Fakten - Graggenau

420

Um 420

Algerien * Aurelius Augustinus, einer der vier lateinischen „Kirchenlehrer“ der Spätantike, hat sich bereits im frühen 5. Jahrhundert mit dem beschäftigt, was wir heute unter den Begriffen „Hexe“ und „Schadenszauber“ verstehen.

Es geht ihm aber weniger um die Angst vor einer „schädlichen Magie“, sondern vielmehr darum, den christlichen Glauben von allen Verunreinigungen durch den „heidnischen“ und „abergläubischen“ Irrglauben zu reinigen.

Augustinus will die „absolute Überlegenheit“ des katholischen Christentums propagieren und deutet deshalb die heidnischen Götter und Göttinnen zu „teuflischen Dämonen“ um, die „Luzifer“ hierarchisch unterstellt wären.

Wer also in diesem Sinne „Magie“ betreibt, macht sich automatisch des „Teufelspaktes“ schuldig. 


431

22. Juni 431

Ephesus * Das Konzil von Ephesus beginnt. Es dauert bis zum 31. Juli. Auf dem Konzil wird das erste Marianische-Dogma der katholischen Kirche verkündet. Es lautet: „Maria ist Mutter Gottes.“


553

5. Mai 553

Konstantinopel * Das „Konzil von Konstantinopel“ beginnt.  
Es dauert bis 2. Juni.  

Das „Konzil von Konstantinopel“ verkündet den zweiten „Marianischen Glaubensgrundsatz“.  
Er lautet: „Maria hat Jesus als Jungfrau empfangen und geboren“


1000

Um das Jahr 1000

Europa * Der Begriff Hexe taucht in unseren Breitengraden erst vor gut tausend Jahren auf und dürfte sich vom althochdeutschen „hagazussa“ ableiten. Das lässt sich  mit „Geist oder Mensch, der in der Hecke wohnt oder sitzt“ [hag = Hecke, zussa = sitzend] übersetzen. 


1202

Vor 1202

München-Graggenau * Die Münchner „Seelhäuser“ mit ihren kleinen Gemeinschaften der „Seelnonnen“ haben ihren Ursprung in der „Armenbewegung“ und der „religiösen Frauenbewegung“ des Spätmittelalters.
Sie stehen damit in Beziehung zu der weite Teile Europas erfassenden „Beginenbewegung“.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat sich die Lebensform der weiblichen „Beginen“ und der männlichen „Begarden“ rasch in Flandern, Brabant, den nördlichen Niederlanden, in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz ausgebreitet.

In einem Bericht aus dem Jahr 1241 heißt es dazu: „Die Anzahl gewisser Frauen, die das Volk Beginen nennt, mehret sich, vor allem in Deutschland, bis zu Tausenden und Abertausenden in unglaublicher Weise; sie geloben und beobachten die Keuschheit und fristen von ihrer Hände Arbeit ein Leben der Zurückgezogenheit“.

Die frühesten zeitgenössischen Berichte über „Beginengemeinschaften“ verweisen auf das „Herzogtum Brabant“, auf die „Diözese Lüttich“.
Als älteste nachweisbare Niederlassung gilt das „Beginenhaus“ von Tirlemont in Brabant.
Es besteht bereits vor dem Jahr 1202.

In die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts fallen die Entstehung der brabantischen „Beginensiedlungen“ von Nivelles [1220] und Herentals [1226] sowie der große „Beginenhof“ von Löwen [1232].
In der „Grafschaft Flandern“ entstehen die „Beginenhöfe“ in Gent [1234], Kortrijk [1238] und Brügge [1245].

Die Hochburgen der „Beginen“ im deutschen Sprachraum sind Großstädte und Bischofssitze wie Köln, Straßburg, Mainz, Basel, Worms, Trier und Würzburg, die als soziale, wirtschaftliche und geistige Zentren günstige Voraussetzungen für das Entstehen von „Beginengemeinschaften“ bieten.

Schon für das Jahr 1211 - oder kurz danach - ist der Ursprung eines „Beginenkonvents“ in Nürnberg bekannt, aus dem später das „Dominikanerinnenkloster Engental“ hervorgeht.
Der erste „Beginenhof“ in Ulm, die „Sammlung“, wird kurz nach dem im Jahr 1229 entstandenen „Franziskanerkloster“ gegründet.

Für 1241 sind „Beginen“ in Nördlingen, 1243 in Dillingen belegt.
Anno 1242 wird eine „femina religiosa“ in Frankfurt, 1244 eine „sorores conversae“ in Straßburg genannt.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstehen auch in München mehrere „Seelhäuser“ als „Stiftungen“ wohlhabender Bürger.


1207

1207

San Damiano * Der „Franziskanerorden“ - als erster „Bettelmönchsorden“ - wird gegründet.

Franz von Assisi wandelt das benediktinische „Gelübde der Armut“ in ein „Gelübde des Bettelns“ um und schließt damit eine Lücke im System der katholischen Kirche.
Er verkündet „völlige Armut und politische Machtlosigkeit“ und lehnt jede „hierarchische Unterordnung innerhalb des Ordens“ ab.

Die „Franziskaner“ gehen barfuß, verfügen weder über Grundbesitz noch Vermögen, ihre Kleidung besteht aus einem groben grauen Umhang mit einer Kapuze, der mit einem Strick zusammengehalten wird.

So gekleidet unterscheiden sie sich kaum von den damals populären „Wanderpredigern“.
Nur für den täglichen Bedarf dürfen die Mönche betteln, doch außer für kranke Mitbrüder kein Geld annehmen.

Besonders die Schichten der städtischen Bewohner, die sich früher wahrscheinlich den „Ketzern“ zugewandt hätten, geraten nun in den Bannkreis der „Minoriten“, die für sie das Ideal einer am „Urchristentum“ orientierten Kirche verkörpern.

Obwohl die „Franziskaner“ von einer Woge des im Volk populären Armutsideal emporgetragen worden sind, nimmt sie die Kirche dennoch nur schrittweise auf.


1210

1210

Rom-Lateran * Franz von Assisi erhält eine mündliche Gründungsgenehmigung, doch in den Folgejahren lehnen einflussreiche Kleriker die neue „Franziskaner“-Gemeinschaft ab und verdächtigen die Ordensmitglieder der „Häresie“.


1221

1221

Kloster Schäftlarn - München * In den „Annalen des Klosters Schäftlarn“ wird München erneut als „civitas“ (= Stadt) bezeichnet.

1221

München-Angerviertel * Das ist die Zeit, in der die ersten franziskanischen Bettelmönche nach München kommen.

Der genaue Zeitpunkt lässt sich jedoch mit Sicherheit nicht mehr feststellen. Nach der „Ordenstradition“ soll ein Bruder Castinus die erste Ordensniederlassung der „Barfüßer“ hier gegründet haben.

Von der Bürgerschaft sei ihm damals die „Jakobuskapelle“ mit einem Häuschen „am Anger vor der Stadt“ übergeben worden. Beweisbar ist das nicht.


1223

1223

Rom-Lateran * Nachdem der „Franziskanerorden“ bereits in vielen Teilen Europas - möglicherweise auch schon in München - Anhänger gefunden hat, bestätigt Papst Innozenz III. die Ordensregel schriftlich.

Nicht aber ohne zuvor noch Änderungen vorzunehmen. So werden beispielsweise die „Wanderpredigten“ verboten und es muss eine Organisation, verbunden mit dem Entstehen einer Ordenshierarchie, aufgebaut werden.


1226

Nach dem 4. Oktober 1226

Rom-Lateran * Unmittelbar nach dem Tod des Ordensgründers Franz von Assisi kommt es zu langanhaltenden Flügelkämpfen zwischen den gemäßigten Konventualen, die die Armutsregeln abschwächen wollen und den Spiritualen, die sich als die „wahren Nachfolger“ Franziskus’ sehen und auf die strikte Einhaltung des Armutsgelübdes beharren.


1230

Um 1230

Rom-Lateran * Die regierenden Päpste wirken mildernd auf die „Franziskaner-Ordensregeln“ ein und setzen die Praxis durch, dass Freunde des Ordens der „Minderbrüder“ Geld sammeln und verwalten dürfen.

Die „Spiritualen“ wenden sich zwar scharf dagegen, werden aber dafür verfolgt, eingekerkert und sogar erschlagen. Ihr Protest kann jedenfalls die „Konventualen“ nicht bremsen.


1232

2. Dezember 1232

Rom-Lateran * Papst Gregor IX. überträgt den Dominikanern die Aufgabe, die Orthodoxie des christlichen Glaubens zu schützen und deren Feinde aufzuspüren. Gemeint ist damit das Beharren auf bestimmten traditionellen Lehrmeinungen, Ideologien oder Handlungsweisen. Das steht im Gegensatz zu den Erneuerungsbewegungen, der Heterodoxie. 

Dadurch engagieren sich die Dominikaner verstärkt in der Verfolgung der neuen Hexen-Ketzer-Sekte. 


1240

Um 1240

München-Angerviertel * Historisch gesichert ist, dass die „Franziskaner“ vor dem Jahr 1257, wahrscheinlich um 1240, nach München kommen und am „Anger“, damals noch außerhalb der Ansiedelung Heinrichs des Löwen, ihr Klösterl errichten können.

In der von den „Franziskanern“ in den 1250er Jahren errichteten und genutzten Kirche können die Münchner Gläubigen an den Festen des heiligen Franziskus, des heiligen Antonius, der heiligen Klara und am Jahrestag der Kirchweihe einen „Ablass“ erlangen.


1250

Um das Jahr 1250

Italien * Thomas von Aquin greift die Ideen des „Kirchenlehrers“ Aurelius Augustinus aus dem frühen 5. Jahrhundert wieder auf und entwickelt die weitreichende Theorie des „explizit“ [= ausdrücklich] und „implizit“ [= stillschweigend] geschlossenen „Teufelspaktes“, nach dessen Abschluss die Dämonen dem „Magier, Zauberer oder Wahrsager“ hilfreich zur Seite stehen.

Neben seiner Lehre vom „Teufelspakt“ spekuliert Augustinus darüber, ob der Geschlechtsverkehr zwischen Frau und Dämon möglich sei und ob daraus Nachwuchs hervorgehen könne.

Auch Thomas von Aquin vertritt die Auffassung, dass es zwischen Menschen und Dämonen zu Sexualkontakten kommen kann.  
Da aber alle „Schöpferkraft“ nur bei Gott liegt, können sie keine Kinder zeugen.

Deshalb muss der Dämon zuerst in Gestalt einer „succuba“ [= weiblicher, unten liegender Dämon] einem Mann den Samen entziehen, um ihn dann in Gestalt eines „incubus“ [= männlicher, oben liegender Dämon] einer Frau einzupflanzen.

Diese Theorie wurde ebensolange diskutiert wie die Frage, ob solche im Prinzip vom Menschen abstammenden Kinder eine zu taufende „Seele“ hätten oder nur „teuflische Wechselbälger“ seien.

Ja, mit so einem Unsinn können sich intelligente Menschen scheinbar intensiv beschäftigen. 


1257

13. Januar 1257

Rom-Lateran * Papst Alexander IV. erteilt einen Ablassbrief für das Franziskanerkloster in München. Der Ablass gilt an den Festen der Heiligen Franziskus, Antonius und Klara sowie acht darauffolgende Tage. Es ist die erste sichere Kunde vom Bestehen des Franziskanerklosters. 


1271

24. November 1271

München * Auf Bitten der Bürgerschaft Münchens teilt Bischof Konrad II. die Peterspfarrei. Der Grund: Weil 

  • „durch die Gnade Gottes so ins Unermessliche gewachsen ist, dass sie ohne Gefahr für das Heil der Seelen von einem einzigen Hirten nur noch schwer geleistet werden kann,
  • da überdies der Friedhof der Kirche in seiner beengten Lage auch nicht mehr ausreicht für die Gräber der Toten“.

1279

1279

Rom-Lateran - München * Papst Nikolaus III. entscheidet, dass der Orden der „Franziskaner“ Nutznießer von Vermögen und Grundstücken sein dürfen.

Nun gehen auch die Münchner „Barfüßer“ allmählich zu einer abgemilderten Praxis des Besitzes über und nehmen bewegliches und unbewegliches Eigentum für ihr Kloster an.

Nach der Auffassung des höchsten Kirchenvertreters verletzen die „Franziskaner“ ihr Armutsgelübde dadurch nicht, da ja letztlich er, der Papst, der eigentliche Eigentümer sei.


1282

1282

München-Graggenau * An dem von Herzog Ludwig „dem Strengen“ finanzierten Klosterneubau der „Franziskaner“ wird gearbeitet.

Er entsteht auf dem weitläufigen Wiesengrund bei einer bereits bestehenden „Agneskapelle“, die den Kern der neuen Klosteranlage bildet und in der die Familie Haslang von jeher ein Begräbnisrecht hat.

Der Klostergrund umfasst das Gebiet des heutigen „Residenz-“ und „Nationaltheaters“, einschließlich dem vorgelagerten „Max-Joseph-Platz“.


1284

1284

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die beginnende Erweiterung Münchens auf den sechsfachen Umfang des befestigten Marktes Heinrichs des Löwen führt zur Verlegung des „Franziskanerklosters“ nördlich der herzoglichen Burg.

Besondere Unterstützung findet der Neubau des „Franziskaner-Klosters“ durch die Familie der Sendlinger, die eigentlich an der Errichtung eines „Klarissenklosters“ interessiert ist.
Sie kauft den „Barfüßern“ deshalb das bestehende „Angerkloster“ weit über seinen Wert um 800 Pfund Pfennigen.

Damit können die „Klarissen“ aus dem Kloster Söflingen, also Nonnen des „Zweiten Ordens“ der „Franziskaner“, das verlassene Kloster „St. Jakob am Anger“ übernehmen.

1284

München-Graggenau * Die „Franziskaner“ übernehmen die geistliche Betreuung der vierzig „Pütrich-Schwestern“.

1284

München * München hat einen „Rat der Stadt“, den man „consules civitatis Monacensis“ nennt. 


1285

1285

München-Graggenau * Die Patrizierfamilie Pütrich stiftet das erste „Seelhaus“ in München.

Es befindet sich an der Ecke der heutigen Residenz-/Perusastraße.


1288

Um 1288

Ockham * Wilhelm von Ockham oder Occam wird in Ockham in der Grafschaft Surrey in England geboren.


1289

1289

München-Graggenau * Die Neubauten für das „Franziskaner-Kloster“ sind vollendet.


1294

1294

München-Graggenau * Die neue Franziskaner-Klosterkirche „St. Franziskus“ wird eingeweiht.


1295

1295

München-Graggenau * Das Ridler-Seelhaus an der Hinteren Schwabinger Gasse [= Theatinerstraße] wird durch die gleichnamige wohlhabende Bürgerfamilie gegründet.

1295

München-Graggenau * Die „Franziskaner“ übernehmen die geistliche Betreuung der 39 „Ridler-Schwestern“.

Die „Regelhäuser“ und späteren „Klöster des Dritten Ordens“ sind dem „Franziskaner-Kloster“ unmittelbar benachbart, sodass hier ein „franziskanisches Stadtquartier“ entsteht.


1306

Februar 1306

??? * Wilhelm von Ockham wird zum Subdiakon gewählt. Er gehört damals bereits dem Franziskanerorden an.


1308

1308

Oxford * Wilhelm von Ockham beginnt sein Studium der Theologie an der „Universität Oxford“.


1310

1310

München-Graggenau * Erstmals wird ein „Rathaus“ in München genannt, das als „der Stadt Haus“ oder als „Haus der Bürger“ bezeichnet wird. 

Über die innere Einteilung dieses älteren Rathauses kann keine Aussage gemacht werden. 


1311

1311

München-Angerviertel * Der Klosterbau der „Franziskaner-Ordensmänner“ wird ein Raub der Flammen.


1315

1315

München-Graggenau - Mümchen-Angerviertel * Die „Freiung“ des Münchner Marktplatzes wird von König Ludwig „dem Baiern“ verbrieft. 

Damit kann nicht nur die zunehmende Verengung des Areals gestoppt werden.
Die „Freiung“ stellt vielmehr die Übertragung des Nutzeigentums der Immobilie Marktplatz auf die Kommune dar.


1320

Um 1320

London * Wilhelm von Ockham übersiedelt nach London, wo er im „Studienhaus der Franziskaner“ unterrichtet.


1323

Um April 1323

Nürnberg * Herzog Leopold von Österreich übergibt König Ludwig dem Baiern in Nürnberg die Reichskleinodien. Die Insignien der Macht werden umgehend in Ludwigs Residenzstadt München gebracht und in der eigens für diesen Anlass neu ausgestatteten Lorenzkapelle im Alten Hof untergebracht. Die Reichsinsignien werden dort bis 1350 aufbewahrt.

12. November 1323

Vienne * Papst Johannes XXII. bezieht auf dem Konzil von Vienne abschließend Stellung zur sogenannten Armutsfrage. Die Lehre, wonach Christus und die Apostel kein Eigentum besessen haben, sei eine Entstellung der Evangelien, womit diese Lehre grundsätzlich für irrtümlich und ketzerisch erklärt wird.


1324

1324

Avignon * Wilhelm von Occham reist nach Avignon, um sich dem gegen ihn angestrengten Prozess zu stellen.


1326

Ab 1326

München-Graggenau * Im Umkreis des „Franziskanerklosters“ und des „Alten Hofs“ lebt Dr. Marsilius von Padua.

Der Arzt, Jurist und Theologe ist der Autor des „Defensor pacis“.
Er begründet darin die politische Theorie vom Vorrang des weltlichen Herrschers über die Kirche, die letztlich auch zur „Säkularisation“ beitragen soll.

1326

Avignon * Im abschließenden Gutachten werden von 51 Lehrsätzen Occhams 29 als „häretisch oder irrig“, die übrigen 22 als „möglicherweise falsch“ bezeichnet.

Unter anderem wurde Ockham des „Pelagianismus“ für schuldig befunden.
[Der „Pelagianismus“ lehrt, dass die menschliche Natur – von Gott stammend – auch göttlich ist und dass der sterbliche Wille in der Lage sei, ohne göttlichen Beistand zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Damit steht seiner Verurteilung durch Papst Johannes XXII. nichts mehr im Wege, doch Ockham bleibt bis 1328 als Angeklagter in Avignon und es kommt aus unbekannten Gründen zu keinem Urteil.


1327

13. Februar 1327

München-Angerviertel * Beim „ersten Hahnenschrei“ bricht im „Angerkloster“ ein Feuer aus, das zum verheerendsten „Stadtbrand“ der Geschichte Münchens wird. 

Fast ein Drittel der Stadt wird ein Opfer der Flammen. 

Dreißig Menschen sterben bei dem Großfeuer. 

14. Februar 1327

München * Verheerend wirkt sich der große „Stadtbrand“ aus.

Er erfordert einen Neubau von „Franziskaner-Kloster“ und „Klosterkirche“, der erst nach großzügigen Spenden der „Kaufmannsfamilie“ Ridler im Jahr 1392 abgeschlossen werden kann.

1. Dezember 1327

Avignon * Der Ordensgeneral der Franziskaner, Michael von Cesena, trifft, von Papst Johannes XXII. nach Avignon zitiert, in der Stadt ein. Er wohnt dort im Franziskanerkonvent, wo auch Wilhelm von Ockham untergebracht ist.

Ockham, der sich bisher auf theologische und philosophische Fragen konzentriert hatte und kirchenpolitisch kaum hervorgetreten war, sieht sich zur Auseinandersetzung mit dem Armutsstreit veranlasst. 

Michael von Cesena überzeugt Wilhelm von der Richtigkeit der Armutsforderung und dass die gegenteiligen Verordnungen des Papstes häretisch sind. Daraus ziehen die beiden Franziskaner die Konsequenz, dass der Papst vom wahren Glauben abgefallen sei.


1328

Ab 1328

München-Graggenau * Michael von Cesena, der anno 1316 zum „Generaloberen der Franziskaner“ gewählt worden war und der wegen der „Armutsfrage“ in Konfrontation mit Papst Johannes XXII. steht, lebt im „Franziskaner-Kloster“.

20. Juli 1328

Avignon * Wilhelm von Ockham wird von Papst Johannes XXII. exkommuniziert. Er wird nun zu einem Vorkämpfer der Gegner des Papstes und beginnt sich intensiv mit politischen und kirchenrechtlichen Grundsatzfragen zu befassen. Insbesondere dem Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht und den Grenzen der Befugnisse des Papstes.


1329

1329

München-Graggenau * Da bei den Beerdigungen sogenannte „Stol-Gebühren“ fällig werden, kommt es zum Streit zwischen den „Franziskanern“ und der Pfarrgeistlichkeit von „St.-Peter“ und „Unserer Lieben Frau“.

Man einigt sich auf einen Modus: Die für den „Franziskaner-Friedhof“ bestimmten Leichen müssen zuvor in den zuständigen Pfarrkirchen ausgesegnet werden.
Anschließend werden sie in einer „Prozession“ zur „Franziskaner-Begräbnisstelle“ überführt.


1330

Um 1330

München-Graggenau - München-Angerviertel * Das sogenannte „Gries“ wird in die Stadtmauer einbezogen und durch das „Isartor“ abgeschlossen.

Das „Isartor“ war damit offensichtlich der letzte Baustein in der Mauer und der Abschluss der Stadterweiterung.  

Nun kann auch eine „Torwache“ für das „Porta nova in valle“, dem „Neuen Tor im Tal“, bestellt werden. 

1330

München-Graggenau * Von besonderer Bedeutung für den Franziskaner-Konvent wird nun eine wertvolle Reliquie, nämlich ein Oberarmknochen des heiligen Antonius von Padua. Er ist als Geschenk Kaiser Ludwigs des Baiern nach München gelangt, jedoch in der Zeit der Großen Pest angeblich eingemauert worden.


1338

1338

München * Eine „Kammerrechnung“ vermerkt erstmals das Kapitel „Ysertor in custodia“, also für die „Bewachung des Isartores“.  

Das ist zugleich auch der erste Beleg für die Bezeichnung „Isartor“


1342

8. Mai 1342

München * Kaiser Ludwig IV. der Baier erteilt der Stadt in einem 2. Gunstbrief die volle Zuständigkeit und Entscheidungsgewalt in allen Bauangelegenheiten. Bisher besaß die Kommune dieses Recht nur für den Marktplatz [siehe 4. Mai 1315].

Kaiser Ludwig vereinbart mit der Stadt - zur Verhütung von Bränden - das Verbot der feuergefährlichen Stroh- und Schindeldächer. Neu erbaute Häuser und Stadel sollen künftig mit Ziegeln gedeckt und - wenn der Bauherr das erforderliche Vermögen besitzt - auch die Wände aus Stein gemauert werden. Schmieden, die nicht aus Mauerwerk bestehen, werden abgerissen.

Durch strenge Strafbestimmungen soll der Ausbruch von Bränden verhütet werden. Feuergefährliche Betriebe müssen vor die Stadtmauern. 


1343

1343

München-Graggenau * Der „Bürgerbrunnen“, der spätere „Fischbrunnen“, wird erstmals genannt.

In dieser Bezeichnung kommt seine zentrale Bedeutung für die ganze Bürgerschaft zum Ausdruck.


1347

9. April 1347

München-Graggenau * Wilhelm von Ockham, der berühmte mittelalterliche Philosoph, Theologe und kirchenpolitische Schriftsteller stirbt in München als „Exkommunizierter“.


1363

21. Januar 1363

München * Erstmals werden die Stadtviertel Münchens in lateinischer Sprache benannt.
Es sind dies

  • das quarta fori pecorum, das Viertel des Rindermarktes,
  • dann das quarta secunda ad gradus superioris institarum, das Zweite Viertel zu den oberen Kramen,
  • weiter das quarta tercia apud fratres heremitanos, das Dritte Viertel bei den [Augustiner-] Eremiten,
  • und zuletzt das quarta ultima apud Chunradum Wilbrechtum, das Letzte Viertel beim Konrad Wilbrecht.

Das Tal schließt sich als eigener Bereich an, der jedoch nicht als Viertel bezeichnet wird. 


1375

1375

München-Graggenau * Mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Münchner Patriziersohns Vinzenz Ridler kann eine umfassende Renovierung der „Franziskaner-Klosterkirche“ abgeschlossen werden.


1378

1378

München-Graggenau * Der „Bürgerbrunnen“ heißt jetzt „Marktbrunnen“

Er steht vor dem Haus des Hans Impler, an der Stelle des heutigen „Fischbrunnens“.


1380

1380

München-Graggenau - München-Angerviertel * Aufgrund seiner Zweckbestimmung als „Zollstätte für den Einfuhrzoll“ wird das „Isartor“ nun auch „Zolltor“ genannt.  

Das „Isartor“ besteht zunächst nur aus dem vierzig Meter hohen, sechsgeschossigen Turm.  
Die spitzbogigen Torgewölbe sind gerade so breit, dass ein Planwagen die Durchfahrt passieren kann.  
Der Zugang zum Turm befindet sich, leicht erhöht, innerhalb der gewölbten „Torhalle“.  

Vor dem Tor muss erst der von Bächen bewässerte „Stadtgraben“ überwunden werden.  
Über die Wasserfläche führen hölzerne Brücken, deren letztes Stück - unmittelbar vor dem Portal - als „Zugbrücke“ hochgeklappt werden kann.  

Beim Turm des „Isartores“ kann man noch heute sehr gut den ins Mauerwerk eingelassenen Führungsschacht eines „Fallgitters“ erkennen, dessen Einzelstäbe aus jeweils 10 bis 15 Zentimetern starkem Eichenholz bestanden haben. 


1385

1385

München-Graggenau * Die „Franziskaner- Mönche“ beziehen  - nach einem jahrzehntelangen Provisorium - wieder einen richtigen „Konventbau“.


1386

1386

München * Die „​alt Schöttin" wird als Hexe aus der Stadt gejagt.


1388

26. Mai 1388

Andechs * Auf dem halbverfallenen Burgberg in Andechs machen die Herzöge Stephan und Johann unter dem Altar zufällig einen Fund. Sie entdecken eine eisenbeschlagene Holztruhe, die selbst 150 Jahre nach der Zerstörung der Andechser Burg, nicht einmal nennenswert Rost angesetzt hat, und in welcher zahlreiche Reliquien eingelagert sind. Darunter befinden sich  

  • drei Hostien,  
  • das Spottzepter und  
  • das Schweißtuch Christi,  
  • ein Teil der Dornenkrone,  
  • ein Stück der Lanze des Longonius,  
  • das Brautkleid und das Kreuz der heiligen Elisabeth,  
  • das Siegeskreuz Karls des Großen,  
  • sowie zahlreiche Hirnschalen, Rippen, Fuß- und Armknochen.  

Allerdings war bis zu ihrem wundersamen Auftauchen von diesen Reliquien niemals die Rede.  

Die baierischen Herzöge bringen das Schatzkästlein samt Inhalt in die Lorenzkapelle des Alten Hofes. Die Kapelle hat schon vorher zur Aufbewahrung der Reichsinsignien gedient. Der Aufbewahrungsort und die Art der Reliquien sind eine bewusste Anspielung auf die verlorenen Reichsinsignien.  

Ob es Zufall oder ein geschickt eingefädelter Coup ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Auch deshalb, weil gleichzeitig eine Vernebelungstaktik beginnt. Die Einträglichkeit eines solchen Fundes ist den Herzögen freilich bekannt. Und der seit 1385 begonnene Bau der Neuen Veste kostet viel Geld. 


1389

7. März 1389

München-Graggenau * Erstmals wird die „neue veste“, die künftige Residenz, genannt. 

Um den 6. Dezember 1389

München-Graggenau * Die Andechser Heiltümer kommen nach München und werden in die Lorenzkirche im Alten Hof gebracht. Die Reliquien werden zeitweise der Öffentlichkeit gezeigt. Zahlreiche päpstliche und bischöfliche Ablässe werden erteilt. 


1390

18. März 1390

Andechs - München-Graggenau * Erstmals wird das Andechser Heiltum, die Andechser Reliquien, in der Lorenzkirche im Alten Hof zu München öffentlich gezeigt. 

6. April 1390

München-Graggenau * Berthold von Wehingen, der Bischof von Freising, gewährt allen Gläubigen, die  

  • die herzogliche „Lorenzkapelle“ besuchen und die „Andechser Reliquien“ bewundern,  
  • dort beichten und  
  • ein Almosen opfern,  

einen „vollen Ablass“ ihrer weltlichen Sünden.  

Entscheidend für die Anziehungskraft der „Andechser Reliquien“ ist die ihnen zugesprochene Fähigkeit Wunder zu wirken. 


1392

1392

München-Graggenau * Die Umbauarbeiten am Vorläuferbau des „Alten Rathauses“ dauern bis 1394. 

Es wird ein Saal eingebaut, der in der folgenden Bürgerrevolution Tagungsort des „Großen Rats der Dreihundert“ ist. 

Ab 17. März 1392

Rom-Vatikan - München * Papst Bonifaz IX. gewährt für die Zeit vom 17. März bis zum 1. August 1392 einen auf München und seinen Burgfriedensbezirk beschränkten Ablass.  
Er gilt für alle Sünden, außer für vorsätzliche Tötungen.  

Es war das erste „Gnadenjahr“ außerhalb Roms.  

Die Ablasserbitter müssen in dieser Zeit  

  • nach München pilgern,  
  • dort sieben Tage verweilen,  
  • je dreimal die Frauenkirche,  
  • die Peterskirche,  
  • die Jakobskirche am Anger und  
  • die Spitalskapelle besuchen und  
  • mindestens einmal die ausgestellten Reliquien verehren,  
  • beichten und  
  • ein vom Beichtvater festgelegtes Almosen spenden.  

Die ganze Aktion ist nur darauf angelegt, dieses „Almosen“, eine versteckte Steuer, den Gläubigen aus der Tasche zu ziehen.  
Der Zugang zum Himmel muss mit barem Geld erkauft werden.  

Der Kirche ist es höchst effektvoll gelungen, den um ihre arme Seele fürchtenden Gläubigen einzureden, sie könnten sich durch Beichte und milde Gabe von der Strafe des Fegefeuers loszukaufen:  
„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“  

Nonnen wollen trotz Klausur nach München.
Ihre Kirchenoberen können es ihnen nur unter Androhung der Exkommunikation und des Kerkers verbieten.  
Damit die Pilger ihr Geld nur an die vorbestimmte Stelle bringen, wird eine eigene Straßenpolizei gegründet.  

Die Masse der kleinen Leute ist es, die das Geld nach München bringt.  
Die Geschäftsleute Münchens machen einen enormen „Schnitt“.  
Auch die „Jakobidult“ erlebt ab dem Gnadenjahr einen ungeheueren Aufschwung.  

Ursprünglich hat man geplant, die Einnahmen je zur Hälfte den genannten Kirchen und dem Papst zuzugestehen.  
Später wird auch Herzog Stephan ein Viertel zugesprochen.  

Da die Münchner einen Teil der Einnahmen abzweigen und der Papst dadurch leer ausgeht, werden über die „ruchlose Stadt“ die höchsten Kirchenstrafen verhängt: „Bann und Interdikt“.  
Das gesamte kirchliche Leben der Stadt muss solange ruhen, bis die Gelder zurückerstattet werden. 


1394

1394

München-Graggenau * Die Franziskaner-Klosterkirche „St. Franziskus“ wird dem heiligen „St. Antonius von Padua“ geweiht.

Durch den Bau der Ringmauer liegt das „Franziskaner-Kloster“ inzwischen geschützt innerhalb der Stadt.

1394

München-Graggenau * Im Münchner „Franziskaner-Kloster“ wird der „Arm des heiligen Antonius“ wiederentdeckt.  

Nach ihrer Wiederauffindung des in der Zeit der „Großen Pest“ eingemauerten Oberarmknochens bildet die „Reliquie des hl. Antonius“ das Ziel zahlreicher Wallfahrer.  
Den „Antonius-Arm“ hatte Ludwig IV. „der Baier“ nach München gebracht, doch während eines Stadtbrandes ist er „verloren“ gegangen.  

Die „Franziskaner“ wollen mit dem „Antonius-Arm“ an den Triumph der „Andechser Reliquien“ anknüpfen.  

Doch der „Antonius-Reliquie“ gelingt es nicht, München zum „Wallfahrtsort“ zu machen.


1395

1395

München-Graggenau * Das Ridler-Seelhaus an der Hinteren Schwabinger Gasse [= Theatinerstraße] verlegt ihren Sitz an die Vordere Schwabinger Gasse [= Residenzstraße]. 


1398

1398

Paris * Ein Gutachten der Pariser „Theologischen Fakultät“ wertet alle Zauberei als „Götzen- und Teufelsanbetung“


1402

1402

Paris * „Magie“, so ein Traktat, kann immer nur mit Hilfe des Teufels ausgeübt werden und ist deshalb als „Apostasie“ [= Abfall vom Glauben] und „Ketzerei“ [= das Abweichen von einer allgemein als gültig erklärten Meinung] zu bewerten. 


1405

Ab 1405

München-Graggenau * Zu einem weiteren spirituellen Anziehungspunkt des Franziskaner-Klosters wird das Grab des am 29. April 1327 im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Fraters Marquard Weismaler. Seine irdischen Überreste werden in einem Schrein auf den Altar erhoben und verehrt.


1407

1407

Andechs * Die „Andechser Reliquien“ werden wieder nach Andechs gebracht.  

Damit ist der Versuch, die „Andechser Reliquien“ fest in München zu etablieren, fehlgeschlagen. 


1409

1409

München-Graggenau * Erstmals wird ein herzoglicher „Pawmgarten auf dem Pachh“ erwähnt.  

Er liegt östlich der um 1385 erbauten „Neuveste“


1415

1415

München-Graggenau * Der „Weinschenk“ und „Salzsender“ Jakob Klewber besitzt in der Wein- und Landschaftsstraße ein Haus.

An seiner Stelle befindet sich heute am „Neuen Rathaus“ das „Kloiber-Eck“ mit der plastischen Darstellung eines Holzhackers („kloiben“ = Holz hacken).


1418

22. April 1418

München * Ein verheerendes Großfeuer zerstört weite Teil der Stadt.


1420

Um das Jahr 1420

Paris * Der nächste Schritt zur Kriminalisierung der „Magie“ kristallisiert sich zwischen 1400 und 1430 heraus und ist eine Folge der politisch motivierten „Magie- und Schadenszauberprozesse“ am französischen Königshof.

Eine neue Tätergruppe wird gefunden in den „gotteslästerlichen, die göttliche wie obrigkeitliche Ordnung verleugnende Ketzersekte der schadenstiftenden Hexen“, die sich zu ihren nächtlichen „Verschwörungsorgien“ an „heimlichen Orten“ auf „allerlei Fluggeräten“ auf den Weg machen.

Daraus leitet sich ab: der „Pakt“, die „Buhlschaft“, der „Flug“, der „Sabbat“ und der „Schadenszauber“.

Das ist der Beginn einer breiten „Hexenverfolgung“ in den Tälern der Westalpen. 


1422

1422

Au * Eine „Wasserstube am Gasteigberg“ wird erstmals genannt.


1425

Um 1425

Norditalien - Mittelitalien * Bernardino von Siena, ein „franziskanischer Bußprediger“, der später „heiliggesprochen“ wird, predigt auf seinen „Missionsreisen“ durch Nord- und Mittelitalien vehement gegen „Juden“, „Häretiker“, „Sodomiten“ und „Ehebrecher“.

Auch glaubt er, überall auf „magische Praktiken, Wahrsagerei, Zauberei und das Wirken von Dämonen“ zu treffen.
Er bezeichnet die „Hexerei“ als eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, für dessen Duldung Gott die Menschheit hart bestrafe.

Seine Zuhörer fordert der „heilige Mann“ auf, die „Hexen, Wahrsager und Zauberer“ aufzuspüren und zu vernichten.
Seine Predigten enden regelmäßig in regelrechten Verfolgungen und Hinrichtungen.

Das „Verfolgunsgebiet“ ist so erweitert worden. 


1427

1427

München - Wolfratshausen * Die „schöne Ursel“ von Wolfratshausen wird als Hexe aus der Stadt gejagt, weil sie den „Pfaffen der Pötschnermesse“ so bezaubert hat, dass dieser Messgewänder und das Messbuch an die Juden versetzt.


1429

24. April 1429

München * Ein Brand legt große Teile der Stadt in Schutt und Asche.


1430

1430

Savoyen * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, der spätere „Gegenpapst“ Felix V., lässt einen fünfbändigen Entwurf für einen „christlichen Idealstaat“ erarbeiten.

Darin dürfen keinerlei „Normverstöße“, erst recht keine „Gotteslästerung, Häresie und Zauberei“ geduldet werden.
Als weltlicher Herrscher führt er in seinem Herzogtum bereits schärfere Gesetze gegen „sittliche und religiöse“ Verstöße ein.

Dabei führt Herzog Amadeus - „der Friedfertige“ - das „inquisitorische Verfahren“ gegen „Ketzer“ wie gegen „Zauberer“ ein und ermuntert seine Amtsleute, mit „dominikanischen und franziskanischen Inquisitoren“ zusammenzuarbeiten. 


1431

1431

München * Dem „Zauberer“ Schneider werden wegen „unchristlicher Buberei“ die Augen ausgestochen und die Zunge abgeschnitten.


1432

Vor dem 29. Mai 1432

München-Graggenau * Den bei der Münchner Einwohnerschaft beliebten Franziskaner Barfüßern fließt innerhalb weniger Generationen ein stattliches, ständig wachsendes Vermögen zu. Zahlreiche Adelige und Bürger stiften dem Kloster sogenannte Jahrtage mit regelmäßigen Reichnissen in Naturalien und Bargeld. Das führt schnell zur Verwahrlosung der Klostersitten, sodass sich der Münchner Rat zum Einschreiten veranlasst sieht. 


1439

5. November 1439

Basel * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, genannt der Friedfertige, wird zum Gegenpapst Felix V. gewählt, aber lediglich von Baiern, Aragonien, Ungarn und der Schweiz in dieser Funktion anerkannt. 


1442

1442

München * Herzog Albrecht III. vertreibt alle Juden aus dem Teilherzogtum München-Oberbaiern.

Die „Synagoge“ wird in eine „Marienkapelle“ umgewandelt.

Die Vertreibung bedeutet zudem das Ende der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in München.


1450

Um 1450

München-Graggenau - München-Angerviertel * Das „Isartor“ erhält sein größtes Ausmaß.  

Diese Erweiterung und Verstärkung ist notwendig geworden, nachdem sich die Waffentechnik der Angreifer grundlegend geändert hat.  
Die aufkommenden „Pulvergeschütze“ entwickeln sich zu einer gefährlichen Bedrohung für die herkömmlichen Burg- und Stadtmauern.  

Die Verstärkung wird erreicht, indem man eine zweite Mauer in einem Abstand von sieben bis neun Metern parallel vor die bestehende „Stadtmauer“ baut.
Diese sogenannte „Zwingermauer“ ist mit durchschnittlich vier bis fünf Metern nur etwa halb so hoch wie die „Hauptmauer“.  
Den Zwischenraum innerhalb der beiden Mauerführungen, der bis zu zwei Meter hoch aufgeschüttet ist, bezeichnet man als „Zwinger“.  

Gleichzeitig müssen nach dem selben Prinzip natürlich auch die „Haupttore“ verstärkt werden.  
Dazu werden dem bestehenden „Hauptturm“ - im Zuge der „Zwingermauer“ - zwei „Vortürme“ vorgelagert.  

Die beiden achteckigen und drei Geschosse hohen „Flankentürme“ sind durch ein hohes Mauerwerk, einer sogenannten „Barbakane“, miteinander verbunden.  
Dadurch entsteht eine nach innen und außen abgeschlossene „Torburg“.  

Jeder, der diesen „Torzwinger“ betritt, musste freilich damit rechnen, dass er hier gefangen gesetzt werden kann, wenn vor ihm die „Fallgatter“ im „Torturm“ und hinter ihm im sogenannten „Vortor“ niederrasselten.  
Anstelle der heutigen drei „Torbögen“ muss man sich ein „Mittelportal“ als „Zugang“ beziehungsweise „Zufahrt“ und je eine seitliche „Schlupfpforte“ vorstellen.  
Vor dem „Isartor“ überwölbt eine Brücke den „Stadtgrabenbach“.  
Rechts von der „Tordurchfahrt“ befindet sich das „städtische Zollhaus“.  

Die am „Isartor“ eingenommenen Zölle: „Brückenzoll“, „Wasserzoll“, „Salzzoll“, „Pflasterzoll“ und „Zoll für das Trockengut“ sind die für die Stadt Einträglichsten.  

Im Gebäude links von der „Tordurchfahrt“ ist der „Stadtwagner“ untergebracht, der auch für die Instandhaltung und für das Aufziehen und Niederlassen der vor dem „Isartor“ gelegenen „Zugbrücke“ verantwortlich ist.  

Die mit Eisen beschlagenen Torflügel werden bei Tagesanbruch geöffnet und bei Sonnenuntergang mit Riegeln verschlossen.  

Ab dem „Vesperläuten“ gilt die „kleine Torsperre“.  
Wer danach aus oder in die Stadt will, musst dafür bezahlen.  

Die Glocken der „Frauenkirche“ verkündeten im Sommer um 22 Uhr, im Winter eine Stunde früher, die „große Torsperre“.  
Denn in der Nacht ist München hermetisch verrammelt. 


1454

1454

München * Der Münchner Henker muss zwei Frauen wegen „Zauberei“ auf den Pranger stellen und sie dann aus der Stadt treiben.

16. September 1454

München-Graggenau * Der Franziskaner-Pater Johann von Capistran predigt auf dem Schrannenplatz so eindringlich, dass sich angeblich „gemeine Töchter“ [= Prostituierte] zum Besseren bekehren und Münchner ihre Spielbretter und Karten verbrennen. Der Asket erhält dafür von der Stadt ein üppiges Gastgeschenk in Form von Wein, Fischen und Fleisch [!] und reist am selben Tag wieder ab. Doch kaum eine Woche später geben sich die Stadtbewohner wieder den Lustbarkeiten hin. 


1455

1455

München * Der Arzt und Schriftsteller Dr. Johann Hartlieb verfasst für den Markgrafen Johann von Brandenburg-Kulmbach ein „Puoch aller verpoten kunst und ungelaubens und der zaubrey“

Johann Hartlieb ist mit Sibilla verheiratet, der illegitimen Tochter von Herzog Albrecht III. und Agnes, und schon deshalb eng mit dem Münchner Hof verbunden.


1460

1460

München-Graggenau * Nach einem Blitzschlag in den Rathausturm und dem anschließenden Brand ist der Gebäudekomplex des Rathauses stark in Mitleidenschaft gezogen, weshalb man über einen Neubau nachdenkt. 

1460

München * Weil Sebolt Schönmacher mit seiner „Alchemie“ etliche Bürger geschädigt hat, muss er schwören und versprechen, „zeitlebens nicht mehr in die Stadt und in das Land zu kommen“.


1467

1467

Au * Der städtische „Brunnenmeister“ und seine Knechte arbeiten an der am „Gasteigberg“ gelegenen „Wasserstube“ und am Rohrleitungssystem.


1469

1469

München-Graggenau * Die Nachfolger des Baiernherzogs Albrecht IV. erweitern die „Neuveste“ und bauen sie zu ihrer ständigen Residenz - als Ersatz für den „Alten Hof“ - aus.

