinaus. Das Datum gilt trotzdem als Gründungsdatum der Nymphenburger Porzellanmanufaktur.


1748

1748

Au - München * Die Vorstadt Au wird an den „Almoseneingängen“ der Stadt München beteiligt.


1751

31. März 1751

Au * Kurfürst Max III. Joseph erteilt den Paulanern eine weitere Ausnahme vom Schankverbot.

Zum Festtag des Ordensgründers am 2. April dürfen sie insgesamt 8 Tage lang ihr Bier öffentlich verkaufen.


1753

September 1753

Au * Joseph Jakob Ringler aus der Wiener „Kaiserlichen Porzellanmanufaktur“ kommt in die Au.

Er kennt die richtige Zusammensetzung der Rohporzellanmasse und versteht etwas vom Bau der Brennöfen.


1762

1762

München - Au - Giesing * Mindestens seit 1571 besteht bei den Schneidern und anderen Gewerben ein Konkurrenzkampf zwischen den Münchnern und den Auern beziehungsweise den Haidhausern. 

Mit der „Einzünftung“ der Auer, Loher und Giesinger Schneider gibt die Münchner Zunft jetzt scheinbar nach.
In Wirklichkeit sichert sie sich den Einfluss auf die Vororte.


1763

18. April 1763

München-Nymphenburg - Neuhausen * Franz Anton Bustelli stirbt im Alter von 40 Jahren. 

Er wird am Friedhof an der Winthirstraße beigesetzt.


1765

1765

Schloss Nymphenburg * Die „Nymphenburger Porzellanmanufaktur“ beschäftigt 187 Personen.


1769

1769

München * Der Rat genehmigt dem „Münchner Zunfthandwerk“, dass sie ihre an die Person gebundene „Gerechtigkeit“ vererben oder verkaufen können. 

Das führt dazu, dass der „Erwerb einer Gerechtigkeit“ immer unerschwinglicher wird und sich vermögende Handwerker „Gerechtigkeiten“ kaufen und „ruhen“ lassen.


1770

1770

München * Das traditionelle „Almosengeben“ wird unter Strafe gestellt, lässt sich aber nicht rasch ausrotten.


1771

1771

Au * Das „Lehen Schmalzhof“ wird dem Grafen Marquart von Kreuth verliehen.


1775

29. April 1775

Au * Der Kotterhof in Niedergiesing (= heute: Nockherberg) geht ebenfalls an Marquart Graf von Kreuth und wird zum Adelssitz Marquartskreith erhoben.


1779

1779

München - Au * Im Münchner und Auer „Bäckerstreit“ wird ein Vergleich geschlossen.

Seither dürfen die Auer jeden Mittwoch und Samstag ihr „Schwarzbrot“ am „Rindermarkt“ verkaufen.


1780

26. Februar 1780

Au * Kurfürst Carl Theodor erteilt den Paulaner-Patres die „allgemeine Ausschankgenehmigung“ und sanktioniert damit den öffentlichen Verkauf ihres Bieres in der Au.


1781

1781

München * Von 986 „Handwerksgerechtigkeiten“ ruhen insgesamt 66 - oder 6,7 Prozent.

Damit sind „Handwerksgesellen“ oder „auswärtige Handwerker“, die sich in München niederlassen wollten, gezwungen, sich unter „Hofschutz“ zu stellen, als „Pfuscher“ zu arbeiten oder sich in den Vororten niederzulassen, in denen kein „Zunftzwang“ besteht.


1782

1782

München - Au - Haidhausen - Giesing * Kurfürst Carl Theodor erlässt ein „Dekret“ gegen die allzu zahlreichen Handwerker des Münchner „Ostends“, in dem es heißt:

„Sie nehmen den bürgerlichen Handwerksleuten die Nahrung weg und verfallen doch bald dem Bettel und dem Almosen“.


1784

9. September 1784

Au * Bei der Überprüfung der Klosterkasse der Paulaner stellt man fest, dass die erwarteten 4.000 Gulden fehlen. Das Geld war in der Lotterie verspielt worden. Pater Maritius Lohr wird daraufhin von seinem Amt als Generalvikar entlassen.

16. November 1784

Au * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine Verfügung, die mit den Missständen im Paulanerkloster aufräumen soll.


1785

Anno 1785

Au - Haidhausen - Lehel * Ein kurfürstliches Mandat verbietet den Auern, „Lechlern“ und Haidhausern das Fischen in der Isar.  

Erstmals werden auch die Bewohner des „Lehels“ mit diesem Namen bezeichnet.  
Nun ist das „Lehel“ ein echter Ort geworden, genauso wie die Au und Haidhausen.

1785

München - Au * Um die Auer der polizeilichen und wirtschaftlichen Kontrolle der Stadt zu unterwerfen entsteht der Plan die Au als „Carlsvorstadt“ nach München einzugemeinden.

1785

München * Sir Benjamin Thompson wird zum „Kammerherrn“ am „baierisch-pfälzisch kurfürstlichen Hof“ in München ernannt.


1787

1787

Au - München * Die Auer wünschen die Eingemeindung nach München.


1789

23. Juli 1789

Au * Der Bankier und Münchner Ratsherr Jakob Nockher kauft einen Teil von Marquartskreith und errichtet darauf das Nockher-Schlösschen.


1790

1790

München - Au * Die Münchner und die Auer „Armenpflegschaft“ wird wegen der chronisch leeren Kasse der Auer Gemeinde vereinigt.


1792

31. Juli 1792

München - Au * In einem Gutachten des Geistlichen Rates zum Paulanerkloster heißt es: Es sei „das allgemein Beste [...] so ein Kloster aufzuheben und die reichen Stiftungen und Einkünfte desselben [...] besser zu verwenden.“


1795

13. April 1795

Au * Während seiner Flitterwochen besucht der 71-jährige pfalz-baierische Kurfürst Carl Theodor mit seiner frisch angetrauten 18-jährigen Frau Maria Leopoldine den Ausschank des „Sankt-Vater-Bieres“, ein Starkbier, im Paulaner-Kloster in der Au.

Drei Auer Bürger bitten den Landesherrn um die Abhaltung von zwei Jahrmärkten, als Ausgleich für die häufig zu erleidenden Hochwässer der Isar.

5. August 1795

Au * Die Auer stellen ein Gesuch, die Au als Carls-Vorstadt der Stadt München einzuverleiben.


1796

1796

Au - München * Nach einer Stadtbeschreibung hat es an den Abenden den Anschein, „die ganze Au sei in der Stadt gewesen“.

1796

München * Graf von Rumfords Essay „Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“ erscheint. 

Darin gibt er viele vernünftige und praktische Ratschläge zur Zubereitung von Speisen.

12. Januar 1796

München - Au * In einem Mandat macht Kurfürst Carl Theodor deutlich, dass er Ereignisse wie im vergangenen Herbst (23. September 1795) nicht mehr tolerieren wird. Es wird eine Polizeioberdirektion für München und die Au eingerichtet. 

Neben der Verhaftung von Verbrechern hat die Polizeioberdirektion die Aufgabe „alle tumultuarischen Aufläufe, Rumoren, und dergleichen sogleich mit aller Thätigkeit abzustellen, [...] vorzüglich aber auch den für die allgemeine Ruhe und Sicherheit verdächtigen, geheimen, oder öffentlichen Zusammenkünften mit aller Wachsamkeit nachzuspüren, und selbe gleich bey ihrem ersten Entstehen mit allem Ernste, jedoch auch mit der hiebey benöthigten Klugheit und Vorsichtigkeit zu zernichten“.

Zu diesem Zweck soll die Polizeioberdirektion regelmäßige Kontrollstreifen und Hausdurchsuchungen in München und der Au durchführen. 32 Mann Polizeiwache stehen ihr dafür zur Verfügung.


1798

Mai 1798

Au * Die erste „Auer-Dult“ findet in der Lilienstraße statt. 

Erst ab dem Jahr 1799 wechseln sie auf den Mariahilfplatz.


1799

1799

Au * Die Klosterbrauerei der Paulaner kommt unter staatliche Aufsicht.

April 1799

Au * Das „Paulanerkloster in der Au“ wird auf Wunsch des „Konvents“ aufgehoben. 

Zur Ausübung der pfarramtlichen Funktionen beziehen die Mönche das ehemalige „Lustschloss Neudeck“.
Betroffen sind 13 Patres und zwei Laienbrüder. 

18. Oktober 1799

Au * In der Au wird eine Spinnstube für Arme eingerichtet. 


1801

1801

München-Kreuzviertel - Au * Minister Maximilian Joseph von Montgelas plant die Verlegung der Münchner „Franziskaner“ in die „Vorstadt Au“.


1802

1802

München * München verfügt über 1.397 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.

Das bedeutet einen Rückgang von 374 „Gerechtigkeiten“ gegenüber dem Jahr 1618 - trotz des Anstiegs der Bevölkerungszahlen.

17. März 1802

München - München-Lehel - Au * Die „Polizeidirektion“ wird mit der Gründung einer Einrichtung beauftragt, die dann als „Kleinkinderbewahranstalt“ und heute - in der Weiterentwicklung - als „Kindergarten“ oder „Kinderhort“ bezeichnet wird. 

Im Focus stehen „unbemittelte Eltern, die sich außer Haus begeben müssen, um sich vom täglichen Handlohn zu ernähren“.
Denn diese „müssen häufig ihre kleinen Kinder einsperren oder unbesorgten Nachbarn anvertrauen, sie auch gar frei herumlaufen lassen, wodurch Unglücksfälle entstehen und die sittliche Erziehung benachteiligt wird“.  

Eine solche Einrichtung soll in der Stadt und im Lehel eingerichtet werden.
Auch das „Gericht ob der Au“ und das „Hofmarkgericht Haidhausen“ können Vorschläge einreichen. 

14. September 1802

Au * Weil es kein zweites Paulanerinnen-Kloster in Baiern gibt, werden die 17 Schwestern in ständische Frauenklöster zur unentgeltlichen Verpflegung versetzt. Am 14. und 15. September werden die Paulanerinnen vom Kloster Lilienthal in der Au in ihre ihnen zugewiesene Klöster abtransportiert:

  • sechs zu den Brigittinnen nach Altomünster,
  • sechs ins Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld und
  • die restlichen fünf ins Augustinerinnenkloster Niederviehbach. 
11. Oktober 1802

Au * Dem bisher als Klosterbrauerei geführten Paulaner-Bräuhaus wird eine „ordentliche und reale Bräugerechtigkeit“ bewilligt. 


1803

1803

Au * Die „Mariahilf-Kirche“ wird zur Pfarrkirche der Au ernannt.

Bis 1803

München * Das heutige Stadtgebiet gehört - neben dem „Münchner Burgfrieden“ zu vier verschiedenen „Gerichtsbezirken“: den „Landgerichten“

  • Dachau,
  • Starnberg,
  • Wolfratshausen und
  • Kranzberg sowie
  • der als Ausland geltenden „Grafschaft Ismaning“.
26. März 1803

Au * Das ehemalige „Paulanerinnen-Kloster im Lilienthal“ wird dem „Schulfond“ übergeben. 

Das Kloster wird zum „Pfarrhof“ sowie ein Schulhaus für je eine Jungen- und eine Mädchenschule und einer weiblichen „Feiertagsschule“

5. September 1803

Au * Das Landgericht München bezieht die Räume im ehemaligen Kloster Lilienberg. Es umfasst neben den Orten des Gerichts ob der Au das Amt Perlach vom Landgericht Wolfratshausen, das Gebiet Neuhausen vom Landgericht Dachau, die Gebiete Gauting und Germering aus dem Landgericht Starnberg sowie Fröttmaning und Garching aus dem Landgericht Kranzberg. Dazu die Orte Ismaning, Ober- und Unterföhring, Daglfing und Englschalking aus dem kurz zuvor staatlich eigenständigen Fürstbistum Freising.

22. September 1803

Au • Im ehemaligen Paulaner-Kloster in der Au wird ein Strafarbeitshaus eingerichtet. 


1805

1805

Au * Die „Hoffischerei“ wird aufgelöst.

Das Haus des Hoffischers geht an die „Strafarbeitshaus-Verwaltung“ über.


1806

1806

Au * Franz Xaver Zacherl pachtet die Brauerei der Paulaner.


1807

April 1807

Au * Die Linden und Kastanien auf dem Mariahilfplatz werden abgeholzt, da sie „für das Licht der benachbarten Häuser“ hinderlich geworden sind.

Dafür werden Obstbäume gepflanzt und die Kinder in Obstbaumzucht unterrichtet.

Mai 1807

Au * In der ehemaligen Paulaner-Klosteranlage entsteht das „Zucht-, Arbeits- und Korrekturhaus“ in der Au.

26. August 1807

München * Das Königreich Baiern führt als erstes Land der Welt die Pockenschutzimpfung ein. 


1808

1808

Vorstadt Au * Die Vorstadt Au erhält eine Wasserleitung.

Bis dahin entnehmen die Auer das Wasser dem Mühlbach, dem Grundwasser oder Zisternen.

20. Januar 1808

München * Die Landesfreiheitserklärung, die das Verhältnis zwischen der Landschaft und dem Landesherrn bestimmt, wird aufgehoben.

25. Juli 1808

Vorstadt Au * Die bisherige Landgemeinde Au wird zur Vorstadt erhoben bzw. als solche bestätigt. Sie erhält das Recht ein eigenes Wappen zu führen. Es zeigt drei Lilien auf drei Hügeln.


1809

1809

Vorstadt Au * Bis zu seiner Eingemeindung in die „Vorstadt Au“ ist der Weiler „Niedergiesing“, auch „Untergiesing“ genannt, selbstständig.

Er besteht aus drei großen Bauernhöfen: dem „Spießmüller“, dem „Jägerwirt“ und dem „Krebsbauernhof“.

10. April 1809

Vorstadt Au - Untergiesing * Die „Lohe“, die „Falkenau“, die „Birkenleiten“ und das alte „Untergiesing“ - oder besser „Nieder-Giesing“ - auf dem heutigen „Nockherberg“ und an der „Ruhestraße“ kommen zur „Vorstadt Au“.

Die Bewohner der „Lohe“ und der „Oberen Falkenau“ wollen aber die Lasten der städtischen Verfassung nicht auf sich nehmen und protestieren lautstark gegen die Zwangseingemeindung.


1811

Anno 1811

Vorstadt Au * Unter der Obstbaumallee auf dem Mariahilf-Platz entsteht ein Paradeplatz für das „Bürgermilitär“.


1812

1812

Vorstadt Au - Untergiesing * Nach der Trennung der „Lohe“ und der „Falkenau“ von der „Vorstadt Au“ bleibt die „Irrenanstalt“ zunächst innerhalb der Auer Gemarkung.

Dagegen protestiert die Anstaltsverwaltung und erreicht die Zuordnung zur Gemeinde Giesing.

Da jedoch das königliche Landgericht München, „das wegen der verhaßten und gegen dessen Willen erwirkte allerhöchst genehmigten Trennung der Loh und Falkenau immer feindselig für die Gemeinde Giesing gestimmt war“, darüber keinerlei Aufzeichnungen führt, kommen die Auer - clevere Vorstädter mit viel Phantasie im Geldeintreiben - dreißig Jahre später auf die Idee, von den Giesingern die Rückvergütung von 1.515 Gulden für den „Malzaufschlag“ zu verlangen, die die Gemeinde Giesing - nach Auffassung der Auer - seit über zehn Jahren zu Unrecht erhalten hat.

Diese „Biersteuer“ muss - für das in der Anstalt ausgeschenkte Bier - an die zugehörige Gemeinde bezahlt werden.

Die Giesinger wehren sich dagegen.

2. April 1812

Untergiesing * Im Zuge ihrer Proteste erreichen die Bewohner der Lohe und der Oberen Falkenau - gegen den erklärten Willen des Landgerichts München - die formelle und zwei Jahre später, 1814, die politische Vereinigung mit Obergiesing, zu der sie kirchlich bereits seit 1809 gehören.

Das alte Untergiesing - oder besser Nieder-Giesing - auf dem heutigen Nockherberg und an der Ruhestraße wird in die Au eingemeindet. Bis dahin ist Niedergiesing ein selbstständiger Weiler mit drei großen Bauernhöfen und Herbergen in der Falkenau und an der Nockherstraße, die in früher Zeit „Bei den Jägerhäusln“ genannt wurden.


1813

15. März 1813

Vorstadt Au * Franz Xaver Zacherl erwirbt die „Brauerei der Paulaner mit allen Pertinenzien“ um 13.000 Gulden.

Das „Heilig-Vater-Bier“ wird bald als „Zacherl-Öl“ und später als „Salvator“ berühmt.

14. September 1813

München Au * In der Vorstadt Au wird ein Municipalrat, ein Gemeinderat, gebildet. Die Au hat jetzt einen Magistrat dritter Klasse. 


1814

Februar 1814

Vorstadt Au * Die „Heilig-Kreuz-Kapelle“ auf dem Mariahilfplatz wird abgerissen.


1819

1819

Vorstadt Au - München * Die Handwerker und die häufig arbeitslosen Tagelöhner der Au drängen auf die Eingemeindung.

In einem Gutachten des „Münchner Magistrats“ heißt es dazu:

„Der Gewerbemann der Vorstadt Au hat seine Kundschaft und seinen Markt nicht auf seinem Wohnplatz, sondern in München. Was sollen Schuhmacher und Schneider in einer Gemeinde mit 7.000 Köpfen, von denen zwei Drittel im Sommer mit bloßen Füßen gehen und sich in Lumpen kleiden“.

21. Oktober 1819

München-Au * Baron Aron Elias von Eichthal konvertiert - wie zuvor schon seine Söhne Simon, Bernhard und Arnold - zum Katholizismus. Er lässt sich in der Auer Carl-Borromäus-Kirche [?] taufen und nimmt zusätzlich den Namen Leonhard an. Seine Ehefrau Hindele/Henriette, eine geborene Levi, lässt sich hingegen nicht taufen. Ihre gemeinsamen Kinder können nun auch in den bayerischen Adel einheiraten. 


1828

16. Mai 1828

Vorstadt Au * Der Magistrat der Vorstadt Au kauft dem Staat den Mariahilfplatz ab.


1829

22. Januar 1829

Vorstadt Au * Therese Nockher verkauft das Nockher-Anwesen im Weiler Niedergiesing an ihren Nachbarn, den Krebsbauern Balthasar Peter um 12.000 Gulden.


1830

1830

Indien - Europa * Die „Cholera“, die lange Zeit endemisch in Indien beheimatet war, erreicht - durch intensiven Handel, Reiseverkehr und Krieg - erstmals Europa.