Damit befindet sich das „Franziskanerkloster“ in unmittelbarer Nachbarschaft zur „Residenz“ und kann von dort aus sogar direkt betreten werden.

1469

München * Der Henker muss die „Huntlerin“, eine „Zauberin“, aus der Stadt treiben.


1470

1470

München-Graggenau * Jörg von Halspach, der als „Obrist-Maurer“ auch die „Frauenkirche“ erbaut, beginnt mit dem Neubau des [Alten] „Rathauses“.

Sein Vorhaben konzentriert sich auf den nördlich des „Rathausturmes“ anschließenden Trakt, in dem in der Erdgeschosszone ein neues „Stadtgefängnis“ und ein von allen städtischen Bäckern bedientes „Brothaus“ entsteht.

Über der Sockelzone des Neubaus wird ein großer „Fest- und Tanzsaal“ geschaffen, der dem Repräsentationsbedürfnis der Bürgerschaft und der Stadtherrschaft dient. 

Dazu muss zuvor der „Saalbau“ des ersten Münchner „Rathauses“ abgerissen werden.


1474

1474

Rom-Vatikan * Heinrich Institoris wird zum „Inquisitor der oberdeutschen Ordensprovinz“ ernannt.

Das ist das deutschsprachige Gebiet zwischen Böhmen und Frankreich, Vorderösterreich, der deutschsprachigen Schweiz und dem Elsass. 

1474

München-Graggenau * Das „Richtfest“ für den „Fest- und Tanzsaalbau des Alten Rathauses“ wird gefeiert. 


1475

Um 1475

München-Graggenau * Über die Zulässigkeit der regelmäßigen Einkünfte und über den Umgang mit ihrem Grundbesitz kommt es innerhalb des „Franziskaner-Ordens“ zum Streit.

1475

München-Graggenau * Das „Alte Rathaus“ wird mit Lärchenschindeln gedeckt.

Inzwischen haben auch die Arbeiten für den „Fest- und Tanzsaal“ begonnen.
Der Saal nimmt mit seinen 31 x 17 Meter das gesamte Obergeschoss ein.

Eine „Himmelsleiter“ führt vom Marktplatz direkt in den Saal.
Das Tonnengewölbe ist 10,5 Meter hoch und mit Tannenbrettern verschalt.

Hier ist der Ort, an dem die „Moriskentanzfiguren“ von Erasmus Grasser aufgestellt werden. 

7. April 1475

München * Nachdem den Bürgern die Anzahl der Schweine und die damit verbundene Verunreinigungs- und Geruchsbelästigung zu hoch geworden ist, verbietet der Rat der Stadt die Schweinehaltung in der Innenstadt ganz und schränkt sie in der äußeren Stadt auf sechs Stück je Schweinehalter ein. 


1476

1476

München-Graggenau * Die Ausschmückung des „Fest- und Tanzsaales“ im „Alten Rathaus“ beginnt. 

Hier werden Erasmus Grassers „Moriskentanzfiguren“ aufgestellt. 


1477

1477

München-Graggenau * Die „heraldische“ Ausschmückung des „Fest- und Tanzsaales im Alten Rathaus“ ist fertiggestellt. 


1480

1480

München * Erasmus Grasser rechnet mit der „Stadtkammer“ die Herstellung von 16 „Moriskentänzern“ für das „Alte Rathaus“ ab.

1480

München-Graggenau * Der Oberarmknochen des „heiligen Antonius von Padua“ wird in einem spätgotischen „Reliquiar“ gefasst. 

1480

München-Graggenau * Der regierende Herzog Albrecht IV. zwingt - mit päpstlicher Genehmigung und mit Ausnahme von drei reformwilligen Mönchen - die „Konventualen“ zum Abzug und initiiert gemeinsam mit Papst Sixtus IV. eine Reform des Münchner „Franziskanerordens“.

Das Kloster übernehmen nunmehr Pater der „alten Observanz“. Seit dieser Zeit gehen auch die anfallenden Baulasten des Klosters zu Lasten des Herzogs, da den „Observanten“ nach der strengen Auslegung der Armutsregel jedes Eigentum an den Gebäuden untersagt ist.

1480

München-Graggenau * Das „Pütrich-Seelhaus“ und das „Ridler-Seelhaus“ schließen sich - nicht ohne äußeren Zwang - den „Franziskanern“ an.

Nach 1480

München-Graggenau * Die Münchner „Franziskaner“ leben nach der Klosterreform in erster Linie von „Almosen“.

Ihre „Klosterbrauerei“ entsteht erst nach Einführung der strengen „Observanz“ als neuer Erwerbszweig. Traditionell bilden zudem die Gebühren für Bestattungen und dem Lesen von Messen auf dem bei den Münchner Bürgern beliebten „Klosterfriedhof“ eine Einnahmequelle.

Als neuer „Hausbetrieb“ entsteht im Münchner Kloster eine „Tuchmanufaktur“.
Sie beliefert die gesamte Provinz mit Stoffen für den „Habit und Wolldecken“.

An handwerklich ausgebildeten „Laienbrüdern“ mangelt es nicht, verfügt doch der umfangreiche Konvent durchschnittlich über siebzig Mönche.
Auch das „Studium der Kleriker“ findet im eigenen Haus statt.

14. August 1480

München * Die Stadt zahlt 150 Pfund 4 Schilling an Meister Erasmus Grasser für die Herstellung von 16 Moriskentanzfiguren für den Festsaal im Alten Rathaus. 


1481

Ab 1481

Konstanz * Die „Verfolgungskampagne“ des Heinrich Institoris, des „Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz“, in der „Diözese Konstanz“ ist - nach seinen eigenen Angaben - erfolgreich verlaufen.

Zwischen 1481 und 1485 werden hier 48 Frauen als „Hexen“ hingerichtet. 


1484

1484

Rom-Vatikan * Der Verfasser des „Hexenhammers“, Heinrich Kramer [„Henricus Institoris“], erwirkt von Papst Innozenz VIII. die Bulle „Summis desiderantes“, in der er die von „Hexen“ begangenen Schäden beklagt, die in den „Erzbistümern“ Köln, Mainz, Trier, Salzburg und Bremen aufgetreten sein sollen.

Gleichzeitig kritisiert er den Widerstand, mit dem viele Städte und Territorien eine „Hexenverfolgung“ verweigern. 

1484

Rom-Vatikan * Papst Innozenz VIII. erlässt eine „Hexenbulle“.


1485

1485

Brixen * Die „Hexenverfolgung“ des Heinrich Institoris, des „Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz“, in der „Diözese Brixen“ scheitert, nachdem der dortige Bischof für den Abbruch des Verfahrens sorgt und Institoris hinaus wirft.

Seine Prozessführung ist offensichtlich so wirr, rechtsbrüchig und skandalös, dass der Bischof keinen anderen Weg als diesen sieht. 


1486

1486

Speyer * Der berüchtigte „Hexenhammer - Malleus maleficarum“, ein „Lehrbuch des Hexenglaubens und der Hexeninquisition“, wird veröffentlicht.

Der „Dominikanermönch“ Heinrich Institoris, der zudem „Inquisitor der oberdeutschen Ordensprovinz“ ist, schreibt das Buch, nachdem er mit einer Inquisition in Innsbruck in der „Diözese Brixen“ gescheitert ist.

Nach dieser Niederlage will er seine Position stärken und die „Hexenverfolgung“ vor deren Gegnern zu rechtfertigen.

Das Buch wird als Vorbild für die künftig in Deutschland geführten „Hexenprozesse“ dienen und wird bis ins 17. Jahrhundert hinein in 29 Auflagen erscheinen. 


1487

1487

Udine * Erstmals wird in Udine eine Bronzemadonna auf eine Marmorsäule gestellt. 

1487

Nürnberg * Der „Dominikanermönch“ Heinrich Institoris veröffentlicht den „Hexenhammer“ genannten „Malleus Maleficorum“ und schafft damit eine ausgeklügelte, systematische „Hexenlehre“.

1487

Mittenwald * Die Venetianer Kaufleute verlassen Bozen als ihren Hauptstapelplatz für Waren nach einem Streit mit der dortigen Regierung. 

Als Ersatzstandort erwählen sie Mittenwald, in dem sie bis 1679 den sogenannten „Bozener Markt“ abhalten und die „welschen“ - sprich fremden - Waren angebieten, verkaufen und verfrachten.

Auf Saumtieren und Karren werden die Güter über die steilen Gebirgspässe gebracht und gelangen schließlich über Zirl und Seefeld hinab nach Scharnitz und Mittenwald.
Den Weitertransport übernehmen heimische Fuhrleute.

Gehandelt wird mit: Gewürzen, Südfrüchten, Ballen mit Baumwolle, Pfeffersäcke, Säcke mit Johannisbrot, Safran und Ingwer, Ballen mit Schreibpapier, Borten, Schleier, Ölfässer, Fässer mit Feigen, Zucker, Welsch- und Etschwein. 

Um 1487

Bozen * Herzog Sigmund von Tirol lässt auf dem „Bozener Markt“ 130 venezianische Kaufleute verhaften und erklärt darüber hinaus der „Republik Venedig“ den Krieg.

Aus diesem Grund schlagen die venezianischen Händler ihre Kaufstände seither im bischöflich-freisingischen Mittenwald auf.


1488

1488

München * Herzog Albrecht IV. schließt mit Hans von Degenberg einen „Erbschaftsvertrag“, wonach beim Aussterben der Degenberger in der männlichen Linie deren gesamter Herrschafts- und Besitzkomplex in den Besitz der Wittelsbacher übergeht.


1489

27. Dezember 1489

München-Graggenau * Die Pfarrer der Peterskirche und der Frauenkirche beschweren sich bei den Franziskanermönchen, dass diese durch ihre Predigten eine scharfe geistliche Konkurrenz gegenüber den weltlichen Stadtpfarreien ausüben. 

Man einigt sich darauf, dass die Franziskaner zu bestimmten Zeiten das Predigen an Vormittagen unterlassen. 


1491

2. Oktober 1491

Nürnberg * Ein Gutachten des Dominikaners Heinrich Institoris über die Verfolgung von Hexen in der Reichsstadt Nürnberg, nimmt der Rat sofort unter Verschluss. Für die Nürnberger Juristen sind die Ansichten des Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz nicht zu realisieren. 


1492

1492

München * Andrea de Franceschi, der spätere „Großkanzler von Venedig“, beschreibt München als eine vornehme Stadt, „citta noblissima“, mit prächtigen, mit Kieslsteinen gepflasterten Straßen und mit breiten Plätzen, in deren Mitte sich Brunnen befinden.

1492

München-Graggenau - München-Lehel * Als sichtbaren Ausdruck ihrer Anteilnahme am Leben des Klosters stiftet Herzog Albrecht IV. und seine Gemahlin Kunigunde von Österreich den „Franziskaner-Barfüßern“ einen neuen, von Jan Polack im Stil der Münchner Spätgotik ausgeführten „Hochaltar“.

Er befindet sich heute als ein herausragendes Glanzstück im „Bayerischen Nationalmuseum“.

1492

Walchensee - Königssee * Die „Kesselbergstraße“ wird ausgebaut.

Der holprige Weg vom Walchensee zum Königssee ist bereits seit dem Jahr 1120 als „Königspfad“ bekannt.
Er war allerdings - trotz des Namens - ein wenig einladender „Saumpfad“.

Dieser wird jetzt auf Anregung des Münchner Ratsherrn Heinrich Barth zu einer Straße ausgebaut, die in neun Kehren die beiden Seen miteinander verbindet.

Der aufblühende „Bozener Markt“ in Mittenwald profitiert von dieser neuen Route.
Bisher mussten die Fuhren nach München entweder die häufig überschwemmte Straße durchs „Murnauer Moos“ und das „Loisachtal“ nehmen, oder sie waren auf das enge Tal der Isar angewiesen.


1493

1493

München * Der von Michael Wolgemut gefertigte Holzschnitt in der „Hartmann Schedel‘schen Weltchronik“ ist die älteste Darstellung von München.  

  • Es sind noch keine Isarinseln zu sehen,  
  • dafür wird am unteren Bildrand die am „Gasteigberg“ gelegene „Wasserstube“ gezeigt. 

1500

Um 1500

München-Graggenau * Der „franziskanische Gottesacker“ wird kurz nach dem Jahr 1500 mit einer sechs bis sieben Meter hohen Mauer umgeben.


1508

Um März 1508

München-Graggenau * In der „Schergenstube“ sitzen erneut mindestens zehn Personen wegen eines Angriffs auf das „Frauenhaus“ ein. 


1511

1511

Au * Münchens ältestes „Brunnhaus“, das „Wasserhaus am Isarberg“, wird gebaut und in der Folgezeit mehrmals umgebaut und auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Die aus dem Isarhochufer austretenden Quellen werden gefasst und danach in Bleirohren dem „Brunnhaus“ zugeführt. Mit einem „Wasserhebewerk“ aus Holz wird dann das Quellwasser in einen kupfernen Kessel im obersten Stockwerk des „Wasserturms“ gedrückt.

Vom Kessel wird das Wasser mit Druck „in hölzerne Deichen über die Isar in die Stadt geleitet, und durch unzählige äste vertheilt. Es läßt sich leicht denken, daß bey diesem großen Wasserreichtume, in den vielen Privatgärten an herrlichen Springwässern, kein Mangel sey“.


1515

Um 1515

München-Graggenau * In der Regierungszeit Herzog Wilhelms IV. wird bei der „Residenz“ ein italienischer Ziergarten mit einem zentralen Gartentempel angelegt.  

Er ersetzt den alten „Burggarten“


1517

1517

München * Weder die vorhandenen „Ratsprotokolle“ noch die „Kammerrechnungen“ enthalten den geringsten Hinweis auf das Herrschen einer Pest in München. 

Auf dieses „Pestjahr" geht - angeblich - der im „Glockenspiel des Neuen Rathauses“ dargestellte „Schäfflertanz“ und der „Metzgersprung“ zurück.
Der „Schäfflertanz“ entwickelt sich auch erst im 18. Jahrhundert.


1521

17. April 1521

Worms * Martin Luther wird auf dem Reichstag zu Worms am 17. und 18. April 1521 „angehört“. Er lehnt jeden Widerruf ab, solange er nicht aus der „Schrift“ oder aus Vernunftgründen widerlegt würde. 


1523

1523

München-Graggenau * Am „Marktbrunnen“ wird eine Glocke angebracht.

Mit ihr wird die „Marktzeit“ ein- und ausgeläutet.


1525

Etwa 1525

München-Graggenau * Der „Marktbrunnen“ trägt die Bezeichnung „Fischbrunnen“, weil bei ihm der „Fischmarkt“ stattfindet.


1527

8. Februar 1527

München * Der erste „Wiedertäufer“ wird in München durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. 

Es handelt sich um den „Klosterwagner von Fürstenfeld“ Georg Wagner aus Emmering bei Bruck.

Juni 1527

München * Der aus Weißenburg im Bistum Eichstätt stammende ehemalige Priester Leonhard Dorfbrunner predigt in München als „Wiedertäufer“ und tauft vier Bürger.

12. November 1527

München * Mit Jakob Wagner aus Windach bei Landsberg wird ein weiterer Wiedertäufer auf dem Münchner Richtplatz enthauptet, nachdem er widerrufen hat.

15. November 1527

München * Herzog Wilhelm IV. erlässt ein „Baierisches Landgebot gegen die Wiedertäufer“, in dem er für diesen Personenkreis die Todesstrafe anordnet.


1528

6. Januar 1528

München * 29 Angehörige der Münchner Wiedertäufergemeinde werden verhaftet, verhört und gefoltert. Nur neun Mitglieder bleiben ihrem Glauben treu. Das bedeutet für sie das Todesurteil, das am 30./31. Januar vollstreckt werden wird.

7. Januar 1528

München * Drei Wiedertäufer (Augustin und Christoph Perwamger aus Günzlhofen und Vogach sowie ein Müller aus Mittelstetten) werden in München geköpft, nachdem sie ihren Glauben widerrufen haben.

Um den 15. Januar 1528

München * Ein weiterer Wiedertäufer (Jörg  Prenner aus Schmiechen bei Friedberg) wird mit dem Schwert hingerichtet.

25. Januar 1528

München * Der Wiedertäufer Hans Grintz von Hilzingen, der als Prediger tätig ist, wird nach dem Widerruf seines Glaubens in München enthauptet.

30. Januar 1528

München * In München werden sechs Wiedertäufer, biedere Münchner Handwerker zumeist, die ihrem Glauben treu geblieben sind, „an gewöhnlicher Brandstatt“, in einer eigens gefertigten Stube, verbrannt. Es handelt sich um die Brüder Meister Michel und Meister Caspar, beide Steinmetzen, um einen Scheffle Christoph, um Dietrich Kramer, Melchior Oxenfurter und Jörg Noichinger.

31. Januar 1528

München * Drei Frauen, die der Münchner Wiedertäufergemeinde angehören und ebenfalls zum Brand verurteilt worden sind, werden zuerst in der Isar ertränkt und danach verbrannt. Es sind die Ehefrauen des Schäfflers Christoph und des Dietrich Kramer sowie eine Paungartnerin.

2. Februar 1528

München * Von den zwanzig begnadigten Wiedertäufer werden 19 barfuß, barhäuptig, jeder mit einer brennenden Kerze und ein hölzernes Kreuz tragend vor die Peterskirche und die Frauenkirche geführt. Dort müssen sie in Begleitung von Seelschwestern stehen. Die Prozedur wiederholt sich an den beiden folgenden Sonntagen.

17. Februar 1528

München * Von den zwanzig begnadigten Wiedertäufern werden zehn aus der Haft entlassen. Die restlichen Zehn werden Ende Februar, im März, im Mai und einer erst im August entlassen.

24. April 1528

München * Ein Wiedertäufer namens Buntzer wird in München mit dem Schwert hingerichtet.

27. April 1528

München * Herzog Wilhelm IV. erlässt ein weiteres „Mandat gegen die Wiedertäufer“.


1530

10. Juni 1530

München-Graggenau * Am Abend brennen die Münchner Gastgeber auf dem Schrannenplatz noch ein gewaltiges Feuerwerk ab, wobei man am Schluss ein aus Pappe und Stoff zusammengezimmertes, schlossähnliches Bauwerk den Flammen übereignet. 

11. Juni 1530

München - Perlach * Das Programm für Kaiser Carl V. geht weiter. Die Gäste und die Gastgeber pflegen das Waidwerk und begeben sich zur Hirschjagd auf die Perlacher Haid. Mehr als einhundert Hirsche finden bei dieser eingestellten Jagd den Tod. Der päpstliche Legat Campeggi würdigt das Abschlachten von zuvor eingefangenen Tieren später als „schönste Hirschjagd der Welt“

11. Juni 1530

München-Graggenau * Danach gibt es im Lusthaus im Hofgarten ein Menü. „Um ein Uhr nachts“, nach dem 32. Gang, gibt der Kaiser das Zeichen zum Aufbrechen. Man verlässt den Hofgarten, um anschließend am Tanz im Rathaus teilzunehmen, wo „die schönsten Frauen des Landes bis gegen vier Uhr früh morgens im Reigen sich schwangen“.

Der 70.000 Gulden teuere Prunk und Glanz soll beim Habsburger Kaiser den Eindruck entstehen lassen, dass bei den Wittelsbachern kein Mangel besteht. Das dazu notwendige Geld hat der Baiernherzog Wilhelm IV. ein Jahr zuvor dem Volk als Türkenkriegssteuer abgepresst. 


1532

1532

Regensburg * Die von Kaiser Carl V. erlassene „peinliche Halsgerichtsordnung” - „Constitutio Criminalis Carolina“ - setzt auf „Zauberei“, die den Menschen Schaden zufügt, den „Feuertod“


1534

5. Mai 1534

München * Herzog Wilhelm IV. bittet den Pfalzgrafen Ottheinrich von Pfalz-Neuburg, „Wiedertäufer“ aufzuspüren, sie zu bestrafen und ihnen kein freies Geleit durch sein Land zu geben.


1536

1536

Nürnberg * Der Rat der Reichsstadt Nürnberg verbietet den scheinbar weit verbreiteten „Besuch von Zauberern und Wahrsagern“


1542

1542

München * Die „Agnes auf dem Färbergraben“ erhält einen „Stadtverweis“.

Da sie zuerst mit dem „Kapellmeister“ Ludwig Senfl und danach mit dem „Dechant“ der Frauenkirche „in Unehren gehaust“ hat, verdächtigt man sie nun, dass sie mit ihren Liebestränken den beiden Würdenträgern „Vernunft, Gedächtnis und die Leibsgesundheit“ geraubt hätte.

In der „Schergenstube“ wird sie vom Henker „mit Daumenstock und Nagelbrand“ zum Geständnis gebracht.


1544

1544

München - Herzogtum Baiern * Im Herzogtum Baiern orientiert man sich vorläufig noch an dem „Strafrechtskommentar“ des Andreas Perneder.  

Diese ist für die „Strafrechtspraxis“ im Herzogtum wichtiger als die von Kaiser Carl V. im Jahr 1532 erlassene „Constitutio Criminalis Carolina“.  

Der baierische Kommentar kennt nur die „Strafbarkeit des Schadenszaubers“.
Den sonstigen „Aberglauben“, insbesondere die „weiße Magie“, hält Perneder dagegen nicht für strafbar. 


1548

3. August 1548

München - Degenberg * Reichsfreiherr Hans VI. von Degenberg erhält von Herzog Wilhelm IV. das Privileg, im nordostbayerischen Raum „vor dem Behaimer Waldt ennhalb der Thunaw (Donau)“ Weißbier zu Brauen und zu verkaufen. Der Degenberger betreibt Brauhäuser in Zwiesel, Schwarzach und Linden.


1553

2. März 1553

Einbeck * Im Auftrag von Herzog Albrecht V. werden aus Einbeck zwei Wagen mit dem berühmten Bier der Stadt beladen und erstmals auf den Weg nach München geschickt.

An dem aus dem Braunschweigischen stammenden „Edelstoff“ stimmt - im Gegensatz zu dem ebenso wässrigen wie qualitativ sehr wechselhaften Münchner Bier - einfach alles.
Die Lieferung erfolgte auf der Strecke Einbeck - Erfurt - Nürnberg nach München.

2. April 1553

München * Die Lieferung mit dem berühmten Bier aus Einbeck kommt in München an. Sie ist seit dem 2. März auf 600 Kilometer lange Wegstrecke. Als Spediteure fungieren Nürnberger Handelshäuser, die damit gutes Geld verdienen.

Die lange Reise des Edelstoffes aus dem protestantischen Norden

  • ändert nichts an der dunklen Farbe des Bieres;
  • auch der kräftige Geschmack bleibt erhalten und
  • selbst die nicht geringen Alkoholprozente kommen unverändert in München an.

Doch eines hat sich während der langen Reise massiv verändert: der Preis.

Das Bier verteuert sich durch die weiteren Belastungen an „Zehrung“ für die Mannschaft und die Pferde sowie durch die Zölle und Mauten auf etwa das Dreifache.


1555

1555

München * Die ältesten Münchner „Wasserbriefe“ beurkunden die Wasserabgabe aus den städtischen „Brunnhäusern“ an Privatpersonen.


1556

1556

Au * Das „Wasserhaus auf dem Isarberg“ wird auf den neuesten Stand der Technik gebracht.


1559

1559

München * Mit der Ankunft der Jesuiten in München entsteht langsam ein Klima für die Hexenjagd. Die Jesuiten betätigen sich als Berater der Herzöge und als fanatische Massenprediger.

Unter Herzog Wilhelm V. und seinem Sohn Maximilian I. schießt in Baiern der Hexenwahn üppig ins Kraut und München sowie Baiern bleiben davon nicht verschont. Hinzu kommt, dass sich auch in den anderen mitteleuropäischen Staaten das Blatt wendet. 


1560

Nach 1560

Europa * Die Missernten haben aufgrund der Klimaveränderung nach 1560 stark zugenommen.

Der Mechanismus einer „Agrarkrise“ lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:  
Das Ergebnis einer klima- oder unwetterbedingten „Missernte“ ist die „Verknappung der Grundnahrungsmittel“, was bis ins 19. Jahrhundert hinein immer das „Brotgetreide“ betrifft.

Die unmittelbare Folge davon ist eine „Teuerung“, die dazu führt, dass große Teile der Bevölkerung hungern oder an Unterernährung leiden.
Dieser verschlechterte Allgemeinzustand bewirkt oft das Auftreten von epidemischen Krankheiten oder eine stark erhöhte Krankheitsanfälligkeit.

Dieser Zyklus dauert bis zur nächsten Ernte, also bis zum Spätsommer des folgenden Jahres.
Folgt aber in der Zwischenzeit eine weitere „Missernte“, erhöht sich der Schaden um ein Vielfaches.

Die „Perioden der Teuerung“ treten um das Jahr 1560 häufiger auf und dauern länger.
Diese „Hungerkrisen“ betreffen große Teile Europas, weshalb neue „Hexenverfolgungen“ beginnen und in den verschiedenen Ländern zu einer Verschärfung der „Hexen-Gesetzgebung“ führen.

Die Verfolgung der „Hexen“ ist nicht von der konfessionellen Überzeugung der Verfolger abhängig.
Auch drängen sich nach der „Reformation“ die katholisch gebliebenen Gebiete - wie man gerne unterstellt - nicht in den Vordergrund.

Im Gegenteil: In Spanien hat sich die „Inquisition“ seit dem Jahr 1526 auf eine sehr gemäßigte Position zurückgezogen.
In Italien führt eine Debatte in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zu einem deutlichen Widerstand gegen die „Hexenverfolgungen“ in den oberitalienischen Alpentälern.

Anders verhält es sich mit den „Hexenverfolgungen“ in Deutschland.
Hier beginnen die „Protestanten“ achtzig Jahre später dort, wo die „Katholiken“ in den 1480er Jahren aufgehört haben, nämlich im deutschen Südwesten. 

Ab dem 1560

München-Graggenau * Herzog Albrecht V. lässt für seine Ehefrau, die Erzherzogin Anna, einen neuen „Lustgarten“, mit „Lusthaus“, „Arkadengang“, „Ziertürmen“ und aufwändigen „Wasseranlagen“ anlegen.  

Der sogenannte „Annagarten“ entsteht nördlich des „Alten Hofgartens“ und bildet den Ausgangspunkt für die späteren Anlagen unter Herzog/Kurfürst Maximilian I.. 


1562

3. August 1562

Südwestdeutschland * Ein großes Hagelunwetter vernichtet - zu Beginn der Erntezeit - den Wein und das Getreide - und damit das täglich Brot. Das Unwetter löst die erste große Hexenjagd der Neuzeit aus. Alleine in der kleinen protestantischen Herrschaft Wiesensteig werden 63 Hexen verbrannt. Die Verfolgungen werden relativ spontan und gesetzlos durchgeführt. 


1563

1563

Schottland * Mit dem schottischen „Witchcraft Act“ findet sich erstmals nicht der „Schadenszauber“, sondern der „Teufelspakt“ als Wesensmerkmal des „Hexerei-Delikts“

1563

München * Petrus Canisius, der wortgewaltige jesuitische Ordensprovinzial für Oberdeutschland, schreibt: „Überall bestraft man die Hexen, welche merkwürdig sich mehren.  Ihre Freveltaten sind entsetzlich. [...]  Man sah früher in Deutschland niemals die Leute so sehr dem Teufel ergeben und verschrieben. [...]  Sie schaffen viele durch ihre Teufelskünste aus der Welt und erregen Stürme und bringen furchtbares Unheil über Landleute und andere Christen. Nichts scheint gesichert zu sein gegen ihre entsetzlichen Künste und Kräfte“.

Ohne jeden Zweifel an der Existenz der Hexenverbrechen oder Kritik an den angewandten ungesetzlichen Inquistitionsverfahren, das gegen alle strafprozessrechtlichen Bestimmungen der „Carolina“ verstößt, predigt er im Augsburger Dom über die in Wiesensteig und im schwäbischen Raum stattfindenden Hexenverfolgungen.

Die juristischen und medizinischen Einwände interessieren den Jesuiten nicht. Für ihn steht die Theologie weit über der Jurisprudenz

1563

München-Graggenau * Melchior Bocksberger erhält eine hohe Summe ausbezahlt.  

Wahrscheinlich für die Deckenbilder im Saal des „Lusthauses“ im neuen herzoglichen „Lustgarten“


1567

1567

Stuttgart * In der „Württembergischen Landesordnung“ wird das neue „Hexerei-Delikt“ ausformuliert: 

„Wo aber jemandt sich mit dem Teuffel, zu Nachtheil und Beschädigung der Menschen in Bündnuß eingelassen und damit noch niemandts Schaden gethon hette, der soll gestrafft werden nach Gelegenheit der Sach“

22. November 1567

München * Herzog Albrecht V. erlässt ein Mandat, das den Ausschank von Weißbier stark einschränkt.  

  • Es darf fortan nur mit eigenem oder im Ausland gekauften Weizen gebraut werden.
  • Der Ausschank von Weißbier ist nur in den Städten und Märkten jenseits der Donau in Richtung Bairischer Wald erlaubt.
  • Neue Weißbierbrauereien dürfen bei Strafe nicht mehr errichtet werden,
  • auch deshalb, weil beim Brauen große Mengen Weizen verschwendet werden.

Denn, so der Herzog weiter, das Weißbier ist „gar ein unnuez getranck, [...] das weder fueert noch nert, weder sterck, krafft noch macht gibt, und dahin gericht ist, das es die Zechleut, oder diejenigen dies trincken, nur zu mehrerm trincken raitzt und ursacht“Allerdings, mehr kann man sich doch von einem Getränk nicht erwarten.


1568

24. Februar 1568

München-Graggenau * Herzog Wilhelm V. und Renata von Lothringen feiern auf dem Schrannenmarkt mit einem festlichen Turnier (24. Februar) und anderen öffentlichen Unterhaltungen ihre Vermählung. Es findet sich im Glockenspiel am Neuen Rathaus wieder.


1570

1570

München-Graggenau * Die Holzbrücke zum herzoglichen „Lustgarten“ wird durch eine Brücke aus Stein ersetzt. 


1571

1571

München - Au * Der Herzog muss einen Streit zwischen den Münchner und den Auer „Schneidern“ schlichten.

Es endet damit, dass die Münchner ihre Schmähungen und Herabsetzungen zurücknehmen müssen.

Dafür müssen es die Auer künftig unterlassen, mit Elle und Schere „auf die Stör“ in die Stadt zu kommen. Sie dürfen nur Schneiderarbeiten annehmen, die man ihnen bringt.


1572

1572

Sachsen * Die „Kursächsischen Konstitutionen“ nimmt für den „Teufelspakt“ die „Todesstrafe“ auf. 


1573

1573

Einbeck - München * Werden anfangs jährlich vierzig bis fünfzig Fässer „Einbecker Bier“ nach München geliefert, so steigert sich der Bedarf des Herzoghofes und erreicht in den Jahren 1573 und 1574 - mit jeweils einhundertzwanzig Fässern - die Höchstgrenze.
Danach sinken die Lieferungen wieder auf dreißig bis fünfzig Fässer pro Jahr ab.

Doch die ständig offensichtlicher werdende Finanzmisere schreckt die „Hofkammer“ angesichts des sich anbahnenden „Staatsbankrotts“ auf.

Die herzogliche „Finanzbehörde“ stellt daraufhin die Frage, weshalb das Bier für den „baierischen Hof“ - unter den gegebenen Umständen - noch immer für teures Geld aus Einbeck im hohen deutschen Norden bezogen wird.
Immerhin handelt es sich dabei doch um ein „Ketzerbier“ aus dem „lutherischen Ausland“.

Jeder der 600 „Hofbediensteten“ - je nach Rang und Funktion - hat das Recht auf ein bestimmtes Quantum Bier.
Die Herrschaften an den „besseren Tischen“ können sogar trinken, soviel sie wollen.

Und sie genießen das „Freibier“ derart in „vollen Zügen“, dass der Herzog immer wieder mit Verboten gegen die „unzimbliche“ und übermäßige Trunkenheit einschreiten muss.


1574

1574

München-Graggenau * Im herzoglichen „Lustgarten“ wird ein aufwändig gestalteter Brunnen mit Drehmechanik für den herzoglichen „Lustgarten“ geliefert.  

Er wird bereits 1577 als „nicht funktionsfähig“ wieder abmontiert. 


1578

1578

München * Die ursprüngliche Bezeichnung für „Hexe“ ist in München „Unholdin“.

Dieser Begriff taucht erstmals auf, als die Barbara Beyrl unter den Verdacht der „Hexerei“ gerät und in die „Schergenstube“ gesperrt wird.
Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

11. März 1578

Bozen - München * Die aus Bozen stammende Margarete Schiller wird als erste Hexe in München verbrannt. „Sie hatte in der Folter gestanden eine Unholdin zu sein, Gott geleugnet und dem bösen Feind sich ergeben zu haben, vielmals fleischlich mit ihm verkehrt und auf der Gabel ausgefahren zu sein, viele Menschen durch Zauber ums Leben gebracht, den Bauern das Vieh verzaubert und zuletzt das Wetter, das auf Starnberg und Weilheim niederging gemacht zu haben“.

Das war ein typisches Hexengeständnis, das in qualvollen Folterprozeduren erpresst wurde. 


1579

Oktober 1579

München * Herzog Wilhelm V. lässt durch eine vierköpfige Kommission prüfen, an welchen Orten im „Baierischen Wald“ wie viel „weiß Behamisch Pier“ gebraut wird und woher die dafür benötigten Braumaterialien stammen.


1580

Um 1580

München-Kreuzviertel * Der in München ansässige Jesuitenpater und Hofprediger Jeremias Drexel predigt in der Michaelskirche: „Oh ihr Feinde der göttlichen Ehre! Befiehlt denn nicht das göttliche Gesetz ausdrücklich: Die Zauberer sollst du nicht leben lassen? Hier rufe ich so laut ich kann und auf göttliches Geheiß zu den Bischöfen, Herren, Fürsten, Königen: Lasset die Zauberer nicht am Leben! Mit Feuer und Schwert muss diese entsetzliche Pest ausgerottet werden.

Ausgerissen muss dieses Unkraut werden, dass es nicht in übergroßer Fruchtbarkeit emporschieße, wie wir es leider sehen und beklagen. Ausgeräumt soll werden mit den Gottlosen, dass die Pest nicht weiter greift, brennen sollen die Aufrührer Gottes. [...].“

Insgesamt haben die Verfolgungsbefürworter am herzoglich-baierischen Hof ein größeres Gewicht als die kritischen Stimmen. 


1581

1581

Werdenfelser Land * Elsbeth Schlamp aus Garmisch, „ein seltsames Mensch von Ansehen“, und Maria Neuwirth aus Klagenfurt werden in der „Grafschaft Werdenfels“ der „Zauberei“ beschuldigt. 

Ihnen wird die Erzeugung einer Seuche und eines schwerer Hagelschauers vorgeworfen. 

Da aber weder der „Pfleger der Grafschaft“, noch die „Freisinger Regierung“ an einer Verfolgung interessiert sind, verläuft der Vorgang im Sand. 


1582

4. Oktober 1582

Rom-Vatikan * Papst Gregor XIII. reformiert den auf die Antike zurückgehenden Julianischen Kalender, um damit die Nachtgleichen wieder mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bringen. Auf den 4. Oktober soll der 15. Oktober 1582 folgen.

Kaiser Rudolph II. fordert daraufhin die Reichsstände auf, den neuen Gregorgianischen Kalender einzuführen. Doch während die Katholischen Stände den Kalender annehmen, lehnen ihn die Evangelischen Stände aus konfessionellen Gründen ab.

Damit werden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zwei Kalender mit unterschiedlicher Tageszählung benutzt, was die Handels- und Rechtsgeschäfte massiv beeinträchtigt. Das bleibt so bis zum 17. Februar 1700 so.


1583

1583

München-Graggenau * Im „Ridlerhaus“ wird die „Klausur“ eingeführt.

4. Oktober 1583

Trier * Das Fürstbistum Trier übernimmt den Gregorianischen Kalender. Auf den 4. folgt der 15. Oktober 1583.


1585

1585

Rom-Vatikan * In einer Bulle verbietet Papst Sixtus V. sämtliche Zauberbücher.


1586

1586

München * Untersuchungen der „Hofkammer“ ergeben, dass aus dem „Weißbier“ durchaus Gewinn zu ziehen ist.

Voraussetzung ist die Errichtung eigener „Weißer Brauhäuser“ durch den Herzog.

13. September 1586

München * Drei Wiedertäufer werden zum Tod mit dem Schwert verurteilt, weil sie trotz der Folter ihrem Glauben nicht abschwören wollen. Nach dem Verlesen des Todesurteils widerrufen zwei Delinquenten, weshalb nur ein Einziger hingerichtet wird.


1587

1587

Dillingen * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Dillingen gibt es zwischen 1587 und 1591 aufgrund der „Hexenverfolgungen“ mindestens 17 weibliche Todesopfer.


1589

1589

Trier * Peter Binsfeld, der „Weihbischof“ und „Generalvikar“ von Trier, veröffentlicht sein Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“.

Er trägt damit entscheidend zur Förderung des „Hexenwahns“ bei und ist für die größten deutschen „Hexenverfolgungen“ des 16. Jahrhunderts, die von 1585 bis 1591 dauern, verantwortlich.

Binsfelds Buch ist hier weitaus einflussreicher als der „Hexenhammer“

1589

Schwabmünchen * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Schwabmünchen beginnen die „Hexenverfolgungen“, wo der als „Hexenbischof“ bekannte Marquard II. vom Berg bald das Gefängnis erweitern lassen muss, um die Angeklagten unterzubringen.

Hierher kommt der Biberacher „Hexenspezialist“ Christoph Hiert.

Das Ergebnis des bischöflichen „Hexenwahns“ sind 27 Hinrichtungen. 

1589

Ingolstadt * Im Zuge der großen „Hexenverfolgungen“ im Herzogtum Baiern wird auch Ingolstadt vom „Hexenwahn“ ergriffen.

Mehrere unschuldige Frauen werden verhaftet, verhört und gefoltert.
Bis zum Jahr 1592 werden in Ingolstadt 13 unschuldige Frauen als „Hexen“ zum Tode verurteilt. 

Um März 1589

Ingolstadt * Maximilian I., Sohn Wilhelms V. und späterer baierischer Herzog und Kurfürst, studiert an der „Hohen Schule“ in Ingolstadt „Rechtswissenschaften“.

Sein Lehrer ist der „Doktor beider Rechte“ Johann Baptist Fickler, der „Hexerei“ als eine Realität betrachtet und sie als einen „Fluch des Teufels“ bezeichnet, dem mit „allen Strafmitteln“ begegnet werden muss.

Dem „Hexenwahn“ steht der studierte „Jurist“ ebenso mit Arglosigkeit und Kritiklosigkeit gegenüber, wie sein Zögling Herzog Maximilian I..

Man lässt den damals gerade 17-jährigen Prinzen der „Folterung von Hexen“ beiwohnen.
Nach solcher Vorbereitung auf den Regentenberuf kann es nicht überraschen, dass Maximilian I. der ärgste „Hexenverfolger“ unter den baierischen Fürsten wird. 

Juli 1589

Schongau - München * Das Zentrum des „ersten altbaierischen Hexenprozesses“ ist Schongau bei Weilheim, das vom Bruder Wilhelms V., Herzog Ferdinand, verwaltet wird. 

Herzog Ferdinand reagiert empfindlich, als ihm sein „Landrichter von Schongau“ von „Hagelschäden, Ernteausfällen“ und den damit verbundenen „Einnahmeverlusten“ berichtet.

Zum Glück kann „Richter“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenburg gleich die für die Katastrophe Verantwortlichen benennen: die „Hexen“

24. Juli 1589

München - Schongau * Herzog Ferdinand befiehlt seinem Landrichter, alle „bösen Leute und Unholden“, denen er habhaft werden kann, umgehend zu verhaften. Ihre Wohnungen sollen nach Salben, Amuletten, wächsernen und durchstochenen Bildern, menschliche Knochen und ähnlichen Zaubermitteln durchsucht werden. Benennen die Angeklagten freiwillig Mitschuldige, soll man ihnen einen Straferlass versprechen.

Den Grund dafür, weshalb der „böse Feind“ an Macht gewonnen hat, sieht der Herzog im Zusammenhang mit dem sündhaften Leben der Untertanen. Nur deshalb lässt Gott dem Teufel und seinen Werkzeugen freie Hand. Die Pfarrer und Prediger im Landgericht Schongau sollen deshalb das Volk zur Buße und Besserung des Lebens ermahnen.  

Herzog Ferdinand fordert zur Unterstützung der unerfahrenen baierischen Hexenjäger den darin geschulten Nachrichter von Biberach an.
Er soll die Verdächtigten auf „Hexenmale“ untersuchen.

„Dann wir gesinet, auf alle in Schwung geende und wachsende hochsträfliche Laster, sonderlich das ungeheur Unholdwerckh ernstliche Inquisition und Straf furnemmen“

Ab August 1589

Schongau * In dem ohne gesetzliche Grundlage durchgeführten und „Hexenprozess“ werden unter rücksichtslosester Anwendung der „Folter“ die unsinnigsten Geständnisse erpresst.

Die Frauen gestehen unter anderem

  • das „Wettermachen“,
  • das „Töten von Tieren“ durch Beschmieren mit der „Hexensalbe“,
  • das „Ausgraben und Sieden von Kindern“ zur Salbenherstellung,
  • „sexuellen Umgang mit dem Teufel“ und
  • „nächtliche Ausfahrten auf der Heugabel“ zu teuflischen Festen.

Die Aussagen der so gepeinigten Angeklagten werden mit einer entsprechenden Empfehlung des „Schongauer Landrichters“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenberg an Herzog Ferdinand gesandt, der dann den „Hinrichtungsbefehl“ gibt. 

27. September 1589

München-Graggenau * Die Hofkammer will die Geldverschwendung für den Durst der Hofschranzen eingeschränkt sehen, weshalb sie einen Antrag für den Bau eines „aigen Preuhaus“ formuliert. Das Datum gilt seither als offizieller Gründungstermin des Hofbräuhauses.

Einen Brand beim alten Hennen- und Badhaus im Alten Hof erkennt man als Zeichen des Himmels und umgehend beginnen die Arbeiter in der Nähe des Zerwirkgewölbes die Wände einzureißen, die Keller einzuschachten und Sudanlagen zu installieren. Der Keller diente zuvor dem Herzogshof als Vorratsraum. Der Standort am Alten Hof kam den Verantwortlichen aufgrund der „besseren Überwachung bezüglich der möglichen Veruntreuungen“ gerade recht.

Darin wird zunächst nur braunes Bier gebraut. 

28. September 1589

Freising - Werdenfelser Land * In der zum Fürstbischof von Freising gehörenden Grafschaft Werdenfels beginnt mit der Verhaftung der 55-jährigen Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia eine große Hexenverfolgung, in deren Verlauf fünfzig Frauen und ein Mann der Hexerei beschuldigt werden.

Als Landesherr des Freisinger Kirchenstaates steht ebenfalls ein Bruder des baierischen Herzogs Wilhelm V. an der Spitze: Fürstbischof Ernst von Freising ist zugleich Kurfürst des Fürstbistums Köln am Rhein. 

30. Oktober 1589

Freising - Werdenfelser Land * Aus Freising geht der Befehl in die Grafschaft Werdenfels, gegen die der Hexerei Angeklagten Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia die Folter anzuwenden.