Die Erkrankung beginnt mit sturzbachartigen Durchfällen und Dauererbrechen.
Der mit der „Cholera“ infizierte verliert am Tag bis zu 15 Liter Körperflüssigkeit, sodass die erkrankte Person innerhalb weniger Stunden zu einer „verrunzelten Karikatur ihres früheren Ichs zusammenschrumpft“.

Geplatzte Kapillargefäße verfärben die Haut schwarz und blau, der Kranke wird von Krämpfen geschüttelt, die Organe versagen, der Kreislauf bricht zusammen, das Herz stolpert und die Nieren arbeiten nicht mehr.
Die Temperatur kann bis auf 20 Grad absinken, weshalb die „Cholera“ auch „Kalte Pest“ genannt wird.
Der Tod tritt in drei bis fünf Tagen ein, oft aber schon nach wenigen Stunden.

Die Verbreitung der Krankheit erfolgt hauptsächlich über das Trinkwasser, das mit Exkrementen von „Cholera-Kranken“ verunreinigt ist.
Einen weiteren Übertragungsweg bilden Nahrungsmittel, die mit verseuchtem Wasser und ohne Erhitzung zubereitet werden.

Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn der Erreger über den Mund in den menschlichen Verdauungstrakt gelangt.
Dabei reicht schon eine Berührung der Lippen mit infizierten Händen aus.

25. August 1830

Vorstadt Au * Das Auer Rathaus am äußeren Ende des Mariahilfplatzes wird eröffnet.


1831

1831

Preußen * Über Russland und Polen gelangt die „Cholera“ nach Preußen und von dort nach England.

Kuriose Vorschläge zur Bekämpfung der Seuche tauchen auf.

So schreibt die Freiin Caroline von Maiern in einer in Nürnberg erschienenen Flugschrift „Entdeckung des Geheimnisses der Cholera“ folgendes:
„Von Polizei wegen sollte Männern ein anderes Zeichen ihres Grußes bewilligt werden, als auf offener Straße ihre Hüte und Mützen abzuziehen, weil das Choleragift sehr leicht dem Haare sich mitteilt.
Und ferner sollte die Polizei das Tabakrauchen auf offener Straße erlauben, um das Miasma [„Choleradunst“] auch durch den Rauchtabak zu verscheuchen“
.

Eine andere Schrift, die auch in München auftaucht, will Händler, „welche aus angesteckten Ländern kommen“, in eine vierzigtägige Quarantäne stecken.

Mitgeführte Papiere sollten geräuchert, Nahrungsmittel in Essig getaucht werden.
Auch Geld sollte nicht aus der fremden Hand genommen werden. Es sollte ebenfalls zuvor in Essig gelegt werden.

Die Schrift endet mit der Drohung: „Diejenigen, welche gegenwärtigen Vorschriften keinen Glauben schenken, werden sich der Gefahr aussetzen, ihren Unglauben mit dem Leben zu büßen“.

1831

München - Vorstadt Au * Die bayerische Staatsregierung entscheidet abschlägig über die Eingemeindung der Au.

Es soll alles unverändert bleiben.

28. November 1831

Vorstadt Au * Grundsteinlegung für die neugotische Mariahilf-Kirche. Der Termin war vom 15. Oktober verschoben worden, da an diesem Tag die Auer Dult begann.


1832

1832

Vorstadt Au * Gründung der „Armen-Industrie-Schule“ durch Pfarrer Hermann Rabl.

Ziel ist die „Erziehung der verwahrlosten Jugend zu aufrichtig frommen und wahrhaft tugendhaften Christen und zu rechtschaffenden, arbeitsamen, häuslichen und überhaupt wohlgesitteten Menschen“.

Januar 1832

Frankreich * Die „Cholera“ tritt in Frankreich auf und verbreitet sich von da aus über die ganze Erde.

19. April 1832

München * Das „Bayerische Innenministerium“ befasst sich mit der „Cholera“ und gibt erste vorsorgliche Hinweise an die Bevölkerung.


1833

1833

Vorstadt Au * Das Brunnwerk am Neudeck kommt für 100 Gulden in den Besitz der Vorstadt Au.


1834

1. Mai 1834

Haidhausen * Die Haidhauser Armen- und Krankenanstalt wird eröffnet. Sie ist auch für die Aufnahme der Auer Bevölkerung vorgesehen.


1835

1835

Vorstadt Au * In einem Bericht heißt es: „Die Auer neigen sich insbesondere zu zwei Hauptuntugenden hin, nämlich zu einem unbegränzten Leichtsinne und zum übermäßigen Trinken.“

1835

Landgericht Au * Im Landgericht Au, das die Vorstadt Au und die Gemeinden Haidhausen, Obergiesing, Bogenhausen, Oberföhring, Daglfing und Berg am Laim umfasst, werden 514 eheliche und 252 uneheliche Kinder geboren. 


1836

Um März 1836

Süddeutschland * Die „Cholera“ grassiert erstmals in Süddeutschland.

Das Bürgertum fühlt sich zunehmend von den „armen“ Bevölkerungsschichten bedroht, weshalb das „Bayerische Staatsministerium des Innern“ eine Verordnung erlässt.

In dieser wird die Notwendigkeit der Unterstützung der Armen angesichts der herrschenden Epidemie eingefordert, da sie „zum Schutze der Gesamtheit nicht minder als zum Schirme der Dürftigen selbst“ notwendig sei, „da die in den Hütten sich steigernde Krankheit auch auf alle übrigen Klassen und den Gesundheits-Zustand ganzer Orte nicht ohne Rückwirkung bleibt“.

August 1836

München - Vorstadt Au - Haidhausen * In München bricht die erste „Cholera-Epidemie“ aus.
Sie dauert bis Januar 1837.

143 von 4.700 Bewohner Haidhausens sterben daran, das sind rund 3 Prozent.
259 von rund 10.000 Bewohner der Au sterben daran, das sind rund 2,6 Prozent.
1.061 von rund 100.000 Bewohner Münchens sterben daran, das sind rund 1 Prozent.

Von Übergriffen auf Ärzten wegen der „Cholera“ wird berichtet:

„Im Jahre 1836 hielt man in der Vorstadt Haidhausen dafür, daß die Aerzte den Leuten die Cholera erst ins Haus brächten, und sie wollten von ärztlichen Nachforschungen im Hause nichts wissen.
Ja, es bestanden dort Vorurtheile, als ob die reichen Leute die Cholera machten, als leiser Nachklang der Brunnenvergiftungsfurcht durch die Juden im Mittelalter.

Es war daher das Aufsuchen und die Nachfrage in Haidhausen, ob im Hause keine Diarrhöen vorkämen, dem vorurtheilsvollen und ungebildeten Publikum gegenüber sogar mit persönlicher Gefahr verbunden“.

Bei den nächsten Epidemien spielten Vergiftungsvorstellungen keine Rolle mehr.
Doch nachvollziehbar sind solche Theorien schon.

So hält sich die Vorstellung, der „Aids-Virus“ sei in einem amerikanischen Labor geschaffen worden, um die „Schwarzen“ auszurotten, auch noch immer.


1837

1837

Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Der Auer „Armenarzt“ Anselm Martin schreibt:

„In den Herbergen sind nicht nur Menschen, sondern auch noch alle Gattungen Hausthiere Katzen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und dergleichen, so wie alle nur erdenklichen Handwerksgeräthe, Hausutensilien, alte, bereits halb verfaulte, zusammengesammelte Leinwand, zerbrochenes Glas, neugewaschene zum Trocknen aufgehängte Wäsche und dergleichen in den kleinsten, mit zurückstoßender Luft angefüllten Gemächern anzutreffen.

Die Öfen sind gewöhnlich von Ziegel, selten von Eisen.
Die Feuerung geschieht mit Holz und zwar mit den schlechtesten und wohlfeilsten Holzgattungen, oft mit halbverfaulten, in der Isar aufgefangenen Gerten und Prügeln“
.

Die „Höhe der Wohnräume“ liegt bei 180 bis 192 Zentimetern; die „Dachdeckungen“ aus Ziegel oder Blech lösen erst im 19. Jahrhundert die Schindel- oder Strohdeckung ab; ihre „Galerien und Träger“ verzieren die Bewohner mit Schnitzereien.

„Gemeinsamer Besitz“ aller Hausbewohner sind das „Grundstück“, die „Umfassungsmauern“ und das „Dach“.

Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse führen häufig zu ausgiebigen Streitereien.
Wird das Dach undicht, so sind in erster Linie nur die Parteien des obersten Stockwerks vom Schaden betroffen, die Bewohner des Parterres dagegen haben nur sehr wenig Interesse an einer kostspieligen Reparatur.
Deshalb soll es vorgekommen sein, dass die „Oberen“ kübelweise Wasser auf den Fußboden schütteten, um die „Unteren“ drastisch an die gemeinsamen Verpflichtungen zu erinnern.

Nicht umsonst heißt es in den Akten des Landgerichts: „So viele Herbergsbesitzer sich in einem Hause befinden, ebensoviele Hauseigentümer gibt es im selben; keiner lässt sich vom andern etwas einsprechen, jeder tut in seiner Herberge, was er will“.

Auch die „hygienischen Zustände“ sind katastrophal.
Das „Trinkwasser“ muss von weit entfernten „Pumpbrunnen“ geholt werden.