Damit ist der Ausweitung des Hexenprozesses Tür und Tor geöffnet. Durch die über die Folter herausgepressten Geständnisse werden etwa 180 Personen in den Prozess einbezogen. Am Ende werden 50 Frauen und ein Mann der Hexerei schuldig befunden und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. 


1590

Ab 1590

Oberstdorf * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Oberstdorf werden zwischen 1590 und 1592 noch einmal 68 Frauen als „Hexen“ verbrannt. 

Um 1590

Rettenberg * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden „Pfleggericht Rettenberg“ werden 25 „Hexen“ ermordet. 

Um 1590

München * Während der Hexenverfolgungen werden einige Ehefrauen Münchner Bierbrauer der Hexerei verdächtigt.

Darunter die Frauen des „Gilgenrainerbräus“ Viereck, des „Unterspatenbräus“ Jörg Spät und des „Kalteneckerbräus“ Galle Stoltz, der seine Brauerei „von Gericht wegen“ schließen musste. Betroffen war auch die Anna Freykamerin.

In einer Zeitung heißt es zu den Hexenverbrennungen: „Volgends um den anfang des Monats Julii sind irer bey fünffen in München verbranndt worden. Under welchen eine wolbekannte Prewin gewesen, die ausgesagt sol haben, wie sie und etlich hundert mit ir in dem Mertzenbier, eh sie dies ausgeschenkt, gebadet habe“.

10. März 1590

München * Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg wird zum „Geheimen Rat“ und „Obristkanzler“ ernannt.

Mit seiner Berufung ändert sich die Einstellung gegenüber den „Hexenverfolgungen“.
Denn der Jurist versucht diese mit den Mitteln des geltenden „Strafprozessrechts“ einzudämmen und bestreitet jedes „Ausnahmerecht“.

Der Grund dafür ist, dass hier Ermittlungen, Verfolgungen und Verurteilungen wegen „Hexerei und Zauberei“ ohne entsprechende landesherrliche Gesetze und Vorgaben eingeleitet und vollstreckt werden.
Zu zahlreich sind die Übergriffe und Unregelmäßigkeiten geworden.

Um den gesetzlosen Zustand zu beenden, leitet Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg - noch während im baierischen Herzogtum die „Hexenprozesse“ in Schongau, Ingolstadt und München laufen - eine „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ und damit die „Eindämmung der Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern ein. 

2. April 1590

München * Herzog Wilhelm V. fordert zur Unterstützung des Verfahrens zur „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ vom Hofrat und von der juristischen und theologischen Fakultät der Universität Ingolstadt ein „Gutachten über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die überhand nehmende Hexerei“ an.

Darin führt der Herzog aus, Gott selbst habe wegen der schrecklichen Sünden der Menschen diese mit der „neuen Pest der Hexerei“ gestraft. Und weil die Hexerei die größte aller Sünden wäre, würde Gott wiederum beleidigt werden. Er, Wilhelm V., sei als Fürst Gott verantwortlich und müsse durch „Bestrafung und Ausrottung der Hexen“ die „Ehre Gottes“ retten und wiederherstellen.

Die Argumentation, dass sich nach dieser Logik Gott eigentlich selbst beleidige, wird ignoriert.

Es ging auch nicht so sehr um die „Ehre Gottes“, sondern um die Angst vor weiteren „göttlichen Strafen“

6. April 1590

München - Ingolstadt * In dem „Gutachten des Hofrates“ werden zunächst ausdrücklich die Meinungen derjenigen protestantischen „Hexenverfolger“ zurückgewiesen, die gemäßigt auftreten.

Dazu gehören Johannes Brenz aus Stuttgart und seine Anhänger, die jede Möglichkeit eines tatsächlichen „Wetterzaubers“ abstreiten.
Wetter sind eine Angelegenheit der Natur oder Gottes, nicht aber Sache „alter Weiber“ oder gar des „Teufels“.

Nach dem „Hofratsgutachten“ ist den „Katholiken“ künftig jeder Zweifel an der „Existenz der Hexen“, des „Teufelspakts“, des „Hexenflugs“ und des „Schadenszaubers“ ebenso verboten wie jede inhaltliche Kritik.

Auch das von vier „Theologieprofessoren“ ausgearbeitete „Ingolstädter Gutachten“ kommt zum Ergebnis, dass „die Obrigkeit mit Eifer und Strenge gegen die Hexen“ vorgehen und es den Untertanen zur Pflicht machen soll, „Verdächtige zu denunzieren“.  

Die „Gutachten“ folgen alleine den „katholischen Autoren“ und unter diesen wiederum nur denjenigen, die die härtesten Ansichten zur „Hexenverfolgung“ vertreten, die jemals in der „europäischen dämonologischen und juristischen Literatur“ zum „Hexenprozess“ geäußert worden sind. 

Mai 1590

München * Der Hofrat erlässt die „Gemeine General Instruction. Wie sich alle und jede Pfleger, Richter und Beamte [...] mit den Unholden und Hexenwerckhs verleumbden Personen in Erkennung, Einziehung und Besprachung [...] zu verhalten haben.“  Damit ist die Strafbarkeit des Hexereidelikts im baierischen Herzogtum landesherrlich gebilligt. Die Verrechtlichung des Hexerei-Tatbestands führt zunächst aber zum Rückgang der Verfolgungen.

Den zuständigen Unterbeamten erscheint die Einleitung eines Verfahrens juristisch offensichtlich zu kompliziert und risikoreich. Und nicht jeder Landrichter ist Jesuitenschüler und versteht die dahinter stehende theologische Logik. Hinzu kommen die Widersprüchlichkeiten der Hexenprozess-Ordnung und die ständig eintreffenden einschränkenden Vorgaben. 

10. Mai 1590

München-Kreuzviertel * Bei einem Gewitter stürzt der Turm der neuen Michaels­kirche ein. Für die Jesuiten ist es eindeutig und naheliegend, dass das Unglück von den Hexen beeinflusst ist: „Ist vergangene Tage so ein grewlich wetter abgegangen, dem Thurm und gebew nitt wenig befürderung mechte geben haben; dann vill die meinung, daß sollich ungewonliche gewütter von den maledeutten bösen Weibern gemacht werden.“ 

14. Mai 1590

Ingolstadt - München * In mehreren Briefen, unter anderem in dem vom 14. Mai 1590, berichtet der Student Maximilian I. - völlig unberührt - an seinen Vater von den entsetzlichsten Folterungen, die er in den Ingolstädter Hexenprozessen erlebt hat. Auch nach seinem Regierungsantritt huldigt der Herzog und Kurfürst Maximilian I. dem Hexenwahn. 

Um Juni 1590

München * In München findet ein Hexenprozess statt, in dessen Zusammenhang vier Frauen verbrannt werden. Der Münchner Falkenturm fungiert als Hexenturm.

Leider haben sich die Akten nur lückenhaft überliefert, sodass weder ein Zusammenhang des Hexenprozesses mit dem Einsturz des Turms der Michaelskirche, noch mit der Nennung von vier Brauerinnen hergestellt und bewiesen werden kann. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es auch wesentlich mehr als die vier bekannten Opfer gewesen sein können. 

2. Juli 1590

München * Der von Herzog Wilhelm V. ausgehende Hexenprozess ist zu Ende. Die Anklage gegen vier „Weibspersonen“ unterschiedlichen Alters lautet auf

  • Buhlschaft mit dem Teufel,
  • Leichenraub und Leichenschändung,
  • Hostienentweihung sowie
  • Hexerei.

Die vier Frauen, Anna Anbacherin, Brigitte Anbacherin, Regina Bollingerin und Regina Lutzin, machen die üblichen Geständnisse: Ausfahrt mit dem Teufel über Felder und in verschiedene Weinkeller. Eine andere gestand, sie habe ein totes Kindlein auf dem Gottesacker vor dem Sendlinger Thor ausgegraben und daraus eine wässrige, zähe und wasserfarbige Salbe bereitet.

Aufgrund des erdrückenden Beweismaterials werden alle vier Frauen als Hexen zum Tode verurteilt. Wegen ihres hohen Alters werden sie - auf Fürbitte hoher fürstlicher Personen - vorher erdrosselt und danach ihre geschundenen Körper verbrannt. 

24. September 1590

München * Herzog Wilhelm V. erlässt für seine Richter eine „Instruktion über die Behandlung von Unholden und des Hexenwerks verdächtige Personen“.

Oktober 1590

Ingolstadt * In einem Gutachten der „Universität Ingolstadt“ gegenüber der „Hochstiftlichen Regierung in Freising“ wird festgestellt, dass den von den „Scharfrichtern“ ermittelten „Hexenmalen“ keine Beweiskraft mehr zukommt, weil sich ein „so gewöhnlicher und verworfener Mensch“ wie ein „Nachrichter“ bei der „Erkennung der Hexenzeichen“ durchaus täuschen könne.

Damit ist die sogenannte „Nadelprobe“, die zum hoch geschätzten Gutachterwissen der „Scharfrichter“ gehört, für das Verfahren wertlos geworden. 


1591

1591

München * Peter Binsfelds Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“ erscheint in München in deutscher Sprache.

Der Münchner „Stadtgerichtsassessor“ Bernhard Vogel hat das Werk aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt.
Der „Verleger“ Adam Berg lässt es im Einverständnis mit dem „Geistlichen Rat“ drucken.

Gewidmet ist das Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“ Herzog Ferdinand, der den „Schongauer Hexenprozess“ der Jahre 1589/90 führte und nachträglich für seine abscheuliche Tat gerühmt werden soll.

Adam Berg schreibt im Vorwort des Buches, dass es gerade jetzt notwendig sei, da man „zu diser zeit etliche Personen finden möchte, die sagen dörfften, man thue den Leuthen unrecht“.  
Das Buch verfolge also vornehmlich den Zweck, „das diejenigen, so irgent hierinn zweiflen, ein Bericht haben und nit also freventlich die hohe Obrigkeit in Straffung solcher Laster urtheilen und Nachreden“

1591

Kelheim * Anna Pämb [50] lebt mit ihrem Mann Paulus [48] und den Söhnen Gumpprecht [13], Michael [11] und Hansel [ein Jahr alt] im „Kelheimer Armenhaus“.

Vater Paulus bietet seine Arbeitskraft als „Kesselflicker“ an.
Mit seinen älteren Söhnen verdingt er sich auch als „Abortgrubenräumer“, als sogenannter „Pappenheimer“.

Im „Armenhaus“ von Kelheim lernt Anna Pämb eine gewisse Zieglerin kennen.
Die Frauen verstehen sich auf Anhieb. 

1591

München * In München erscheint das „Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen“ in deutscher Sprache, das der Trierer „Weihbischof“ Peter Binsfeld verfasst hat und darin die Forderung „die Zauberer sollst du nicht leben lassen“ erhebt.

1. November 1591

München-Graggenau * Am Allerheiligen-Tag ist das Werk endlich vollendet. Heimeran Pongraz richtet das Braune Hofbräuhaus als hochmoderne Musteranlage ein.

  • Während in anderen Braustätten noch die Maische von Hand geschöpft und die Würze in Holzkübeln geschleppt werden muss, läuft bei Pongraz fast alles über Leitungen.
  • Es gibt eine rechteckige kupferne Sudpfanne, die man mit einem offenen Feuer aus Fichtenholz beheizt.
  • Über eine Rinne aus Lärchenholz läuft die Maische zum runden eichenen Maischbottich. 
  • Abgeläutert wird durch die schmalen Schlitze eines Bretterbodens.
  • Dampfend fließt die Würze dann in die beiden Kühlschiffe aus Lärchenholz und von dort durch eine Bleileitung zu den Gärbottichen im Keller.

Der ledige Braumeister muss während des Brauvorgangs im Brauhaus schlafen, um bei Bedarf jederzeit eingreifen zu können. Sein Einkommen beträgt bei freier Kost und Logis vierzig Gulden im Jahr.

5. November 1591

Werdenfelser Land * Mit Brigitta Krätzler und Barbara Feurer werden die beiden letzten Beschuldigten des Werdenfelser Hexenprozesses hingerichtet. Dann endet zunächst die Hexenverfolgung im Werdenfelser Land. Das liegt einerseits am verstärkt auftretenden Widerstand aus der Bevölkerung, andererseits an den hohen Kosten.

Alleine der Nachrichter erhält für jede Besichtigung zwei Gulden, dazu täglich ein Wartegeld von zwei Gulden und für jede Hinrichtung nochmal acht Gulden. Auch Verpflegung und Unterkunft trägt die Staatskasse. Insgesamt kostet der Werdenfelser Hexenprozess rund 4.000 Gulden.

Am Ende dieser Verfolgungs-Periode zählt man 49 auf dem Scheiterhaufen zum Teil lebendig verbrannter Angeschuldigter, zum Teil werden sie vorher erwürgt oder geköpft. Zwei Frauen sterben während ihres Gefängnisaufenthalts, eine davon verübt Selbstmord. 


1592

1592

Schongau * Nach einem drei Jahre dauernden Prozess endet die „Schongauer Hexenverfolgung“ mit der Hinrichtung von 63 Frauen durch das Schwert.

Die Leichen der „Hexen“ werden anschließend verbrannt. 


1593

1593

München * Der „Bildhauer“ Hubert Gerhard erschafft die mit 2,17 Meter überlebensgroße, ursprünglich feuervergoldete und als Bronzehohlguss hergestellte „Mondsichelmadonna“, die im Jahr 1638 auf der „Mariensäule“ Aufstellung fand.  

Sie gilt als das Hauptwerk Hubert Gerhards. 


1596

1596

München * Herzog Wilhelm V. ermahnt den Münchner Rat, „fleißiger auf die bösen Weiber zu achten, die die Kindlein verzaubern“.

Oktober 1596

München * Herzog Maximilan I. fordert Informationen über noch geltende herzogliche „Brauberechtigungen“, über bestehende Brauhäuser und deren Ertragskraft und über geeignete Orte zur Gründung neuer Brauhäuser - unabhängig von der Biersorte - an.

3. Dezember 1596

München * Peter Ungelter, ein aus Augsburg stammender Weber, wird als Wiedertäufer mit dem Strang hingerichtet. Noch am Vortag erklärte er, dass er sich bekehren würde. Als ihm jedoch der Priester erklärte, dass er dennoch sterben müsse, bleibt Ungelter seinem Glauben treu.


1598

1598

München * Eine aus 18 Personen bestehende „Zaubergesellschaft“ sitzt in der „Schergenstube“ in Haft, deren Mitglieder  

  • „Zauberbücher“ und glückbringende „Alraunenwurzeln“ besaßen, 
  • sich unter dem „Galgen“ oder
  • in der oberen Stube des Alexander Freisinger in der Au trafen und  dort „Beschwörungen“ zur Wiedergewinnung gestohlener oder verlorener Sachen und „Ansegnungen gegen den bösen Feind“ betrieben.

Eine eigene „Ratskommission“ wird gebildet, die sich aus Mitgliedern des „Inneren“ und „Äußeren Rats“ zusammensetzt.

Die Urteile sind glimpflich.

  • Die meisten werden auf die „Schragen“ gestellt, zum Teil mit umgehängten „Zauberbüchern“.
    Diese Strafe ist - im Gegensatz zum „Pranger“ - nicht „ehrlos“.
  • Einige werden zusätzlich zu den Jesuiten zur „Beichte und Kommunion“ geschickt,
  • zwei erhalten eine Geldstrafe und
  • einer wurde zu vier Jahren „gegen den Erbfeind der Christenheit“, die Türken, verurteilt. 
13. März 1598

München * Herzog Maximilian I. erlässt ein ausführliches „Religions- und Sittenmandat“

Zur Überwachung der Vorschriften werden eigens geheime Kundschafter, sogenannte „Aufsteher“, bestellt.
Diese „Spitzel“ müssen jede Übertretung des Mandats anzeigen.

  • Auf Fluchen werden Strafen bis zum Verlust von Gliedmaßen und bis zum Tode ausgesetzt.
  • Übertretungen des Fastengebots müssen angezeigt werden.
  • Andersgläubige, auch „Wiedertäufer“, werden im Land nicht mehr geduldet.
  • Nach ketzerischen Büchern wird ohne Voranmeldung gefahndet.
  • „Priesterkonkubinen“ werden verfolgt, gegen Unzucht, Leichtfertigkeit und ungebührliches Spielen werden Strafen ausgesetzt.

1599

1599

Straubing * Alleine im „Rentamt Straubing“ gibt es über zwanzig „Weißbier-Baustätten“.


1600

Ab 1600

Au * Die durchgeführte vollständige Erneuerung des „Isarberg-Brunnhauses“ verschlingt über 5.000 Gulden.

Februar 1600

Altmannstein * Die Familie Pämb lebt beim Kleinbauern Ulrich Schölz bei Riedenburg.

Da taucht der Amtmann von Altmannstein auf und verhaftet die komplette Familie bis auf den inzwischen zehnjährigen Hansel, der bei den Bauersleuten zurückbleibt.
Ein verurteilter, inzwischen in Wörth an der Isar hingerichteter Dieb namens Geindl hat die beiden Pämb-Brüder Michael und Gumpprecht als angebliche Komplizen angeschwärzt.

Schnell kann der wahre Hintergrund aufgeklärt werden.
Geindl und Michael Pämb haben sich einmal geschlägert, wobei Geindl unterlegen ist.
Wutentbrannt hat der Dieb danach geschworen, er werde es den Pämbs schon noch heimzahlen.

Der Amtmann sieht ein, dass die Denunziation wohl nur ein Racheakt gewesen war, schickte das Protokoll nach München und wartet auf die Nachricht, dass die Familie freizulassen sei. 

März 1600

Altmannstein * Die aus München kommende Antwort ordnet die „hochnotpeinliche Befragung“ der Familie Pämb an.

Unter der „Tortur“ der „Folterknechte“ gestehen die 59-jährige Anna, der 57-jährige Paulus und die Söhne Michael [20] sowie Gumpprecht [22] jede Menge Diebstähle, Brandstiftungen und Raubüberfälle.
Michael und Gumpprecht bekennen sich zudem, „Hexer“ zu sein.

So wirr, unlogisch und widersprüchlich die unter der „Folter“ erpressten „Geständnisse“ auch sind, der Altmannsteiner Amtmann verständigt daraufhin umgehend den „Hofrat“ in München. 

16. April 1600

Altmannstein - München * Die Familie Pämb nach München überführt und im Falkenturm eingekerkert. Die Männer kommen in einzelne, „Keuchen“ genannte Zellen. Nur Hansel durfte bei seiner Mutter bleiben. Nun beginnt der sogenannte Pappenheimer-Prozess. 

17. April 1600

München-Graggenau * Eine vierköpfige Kommission untersucht die „Landfahrerfamilie“ Pämb.

Auf Wunsch von Herzog Maximilian I. soll zunächst geprüft werden, ob sich die Familie tatsächlich für ein öffentlichkeitswirksames Exempel eignet.

Die Kommission scheint zufrieden.
Denn vor ihnen stehen zwei alte, ausgezehrte Menschen und zwei Burschen, die alle vier bereits durch die „Folter“ gezeichnet sind, dazu ein zehnjähriges Kind.

Sie sind davon überzeugt: diesen Delinquenten kann man alles mögliche andichten, auch eine „Teufelsanbetung“.
Begeistert erstattet man dem Herzog davon Bericht.

Den „Hexen-Prozess“ leitet der „Hofratskommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.
Zunächst befragt er den kleinen Hansel.  

Mit anwesend sind dabei die „Hofräte“ Jacob Hainmüller und Ernst von Roming, ein „Schreiber“ sowie der „Eisenmeister“ Sebastian Georg, der zugleich der Verwalter des „Falkenturms“ und oberster „Folterknecht“ ist.

Zunächst soll Hansel nur sagen, ob seine Brüder jemals „abgeschnittene Kinderhände“ mit sich geführt hätten.
Schockiert schüttelt Hansel den Kopf und gab damit das Zeichen für die „Folterknechte“.

Nach der „Tortur“ gesteht der Zehnjährige alles, was man ihm an Unterstellungen über seine Brüder eingeredet hat.
Ja, sie haben Kindern die Hände abgeschnitten,
ja, sie haben Schwangere ermordet, um an die Hände der Ungeborenen zu kommen.
„Ja“, immer wieder „ja“

19. April 1600

München-Graggenau * Die „Inquisitoren“ nehmen sich den Vater Paulus Pämb vor.

Er kommt an den „Wippgalgen“, bei dem man an nach hinten gestreckten Armen und einem Gewicht an den Füßen hochgezogen wird.
Auch sein Widerstand bricht schnell und er bestätigt jede nur mögliche Grausamkeit, die man ihm und seinen erwachsenen Söhnen unterstellt.

Die „Verhandlungsführer“ gehen immer nach dem gleichen Muster vor.
Die gewünschten Antworten werden quasi vorformuliert und müssen von dem Opfer nur noch bestätigt werden.

Was dann im „Geständnis“ steht, ist also in der Regel der „Phantasie der Befrager“ entsprungen.

Um den 24. April 1600

München-Graggenau * Nach dem Vater muss Michael in den Wippgalgen. Doch der Bursche hält länger durch als sein Vater. Erst als man ihn zusätzlich mit einer brennenden Fackel unter den Achseln foltert, ist auch sein Wille gebrochen.

Er bestätigt, dass er Kinderhände zum Zaubern genutzt hat, gesteht Morde, Brandstiftungen, Einbrüche, Raubzüge und alle sonstigen Verbrechen, die man ihm suggeriert. Die Mutter habe ihm das Hexen beigebracht.

Bei seinem älteren Bruder Gumpprecht erzwingen die Folterknechte die Bestätigung für alles sowie weitere Gräueltaten. 

28. April 1600

München-Graggenau * Zuletzt widmen sich Hofkommissar Dr. Johann Simon Wagnereckh und die Hofräte Hainmüller und Roming der betagten Mutter Anna. Bei ihr fragt man nicht erst nach Morden oder anderen Verbrechen, sondern widmet sich gleich dem schlimmsten aller Verbrechen: der Hexerei und Teufelsanbetung. Dabei steht gar nicht zur Frage, ob sie eine Hexe sei. Das wird als Tatsache vorausgesetzt.

Die gemarterte Frau erfindet äußerst wilde Geschichten von der alten Zieglerin und dem Knecht, der der Satan gewesen sei, um den Qualen endlich ein Ende zu bereiten. Insgesamt gibt Anna Pämb zu, dass sie 100 Kinder und 19 alte Menschen mit ihren Zauberkünsten brutal ermordet habe. Ferner nennt sie rund 400 weitere Personen, die ebenfalls Hexerei betreiben. 

Um den 30. April 1600

München-Graggenau * Einige Tage nach ihrem „Folterverhör“, nachdem sich die alte „Pämbin“ wieder ein wenig erholt hat, widerruft sie ihre Aussage.

Der Widerruf führt sie jedoch direkt zurück in die „Folterkammer“, wo sie erneut alles zugibt, was ihr die „Inquisitoren“ des Herzogs Maximilian I. unterstellen. 

Mai 1600

München-Graggenau * Unter der „Tortur“ bezichtigen die Pämbs auch die Familie des Klostermüllers aus dem niederbaierischen Tettenwang der „Hexerei“.

Der Klostermüller, seine Frau Anna und beider Tochter Agnes, später auch Ursula genannt, sowie weitere Bekannte der Pämbs werden umgehend verhaftet, nach München gebracht und dort so lange gefoltert, bis auch sie grauenhafte, hexerische Untaten gestehen.

Dabei hatte der Klostermüller von Tettenwang den Pämbs lediglich geholfen und den fahrenden Bettlern Unterkunft und Essen gewährt. 

Mai 1600

München-Graggenau * Zur Erpressung von „Geständnissen“ unter der Anwendung der „Folter“ gehört auch das Denunzieren von Mitmenschen als „Hexen, Zauberer“ und „Teufelsbündler“.

Es war deshalb nicht verwunderlich, dass bei Erreichen des Höhepunkts der „Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern der „Falkenturm“ bald überfüllt ist und aus diesem Grund ein „Stadtmauerturm“, unmittelbar neben der „Alten Münze“, als zusätzlicher „Hexenturm“ eingerichtet werden muss. 

Mai 1600

München-Graggenau * Paulus, Michael und Gumpprecht bestätigen im Lauf der nächsten Wochen, selbst „Hexer“ zu sein, den Teufel anzubeten und grässliche Verbrechen, die sie durch „Zauberei“ begangen haben.

Paulus Pämb hat im „Dienst des Teufels“ 44 Morde begangen.
Gumpprecht hat sogar 54 Menschen auf seinem jungen Gewissen und als ganz besonders blutrünstig erweist sich Michael mit 103 Morden.

Dass die über 300-fachen Mörder außerdem unzählige „Schadenzauber“, Diebstähle und Brandstiftungen begangen haben, spielt da kaum noch eine Rolle.

Aufgrund der „Denunziation“ werden zwei ihrer skrupellosen Gefährten verhaftet und mit den Pämbs vor Gericht gestellt: der Bauer Ulrich Schölz sowie ein Schneider namens Georg Schmälzl, die ebenfalls „gefoltert“ und zu „Geständnissen“ gezwungen werden.

Einzig den kleinen Hansel verschont man mit weiteren „Folterungen“

26. Juli 1600

München * Die Hofkommissare unter der Leitung von Dr. Johann Simon Wagnereckh fällen ihr Urteil. Nachdem sie es ausformuliert haben, begeben sie sich in den Falkenturm, wo sie den Malifikanten die Geständnisse vorlesen.

Es ist üblich, den Delinquenten drei Tage vor der Hinrichtung diese sogenannten Urgichten noch einmal zur Kenntnis zu geben, damit sie die Gelegenheit zur Korrektur haben und eventuell Denunziationen zu widerrufen. Aus panischer Angst vor weiteren Folterungen verzichten die Pämbs und ihre Mitangeklagten darauf, den Urgichten zu widersprechen. Danach gewährt man ihnen eine Henkersmahlzeit, die auch gebratenes Fleisch und Wein umfasst. 

29. Juli 1600

München-Graggenau * Am Morgen führt eine Delegation von berittenen Amtmännern, zwei Priestern und bewaffneten Soldaten die Delinquenten in Ketten vom Falkenturm zum Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, zum „Malefizrechtstag“. Der gerade elf Jahre alt gewordene Hansel muss beim Bußamtmann der Stadt München auf dem Pferd mitreiten und alles mit ansehen.

Eine geifernde Menschenmenge wartet vor dem Rathaus und hofft auf eine spektakuläre Hinrichtung der Pämbs und ihrer Leidensgenossen. Obwohl der Herzog den Prozess führt, muss die Stadt München den Schauprozess und die Hinrichtung ausrichten. Als der Bannrichter Christoph Neuchinger schließlich die Todesurteile verkündet, wollen die Jubelschreie der Münchner kein Ende nehmen. 

29. Juli 1600

München * Nun demonstriert die herzogliche Justiz ihre unvorstellbare Bestialität. Noch auf der Freitreppe des Rathauses reißen der Henker und seine Helfer den Männern mit glühenden Zangen jeweils sechs Fleischstücke aus den Armen und dem Oberkörper. Danach schneidet man Anna Pämb die Brüste ab und schmiert sie ihr und den beiden Söhnen dreimal „umb das Maul“, mit dem Hinweis, dass aus diesen Brüsten solche abscheuliche Bubenstücke „gesogen“ wurden.

Schließlich verfrachtet man die Schwerstverwundeten auf zwei Schandkarren, um sie zum Galgenberg zu bringen, der vor den Toren der Stadt liegt, etwa an der Stelle, an der heute die Hackerbrücke auf die Landsberger Straße trifft. Tausende Schaulustige begleiten die Wagen, Hansel Pämb reitet auf dem Pferd des Bußamtmanns mit. 

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Am Galgenberg werden die fünf Männer gerädert. Dazu bindet  man die Malefikanten auf ein scharfkantiges Balkengerüst und zerschmettert ihnen mit einem eisenbeschlagenen Richtrad die Gliedmaßen. Für gewöhnlich beginnt diese Bestialität bei den Unterschenkeln. Die Zahl und der Rhythmus der Schläge sowie die Reihenfolge der Gliedmaßen sind genau vorgeschrieben. Paulus Pämb wird nun zusätzlich „gespießt“. Der Henker rammt ihm einen kurzen Jagdspieß durch den After in den Unterleib.

Der letzte Akt der Justizwillkür im Namen des Herzogs Maximilian I. ist der Feuertod. Man zerrt die Pämbs und ihre Bekannten zu ihren Scheiterhaufen, bindet sie an - Anna setzt man dabei auf einen Stuhl- und verbrennt die „Teufelsbrut“ lebendig und „unter jämmerlichem Geschrei“

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Das wohl mit weitem Abstand Verabscheuungswürdigste der Hinrichtung aber ist, dass der inzwischen elfjährige Hansel Pämb, auf dem Pferd des Bußamtmanns sitzend, der qualvollen Hinrichtung seiner Eltern und Brüder beiwohnen muss. Doch auch dem Kind bleibt der spätere Feuertod nicht erspart, da Hansel ja schon „im Mutterleibe dem Teufel geweiht und an seiner Stelle ein anderes gestohlenes Kind getauft worden sei“

11. August 1600

München-Graggenau * Die zwanzigjährige Agnes Klostermüller wird elfmal „aufgezogen“, davon zehnmal belastet mit einem fünfzig Pfund schweren Stein. Das Mädchen bleibt standhaft, obwohl ihm alle Glieder zerrissen werden. Nichts, außer der Beteuerung ihrer Unschuld, ist aus ihr herauszubringen.

Vor dem Beginn der Folter spricht Hofrat Dr. Johann Simon Wagnereckh lateinische Verse und Psalme über sie, um sie zu „entzaubern“. Da hier der Name Jesus vorkommt, sagt Agnes Klostermüller: „sie wolle diesen Jesus nit [in dessen Namen man Unschuldige martert] sondern wolle den haben, der sie erschaffen und für sie am Stamme des Kreuzes gelitten“.

Nach der Folter lässt man Agnes für etwa zehn Wochen in Ruhe. 

20. Oktober 1600

München-Graggenau * Agnes Klostermüller wird erneut zur Tortur geschleppt. Dann, nach viermaligen Aufziehen ist ihre Kraft endgültig gebrochen.

24. Oktober 1600

München-Graggenau * Ein Selbstmordversuch der eingesperrten und gefolterten Agnes Klostermüller scheitert. Gebrochen und verzweifelt erzählt sie nun alles, was man von ihr hören will: 

  • „Sie habe eine Menge Kinder umgebracht,
  • habe an dreißig Herzlein [von Kindern] gegessen,
  • habe acht alte Leute durch Bestreichen mit der Salbe getötet,
  • sei ausgefahren, besonders zu Brunn im Schloss in den Keller, wo sie guten Wein getrunken.
  • Des Edelmanns Weib dort habe sie ‚erkrümbt‘. 
  • Sie habe an 20 Rinder gefällt, vielen Kühen die Milch benommen, fünf Wetter [...] gemacht.“ 
26. November 1600

München-Maxvorstadt * Die Scheiterhaufen auf dem Münchner Galgenberg lodern erneut. Diesmal befindet sich neben der Agnes Klostermüller und ihrer Mutter Anna, der Weber Hans Stumpf, Glashansl genannt, und der Brotträger Augustin Baumann. Auch der elfjährige Hansel Pämb wird dem Feuer übergeben.

Der alte Klostermüller stirbt noch im Falkenturm. Es ist ungewiss, ob an den Qualen der Folter oder durch einen Selbstmord. 


1602

10. Juni 1602

Degenberg * Hans VIII. von Degenberg stirbt ohne Nachkommen. Damit geht aufgrund eines Erbschaftsvertrags aus dem Jahr 1488 der gesamte Herrschafts- und Besitzkomplex in den Besitz der Wittelsbacher über.

1. August 1602

Degenberg * Der Degenbergische Pfleger und Bräuverwalter Leonhard Mair wird beauftragt das weiße Brauwesen wie bisher und mit dem selben Personal als landesherrliches Unternehmen weiterzuführen. Das ist die Geburtsstunde des wittelsbachischen Weißbierbrauwesens. Die Brauereien befinden sich in Schwarzlach, Zwiesel und Linden.

Weil auch sämtliche weiteren Einnahmen der Degenberger Güter an den Herzog gehen kommt es zu einem langjährigen Rechtsstreit.


1605

1605

München-Graggenau * Das „Herzogliche Hofbräuhaus“ braut insgesamt 2.256 „Eimer“ Winter- und Sommerbier.
Da ein „Eimer“ 64 Liter fasst, sind das 1.444 Hektoliter.

Davon werden 705 „Eimer“ an die Münchner Bevölkerung verkauft, weshalb die Bilanz mit einem Reingewinn von fast 200 Gulden abschließt.

1605

München * Der „Landtag“ beschäftigt sich mit dem herzoglichen „Weißbier-Brauwesen“ mit heftiger Kritik.

Herzog Maximilian I. zahlt freiwillig jährlich eine sogenannte „Komposition“ in Höhe von 10.000 Gulden.


1606

1606

München-Kreuzviertel * Die vergoldete Madonnenfigur, die später die „Mariensäule“ schmücken soll, kommt auf den provisorischen Hochaltar der „Frauenkirche“.


1607

1607

München-Graggenau * Der Erfolg des „Herzoglichen Hofbräuhauses“ bringt die bürgerlichen Brauer derart in Rage, dass sie sich über die staatliche Konkurrenz beschweren.

Das „Hofbräuhaus“ darf ab 1607 nur mehr „zur Nothdurft des Hofstaates“ brauen.

1607

München-Kreuzviertel * Der alte „Drei­flügelaltar“ aus dem 15. Jahrhundert wird im Rahmen der Neugestaltung des „Chorraumes“ der „Frauenkirche“ abgerissen.  

An seine Stelle tritt ein Provisorium, für das die von Hubert Gerhard geschaffene „Madonna mit dem Kind“ verwendet wird.  
Allerdings fehlt dieser Lösung die absolut nötige Monumentalität für den Chorabschluss der „Frauenkirche“

26. Februar 1607

Degenberg * Die Erben der Degenberger führen einen langjährigen Prozess gegen den baierischen Herzog. Maximilian I. erhält zwar den gesamten Degenbergischen Herrschaftsbesitz, muss dafür aber 62.000 Gulden bezahlen. So viel ist ihm aber das Weißbiermonopol wert.


1608

1608

München * Die „schwarze Christlin“ mit etlichen „Ansegenweibern, die sich des Ansegnens und Zauberwerks gebrauchen“ kommen in Haft. 

12. April 1608

München * Dr. Johann Simon Wagnereckh präsentiert einen ersten Entwurf des von ihm ausgearbeiteten baierischen „Aberglaubens- und Hexenmandat“

Mehrere „Räte“ kritisierten seine „übergroße Schärfe“.

Zu einer Verabschiedung des „Mandats“ kommt es nicht mehr, weil dadurch ein Machtkampf zwischen den „Zelanten“ [= „Eiferer“] und den „Politikern“ ausgebrochen ist und sich die beiden Gruppen gegenseitig blockieren. 

Mai 1608

Markt Schwaben * Der „Beyerin von Winden“, einer Bäuerin aus der Gegend um Markt Schwaben, wird der Prozess gemacht. 

„Ankläger“ ist erneut der „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.

Es kommt wiederholt zur Auseinandersetzung mit dem „Hofoberrichter“ Dr. Bernhard Barth von Hermatingen, sodass sich der Prozess monatelang hinzieht und die Frau im Mai 1608 einen Selbstmord verübt. 

26. Mai 1608

Donauwörth * Während der Fronleichnams-Prozession geht ein schweres Gewitter über der Stadt Donauwörth nieder, das man sich nur mit Schadenszauber und Hexerei erklären kann. Birgit Schuster und Paul Ritter werden als Verursacher des Unwetters verhaftet.

Birgit Schuster gesteht unter der Tortur, nennt über hundert weitere Hexen und wird verbrannt. Paul Ritter wird ebenfalls den Flammen übergeben. Durch die Denunziation werden weitere 17 „Unholdinnen“ angeklagt. 


1609

März 1609

Wemding * Der „Donauwörther Hexenprozess“ greift durch Denunziation auf Wemding über.

Auch der dortige „Pfleger“ Konrad Bemelberg d. J., der Sohn des Donauwörther „Statthalters“, erhält vom Münchner „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh eine „Blankovollmacht“ zur „Folteranwendung“.
Das Amt des „Richters“ übt Dr. Gottfried Sattler aus.

Neun Frauen und ein Mann werden daraufhin der „Hexerei“ bezichtigt und später hingerichtet. 


1610

1610

München-Graggenau * Die Baumaßnahmen für den zukünftigen „Hofgarten“ beginnen im Osten.

Sie dauern bis 1620.  
Der Garten wird beträchtlich vergrößert und erreicht etwa seine heutige Dimension. 

30. März 1610

Bamberg * Friedrich Förner hat in Bamberg ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ erlassen. 

Um Mai 1610

München * Noch während die „Wemdinger Hexenprozesse“ laufen, nutzt der „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh die Gunst der Stunde und bringt seinen abgeschmetterten Vorschlag für ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ wieder aufs Tablett. 

Oktober 1610

Augsburg * Bischof Heinrich V. von Knöringen erlässt ein entsprechendes „Aberglaubens- und Hexenmandat“ für das „Hochstift Augsburg“.

Sie alle stehen damit in einer Linie mit den fränkischen Bischöfen und den Fürsten in München sowie Köln und zählten zu den von Papst Urban VIII. so bezeichneten „Zelanten“


1611

1611

München * Herzog Maximilian I. erlässt ein „Landgebot gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“.

24. Januar 1611

München * Der Jurist Dr. Cosmas Vagh, der wegen seinen Positionen und seiner Härte in der Hexenverfolgung berüchtigt ist, hat ein „Landgebott wider die Aberglauben, Zauberey, Hexerey und andere sträffliche Teuffelskünste“ verfasst, das er nun persönlich dem Gremium des Hofrats in aller Ausführlichkeit vorträgt. Zuvor war es inhaltlich mit den Jesuiten abgestimmt worden. Die Hofräte verabschieden das Hexen-Mandat noch in der gleichen Sitzung. 

Februar 1611

München * Abschließend wird das baierische „Aberglaubens- und Hexenmandat“ dem „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh zur abschließenden Kontrolle vorgelegt, bevor es in der Druckerei der „Anna Bergin wittib“ im Februar 1611 auf Papier gebracht wird.

Wie so oft, handelt „Hofratskanzler“ Wagnereckh auch hier wieder eigenmächtig.

Das Werk geht in Druck, bevor es Herzog Maximilian I. unterzeichnet hat - und damit nicht rechtskräftig ist. 

12. Februar 1611

München * Das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ liegt in gedruckter Form vor. 

28. März 1611

München * Der Geheime Rat kann sich erst jetzt mit dem Hexen-Mandat befassen. Er nimmt - besonders an den Paragraphen, in denen es um die Konfiszierung von Eigentum geht - umfangreiche Korrekturen vor und erklärt, dass er das Mandat in der vorliegenden gedruckten Form nicht veröffentlichen will. 

Um Juli 1611

München * Der aus Ingolstadt stammenden Dr. Schober mit der Untersuchung der „Prozess-Umstände“ von Wemding beauftragt.  

Schobers Urteil ist für den „Hexenrichter“ Dr. Gottfried Sattler niederschmetternd, woraufhin alle in München und Wemding Angeklagten auf Befehl des „Hofrats“ freigelassen werden müssen.

Dafür wird Dr. Sattler verhaftet und in den „Falkenturm“ nach München gebracht.
Die Kosten der Untersuchung durch Dr. Schober und die Unterbringung der vier Verdächtigen im „Falkenturm“ werden dem „Hexenrichter“ Sattler und dem „Gerichtsschreiber“ aufgebrummt.

Bei den Vernehmungen kommen nicht nur die „Unterschlagungen und Veruntreuungen“ in Höhe von 3.000 Gulden ans Tageslicht, sondern auch ein „adulterium“, eine unzüchtige sexuelle Handlung.

Damit ist die Geduld des „Hofes“ erschöpft und das Todesurteil über den „Hexenrichter“ schnell gefällt.
Und das, obwohl er aus dem Kreis der „Hofräte“, die sich zur „Partei der Hexenprozess-Befürworter“ zählen, massive Unterstützung erhält. 


1612

1612

Einbeck - München * Der aus Einbeck - im hohen protestantischen Norden - stammende „Bierbrauer“ Elias Pichler wird vom baierischen Herzoghaus ans „Hofbräuhaus“ nach München angeworben, um hier ein Bier nach „ainpöckischer Art“ zu Brauen.

Bevor er seine Tätigkeit aufnimmt, muss er aber noch schnell zum katholischen Glauben konvertieren.

Er braucht zwar noch einige Experimente, aber dann gibt‘s statt des bis dahin gebrauten „Plempels“ ein würziges, süffiges und bekömmliches „Bockbier“ aus dem „Herzoglichen Hofbräuhaus“.

Das wird aber erst im Jahr 1614 sein. 

1612

München * Das Kräfteverhältnis im „Hofrat“, dem zentralen kurfürstlichen Entscheidungsträger in der „Justiz“, hat sich zu Gunsten der verfolgungskritischen „Politiker“ verändert. 

Ab 1612

Bamberg * In den fränkischen „Hochstiften“ erreichen die „Hexenverfolgungen“ einen neuen Höhepunkt.

Vor allem der Bamberger „Weihbischof“ Friedrich Förner tut sich als Antreiber hervor.
In der Zeit von 1610 bis 1630, in der er sein einflussreiches Kirchenamt ausübt, fordert er fanatisch die „Ausrottung der Trudner“, wie man hier die „Hexen“ bezeichnet.

Noch während der ersten „Verfolgungswelle“ der Jahre 1612/13 kommt es zur „Hinrichtung“ von 15 „Hexen“

1612

Herzogtum Baiern * Die Zahl der landesherrlichen „Weißbier-Brauhäuser“ ist auf neun angewachsen.

Weitere neun „Weißbier“ brauende „Kommun-Brauhäuser“ sind dem Herzog gegenüber abgabepflichtig.

1612

München * Dieser „Landtag“ beschäftigt sich erneut mit dem herzoglichen „Weißbier-Brauwesen“.

Herzog Maximilian I. entkräftet sämtliche Argumente, muss aber zugestehen, dass er bei einer „Weizenknappheit“ das Getreide aus dem Ausland beziehen oder die „Weißbierproduktion“ einschränken wird.

Die als „Komposition“ bezeichnete Abgabe in Höhe von 10.000 Gulden zahlt der Herzog auch weiterhin an die „Landschaftskasse“.
Dieser Betrag ist aber im Vergleich zu den Einnahmen aus dem herzoglichen „Weißbiermonopol“ lächerlich gering.

21. Januar 1612

München * Der Geheime Rat schickt das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wieder zurück, weshalb es den Beamten erst im März 1612 zugänglich gemacht werden kann. Die für den voreiligen Druck verantwortlichen Hofräte Dr. Cosmas Vagh und Dr. Hieronymus Faber mussten die Korrekturen als Strafarbeit persönlich in die anderen Exemplare übertragen.

Das Verhalten des Hofrats gegenüber dem Geheimen Rat löst auch die Untersuchung der Vorgänge in Wemding aus. 

März 1612

München * Erst jetzt ist das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ den Beamten zugänglich gemacht.