Da eigene „Abtritte“ fehlen, benutzt man „Häfen und Leibstühle“.
Wegen der fehlenden Kanalisation werden „Abfälle und Abwässer“ jeglicher Herkunft in den „Auer Mühlbach“ geschüttet.
Eine „städtische Verordnung“ bestimmt deshalb, dass dies nur während der Nacht geschehen darf, da tagsüber die Frauen ihre Wäsche im „Auer Mühlbach“ waschen.

Das Fehlen der „Abfalltonnen“ bedingt viele unreinliche Wohnungen.
Dadurch sind die „Herbergsviertel“ in „Seuchenzeiten“ Brutstätten von Krankheiten.

Es ist also kein Wunder, dass viele Bewohner an den „Typhus- und Choleraepidemien“ sterben und die Einwohner oft hohen Blutzoll zu entrichten haben.

3. Juli 1837

Vorstadt Au * Der Brauereibesitzer Franz Xaver Zacherl kauft das Nockher-Anwesen um 14.000 Gulden. Kein Wunder also, dass die Kinder später singen werden: „Des is da Nockher-Berg, der wo an Zacherl g'hört!“


1839

25. August 1839

Vorstadt Au * Am Geburts- und Namenstag König Ludwigs I. wird in der Au die Mariahilf-Kirche eingeweiht.

7. Dezember 1839

Vorstadt Au * Die Armen Schulschwestern kommen in die Au.

10. Dezember 1839

Vorstadt Au * Das Gnadenbild wird feierlich in die neue Mariahilf-Pfarrkirche übertragen.


1840

1840

München * München ist für die Eingemeindung der drei östlichen Vororte Au, Haidhausen und Giesing.

1840

Vorstadt Au * Die alte Mariahilf-Kirche wird abgebrochen.

Die Mauern werden zum Bau des „Muffatwehres“ verwendet.

1840

Vorstadt Au * Pfarrer Rabl erwirbt für die „Armen-Industrie-Schule“ ein Grundstück an der Hochstraße 11, auf dem „Knaben und Mädchen nützliche Kenntnisse in der Obstbaumzucht und Gartenkunde“ erlernen können.

15. Januar 1840

München * Eine Kinderschutzverordnung legt fest, dass Kinder unter 12 Jahren nicht regelmäßig in Fabriken, Berg-, Hütten- und Pochwerken“ beschäftigt werden dürfen.


1841

1841

Vorstadt Au * Der „Krebsbauernhof“ umfasst 98,6 Tagwerk Grund.

Davon liegen im Steuerdistrikt Obergiesing 65,6 Tagwerk, der Rest verteilt sich auf die Au, Haidhausen und Perlach.


1844

1844

München * Die Regierung lehnt die Eingemeindungswünsche Münchens ab.


1845

28. November 1845

München-Au * Die Armen Schulschwestern beziehen das heutige Gelände nahe dem Mariahilfplatz in der Au. 


1848

1848

München * Der Pharmazeut und Hygieniker Max Pettenkofer, von den Münchnern liebevoll-verachtend „Scheißhäusl-Apostel“ genannt, wird Mitglied der „Königlichen Kommission der Erforschung der indischen Cholera“.

10. März 1848

Vorstadt Au * In Revolutionsstimmung treffen sich die Auer beim „Radlwirt“ und verfassen eine Eingemeindungsforderung, die von 609 Auer Bürgern unterschrieben wird.


1849

16. September 1849

Vorstadt Au * Der 77-jährige Franz Xaver Zacherl erhängt sich. Ludwig und Heinrich Schmederer erben die Zacherlbrauerei.

30. Oktober 1849

München-Graggenau * Beide Münchner Gemeindekollegien stimmen der Vereinigung mit den drei östlichen Vororten zu.


1854

17. Mai 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Fünf Jahre dauern die Überlegungen des Kgl. Bay. Staatsministeriums des Inneren, bis die 25 Paragraphen zur Eingemeindung ausgearbeitet sind. Nun ist die Vereinigung Münchens mit der Au, Haidhausen und Giesing genehmigt.

„Seine Majestät der König haben die nachgesuchte Vereinigung der Gemeinde Au, Giesing und Haidhausen mit der Reichshaupt- und Residenzstadt München in Eine Gemeinde unter Erhebung jener drei Gemeinden zu Vorstädten von München [...] allergnädigst zu genehmigen geruht.“

28. Mai 1854

München-Graggenau * Ein großer Bittgottesdienst zur Abwendung der Cholera-Epidemie wird an der Mariensäule auf dem Schrannenmarkt zelebriert. 25.000 Menschen beteiligen sich.

15. Juli 1854

München-Maxvorstadt * Die im Glaspalast stattfindende Industrie-Ausstellung wird von König Max II. feierlich eröffnet.

Nur wenige Tage später bricht die Cholera aus. Bei der Eröffnungsrede bricht ein Billeteur tot zusammen. Man glaubt an einen Schlaganfall, doch vermutlich handelt es sich um das erste Opfer der Cholera.

18. Juli 1854

München-Graggenau * Ein Theaterbesucher aus der Schweiz bricht während der Vorstellung zusammen und wird in die Klinik gebracht. Vermutlich ist auch er bereits vom Cholera-Erreger angesteckt.

27. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer ist das erste amtliche Opfer der Cholera-Epidemie.

29. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer stirbt. Mit ihm beginnt offiziell die Statistik der Cholera-Todesopfer.

2. August 1854

München * Das Bayerische Innenministerium beruft ein Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr, das sich bis Mitte Oktober wöchentlich zwei Mal treffen wird.

Beim ersten Zusammentreffen muss man seit dem 29. Juli weitere 22 Brechdurchfall-Erkrankungen zur Kenntnis nehmen, von denen zwölf mit dem Tod endeten. Aufgrund der Arztberichte bestätigt sich das Vorhandensein der Cholera.

Eine vorsichtige Information der Bevölkerung in der halbamtlichen Neuen Münchner Zeitung wird beauftragt. Mit den Warnungen vor bestimmten Lebensmitteln hofft das „Komitee“ auf keine weitere Verbreitung der Krankheit.

3. August 1854

München * In der halbamtlichen Neuen Münchner Zeitung wird mitgeteilt, dass „in Folge der außergewöhnlichen, rasch eingetretenen Hitze, Durchfälle vorgekommen“ und dass „daran namentlich einige kleine Kinder, alte und kränkliche Personen gestorben“ sind. Als Ursache wird „die Überladung des Magens mit Kartoffeln, Gurken und dergleichen“ angegeben.

Die Cholera erreicht auch die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing. Bis zu deren Eingemeindung am 1. Oktober werden die Sterbestatistiken getrennt geführt.

5. August 1854

München - Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle haben weiter zugenommen, weshalb das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ einen Maßnahmenkatalog in Angriff nimmt.

Ärztliche Besuchsanstalten werden eingerichtet und dabei das Stadtgebiet und die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing in 13, später 15 Distrikte eingeteilt.

6. August 1854

München * Der Bayerische Landbote dementiert die über Mundpropaganda verbreitete Nachricht, „dass die Cholera wieder herrsche“.

7. August 1854

München * Seit Ausbruch der Cholera sind alleine auf Münchner Stadtgebiet 44 Todesfälle aufgetreten.

8. August 1854

München * In der Neuen Münchner Zeitung wird erstmals zugegeben, dass die Gefahr einer Cholera-Epidemie besteht.

13. August 1854

München * Die Ärztlichen Besuchsanstalten nehmen ihre Tätigkeit auf. Die Zahl der durch die Cholera verursachten Todesopfer ist auf 208 angestiegen.

Bis 22. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing zählt man insgesamt 138 Cholera-Tote.

23. August 1854

München * Der Epidemie-Höhepunkt ist in München erreicht. An diesem Tag sterben 82 Personen an der Cholera und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf 803.

28. August 1854

München-Graggenau * Um die Abwendung der Cholera-Epidemie zu erflehen und die Ausbreitung künftig möglichst zu unterbinden, wird ein großer Bittgottesdienst an der Mariensäule auf dem Schrannenplatz zelebriert. 25.000 Menschen sollen sich dort eingefunden haben.

30. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Der Epidemie-Höhepunkt ist in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing erreicht. An diesem Tag sterben 34 Personen an der Cholera und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf insgesamt 355.

September 1854

München-Theresienwiese - München-Au - München-Maxvorstadt * Wegen der grassierenden „Cholera“ sagt die Regierung das „Oktoberfest“ ab, was zu zahllosen Klagen der Geschäftsleute führt.

Als auch noch die „Auer Herbstdult“ storniert werden soll, bitten die Geschäftsleute, „dem ohnedieß diesem Sommer schwerheimgesuchten Gewerbestand“ nicht auch noch dieses „Bißchen Brot“ zu entziehen.

Weder zur „Auer Herbstdult“ noch zu der seit 15. Juli stattfindenden „Industrie-Ausstellung“ im „Glaspalast“ finden sich viele Interessenten ein.

2. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Cholera-Sterbezahl in München und den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing beträgt an diesem Tag insgesamt 107.

3. September 1854

München * Die täglichen Cholera-Sterbefälle nehmen in München deutlich ab. Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 1.468 Münchner verstorben.

9. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die täglichen Cholera-Sterbefälle gehen jetzt auch in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing  deutlich nach unten. Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 564 Personen verstorben.

13. September 1854

München * In München werden die ersten - wegen der Cholera-Epidemie eingerichteten - Ärztlichen Besuchsanstalten aufgelöst.

Ab 23. September 1854

München • Die Münchner Armenärzte übernehmen wieder die Behandlung der Cholera-Kranken.

29. September 1854

München-Graggenau * Ein „Verein hiesiger Bürger“ lädt für den 3. Oktober zu einem feierlichen Dankamt zur Mariensäule am Schrannenplatz ein, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“. In dieser Einladung wird die Cholera schon für beendet erklärt.

30. September 1854

München * Das Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr beschließt, das die Cholera in München erloschen ist. Nur drei Ärzte stimmen dagegen. Alle Ärztlichen Besuchsanstalten werden geschlossen, die Suppenanstalten wieder auf vier reduziert. Die ärztliche Versorgung in den Vorstädten wird eine Woche länger aufrecht erhalten.

2.143 von rund 114.000 Münchner Einwohnern fallen bis dahin der sogenannten Kalten Pest zum Opfer, das sind 1,9 Prozent. In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing sterben 781 von 21.000 Bewohnern, das ist mit 3,7 Prozent eine fast doppelt so hohe Sterbequote.

Kinder, Frauen und ältere Menschen machen die Mehrzahl der Opfer aus. In München liegt der Anteil der Frauen bei 45,7 Prozent, der der Kinder unter zehn Jahren bei 19,7 %. In den Vorstädten liegt die Sterblichkeit bei den Frauen bei 39,5 und bei den Kindern bei 25,2 Prozent. An der Cholera sterben stets mehr Frauen als Männer. Das liegt daran, dass Frauen immer einer größeren Infektionsgefahr ausgesetzt sind, da sie die Kranken versorgen und die Wäsche waschen. Während der Anteil der über 60-jährigen Opfer in der Stadt München fast 27 Prozent beträgt, sind es in den Vorstädten „nur“ 17,7 Prozent. Das liegt aber an der sowieso wesentlich geringeren Lebenserwartung.

In Haidhausen wird fast kein Haus von der Cholera verschont. Hier liegt die Sterbequote bei 4,8 Prozent. Darunter sind 57 Mütter und 42 Väter, wodurch 102 Kinder einen Elternteil verlieren. Zwanzig Kinder werden zu Vollwaisen.

Von den in der Strafanstalt in der Au einsitzenden 541 Häftlingen sterben 63, gleich 11,6 Prozent.

1. Oktober 1854

München * Das Stadtgericht München wird um einen zusätzlichen Bezirk erweitert. Es enthält den Namen Stadtgericht rechts der Isar und umfasst die neu eingemeindeten Stadtviertel Au, Giesing und Haidhausen. Zwischen 1854 und 1862 existieren in München also zwei Landgerichte und zwei Stadtgerichte.

1. Oktober 1854

München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

  • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
  • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
  • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner. Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen. Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern. Der Burgfrieden von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu. Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar. Wegen der noch grassierenden Cholera-Epidemie erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.

2. Oktober 1854

München * Die Cholera-Epidemie wird in der Neuen Münchener Zeitung offiziell für erloschen erklärt. An die Bevölkerung wird appelliert, auch weiterhin die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, da die Krankheit noch längere Zeit vereinzelt auftreten kann.

3. Oktober 1854

München-Graggenau * Aus Dankbarkeit für die Abwendung der Cholera versammeln sich „zahllos die Andächtigen jeden Standes, Geschlechts und Alters um die im schönsten Blumenschmuck prangende Mariensäule“ am Schrannenplatz. Ein „Verein hiesiger Bürger“ hatte dazu bereits am 29. September eingeladen, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“.

14. Oktober 1854

München * Das Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr [= Cholera] hält seine letzte Sitzung ab.

17. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Nachdem König Max II. mit seiner Familie wieder nach München zurückgekehrt war, musste auf seinen Befehl hin nochmals ein Dankgottesdienst zur Überwindung der Cholera in der Frauenkirche abgehalten werden. Hierzu haben alle Beamten in ihrer Uniform zu erscheinen.

20. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat teilt der Öffentlichkeit mit, dass „der bisherige Schrannenplatz dahier fernerhin 'Marienplatz' genannt werden dürfe“.

26. Oktober 1854

München-Graggenau * Die Königinmutter Therese stirbt an der Cholera. Ihre Grabstätte befindet sich heute in der Basilika Sankt Bonifaz in München. 

28. Oktober 1854

München - Darmstadt * Der Ex-König Ludwig I. reist in Begleitung seiner Tochter, der Großherzogin Mathilde von Hessen, und seinem Sohn Adalbert mit dem Eilzug nach Darmstadt. Er will scheinbar bei der Bestattung seiner evangelischen Frau Therese in der Theatinerkirche einen möglichen Eklat ausweichen, wie er sich 1841 bei Königin Caroline ereignet hat.

31. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Die evangelische Ex-Königin Therese wird vorübergehend in der Gruft der Theatinerkirche beigesetzt.

November 1854

München-Au * Mit der Eingemeindung der Au nach München wird die „Armen-Industrie-Schule“ aufgelöst.

In dem frei gewordenen Gebäude an der Gebsattelstraße wird später eine Knabenschule untergebracht.


1855

Bis April 1855

München * Die „Cholera“ tritt in München sporadisch immer wieder auf.

Bis zu ihrem endgültigen Verschwinden kostet sie 3.082 Menschen das Leben.


1856

1856

München * Das „Stadtgericht München“ und das „Stadtgericht rechts der Isar“ werden in „Bezirksgerichte“ umbenannt.

1856

München-Kreuzviertel - München-Au - München-Haidhausen * Das „Bezirksgericht links der Isar“ residiert in der Weitegasse, der heutigen Ettstraße.

Der Sitz des „Bezirksgerichts rechts der Isar“ befindet sich in der Ohlmüllerstraße 8 am Mariahilfplatz.

Der Amtssitz des „Landgerichts links der Isar“ ist auf dem „Lilienberg“, der des „Landgerichts rechts der Isar“ in der Kirchenstraße 6.


1859

2. August 1859

München-Haidhausen * Die Jakobi-Dult wird provisorisch auf den Haidhauser Johannisplatz verlegt.


1861

1861

München-Au * Der „Salvator“ wird erstmals im neu erbauten „Zacherlkeller“ ausgeschenkt.

31. Dezember 1861

München - München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Im Physikatsbericht des Bezirks der Stadt München finden sich über die Wohnverhältnisse in den Herbergsvierteln folgende Ausführungen:

„München besteht gegenwärtig aus 2 Theilen, durch den Isarfluß voneinander getrennt. München links der Isar ist der größte Theil, und das ursprüngliche, eigentliche, alte München. München rechts der Isar enthält die erst seit 1854 zu München gezählten 3 Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing.

In diesen 3 Vorstädten sind natürlich die Wohnungsverhältnisse ganz anders, wie auch die Population eine ganz andere ist, als wie in München links der Isar. In den genannten 3 Vorstädten, in welchen größtentheils Taglöhner, überhaupt Arbeiterbevölkerung wohnt, ist das Herbergswesen vorherrschend. [...]

In diesen Herbergen ist die Bewohnung dichter, sind die Wohnungen überhaupt schlechter, den hygienischen Anforderungen nicht entsprechend, ja sie sind, wie dies namentlich in den Jägerhäuseln, in der Lohstraße, Quellenstraße, in der Grube zu Haidhausen der Fall ist, sogar im hohen Grade feucht in Folge ihrer tiefen Lage an dem Bergabhang und an den Canälen und dergleichen, sie sind finster, oft dumpf usw., und wunderbar dennoch ist, wie ich in einer speciellen Bearbeitung der Wohnungsfrage in München im Allgemeinen im vorigen Jahre nachgewiesen habe, die Mortalität in diesen Straßen und Häusern nicht im Geringsten eine größere, und sind die Erkrankungen, namentlich an Typhen etc. nicht einmal so häufig hier, als wie in den luftigsten und schönsten Quartieren der Stadt.

Ich weiß dieses nur dadurch zu erklären, daß diese Bevölkerung eine abgehärtetere und obgleich arm, doch gut genährte, und größtentheils im Freien lebende ist.“

31. Dezember 1861

München-Au * Der Physikatsbericht gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum in der Au:

  • Demnach sind von den 744 Auer Häuser 269 für Herbergen bestimmt.
  • Das sind 36,2 Prozent. 1.167 Gemächer oder 4,3 Wohnungen je Haus sind darin untergebracht.

1862

1862

München * In München gibt es noch 2.298 Rinder und rund 4.500 Hunde.

1862

München * Das „Gerichtswesen“ wird von der Verwaltung getrennt und in diesem Zusammenhang das „Landgericht links der Isar“ mit dem „Landgericht Starnberg“ vereinigt.

Dadurch entsteht das „Bezirksamt links der Isar“.  

Das „Bezirksamt rechts der Isar“ bildet sich aus der Zusammenlegung des „Landgerichts Wolfratshausen“ mit dem „Landgericht rechts der Isar“.


1865

Seit 1865

München * An den bayerischen „Hochschulen“ werden „Lehrstühle für Hygiene“ eingerichtet.


1868

1868

München - Russland * Die Münchner Bierbrauer stellen triumphierend fest, dass der Bierverbrauch allein in München ebenso hoch liegt wie in ganz Russland.


1870

15. August 1870

München-Au * Durch den Tod seiner Mutter kommt Franz Xaver Schmederer gemeinsam mit seinem Onkel Ludwig in den Besitz des Nockhergartens und des dort befindlichen Angers.


1872

1872

München * Die dritte Welle der „Cholera“ kündigt sich an.

In München sterben 17 Menschen an der Seuche.