Das „Landgebott wider die Aberglauben Zauberey Hexerey und andere sträffliche Teufelskünste“ umfasst 40 Seiten und ist das umfangreichste „Gesetz gegen die Hexerei, Zauberei und Aberglauben“, das jemals in Mitteleuropa publiziert worden ist.

Es listet 52 strafbare Formen von „Aberglauben“ auf.
Darunter beispielsweise Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Ausgraben von Leichen und Alraunen, abergläubisches Schatzsuchen, Ungezieferbeschwörung, Wetter- und Bildzauber, Bannung von Geistern und Krankheiten durch Ansegnen, Missbrauch von Scharfrichterutensilien und so weiter.

Ausdrücklich wird „guter“ und „schlechter Zauber“ gleichgesetzt.
Auch harmloser „Aberglaube“ gilt als „Vorstufe zum Hexenverbrechen“.

Jede Form von „Zauberei“ muss ausgerottet werden, weil sonst „Gott der Allmechtig zu billichem Zorn gegen uns Menschen bewegt und unser Landt und Leuth mit thewrung Krieg und Pestilentz auch andern mannigfaltigen Plagen straffen und angreiffen möchte“.  
Schließlich ist es Aufgabe der Obrigkeit, die „Ehre Gottes“ zu retten.

Als besonders tatverdächtig werden im Bereich des „Aberglaubens“ die „Schmiede auf dem Lande“, die „alten Weiber“ und die „Nachrichter“ genannt.

Erstmals wird für den Bereich des Herzogtums Baiern nun auch der „Teufelspakt“ als Straftat ausformuliert. 

21. Juli 1612

München * Zur Veröffentlichung des Hexenmandats muss dieses von der Kanzel verlesen werden. Doch der Landrichter von Friedberg berichtet, dass sich die Priesterschaft im Bezirk der Verlesung des Hexenmandats verweigern würde und führt dies auf den Einfluss der zuständigen Bischöfe zurück.

Außerdem untersagt der Geheime Rat dem Hofrat die Veröffentlichung des Mandats in den Hofmarken. Damit zeigt das Mandat keine allzu große Wirkung. 


1613

1613

München * Der Münchner „Henker“ Hans Stadler wird angeklagt, weil er gestohlene Sachen durch „Zaubern“ wieder zurückholen kann und diese „Kunst“ für 12 Gulden einem Mitglied aus der Adelsfamilie der Taufkirchner zur Verfügung stellte. 

23. Mai 1613

München - Markt Schwaben * Herzog Maximilian I. macht der Vorschlag, das Urteil gegen Dr. Gottfried Sattler außerhalb von München zu vollstrecken, um so ein größeres Aufsehen zu vermeiden. Dr. Gottfried Sattler wird wenig später in Markt Schwaben hingerichtet. Es ist aber nicht die willkürliche Art seiner Prozessführung, die zu seiner Verurteilung führt, sondern

  • die „Unterschlagung und Veruntreuung“ und damit
  • die „Schmälerung der landesherrlichen Einnahmen“

Erst nach dem Wemdinger Fiasko setzt sich beim Hofrat eine vorsichtigere Verfolgungspraxis durch. Die Außenbeamten werden jetzt sorgfältiger überwacht und voreilige Maßnahmen frühzeitiger gerügt. In der Folgezeit endeten die meisten Untersuchungen wegen Zauberei mit strengen Verweisen. 


1614

1614

München * Der zwölfjährige Onophrius Mießl kommt in den Verdacht der „Hexerei“, nachdem er dreimal hintereinander eine geronnene Milch heimbrachte.

Mit vorformulierten Fragen stimuliert das „Kürschnerehepaar“, bei dem er angestellt ist, ihn zu „Hexereigeständnissen“.

Auf Anraten eines Paters wird der „Stadtrichter“ vom Verdacht informiert und der Junge unter Einsatz der „Folter“ verhört.

Der Rat der Stadt stellt abschließend fest, dass das Geständnis ein „erdichtetes Lügen- und Fabelwerk“ sei und sperrt statt des Knaben das „Kürschnerehepaar“ acht Tage bei „Wasser und Brot“ ins Gefängnis. 

1614

München-Graggenau * Der „Hofgarten“ wird im Zusammenhang mit der Erweiterung der „Residenz“ unter Herzog Maximilian I. angelegt und der „Zentrale Pavillon“ erstellt.  

Die Wegachsen der Gartenanlage münden sternförmig in die Rundbogenöffnungen des „Pavillons“

Um den 1. Mai 1614

München-Graggenau * „Braumeister“ Elias Pichler kredenzt in München erstmals das von ihm gebraute Bier nach original „Einbecker Art“, das später über „ainpöckisch Bier“ den Namen „Bockbier“ erhalten wird.

Aufgrund der merkantilistischen wirtschaftspolitischen Grundprinzipien ist Herzog Maximilian I. - auch beim Bier - der Meinung, dass es wirtschaftlich besser ist, Fertigwaren auszuführen und allerhöchstens die Rohstoffe einzuführen, um dann am erzielten Mehrwert zu verdienen.
Deshalb werden ab dem Jahr 1612, mit der Anwerbung des aus Einbeck stammenden „Braumeisters“ Elias Pichler, auch die Lieferungen von „Einbecker Bier“ für den Münchner Hof eingestellt.

Schon zuvor ist am „Münchener Herzogshof“ der Bedarf an dem Gerstensaft aus dem hohen deutschen (protestantischen) Norden durch den Aufschwung, den das „Weiße Bier“ hier genommen hat, stark zurückgegangen.

Das „Luxusgetränk“ mit seinen mehr als 16 Prozent Stammwürze und über sieben Prozent Alkoholgehalt bleibt auch weiterhin ein Privileg des Landesfürsten.
Herzog Maximilian I. lässt - auf nachhaltiges Drängen - zwar den „Bock“ auch an seine „Landeskinder“ ausschenken, erklärt aber die Herstellung des „Bockbieres“ - wie schon zuvor des „Weißbieres“ - zum „fürstlichen Regal“, also zum Monopol der Landesherrschaft.

Aus dem „ainpöckischen Bier“ wird im Volksmund bald der „Bock“.
Im „Kanzleideutsch“ aber ist noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vom „Ainbock“ die Rede. 


1615

Nach 1615

München-Graggenau * Der „Hofprediger“ Jeremias Drexel geifert von der Kanzel: 

„Ich rufe auf Befehl Gottes und so laut ich nur kann, Bischöfen, Fürsten und Königen zu: Lasset die Hexen nicht leben!
Mit Feuer und Schwert ist diese schlimmste menschliche Pest zu vertilgen.“
 

1615

München-Graggenau * Der Teich im „Unteren Hofgarten“ wird eingelassen.  

An der Stelle des ehemaligen „Lustgartens“ Herzog Wilhelms IV. entsteht die „Zeughaus-Anlage“ Herzog Maximilians I.. 

12. September 1615

München-Graggenau * Ohne eigenes Zutun kommt das Münchner Stadtgericht zu einem Hexenprozess. Eine Bettlerin wird nach einem Selbstmordversuch festgenommen und diese erklärt dazu völlig unerwartet, dass sie, Barbara „Bärbl“ Schwerzin, „vom Teufel besessen“ und sie, ihre Schwester Elisabeth „Elsl“ und besonders ihre Mutter Katharina Hexen seien. An diesem 12. September beginnt der Hexenprozess. 

4. Dezember 1615

München-Graggenau * Der Stadtrat beschließt die Hinrichtung der drei Hexen: Barbara „Bärbl“, Elisabeth „Elsl“ und Katharina Schwerzin. Auch der Hofrat schließt sich dem Vorschlag an. Doch nun stellt sich Herzog Maximilian I. gegen die Auffassung des Stadtrats und seiner eigenen Justizbehörde.  

Auf Drängen Herzog Maximilians I. nimmt dieser städtische Hexenprozess beinahe wieder ausufernde Formen an. Getreu der Doktrin: „Wo eine Hexe ist, da sind noch mehr zu finden.“ 


1616

Ab 1616

Bamberg * In der zweiten „Verfolgungswelle“ des Bamberger „Weihbischofs“ Friedrich Förner zwischen 1616 und 1622 müssen erneut 159 Menschen als „Hexen“ sterben. 

Ab 1616

Würzburg - Tübingen * In Würzburg kommt es unter „Fürstbischof“ Julius Echter von Mespelbrunn zu ersten Verfolgungen.

In einem Tübinger Bericht berichtet ein anonymer Verfasser über den aufkeimenden „Hexenwahn“ im Hochstift:

„Auß dem Bißthum Würzburg: Gründliche Erzehlung der Bischof zu Würzburg das Hexenbrennenim Frankenland angefangen, wie er dasselbeforttreiben, und das Ungeziffer gentzlich außrotten wil, und allbereit zu Geroltzhoffen starke Brände gethan, hinführe alle Dienstag thun will“

Um 1616

München-Graggenau * Auf der Spitze des zentralen „Pavillons“ im „Hofgarten“ wird die Statue der „Diana“ oder „Tellus Bavarica“ aufgestellt.  

Erbaut werden die Nord- und Westarkaden, das neue „Brunnhaus“ und eine Brücke zum „Hofgarten“, die den Zugang von der durch den Stadtgraben abgetrennten „Residenz“ bildet. 

21. Januar 1616

München * Der Hexenprozess gegen Barbara, Elisabeth und Katharina Schwerzin wird wieder aufgenommen. Nach den Geständnissen der Elsl Schwerzin unter der Folter werden vier weitere Frauen verhaftet, jedoch im Mai wieder entlassen. Am letzten Gerichtstag widerrufen die Mutter Katharina und ihre Tochter Bärbl alles vorher gesagte; nur Elsl bleibt bei ihren früheren Aussagen.

Das Stadtgericht nimmt nun den Prozess mit verstärkter Anwendung der Folter wieder auf, prüft aber die erzwungenen Aussagen besser nach und muss feststellen, dass die Aussagen frei erfunden und erlogen sind. 

Um August 1616

Au * Nach einer lang anhaltenden Dürre reicht das Wasser zum Antrieb des „Wasserrades“ im „Brunnhaus am Isarberg“ nicht mehr aus.

Angeheuerte Tagelöhner müssen das Rad sechs Wochen lang mit ihrer Körperkraft antreiben.

8. November 1616

München * „Elsl“ Schwerzin wird als Hexe hingerichtet, die „Alte“ Schwerzin freigelassen und von der Stadt versorgt. „Bärbl“ gibt in ihrer Verwirrung immer neue Geständnisse ab, denen der Stadtrat aber keinen Glauben mehr schenkt. 


1617

Anno 1617

Rom * Papst Paul V. lässt die Bronzefigur einer „Maria Immaculata“ in Rom bei „Santa Maria Maggiore“ auf eine antike Säule stellen. 

1617

Eichstätt * Im „Bistum Eichstätt“ beginnen die Hexen-Verfolgungen.

Dort ist es Johann Christoph von Westerstetten, der sich bereits im „Bistum Ellwangen“ als fanatischer „Hexenbischof“ hervortat und an seiner neuen Wirkungsstätte die „Hexen-Verfolgungen“ forciert.

In seiner Amtszeit zwischen 1617 und 1630 lassen sich mindestens 155 Hinrichtungen [133 Frauen und 22 Männer] nachweisen. 

Mit seinem Tod enden auch die Verfolgungen.
Auch in Eichstätt gehen die Verfolgungen durch alle sozialen Schichten, Opfer werden Bürgermeister, Ratsherren und deren Frauen ebenso wie der „Klosterrichter“ und andere. 


1618

1618

Augsburg * Besonders unverständlich erscheint uns die nicht zu unterschätzende Anzahl von „Hexenprozessen gegen Kinder“

In der „Reichsstadt Augsburg“ finden in den Jahren zwischen 1618 und 1730 acht derartige Verfahren statt, in denen 45 Kinder und Jugendliche betroffen sind.

Ein Drittel davon sind Mädchen, der Rest sind Knaben, die alle dem „Unterschichtenmilieu“ entstammten. 

Um Januar 1618

München-Angerviertel * „Bärbl“ Schwerzin wird dem „Heiliggeist-Spital“ übergeben.

„Das Costgelt trag die Stadtchammer“


1619

1619

München * Der Ausbau der Stadtmauer zu einem barocken Befestigungsgürtel mit Wall und Gräben beginnt. 


1620

1620

München - Rom * Die nächste Reform der altbaierischen „Franziskaner-Konvente“ entspringt den kirchenpolitischen Vorstellungen des regierenden Herzogs Maximilian I..

Es geht dem die „Gegenreformation“ tragenden Herrscher um die innere Erneuerung der katholischen Kirche, damit sich diese erfolgreich gegenüber der lutherischen „Reformation“ behaupten und verloren gegangenes Terrain zumindestens teilweise zurückgewinnen kann. Er will Baiern zu einem gut verwalteten und modernen Zentralstaat ausbauen, der in alle Lebensbereiche seiner Untertanen eingreifen und diese beaufsichtigen soll. Dazu gehört auch die Übereinstimmung der kirchlichen und staatlichen Territorialgrenzen.

Ein Hauptziel liegt dabei in der Abtrennung der altbaierischen „Franziskanerkonvente“ von der „Observatenprovinz Straßburg“, um so eine baierische - und damit unabhängige, aber staatstreue - „Franziskanerprovinz“ zu errichten.

Zur Durchsetzung seiner Ziele besetzt Herzog Maximilian I. - obwohl keine besonderen Missstände im Münchner und den anderen baierischen „Franziskaner-Niederlassungen“ vorliegen - die Schlüsselpositionen und sogar halbe „Konvente“ mit italienischen „Riformati“, einer italienischen Reformgruppe innerhalb des Ordens, neu. Diese „Reformaten“ übernehmen als erstes und wichtigstes Kloster in Altbaiern den „Franziskaner-Konvent“ bei der „Münchner Residenz“.

1620

München-Kreuzviertel * Die „Madonnenplastik“ vom provisorischen Hochaltar der „Frauenkirche“ wird entfernt und durch ein riesiges Altargemälde von Peter Candid ersetzt, das allein schon im Format alles übertrifft, was es im baierischen Herzogtum an Altarbildern gibt, und das „Mariae Himmelfahrt“ zeigt.  

Die „Madonna“ wird 18 Jahre später auf der „Mariensäule“ wieder verwendet. 

1620

München-Graggenau * Mit der Fertigstellung des „Vischhauses“ sind die Baumaßnahmen am „Hofgarten“ beendet. 

Mai 1620

Schärding * Der bereits 60-jährige „Karmelitengeneral“ Dominicus a Jesu Maria geht auf päpstliche Weisung nach Baiern.

Noch in Rom hat er den Sieg von Prag vorausgesagt:
„Wenn die Schlacht anfangen wird, werde ich auf einem mutigen Pferd sitzen, durch die Glieder des Kriegsheeres reiten, die Soldaten anfrischen: Die mich erblickenden Feinde werden aufschreien: Was für ein Teufel aus der Hölle kommt zu dem katholischen Kriegsheer?“

In Schärding am Inn, wo die „Liga“ ihre Truppen gesammelt hat, trifft der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria erstmals auf Herzog Maximilian I. und dessen Ehefrau Elisabeth Renata von Lothringen.

Gemeinsam begeben sich die zur „Strafaktion“ versammelten Regimenter und Maximilians Hofstaat nach Böhmen.
Der „Karmeliter-Pater“ reist in einer Sänfte.

In einem von den böhmischen Aufständischen zerstörten Dorf findet der Ordensmann ein kleines Bild, das die Geburt Jesu darstellt.

Calvinistische Bilderstürmer haben Maria und Josef die Augen ausgekratzt.
Sofort hängt sich der „Karmelit“ dieses „Gnadenbild“ um den Hals.

Am Abend des 7. November 1620

Prag * Die katholisch- kaiserliche Armee steht westlich vor Prag.

Am Morgen des 8. November 1620

Prag * Der Karmeliten-Pater Dominicus a Jesu Maria tritt mit einem von kalvinistichen Bilderstürmern geschändeten Marienbild um den Hals und dem Kreuz in der Hand vor die Söldnertruppen und ruft im mitreißenden Glaubenseifer zum Kampf auf. Engel würden die katholische Sache zum Sieg führen. Der Schlachtruf lautet: „Maria!“

Am Weißen Berg entbrennt der Kampf gegen das böhmische Ständeheer. Eine Übermacht von 32.400 kaiserlichen Infanteristen und 7.550 Reitern tritt gegen 8.000 böhmische Fußsoldaten und 5.000 Kavalleristen an. In nur einer einzigen Stunde erringen die Kaiserlichen einen triumphalen Sieg über die böhmischen Rebellen.

Domenicus a Jesus Maria stilisiert anschließend den Kampf zu einer Schlacht des Katholizismus gegen den Unglauben hoch. Die vernichtende Niederlage des protestantischen Heeres wird dementsprechend als Sieg des Katholizismus und schließlich als göttliches Wunder umgedeutet.


1621

Ab der Brausaison 1621

München-Graggenau * Die von Elias Pichler kreierte neue „Bier-Spezialität“, das „Bockbier“, taucht bei allen Abrechnungen der Sudstätte als eigener Rechnungsposten auf. 

1621

München-Graggenau * Im Pütrichhaus wird ebenfalls sie Klausur eingeführt. Damit sind die beiden ältesten Münchner Seelhäuser zu traditionellen Klöstern geworden.


1622

Bis 1622

Herzogtum Baiern * Die anderen altbaierischen „Franziskaner-Klöster“ - in Landshut, Ingolstadt und Kelheim sowie die geistliche Leitung des „Klarissinnenklosters St. Jakob am Anger“ - werden von „Reformaten“ übernommen.

Viele der alten „Observanten“ verlassen daraufhin die neue Provinz wegen des „welschen guberno“, also der Vorherrschaft ihrer italienischen Mitbrüder.
Doch schon innerhalb einer Generation sind die einheimischen „Reformaten“ wieder nachgewachsen.

1622

München * Herzog Maxililian I. veröffentlicht Mandate zu den Hexenprozessen.


1623

Ab 1623

München-Graggenau * Der „Hofgarten“ wird in die Umwallung einbezogen.


1624

Ab 1624

München-Graggenau * Das „Alte Rathaus“ verliert sein gotisches Gesicht.

Es wird im Stil der Spätrenaissance umgestaltet.


1625

1625

Rom-Vatikan - München * Papst Urban VIII. bestätigt die von Kurfürst Maximilian I. angestrebte selbstständige baierische „Franziskanerprovinz zum heiligen Antonius von Padua“.

1625

München-Graggenau - München-Angerviertel * Gemäß der „Zollordnung“ muss der „Zöllner“ vom „Isartor“ eintausend Gulden „Kaution“ stellen. 

Etwa 1625

München-Graggenau * Der „Marktbrunnen“ trägt die Bezeichnung „Fischbrunnen“.

Bei ihm findet der „Fischmarkt“ statt.

Ab 1625

Bamberg * Unter „Fürstbischof“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim sollen alleine zwischen 1625 und 1630 nicht weniger als 236 Menschen verbrannt worden sein.

Insgesamt werden im „Fürstbistum Bamberg“ zwischen 1616 und 1630 mindestens 630 Menschen als vermeintliche „Hexen“ hingerichtet. 


1626

Ab 1626

Bamberg * Der Neffe des Bamberger „Fürstbischofs“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, Philipp Adolf von Ehrenberg, ein „Eiferer“, weitet in den Jahren 1626 bis 1630 die „Hexenverfolgungen“ massiv aus.

Dabei geraten - im Gegensatz zum üblichen Verlauf der Verfolgungen - zahlreiche Adelige und Bürger, aber auch „Ordensleute“ und sogar das „Verfolgungspersonal“ selbst in den Sog der „Trudenjagd“.

Nach der Beendigung der „Hexenverfolgung“ durch eine Entscheidung des „Reichskammergerichts“ und dem Einmarsch der schwedischen Truppen sind in der Stadt Würzburg 220 Personen und im „Hochstift Würzburg“ über 900 Menschen als „Hexen“ erst geköpft und dann verbrannt worden. 

1626

München * Selbst unter den „Jesuiten“ gibt es erste Stimmen, die sich entschieden gegen die „Verfolgung der Hexen“ aussprechen.

Dazu gehört der „Jesuitenpater“ Adam Tanner, der sich im dritten Band seines Werkes „Theologiae Scholasticae“ vehement gegen die Ansicht wehrt, dass Gott es zulassen würde, dass neben vielen „Schädlichen“ auch viele „Unschuldige“ sterben müssten.

Tanner bejaht zwar die Existenz der „Hexen“, glaubt grundsätzlich an den „Teufelspakt“ und sieht in der „Hexerei“ ein „todeswürdiges Verbrechen“, dem der Prozess zu machen sei.

Er verlangt aber auch, dass bis zum Beweis des Gegenteils von der „Unschuld der Angeklagten“ auszugehen sei.
„Geständnisse unter der Folter“ dürfen keine Begründung für einen „Urteilsspruch“ sein. 

Seine Forderungen bringen dem „Jesuiten“ Adam Tanner mannigfache Anfeindungen ein.
Erboste „Inquisitoren“ drohen ihm sogar die „Folter“ an. 


1627

1. März 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird der Hexerei beschuldigt. Sie wurde aufgrund von 16 Denunziationen gefangen genommen und „gütlich und peinlich vernommen“. 20 Tage hält sie den Qualen einer extrem grausamen und sich immer steigernden Folterprozedur stand, erst dann ist die selbstbewusste Frau gebrochen.

Sie gesteht schließlich alles, was man ihr vorsagt: „Wetterzauber, Kinderausgraben, Coitus mit dem ‚bösen Feind‘, Schadzauber mit Pulver und Salben an Menschen und Tieren“. Außerdem nennt sie noch 34 „Gespielinnen“, an denen sich die fürstbischöflichen Kommissare im Anschluss ebenfalls vergehen. 

8. Mai 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird „von Rechts wegen“ als Hexe mit dem Schwert der Kopf abgeschlagen und ihr Körper anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das nicht unbeträchtliche Vermögen der Bürgermeisterin wird vom Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten, seinen Terrorkommissaren, Foltermeistern und Henkerknechten geraubt. 


1628

1628

Oberpfalz * „Bücherverbrennungen“ in der rekatholisierten Oberpfalz.

Ab 1628

Neuburg * Das Jahr ist von einer extrem kalten Witterung geprägt, die zu Ernteausfällen und „Pestepidemien“ führt.

Im „Fürstentum Pfalz-Neuburg“ sterben zwischen 1628 und 1630 etwa achtzig der „Hexerei“ bezichtigte Personen, in Neuburg sind es 22. 


1629

Ab 1629

Wemding * Im „Kurfürstentum Baiern“ ist Wemding von 1629 bis 1630 erneut das Zentrum einer „Hexenverfolgung“.

Die baierische Enklave liegt auf fränkischem Gebiet und ist umgeben von den Auswirkungen der dortigen „Hexenverfolgungen“.

„Denunziation“ aus dem „Herzogtum Pfalz-Neuburg“ und der „Grafschaft Oettingen“ führen auch hier zu einer neuen Verfolgungswelle - trotz der gemachten schlechten Erfahrungen.

Vierzig Personen werden Opfer des „Hexenwahns“

1629

Ingolstadt * Auch Ingolstadt bekommt einen Hexenprozess. Das Strafurteil fällt die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt, die zwar im Allgemeinen milder urteilte, als es dem Herzog gefiel, dennoch einige Todesurteile fällte. Verurteilt wird die Hofschneiderin Catharina Nickhlin wegen „Teufelsbündnis, Teufelsvermischung, Absagung Gottes, Schädigung von Mensch und Vieh“ und wegen „Verunehrung der Hostien“.

Catharina Nickhlin stammt aus Eichstätt und wird aus dem Kreis der dort wegen Hexerei verbrannten Frauen und Männer denunziert. Sie flieht nach Ingolstadt, wird aber dort auf Ersuchen der Eichstätter Behörden am 13. Februar 1629 verhaftet. Nachdem sich die Stadt Ingolstadt gegen den Hexen-Prozess wehrt, muss ein Dr. Wolfgang Kolb auf Befehl des Münchner Hofrats die Tortur durchführen. Dr. Kolb hat vorher schon als Hexen-Kommissar in Eichstätt gedient.

6. Juli 1629

Ingolstadt * Die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt stellt das Todesurteil gegen Catharina Nickhlin aus, nachdem der Hofrat zuvor die Hinrichtung durch Verbrennen befohlen hat.

Dr. Kolb exekutiert in Wallerstein zwischen 1628 und 1630 zwanzig Hexen, in Wemding ist er im Jahr 1629 für die Hinrichtung der ersten neun Delinquenten verantwortlich. Den „Erfolg“ von Dr. Wolfgang Kolb führt man auf die Einführung einer neuen Foltermethode zurück: auf den „Bock“, den er erstmals im Kurfürstentum Baiern anwendet. 


1631

12. Januar 1631

München * Durch ein weiteres Hexen-Mandat wird den Hexen Begnadigung zugesagt, wenn sie sich freiwillig stellen. 

Mai 1631

München * Die Schrift „Cautio Criminalis“ des „Jesuitenpaters“ Friedrich Spee erscheint, in der er sich - erstmals im katholischen Bereich - kritisch mit der Anwendung der „Folter“ und den „Hexen-Verfolgungen“ auseinander setzt.

Die Schrift muss „anonym“ erscheinen.
Auch ein aussagekräftigerer Titel - wie etwa „Wider den Hexenwahn“ - wäre ein eindeutiger Verstoß gegen die allgemein herrschende Überzeugungen gewesen und geeignet, neben dem Verfasser auch noch den Drucker und den Verleger in Verdacht zu bringen, dass sie „Hexen“ in Schutz zu nehmen und somit die „Partei des Satans“ stärken würden.

Der „Jesuitenpater“ Friedrich Spee hatte während seiner Aufenthalte in den Zentren der „Hexenverfolgung“ in Köln, Trier, Würzburg, Mainz, Speyer und Paderborn „Hexenprozesse“ verfolgt und kam dabei zur Überzeugung, dass die „Folter“ nicht zur „Wahrheitsfindung“ geeignet sei.

Das verstößt freilich gegen die damalige „Rechtsauffassung“, denn daraus lässt sich ableiten, dass die verdächtigten Frauen - trotz ihrer Geständnisse unter der „Tortur“ - unschuldig sind.

Innerhalb der „Gesellschaft Jesu“ bleibt die Autorenschaft des „Paters“ Friedrich Spee nicht verborgen.
Zeitweise droht ihm sogar die Entlassung aus dem „Jesuitenorden“

15. September 1631

Leipzig * Der kaiserlich-katholische Oberbefehlshaber Tserclaes Johann Graf von Tilly zieht in Leipzig ein und lässt dort ausgiebig plündern. 


1632

15. April 1632

Rain am Lech * In der „Schlacht bei Rain am Lech“ werden die „Kaiserlichen“ unter Führung des katholischen „Oberbefehlhabers“ Johann Tserclaes  Graf von Tilly von den Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolfs besiegt.  

Dadurch können die „Schweden“ den Lech überschreiten, womit ihnen das ganze Kurfürstentum Baiern offen steht.  
Die Baiern müssen jetzt die leidvollen Erfahrungen mit dem Durchzug feindlicher Heere durchleben.  

Graf von Tilly wird in der Schlacht durch einen Schuss schwer am Bein verwundet.  
Kurfürst Maximilian I. zieht sich daraufhin in das stark befestigte Ingolstadt zurück.  

Die Erfolge des schwedischen Königs, den seine Anhänger „Löwe aus Mitternacht“ und „Gideon des Nordens“ nennen, von seinen Feinden aber als „Schneekönig“ verspottet wird, machen seinen katholischen Kriegsgegnern Angst.  
Besonders nach dem „Massaker von Magdeburg“

Nach dem 20. Mai 1632

München * Nachdem die Schweden im Dreißigjährigen Krieg die baierische Haupt- und Residenzstadt München besetzt haben, gelobt Kurfürst Maximilian I. „ein gottgefälliges Werk anzustellen, wenn die hiesige Haupstadt und auch die Stadt Landshut vor des Feinds endlichem Ruin und Zerstörung erhalten würde“


1634

Nach dem 7. September 1634

München * Nachdem München 

  • von der drohenden Besetzung und Plünderung durch Kontributionen freigekauft werden und
  • das kaiserlich-ligistische und durch spanische Truppen verstärkte Heer in der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 einen entscheidenden Sieg über die Schweden erringen konnte,

beauftragt Kurfürst Maximilian I. nach seiner Rückkehr eine Kommission zu überlegen, „was es für ein werkh sein [...] möchte“, mit dem er sein Gelöbnis erfüllen könne. Der hochrangige Beraterkreis schlägt die Stiftung eines jährlichen Lobamtes in der Frauenkirche und die Errichtung eines neuen Altars in der entsprechenden Kapelle vor. Sie bewegen sich damit im damals üblichen Rahmen für ein Exvoto. 


1635

September 1635

München * Kurfürst Maximilian I. entscheidet sich auf Anregung des „Hofkammerpräsidenten“ Johannes Mandl von Deutenhofen, „zu Ehren Gottes und Mariens“  

  • ein „Madonnen-Monument“ zu errichten,  
  • alljährlich eine „Prozession“ und  
  • wöchentlich eine „Messe“ abzuhalten.  
  • Dazu kommen noch „Almosen“ und andere religiöse Verpflichtungen. 

1637

12. Dezember 1637

München * Kurfürst Maximilian I. teilt dem Münchner Rat - ohne Rücksicht auf dessen Bestimmungsrecht über den Marktplatz - selbstherrlich mit, er werde „der Heiligen Himlkönigin zu Ehrn, und ewiger gedechtnus, ein offentliches Monumentum, von einer Seulen, und darauf stehenden unnser lieben Frauen Bildtnus, mitten deß Plazs, aufrichten“. Die Arbeiten beginnen zwei Tage später.  

Er begründet dies mit der „unbezweifelbaren Fürbitte der Himmelskönigin und Muttergottes“, die als Patronin und Beschützerin das Land und die Stadt „von Brand und anderm feindlichen Verderben behütet und errettet“.  

Der Rat der Stadt, der zu dieser Entscheidung nicht herangezogen worden ist, muss dies unwidersprochen hinnehmen, obwohl die Stadt seit dem Jahr 1315 das Privileg Kaiser Ludwigs des Baiern besitzt, alleine über die Bebauung des Platzes bestimmen zu dürfen. Auf dem zentralen Platz der Bürgergemeinde München ist künftig der Landesherr mit einer persönlichen Votivgabe präsent.  


1638

30. September 1638

München • Herzog Maximilian Philipp Hieronymus, der zweitgeborene Sohn des Kurfürsten Maximilian I. und der Kaisertochter Maria Anna, wird in München geboren. 

7. November 1638

München-Graggenau * Am ersten Sonntag nach Allerheiligen weiht der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh das Marien-Monument auf dem Schrannenplatz feierlich ein. Das ist jener Tag, an dem alljährlich in einer großen Gedächtnis-Prozession der Sieg Maximilians I. in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag, im Jahr 1620, gegen die aufständischen Böhmen, gefeiert wurde. Auf den Tag genau ist das jetzt 18 Jahre her.  

Die Münchner Mariensäule ist die erste Madonnen-Säule nördlich der Alpen. Der baierische Kurfürst hat die Madonnen-Säule als Symbol des durch den Dreißigjährigen Krieg wieder erstarkten katholischen Glaubens und als Ausdruck seiner eigenen tiefen Marienverehrung errichten lassen. Er legt damit ein öffentliches Bekenntnis für seine Religion und seine politische Überzeugung ab. Die Münchner Mariensäule wird zum Vorbild vieler ähnlicher Monumente in Baiern und Österreich.  


1641

1641

Straubing * Im „Rentamt Straubing“ gibt es Ermittlungen wegen des Auftauchens von „Werwölfen“ im „Baierischen Wald“.

Dort hat sich in der Zeit des Krieges „allerhandt zauberische abergläubische Khünstten und sonderlich zwar das Paizen (wodurch Vich und Leithen an Leib und Leben khan Schaden zuegefüegt werden) so starkh eingerissen und überhandt genommen, das der gemaine ainfeltige Burger und Baursmann in die Gedankhen gleichsamb gerathen, er sich beregter abergläubischer Khünsten ohne Sindt und befahrende Bestraffung gebrauchen und bedienen khönne“.

Um die Verdächtigten verhaften zu können, wird ein eigenes „Gefängnis“ erbaut. 

10. Mai 1641

München-Graggenau * Durch einen Erlass will Kurfürst Maximilian I. sicherstellen, dass die Mariensäule „in gebierender veneration, und respect erhalten, Insonderheit alle unsauberkheiten und verunehrungen verhietet und abgestelt werden“. Die Mariensäule wird deshalb mit einem Marmorgeländer mit den vier Bronze-Laternen umgeben.  

Auf dem Sockel der Mariensäule kommen im gleichen Jahr vier bronzene Heldenputti zur Aufstellung, die für Maria als „ecclesia militans“ [= „die in der Welt kämpfenden Kirche“] oder als Apokalyptisches Weib für die im Kampf der Konfessionen siegreiche katholische Kirche instrumentalisiert werden. Sie stellen eine Umsetzung des Psalm 91, Vers 13 dar: „Über die Schlange und den Basilisken wirst du schreiten, und den Löwen und den Drachen wirst du zertreten.“  

In nahezu allen Veröffentlichungen über die Mariensäule verkörpert der Drache den Hunger, der Löwe den Krieg, der Basilisk die Pest und die Schlange den Unglauben oder falschen Glauben. Sie sollen, so die populäre Auffassung, die großen Plagen der Zeit veranschaulichen. Nach einer anderen Definition, die dem Programm des - im Jahr 1674 ausgebrannten - Zimmers der Religion in der Residenz entspricht, steht der Drache  für die Häretiker [= Ketzer], der Löwe für die Heiden, die Schlange für die Juden und der Basilisk für die Schismatiker [= Protestanten, Kirchenspalter].  

Aus einem Monument der persönlichen Frömmigkeit des Kurfürsten ist durch die Hinzufügung der Heldenputti zugleich ein „Denkmal des Triumphes des katholischen Glaubens über die Übel der damaligen Zeit“ geworden. Da Maximilian I. sowohl den Tag der Denkmalsweihe als auch das Datum für die alljährliche Dankprozession auf den Jahrestag der „Schlacht am Weißen Berg“ orientiert, macht er die Mariensäule auch zu einem unübersehbaren Symbol für den bisher größten Triumph baierischer Waffen über die protestantischen Feinde. Und damit macht er aus der Mariensäule eine Siegessäule. 


1642

8. September 1642

Würzburg * Johann Philipp von Schönborn untersagt nach seinem Amtsantritt die Hexenverfolgungen gänzlich. 


1643

1643

Paris * Die ersten „Kaffeeschenken“ begegnen uns in Paris. 

Ab 1643

Rain am Lech * Im Kurfürstentum Baiern kam es unter der Regierung Maximilians I. in den Jahren 1643/44 zum letzten größeren „Hexenprozess“ in Rain am Lech, der die ungeheuerliche Summe von 3.141 Gulden verschlingt.

Die immensen Kosten, die auch aus den Hinterlassenschaften der „Hexen“ nicht finanziert werden können, lassen den „Hofrat“ von weiteren „Hexen-Verfolgungen“ Abstand nehmen.
Auch die weitgehend beachteten Beschränkungen der „Folter“ und die „Strategie des Widerrufs“ steuern ihren Teil dazu bei.

Der Tatbestand der „Hexerei“ reicht alleine nicht mehr zur Rechtfertigung eines „Todesurteils“ aus.
Hingerichtet werden „Zauberer“ und „Hexen“ im Kurfürstentum Baiern nur noch dann, wenn zudem andere Delikte wie „Giftmord, Kindsmord“ oder „Diebstahl“ nachgewiesen werden können. 


1645

1645

Venedig * Auch Venedig hat nun „Kaffeeschenken“


1648

1648

Osnabrück * Bei den „Osnabrücker Friedensverhandlungen“ wird der „Kalender“ zur „weltlichen Angelegenheit“ erklärt.


1652

1652

London * In London werden „Kaffeeschenken“ eröffnet.  


1653

1653

Regensburg * Der „Reichstag“ formuliert die Notwendigkeit einer „Kalendervereinheitlichung“. 

Der er sich aber nicht auf einen Beschluss einigen und vertagt die Angelegenheit auf die nächste „Reichsversammlung“


1662

10. Juli 1662

München-Graggenau • Der Obersthofmeister Maximilian Graf Kurz von Senftenau stirbt und hinterlässt seiner Witwe einen aus mehreren Gebäuden bestehenden Baukomplex an der Vorderen Schwabinger Gasse [= Residenzstraße 2]. 


1665

1665

München * Das „Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wird durch Kurfürst Ferdinand Maria erneuert.

Es handelt sich dabei um eine fast wörtliche Wiederholung des Textes aus dem Jahr 1611. 


1669

1669

Versailles * Soliman Aga, der „Abgesandte des türkischen Sultans“ Mohammed IV., stattet dem Hof des französischen Königs Ludwig XIV. einen Besuch ab. 

Dabei bietet er den Gästen ein exotisches Heißgetränk in Form einer Tasse Kaffee an. Das ist an und für sich noch nichts Besonderes.
Das Außergewöhnliche daran ist, dass das anregende Getränk in Porzellanschalen gereicht wird.

Der französische Hof ist von den zum Genuss verwendeten Gefäßen derart begeistert, dass in der französischen Landeszentrale eine neue Modeerscheinung - „à la turque“ - geboren wird, die von hier aus ihren Siegeszug durch ganz Westeuropa antreten soll. 


1671

7. August 1671

München • Das Heiligenfest für Kajetan von Thiene wird am Todestag des Heiligen in München erstmals begangen. 


1672

1672

München-Graggenau * Der „Alte Rathausturm“ wird renoviert und mit einem Zwiebelturm abgeschlossen.


1675

Ab 1675

Salzburg * Im „Fürstbistum Salzburg“ wird in den Jahren von 1675 bis 1690 der „Zauberer-Jackl-Prozess“ durchgeführt.

Er betrifft vor allem umherziehende „Bettler- und Vagantenkinder“ aus der Bande des nie gefassten „Zauberer-Jackls“.

90 Prozent der hingerichteten Kinder und Jugendlichen, die überwiegend unter 21 Jahre alt sind - das jüngste ist 11Jahre - sind männlich und stammen fast durchweg aus den „unteren sozialen Schichten“.

Auf Unterstützung aus der bäuerlichen Bevölkerung können sie nicht hoffen, im Gegenteil:
Die „vagierenden Bettlergruppen“ sind verhasst, weil man ihnen unterstellt, sie würden „schlechtes Wetter, Missernten und Hungersnöte“ herbeizaubern können. 

1675

München * Giovanni Antonio Viscardi übernimmt die Stelle eines Hofmaurermeister


1677

1677

München * Der Graubündner Giovanni Antonio Viscardi siedelt auf Empfehlung des Kurfürsten Ferdinand Maria mit der Familie nach München über.


1682

1682

München-Graggenau * Nach einem „Friedhofsplan“ fasst der „Franziskanerfriedhof“ 451 Grabstellen.


1683

1683

Wien * Gleich nach der Befreiung von der türkischen Belagerung eröffnen in Wien die ersten „Kaffeeschenken“.


1685

1685

München * Giovanni Antonio Viscardi wird zum Hofbaumeister ernannt. 


1686

1686

Nürnberg - Regensburg * In Nürnberg und in Regensburg, wo seit dem Jahr 1663 der „Immerwährende Reichstag“ stattfindet, werden „Kaffeeschenken“ eröffnet. 


1689

1689

München * Nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten Enrico Zuccalli um die Nutzung des gemeinsamen Gartens vor dem Schwabinger Tor wird Giovanni Antonio Viscardi aus dem Hofdienst entlassen.

Viscardi ist in den nächsten Jahren als „freier Baumeister-Architekt“ tätig und unter anderem am Bau des Jesuitenklosters in Landshut, an Erweiterungsbauten im Kloster Fürstenfeld und an der Theatinerkirche beteiligt.

Weitere Aufträge folgen. Für den Reichsgrafen Ferdinand Franz Lorenz Xaver von Tilly zu Breitenegg übernimmt Viscardi verschiedene Bauaufträge.


1690

1690

Au * Die Münchner Bäcker errichten - sehr zum Ärger der Auer Bäcker - ein „Brothäusl“ auf dem innerhalb des „Münchner Burgfriedens“ gelegenen Gasteigbergs.

Um 1690

Berg am Laim * Zu den bedeutendsten Vertretern der „Franziskaner“ gehört der aus Neustadt an der Donau stammende  Fortunatus Hueber, ein wortgewaltiger, hochgebildeter und erfahrener Ordensmann und Prediger, der in mehrere hohe Ämter berufen wird.  

Ihn erwählt der 22-jährige Kölner Erzbischof und Kurfürst Joseph Clemens für die Organisation, Werbung und Betreuung der von ihm am 8. Mai beziehungsweise am 29. September 1693 gegründeten „Michaels-Bruderschaft“ und des „Michaels-Ritterordens“.


1691

22. Februar 1691

München-Graggenau * Kurfürst Max Emanuel schenkt den Englischen Fräulein das von ihnen seit dem Jahr 1628 bewohnte Haus in der Weinstraße. 

20. April 1691

München-Graggenau * Die „Englischen Fräulein“ bitten die Stadt um einen Zuschuss für ihr neu zu erbauendes Haus an der Weinstraße.  

Da auch Kurfürst Max Emanuel eine großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt hat, beschließt der Rat der Stadt, ihnen 20.000 Ziegelsteine mit dem Transport durch den städtischen Fuhrdienst zuzugestehen. 

22. Dezember 1691

Haidhausen - Giesing - Zamdorf - München-Lehel * Die Bauern aus Haidhausen, Giesing, Zamdorf und anderen Orten haben die 455 Fudern Bauschutt des abgebrochenen Schäfflerturms an der Weinstraße auf das Wöhrl oberhalb der Isarbrücke [= Museumsinsel] gebracht. Der Abbruch des ehemaligen Stadttores war wegen des Neubaus der Englischen Fräulein notwendig geworden. 


1696

1696

Berg am Laim * Der angesehene „Franziskaner-Pater“ Fortunatus Hueber übernimmt  die Funktion des „Präses der Michaels-Bruderschaft“,  verfasst das „Bruderschaftsbüchlein“ und  schafft es, dass sich die „Michaels-Bruderschaft“ so schnell ausbreiten kann, dass ihr anno 1696 bereits 60.000 Menschen angehörten.

Der „Franziskaner-Ordensmann“ erzählt dabei so eindringlich von seiner Errettung durch den „Erzengel Michael“ aus türkischer Gefangenschaft im Jahr 1687 und dass ihn - zwei Tage vor der Gründung der „Bruderschaft“ - der „heilige Michael“ im Traum erschien und ihn von den seine Person bedrängenden bösen Geister befreite.  
Das kommt gut an.

„Fürstbischof“ Joseph Clemens will ursprünglich zwölf Pater an die „Josephsburg“ setzen und dort ein „Hospitium“ zur Besorgung der „Bruderschaft“ bauen lassen.  
Seine Flucht anno 1704, seiner langer Aufenthalt in Frankreich und schließlich sein Tod im Jahr 1723 verhinderten dies jedoch.


1697

1697

Wien * Kaiser Leopold I. richtet ein Gremium ein, das sich mit der „Modifizierung des Kalenders“ befassen und einen im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ gültigen Kalender berechnen soll.