1873

September 1873

München-Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ wird wegen der heraufziehenden „Cholera-Epidemie“ abgesagt.

Seit 1810 fällt das Volksfest damit zum fünften Mal aus.

Ab 9. November 1873

München * Die dritte Cholera-Epidemie bricht zwischen 9. und 15. November in München aus. Sie wütet am Schlimmsten bis April 1874 und wird bis 1875 andauern. Obwohl die Seuche diesmal vergleichsweise glimpflich abläuft, werden dennoch etwa 1.400 Münchner an der Cholera sterben.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der Schwemmkanalisation,
  • einer zentralen Wasserversorgung und
  • dem zentralen Schlacht- und Viehhof.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.


1878

1878

München * Jede Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren wird untersagt.


1879

1879

München-Au * Das „Neue Vorstadt-Theater“ in der Au beim „Damenwirth“ wird gegründet.


1880

30. Juli 1880

München-Au * Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, Wiesbaden, kauft die Spießmühle in der Au mit den dazugehörigen Wasserechten.

18. November 1880

München-Au * Das Anwesen Nockhergarten kommt in den Alleinbesitz von Franz Xaver Schmederer. Es umfasst 3,614 Tagwerk.

6. Dezember 1880

München-Au * Eröffnung der Mariahilf-Volksschule am Mariahilfplatz.


1881

1881

München-Au * Installation der Wasserturbine und der Linde-Kälteanlage für das Eiswerk mit einer Leistung von 80 Tonnen Blockeis am Tag.


1882

1882

München-Graggenau * Für die evangelischen Schulkinder des Münchner Ostens ist die protestantische „Schule an der Herrnstraße“ zuständig. 

Lediglich den Kindern des ersten und des zweiten Schuljahres ist es wegen der Länge und Gefährlichkeit des Schulweges gestattet, die entsprechenden Klassen in einer katholischen Schule zu besuchen. 

Von diesem Entgegenkommen machen jedoch nur wenige Schüler Gebrauch, da die Mehrzahl der Eltern befürchtet, ihre Kinder würden von dem „katholischen Geist dieser Klassen“ negativ beeinflusst werden und nehmen deshalb lieber den Weg in die Stadt in Kauf. 


1883

1883

Ägypten - Indien * Robert Koch entdeckt die „Cholera-Erreger“, die die akute bakterielle Darminfektion verursachen.

1883

München * Die „Wasserversorgung aus dem Mangfalltal“ bringt reines, gesundes Wasser nach München.


1884

1884

München-Au - München-Haidhausen -München-Giesing * Der Auer „Pfarrer“ Simon Knoll schreibt: „Die Entstehung der sogenannten Herbergenhäuser setzt eine besitzlose Bevölkerungsklasse voraus, welcher die Mittel zu der bisher üblichen Niederlassung auf eigenem Grund und Boden fehlte, und sich daher auf anderweite ebenso rasche wie billige Weise die nöthigen Wohnräume zu verschaffen suchte. [...]

Fülglich läßt die Herstellung solcher Häuser den Zufluß einer Bevölkerung erkennen, welche in der Wahl der Niederlassung beschränkt, sich deshalb nur auf abgelegenen, vordem unbenutzte und selbst ungesunde Plätze zusammengedrängt sieht.

So entstanden die Herbergen aus dem Bedürfnis heraus, in Orten, in denen die Zahl der Hausstellen aus räumlicher Beengung nicht vermehrt werden konnte, den Bewohnern gleichwohl die rechtlichen und sozialen Vorteile der Eigentümerstellung zu gewähren.

In jenen Gegenden, in denen genügend Bauland zur Verfügung stand, waren Herbergen nicht üblich.“


1886

1886

München-Au * Die Firma „Gebrüder Schmederer“ wird eine Aktiengesellschaft.


1887

1887

München-Haidhausen - München-Au - München-Giesing * Die protestantischen Bewohner der Vorstädte Haidhausen, Au und Giesing fordern neben der Errichtung einer „Notkirche“ die Einrichtung von „evangelischen Klassen“.

Es war nämlich zu dieser Zeit den evangelischen Kindern nicht erlaubt, in Haidhausen die Schule zu besuchen; sie mussten in die protestantische Schule an der Herrnstraße im Tal ausweichen.

Nur Erst- und Zweitklässlern gestattete man - wegen der Länge des Schulwegs - den Besuch der Haidhauser Schule an der Kirchenstraße.
Doch die meisten protestantischen Eltern machten aus Angst vor „dem katholischen Geist dieser Klassen“ keinen Gebrauch davon.


1888

Ab 1888

München-Au * Auf dem Wiesengrundstück an der Hochstraße 11 entsteht das „Städtische Kinder-Asyl“.

1888

Vorstadt Schwabing * Ludwig Petuel nennt seine Brauerei „Salvatorbrauerei“.

Ein langwieriger Kampf um den Markennamen entzündet sich.

23. März 1888

München-Au * Auf dem Nockherberg findet die große „Salvator-Schlacht“ statt. 

Sie entwickelt sich aus einer kleinen Schlägerei.


1890

19. April 1890

München-Theresienwiese * William Frederick Cody, besser bekannt als „Buffalo Bill“, gastiert mit seiner „Buffalo Bill‘s Wild West Show“ im Rahmen seiner „Europa-Tournee“ bis zum 4. Mai 1890 auf der „Theresienwiese“.  

Er ist mit über 200 Cowboys und Indianern sowie 170 Pferden, Mauleseln und rund 20 Bisons unterwegs.  

Mit dabei ist auch die junge „Kunstschützin“ Annie Oakley.

4. Dezember 1890

München-Au * Die Riegermühle in der Au brennt ab und wird nicht mehr aufgebaut.


1891

1891

München-Au * Der populäre Volkssänger Jakob Geis, genannt „Papa Geis“, eröffnet erstmals vor einem „äußerst gewählten Herrenpublikum“ den „Salvator-Anstich“ auf dem „Nockherberg“ mit einer heiteren Ansprache.

8. Dezember 1891

München-Au * Im Falkenhof in der Au wird der Katholische Arbeiterverein München-Au-Giesing gegründet.  


1893

1893

München-Angerviertel - Viktualienmarkt * Eine Münchner Zeitung beschreibt unter dem Titel „Kuranstalt“ den „Ziegenmilchmarkt am Freibankeck“ mit nachstehenden Zeilen:

„Knapp an der nördlichen Schrannenhalle stellen sich frühmorgens einige Frauen mit etwa zwei Dutzend Ziegen ein und verzapfen brühwarme Ziegenmilch an die leidende Menschheit“.


1894

1894

Berlin * Das „Warenzeichengesetz“ tritt in Kraft.

Ab dem 15. August 1894

München-Untergiesing * Auf der Radrennbahn am Schyrenplatz findet wieder ein spektakulärer Wettkampf zwischen einem Ross und einem Stahlross statt. Der aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommende Reiter ist angeblich der Sohn von Buffalo Bill: Samuel Franklin Cody.

Doch weder der Wild-West-Weltstar William Frederick Cody alias Buffalo Bill noch dessen Sohn traten bei dem Radl-Pferde-Rennats am Schyrenplatz an den Start. Der Reiter ist vielmehr ein US-amerikanischer Wildwest-Show-Darsteller, der sein Vorbild Buffalo Bill nicht nur in Sachen Kleidung und Auftreten kopiert, sondern auch über die Angleichung an den berühmten Namen sogar bewusst mit einer Verwechslung spekuliert. Denn der Mann, der sich immer wieder Samuel Franklin Cody oder Captain Cody nennt, heißt in Wirklichkeit Samuel Franklin Cowdery. Der Rennradler ist der aus dem Westend stammende Josef Fischer.

Das Radl-Pferde-Rennats findet an mehreren Tagen (15., 17.und 19. August) - über insgesamt sieben Stunden - statt. „Zu diesem Schauspiel hatte sich am ersten Tag eine kolossale Menschenmenge auf dem Rennplatz des Münchner Velozipedclubs eingefunden“. Die Bahnlänge beträgt für den Radler 500, für den Reiter 494 Meter. S. F. Cody benutzt von seinen zehn Pferden sechs und beweist sich als ausgezeichneter Reiter, verliert beim Wechsel der Pferde aber jedes Mal sechzig Meter.

Fischer kann das Rennen nur deshalb für sich entscheiden, weil die Ausgangslage für die beiden Rivalen ungleich ist. So ist die Veloziped-Bahn eigens für Radrennen hergestellt worden, während die Reitbahn für ein Pferderennen ungeeignet ist. Die Kurven sind zu eng und die Längsseiten zu wenig lang, sodass Cody seine Pferde gar nicht richtig ausreiten kann. Wäre eine bessere Bahn vorhanden gewesen, hätte Cody den Dauerradfahrer auch geschlagen, so wie er in Paris, Pest und anderen Orten bis dahin alle Rennradfahrer besiegt hatte.

Zum Schluss schlägt Fischer den Texaner - bei einer Gesamtrennstrecke von 259 Kilometer - mit einem Vorsprung von knapp fünfzig Kilometern. Die Bezahlung für die sieben Rennstunden soll 350 Mark betragen haben. 

14. September 1894

München-Untergiesing * Das Rennen zwischen dem Reiter F. S. Cody und dem Radrennfahrer Josef Fischer nimmt der radbegeisterte Heinrich Zierle zum Anlass, den Velociped Club Wild West zu gründen. Der Cowboy-Club löst sich in den 1920er-Jahren wieder auf. 


1896

19. Dezember 1896

München * Im Simplicissimus wird das Gedicht „Mörtelweibs Tochter“ veröffentlicht. 


1898

1898

München-Au * Dr. Joseph Freudenberger schreibt über die hohe sozialpolitische Bedeutung der Herbergen: Es ist „nicht zu verkennen, daß sie gegen die sozialistischen Irrlehren vielfach feit, die ja bekanntlich darauf hinausgehen, Unzufriedenheit und Haß zu säen, und den diesen Gefühlen Verfallenen zum Kampfe gegen die Besitzenden aufzustacheln, wogegen jeder, der einen, wenn auch noch so kleinen Besitz hat, veranlaßt und verpflichtet ist, für Erhaltung der bestehenden Verhältnisse einzutreten.

Nimmt man ihm aber diesen Besitz, fertigt man ihn und seine Ansprüche mit einer schnöden Summe Geldes ab, so wirft man ihn der Umsturzpartei [gemeint waren damit die Sozialdemokraten] förmlich in die Hände.“


1899

20. Juli 1899

Berlin * Die Bezeichnung „Salvator“ wird vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin als gesetzlich geschütztes Warenzeichen anerkannt. Der Firmenname wird daraufhin von Gebrüder Schmederer Aktienbrauerei in Paulaner-Salvator-Brauerei umbenannt.


1900

Um 1900

München * Der durchschnittliche Stundenlohn für eine Speisträgerin, ein sogenanntes Mörtelweib, liegt bei 22 Pfennige. Ein männlicher Mörtelträger erhält für die gleiche Arbeit 50 Pfennige in der Stunde. Die Mörtelweiber arbeiten im Akkord und bilden zu je Zweien eine Partie, die in einer Trage den Mörtel, auch Speis genannt, zu den Maurern hinaufbringen.

Besonders in den Bauboom-Jahren vor der Jahrhundertwende sind die Mörtelweiber in ihren dicken, unförmigen und langen Röcken, ihren kalkzerfressenen Blusen und den straff gebundenen Kopftüchern, aus dem Münchner Stadtbild nicht wegzudenken. Den robusten und anspruchslosen Frauen und Mädchen, die für Hungerlöhne Fronarbeit leisten, ist der Aufbau Münchens in der Gründerzeit zu verdanken. Der Arbeitstag dieser Frauen beginnt um sechs Uhr früh; dabei befindet sich die Baustelle oft in der entgegengesetzten Richtung, irgendwo in Schwabing oder in Nymphenburg, was erstmals einen - zum Teil - mehrstündigen Fußmarsch - schon vor Arbeitsbeginn - bedeutet.

Zur Brotzeit „gönnt“ man sich eine Halbe Bier, ein paar „Maurerloabe und einige Radi“. Mittags gibts einen Krug Bier, mehrere Scheiben Brot und „ein Fünftel warmen Leberkäs’ minderer Sorte“. Das „Nachtessen“ besteht aus Bergen von gerösteten Kartoffeln mit Zwiebeln.

1. Januar 1900

Berlin - München * Das Bürgerliche Gesetzbuch - BGB tritt inkraft und schließt eine Neubegründung von Herbergen künftig aus.


1902

Januar 1902

München-Au * Das „Zucht-, Arbeits- und Korrekturhaus Au“ wird aufgelöst und umgebaut.

Die Gefangenen kommen in die aufgelassene „Klosterkirche der Benediktinerinnen am Lilienberg“.


1904

1904

München-Au * Die „Pschorrbrauerei“ errichtet für die ehemalige Wirtschaft des Johann Georg Messerer einen Neubau, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wird.

September 1904

München-Au * Das „Untersuchungsgefängnis Neudeck“ wird eröffnet.


1908

1908

München * Mit dem „Änderungsgesetz der Gewerbeordnung“ verschwinden die „Mörtelweiber“ von den Baustellen, da darin die Verwendung von Arbeiterinnen beim Transport von Materialien aller Art untersagt wird.

Bis dahin betrug der „Frauenanteil im Baugewerbe“ knapp 10 Prozent.

Bis 1908

Berg am Laim * Bis zur Änderung des „Kommunalwahlrechts“ ist die Stimmabgabe bei politischen Wahlen weitgehend an Besitz gebunden.

Von den 2.200 Berg am Laimer Gemeindebewohnern dürfen nur 50 männliche Gemeindebürger wählen.

Kein Wunder also, dass nahezu alle Bürgermeister betuchte „Ziegeleibesitzer“ sind und sich auch der „Gemeinderat“ zu etwa einem Drittel aus diesem Berufsstand rekrutiert.


1912

15. Februar 1912

München * Die „SPD-Fraktion des Gemeindebevollmächtigtenkollegiums“ beantragt: 

„Einen beliebigen Block geeigneter Herbergsanwesen von besonderer Eigenart für die Nachwelt zu erhalten“.


1913

12. April 1913

München * Die Brüder Fred und Hermann Sommer sowie Martin Fromberger gründen den „Loos-Verein Wild West“, den späteren „Cowboy Club München 1913 e.V.“.  

Es ist am Anfang also ein „Sparverein“, zu dem sich die drei „Wild West“-begeisterten jungen Münchner zusammenschließen.
Sie wollen nach Amerika auswandern, haben aber das Geld für die Überfahrt nicht.

Die drei Burschen aus dem „Arme-Leute-Milieu“ hätten nie und nimmer genug Geld zusammenkratzen können, weshalb höhere Mächte einspringen müssen: das Glück, „Fortuna“.

Sie gründen besagten „Los-Verein“, zahlen Geld ein und nehmen an diversen Lotterien teil.
Einmal, so hoffen sie, würde das Glück schon zuschlagen und den Hauptgewinn ausschütten - und dann nichts wie weg über den großen Teich.

Doch der erhoffte Geldsegen stellt sich nicht ein. 


1914

September 1914

München * Der „Erste Weltkrieg“ bedeutet für die drei etwa 20-jährigen und wehrdiensttauglichen jungen Gründer des „Loos-Vereins Wild West“ die Einberufung zum Militär und den „Marschbefehl“ in Richtung Frankreich.  

Nun heißt es „Verdun statt Wyoming!“ 


1919

1919

München * Nach dem Krieg wird das Lotteriespiel und die Beschränkung der Mitgliedszahl des Loos-Vereins Wild West auf 15 abgeschafft. Der Verein wird gleichzeitig in Cowboy Club München Süd umbenannt.

Jetzt erst wird das Erlernen der englischen Sprache und das Aneignen von Bräuchen und Sitten der Cowboys und Indianer sowie die Beschaffung eines eigenen Kostüms zur Pflicht. 

21. März 1919

München-Au * Im Gerichtsgebäude am Mariahilfplatz stürmen während der Verhandlung gegen Plünderer Zuhörer den Sitzungssaal. Sie wollen die Verurteilten befreien. Doch das Vorhaben misslingt. 


1922

1922

München * Der „Lustige Führer durch München“ bezeichnet die „Herbergen“ als „Ein- und Zweifamilienhäuser mit mehr lebendem als totem Inventar.

Der Haustürschlüssel wird in der Dachrinne aufbewahrt.
Viel Kleintier- und Kleinkinderzucht“
.


1925

1925

München * Unter der Registiernummer 340054 meldet die „Spatenbrauerei“ den Slogan „Lass Dir raten, trinke Spaten“ als Motto an.


1928

Februar 1928

München * Beim ersten „Faschingszug“ nach dem Ersten Weltkrieg nimmt der „Cowboy Club München München Süd“ mit 25 Indianern und Cowboys teil.

Als Motto geben sie sich „Auswanderer“


1930

Februar 1930

München-Untergiesing * Der „Faschingszug“ fällt aus.

Im „Tierpark Hellabrunn“ wird ein Ersatzfasching abgehalten, bei dem sich der „Cowboy Club München Süd“ mit 17 Reitern, einem Wagen und Fußvolk präsentiert.
Eine Münchner Zeitung erklärt daraufhin den „CCMS“ zum „Höhepunkt des Zuges“

23. August 1930

München-Untergiesing * Der Cowboy Club München Süd beteiligt sich am „Großen Kinderfest“ im Tierpark Hellabrunn. Als Motto wird ausgegeben: „Ein Tag bei den Indianern.“ 

14. Dezember 1930

München-Neuhausen * Der Cowboy Club München Süd beginnt in der Reithalle an der Albrechtstraße des Oberleutnants a.D. Otto Hermann Fegelein mit dem Rodeo-Reiten. Fegelein wird über Eva Braun Hitlers Schwippschwager werden. Er gilt als rücksichtsloser Opportunist und Karrierist, der auch an mehreren Kriegsverbrechen beteiligt sein wird. 


1933

21. Januar 1933

München-Au * Der Cowboy Club München Süd lädt in sein künftiges Clublokal im Josefshaus in der Hochstraße 28 in der Au ein. Neben Lebenden Bildern, bei denen sogar vier Pferde integriert werden, führen die Aktivisten Stepptänze und Lassospiele vor. Eine 25 Mann starke Sioux-Indianertruppe führt „heimatliche Tänze“ auf. 

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.

Juni 1933

München-Au * Der NS-Stadtrat bestimmt, dass für die „Auer Sommerdult“ keine „Personen jüdischer Abstammung“ zugelassen werden.


1934

1934

München-Geiselgasteig * Mitglieder des „Cowboy Clubs München Süd“ werden mit ihren Frauen als Komparsen für den Film „Mit dir durch dick und dünn“ engagiert. 