1699

23. September 1699

Regensburg • Die protestantischen Stände beschließen in Regensburg die Annahme eines „verbesserten Kalenders“, eben den Gregorianischen Kalender, der in den katholischen Gebieten schon lange eingeführt ist. Damit endet ein 117 Jahre andauernder Streit.


1700

18. Februar 1700

Deutschland * Auf den protestantischen Gebieten folgt auf den 18. Februar der 1. März 1700. Damit ist die einheitliche Tageszählung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation endgültig wieder erreicht. Bis zur Kalenderumstellung in den protestantischen Ländern werden alle Dokumente mit zwei Daten versehen.


1701

Bis zum Jahr 1701

München * In München geraten bis zum Jahr 1701 noch mindestens einhundert Personen in den Verdacht der „Hexerei“.

Mindestens 55 von ihnen erhalten Strafen, die unterhalb der „Todesstrafe“ lagen, hingerichtet werden etwas mehr als zehn. 

17. September 1701

München * Die 17-jährige Wachtmeisterstocher Maria Theresia Käser aus Pfaffenhofen als Hexe auf der Richtstatt enthauptet und ihr geschundener Körper anschließend verbrannt.

Maria Käser wird früh elternlos und ist auf Betteln und Stehlen angewiesen. Das armselige und heruntergekommene Mädchen ist aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung zur Hexe geradezu geboren. Die junge Frau wird von einem verschmähten Liebhaber der Hexerei bezichtigt. Unter der Folter gesteht sie, am Hexensabbat teilgenommen, sich dem Teufel mit „Leib und Seele“ ergeben sowie ihr Amulett und einen geweihten Gürtel mit Füßen getreten zu haben. 


1703

31. Dezember 1703

München * Eine im Jahr 1703 von den städtischen Behörden erstellte Untersuchung über den Anteil der Kirchen und Klöster auf dem Stadtgebiet hat ergeben, dass von den 237,5 Tagwerk Grund und Boden innerhalb der Stadtumwallung Münchens 38,375 Tagwerk - oder ein Sechstel - kirchlichen Einrichtungen gehören. 


1704

1704

München * Ein französischer Schauspieler, genannt Brieder, ist der erste Münchner „Kaffeesieder“


1705

Ab 1705

München-Graggenau * Nach der Niederlage des Kurfürsten Max Emanuel im Spanischen Erbfolgekrieg“ findet der „wittelsbachische Hausschatz“ in der Zeit von 1705 bis 1715 ein sicheres Versteck bei den „Franziskanern“.

Nach dem 16. Mai 1705

München * Mit der österreichischen Besatzung Münchens erleben die Kaffeehäuser einen enormen Aufschwung. 


1706

1706

München * Der „Branntweinschenk“ Dionysius Michael wird auch als „Kaffeesieder“ bezeichnet. 


1708

1708

München * Die Obrigkeit sieht sich zum Einschreiten gegen die „neu aufgerichtete Caffeehäuser“ veranlasst.

Als „ordentlich konzessionierte und berechtigte Caffeesieder“ werden genannt: der „Hofzuckerbäcker“ Claudi Surat, André Bellini und Johann Koller. 


1714

Ab 1714

München * Die neue „Franziskaner-Provinz“ kann sich aufgrund der Rahmenbedingungen günstig entfalten und erreicht ihre höchste Blüte in den Jahren von 1714 bis 1738.


1715

1715

Freising * Der große baierischen „Kinderhexenprozess“ geht in Freising, in zwei Teilen vonstatten.

Die „Bettelkinder“ Andre, genannt der „Drudenfanger“, und Lorenz werden unter der Beschuldigung, „Ferkel und Mäuse“ hergezaubert zu haben, verhaftet.
Die Verhöre ergeben weitere Beschuldigungen. 

23. Dezember 1715

München * Die Anzahl der Kaffee- und Teesieder in München sowie den Ursprung ihrer Konzession muss an den Hofrat berichtet werden. 


1717

1717

Freising * Der der „Hexerei“ beschuldigte Andre erhängt sich in seiner Zelle.

Ein weiterer Junge stirbt in der Zelle. 

12. November 1717

Freising * Drei Jungen, die in der Bischofsstadt der Hexerei beschuldigt werden, werden mit Schwert und Feuer hingerichtet, zwei andere Buben müssen dabei zusehen. 


1721

1721

Freising * Der Jugendliche Veit Adlwart kommt unter „Diebstahlsverdacht“ in Gewahrsam. 

Kurzfristig wandelt man die Anklage von „Diebstahl“ in „Hexerei“ um.

Im weiteren Verlauf verhaften die Freisinger Behörden über 100 Personen, von denen die meisten jedoch wieder frei kommen. 

1721

München * In München lodert das letzte „Hexenfeuer“.

Die Tochter des „Hofstallknechts“ Dellinger wird erwürgt, bevor man ihren leblosen Körper dem Feuer übergibt. 

Der „Geschichtsschreiber“ Andreas Felix Oefele bezeichnet sie als „ein elendes Mädchen, schwach und seiner Sinne nicht mächtig“


1722

18. September 1722

München * Das „Privileg des Kaffeesiedens“ darf nur durch die kurfürstliche Regierung erteilt werden, nicht aber durch den Magistrat der Stadt. 


1723

Bis zum Jahr 1723

Freising * Zwischen 1721 und 1723 werden acht Burschen und junge Männer im Alter zwischen 14 und 23 Jahren und drei „Bettlerinnen“ mittleren Alters in Freising hingerichtet.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Zenit der „Hexen-Verfolgungen“ allerdings längst überschritten.
Der „Freisinger Prozess“ ist ein Auslaufmodell, was aber den „Hingerichteten“ allerdings nicht hilft. 


1726

1726

München * In München gibt es sieben „Kaffeehäuser“

Davon sind drei bürgerlich: André Bellini, Rossignol und Bernath.
Vier stehen unter „Hofschutz“. Das sind Claudi Surat, Johann Koller, Tibo und Maria Schönwein. 


1727

1727

München * Die Münchner „Weinwirte“ kämpfen in einer Eingabe an den Kurfürsten Carl Albrecht gegen die „Kaffeehäuser“

Denn: „Zum luxuriösen Leben wird viel beigetragen durch die Vermehrung der Kaffeehäuser und weißen Bierzäpflereien, die Tag und Nacht dem Übermut offen stehen und wo die unnötigen und wolllüstigen Getränke wie Kaffee, Tee, Rosoglio [Likor, hauptsächlich Orangenlikör], Wein etc., jederzeit angeboten werden“.  

Der Kurfürst verspricht, keine neuen „Kaffeehäuser“ zu genehmigen und die bestehenden „absterben“ zu lassen. 

19. Januar 1727

München-Kreuzviertel * Für Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr wird ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet - aber nie zu Ende geführt. 


1733

Ab 1733

München-Graggenau * Der „Generalfeldzeugmeister“, „Konferenzminister“ und enge Vertraute des Kurfürsten Carl Albrecht, Graf Ignaz Felix Joseph von Toerring-Jettenbach, erwirbt den Bauplatz in der heutigen Residenzstraße 2 für sein „Palais“.

Zwar liefert François Cuvilliés für die Adels-Nobelunterkunft die modernsten Pläne, doch der Stararchitekt ist gerade beim neuen Kurfürsten Max III. Joseph in Ungnade gefallen. Und so erhält der städtische „Oberbaumeister“ Ignaz Anton Gunetzrhainer den Auftrag.


1746

1746

München * Das „Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wird durch Kurfürst Max III. Joseph erneuert.

Es handelt sich dabei um eine fast wörtliche Wiederholung des Textes aus dem Jahr 1611 beziehungsweise 1665. 


1747

13. Mai 1747

München-Graggenau * Der Grundstein für das Palais Toerring-Jettenbach in der heutigen Residenzstraße 2 wird gelegt. Der Rokoko-Adelspalast entsteht in den Jahren von 1747 bis 1756 auf den Grundflächen einer ganzen Reihe von Häusern.

Bauherr ist der 65jährige Graf Ignaz Felix Joseph von Toerring-Jettenbach, der während seiner Auslandsaufenthalte die fremden Höfe und Adelspaläste begutachtet und so ganz nebenbei mit den bekanntesten Architekten Kontakt aufnehmen kann.
Inzwischen liegen elf verschiedene Pläne für ein prächtiges Stadtpalais in seinem Schubladen, gezeichnet von dem Wiener Hofbaumeister Joann Lukas von Hildebrandt, dem französischen Adelsarchitekten Bottrand, dem Münchner Hofbaumeister François Cuvilliés und den Gebrüdern Johann Baptist und Ignaz Anton Gunetzrhainer.

Der Graf nimmt schon während der Planungsphase und auch bei der Bauausführung regen Anteil und lässt sich selbst jede kleinste Kleinigkeit zur Genehmigung vorlegen.


1750

Um 1750

München * Der Rat der Stadt lässt 19 Ketten-, Zieh- und Galgenbrunnen „nach französischer Art“ umbauen.

Die neue Form der „Pumpbrunnen“ bezeichnet man als „Leyrerbrunnen“ oder „Leyrergumpter“.

Um 1750

Kurfürstentum Baiern * In Kurbaiern gibt es 25 „Franziskaner-Konvente“, neun „Hospize“ und drei „Residenzen“, worunter man kleine Niederlassungen verstand.

Der Personalbestand liegt bei 700 „Patres“, 100 „Kleriker“ und 200 „Laienbrüder“. Dazu sind der „Provinz“ noch etwa 300 Nonnen - „Klarissen“ und „Tertianerinnen“ - unterstellt.

1750

Mühldorf * In Mühldorf am Inn, das zu diesem Zeitpunk zum „Fürstbistum Salzburg“ gehört, wird der 16-jährigen Maria Pauer der Prozess wegen „Schadenszauber“ gemacht.

Im Mühldorfer „Hexenkammerl“ hält man sie monatelang wie ein Tier gefangen.
Am Ende des „Hexen-Prozesses“ wird sie zum Tode durch „Verbrennen“ verurteilt, dann aber „gnadenhalber“ zuvor geköpft.  

Maria Pauer müsste die letzte „Hexenverbrennung“ auf bayerischem Boden gewesen sein. 


1751

1751

München-Graggenau * Das „Palais Toerring-Jettenbach“ in der heutigen Residenzstraße 2 ist unter Dach.

Das elf Fenster breite Gebäude mit seinem vorgebuchteten Mitteltrakt unterscheidet sich durch seine eher zurückhaltend gestaltete Rokokofassade von den älteren Münchner Adelspalästen.

Mit den Stuckarbeiten ist Johann Baptist Zimmermann betraut worden. Die Innenausstattung übernimmt Johann Baptist Gunetzrhainer.

Die Baurechnungen belaufen sich auf 55.170 Gulden, wobei die Gesamtkosten sicherlich wesentlich höher sind.

1751

München * Im „Kriminalrecht“ des Freiherrn Wiguläus von Kreittmayrs steht auf „Ketzerei, Zauberei und Hexerei“ noch der „Feuertod“.

1751

München * Das Strafgesetzbuch bestimmt: „Bündnisse und fleischliche Vermischung mit dem Teufel oder dessen Anbetung und Verunehrung der Hostien werden mit lebendiger Verbrennung bestraft“

11. März 1751

Berg am Laim * Joseph Clemens’ Nachfolger und Neffe, Kurfürst Clemens August von Köln, plant mit dem Neubau der Berg am Laimer Michaelskirche gleichzeitig die Errichtung eines Exerzitienhauses für die Franziskaner. Auch hier gibt es Widerstände des Ortspfarrers von Baumkirchen, die den Pfarrer einsetzenden St.-Veit-Chorherren in Freising und des Freisinger Ordinariats, an dessen Spitze Bischof Johann Theodor, ein Bruder Clemens Augusts.

Auch der andere Bruder, Baierns Kurfürst Carl Albrecht, will diese Aufgabe lieber von den Jesuiten als von den Franziskanern ausgeführt sehen, weshalb noch nach seinem Tod die Kaiserin-Witwe Maria Amalia die in Berg am Laim gelegene Josephsburg - im Geheimen und ohne den Kölner Bischof in die Entscheidung einzubeziehen - den Jesuiten übertragen will.

Nach langem Hickhack kommen drei Franziskaner doch noch nach Berg am Laim. Am 11. März 1751 wird das Hospiz in Anwesenheit von drei Wittelsbachern - dem kurkölnischen Fürstbischof Clemens August, dem Freisinger Bischof Johann Theodor und dem neuen baierischen Kurfürsten Max III. Joseph - eingeweiht. Clemens August hatte zuvor schriftlich zu bestätigen, dass die „Franziskaner nirgends betteln, noch den Pfarrern die Messen wegnehmen und den pfarrlichen Funktionen Eintrag tun“.


1753

1753

München * Bis zum letzten „Hexenprozess“ müssen sich seit dem Jahr 1701 noch weitere 17 Personen vor Gericht verantworten. 


1756

27. Januar 1756

Salzburg * Johannes Chrystostomos Wolfgang Gottlieb, genannt Wolfgang Amadeus Mozart, kommt in Salzburg zur Welt.


1762

12. Januar 1762

Salzburg - Wasserburg - München * Leopold Mozart macht sich mit seinen beiden Kindern Nannerl und Wolfgang Amadeus zu einer Kunstreise auf den Weg nach München. Für die Fahrt von Salzburg in die baierische Residenzstadt braucht die Postkutsche 21 bis 22 Stunden, weshalb sie in Wasserburg einen Zwischenaufenthalt einlegen.

13. Januar 1762

München-Graggenau * In München angekommen musiziert der fünfjährige Wolferl und seine zehnjährige Schwester Nannerl in der Residenz vor den kritischen Ohren des kurfürstlichen Ehepaars. Wolfgang Amadeus Mozart wird Zeit seines Lebens München insgesamt achtmal besuchen.


1763

13. Juni 1763

Schloss Nymphenburg * Der siebenjährige Wolfgang Amadeus Mozart kommt zum zweiten Mal nach München. Es ist die erste Station einer dreijährigen Konzertreise der Mozarts, deren Hauptziele die Höfe von Paris und London sein werden. Die kurfürstliche Familie empfängt die Mozarts im Schloss NymphenburgNannerl schreibt darüber: 

„Zu münchen hab ich gesehen das ninfenburg, daß schlosse und den garten und die vier schlösser, nemlich amalienburg, badenburg, bagotenburg und die ermitage. das amalienburg ist das schönste, worinen das schöne bett ist und die küchel, wo die kurfürstin selbst gekocht hat. badenburg ist das gröste, wo ein sall ist von lauter spiegeln, das bad von marmor. bagotenburg ist daß kleinste, wo die maueren von meolika ist. und die ermitage ist das Sitzamste, wo die capel von muschel ist.“ 


1766

13. Oktober 1766

München * Der Theatiner-Pater Don Ferdinand von Sterzinger hält eine Rede gegen den Hexenwahn. Sein Vortrag befasst sich mit „dem gemeinen Vorurteil der wirkenden und tätigen Hexen“. Er geht als Vertreter der Aufklärung gegen Aberglauben und Unwissenheit vor.

Seine Schriften gegen Hexen sowie das Zauber- und Gespensterwesen bringen ihm grenzüberschreitende Achtung und Anerkennung ein. Der Theatinerpater bricht damit eine langwierige Diskussion vom Zaun, die als Baierischer Hexenkrieg bekannt wird. Im weiteren Verlauf streitet man in 28 Streitschriften um das Für und Wider.

Als besondere Gegner des Theatinerpaters offenbaren sich die Benediktiner von Scheyern, deren Kreuzreliquie angeblich gegen Verhexung wirksam ist und die in der Demontage des Zauberei-Tatbestands ihr Geschäft mit den von ihnen vertriebenen heiligen Gegenständen gefährdet sehen. 

Doch Dank der Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften kommt es in Churbaiern zu keinen Hexenverfolgungen mehr. Auch in anderen süddeutschen Territorien erlahmen schließlich die Hexenverfolgungen. 

9. November 1766

München * Auf der Rückreise von der großen Konzertreise geben die Mozartkinder ihr erstes Hofkonzert in München.

21. November 1766

München * Wolfgang und Nannerl Mozart geben ihr zweites Hofkonzert in München.


1769

1769

München * Der Rat genehmigt dem „Münchner Zunfthandwerk“, dass sie ihre an die Person gebundene „Gerechtigkeit“ vererben oder verkaufen können. 

Das führt dazu, dass der „Erwerb einer Gerechtigkeit“ immer unerschwinglicher wird und sich vermögende Handwerker „Gerechtigkeiten“ kaufen und „ruhen“ lassen.


1770

26. Juni 1770

Rom-Vatikan * Wolfgang Amadeus Mozart wird durch Papst Clemens XIV. mit dem Orden vom Goldenen Sporn ausgezeichnet. Der Träger ist berechtigt, sich cavaliere, Chevalier oder Ritter zu nennen. 

Selbst der sonst so geschwätzige Leopold Mozart schweigt auffällig über die Auszeichnung seines Sohnes. Der Grund liegt bei den adeligen Ruperti-Rittern in Salzburg, die dem bürgerlichen musicus diesen gesellschaftlichen Aufstieg nicht vergönnen.


1772

1772

Salzburg * Der neue „Fürstbischof“ von Salzburg, Hieronymus Colloredo, gewährt Wolfgang Amadeus Mozart ein bescheidenes Jahresgehalt von 150 Gulden.


1773

1773

München-Graggenau * Der vor dem „Klostergebäude“ und seitlich der „Franziskanerkirche“ befindliche „Franziskaner-Friedhof“ wird gesperrt.


1774

24. März 1774

München-Maxvorstadt * Der kurfürstliche Lottokollekteur Giovanni Pietro Sarti, genannt „Pantalon“, aus Venedig erhält die Genehmigung zur Eröffnung einer „Boutique“ unter den Arkaden  des Hofgartens. Dort darf er „coffee“, „chocolats“, „lemonats“ und andere „refraichissements“ [Erfrischungen] anbieten. 

5. April 1774

München-Isarvorstadt * Kurfürst Max III. Joseph fordert den Stadtmagistrat auf, einen Standort für einen neuen Friedhof zu finden oder die Erweiterung des bestehenden „Friedhofs vor dem Sendlinger Tor“, des heutigen „Alten südlichen Friedhofs“, zu überdenken.

Die bestehenden Friedhöfe innerhalb der Stadtmauer sollen aufgelassen, gekalkt und gepflastert werden. 
Auch die „Grüfte“ in den Kirchen, diese „stinkenden, vergifteten Vorratskeller ansteckender Luft“,  sollen aufgelassen werden.

Sofort organisiert sich Widerstand gegen diese kurfürstlichen Maßnahmen, wobei das einfache, ärmere Volk davon weniger betroffen ist, weil sie schon seit längerer Zeit ihre Toten vor das Sendlinger Tor begleiten müssen. 

7. Dezember 1774

München * Wolfgang Amadeus Mozart hält sich bis 5. März 1775 anlässlich der Uraufführung der Opera buffo „La finta giardiniera“ zum dritten Mal in München auf.

29. Dezember 1774

München * Die Uraufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „La finta giardiniera“ muss wegen Zahnschmerzen des Komponisten und der damit verkürzten Probezeiten des Ensembles verschoben werden.


1775

1775

München-Graggenau - München-Isarvorstadt * Der „Friedhof des Franziskanerklosters“ wird lange vor dem „Specialreskript“ von Kurfürst Carl Theodor aus dem Jahr 1788, das die Auflösung aller innerstädtischen Friedhöfe vorschreibt, geschlossen. 

Die Gebeine der Verstorbenen bringt man auf den neuen „Gesamtfriedhof“, der weit vor den Toren der Stadt liegt, dem „Südlichen Friedhof“ an der Thalkirchner Straße.

13. Januar 1775

München-Kreuzviertel * Der - als „Gärtnerin der Liebe“ eingedeutschte - Geniestreich des 18-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart - „La finta giardiniera“ - wird im Opernhaus am Salvatorplatz, dem ersten freistehenden Opernhaus nördlich der Alpen, uraufgeführt.

2. Februar 1775

München-Kreuzviertel * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „La finta giardiniera“ wird im Redoutenhaus an der Prannerstraße 8, während einer maskierten Akademie zum zweiten Mal aufgeführt.

2. März 1775

München-Kreuzviertel * Die Oper „La finta giardiniera“ von Wolfgang Amadeus Mozart wird im Opernhaus am Salvatorplatz zum dritten Mal aufgeführt.

4. April 1775

Kempten * Die zum „Tode mit dem Schwert“ wegen „Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft“ verurteilte „Hausmagd“ Anna Maria Schweglin aus Kempten soll hingerichtet werden.

Sie gilt als die letzte hingerichtete bayerische „Hexe“.
Doch sie stirbt - wie man erst 1995 entdeckt - anno 1781 im Gefängnis. 


1776

1776

München-Graggenau * Der „Franziskaner-Friedhof“ wird eingeebnet. 

Dieser Friedhof, auf den sich auch Bürger und Adelige begraben lassen konnten, stellte ein außergewöhnliches Privileg der „Patres“ dar. Für die Klosterangehörigen stehen eigene Grüfte zur Verfügung.


1777

September 1777

Salzburg * Wolfgang Amadeus Mozart hält es nicht mehr in Salzburg.

Er hat von dem strengen und sparsamen „Fürstbischof“ Hieronymus Coloredo die Schnauze voll, ist gerade aus dem verhassten salzburgischen „Hofdienst“ entlassen worden und sucht nun an einem anderen Ort ein ihm gemäßes Wirkungsfeld. 

Gemeinsam mit seiner Mutter macht er sich auf Reisen.

24. September 1777

München-Kreuzviertel * Wolfgang Amadeus Mozart und seine Mutter kommen in München an und logieren im Gasthof Zum schwarzen Adler des Weinschenks Franz Joseph Albert in der Kaufingergasse.

30. September 1777

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart antichambriert mit Kurfürst Max III. Joseph in der Residenz. Den Verlauf des Gesprächs schreibt Wolfgang Amadé an seinen Vater:

„Als der Kurfürst an mich herankam, sagte ich:
„Euer Kurfürstliche Durchlaucht erlauben, daß ich mich untertänigst zu Füßen lege und meine Dienste antragen darf“ –
„Ja, völlig weg von Salzburg? –
„Ja, Euer Kurfürstliche Durchlaucht“ –
„Ja, warum denn, habts enck z‘kriegt?“ –
„Ei, beileibe, Eurer Durchlaucht: ich habe nur um eine Reise gebeten, er
[der Salzburger Fürstbischof] hat sie mir abgeschlagen, mithin war ich gezwungen, diesen Schritt zu machen; obwohl ich schon lange im Sinn hatte, wegzugehen, denn Salzburg ist kein Ort für mich.“ -
„Mein Gott, ein junger Mensch! Aber der Vater ist noch in Salzburg?“ -
„Ja, Euer Kurfürstliche Durchlaucht. Ich bin schon dreimal in Italien gewesen, habe drei Opern geschrieben, bin Mitglied der Akademie in Bologna, habe müssen eine Probe ausstehen, wo viele Maestri 4 bis 5 Stunden gearbeitet und geschwitzt haben, ich habe es in einer Stund verfertigt: das mag zum Zeugnis dienen, daß ich im Stande bin, in einem Hofe zu dienen.“ –
„Ja, mein liebes Kind, es ist keine Vakatur da. Mir ist es leid, wenn nur eine Vakatur da wäre“ –
„Ich versichere Euer Durchlaucht, ich würde München gewiß Ehre machen“ –
„Ja, das nutzt alles nichts. Es ist keine Vakatur da“ -
Dies sagte er gehend. Nun empfahl ich mich zu höchsten Gnaden.“

Gerade weil der Kurfürst so musikverständig war, müssen andere Gründe als die fehlende Planstelle der Anstellung Mozarts im Wege gestanden haben. Hätte Baierns Kurfürst Max III. Joseph die Anstellung Wolfgang Amadeus Mozarts wirklich gewollt, so hätte er die Planstelle für den Hofmusiker auch durchgesetzt und Mittel und Wege der Finanzierung gefunden. Es trifft freilich zu, dass im Bereich der Hofmusik damals die Ämter des Kapellmeisters, des Kammerkompositeurs und der Konzertmeister besetzt waren. 

Und dennoch war die Aussage mit der fehlenden Vakatur eine typische Sachzwang-Argumentation. Guten Willen vorausgesetzt, hätte der baierische Herrscher den Komponisten aus seiner Kabinettskasse bezahlen können, wie er es schon mehrmals bei bedeutenden Sängerinnen und Sängern machte. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Mozart den Auftrag für eine Oper zu erteilen.

Es scheint naheliegend, dass Mozarts Musik nicht dem kurfürstlichen Geschmack entsprochen hat. Kurfürst Max III. Joseph war ein überzeugter Anhänger der älteren neapolitanischen Virtuosenoper. Mozarts Musik dürfte ihm zu wenig traditionell, zu reich, zu vielschichtig, kurz - zu modern gewesen sein. Seine eigenen, etwas altväterlichen Kompositionen scheinen dies zu bestätigen.

Die Ursachen liegen aber zweifellos am Salzburger Bischofshof. Denn wer, wie Mozart, gegen den Bischof von Salzburg aufmümpfige Reden führt und es nicht versteht sich den hergebrachten ständischen Normen und hierarchischen Strukturen zu unterwerfen, für den ist auch am baierischen Hof kein Platz. Da kommt Kurfürst Max III. Joseph die Argumentation, dass er jeden ausgegebenen Gulden seinen Untertanen vom Mund absparen muss, nur gelegen.

4. Oktober 1777

München-Kreuzviertel * Im Weingasthof Zum schwarzen Adler kommen unter Wolfgang Amadeus Mozarts Leitung mehrere Werke zur Aufführung. Mit einem vorgetragenen Violinsolo beeindruckt Mozart ganz besonders: „Da schaute alles groß drein, ich spielte, als wenn ich der größte Geiger in ganz Europa wäre.“ Mozart und Albert sind zufrieden.

Der Musik liebende Weinwirt Franz Joseph Albert hat schon lange erkannt, welcher Gewinn Mozart für München wäre und entwickelt ein interessantes Projekt, das er dem stellenlosen Musiker unterbreitet:

  • Er solle in München bleiben und von guten Freunden monatlich mit 50 Gulden unterstützt werden.
  • Wenn er für Kompositionen vom Hofintendanten Graf Joseph Anton von von Seeau nur 200 Gulden bekäme, so wären das 800 Gulden im Jahr.

Wolfgang Amadé ist begeistert, nur sein Vater nicht einverstanden, da er seinen Sohn in einer gesicherten Stellung wissen will.

11. Oktober 1777

München - Augsburg - Mannheim * Wolfgang Amadeus Mozart reist mit seiner Mutter weiter nach Augsburg und Mannheim.


1778

Ab 1778

München-Graggenau * Die Fassade des „Alten Rathauses“ wird erneut umgestaltet und bemalt.

Ende Dezember 1778

München * Wolfgang Amadeus Mozart kehrt von Paris nach München zurück, wo Kurfürst Carl Theodor inzwischen die Erbfolge in der baierischen Hauptstadt angetreten hat. 

Doch auch Carl Theodor engagiert den Musiker und Komponisten nicht. 

Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich wieder in den Dienst des verhassten „Fürstbischofs“ Hieronymus Colloredo zu begeben.


1779

1779

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Zwischen 1779 und 1783 lässt Kurfürst Carl Theodor durch Karl Albrecht von Lespilliéz, dem Nachfolger von François Cuvilliés d.Ä., an der Nordseite des „Hofgartens“ eine „Gemäldegalerie“ anbringen. 

Davon hat die „Galeriestraße“ ihren Namen. 

1779

München - Au * Im Münchner und Auer „Bäckerstreit“ wird ein Vergleich geschlossen.

Seither dürfen die Auer jeden Mittwoch und Samstag ihr „Schwarzbrot“ am „Rindermarkt“ verkaufen.


1780

1780

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti erhält die kurfürstliche Genehmigung zum Bau eines „Kaffeehauses“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“

Um 1780

München-Kreuzviertel * Der heutige „Promenadeplatz“ dient als „Exerzier- und Paradeplatz“.

1780

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor lässt den „Hofgarten“ der Öffentlichkeit zugänglich machen.

5. November 1780

Salzburg - München * Wolfgang Amadeus Mozart reist von Salzburg nach München. Er hat die begonnene Partitur von „Idomeneo“ in der Tasche.

6. November 1780

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart trifft in München ein. In einem Hotel an der Burgstraße, dem späteren Gasthaus zum Mozart, steigt er ab, um im Eckzimmer des zweiten Stockwerks an der Vollendung seiner Oper „Idomeneo“ zu arbeiten.  

Er bleibt bis zum 12. März 1781. Die Oper kommt am 29. Januar 1781 - unter der Stabführung von Mozart selbst - im neuen Opernhaus von François Cuvilliés zur Uraufführung.  

27. Dezember 1780

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor besucht die Proben von „Idomeneo“ im Schwarzen Saal der Residenz. Dabei macht er über Wolfgang Amadeus Mozart den berühmten Ausspruch: „Man sollte nicht meinen, dass in einem so kleinen Kopf so was Großes stecke.“


1781

1781

München-Graggenau * Das „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ des Giovanni Pietro Sarti ist fertiggestellt. 

1781

München * In einer Münchner Zeitung ist zu lesen, dass es mit dem „verwünschten Kaffeeplempern und mit dem täglich anwachsenden Bohnenröstergewerbe“ noch so weit kommen wird, dass die „großen Städte bald mehr Kaffee- als Bierschenken“ zählen werden. 

1781

München * Von 986 „Handwerksgerechtigkeiten“ ruhen insgesamt 66 - oder 6,7 Prozent.

Damit sind „Handwerksgesellen“ oder „auswärtige Handwerker“, die sich in München niederlassen wollten, gezwungen, sich unter „Hofschutz“ zu stellen, als „Pfuscher“ zu arbeiten oder sich in den Vororten niederzulassen, in denen kein „Zunftzwang“ besteht.

1781

Kempten * Die „Hausmagd“ Anna Maria Schweglin aus Kempten, die 1775 zum „Tode mit dem Schwert“ wegen „Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft“ verurteilt wurde, stirbt im Gefängnis.

Sie gilt als die letzte hingerichtete bayerische „Hexe“.
Ihr Tod im Gefängnis wird erst 1995 entdeckt. 

1781

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Die „Gemäldegalerien“ in den nördlichen „Hofgartenarkaden“ werden für das Volk frei zugänglich. 

Sie werden zu einem Anziehungspunkt und Ausflugsort für die mondäne Münchner Bevölkerung und der städtischen Eleganz.

In den Arkaden hat Kurfürst Carl Theodor Anschläge anbringen lassen, wonach es verboten ist, im „Hofgarten“ zum Grüßen den Hut zu ziehen. 

29. Januar 1781

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“ kommt im Cuvilliès-Theater unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung. Sie wird zwei Mal wiederholt.


1782

1782

München - Au - Haidhausen - Giesing * Kurfürst Carl Theodor erlässt ein „Dekret“ gegen die allzu zahlreichen Handwerker des Münchner „Ostends“, in dem es heißt:

„Sie nehmen den bürgerlichen Handwerksleuten die Nahrung weg und verfallen doch bald dem Bettel und dem Almosen“.

1782

Glarus * Im evangelischen Glarus in der Schweiz wird die „pflichttreue Dienstmagd“ Anna Göldi als letzte „Hexe“ auf dem Boden des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ hingerichtet.

12. Januar 1782

Wien * Kaiser Joseph II. hebt in seinen Erblanden 738 Klöster auf. Alle Klöster, die sich nicht der Schulbildung oder Krankenpflege widmen, sind von diesem Erlass betroffen. 

10. April 1782

München-Graggenau * In München lässt sich ein „Hundemarkt“ auf dem heutigen „Marienplatz“ nachweisen.  

Er findet Sonn- und Feiertags zwischen zehn und zwölf Uhr statt.  
Der private „Hundehandel“ wird verboten. 

18. Mai 1782

München-Graggenau * Laut einer Verordnung dürfen Hunde nicht in den Hofgarten mitgenommen werden. 

17. September 1782

Mannheim * Der Architekt Carl von Fischer wird in Mannheim geboren. 

31. Dezember 1782

München * Laut Lorenz von Westenrieder gibt es in München „nebst den pfuschenden und heimlichen“ weit über fünfzig Kaffeehäuser. 


1783

1783

München * Der „Hundemarkt“ wird von der „Schranne“ auf den „Viehmarkt“ an der Herrenstraße verlegt. 


1784

1784

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti darf sein „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ um ein Stockwerk erhöhen. 


1785

1785

München - Au * Um die Auer der polizeilichen und wirtschaftlichen Kontrolle der Stadt zu unterwerfen entsteht der Plan die Au als „Carlsvorstadt“ nach München einzugemeinden.

20. Juli 1785

München-Graggenau * Der Zierbrunnen im Alten Hof geht erstmals in Betrieb.


1788

1788

München * Nach Meinung des Lorenz von Westenrieder ist „der allgemeine Gebrauch des Kaffees unstreitig die Ursache für so viele körperliche Erschlappungen, Gebrechen und Schwachheiten, auch für die Hämorrhoiden“

4. November 1788

München-Graggenau * Im Galeriegebäude am Hofgarten wird die erste Kunstausstellung der Zeichnungsakademie, einer Vorläuferin der späteren Kgl. Akademie der bildenden Künste, abgehalten. 


1789

16. Januar 1789

München - München-Isarvorstadt * Mit einer kurfürstlichen Verordnung beginnt die Aufhebung der Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern. Einziger Friedhof ist bereits seit neun Monaten der heutige Alte südliche Friedhof vor dem Sendlinger Tor. 

21. Februar 1789

München * Die durch die Verlegung der Friedhöfe frei werdenden Plätze dürfen von der Stadt nicht verkauft werden.


1790

7. Juli 1790

München * Durch jährlich abzuhaltende Ausstellungen junger Künstler soll der Kunstgeschmack der Münchnerinnen und Münchner angehoben werden. 


1791

1791

München * Der unverheiratete „Kaffeeschenk“ Giovanni Pietro Sarti beerbt durch ein Testament seine Haushälterin Aloysia Lampert. 

18. März 1791

München * Mit der angeordneten Schleifung der Neuhauser-Bastion bildet sich umgehend eine Initiativgruppe, die mit den Unterschriften mehrerer Hundert Münchner Bürger gegen die „gänzliche Schleifung der Wallanlagen“ protestiert.

Sie betrachten es nun als „unverantwortlich, Wälle, welche fast eineinhalb Jahrhunderte stehen, und deren Herstellung mehr als drei Millionen gekostet hatte, ohne gewichtigen Nutzen, oder besondere Notwendigkeit einzuwerfen“

5. Dezember 1791

Wien * Wolfgang Amadeus Mozart stirbt im Beisein seiner Frau Constanze, im Alter von 35 Jahren, in Wien. Der geniale Komponist wird auf dem einige Kilometer vor der Stadt gelegenen Sankt-Marxer-Friedhof beigesetzt.

Da nach den damals gültigen Begräbnisvorschriften weder Pomp noch Grabkreuze erlaubt sind und der Sarg erst nach sechs Uhr abends, also bereits während der Dunkelheit, überführt werden darf gehen kaum Trauergäste mit. Deshalb geht die Grabstelle Mozarts bis zum heutigen Tag in der Anonymität verloren.


1792

1792

München-Graggenau * Ungeachtet ihrer Loyalität gegenüber dem „Hause Wittelsbach“ hat die „kurfürstliche Hofbauintendanz“ den Abbruch des „Franziskaner-Klosters“ für den Bau eines neuen „Theaters“ ins Auge gefasst.

Um Januar 1792

München-Isarvorstadt * Sir Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford ordnet den Ausbau des „Torweges am Isartor“ an.  

Rund einhundert Meter östlich des „Isartores“ - an der heutigen Einmündung der Rumford- und Thierschstraße - sollte ein „Torplatz“ entstehen, der als „Verkehrsknoten“, aber auch als „Fluchtplatz“ bei Feuer oder als „Marktplatz“ dienen soll.  

Die letztgenannte Überlegung darf aber nicht ausgesprochen werden, da die Münchner befürchten, dass der wöchentliche „Getreidemarkt“ vom „Schrannenplatz“ auf den noch im Bau befindlichen „Karlsplatz“ verlegt werden wird.  

Dieses Gerücht hatte bei der Bevölkerung und bei der Gemeindevertretung bereits Unmut und offenen Protest ausgelöst.  
Das Projekt wird am 5. April 1792 wieder eingestellt. 

5. April 1792

München-Isarvorstadt * Das Projekt „Ausbau des Torweges am Isartor“ wird wieder eingestellt, nachdem sich weite Bevölkerungskreise gegen die Entfestigungsmaßnahmen ausgesprochen haben und der Ausbruch der „Koalitionskriege“ gegen das revolutionäre Frankreich das Vorhaben in einem neuen Licht erscheinen lässt. 


1793

Um 1793

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ findet nachweislich im „Fischbrunnen“ statt.

Die „Metzgerlehrlinge“ werden mit dem Sprung ins kalte Wasser „getauft“ und freigesprochen.


1795

3. Februar 1795

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor macht das von François Cuvilliés erbaute Opernhaus für die Öffentlichkeit zugänglich. 

4. Februar 1795

München * Kurfürst Carl Theodor gibt in München seine bevorstehende Heirat mit Maria Leopoldine von Österreich-Este bekannt. 


1796

1796

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti stirbt unverheiratet. 

Seine Haushälterin „Madame“ Aloysia Lampert übernimmt sein „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“


1801

1801

München-Kreuzviertel - Au * Minister Maximilian Joseph von Montgelas plant die Verlegung der Münchner „Franziskaner“ in die „Vorstadt Au“.

29. Juli 1801

München - Mannheim * Verärgert und sehr deutlich im Ton schreibt Kurfürst Max IV. Joseph nach der Ablehnung des Münchner Bürgerrechts an den Pfälzer Weinwirt Johann Balthasar Michel aus Mannheim dem Stadtrat:

„Nach reifer Überlegung und mit der Gewißheit, daß das Recht auf meiner Seite ist, befehle ich hiermit dem meinen Stadtmagistrat, spätestens morgen Abends 6 Uhr, dem Handelsmann Michel von Mannheim, das Bürgerrecht zu ertheilen, widrigenfalls ich mich genöthigt sehen würde, die strengsten Mittel zu ergreifen.
Für den geringsten Exceß haftet jedes Magistratsglied persönlich“
.


1802

1802

München-Lehel * Die heutige „Praterinsel“ ist vor der „Säkularisation“ der „Erholungsplatz der Franziskaner“, nachdem diese in ihrem Kloster für eine Stätte der Einkehr und Besinnung keinen ausreichenden Platz gefunden haben.

Mit der „Säkularisation“ kommt die Insel in das Eigentum des Staates.

1802

München * München verfügt über 1.397 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.

Das bedeutet einen Rückgang von 374 „Gerechtigkeiten“ gegenüber dem Jahr 1618 - trotz des Anstiegs der Bevölkerungszahlen.

25. Januar 1802

Kurfürstentum Baiern * Das kurfürstliche Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster in Baiern beginnt mit der Feststellung,

  • dass die Bettelorden die „Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichen Irrtümer“ begünstigen und
  • die Entstehung und Entwicklung „richtiger Begriffe der moralischen Bildung im Volke“ verhindern,
  • weshalb die fortdauernde Existenz der Mendikantenklöster zwecklos und schädlich für die Bürger ist.  

In Altbaiern sind davon einundneunzig derartige kirchliche Einrichtungen betroffen. In München sind folgende Bettelorden betroffen: Kapuziner, Franziskaner, Karmeliten, Karmelitinnen, die Benediktinerinnen am Lilienberg , die Paulanerinnen im Lilienthal und das Pütrichkloster. 

Zur zweckmäßigen Einrichtung der Bürger- und Landschulen wird ein Schulfonds eingerichtet, der aus dem Vermögen der aufgehobenen Orden gebildet wird, da es an anderweitigen staatlichen Mitteln mangelt.

Zur sofortigen Verminderung der Insassen werden

  • alle Ausländer, das heißt, die nicht in Pfalzbaiern geborenen Klostermitglieder, in ihre Heimat geschickt,
  • die Laienbrüder in die Prälatenklöster versetzt und
  • Kleriker, die noch keine Profeß abgelegt haben, entlassen.
  • Neuaufnahmen und das Überwechseln von Ordensangehörigen in andere Klöster wird streng untersagt.
  • Priestermönche können unter bestimmten Voraussetzungen in den Weltpriesterstand übertreten, was dem Staat die Pensionskosten einsparen hilft.
  • Alle übrigbleibenden Klosterindividuen sollen in Zentralklöster - in Wirklichkeit Aussterbeklöster - ihres Ordens verbracht werden.
  • Außerdem ist den Franziskanern künftig nur noch Predigt und Beichthören in der eigenen Ordenskirche erlaubt, jedoch keinerlei Seelsorgeaushilfe.
  • Dazu unterstehen sie der verschärften Aufsicht der zuständigen Landrichter.

Als Unterhalt für die Franziskaner setzt man, da ihnen das Almosensammeln verboten worden ist, jährlich 125 Gulden fest, zahlbar aus dem Vermögensfonds der nichtständischen Klöster.

  • Der Inhalt des Aufhebungsdekretes wird öffentlich nicht bekannt gemacht.
  • Die ganzen Vorbereitungen der staatlichen Klosteraufhebungen laufen bis zur Ausführung im Wesentlichen geheim.
  • Das verstärkt die Unsicherheit und lässt jede Gegenwehr erlahmen.
  • Ebenfalls besteht Unkenntnis über die Befugnisse der eingerichteten Spezialkommission. 

Ausgenommen vom kurfürstlichen Aufhebungs-Dekret der Bettelordensklöster sind - aufgrund ihrer Tätigkeit in der Krankenpflege beziehungsweise im Schulwesen - die Klöster der Barmherzigen Brüder sowie der Englischen Fräulein und der Elisabethinerinnen. Das Kloster der Ursulinen in München wird mit den Nonnen de Notre Dame in Nymphenburg vereinigt.

In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein ständisches Kloster: das Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger.

6. Februar 1802

München-Graggenau * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im Franziskaner-Kloster das Bargeld und die Stiftungskapitalien. Im Franziskaner-Kloster leben dreißig Patres und fünf Laienbrüder. Sie sollen in das ehemalige Augustiner-Kloster in Ingolstadt gebracht werden. 

17. Februar 1802

München-Graggenau * Graf Philipp von Arco wird zum lokalen Aufhebungskommissar für die Franziskaner bestimmt.

20. Februar 1802

München-Graggenau * Das Pütrich-Kloster wird durch den Aufhebungskommissar von Kleber aufgehoben. 28 Chorfrauen und zehn Laienschwestern sind von dieser Maßnahme betroffen. 

25. Februar 1802

München-Graggenau * Aufhebungskommissar Graf Philipp von Arco ist mit der Auflösung des ältesten Mönchskonvents der Stadt beauftragt worden. Ein genaues Inventar des Franziskaner-Klosters ergibt ein recht bescheidenes Kapitalvermögen. Umfangreich war hingegen der Bestand an Kunstwerken zur Ausstattung der Kirchen mit nicht weniger als fünfundzwanzig Altären.