1938

1938

München-Großhesselohe * Mitglieder des „Cowboy Clubs München Süd“ drehen ihren eigenen Film mit dem Titel „Pecos Kid“. 
Regie führt Kurt Ulrich. 


1945

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.


1947

11. Dezember 1947

München-Haidhausen * Karl Valentin und Liesl Karlstadt gastieren bis 15. Dezember im „Bunten Würfel“ in Haidhausen.


1951

1951

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Das „Gesetz über das Wohnungseigentum“ ermöglicht den Wunsch nach einer „dinglichen Sicherung von Wohnräumen für den Wohnungsinhaber“.

Damit besteht erneut die Möglichkeit der Teilung von Gebäuden in „Brucheigentum“.

Seit etwa 1951

München * Der „Cowboy Club München Süd“ besitzt seine eigenen Pferde. 


1955

2. Februar 1955

München-Au * Der Cowboy Club München Süd bittet um Baugenehmigung für ein Behelfsclubheim. Auf dem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Grundstück von Frau Ida Krone, „da dadurch das bisher durch Lausbubenstücke und von lichtscheuen Elementen heimgesuchte Gelände unter schärfere Kontrolle fällt und der Rasen und Baumbestand gepflegt wird. Korrektes und ruhiges Verhalten wird die Nachbarschaft nicht belästigen“. In einer Ranch will der Verein einen Clubraum, einen Museumsraum für die wertvolle Sammlung und einen Bibliotheksraum verwirklichen.

Die Cirkus-Krone-Verwaltung genehmigt dem Cowboy-Club die Grundstücksnutzung für seine sportlichen und ideellen Zwecke, bis zum beabsichtigten Verkauf des Areals. Seither beherrschen Winnetou und Old Shatterhand den ehemaligen Schmederer-Garten. Eine alte Wehrmachtsbaracke wird mit Hilfe der Pschorrbrauerei und hoher Eigenleistung zur Ranch umgebaut. „Jeden Samstag und Sonntag sind 15 bis 20 Mann ganztägig da. Rund 2.000 Arbeitsstunden werden freiwillig und gern von den Clubmitgliedern geleistet.“ 

In der Ranch befindet sich der kostbarste Besitz des C.C.M.S., das Indianermuseum. In ihm ist alles Zubehör und Kleidung zu finden, die einen Indianer ausmachen. Köcher aus Büffelleder, Federhauben, Friedens-Pfeifen, Brautmokassins, mit perlenbestickten, bunten Schuhsohlen, sowie Kriegsbeilen, wie sie wirklich waren: schlicht und einfach. In einem eigenen lateinamerikanischen Glaskasten befindet sich ein Schrumpfkopf. 


1956

1956

München-Au - München-Kreuzviertel * Nach dem Umzug des „Amtsgerichts München II“ in die „Maxburg“ wird das ehemalige Gerichtsgebäude am Mariahilf-Platz zum Sitz des „Landratsamtes München“.

Nun kann auch die „Kraftfahrzeugzulassungsstelle für den Landkreis München-Land“ vom „Lilienberg“ an den Mariahilfplatz ziehen.


1958

1958

München * Der „Cowboy Club München von 1913 e.V.“ wird in das „Vereinsregister“ eingetragen. 

30. Juni 1958

München * Fred Sommer, das letzte Gründungsmitglied des Cowboy Clubs München 1913 e.V. stirbt um Alter von 70 Jahren. Sein Sohn, der Journalist Sigi Sommer, setzt ihm als „Häuptling Abendwind“ ein literarisches Denkmal. 

Oktober 1958

München-Au * Auf der Auer „Herbstdult“ präsentiert Hannes König in einem Zelt „Die Karl-Valentin-Ausstellung 2. Teil“.

Die Ausstellung ist so erfolgreich, dass Hannes König dem Münchner Zweiten Bürgermeister Adolf Hieber von der „Bayern-Partei“ einen Scheck über die erwirtschafteten Überschüsse überreichen kann.

Er erhält ihn sofort - als Startkapital für den Ausbau des „Isartor-Turmes“ - zurück.


1960

April 1960

München-Au * Der „Heilige-Franziskus-Brunnen“ am Mariahilfplatz/Ecke Ohlmüllerstraße geht in Betrieb.


1961

Januar 1961

München-Haidhausen * Im „Bürgerbräukeller“ findet der traditionelle Faschingsball „Karneval in Texas“ des „Cowboy-Clubs München 1913“ statt.

Die Feierabend-Rothäute und Freizeit-Cowboys von der „Nockher-Ranch“ lassen ihre Colts sprechen, springen durch Lassos und stellen ihre Squaws und Cowgirls an die Bretterwand, um sie dann mit Pfeilen und brennenden Wurfmessern einzurahmen. 

Um April 1961

München-Au * Der „Cowboy Club München 1913“ will auf dem „Nockherberg“ eine neue „Club-Ranch“ und einen neuen Pferdestall erbauen und damit die vereinseigenen Pferde auf die „Nockher-Ranch“ holen.

Anfangs sind die Pferde des „Cowboy Clubs München“ in einer Lackiererei an der Lilienstraße, später in einem Holzhaus nahe der „Schinderbrücke“ beim „Flaucher“ untergebracht.

Doch als Frau Ida Krone stirbt, müssen die Westernfreunde ihre „Ranch am Nockherberg“ räumen, nachdem die Zirkusfamilie Krone das Gelände an der Marsstraße im Tausch mit dem „Nockherberg-Areal“ erhalten kann. 

Um Mai 1961

München-Au - München-Thalkirchen * Diesmal kommt dem „Cowboy Club München 1913 e.V.“ die Glücksgöttin „Fortuna“ in Form des Oberbürgermeisters Dr. Hans-Jochen Vogel zu Hilfe.

Mit seiner Unterstützung erhält der Verein ein viertausend Quadratmeter großes Gelände an der „Floßlände in Thalkirchen“ zur Verfügung gestellt. 

22. Juli 1961

München-Thalkirchen * Mit Cowboyhut auf dem Kopf legt Münchens Stadtoberhäuptling Dr. Hans-Jochen Vogel anno 1961 den Grundstein zur neuen Ranch des Cowboy Clubs München von 1913 auf einem 4.000 Quadratmeter großes Gelände an der Floßlände in Thalkirchen.  

Doch da sind Bombentrichter und Urwald, die mit Hilfe von Bulldozern der amerikanischen Armee bearbeitet werden müssen. 


1962

1962

München-Au * In dem im Jahr 1962 erstellten Neubau wird wieder eine Wirtschaft mit dem klassischen Namen Falkenhof eingerichtet.

Heute führt das dort etablierte italienische Restaurant den Namen Il Falco. 


1963

10. August 1963

München-Thalkirchen * 50 Jahre nach der Vereinsgründung kann die „Ranch“ des „Cowboy Clubs München 1913“ - mit großen persönlichen und finanziellen Opfern der Mitglieder - eröffnet werden. 


1970

1970

München-Au - München-Isarvorstadt * Die noch vorhandene Denkmal-Anlage auf der „Corneliusbrücke“ für König Ludwig II. wird - gegen Proteste der Bevölkerung - abgetragen.


1973

1. Oktober 1973

München * Das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler des Freistaats Bayern tritt in Kraft. Es bildet die gesetzliche Grundlage für den Denkmalschutz.


1990

1990

München-Au * Peter und Arabella Pongraz werden „Wirtsleute“ im „Paulaner am Nockherberg“.


2013

21. Juni 2013

München-Thalkirchen - München-Angerviertel * Der Cowboy Club München von 1913 e.V. feiert sein 100. Jubiläum. Das Münchner Stadtmuseum veranstaltet in dieser Zeit - bis zum 15. September 2013 - eine Ausstellung mit dem Titel „Sehnsucht nach dem Wilden Westen * 100 Jahre Münchner Cowboy Club“


2014

Um den 20. April 2014

München-Au * Die Abbrucharbeiten an den Gebäuden um den denkmalgeschützte Fassade des Zacherlbaus an der Ohlmüllerstraße haben begonnen. Auf dem Gelände soll der neue Verwaltungsbau der Paulaner-Brauerei untergebracht werden. Lediglich die historische Fassade und die Kellergewölbe müssen erhalten werden. 


2015

Bis 2015

München-Obergiesing - München-Au * Die „Giesinger Brauerei“ will ein fester Bestandteil der „Auer Dult“ werden und gleichzeitig ihren Marktanteil in München auf ein halbes Prozent ausbauen.

Das hört sich im ersten Moment nach wenig an, ist aber in einer Stadt wie München ein beachtlicher Beitrag.

15. September 2015

Langwied * Die Paulaner-Brauerei nimmt ihre Abfüllanlage in Langwied in Betrieb. Noch wird Bier in die Flaschen gefüllt, das am Nockherberg hergestellt wurde. Es ist ein Weißbier. Die alte Brauerei am Nockherberg wird im März 2016 stillgelegt.


2016

25. Januar 2016

München-Au * Für die neue Hauptverwaltung der Paulaner-Brauerei in der Ohlmüllerstraße 42 kann sein Richtfest feiern. Der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Schmale betont dabei: „Paulaner ist in der Au geboren, Paulaner gehört hierher.“

Bis zum 15. November 2016 soll das Gebäude schlüsselfertig übergeben werden. Danach können die rund 300 Beschäftigten der Paulaner-Hauptverwaltung ihre Büros beziehen.