Die Aufnahme des Personalbestandes ergibt,

  • dass im Hauptkloster Sankt Anton dreißig Patres, drei Kleriker und vierzehn Laienbrüder leben,
  • im Hospiz am Anger sind vier Patres und ein Laienbruder,
  • im Hospiz Josephsburg drei Patres und ein Laienbruder untergebracht. 
  • Einen Laienbruder schickt man als Ausländer in seine Heimat Berchtesgaden zurück. Vier weitere Ausländer lässt man aus triftigen Gründen vorübergehend im Kloster. 
  • Für einen nicht transportfähigen alten und kranken Pater setzt sich Graf Arco nachdrücklich ein: „Ihn seinem Schicksal überlassen, hieße der ganzen Klosteraufhebung den Stempel der Grausamkeit aufdrücken und würde eine üble Wirkung bei dem Volke zurücklassen“
  • Fünf Laienbrüder werden in Abteien verwiesen, die übrigen Franziskaner sollen möglichst bald nach Ingolstadt gebracht werden.

Die Ordensmänner wissen zwar, dass ihr Kloster aufgehoben wird, darüber hinaus sind ihnen aber weder der genaue Zeitpunkt noch die besonderen Umstände mitgeteilt worden.

25. Februar 1802

München-Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige Instruktion zur Klosteraufhebung. Sie ist unmittelbar für das Franziskanerkloster St. Anton in München bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der Klosteraufhebungen.

Sofort nach Erhalt der Instruktion muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das Bargeld zählen und das übrige Klostervermögen feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im Refektorium zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden. Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die Staatskasse interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

Dem Kommissar ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die Spezial-Klosterkommission.

Der weitere Inhalt der Instruktion lautet kurz gefasst:

  • Alle Ausländer sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden Zehrgeld und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt. 
  • Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April. 
  • Das Sammeln auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

Alle inländischen Laienbrüder, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum Auszug 25 Gulden und die nötigen Kleider.

  • Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen Prälatenklöster als Konventdiener oder Pfründner zu verteilen.
  • Die nach Abzug der Kranken und Ausländischen verbliebenen sieben Laienbrüder des Münchener Franziskanerklosters sind in ständische Abteien zu schicken.

Die kurfürstliche Verordnung gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von Priestermönchen der Mendikantenorden in den Weltpriesterstand.

  • Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die Spezial-Klosterkommission unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind. 
  • Haben die Aspiranten ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die Erlaubnis zum Überwechseln mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.
26. Februar 1802

Hofmark Berg am Laim * Die seit dem Jahr 1693 bestehende Zusammenarbeit zwischen der Michaels-Bruderschaft und dem Franziskaner-Orden dauerte bis zur Klosteraufhebung im Rahmen der Säkularisation an.

Bis diese staatlich verordnete Zwangsmaßnahme eintritt, verrichten die Münchner Franziskaner zum heiligen Antonius von Padua den Gottesdienst und die Seelsorge in den franziskanischen Frauenklöstern der Stadt und leiteten auch deren Wirtschaftsbetriebe. Bei den etwa sechzig Klarissen zu Sankt Jakob am Anger besitzen die Mönche eine ständige Niederlassung. Dieses Hospiz wird zumeist von zwei Patres und einigen Brüdern bewohnt.

3. März 1802

München-Graggenau * Nachmittags um 16 Uhr erscheint Generallandesdirektionsrat Freiherr von Leyden mit einigen Amtspersonen im Franziskanerkloster und lässt alle Insassen ins Refektorium rufen. Dort teilt er den Ordensmännern mit, dass der Abtransport nach Ingolstadt unter den Bedingungen der „kurfürstlichen Instruktion“ am „kommenden Morgen um 3 Uhr, längstens 4 Uhr“, zu erfolgen hat.

Freiherr von Leyden hat die Weisung erhalten, dafür zu sorgen, dass „die hier bleibenden Individuen“ im Kloster verbleiben und nicht durch ihr „Ausgehen in die Stadt dem neugierigen Volke zu vielem Geschwätz Veranlassung“ geben.

4. März 1802

München-Graggenau * Die Franziskaner-Patres treten - „ohne das geringste Hindernis“ - ihre Reise nach Ingolstadt an, wo das ehemalige Augustinerkloster für die Franziskaner als Aussterbekonvent bestimmt worden ist. In ihren Händen befindet sich der größte Schatz der Mönche, das Reliquiar des heiligen Antonius von Padua.

In Pfaffenhofen nehmen die Ordensmänner bei den dortigen Franziskanern das Mittagessen ein. Ohne Aufsehen zu erregen, haben sie „sofort nach eingenommenen Mittagsmahl die Reise ohne Aufschub weiter nach Ingolstadt fortzusetzen“.

Bis zum 20. März 1802

München-Graggenau * Auch die letzten „Franziskaner“ haben das Münchener Kloster verlassen.

24. Mai 1802

Kurfürstentum Baiern * Für Baiern beginnen die Landzugewinne. Kurfürst Max IV. Joseph hat mit Frankreich in einem Geheimvertrag vereinbart, dass er die vertraglich zugewiesenen Territorien noch vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses militärisch in Besitz nehmen kann. 

20. Juni 1802

München-Graggenau * Die Gräber auf dem Franziskaner-Friedhof werden geöffnet. 

28. Juni 1802

München-Graggenau * Die Abbrucharbeiten am Franziskaner-Kloster beginnen. 

19. August 1802

Mühldorf * Baierns Militär marschiert um 16:30 Uhr in das zum Fürstbistum Salzburg gehörende Mühldorf am Inn ein und nimmt die Stadt militärisch in Besitz. 

23. August 1802

Freising * Kurfürst Max IV. Joseph lässt das Militär in das Fürstbistum Freising einmarschieren. 

24. August 1802

Regensburg * Die Reichsdeputation, die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem Friedensvertrag von Lunéville ausarbeiten soll, tritt in Regensburg erstmals zusammen.

November 1802

München-Graggenau * Die Gebäude des „Franziskanerklosters“ werden an die Meistbietenden „auf Abbruch“ versteigert.

Die „Franziskanerkirche“ erwirbt der „Hutmacher“ Johann Giglberger um 1.152 Gulden zur sofortigen „Demolierung“.

November 1802

München-Graggenau * Mit dem Abbruch der „Franziskaner-Klostergebäude“ verschwindet auch der Friedhof mit seinen Gruftkapellen und den Gräbern zahlreicher Persönlichkeiten.

Einige Grabplatten werden vorsorglich als historische Monumente an die „Frauenkirche“ übergeben.
Graf Törring-Gronsfeld lässt drei Epitaphen von Familienangehörigen in die Bogenhauser „Georgskirche“ bringen.

Das Epitaph des im Jahr 1594 verstorbenen Renaissancekomponisten Orlando di Lasso befindet sich im „Nationalmuseum“, den Schädel des Wilhelm von Occam erhielt die „Bayerische Akademie der Wissenschaften“.

Und noch beim Bau der Tiefgarage auf dem „Max-Joseph-Platz“ beförderten die Bagger eine große Zahl von Knochen zutage.

23. November 1802

Regensburg * Die Reichsdeputation beschließt in seiner 30. Sitzung den Reichsdeputationshauptschluss. Dieser bildet die Grundlage für die Aufhebung der Geistigen Staaten und der Landsässigen Klöster, die der „freien und vollen Disposition der respectiven Landesherren“ überlassen werden. Baiern vollzieht daraufhin offiziell die Inbesitznahme der ihm zugeteilten Territorien: 

  • Die Fürstbistümer Freising, Augsburg, Bamberg, Würzburg
  • sowie Teile der Fürstbistümer Eichstätt, Passau und Salzburg.

Damit werden große Teile Schwabens und Frankens baierisch.

27. November 1802

Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche Generalkommissär Johann Adam von Aretin dem Freisinger Hofrat das Besitzergreifungspatent.

Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die Herrschaft Isen-Burgrain und die Grafschaft Werdenfels gehören. Dadurch werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die Zugspitze baierisch.

Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft. Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen Municipalgemeinde. 

1. Dezember 1802

Mühldorf * Der kurfürstliche Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf, Johann Adam Freiherr von Aretin, nimmt zivilrechtlich Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. 

18. Dezember 1802

München-Graggenau * 19 der vierzig Nonnen aus dem Pütrich-Kloster und ihr Beichtvater begeben sich auf ihre Reise nach Reutberg. 

29. Dezember 1802

München-Graggenau * Die restlichen 21 Pütrich-Nonnen verlassen München in Richtung Reutberg. 


1803

1803

München-Graggenau * In einer Stadtbeschreibung wird über das Treiben im „Hofgarten“ folgendes berichtet: 

„Hier wird an Sonn- und Feiertagen jeder neue Putz zur Schau getragen, hier ist der offene Markt der Reize, hier wird geschmachtet, geseufzt, getändelt und geliebäugelt. [...]  
Zuckerwerk und andere Näschereien werden feilgeboten, das außen angebaute Kaffeehaus reicht Erfrischungen aller Art“

1803

München - Au * Mit der Verstaatlichung des Münchner Gerichtswesens und der Polizei gibt die Stadt ihre „Fronfeste im Rathaus“ und die „Haftstube im Rathausturm“ an das nunmehr staatliche „Stadtgericht“ ab.

Die profanierte „Klosterkirche am Lilienberg“ und der nördlich daran anschließende Seitenflügel dient als „Eisenfronfeste“, als „Strafvollzugsanstalt“.

März 1803

München-Graggenau * Das „Pütrich-Kloster“ wird verkauft. 

Nach dem 25. August 1803

München-Angerviertel - Wien * In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein ständisches Kloster: das Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger, dessen Äbtissin Mitglied der Landschaft ist. Es ist eines der siebzig Landsässigen Klöster in Altbaiern, das durch den verfassungsrechtlichen Schutz erst im Jahr 1803 aufgehoben werden kann.

Auch Österreich zieht - damals noch als baierischer Verbündeter - einen erheblichen Gewinn aus der Aufhebung der baierischen Klöster. Diese haben ihre Aktiva - aufgrund der in Baiern nicht vorhandenen Bankhäuser - bei der Wiener Bank angelegt. Nach der Klosteraufhebung kassiert Österreich diese Guthaben ein und beschlagnahmt deren Grundherrschaften, vor allem Weingüter in Südtirol und in anderen habsburgischen Gebieten. Baiern muss dagegen die Schulden der Klöster übernehmen.

1. Oktober 1803

München-Kreuzviertel * Die Aufhebung des Zentralklosters der Augustiner wird vollzogen. Bis auf drei alte Patres übernimmt nun auch der Rest des Konvents seelsorgerische Aufgaben außerhalb des Ordens. 

Die Insassen des Augustiner-Klosters sollen umgehend die Gebäude verlassen. Weil die Augustiner in kein Aussterbekloster gebracht werden sondern Anstellungen als Weltgeistliche annehmen, müssen sie in der Stadt eine Unterkunft suchen. Dadurch verzögert sich die Räumung des Klosters bis Anfang November. Die Kirche wird in der Folge zur Mauthalle, zum Zollamt, umgebaut. Die dazu notwendigen Arbeiten werden umgehend begonnen.

Das heimatlose Augustiner Christkindl findet Obhut bei den Barmherzigen Schwestern der heiligen Elisabeth, die die Tradition der weihnachtlichen Verehrung des Gnadenbildes in ihrer Spitalkirche an der heutigen Mathildenstraße fortsetzen. 

4. Oktober 1803

München-Graggenau * Auf dem Weg vom Hofgarten in den Englischen Garten wird das denkmalartige Standbild des „Harmlos“ von Franz Jakob Schwanthaler d.Ä. enthüllt. Es ist eine Stiftung des Ministers Theodor Graf von Morawitzky.


1804

1804

München-Isarvorstadt * Das Projekt „Ausbau des Torweges am Isartor“ wird wieder aufgegriffen.

Der Grund liegt in dem seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zunehmenden Verkehr durch das „Isartor“.  

Sowohl München als auch die Gemeinden rechts der Isar sind enorm angewachsen.  
Dem entsprechend erhöht sich auch der tägliche Pendelverkehr.  

War die Ausfallstraße zu Rumfords Zeiten noch mit 28 Fuß [ca. 8,40 Meter] geplant worden, so fordert man jetzt eine Breite von 48 Fuß [ca. 14,40 Meter].  
Die Regierung erhöht die Straßenbreite am 1. September 1807 sogar auf 100 Fuß. 

24. Mai 1804

München-Graggenau * Der Grundstein für das Palais Salabert, dem heutigen Prinz-Carl-Palais, wird gelegt. Das Gartenpalais wird nach Plänen von Carl von Fischer erbaut.

21. Juli 1804

München-Kreuzviertel - München-Graggenau * In einem kurfürstliches Reskript an die Oberbaierische Militär-Inspektion“heißt es:

  • „Wir haben gnädigst beschlossen, den bisherigen Parade-Platz dem Vergnügen des Publikums allein zu widmen, und zu diesem Zwecke verschönern zu lassen.
  • Dagegen bestimmen Wir den Platz des ehemaligen Franziskaner-Klosters zur Zeit als Parade-Platz, und eröffnen solches Unserer oberbaierischen Militär-Inspektion zu Anweisung der hiesigen Kommandantschaft“.

Das Franziskanerkloster ist inzwischen abgerissen und der dazugehörige Friedhof eingeebnet worden. Der dadurch entstandene große Raum erhält bald darauf die Bezeichnung Max-Joseph-Platz. Über den Gräbern des Franziskanerfriedhofs stampfen seither Soldatenstiefel, vor allem aus der Kosttor-Kaserne und der Kreuzkaserne. Bis zum Frühjahr 1826 dient der heutige Max-Joseph-Platz als Exerzierplatz der Münchner Garnison, um sich auf einen potenziellen Einsatz sorgfältig vorbereiten zu können. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es keine militäreigenen großen Truppenübungsplätze. Die eigentliche Truppenausbildung muss daher auf den Kasernenhöfen und auf Exerzierplätzen stattfinden.

31. Dezember 1804

München * Offiziell gibt es in München 31 Kaffeeschenken. Davon elf Realrechte und zwanzig persönliche Konzessionen. Der Unterschied zwischen den Kaffeeschenken und den Traiteurs wird beseitig. Beiden wird gestattet „Billards zu halten und nebst Kaffee und anderen Getränken auch Kost zu geben“


1805

1805

München * Im Zuge der bevorstehenden Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ - ist Kurfürst Max IV. Joseph fest entschlossen, die „Post“ künftig als Staatsaufgabe selbst zu übernehmen.

Bestärkt wird der Wittelsbacher vom „Generallandesdirektor“ Joseph Maria von Weichs, der ihm den Rat gibt, „daß der gegenwärtige Zeitpunkt der schicklichste sey, das Postregal [der Thurn und Taxis] einzuziehen und unter landesherrlicher Verwaltung auszuüben“.


1806

1. Januar 1806

München-Graggenau * Am Abend des Krönungstages besuchen Napoleon und seine Gemahlin Joséphine gemeinsam mit dem frischgebackenen Königspaar ein Hofkonzert. Weitere Feierlichkeiten unter Anwesenheit des französischen Kaiserpaares folgen in den nächsten Tagen. 

13. Januar 1806

München-Graggenau * In der Grünen Galerie der Münchner Residenz findet die nach französischem Recht geforderte Ziviltrauung der Brautleute Eugène Beauharnais und Auguste Amalie, der ältesten Tochter des baierischen Königs, statt.

Karoline Murat, die Schwester Napoleons, bleibt, obwohl sie sich ja schon seit dem 20. Dezember in der Münchner Residenz aufhält, demonstrativ der Eheschließung fern. Sie gönnt der Familie Beauharnais die Verbindung mit dem Hause Wittelsbach nicht. 

14. Januar 1806

München-Graggenau * Erst als die kirchliche Trauung in der Hofkirche folgt, sind die Brautleute Auguste Amalie und Eugène Beauharnais aus baierischer Sicht „richtig“ verheiratet. Der Erzbischof von Regensburg, Karl Theodor von Dahlberg, übernimmt die Trauungszeremonie. Am Abend läuten wieder alle Glocken und Kanonenböller werden vor den Toren der Stadt gezündet. Auch die Straßen Münchens sind erneut illuminiert. 

7. Juli 1806

München * Die Tortur wird im Königreich Baiern abgeschafft. 

11. Dezember 1806

München-Graggenau - München-Kreuzviertel * Nachdem die Hofkapelle in der Residenz für die inzwischen über 1.200 evangelischen Gemeindemitglieder zu klein geworden ist, übergibt König Max I. Joseph den Protestanten die Salvatorkirche.Da dieses Gotteshaus von Anfang an zu klein ist, wird es jedoch nie als evangelische Kirche benutzt. 


1808

1808

München-Graggenau * „Madame“ Aloysia Lampert verkauft ihr „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ samt der „realen Kaffeeschenk- und Traiteurgerechtigkeit“ um 13.000 Gulden an Johann Nepomuk Schuster aus Friedberg und an seine künftige Ehefrau Nannette Keil, einer „Kammerdienerin“ der Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine. 

Februar 1808

München - Regensburg * Gemeinsam mit seinem „Minister“ Maximilian Joseph von Montgelas verfasst König Max I. Joseph einen Brief, in dem er der fürstlichen Familie Thurn und Taxis das „Erbpostgeneralat“ für Baiern entzieht und ihr weiter mitteilt, dass künftig das „Königreich Baiern“ die „Post“ in eigener Regie übernehmen wird.

17. Februar 1808

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die Regierung genehmigt die Ausführung der Ausfallstraße übers Isartor. Denn seit der Erhebung Bayerns zum Königreich, am 1. Januar 1806, stellt man andere Anforderungen an die Stadteinfahrt zur Königlichen Haupt- und Residenzstadt München. Bislang stand die Verbesserung der Verkehrsführung durch Erweiterung und Begradigung der alten Torstraße im Vordergrund. Jetzt aber ist eine breit ausgebaute Via Triumphalis das Ziel.  

Vom Isartor selbst ist noch wenig die Rede. Doch zu einer würdigen Stadtzufahrt gehört auch ein entsprechendes Stadtportal, das wie ein Triumphtor die Straße überspannen und von Ferne sichtbar sein soll. Dazu muss das Isartor umgestaltet werden. Der hohe Mittelturm soll abgetragen werden, seine mittelalterliche Gestalt aber noch erhalten bleiben.  

Die Entscheidung über die dringend erforderliche Erweiterung des Isartores unterbleibt aber noch. Das liegt auch daran, dass die Stadt nicht über die erforderlichen Geldmittel verfügt und auch die vom Staat zur Verfügung gestellten Gelder nicht abruft. Damit ist die gesamte Neugestaltung des Gebiets um das Isartor erneut gescheitert.  

Dennoch steht das Schicksal des Isartores auch weiterhin im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen. Für viele Zeitgenossen ist jedoch das inzwischen zur Ruine verkommene Stadttor ein ärgerliches Verkehrshindernis, das den Eingang in die Hauptstadt des Königreichs Bayern verschandelt. Auch wenn das Bauwerk als romantische Staffage und Motiv vieler Gemälde und Zeichnungen einen gewissen Reiz ausübt. 

1. März 1808

München - Regensburg * Minister Montgelas hat ausreichend belastendes Material gegen die Thurn und Taxis gesammelt und kann nun König Max I. Joseph handfeste Beweise auf den Tisch legen. Demnach öffnen und lesen die Thurn und Taxis in ihren „Schwarzen Kabinetten“ heimlich die ihnen anvertrauten Briefe. Das Material ist so erdrückend, dass man sich in Regensburg keine Mühe zur Entgegnung macht. Der Taxische Beamte Alexander von Vrints gibt alles zu und räumt ein, dass dies seit hundert Jahren bei den Taxis übliche Praxis sei.

Mit der Verordnung über die Einrichtung einer „General-Direktion der Königlichen Posten“ wird in Baiern die „Thurn und Taxischen Reichsposten“ beseitigt. Man unterstellt die Post dem Ministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren.

Mathilde Therese, die Ehefrau des Fürsten Carl Alexander von Thurn und Taxis und Nichte von Max I. Joseph, erreicht noch, dass sie als Ablösesumme Teile des ehemaligen Regensburger Hochstifts erhält, nämlich Wörth, Donaustauf und Wiesent. Außerdem bekommt das Haus Thurn und Taxis 60.000 Gulden und die Würde eines baierischen Reichsoberpostmeisters mit der Funktion „der Oberaufsicht bei feierlichen Zügen und Auffahrten“ und die Befugnis, bei hochoffiziellen Anlässen den Reichsapfel zu tragen.


1810

1810

München-Lehel * Als Anton Gruber, ein Münchner Gastwirt und „Schnürrleibmacher“ erfährt, dass die „Isarinsel“ zu kaufen sei, kratzt er seine Reserven zusammen, nimmt einen Kredit auf und erwirbt das Eiland um 1.033 Gulden.

Von der „Polizey-Direktion“ erhält er die Konzession zum Bierausschank.

Nun baut er einige Holzhütten, nennt den Platz „Zum lustigen Dörflein“ und verabreicht während der Sommermonate „frisches Bier und Bratwürst“.

Der Zuspruch der Münchner ist bald so groß, dass Anton Gruber seine „Insel-Gaststätte“ das ganze Jahr bewirtschaftet.

Um August 1810

München-Angerviertel * Der Italiener Luigi Tambosi kommt nach München und wohnt zunächst beim Weinwirt Johann Balthasar Michel in der Rosengasse. 

30. Oktober 1810

München-Graggenau * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine verpachtet das Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule für 1.400 Gulden jährlichen Pachtschilling an den Italiener Luigi Tambosi.

Der bisherige Kaffeehaus-Besitzer Johann Nepomuk Schuster konnte zuvor die Zinsen für das von der Kurfürstin-Witwe geliehene Geld nicht mehr bezahlen. 

3. November 1810

München * Eine Verordnung über die neuen Posttarife bringt keine wesentlichen Fortschritte gegenüber dem alten System. Die Berechnung der Brieftaxe erfolgt nach dem Gewicht des Briefes und der Entfernung des Bestimmungsortes. Der billigste Brief kostet drei Kreuzer. Er darf nicht mehr wiegen als ein halbes baierisches Lot [8,75 Gramm] und der Bestimmungsort darf nicht weiter als sechs Meilen entfernt sein.

Für den Briefe schreibenden „Untertanen“ bedeutet die Übernahme der Posthoheit durch die souverän gewordenen Einzelstaaten einen Rückschritt gegenüber dem unter dem Schutz des Reiches entwickelten europäischen System der Thurn und Taxis, da es auf der Grundfläche des aufgelösten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nun nicht weniger als 43 verschiedene Postanstalten gibt.

Da auch auf dem Wiener Kongress nichts für die Wiederherstellung der Posteinheit und die Verbesserung der Postbedingungen unternommen worden war, muss jedes Land seine Postangelegenheiten in eigener Zuständigkeit ordnen. Den Vorschlag Bayerns, zumindest das Portosystem für das Gebiet des Deutschen Bundes zu vereinheitlichen und das Porto - nach baierischem Muster - zu verbilligen, lehnen die anderen Länder aber kategorisch ab.

Im Königreich Baiern, in dem zahlreiche fränkische und schwäbische ehemalige reichsunmittelbare Gebiete aufgegangen sind, kommt der Post eine wichtige Rolle bei der Aufgabe zu, die neubayerische Bevölkerung zu integrieren. Ein funktionierendes Post- und Verkehrswesen ist dabei ein wichtiges Mittel der bayerischen Regierungspolitik. Es sollen damit die Vorteile des neuen und größeren Wirtschaftsraumes demonstriert werden und den vom neuen Staatsverband eher weniger begeisterten Neubürgern das Königreich attraktiver machen.


1811

1811

München-Graggenau - München-Angerviertel * Da das „Isartor“ den modernen Verkehrsbedürfnissen nicht mehr gewachsen ist, gibt es Pläne für einen Abbruch des „Torbaus“.  

Das liegt an den zu engen Durchfahrten, die nur für den mittelalterlichen Verkehr ausgelegt waren.  
Zwei entgegenkommende Fuhrwerke können nicht gleichzeitig das Tor passieren.

Nur die beiden „Flankentürme“ sollen - aus denkmalpflegerischen Gründen - erhalten bleiben.  
Nach der Entfernung der sie verbindenden „Portalwand“ - könnte dann der Verkehr in beiden Richtungen ungehindert fließen.  
Dagegen erscheint dem „Leiter der staatlichen Straßen- und Wasserbaubehörde“, Carl Friedrich von Wiebeking, die Erhaltung des „Isartores“ für vollkommen überflüssig.  

Es soll vielmehr abgerissen und dafür ersatzweise auf dem rechten Isarufer eine neue „Empfangsstation“ für den nach München einströmenden Verkehr geschaffen und dorthin auch die „Wach- und Zollstation“ verlegt werden.  

Dadurch will er auch die Verschmelzung des alten Stadtkerns mit dem Siedlungsgebiet in der Flussniederung erreichen. 

26. Oktober 1811

München-Graggenau * Der Grundstein für das Kgl. Hof- und Nationaltheater wird gelegt. 


1813

1813

München-Lehel * Nachdem Anton Gruber ein „Caroussel“ und eine Schaukel aufstellt, wird aus dem „Lustigen Dörferl“ der „Prater“.

Der Gastwirt ist ein Vollprofi in Sachen „Volksbelustigung“.

30. März 1813

Burk * Georg Christian Friedrich Bürklein wird  in Burk bei Ansbach in Mittelfranken geboren.

Er ist der erste Sohn eines Lehrerehepaares.
Den ersten Unterricht erhält der Friedrich genannte Knabe von seinem Vater.
Ab dem Alter von dreizehn Jahren interessiert sich Friedrich für Architektur.
Seine Wahl wird durch sein Zeichentalent unterstützt.

Nach dem 13. September 1813

München * Nach dem Einsturz der Isarbrücke untermauert Carl Friedrich von Wiebeking, der Leiter der staatlichen Straßen- und Wasserbaubehörde, seine Argumentation mit dem Hinweis, dass mit dem Abbruch des Isartores das anfallende Abbruchmaterial beim Neubau der Brücke verwendet werden könne. Wiebekings Vorschlag wird jedoch verworfen, die weiteren Planungen erst im Jahr 1816 wieder aufgenommen. 


1815

1815

München-Graggenau * Mit dem Eintreten der Friedenszeit sinkt auch das Verständnis der Anwohner des „Max-Joseph-Platzes“ für die Belange des Militärs deutlich.

1815

München * Im „Strafrecht“ von Feuerbach sind „Ketzerei, Zauberei und Hexerei“ nicht mehr als strafbare Tatbestände zu finden.


1817

1817

München-Graggenau * Luigi Tambosi und die Kurfürstinwitwe Maria Leopoldine sind sich handelseinig.
Er will ihr um 22.000 Gulden das „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ abkaufen.

Dann erfahren sie, dass das „Kaffeehaus“ abgerissen und in den „Englischen Garten“ verlegt werden soll.

Die Niederlegung der Gebäude verzögert sich bis 1825.
So lange bleibt Maria Leopoldine Eigentümerin und Luigi Tambosi Pächter des „Kaffeehauses an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“

16. April 1817

München-Graggenau * Durch Brandstiftung brennt in der Nacht vom 16. April 1817 der seit zwei Jahren im Hof des Marstalls gelagerte Dachstuhl für das Hof- und Nationaltheater ab. An der Brandstelle findet man Zettel mit der Aufschrift „Brot oder Brand“.

Böse Zungen behaupten ernsthaft, der Dachstuhl „hat brennen müssen“, weil letzte Nachmessungen gezeigt hätten, dass die Querbalken zu kurz gewesen seien und dadurch die Unfähigkeit des Architekten Carl von Fischers ans Licht gekommen wäre. 

Um den 17. April 1817

München-Graggenau * Nach der Brandstiftung am 16. April überlegt König Max I. Joseph die Verlegung der Residenz in eine andere Stadt. An seinen Sohn, Kronprinz Ludwig I., schreibt er: „Die Köpfe fangen an, sich zu erhitzen und unruhig zu werden, die anonymischen Briefe sind häufig.“ 


1818

1818

München-Maxvorstadt * Die Planungen zur Einrichtung einer „Erzgießerei“ in München stimmt Kronprinz Ludwig I. mit dem Architekten Leo von Klenze ab. 

26. Mai 1818

München * Seit der Verfassung vom 26. Mai 1818 sind im Königreich Baiern Fragen der Post nicht mehr alleine Angelegenheit des Landesherrn und seiner Regierung. Die Ständeversammlung hat das Recht über die Staatsausgaben und damit auch über die Post mitzubestimmen.

Zu den bevorzugt diskutierten Themen in der Ständeversammlung gehört unter anderem die Frage, ob die Post, als Öffentliche Anstalt die Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu befriedigen hat oder ob sie vorwiegend Geld in die immer leeren Staatskassen bringen soll. Immer wieder prangern die Abgeordneten

  • die katastrophalen Dienstleistungen der Post,
  • die Grobheit der Postillione und
  • den miserablen Zustand der baierischen Straßen an.
Oktober 1818

München-Theresienwiese * Anton Gruber, der Wirt von der „Praterinsel“, erhält für fünf Jahre die Konzession für ein besonderes Publikumsvergnügen.

Auf der „Theresienhöhe“, also nicht auf dem „Festplatz“, betreibt er ein „Carussel“, eine „teutsche Schauckel“, wohl eine normale Schwingschaukel, eine „russische Schauckel“, ein Vorläufer des heutigen Riesenrads in bescheidener Größe, ein   und eine „Taubenscheibe“, mit einer aufgehängten Holztaube als Zielwurfobjekt.

Zugleich darf er Speisen und Getränke anbieten.

12. Oktober 1818

München-Graggenau * Am Namenstag von König Max I. Joseph kann das von Carl von Fischer geplante neue Hof- und Nationaltheater mit dem Festspiel „Die Weihe“, einem Stück mit 160 Rollen, eingeweiht werden. Erst als der König - nach langem Zögern - in die Finanzierung eingegriffen hatte, gingen die Arbeiten zügig voran. 

3. Dezember 1818

Lichtenheim * Max Pettenkofer wird in Lichtenheim bei Neuburg an der Donau als Kind eines Einödbauern geboren. 


1819

1819

Vorstadt Au - München * Die Handwerker und die häufig arbeitslosen Tagelöhner der Au drängen auf die Eingemeindung.

In einem Gutachten des „Münchner Magistrats“ heißt es dazu:

„Der Gewerbemann der Vorstadt Au hat seine Kundschaft und seinen Markt nicht auf seinem Wohnplatz, sondern in München. Was sollen Schuhmacher und Schneider in einer Gemeinde mit 7.000 Köpfen, von denen zwei Drittel im Sommer mit bloßen Füßen gehen und sich in Lumpen kleiden“.

19. Dezember 1819

München * 8.255 Schäffel (1 Scheffel = circa 222 Liter) Getreide kommen auf die Münchner Schranne. Rechnet man auf einen Wagen acht Scheffel, dann waren an diesem Tag 1.034 Bauernwagen mit 2.068 Pferden in der Stadt.


1820

11. Februar 1820

München * Der Architekt des Kgl. Hof- und Nationaltheaters, Carl von Fischer, stirbt im Alter von 37 Jahren. Kurz vor seinem Tod wird der Architekt - mit Duldung des Kronprinzen Ludwig I. - von Leo von Klenze verdrängt. 

26. März 1820

München-Graggenau * Der „Magistrat der Haupt- und Residenzstadt München“ beschließt, König Max I. Joseph ein Denkmal zu setzen. 

Anlass ist der bevorstehende zweite Jahrestag der „Bayerischen Verfassung“.
Der König soll als „Vater des Vaterlandes“ und als „Friedensfürst“ dargestellt werden.

Zur Aufbringung der Kosten richtet man eine „Subskription“ ein, eine für die damalige Zeit durchaus übliche Vorgehensweise.
An vielen Orten in Deutschland und ganz Europa konstituieren sich im 19. Jahrhundert solche Kommissionen, deren Bestreben es ist, für eine zu ehrende Person - häufig sind es allerdings bürgerliche Größen der Geistes- und Kulturgeschichte - ein Denkmal zu errichten.
Sie fungieren als unermüdliche Geldbeschaffer, Ausarbeiter eines „Programms“ und Auftraggeber für einen Künstler.

30. Mai 1820

München-Graggenau * Die künstlerische Konzeption des Max-Joseph-Denkmals liegt von Anfang an bei Kronprinz Ludwig I. und Leo von Klenze, der ein Brunnenmonument auf dem Max-Joseph-Platz vorschlägt. Das steht wiederum in einem engen Zusammenhang mit einem groß angelegten Wasserleitungs- und Brunnenprogramm, das für die Stadt eingerichtet werden soll und ihr Vorbild in dem napoleonischen Brunnenprogramm für Paris hat.

31. Mai 1820

München-Graggenau * Drei Hausbesitzer beschweren sich bei der Kgl. Polizeidirektion München über das Exerzieren der Artillerie auf dem Max-Joseph-Platz, da wegen des „quälenden Geschreies der Soldaten“ schon einige gute Mieter gekündigt haben.

16. Juni 1820

München * Kronprinz Ludwig I. schreibt an den Architekten Leo von Klenze: „Wie viele Erzarbeiten habe ich nicht vor!“  Und weiter: das geplante Denkmal für seinen Vater „möge das beste seyn, u. das wirksamste Mittel die Errichtung der Erzgießerei zu befördern.“


1821

1821

München-Graggenau * Auch nach dem Bau des neuen „Hof- und Nationaltheaters“ bleibt der „Max-Joseph-Platz“ groß genug für Exerzierübungen.

Ein Antrag des „Generalkommandos München“, „die öde Fläche in einen regulären Exerzierplatz umzugestalten“, wird abgelehnt.


1823

14. Januar 1823

München-Graggenau * Der Brand des Hof- und Nationaltheaters bringt einen herben Rückschlag für den Bau eines Max-Joseph-Denkmals, da nun die notwendigen Mittel vordringlich in den Wiederaufbau der Schaubühne gesteckt werden müssen.

14. Januar 1823

München-Graggenau * Das erst am 12. Oktober 1818 eingeweihte Kgl. Hof- und Nationaltheater brennt bis auf die Grundmauern nieder. Während der Aufführung der komischen Oper „Die beyden Füchse“ fängt die Dekoration Feuer. Weil das Löschwasser gefroren ist, müssen die Münchner zusehen, wie eines der größten und modernsten Opernhäuser Europas ein Opfer der Flammen wird. Mit dem Wiederaufbau - nach den Plänen von Carl von Fischer - wird Leo von Klenze betraut. 

Ab Oktober 1823

München-Graggenau * Ein großer Schritt in der Planung des Max-Joseph-Denkmals geschieht auf der Italienreise des Kronprinzen Ludwig mit Leo von Klenze vom Oktober 1823 bis Anfang des Jahres 1824. In Zusammenarbeit mit dem in Rom wohnenden Bildhauer Martin von Wagner, dem Kunsteinkäufer Ludwigs, der auch die berühmte Äginetengruppe für die Glyptothek erwerben konnte, entstand ein Denkmalentwurf. Er zeigt den König im Krönungsornat auf dem Löwenthron mit der zum Friedensgruß erhobenen rechten Hand.

„Als Grund für die sitzende Stellung führte ich an“, schreibt Leo von Klenze später, „daß der König als Nicht-Feldherr doch am besten in der Stellung dargestellt werden möchte, welche die Alten ihren Obergöttern und namentlich dem Zeus gaben“ und dass diese ruhige Haltung „dem Begriffe der gesetzlichen, sich ihrer Macht und Würde bewußten Herrschaft“ entspricht.

Doch König Max Joseph spricht sich prinzipiell gegen eine sitzende Stellung aus, und zwar in der ihm eigenen, sehr drastischen Ausdrucksweise: Er will nicht „auf dem Cacatojo sitzend“ dargestellt werden. Daraufhin macht Leo von Klenze einen neuen Entwurf, der den König stehend mit vier liegenden Löwen zeigt und die Zustimmung Max Josephs, schließlich auch des Kronprinzen und der Denkmalkommission findet.

23. Oktober 1823

München-Lehel * Noch bevor die Zentralklöster völlig aussterben, verhilft König Ludwig I. der bayerischen Franziskanerprovinz zum heiligen Antonius von Padua zu neuem Leben. Im Einvernehmen mit Erzbischof Anselm von Gebsattel erhalten die Franziskaner in München die Pfarr- und ehemalige Hieronymitenkloster-Kirche Sankt Anna im Lehel als neuen Sitz.

Über die massiven Bedenken, ob man die Bettelmönche überhaupt wieder in München ansiedeln soll, setzt sich der klösterrestaurierende Bayernherrscher - sehr zur Freude seiner konservativ eingestellten Untertanen - einfach hinweg. Als Begründung für seine Entscheidung zugunsten der Franziskaner gibt er an: „Eingedenk, daß Mitglieder dieses Hauses Unsern erhabenen Vorfahren Kaiser Ludwig den Bayern zu einer Zeit vertheidigt haben, in welcher dieses mit größter Gefahr verbunden war.“

Kurz und bündig gibt er an das Ministerium des Innern die Weisung: „Am Allerheiligentage sollen die Franciscaner von Ingolstadt in ihrem hiesigen Kloster eintreffen, daselbst Hochamt halten.“


1824

1824

München-Maxvorstadt * „An der Straße nach Nymphenburg“ wird mit dem Bau der „Erzgießerei“ begonnen.

1824

München-Graggenau * Die „Kommission zum Wiederaufbau des Hof- und Nationaltheaters“ stellt den Antrag, nach der Eröffnung des neuen Theaters das „Artillerie-Regiment“ vom „Max-Joseph-Platz“ zu verbannen.

  • Man verweist dabei auf die Belästigung der ganzen Nachbarschaft durch den täglichen Ausbildungsbetrieb.
  • Außerdem würden in keiner „Haupt- und Residenzstadt“ außer in München, auf einem Stadtplatz ständig Militärübungen stattfinden.
  • Vielmehr sucht sich überall sonst das Militär „Exerzierplätze“ außerhalb der Städte.
16. Februar 1824

München-Graggenau * Am Tag des 25. Regierungsjubiläums von König Max I. Joseph wird der Grundstein für ein freistehendes Standbild, das Max-Joseph-Denkmal, gelegt. Dabei wird nochmals gefordert, dass „das Monument vorzugsweise den Typus der Regierung unseres allergnädigsten Königs darstellen“ soll, „den die Geschichte seiner Zeit ganz zuverlässig in der väterlichen Liebe erkennen wird“.


1825

1825

München-Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ ermächtigt das „Finanzministerium“, jährlich 20.000 Gulden für den Bau einer protestantischen Kirche anzusetzen. 

Dafür muss die „Salvatorkirche“ unentgeltlich zurückgegeben werden. Erweiterungsplanungen werden damit hinfällig. 

August 1825

München-Maxvorstadt * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine verkauft die an Luigi Tambosi verpachtete „reale Kaffeeschenk- und Traiteurgerechtigkeit“ an den „Hofbankier“ Simon von Eichthal und an den „Architekten“ und Unternehmer Ulrich Himbsel. 

Ab August 1825

München-Maxvorstadt * An der Stelle der ehemaligen „Reitschule“ entsteht das „Bazargebäude“, ein für damalige Zeit hypermodernes „Kaufhaus“.   

Der Grundriss wird von Ulrich Himbsel entworfen.
Für die Fassadengestaltung zeichnet Leo von Klenze verantwortlich.

27. September 1825

München-Maxvorstadt * Leo von Klenze kann dem immer ungeduldiger werdenden Kronprinzen melden: „Noch in dieser Woche wird das erste Stück, ein Basorelief, in der Erzgießerei gegoßen werden und ich hoffe, dass dann die Arbeit nicht mehr ausgehen wird“.

Bei diesem Relief handelt es sich um eine Grabplatte für die zwei Indianerkinder Juri und Mirhana, die die Naturforscher Johann Baptist von Spix und Karl Friedrich Philipp von Martius aus Brasilien mitbrachten, und die jeweils im Alter von 14 Jahren im Jahr 1822 kurz hintereinander starben.

13. Oktober 1825

München-Graggenau * Nach dem Tod König Max I. Josephs kehrt der neue Bayernregent Ludwig I. sofort wieder zu seiner Lieblingsidee des thronenden Königs zurück. Auch in der Frage welcher Künstler das Monument ausführen soll, setze sich Ludwig durch. Der junge König hat bedeutende Künstler in seinem Blickfeld, die er zudem gerne an München binden will.

15. Oktober 1825

Berlin * Prinzessin Marie Friederike von Preußen, die spätere Königin und Mutter Ludwigs II. wird in Berlin geboren.

26. Oktober 1825

München - Berlin * König Ludwig I. favorisiert den Berliner Christian Daniel Rauch, der als das Haupt der dortigen Bildhauerschule gilt. Gerade einmal 13 Tage nach dem Tod seines Vaters, Max I. Joseph, lässt er Klenze die Auftragserteilung für das Denkmal nach Berlin schicken.


1826

1826

München-Graggenau * Auf der Nordseite des „Max-Joseph-Platzes“ entsteht der „Königsbau der Residenz“.

Als städtebauliche Aufgabe verbleibt für Leo von Klenze die Südseite des Platzes, die durch die wenig repräsentative Seitenfassade des „Palais Toerring-Jettenbach“ gebildet wird. Das spielte auch lange Zeit keine Rolle, da diese Seite dem „Friedhof des Franziskanerklosters“ zugewandt war.

Mit der Neugestaltung des „Toerring-Palais“ will König Ludwig I. aber nicht nur den Platz verschönern, sondern auch die der königlichen Wohnung gegenüberliegende Front ästhetisch aufwerten. Diese Investition kann aber dem Grafen weder zugemutet noch aufgezwungen werden.

Um April 1826

München-Graggenau * Der ganze Streit um die Belästigungen durch das Militär wird durch eine Anweisung König Ludwigs I. hinfällig, der wegen des neuen „Königsbaues der Residenz“ der „Artillerie“ den „Max-Joseph-Platz“ als „Exerzierstätte“ entzieht.

Juni 1826

München-Graggenau * Die Kostenvoranschläge für das „Max-Joseph-Denkmal“ liegen vor.

Für die Herstellung der Modelle und deren Transport von Berlin nach München sind 72.121 Gulden veranschlagt worden. Für den Guss hat man 150.485 Gulden ausgerechnet.

Mit dem Guss des „Denkmals für König Max I. Joseph“ wird der Goldschmied, Bildhauer und Münzschneider Johann Baptist Stiglmaier beauftragt. Er hat sich, nachdem die Tradition der bedeutenden Münchner Erzgießerei des 17. und 18. Jahrhunderts längst abgerissen war, in Neapel und Berlin zum „Bronzegießer“ ausbilden lassen.

Gefördert hat ihn der „Leiter der Königlichen Münze“, Heinrich Joseph von Leprieur, der ihm auch im Jahr 1810 einen Studienplatz an der „Kgl. Akademie der Bildenden Künste“ verschafft hat.


1827

Ab 1827

München-Graggenau * König Ludwig I. lässt von Julius Schnorr von Carolsfeld die „Nibelungensäle“ im „Königsbau“ der Residenz ausmalen. 

1827

München-Graggenau * Offenbar will Graf Toerring das „Adelspalais“ an der heutigen Residenzstraße 2 bereits in den 1820er Jahren verkaufen.

Denn als sich Herzog Max in Bayern nach einem geeigneten Stadtpalast umsieht, wird ihm von Klenze das gegenüber der entstehenden „Königsresidenz“ gelegene „Palais“ schmackhaft gemacht.

Doch die Pläne des Herzogs zerschlagen sich.

31. Oktober 1827

Schwabing * Der Provinzial-Vikar der wiedererstandenen Franziskanerprovinz, Pater Johann Nepomuk Glöttner, trifft mit einigen Patres, Klerikern und Laienbrüdern von Ingolstadt kommend in Schwabing ein.

1. November 1827

München-Lehel * Mit der religiösen Restauration unter König Ludwig I. werden insgesamt 132 klösterliche Konvente in Bayern ins Leben gerufen. Jetzt kehren auch die Franziskaner nach München zurück. Gegen den Willen vieler Zeitgenossen und in völliger Verklärung der seinerzeitigen Ereignisse genehmigt König Ludwig I., „[...] eingedenk, dass Mitglieder dieses Ordens Unseren erhabenen Vorfahren Kaiser Ludwig den Bayer zu einer Zeit vertheidigt haben, in welcher dies mit größter Gefahr verbunden war“, die Niederlassung dieses Ordens im Lehel.  

Am Allerheiligentag fahren die Franziskanermönche in sechs Wagen von Schwabing zur Sankt-Anna-Kirche im Lehel. „An der Brücke vor dem Kloster, wo bereits eine große Menschenmenge versammelt war, wurden sie vom Bürgermeister [...] und anderen Herren empfangen und unter Voraustretung der Laienbrüder [...] bis zur Türe der Pfarr- und nunmehr auch Klosterkirche geführt. Hier erwartete sie Stadtpfarrer Schuster und begleitete sie an den Choraltar. [...] Die ganze, sehr religiöse Feierlichkeit, wobei die Kirche bis zum Erdrücken angefüllt war, [...] wurde mit dem Te Deum beschlossen.“  

Damit ist das Anna-Kloster im Lehel das Hauptkloster der wieder neu aufblühenden bayerischen Franziskanerprovinz. Seither befindet sich auch die Oberarm-Reliquie des heiligen Antonius in der Anna-Klosterkirche. 


1828

1828

München-Graggenau * Das „Bazargebäude“ wird eröffnet. 

Im Erdgeschoss befinden sich Ladengeschäfte.
Im südlichen Eckbau wird das von Luigi Tambosi betriebene „Hofgarten-Café“ untergebracht. 

1828

München-Maxvorstadt * Die „Erzgießerei“ in der Sandstraße, nahe dem heutigen Stiglmaierplatz, muss für den Guss der „Max I. Joseph-Statue“ noch einmal erweitert werden.

1828

München-Maxvorstadt * Friedrich Bürklein studiert bei Friedrich von Gärtner an der „Akademie der Bildenden Künste“ in München.

Er wird nach Gottfried Semper der erfolgreichste und namhafteste Schüler dieses Architekturprofessors.

Da Bürklein völlig mittellos ist, muss er sich durch Stundengeben und Anfertigen von Bauzeichnungen sein Studium finanzieren.


1830

1830

München-Maxvorstadt * Da eine neue Verordnung, den Eintritt in den „höheren Staatsdienst“ betreffend, die Absolvierung des Gymnasiums fordert, bereitet sich Friedrich Bürklein nebenher auch noch auf das Abitur vor, das er im Jahr 1830 mit Auszeichnung besteht.

Auf der „Akademie“ gehört er bald zu den besten Schülern Gärtners, vertritt den Professor häufig im Unterricht und wird von ihm auch zu Bauführungen herangezogen.

1830

München * Die bayerische „Post“ erzielt alleine aus Briefportoeinnahmen 663.956 Gulden Gewinn.

Nur diese Zahlen faszinierten den König.

Da König Ludwig I. die „Post“ als Anstalt zur Erzielung von Einnahmen sieht, unterstellt er die „Generaldirektion der königlichen Posten“, samt seiner sieben „Postämter“, 22 „Postverwaltungen“, 175 „Postexpeditionen“, 16 „Posthaltereien“ und neun „Briefsammlungen“ dem „Staatsministerium der Finanzen“.


1831

1831

München-Graggenau - München-Angerviertel * Der „Fischmarkt“, der bisher am „Fischbrunnen“ auf dem „Schrannenmarkt“ abgehalten wurde, findet auf dem heutigen „Viktualienmarkt“ statt.

1831

München-Graggenau * Das bereits von Luigi Tambosi betriebene „Hofgarten-Café“ geht um 30.000 Gulden von Simon von Eichthal und Ulrich Himpsel in dessen Eigentum über. 


1832

1832

München * Die „Post“ wird wieder dem „Ministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren“ unterstellt.

Aus Angst vor einer „Revolution“ - in Frankreich findet im Jahr 1830 die „Julirevolution“ statt - will der Bayernherrscher die politische Kontrolle über die „Post“ ausüben.

Daran scheitert auch eine „Privatisierung der Post“, für die das Haus „Thurn und Taxis“ ein entsprechend großzügiges Angebot offeriert hatte.

1832

München * Der 21-jährige bayerische Kronprinz Max II.

  • hat die Idee einer „Akropole“ zur „Hebung des monarchischen nationalen Volksgeistes“
  • und beabsichtigt, „auf der Isaranhöhe einen großen Nationalbau, einen Park, eventuell sogar einen neuen Stadtteil anzulegen”.

Das ist der Anstoß für die 1.664 Meter lange „Maximilianstraße“.

9. August 1832

München-Maxvorstadt * Mit dem Guss der Königsfigur auf dem Max-Joseph-Platz kann begonnen werden. Stiglmaier hat erstmals beim Guss des „Max-Joseph-Denkmals“ die Form mit der sogenannten Schwarzen Masse, einer Mischung aus angefeuchtetem Sand, Lehm und Holzkohle hergestellt und will die Figur in einem Stück gießen.

Das Metall wird mehrere Tage lang in einem mit Holz gespeisten sogenannten Flammofen bis zum Schmelzen erhitzt. Zuerst wird das Kupfer geschmolzen, zuletzt das leicht verbrennende Zinn untergerührt. Nach Entfernen des Tonpfropfens aus dem Flammofen, fließt die flüssige Bronze in einem schmalen, feuerfesten Kanal in ein größeres Reservoir über der fertigen Gussform. Auf ein Kommando öffnen die Arbeiter alle mit eisernen Pfropfen verschlossenen Zuflussöffnungen, sodass das flüssige Material aus dem Reservoir in die Gussform stürzen kann.

Der Guss der Königsstatue ist ein derart außergewöhnliches Ereignis, dass daran der komplette Magistrat der Haupt- und Residenzstadt München, der Finanzministe, der Direktor der Königlichen Münze und Leo von Klenze teilnehmen. An den Guss einer auch nur annähernd gleichwertigen Bronzeplastik kann sich keiner der Gäste erinnern. Er lag viele Generationen zurück. 

Doch der Versuch, die Figur in einem Stück zu gießen, missglückt. Fünfzehn Personen werden bei diesem Unglück verletzt und das Werk von achtzehn Monaten Arbeit vernichtet. Ferdinand Miller beziffert den Schaden auf 8 bis 10.000 Gulden.


1833

1833

München-Maxvorstadt * Der nun in mehrere Teile aufgetrennte Guss für das Max-Joseph-Denkmal kann doch noch hergestellt werden. Das letzte Sockelrelief wird anno 1835 fertig. Vermutlich werden jetzt alle Teile im Sandgussverfahren hergestellt, da das Denkmal aus vielen, zum Teil beachtlich großen Einzelgussstücken besteht.

Das Denkmal wird in der Erzgießerei komplett zusammengebaut und danach in der Gänze auf den Max-Joseph-Platz gebracht. Das ist eine enorme Leistung, denn alleine die Königsfigur wiegt 7.800 Kilogramm.

1833

München-Graggenau * Der Bildhauer Ludwig von Schwanthaler erhält den Auftrag, zwölf Bronzefiguren mit Ahnen der Wittelsbacher für den Thronsaal der Residenz zu erstellen. 

1833

München-Graggenau * Das Hofbräuhaus ist als öffentliches Lokal zugänglich. Hier spielt der Kapellmeister Sulzbeck mit seine „Bande“ auf. Von hier aus ertönt immer wieder der Landler „Huraxdax, packs bei der Hax“

19. Juli 1833

München * Die Beförderung der Post hat für Monarchen wie Ludwig I. einen sehr unerwünschten Effekt. Denn nun können die Bayern aus dem Ausland Zeitungen beziehen, die liberales und demokratisches Gedankengut transportieren.

Das wachsende Informationsbedürfnis der Untertanen steigt und stellt die Regierung vor immer neue Probleme, da die herkömmlichen Mittel der Zensur nicht mehr greifen. Wie schwierig die Situation für die reaktionäre bayerische Verwaltung ist, zeigt die Anweisung an die Postämter, wonach schweizerische und französische Zeitungen vor der Auslieferung an die Zensurbehörde zu geben sind.

Um August 1833

München-Graggenau * Wie gut, dass ausgerechnet jetzt die Raumprobleme des Münchner „Hauptpostamtes“ und die Umzugsabsichten der „Generalpostadministration“ bekannt werden.

  • Bayernkönig Ludwig I. und sein Architekt Leo von Klenze sehen darin eine neue Chance für die abschließende Gestaltung des „Max-Joseph-Platzes“.
  • Und das Allerbeste daran ist, dass man die entstehenden Kosten für den Erwerb des Gebäudes und den Umbau der „Postdirektion“ aufbürden kann.
1. September 1833

München-Graggenau * Leo von Klenze legt dem König die Grundzüge seiner Planungen für den Platz vor der Oper in Form von zwei Baulinienalternativen vor.

  • Die eine führt zu einer symmetrischen Platzgestalt, indem der Königsbau und die geplante neue Fassade der Hauptpost zwei gleich große Flächen beidseitig der Mittelachse begrenzen, die ihrerseits durch die Längsachse des Nationaltheaters und den geplanten Aufstellungsort des Max-Joseph-Denkmals festgelegt ist.
    Diese Symmetrie ist allerdings nur um den Preis einer „ganz in die Karikatur fallende Breite“ des Postgebäudes von etwa vier Metern zu erreichen.
  • Der zweite Vorschlag rückt die Bauflucht weiter in den Platz, ausgerichtet auf die Südecke der Perusagasse, was erheblichen Gewinn an Raumtiefe für das Postgebäude bedeuten würde.

König Ludwig I. entscheidet sich für die erste Lösung, da im anderen Falle das Denkmal für seinen Vater aus der Platzmitte geraten würde.

Mit der Hauptpost soll ein markantes Beispiel für die hauptsächlich auf Stadtverschönerung ausgerichtete Baupolitik Ludwigs I. entstehen. Es ist aber zugleich ein Musterbeispiel dieser höchst fragwürdigen Baupolitik. Um seine Planungen verwirklichen zu können, braucht der König öffentliche und private Investoren, die seine gestalterischen Ideen unter Vernachlässigung von wirtschaftlichen und funktionalen Überlegungen akzeptieren. Private Bauherren lassen sich unter solchen Bedingungen kaum noch finden. Das haben nicht zuletzt die Erfahrungen in der Ludwigstraße gezeigt.

Doch auch die Veranlassung öffentlicher Bauaufträge gestaltet sich zunehmend schwierig. Die staatlichen Aufwendungen für königliche Luxusbauten geraten immer stärker in die Kritik. Insbesondere im Umgang mit der Ständeversammlung, die die Ausgaben bewilligen oder, wie bei der Hauptpost, im Hinblick auf weitere Bauaufgaben zumindest akzeptieren soll, findet Ludwig eigene Wege. Im Fall des Postgebäudes ist dies eine Mischung aus Täuschungsmanövern, neoabsolutistischer Herrscherwillkür sowie einer Instrumentalisierung von teils opportunistischen, teils ahnungslosen Beteiligten.

Denn letztlich werden bei den äußerst komplizierten und kaum durchschaubaren Vorgängen, bei denen man auch den Einsatz eines Strohmannes und die bewusste Verfälschung und Verschleierung wichtiger Tatsachen nicht scheut, nahezu alle mit den Plänen befassten Instanzen, von der Postadministration über das Ministerium des Königlichen Hauses, des Innen-, Außen- und Finanzministeriums und der Ständevertretung, in unterschiedlicher Form und in jeweils anderen Punkten getäuscht und ausgenutzt.

Um den 5. September 1833

München-Graggenau * Leo von Klenze legt - unaufgefordert und ohne „Anspruch auf diesen Bau zu begründen“ - einen Vorschlag für die Fassadengestaltung der Residenzpost vor, die er zur Kaschierung der 292 Fuß [90 Meter] langen und 70 bis 80 Fuß hohen Front auf dem nur 18 bis 19 Fuß tiefen bebaubaren Grundstück für geeignet hält. Dabei verfällt er „auf den Gedanken eines offenen Portikus - eines so schönen Gedankens der alten und neuen Zeiten, wozu hier der Bauplatz und seine Lage nach Norden und sein Verhältnis wie geschaffen scheint“

Da das „Törringsche Palais in seiner ganzen Höhe bedeckt werden müßte, so schien es beßer, die Analogie einer Anlage aus dem Cinquecento als aus der Antike zu nehmen, und Florenz bietet dazu die schönsten Beispiele dar“. Beigefügt sind wieder zwei alternative Vorschläge. Sie sehen über einer in Anlehnung an Filippo Brunelleschis Findelhaus gestalteten Bogenhalle ein wahlweise in kleine Fenster oder Arkaden geöffnetes Obergeschoss vor.

Das florentinische Vorbild dürfte Klenze nicht allein im Hinblick auf Dimensionen und Proportionen gewählt haben. So wie er den Königsplatz als ein hellenisch-antikes Forum gestaltete, konnte mit dem an den Palazzo Pitti erinnernden Königsbau und die Angleichung des Toerring-Palais an das „Ospedale degli Innocenti“ ein Platz entstehen, der einen Eindruck der florentinischen Renaissance vermittelt.

Die Rückwand der Arkaden ist schmucklos: „Ich habe in diesen Skizzen den Grund der Arkaden ganz glatt und ungeziert gelaßen, jedoch würde sich eine paßliche, vom Königsbaue aus vorzüglich anzusehende Zierde [...] leicht finden laßen. [...]
Es scheint mir hier eine der seltenen Gelegenheiten die Großartigkeit und Einfachheit der Florentinischen Gebäude, welche ich soviel wie irgendjemand kenne und schätze, ohne Manier, Gewalt und Opfer dessen, was Vernunft und architectonische Consequenz erheischen anzuwenden und zu erreichen.“

Dem möglichen Wunsch des Königs nach einer dem Königsbau ähnlichen Fassade begegnete Klenze im Voraus mit dem Hinweis auf die völlig unterschiedlichen Größenverhältnisse. König Ludwig I. akzeptiert die Idee der Bogenhalle, gibt aber zu bedenken, wie ein Gebäudeteil finanziert werden könne, der „nur Zierde“ und deshalb der Postkasse kaum aufzubürden sei. Klenze wiegelt ab: „Da dieser Bau namentlich im oberen Stock nicht blos Zierde, sondern für den Nutzen der Post eingerichtet würde, so glaube ich nicht, daß ein Grund vorliegt, ihn nicht von dieser Administration bestreiten zu laßen“.

In den folgenden Monaten wird diese Frage zum zentralen Streitpunkt. König Ludwig I. verteidigt die Idee gegenüber dem Finanzminister Maximilian Emanuel Freiherr von Lerchenfeld und dem Minister des königlichen Hauses Gise. Die beiden Minister machen etatrechtliche Bedenken insbesondere im Hinblick auf die Ständeversammlung geltend, die ihrerseits bei der Entscheidungsfindung völlig übergangen worden ist.


1834

Um März 1834

München-Graggenau * Da das alte Postgebäude in der heutigen Theatinerstraße den Ansprüchen bei Weitem nicht mehr genügt, kauft die Postverwaltung das Palais des Grafen Maximilian August von Toerring-Gutenzell auf.

Das kommt König Ludwig I. und dessen Stararchitekt Leo von Klenze gerade recht. Immerhin soll der Max-Joseph-Platz zu einer städtebaulich herausragenden Freifläche werden, die durch repräsentative Randbauten und einem Denkmal ihre Wirkung erzielen soll.

Mai 1834

München-Graggenau * Leo von Klenze legt einen bewusst knapp kalkulierten Voranschlag über 95.000 Gulden vor. Der Betrag ist aus dem Verkauf des alten Postgebäudes zu kompensieren.

Der mit der Bauausführung beauftragte Joseph Daniel Ohlmüller legt einen Kostenvoranschlag über 123.992 Gulden vor, der auf Einspruch des Königs, der Veränderungen an der Fassade der Residenzgasse untersagt, auf 107.918 fl. korrigiert wird.

16. Mai 1834

Vorstadt Au * Johann Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ erlebt im Schweiger‘schen Volkstheater in der Vorstadt Au seine Münchner Premiere. Erst knapp vier Wochen später wird das Bühnenstück im Königlichen Hof- und Nationaltheater gespielt.

Juni 1834

München-Graggenau * Johann Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ wird im Königlichen Hof- und Nationaltheater nachgespielt.

Juni 1834

München-Graggenau * Monatelang ziehen sich die Auseinandersetzungen um die Umbaufinanzierung des Palais Toerring-Jettenbach hin. Die Ministerien haben wegen der Unzweckmäßigkeit und Unglaubwürdigkeit des Projekts erheblich Vorbehalte. Der teuere Vorbau bringt kaum einen Zugewinn an Raum und ist außerdem durch mangelnde Belichtung nur sehr schlecht nutzbar. Was also soll die entstehenden Kosten rechtfertigen?

Schon deshalb holen die befassten Ministerien einen Gegenentwurf des Maurermeisters Höchl ein, der anstelle der Bogenhalle eine einfache Fassade vorsieht. Doch das steht den Interessen des Königs diametral entgegen. Ludwig I. geht es einzig und alleine um die Gestaltung der Fassade, die er von den Wohnräumen seines Schlosses aus zu sehen bekommt. 

Einen letzten Vermittlungsversuch unternehmen die Minister Maximilian Emanuel Freiherr von Lerchenfeld und Friedrich August Freiherr von Gise im Juni 1834. Wenn der König schon nicht auf den kostspieligen Arkadenvorbau verzichten will, soll er dessen Errichtung doch durch einen Zuschuss aus seinen Mitteln unterstützen, „damit, wenn in künftiger Ständeversammlung dieser Bau zur Sprache kommt und dem Ministerium zum Vorwurf gemacht wird, es habe denselben mit Vernachlässigung des Raums nur im Sinne architektonischer Schönheit geführt, alle Klagen einzelner Mitglieder der Ständeversammlung dadurch beseitigt werden können“.

Der König reagiert rigoros, selbstherrlich und schroff: „Die Stände über Fassaden von Gebäuden zu hören ist der Verfassung nicht gemäß. Einmischung derselben in die Administration leide ich nicht. Dieses ist Mein letztes Wort in Betreff dieses Gegenstandes.“ Da der Generalpostadministrator Lippe nichts weiter als ein opportunistischer Erfüllungsgehilfe des Königs ist, genügt ein Machtwort und die Postdirektion bezahlt den gesamten Umbau des Palais - einschließlich der nicht nur unbrauchbaren, sondern für ihre Belange geradezu unfunktionalen Säulenhalle - aus dem eigenen Haushalt.

11. September 1834

München-Graggenau * Nach einem ersten Verkaufsangebot über 250.000 Gulden senkt Graf Toerring-Gutenzell - auf Einspruch König Ludwigs I. - den Preis für seinen Besitz an der Stelle der späteren Residenzpost aus „patriotischer Gesinnung“ auf 185.000 Gulden, um dann einen um weitere 5.000 Gulden gedrückten Vertrag zu unterzeichnen.


1835

1835

München * Die Zahl der Kaffeehäuser hat sich in München auf 41 erhöht. 

Um März 1835

München-Graggenau * Vom Baubeginn bis zum Herbst 1836 haben sich die Baukosten für die Hauptpost infolge „höchst nöthiger und diensttauglicher  Bauwendungen“ auf 186.229 Gulden erhöht. Ausschlaggebend sind Nachforderungen Lippes sowie Veränderungen an der Hauptfassade des Rokoko-Palais, die entgegen Ludwigs Weisung vorgenommen worden sind.

13. Oktober 1835

München-Graggenau * Die feierliche Enthüllung des Max-Joseph-Denkmal findet statt. Es ist der zehnte Todestag des Königs. Seit dem Beschluss des Magistrats bis zur Einweihung des Monuments sind fünfzehn Jahre vergangen und selbst die Grundsteinlegung liegt schon elf Jahre zurück. Das Max-Joseph-Denkmal gilt schon der Kunstkritik des 19. Jahrhunderts als das künstlerisch herausragendste Herrscherdenkmal der Epoche.

November 1835

München-Graggenau * Die Missachtung des königlichen Willens sowie die beträchtliche Kostenüberschreitung führen im November dazu, dass König Ludwig I. „das ernstliche Mißfallen“ gegenüber Klenze, Ohlmüller und „Postdirektor“ Lippe ausspricht.

Die Einsetzung einer „Untersuchungskommission“ unterbleibt jedoch in Hinblick auf den bereits sehr weit fortgeschrittenen Bau.

Doch unmittelbar danach ordnet Ludwig - unter Umgehung der Ministerien - in mündlichem Befehl an Klenze die von diesem vorgeschlagene „polychromatische Bemalung“ an.


1836

1836

München * Friedrich Bürklein legt die Prüfung für den „höheren Staatsdienst“ ab.

1836

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat bietet Ludwig von Schwanthaler die Aufstellung von acht vergoldeten Gipsfiguren der Wittelsbacher-Ahnen im „Festsaal des Alten Rathauses“ an, damit dieser eine „patriotische Ausschmückung“ erhält. 

Bedingung ist die Renovierung des nicht mehr repräsentativen Zwecken genutzten und dementsprechend ramponierten „Rathaussaales“

1836

München-Graggenau * Leo von Klenze hat aus städtebaulicher Sicht eine hervorragende Lösung gefunden.

Durch die nach Art der altgriechischen „Polychromie“ [Vielfarbigkeit] gehaltenen Verzierungen in den Gesimsen und Gliedern hat Klenze einen Effekt erzeugt, der, „so fremdartig er sein mag (weil man buntverzierte Fassaden zu sehen noch nicht gewohnt ist), dennoch sehr harmonisch genannt werden muß“, lobt die „Allgemeine Bauzeitung“.

Der englische Architekt Charles Robert Cockerell, zeigte sich gleichfalls begeistert: „[...] im Postgebäude wird eine glückliche Wirkung erreicht, denn die auf dünnen Säulen aufruhenden Archivolten, die die Loggia bilden, werden durch die rote Farbe stark hervorgehoben und ebenso durch den Dekor auf der Stirnwand, der die Säulen wunderbar und mit einem warmen und angenehmen Effekt hervortreten läßt. Die Farbe ist es, die dem Bau so viel Gewicht gibt, daß er als Pendant zur Residenz bestehen konnte“.

Für die Belange der „Postadministration“ ist das Ergebnis dennoch mehr als enttäuschend.


1837

Um 1837

München-Graggenau * Noch vor der offiziellen Eröffnung gibt es Verkaufsüberlegungen für das unzweckmäßige „Postgebäude“.

Der „Bayerische Gesandte“ in Hannover meldet, dass ein dortiger „Hotelier“, der zuvor „Schiffskapitän“ war, die umstrittene Immobilie zu einem in Deutschland einzigartigen „Gasthof der ersten Größe“ umgestalten will.

Die Verhandlungen scheitern aber letztlich am hohen Kaufpreis und an der Forderung, dass ohne königliche Genehmigung nichts an der Fassade geändert werden darf.


1838

1838

München-Graggenau * Simon von Eichthal verkauft sein Palais an der Residenzstraße 26 an den „Konditor“ Carl Rottenhöfer.

Dessen Geschäft floriert derart, dass es schon bald nach seiner Eröffnung zur „Königlich-Bayerischen Hofkonditorei“ ernannt wird.

Bis Mitte 2013 trägt es den Namen „Confiserie Rottenhöfer Café Hag“ und befand sich an der selben Adresse.

23. April 1838

München * Der Gipfel der presse- und postfeindlichen Maßnahmen wird erreicht, als König Ludwig I. die „Zensur“ ausweitet und die Zulassung einer Zeitung so ändert, dass alle Zeitungen die unangenehm aufgefallen sind, nicht mehr von der „Post“ ausgeliefert werden dürfen. 

Das heißt, ihnen das sogenannte „Postdebit“ zu verweigern oder nachträglich zu entziehen.

Durch den Gebrauch des „Postdebits“ als „Zensurmaßnahme“ macht sich Bayern in ganz Europa zum Gespött der Presse. 

Die Furcht des Königs vor den Zeitungen ist freilich berechtigt.
Sein autokratisches Regiment ist ein beliebter Stoff für die deutsche und ausländische Presse.

24. August 1838

München-Graggenau * Nach vier Jahren Bauzeit kann das Kgl. General-Postamts-Bureau in der heutigen Residenzstraße 2 endlich für die Allgemeinheit geöffnet werden. Die Gesamtkosten sind in der Zwischenzeit auf 369.000 Gulden gestiegen. Kein Wunder also, dass in der Öffentlichkeit Beschwerden laut werden.

Da kann auch die damals hervorgehobene Funktion der Loggia, „welche den Abreisenden oder den Freunden der ankommenden Reisenden einen angenehmen Aufenthaltsort zum Abwarten darbietet“, die Kosten kaum rechtfertigen und die Mängel aufwiegen.

21. November 1838

München-Graggenau * Als letzter Schritt zur Fertigstellung der Hauptpost-Fassade zum Max-Joseph-Platz werden sechs Bilder mit „Rosseführern“ angeordnet, die von Johann Georg Hiltensperger auf den roten Grund der Hallenrückwand gemalt werden.


1839

1839

Haidhausen - München-Lehel - München-Graggenau * Der Standort des heutigen „Maximilianeums“ wird erst ins Auge gefasst, nachdem „Thronanwärter“ Max II. mit dem Gedanken einer vom „Max-Joseph-Platz“ ausgehenden und zur „Akropole“ führenden „Prachtstraße“ spielt.

Damals notiert er unter „Auszuführendes in München” den Plan einer „Verbindung der Stadt mit der Isar von der Neuen Residenz aus über das Lehel”.

Max‘ II. Vision wird später von Friedrich Bürklein folgendermaßen beschrieben: 

„Die Anlage eines großen öffentlichen Gartens mit Vergnügungsplätzen, ausgestattet mit schönen Alleen zwischen Fahr- und Fußwegen, mit Blumenbosquetts, ist ein Bedürfniß.
In der Hauptform eines römischen Forums angelegt ein würdiger Bauplatz für öffentliche Bauten und Monumente, ein Corso, ein Sammelplatz der gebildeten Welt.

Gleich den Champs-Elysées in den entfernten Theilen zwischen Privatgebäuden: Conditoreien, Kaffee- und Speisehäuser, Säle für Musikfeste und Cirkus. Für die Anlage eines Objektes auf der Isaranhöhe wird ein Garten um so maßgebender, als durch diese Disposition genanntes Objekt gleichsam als Akropole für die Stadt erscheint”.

Der künftige König will eine - dem großstädtischen Charakter der Residenzstadt angemessene - Ausfallstraße nach Osten errichten lassen und befindet sich damit in vollkommener Übereinstimmung mit Münchens Stadtrat, der die Aufwertung dieses Stadtbereichs nach der ins Auge gefassten Eingemeindung der Vororte Haidhausen und Giesing sowie der Vorstadt Au schon seit längerer Zeit favorisiert.

Außerdem spielen militärische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle, da über die Straße die Armee zum Schutz der „Residenz“ und zur Verhinderung von Zusammenrottungen aufständischer Bürger schnellstens aufmarschieren kann.


1840

1840

Fürth * Friedrich Bürklein beginnt den Bau des Rathauses in Fürth, das nach dem Vorbild des „Palazzo Vecchio“ in Florenz ausgeführt wird.

1840

Athen * Als Friedrich von Gärtner zum Bau der Residenz des Königs Otto nach Athen geht, begleitet ihn Friedrich Bürklein als „Bauüberwacher“.

1840

Großbritannien * In England wird eine „Postreform“ durchgeführt, die ein einfaches und kundenfreundliches Tarifsystem beinhaltet.

Es basiert auf dem Grundsatz, dass die niedrig bemessene und nur nach Gewicht gestaffelte „Portogebühr“ ohne Rücksicht auf die Entfernung erhoben wird und hofft, dass durch die preiswerte Briefbeförderung die Zahl der versandten Briefe und damit auch die Einnahmen steigen werden.

Dazu werden „Briefmarken“ eingeführt.

1840

Haidhausen * In den Überlegungen des „Kronprinzen“ Max II. nimmt die Errichtung des „Nationalbaus” eine hohe Priorität ein.

Doch eine mögliche Nutzung steht noch aus.
Sie findet sich erst mit dem Plan, dort ein „Erziehungsinstitut für künftige Staatsbeamte“ zu gründen.

Nun werden die Pläne für ein „Athenäum” bezeichnetes Bauwerk konkretisiert.
In den ersten Planungen wird es als „riesiger Kultur- und Sportcampus mit Kirchen, Sälen, einem Schwimmbad usw, mit insgesamt 23 Gebäuden” beschrieben.


1841

14. Januar 1841

München-Graggenau * Im Münchner Hof- und Nationaltheater findet ein Ringkampf statt. Gegen den bislang unbesiegten „französischen Herkules“ Jean Dupuis tritt der Meisinger Simmerl an - er ist Hausknecht beim Faberbräu. Der Simmerl zwingt den Franzosen auf den Boden und kassiert die als Belohnung ausgesetzten 1.000 bayerischen Gulden. 


1842

1842

München - Prag * Friedrich Bürklein erhält einen Ruf an die „Bauschule“ in Prag, den er jedoch ablehnt.

1842

München-Graggenau * Mindestens acht vergoldete Gipsmodelle aus Ludwig von Schwanthalers Zyklus der Wittelsbacher Ahnen kommen im „Festsaal des Alten Rathauses“ zur Aufstellung. 


1843

1843

Nürnberg * Friedrich Bürklein nimmt die Stelle eines „Baukondukteurs bei der Eisenbahnbaukommission“ in Nürnberg an.

1843

Königreich Bayern * Die bayerische „Post“ erzielt alleine aus Briefportoeinnahmen 868.220 Gulden Gewinn.

24. Januar 1843

München * „In Anerkennung der Mühe und Anordnungen, welche er für die würdige Ausschmückung des Rathaussaales“ aufgewendet hat, erhält Ludwig von Schwanthaler vier Moriskentänzer zum Geschenk, von denen zuvor allerdings Kopien angefertigt worden sind. Ludwig von Schwanthaler verkauft sie bald an einen italienischen Adeligen, den Conte Pallavicini-Barrocco, der sie auf seinen Stammsitz in Villa Rocca in Cremona bringt. 


1845

1845

München * Friedrich Bürklein wird zur „Generalverwaltung der kgl. Eisenbahnen“ nach München versetzt und studiert - im Regierungsauftrag - Eisenbahnhochbauten in Deutschland, Österreich, Belgien, Holland, Frankreich und England.

Daher kommt es, dass viele bayerische Staatsbahnhöfe nach Bürkleins Plänen errichtet werden.

1845

München - London * König Ludwig I. lässt an den königlichen Gesandten in London, Baron de Getto, einen langen Brief schreiben:
„Bekanntlich wird auf den englischen Posten das Porto für inländische Correspondenz nicht in der anderwärts üblichen Weise berechnet, sondern mittelst eigentümlicher Stempel erhoben“.

Mit diesem „Stempel“ meint Ludwig I. die „Briefmarke“ mit dem Konterfei der damals zwanzigjährigen Königin Viktoria.

7. Januar 1845

München * Prinz Ludwig III. wird als Sohn des späteren Prinzregenten Luitpold und dessen Frau Auguste geboren. Er ist damit der älteste Enkel des regierenden Königs Ludwig I. und rund achteinhalb Monate älter als der als Märchenkönig berühmt gewordene Ludwig II..

25. August 1845

Schloss Nymphenburg * Kronprinz Ludwig (II.) wird am Geburts- und Namenstag seines Großvaters, des Bayernkönigs Ludwig I., um 0:30 Uhr in Schloss Nymphenburg geboren. Sein Vater, Max II., ist zu diesem Zeitpunkt Kronprinz, seine Mutter Marie eine geborene Prinzessin von Preußen.

26. August 1845

Schloss Nymphenburg * Im Steinernen Saal von Schloss Nymphenburg wird der spätere bayerische Thronfolger auf den Namen Otto Ludwig Friedrich Wilhelm getauft. Es besteht Unklarheit in der Frage, wer als Taufpate fungierte. Eine Aussage spricht von Bayerns König Ludwig I. und seiner Gemahlin Therese, eine andere Aufzeichnung von König Otto von Griechenland und Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.

15. November 1845

München * Ludwig (II.) erhält den neu eingeführten Titel Erbprinz für den ältesten Sohn des Kronprinzen Max II..


1846

5. Oktober 1846

München * Die Spanische Tänzerin Lola Montez trifft im biedermeierlichen München ein. Die 25-jährige Künstlerin, die in ganz Europa für ihre zahlreichen Skandale und stürmischen Affären berühmt ist, steigt in Münchens erster Adresse - dem Hotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz - ab und bemüht sich umgehend um ein Engagement.  

Vom Intendanten des Theaters wird ihr mitgeteilt, dass für ihre Tanzaufführungen das Hof- und Nationaltheater nicht infrage kommt, weil dafür ihr Können nicht ausreichend gut sei. 

8. Oktober 1846

München * Die spanische Tänzerin Lola Montez hat einen Termin bei König Ludwig I.. Dieser fordert zur Audienz einen Bericht über das Vorleben der Tänzerin an, in dem er lesen kann: 

„Dem allerhöchste Befehle vom 6. d.M. pflichtschuldige Folge leistend berichtet der treugehorsamst Unterzeichnete Euer Koeniglichen Majestät allerdevotest, wie die spanische Tänzerin Lola Montez dadurch öffentlich Anstoß erregte, dass sie, den Mitheilungen mehrerer Zeitungen zufolge, in einem Gasthofe zu Berlin einem ihr gegenüber sitzenden Offizier, der ihr mit übergroßer Freundlichkeit zu begegnen bemüht war, ein Champagnerglas an den Kopf warf, dass sie ferner, ebenfalls Nachrichten zufolge, einem bei der Revue in Berlin sie zurechtweisenden Polizeicommisär mit der Reitgerte übers Gesicht hieb, worauf sie mit 14-tägigem Arrest bestraft wurde, und dass sie endlich in Warschau dem Publikum, das ihren Kunstleistungen den gewünschten Beifall nicht zollte, von der Bühne herab mit begleitendem Gestikulieren den hinteren Theil ihres Körpers zuwandt".

Der König will sich von der Skandalnudel ein eigenes Bild machen. Bei dieser Audienz soll sich Lola Montez, „als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres Busens andeutet", eine Schere genommen und sich damit „das Kleid vor der Brust aufgeschnitten“ haben. Der 60-jährige Bayernkönig ist augenblicklich Feuer und Flamme für die exotische Schönheit.

  • Er engagiert die als erotisches Feuerwerk bekannte Tänzerin unverzüglich und
  • erlässt eine Anweisung, dass die Tänzerin in den Zwischenaufzügen des Lustspiels „Der verschwundene Prinz" spanische Tänze in spanischer Tracht darbieten soll.
10. Oktober 1846

München-Graggenau * Am 36. Hochzeitstag von König Ludwig I. und Königin Therese findet Lola Montez' erster Auftritt im Hof- und Nationaltheater statt. Die angebliche Spanierin tanzt einen Cachucca und in der zweiten Pause - zusammen mit einem Ensemble-Tänzer - einen Fandango genannten Tanz.

14. Oktober 1846

München-Graggenau * Die Solotänzerin Lola Montez tritt zum zweiten und gleichzeitig letzten Mal im Münchner Hof- und Nationaltheater auf. Luise von Kobell schreibt über den Auftritt: „Lola Montez stellte sich inmitten der Bühne, nicht im Trikot, mit dem üblich kurzen Ballettröckchen, sondern in spanischer Tracht, mit Seide und Spitzen angetan, da und dort schimmerte ein Diamant. 

Sie blitzte mit ihren wunderbaren Augen und verbeugte sich wie eine Grazie vor dem König, der in seiner Loge saß. Dann tanzte sie Nationaltänze, wobei sie sich in den Hüften wiegte und bald diese, bald jene Haltung einnahm, voll unerreichter Schönheit. Solange sie tanzte, fesselte sie alle Zuschauer.“

Um den 25. Oktober 1846

München-Maxvorstadt * Schon bald nach ihren Auftritten im Hof- und Nationaltheater lässt der verliebte König Ludwig I. Lola Montez für den Saal der Schönheiten in der Residenz malen. Dazu beauftragt er den Hofmaler Joseph Stieler. Stieler malte zwei Bilder der Lola Montez. Die Señora Lola Montez ist eine international agierende, extravagante Persönlichkeit, die man ohne Zweifel mit heutigen Pop-Stars gleichsetzen kann.  

Wie die Film-, Sport- und Pop-Idole unseres Jahrhunderts versucht auch die Señora durch den bewusst herbeigeführten Skandal im Gespräch - und damit interessant - zu bleiben. Und genau wie in heutigen Tagen werden die Skandale und Skandälchen interessiert vom Volk beobachtet und in allen Details besprochen. 

6. Dezember 1846

München-Maxvorstadt * Der Kauf des Palais an der Barer Straße durch Lola Montez wird ins Grundbuchverzeichnis eingetragen. Kauf, Umbau und Ausstattung verschlingen etwa 40.000 Gulden. Man kann also sagen, dass König Ludwig I., oder besser gesagt seinen bayerischen Untertanen, Lola Montez unterm Strich so viel gekostet hat wie die Feldherrnhalle. 


1847

Um April 1847

München * Der Widerstand gegen die von König Ludwig I. eingeführte bayerische Zensurpraxis wird immer größer.

27. Mai 1847

München * Die Bayerische Eisenbahn und die Post werden in der Generalverwaltung der Posten und der Eisenbahnen zusammengefasst.

20. Juni 1847

München * Das Verbot des Tabakrauchens in den Straßen und auf den Plätzen wird aufgehoben. Danach bleibt es nur in der Nähe der königlichen Residenzen und in den Arcaden des Hofgartens verboten. Die rauchende Lola Montez passt natürlich in das Bild der verruchten und selbstbewussten Frau. Denn das Rauchen ist eine männliche Domäne. 

Um den 30. September 1847

München-Kreuzviertel * Die willkürliche Verweigerung und Entziehung des Postdebits wird nun auch auf dem außerordentlichen Landtag vom September/November 1847 diskutiert. Die beiden Kammern der Ständeversammlung fassen dabei einen Beschluss, mit dem sie die Regierung auffordern, von der „Verweigerung bzw. Entziehung der Postbeförderung für Zeitungen“ Abstand zu nehmen.


1848

10. Februar 1848

München * Doch jetzt werden die Münchner richtig sauer. Die Bürgerschaft sieht sich in ihrem „friedlichen Handel und Wandel“ bedroht und übernimmt die Forderungen der Studenten. Steine fliegen, Militär sichert das Palais der Montez. Tausend Bürger eilen zum Rathaus und von dort zur Residenz und fordern die Wiedereröffnung der Universität.  

Bürgermeister Kaspar von Steinsdorf nimmt die Protestadresse der Münchner Bürger entgegen und setzt - begleitet von 2.000 angesehenen Münchner Bürgern - eine Audienz beim König durch. Eine Deputation, bestehend aus sieben Vertretern, will mit dem König sprechen, der jedoch einen Empfang der Abordnung kategorisch ablehnt und nur unter großem Einsatz seiner Familienmitglieder dazu überredet werden kann.  

Bei den Verhandlungen lehnt König Ludwig I. jegliches Zugeständnis kategorisch ab und droht der Stadt im Umkehrschluss mit der Verlegung der Residenz an einen anderen Ort. Cholerisch verabschiedet er die Mitglieder der Deputation: „Es bleibt dabei, ich lasse mich nicht schrecken; man kann mir mein Leben nehmen, aber meinen Willen nicht. Meinen gefassten Entschluss werden Sie alsbald durch das Ministerium und schriftlich erhalten.“ 

Nach dem 6. März 1848

München * Das ganze bayerische Zensursystem und damit auch die Manipulation der Post zu Zensurzwecken bricht zusammen.

20. März 1848

München * König Ludwig I. dankt ab und übergibt die Bayerische Krone an seinen Sohn Maximilian II..
Sein Enkel Ludwig (II.) wird dadurch „Kronprinz“.

Auch wenn sich Max II. nach Außen hin als Musterbild eines bürgernahen, konstitutionellen Staatsoberhauptes darstellt so plagt ihn zeitlebens die Furcht, dass ihm von seinem Volk ein ähnliches oder gar schlimmeres Schicksal bereitet werden könnte, wie seinem abgedankten Vater Ludwig I..

Die revolutionären Begleitumstände, die König Max II. auf den Thron verhalfen und seinen Vater vom selben stießen, haben den neuernannten Bayernherrscher geradezu traumatisch geprägt.
Er fühlt sich, nachdem auch das Militär auf die Verfassung vereidigt worden ist, „schutzlos der Demokratie preisgegeben“.

Doch nachdem sich die revolutionäre Situation wieder beruhigt hat, kann König Max II. seine politischen Visionen endlich in die Tat umsetzen.

Dazu gehören auch Maßnahmen zur Förderung einer bayerisch-monarchischen Gesinnung.
Greifbare Formen nehmen das „Athenäum-Projekt” und der Bau des „Prachtboulevards“ an.

Um April 1848

München * Die Anweisung zum Druck einer bayerischen Briefmarke kann Ludwig I. nicht mehr geben, da er zugunsten seines Sohnes Max II. abdanken muss.

Der neue Regent handelt dann unverzüglich. Wieder einmal sind in Deutschland die Bayern vorne.

Nach dem Bau der ersten Eisenbahn und der Erfindung der ersten „deutschen Kurzschrift“, des „Schreibtelegrafen“, der „Fotografie“ und der „elektrischen Uhr“ schauen insbesondere die Preußen abermals neidisch nach München.

27. April 1848

München * Prinz Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar, der jüngere Bruder des „Kronprinzen“ Ludwig II., der spätere König Otto I. von Bayern, wird geboren. 


1849

1. November 1849

München-Graggenau * Der königliche Postbeamte am Münchner Hauptpostamt gibt die erste deutsche Briefmarke, den „Schwarzen Einser“, heraus. Erst einen Tag nach der Ausgabe der ersten Bayern-Marke werden die Münchner über die Neuerung im Intelligenzblatt informiert. „Die Marken“, so kann man lesen, „sind jedesmal von dem Absender auf der Adreßseite des Briefes etc. im oberen Eck links durch Befeuchten des auf denselben befindlichen Klebstoffes gut zu befestigen“.

Geregelt werden in dem königlichen Erlass auch die Gebühren, Taxen genannt. Ein Brief innerhalb Münchens kostet einen Kreuzer [„Schwarzer Einser“]. Für Briefe, die nicht weiter als zwölf Meilen [knappe 20 Kilometer] verschickt werden, muss man drei Kreuzer berappen, sonst das Doppelte. Ein kleiner Preisvergleich: Für einen Kreuzer erhält man im Jahr 1849 ein Pfund Roggenbrot. Ein Pfund Schweinefleisch kostete zehn Mal soviel.

Die Herstellung des Spezialpapiers bereitet solche Probleme, dass die ersten bayerischen Briefmarken vier Wochen später als ursprünglich vorgesehen in die Postämter kommen. Peter Hasenay, der im Hauptberuf Geldscheine zeichnet, muss nur drei Werte entwerfen: „1 Kreuzer schwarz“, „3 Kreuzer blau“ und „6 Kreuzer braunrot“; erst im darauffolgenden Jahr kommt noch eine weitere Marke hinzu: die „9 Kreuzer grün“.

Zu dieser Zeit ist die erste Marke, der „Schwarze Einser“, schon wieder aus dem Handel gezogen. Der Schwärze wegen, denn sie macht die Stempel unleserlich. Die General-Verwaltung der königl. Posten und Eisenbahnen gibt eine neue, weniger schwarze Einser heraus. Von der ursprünglichen Marke werden rund 725.000 Stück verkauft.

9. November 1849

München * In einem Schreiben an seinen Innenminister Theodor von Zwehl kündigt König Max II. an: „Es ist von großer Wichtigkeit, auch in Bayern das Nationalgefühl des Volkes zu heben und zu kräftigen.“

Mit diesem Programm will er die Monarchie in Bayern sichern. Ihm ist klar, dass fast die Hälfte seines Staatsgebiets und seiner Bevölkerung nicht das Geringste mit Bayern zu tun hatte. Die revolutionären Ereignisse haben gezeigt, dass besonders von Franken, das keinerlei geschichtlichen Bezug zu Bayern hatte, der stärkste Widerstand gegen die Monarchie ausging. 

Durch die Förderung von Tracht, Brauchtum und Geschichte, durch Geschichtszyklen und dynastische Feste, durch Denkmäler, Nationalhymne und den Ausgleich der Religionen sowie durch gezielte Unterstützung aller konservativen, monarchiefreundlichen Institutionen und Vereinigungen, soll die gesamtbayerische Identitätsstiftung gesteuert werden.

All diese Maßnahmen schlagen sich nicht zuletzt auch in Fragen der Architektur nieder. Denn zum Ziel zur Förderung einer bayerisch-monarchischen Gesinnung zählen auch die Bemühungen des Bayernregenten um einen neuen Baustil, bei dem programmatisch gotische und bäuerliche Architekturformen, also letztlich „deutsche“ und „bayerische“ Elemente verschmolzen werden sollen.

Darüber hinaus verfolgt Max II. mit einem neuen, in Bayern erfundenen Baustil außenpolitische Ziele.

  • Er will damit für Bayern eine Vorrangstellung unter den deutschen Mittelstaaten erreichen und so das Land als dritte Kraft zwischen Preußen und Österreich etablieren und zumindest in der Architektur und im Städtebau eine führende Rolle einnehmen.
  • Daneben hätte er mit der Erfindung eines neuen Baustils auch seinen Vater, den dominierenden Kunstkönig, in dessen ureigenstem Gebiet übertroffen.

1850

1850

München * König Max II. ernennt Friedrich Bürklein zum „Professor an der Polytechnischen Schule in München“ und befördert ihn zum „Baurath“ bei den „Generaldirektionen der kgl. Verkehrsanstalten“.

Den ersten Auftrag, den Bürklein vom König erhält, ist der „Stadtverschönerungsplan“.

Um November 1850

München * Um zu einem neuen Baustil zu gelangen, veranlasst König Max II. eine öffentliche Ausschreibung für das „Athenäum“-Projekt.

Die „Kgl. Akademie der Bildenden Künste“ verschickt dazu eine „Einladung zu einer Preisbewerbung die Anfertigung eines Bauplanes zu einer höheren Bildungs- und Unterrichtsanstalt betreffend“ an insgesamt einhundert Architekten in Deutschland, deren Beteiligung man gerne gesehen hätte. Zudem wird die Konkurrenz in Tageszeitungen und Fachzeitschriften angekündigt.

Das Wettbewerbsprogramm und die nachgereichten „Erläuternden Bemerkungen“ stellen die Bewerber jedoch vor eine komplexe Aufgabe.

So soll durch die „Verschmelzung der Elemente und Eigentümlichkeiten“ der Stilgattungen aller Epochen - unter Berücksichtigung der „altdeutschen“ gotischen Baukunst ein „bis dahin noch nicht dagewesener Baustil“ im Sinne eines „bayerischen Nationalstils“ geschaffen werden.

Der Wunsch nach Verwendung des „Formenprinzips der altdeutschen, sogenannten gotischen Architektur“ lassen aber den Architekturwettbewerb letztlich scheitern.

6. November 1850

München-Graggenau - München-Lehel * Der Vorstand der Obersten Baubehörde, Direktor Schierlinger, gibt ein Gutachten ab, worin er die Durchführung der projektierten Straße „als eine gerade Verbindung des Max-Joseph-Platzes mit Brunntal“ für möglich hält, gleichzeitig aber auch auf die zu erwartenden Terrainschwierigkeiten hinweist.

Das Gebiet rund um die heutige Maximilianstraße ist ein von zehn mehr oder weniger großen Bächen durchzogenes Isar-Schwemmland, in dem zahlreiche Mühlen liegen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist das Verfüllen der Bäche und eine damit verbundene Stilllegung der Mühlen nicht möglich. Außerdem fällt das Gelände zur Isar hin deutlich ab, weshalb auf der ganzen Strecke ein Niveauausgleich vorgenommen werden muss.

Um Dezember 1850

München * Der Architekt Georg Christian Friedrich Bürklein reicht - im Auftrag des Königs - einen „Stadtverschönerungsplan“ ein.

Bürklein bringt auch den Gedanken des „Forums“ ein, indem er die Straße mit der vom König gewünschten Parkanlage verbindet.

Die Anlage wäre allerdings wesentlich größer und parkähnlicher ausgefallen, als dies heute der Fall ist. Da sich aber ein großer Park mit der Verkehrsstraße nur schwer vereinbaren lässt und außerdem die Vororte jenseits der Isar vom Stadtbezirk eher ferngehalten worden wären, nimmt man Abstand von diesen Plänen.

Was bleibt ist die Verbindung der Straße mit der Grünanlage, eben das heutige „Forum“, deren Platzmitte in den früheren Planungen mit vier Fontänen ausgestattet werden sollte.

Obwohl sich die Planungen für das Straßenprojekt noch über viele Jahre hinziehen, beginnt die praktische Umsetzung schon wesentlich früher.


1851

31. August 1851

München * Bis zum ersten Einsendetermin des Architekturwettbewerbs zu einem neuen Baustil liegen erst 17 Entwürfe vor. Man verlängert die Frist deshalb auf den 31. Dezember 1851 und versendet das Programm zusätzlich an eine Reihe inländischer und ausländischer Architekten.


1852

1852

Berlin * Die wegen dauernder Verletzung des Briefgeheimnisses arg ramponierte „Thurn- und Taxis-Post“, die in Preußen noch das Monopol hat, kann erst jetzt nachziehen.

Doch das Format und Design ihrer „Briefmarken“ sind nur ein Abklatsch des bayerischen Vorbildes.

Im Gegensatz zum „Schwarzen Einser“ stehen diese preußischen „Freimarken“ noch heute nicht besonders hoch im Kurs.

1. Juni 1852

München-Graggenau - München-Lehel * Der Architekt Georg Christian Friedrich Bürklein reicht - im Auftrag Königs Max II. - einen Stadtverschönerungsplan ein. Bürklein bringt auch den Gedanken des Forums in der heutigen Maximilanstraße ein, indem er die Straße mit der vom König gewünschten Parkanlage verbindet. Die Anlage wäre allerdings wesentlich größer und parkähnlicher ausgefallen, als dies heute der Fall ist. 

Da sich aber ein großer Park mit der Verkehrsstraße nur schwer vereinbaren lässt und außerdem die Vororte jenseits der Isar vom Stadtbezirk eher ferngehalten worden wären, nimmt man Abstand von diesen Plänen. Was bleibt ist die Verbindung der Straße mit der Grünanlage, eben das heutige Forum, deren Platzmitte in den früheren Planungen mit vier Fontänen ausgestattet werden sollte.

Obwohl sich die Planungen für das Straßenprojekt noch über viele Jahre hinziehen, beginnt die praktische Umsetzung schon wesentlich früher.

Um Juli 1852

München-Graggenau - München-Lehel * König Max II. gibt den Architekten Bürklein, Gottreu, Riedel, Voit und Ziebland Aufträge zur Anfertigung von „Musterfassaden für die neue Straße“.

Dass sich der König statt an einen, an mehrere Architekten wendet, ist vorbildlich. Doch er macht wieder den Fehler, den Architekten bindende, alle Einzelheiten festlegende Vorschriften vorzugeben und damit jede Bewegungsfreiheit und Kreativität der Fachleute einzuengen. Damit macht er eine unabhängige Lösung des Problems unmöglich.

Kein Wunder, dass die Ergebnisse ziemlich gleich sind und den Wünschen des Königs entsprechen. Bürkleins Vorschläge finden volles Lob und Anerkennung, weshalb er den Sieg davonträgt.

Um das Projekt zu beschleunigen und die Verhandlungen über die Grundstückskäufe in Gang zu bringen, stellt König Max II. den notwendigen Betrag zunächst aus seiner Privatkasse zur Verfügung, sodass die ersten Verhandlungen über die Grundstückskäufe aufgenommen werden können. Die Ankäufe gehen rasch und reibungslos vor sich. Auch deshalb, weil sich der König - entgegen seiner sonst üblichen Sparsamkeit - sehr großzügig zeigt. Er will eben den Bau seines „Prachtboulevards“ möglichst schnell umgesetzt sehen. 

Freilich möchte der Bayernherrscher auch,  dass auch die Stadt zur finanziellen Beteiligung herangezogen wird, da sie ja immerhin der Hauptnutznießer des Bauvorhabens ist. Bei der künstlerischen Ausgestaltung der „Prachtstraße“ soll die Obrigkeit der Stadtgemeinde allerdings keinerlei Mitspracherechte haben. Nur die Herstellung des Straßenkörpers will ihr der Regent überlassen.

25. Dezember 1852

München-Graggenau - München-Lehel * Der Bayernkönig Max II. teilt dem Ersten Bürgermeister der Stadt München, Dr. Jakob von Bauer, mit, er hat vor, „die Stadt mit der Sankt-Anna-Vorstadt mittels einer schönen Straße zu verbinden und hierdurch einem vielseitig gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen.

Die Vorbereitungen sind so weit gediehen, daß Ich Ihnen, Herr Bürgermeister, den Plan anbei mitteilen kann, damit Sie Mir berichten, ob sich die Überbrückung und Auffüllung der Kanäle und die Herstellung des Straßenkörpers aus städtischen Mitteln ins Werk setzen läßt, indem Ich in diesem Falle durch schenkungsweise Überlassung des auf Meine Kosten erworbenen Straßengrundes das Vorhaben zu verwirklichen gedenke.“

Bürgermeister Dr. Bauer setzt sich in der Folge vor dem Magistrat für den Bau der Straße ein, da mit ihr die kurz vor der Eingemeindung stehenden Orte des Ostends (Haidhausen, Au, Giesing) wesentlich besser erschlossen werden können.

Er räumt aber auch ein, dass der auf die Stadt zukommende Aufwand in Höhe von 260.000 Gulden nur dann zu finanzieren sei, wenn der König der Erhöhung des Pflasterzolls, der Weinsteuer oder des Malzzuschlags, einer Art Biersteuer, die der Stadt bis zum Jahr 1899 zu garantieren sei, zustimmen würde.


1853

1853

München - Rom * König Max II. nimmt Friedrich Bürklein auf seine Romreise mit.

18. Juli 1853

München-Graggenau - München-Lehel * Nachdem das königliche Einverständnis zur Erhöhung des Pflasterzolls, der Weinsteuer und des Malzzuschlags vorliegt, beginnt die Stadt, unter Leitung des noch jungen Bauingenieurs beim Stadtbauamt, Arnold Zenetti, mit den Straßenbauarbeiten zur Maximilianstraße. 

Die gewünschte Auffüllung der Bäche wird abgelehnt, da dies den wirtschaftlichen Ruin für den Münchner Osten bedeuten würde. Deshalb werden später viele Kellergeschosse aus den massiv gemauerten Bacheinfassungen hergestellt.

24. Juli 1853

München * Oberst Franz Freiherr von Hörmann zu Hörbach legt einen Sicherheitsbericht für München vor. Er trägt den Titel: „Erläuterungen zum Entwurfe der militärischen Dispositionen für die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der Haupt- und Residenzstadt München behufs Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung.“  Es ist die Angst vor einer neuen Revolution, die König Max II. seine Armee auf einen Bürgerkrieg vorbereiten lässt. Um verbindliche Vorschläge auszuarbeiten, gründet er eine Special-Commissorium.

Inhaltlich geht Oberst Hörmann von einem Bedrohungsszenario aus, wonach „der inländische Pöbel - durch auswärtiges Proletariat verstärkt - bei Tag und Nacht ohne Hindernis in die Stadt eindringen kann, theils um die größten Schätze des Staates und des Landes zu plündern, theils um die heillosen Umtriebe der machtlosen Umsturzpartei in Vollzug zu setzen“. Freiherr von Hörmann fügt noch eine interessante Einteilung der Tumulte in vier Klassen bei.

  • Als Erste und harmloseste Klasse bezeichnete er darin „Tumulte ohne insurreaktionäre politische Tendenz“, etwa die Studenten- und Handwerkertumulte oder die Münchner Bierkrawalle.
  • Als nächste Kategorie folgen „Politische Tumulte durch demokratische Umtriebe der republikanisch gesinnten Umsturzpartei veranlaßt“. Als Beispiel führt er die Märzrevolution von 1848 an.
  • Als dritte Klasse bezeichnet er „Tumulte mit kommunistischer Tendenz“. Der erzkonservative Oberst verschließt dabei aber keineswegs die Augen vor der bitteren Armut vieler Zeitgenossen und fordert zur Vorbeugung eine effektive staatliche Sozialpolitik.
  • Die Letzte und zugleich gefährlichste Form der Unruhe klassifiziert der Militarist die „Tumulte durch Theuerung, Mißwachs und Hungersnoth veranlaßt“.

Sein konkreter Vorschlag beinhaltet die Erhöhung der Zahl der Kasernen in der Innenstadt und weitere flankierende Maßnahmen, um die Hauptverteidigungspunkte zu schützen. Dazu zählen unter anderem - neben der Residenz - das Nationaltheater, das Postgebäude, die Münze und der Alte Hof.

10. September 1853

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die letzte Schranne auf dem Schrannenplatz. Sie wird seither in der neu errichteten Schrannenhalle an der Blumenstraße abgehalten.


1854

1854

München-Graggenau * König Max II. lässt im ersten Obergeschoss zwischen dem „Königsbau“ der „Residenz“, dem „Cuvilliés-Theater“ und dem „Nationaltheater“ einen „Wintergarten“ errichten. 

1854

München-Graggenau - München-Lehel * Die vorbereitenden Geländearbeiten für die Maximilianstraße sind abgeschlossen.

„Bauingenieur“ Arnold Zenetti baut in der ungleichförmigen Talsohle einen festen ebenen Damm auf.

Dazu muss an manchen Stellen das Gelände abgetragen, viel öfter aber aufgeschüttet werden. Sehr gut erkennt man die Höhenunterschiede am Marstallplatz, an der Wurzerstraße und am Kosttor.

Außerdem müssen mehrere alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden.

1854

München * Bis das „Preisgericht“ zur Beurteilung der eingereichten Arbeiten erstmals zusammenkommt, vergehen nochmal eineinhalb Jahre. Diese erneute Verzögerung liegt ausschließlich in der Person des Königs begründet, weil dieser sich zunächst mit jedem einzelnen Entwurf selbst beschäftigt. Doch bei den anstehenden Staatsaufgaben und sonstigen Neigungen findet er für diese Tätigkeit nur gelegentlich Zeit und Muße.

Seine Einschätzung gibt er nicht preis, um dem „Schiedsspruch“ der Fachleute nicht vorzugreifen. Das ist zunächst eine weise Entscheidung, die jedoch sofort wieder relativiert wird, da ja die letzte Entscheidung doch wieder beim König liegt.

Das Protokoll der Sitzung des „Preisgerichts“ ist verschollen. Es ist nur bekannt, dass der Berliner „Oberbaurat“ Wilhelm Stier den ersten Preis in Höhe von 4.000 Gulden zuerkannt bekommt und dass ein zweiter und ein dritter Preis nicht vergeben wird. Es ist aber auch klar, dass die Planungen Wilhelm Stiers - „der ungeheueren Kosten wegen“ - nicht zur Ausführung kommen werden. Die übrigen Konkurrenzentwürfe verschwinden in der Versenkung.

Friedrich Bürklein wird - vollkommen unabhängig vom Konkurrenzergebnis - mit der Ausführung der Pläne für das „Maximilianeum“ und der Ausführung des umfangreichen Bauprogramms beauftragt. Über das „Preisgericht“ und die eingelaufenen Bewerbungen legt man den Mantel des Schweigens.

28. Mai 1854

München-Graggenau * Ein großer Bittgottesdienst zur Abwendung der Cholera-Epidemie wird an der Mariensäule auf dem Schrannenmarkt zelebriert. 25.000 Menschen beteiligen sich.

28. August 1854

München-Graggenau * Um die Abwendung der Cholera-Epidemie zu erflehen und die Ausbreitung künftig möglichst zu unterbinden, wird ein großer Bittgottesdienst an der Mariensäule auf dem Schrannenplatz zelebriert. 25.000 Menschen sollen sich dort eingefunden haben.

3. Oktober 1854

München-Graggenau * Aus Dankbarkeit für die Abwendung der Cholera versammeln sich „zahllos die Andächtigen jeden Standes, Geschlechts und Alters um die im schönsten Blumenschmuck prangende Mariensäule“ am Schrannenplatz. Ein „Verein hiesiger Bürger“ hatte dazu bereits am 29. September eingeladen, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“.

20. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat teilt der Öffentlichkeit mit, dass „der bisherige Schrannenplatz dahier fernerhin 'Marienplatz' genannt werden dürfe“.

30. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Schrannenplatz wird in Marienplatz umbenannt. 

8. Dezember 1854

Vatikan * Papst Pius IX. verkündet das dritte Marianische Dogma, das besagt: „Maria hat unbefleckt empfangen.“  Es geht darum, dass bereits Maria ohne Erbsünde geboren worden ist.  

Damit entscheidet das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Jahrhunderte alten theologischen Streit. Doch nicht nur der Inhalt des Dogmas erregt Aufsehen, sondern auch die Tatsache, dass der Papst diese Entscheidung ohne ein Konzil und damit völlig eigenmächtig getroffen hat. Dogmen gelten in der katholischen Kirche als geoffenbarte Glaubenswahrheit und sind deshalb für alle Katholiken verbindliche und unumstößliche Glaubenssätze.  

Ignaz von Döllinger und viele deutsche Theologen sind entsetzt über dieses Dogma. Döllinger kann aber weder in der Heiligen Schrift noch in der Überlieferung der alten Kirche etwas auffinden, das diesen Glaubenssatz gerechtfertigten würde. Die Münchner theologische Fakultät rät dem Papst jedenfalls in einem Gutachten von diesem Schritt eindringlich ab. Ignaz von Döllinger hält sich dabei noch zurück. 


1855

1855

München-Maxvorstadt * Der nördliche und der südliche Eckbau des „Bazargebäudes“ wird um ein Stockwerk erhöht. 

Zuvor war nur der Mittelbau dreigeschossig. 


1856

Ab 1856

München-Lehel * Als einziger plastischer Schmuck verbleiben auf dem „Forum“ die vier - von 1856 bis zum Jahr 1868 aufgestellten - Bronzedenkmäler vor dem „Regierungsgebäude“ und dem (alten) „Nationalmuseum“:

  • des „Armeeführers“ Deroy,
  • des „Philanthropen“ Graf Rumford,
  • des „Optikers“ Fraunhofer und
  • des „Philosophen“ Schelling.

Die ursprünglich geplanten vier Fontänen werden zunächst auf zwei verringert und fallen dann den weiteren Planungen ganz zum Opfer.

12. April 1856

München-Graggenau - München-Lehel * Mit dem „Generalplan über die Maximilianstraße“ ist die endgültige Lösung gefunden.

Oktober 1856

München-Graggenau - München-Lehel * Die Maximilianstraße ist nach über dreijährigen Bauarbeiten fertiggestellt.

Die Länge vom Max-Joseph-Platz bis zur Isar beträgt 1.664 Meter, breit ist die Straße dreiundzwanzig Meter. Das „Forum“ ist 82 Meter breit und 379 Meter lang.

Abschließend werden die Grünflächen im „Forum“ hergestellt und mit „Rosskastanien“ bepflanzt.

Entlang der Straße pflanzt man „Platanen“. Diese vertragen allerdings das Münchner Klima nicht und sterben ab, weshalb sie durch „Bergahorn“ ersetzt werden.


1858

Ab 1858

München-Kreuzviertel * In der Zeit der „Purifizierung der Frauenkirche“ wird alles entfernt, verkauft oder zerschlagen, was nicht gotisch ist.

Sogar die „welschen Hauben“ sollen durch „gotische Spitzhelme“ ausgetauscht werden.

Von diesem Plan wird jedoch Abstand genommen.

1858

München-Graggenau - München-Kreuzviertel * Eine von „Kriegsminister“ von Manz vorgelegte „Denkschrift“ will die Bürgerhäuser am „Max-Joseph-Platz“, zwischen der „Perusagasse ab nach Norden bis auf die Höhe des ludovicianischen Königsbaues abzureißen“, um den „Rebellen“ keinen Unterschlupf und ein „freies Schußfeld“ zu ermöglichen.

Zwischen der „Prannergasse“ [heutige Kardinal-Faulhaber-Straße] und der „Theatinerstraße“ will er in den geschlossen bebauten Häuserblock eine Bresche schlagen, den gesamten Häuserblock zwischen der „Perusagasse“ und der „Schrammergasse“ demolieren und auf der dadurch freiwerdenden Fläche eine „Defensivkaserne“ errichten. 

Zum Glück haben sich all diese Planungen aus verschiedenen Gründen nicht realisieren lassen.

11. Februar 1858

Lourdes - Rom-Vatikan * In den Auseinandersetzungen um das Dogma der unbefleckten Empfängnis erscheint dem Bauernmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsengrotte bei Lourdes eine „schöne weiße Dame“, die sich als „die unbefleckte Empfängnis“ betitelt.

Aus der Sicht von Papst Pius IX. gerade im richtigen Moment. Umgehend wird der Ort der Erscheinung zum Wallfahrtsort erhoben. 

3. November 1858

München-Graggenau - München-Lehel * Der neue Boulevard erhält die offizielle Bezeichnung Maximilianstraße. Es ist eine großartige Straßenachse entstanden, die in der deutschen Architektur des 19. Jahrhunderts keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die Münchner sind allerdings weniger mit den neugotischen Fassadenvorstellungen Friedrich Bürkleins einverstanden und so hagelt es durchwegs vernichtende Kritik am neuen Baustil.

Leo von Klenze schreibt unter anderem: „Der Einfluß des Hofsekretärs Hofmann für seinen Freund Bürklein [...] bewirkte nun, daß der König sich der Illusion hingab, ein gewisses architektonisches Ragout, ein Mixtum compositum, welches ihm der Baurath Bürklein servierte, für einen wirklich neuen Baustyl anerkennen zu dürfen, dasselbe den maximilianischen Styl taufte und seine Anwendung bei allen nur aufzufindenden Gelegenheiten durch eigene Verordnung befahl.”

Noch erbarmungsloser fällt die Kritik des Ex-Königs aus: „Was man da gebaut hat”, sagt Ludwig I. zu Leo von Klenze, „ist das Abscheulichste, das ich kenne” und weigert sich strikt, die Konkurrenz seiner Prachtstraße zu besich­­­­tigen.

Doch in der Maximilianstraße, immerhin „Münchens teuerstem Boulevard“, pulsiert das großstädtische Leben - im Gegensatz zur menschenleeren, sterilen, verkehrsreichen und autobahnählichen Ludwigstraße. Dass es zu der teilweise vernichtenden Kritik am Maximilianischen Stil kommt, liegt zu einem erheblichen Teil an dem ewig zaudernden und unsicheren Bayernkönig Max II., indem er mitten im Bau der Maximilianstraße die Konzeption abändert. So lässt er das fast fertiggestellte Taubstummeninstitut wieder abreißen, um eine einheitliche Bebauung am Forum zu erhalten.

Und kurz vor seinem Tod ordnet er noch an, dass am Maximilianeum die gotisierenden Spitzbögen in Rundbögen abgeändert werden müssen, wodurch der Bau im Gegensatz zum ganzen Straßenzug einen Renaissance-Charakter erhält. Diese Stiländerung nimmt der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt in seiner Kritik auf. Er schreibt zum Maximilianeum: „[...] Ich habe nur deshalb Dankbarkeit für das Gebäude empfunden, weil es wenigstens äußerlich in die Formen der Renaissance hinüberleitet und den Geist von dem jämmerlichen Gotisch der Maximilianstraße befreit.”


1859

1859

München-Graggenau * In der „Tuchfabrik“ des Johann Nepomuk Roeckenschutz an der Wurzerstraße bricht ein Feuer aus, „bei dem sich die Münchner Löschverhältnisse in aller Jämmerlichkeit“ zeigen.


1860

15. Dezember 1860

München * Erstmals erklingt die „Bayernhymne“,  intoniert von den Mitgliedern der Münchner Bürger-Sänger-Zunft. Die Melodie in G-Dur geht angenehm ins Ohr und hat deshalb großen Anteil an der Popularität der „Bayernhymne“

  • Komponiert hat die Melodie Konrad Max Kunz, der Chordirigent der Königlichen Hofoper.
  • Den Text der „Bayernhymne“ verfasste der wegen kritischer Artikel im Visier der Obrigkeit stehende Lehrer Michael Öchsner. 

1861

Ab 1861

München-Graggenau * Bis 1864 wird das „Alte Rathaus“ vom „Städtischen Baurat“ Arnold Zenetti regotisiert.

1861

München-Graggenau * Kopien der verschenkten „Moriskentänzer“ werden im „Festsaal des Alten Rathauses“ zur Aufstellung gebracht. 

2. Februar 1861

München-Graggenau * Der 15-jährige bayerische Kronprinz Ludwig erlebt die Münchner „Lohengrin“-Aufführung. Damit wird der Grundstein für seine schwärmerische Begeisterung für Richard Wagner und dessen Musikwelt gelegt. Es heißt, dieser Abend sei Ludwigs „wahrer Geburtstag“ gewesen.


1862

Ab 1862

München-Graggenau * Der Bildhauer Konrad Knoll beginnt mit der Erneuerung des „Fischbrunnens“.

Die Arbeiten dauern bis 1865 an.

22. August 1862

Königssee - Sankt Bartholomä * An seinem 17. Geburtstag wird Kronprinz Ludwig II. in der Kirche Sankt Bartholomä am Königssee in den Hubertusritterorden aufgenommen.

2. November 1862

München-Graggenau * Der abgesetzte König Otto von Griechenland trifft mit seiner Gemahlin Amalie in München ein. Sie wohnen hier zunächst in der Residenz. 


1863

25. August 1863

Schloss Hohenschwangau * Seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feiert Kronprinz Ludwig II. auf Schloss Hohenschwangau.

September 1863

München-Graggenau * Kronprinz Ludwig [II.] bezieht mit seinen Erziehern die „Kronprinzen-Appartements“ im „Festsaalbau“ der „Residenz“

20. September 1863

Berchtesgaden * Kronprinz Ludwig II. leistet in Berchtesgaden den Eid auf die Bayerische Verfassung.


1864

14. März 1864

München-Kreuzviertel - München * Der verstorbene König Max II. wird bestattet. 

König Ludwig II. tritt erstmals in der Öffentlichkeit auf.

28. März 1864

München-Graggenau * König Ludwig II. beauftragt die Neuausstattung der Königswohnung in der Residenz. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um die Anschaffung neuer Möbel und um Tapeziererarbeiten. Gleichzeitig werden die Planungen für einen neuen Wintergarten in die Wege geleitet.

3. Juni 1864

München-Graggenau * König Ludwig II. gibt den Auftrag für einen repräsentativeren offiziellen Zugang zu seiner Wohnung im nordwestlichen Pavillon des Festsaalbaues. Dazu müssen Bedienstetenwohnungen entfernt werden. Der dadurch entstehende 31 Meter lange Gang [= Nibelungen-Gang] mit 14 Fenstern zur Theatinerstraße wird ausgebaut. 

Ab November 1864

München-Graggenau * Der „Nibelungen-Gang“ bezeichnete neue Zugang zu den „Königsappartements“ König Ludwigs II. in der „Residenz“ wird von dem Maler und Graphiker Michael Echter mit dreißig Fresken aus dem Richard-Wagner-Zyklus „Der Ring der Nibelungen“ ausgemalt.  

Die Arbeiten dauern bis 1866 an. 


1865

1865

München-Graggenau * Die Stadt München kauft das ehemalige „Landschaftsgebäude“, um an seiner Stelle den ersten Bauabschnitt des „Neuen Rathauses“ zu errichten.

7. November 1865

München * Ein Wettbewerb für den Bau des Neuen Rathauses wird ausgeschrieben. 27 Architekten beteiligen sich.


1866

Ab Februar 1866

München-Graggenau * König Ludwig II. lässt nach seiner Verlobung mit Herzogin Sophie Charlotte in Bayern die Unteren Hofgartenzimmer in der Residenz für die künftige Königin reicher ausgestalten. Zusätzlich dazu lässt er eine Wendeltreppe, die von seinem Arbeitszimmer direkt in das künftige Königinnen-Appartement führt, anlegen. 

Anfang Dezember 1866

München-Graggenau * Der erst 26-jährige, aus Graz stammende Architekt Georg Hauberrisser erhält den Auftrag für den Bau des Neuen Rathauses. 

31. Dezember 1866

München-Graggenau * Prinz Otto fühlt sich bei einer Teegesellschaft seiner Mutter grundlos provoziert und fordert eine dritte Person zum Duell. König Ludwig II. schließt eine eventuelle Thronfolge seines Bruders aus. 


1867

1867

München-Graggenau * König Ludwig II. lässt die „Nibelungensäle“ im „Königsbau“ der Residenz fertigstellen.  

Im „Saal der Klage“ fehlen noch zwei Bilder, die jetzt - 40 Jahre nach Beginn der Malerarbeiten -  von dem Maler und Graphiker Michael Echter ergänzt werden.  

Auf dem Bild gegenüber dem Eingang gibt der Maler dem lorbeerbekränzten Dicchter des „Nibelungenliedes“ die Gesichtszüge Ludwigs I..  
Dem daneben stehenden jungen Sänger im roten Mantel gibt er das Aussehen König Ludwigs II.. 

30. Januar 1867

München * Das offizielle Verlobungsfoto von König Ludwig II. und seiner Großcousine Sophie Charlotte, Herzogin in Bayern entsteht im Atelier des Hofphotographen Josef Albert. 

28. Mai 1867

München-Graggenau * Der Hofbauinspektor Eduard von Riedel legt Pläne für die Neugestaltung der Appartements Ludwigs II. vor. Der König ist mit den Planungen nicht zufrieden und gibt die Aufgabe an Franz Seitz weiter.  

Riedel legt auch seine Pläne für die Herstellung eines Dachpavillons auf dem Dach des Festsaalbaus vor. Der Dachgarten ist nur ein kleines, zimmergroßes Häuschen aus Eisen und Glas mit einem rechteckigen Grundriss. 

1. Juni 1867

München-Graggenau * Die Arbeiten am Neuen Rathaus beginnen. Der erste Bauabschnitt ist bis 1874 fertig gestellt.

25. August 1867

München-Graggenau * In Vertretung König Ludwigs II. wird im Beisein von Prinz Adalbert der Grundstein für das Neue Rathaus gelegt.

7. Oktober 1867

München * König Ludwig II. löst in einem Schreiben die Verlobung mit seiner Großcousine Sophie Charlotte, Herzogin in Bayern. Er schreibt in sein Tagebuch: „Sophie ist abgeschrieben. Das düstere Bild verweht; nach Freiheit verlangt mich, nach Freiheit dürstet mich, nach Aufleben von qualvollem Alp.“ Das ist ein fast wortgleiches Zitat aus Richard Wagners „Thannhäuser“

Dezember 1867

München-Graggenau * Der „Wintergarten“ auf dem Dach des „Festsaalbaus“ für König Ludwig II. ist fertiggestellt.  

Der Monarch plant umgehend die Erweiterung des „Dachgartens“ um 33 Fuß.


1868

21. März 1868

Graggenau * Eduard von Riedel legt die Pläne für den erweiterten Wintergarten König Ludwigs II. auf dem Dach des Festsaalbaus vor. 

Juli 1868

Schloss Neuschwanstein * Für das „Neue Schloss Hohenschwangau“ an der Stelle der „Burgruine Hinterhohenschwangau“, dem späteren „Schloss Neuschwanstein“, beginnen mit Sprengungen und Erdarbeiten die Vorbereitungen für den Bauplatz.

Um Oktober 1868

Graggenau * König Ludwig II. gibt einen „Maurischen Kiosk“ für seinen „Wintergarten“ in der Residenz in Auftrag.  

Er soll ähnlich dem sein, den Karl von Diebitsch für die „Pariser Weltausstellung 1867“ geliefert hatte. 


1869

1869

München-Graggenau * Die Postamtsnummer „1“ wird für die „Residenzpost“ erteilt.

Um den Januar 1869

München-Graggenau * Der erweiterte „Wintergarten“ Ludwigs II. auf dem Dach des „Festsaalbaus“ ist fertiggestellt.  

Der König ist noch immer nicht zufrieden.  
Er will einen „Maurischen Kiosk“ in seinem „Dachgarten“ integriert wissen, der bereits im Herbst 1868 beauftragt wurde. 

20. Juni 1869

München-Graggenau * Vor seinem endgültigen Weggang aus München bringt Hofkapellmeister Hans von Bülow „Tristan und Isolde“ am 20. und 22. Juni im Nationaltheater erneut zur Aufführung.

Um den August 1869

München-Graggenau * Die „Königlichen Appartements“ König Ludwig II. im Pavillon des „Hofgartentrakts“ der „Residenz“ sind fertiggestellt und werden von dem Bayernmonarchen bewohnt. 

27. August 1869

Schachen * Grundsteinlegung für das von Ludwig II. beauftragte Königshaus am Schachen.

3. September 1869

Schloss Neuschwanstein * Der Grundstein für das von Ludwig II. in Auftrag gegebene Schloss Neuschwanstein wird gelegt.

3. Oktober 1869

München-Theresienwiese * König Ludwig II. besucht das Münchner Oktoberfest.

5. Oktober 1869

München-Graggenau * König Ludwig II. gibt Carl von Effner den Auftrag für einen neuen königlichen Wintergarten auf dem Dach des Festsaalbaus der Residenz, mit den Ausmaßen 69,50 x 17,20 x 9,50 Metern. Um der Längenausdehnung entgegen zu wirken, wird der Dachgarten im Süden durch einen Quertrakt erweitert. Dazu wird im Kaiserhof ein dreiachsiger Unterbau errichtet.  

Der für den neuen Wintergarten angefertigte Maurische Pavillon [Beauftragt im Herbst 1868] findet keine Verwendung. Er wird stattdessen im Park von Schloss Berg am Starnberger See aufgestellt. 

9. Dezember 1869

München-Graggenau * Die Königlichen Appartements Ludwigs II. im Pavillon des Hofgartentrakts der Residenz werden fotografiert. 


1870

1870

München-Graggenau * Der Mittelbereich des Neuen Rathauses wird von Bildhauern gestaltet. Er zeigt in Standbildern die „bürgerlichen Tugenden“: Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Wehrhaftigkeit und Mildtätigkeit.

1870

München-Graggenau * Die von der Münchner Garnison gestellte Hauptwache bezieht ihr neues Wachlokal in der Erdgeschosszone des Neuen Rathauses.

26. Juni 1870

München-Graggenau * Die „Walküre“ von Richard Wagner wird im Hof- und Nationaltheater uraufgeführt.


1871

1871

München-Graggenau * Der Königliche Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz ist fertiggestellt. 

17. Januar 1871

München-Graggenau • König Ludwig II. eröffnet den 24. Landtag, der sich mit dem Reichsbeitritt befassen muss, im Thronsaal der Residenz mit einer Thronrede. Es wird Ludwigs letzte Landtags-Eröffnung gewesen sein. 

10. Mai 1871

München * Prinz Otto, König Ludwigs II. Bruder, steht unter ärztlicher Überwachung. Sein Krankheitsbild wird bald darauf von Syphilis in Paranoia abgeändert.

15. November 1871

München - Berlin * Prinz Ottos Geisteskrankheit wird an Reichskanzler Otto von Bismarck gemeldet.

25. Dezember 1871

München * König Ludwig II. und seine Mutter wollen Prinz Otto keinesfalls in eine Heilanstalt einweisen lassen, sondern ihn auf Gütern der Familie vor der Öffentlichkeit fernhalten.


1872

Januar 1872

München * Prinz Otto von Bayern wird von mehreren Ärzten untersucht und ein ärztliches Gutachten erstellt.

Die Ärzte prognostizieren, dass eine Heilung möglich wäre, wenn der Patient von München entfernt und einer konsequenten Behandlung zugeführt werden würde.

Man vermutet allerdings „Syphilis“ und keine „Schizophrenie“.
Außerdem gibt man dem Prinzen nur noch eine Lebenserwarten von einem halben bis maximal zwei Jahren.

4. Dezember 1872

Werneck * Friedrich Bürklein stirbt - gebrochen durch den Tod seines ältesten Sohns vor Sedan - in der Heilanstalt Werneck in Unterfranken.


1873

1873

München * König Ludwig II. spielt mit dem Gedanken der Abdankung und will sich auf die „Kanarischen Inseln“ zurückziehen.

Ab 1873

München * Dritte „Cholera-Epidemie“ bricht in München aus.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der „Schwemmkanalisation“,
  • einer „zentralen Wasserversorgung“ und
  • dem zentralen „Schlacht- und Viehhof“.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.

1873

München-Ludwigsvorstadt * Adele Spitzeders Plan, die „Westendhalle“ zu kaufen und in ein glitzerndes „Vandevillet-Theater“ umzuwandeln, scheitert.

Um den 15. August 1873

München * König Ludwig II. äußert sich über Ottos Gesundheitszustand: „Mein Bruder kann nie regieren“.

17. September 1873

München-Graggenau * Der letzte Weißbiersud wird im Königlichen Hofbräuhaus eingebraut. 

20. September 1873

München-Graggenau * Das erste Schneider-Weißbier wird im Haus an der Maderbräugasse 4, wo sich das Sudhaus befindet, gebraut. Das war genau drei Tage nachdem der letzte Weißbiersud im Königlichen Hofbräuhaus eingebraut worden war. 

25. September 1873

Berlin - München * Die erste Zahlung Bismarcks aus dem sogenannten Welfenfonds trifft in München ein.


1874

1874

München-Graggenau * Die „Stadtverwaltung“ bezieht das „Neue Rathaus“.

21. Januar 1874

Schloss Linderhof * König Ludwig II. ordnet den Abbruch des Königshäuschen im Graswangtal an. Das Schloss Linderhof entsteht damit in seiner endgültigen Form.

7. September 1874

München-Graggenau * Erstmals tagt der Münchner Stadtmagistrat in einem provisorisch ausgestatteten Saal im 3. Stock des Neuen Rathauses. 


1875

1875

München * Die „städtischen Brunnwerke“ speisen 60 öffentliche Brunnen und 2.203 Häuser.

Auf die „Hofbrunnwerke“ fallen neun öffentliche Brunnen und 960 Häuser.

Das Rohrsystem ist 120 Kilometer lang. Davon entfallen 80 Kilometer auf die Stadt und 40 Kilometer auf den „Hof“

Von den 7.382 Anwesen der Stadt sind 4,219, also 57 Prozent, ohne laufendes Wasser.

1875

München-Graggenau * Aufgrund des enormen Wachstums der Stadt und ihrer Aufgaben ist das „Neue Rathaus“ absehbar bald zu klein, weshalb man sich zur Vergrößerung des Gebäudes entschließt.


1877

1877

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ lässt sich regelmäßig nachweisen.

1877

München-Graggenau * Um eine Durchfahrt durch das „Alte Rathaus“ für die Trambahn zu schaffen, wird die breite Treppe und der „Pranger des Stadtgerichts“ beseitigt.

1877

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Die „Kunstgewerbeschule“ zieht von ihren Räumen am „Hofgarten“ in die umfangreich erweiterte ehemalige „Glasmalerschule“ an der Luisenstraße 37.


1880

1880

München-Graggenau * Der große „Sitzungssaal“ für die „Gemeindebevollmächtigten“ im „Neuen Rathaus“ wird mit einem 15 x 4 Meter großen Monumentalgemälde des Malers Karl von Piloty geschmückt.


1883

1883

München-Graggenau * König Ludwig II. lässt das „Cuvilliés-Theater“ als erste Bühne Deutschlands elektrifizieren. 

1883

München-Graggenau * Im dritten Stock der „Residenzpost“ wird das „Umschaltbüro“ für die „Fernsprechvermittlungsanlage“ untergebracht.

Dazu wird auf dem Dach der „Hauptabspannständer“ aufgestellt.

1. August 1883

Mangfalltal - München * Die Wasserleitung aus dem Mangfallgebiet wird - mit den üblichen Gottesdiensten in der katholischen Frauenkirche, der evangelischen Matthäuskirche und in der Synagoge - offiziell eingeweiht.


1884

30. Mai 1884

München * König Ludwig II. will eine Anleihe aus dem Vermögen von Prinz Otto entnehmen. Er scheitert aber am Hofsekretär Philipp Pfister, der den Bayernkönig auf das Bayerische Landrecht hinweist, das dem Vormund, also Ludwig, untersagt, bei seinem Mündel ein Darlehen aufzunehmen.

1. Juni 1884

München * König Ludwig II. hat durch seine ungezügelten Baumaßnahmen bis zum Frühjahr 1884 Schulden in Höhe von 7,5 Millionen Mark angehäuft. Und das, obwohl er neben seiner üblichen Apanage seit dem Jahr 1873 fünf Millionen Mark aus dem von Otto von Bismarck verwalteten Welfenfond erhalten hat.

Nun übernimmt ein Bankenkonsortium, bestehend aus der Bayerischen Bank, der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und der Süddeutschen Bodenkreditbank ein Darlehen in Höhe von acht Millionen Mark. Zudem legt Reichskanzler Otto von Bismarck aus seinem „Reptilienfond“ noch einmal eine Million oben drauf. 

Die Befürchtung, wonach die Gelder statt zur Schuldentilgung zum Weiterbau der Schlösser Verwendung finden würden, sollen sich bewahrheiten. 

29. Juli 1884

Graggenau * Der umgestaltete Fischbrunnen wird wieder in Betrieb genommen.


1885

12. Mai 1885

München-Graggenau * Die letzte Separatvorstellung im Hof- und Nationaltheater für König Ludwig II..
Es ist die 209..  

König Ludwig II. hält sich letztmals in München auf. 

29. August 1885

München * Finanzminister Emil von Riedel muss feststellen, dass König Ludwig II. inzwischen weitere sechs Millionen Mark Schulden aufgehäuft hat. Damit ist der Schuldenstand des Königs auf die wenig märchenhafte Summe von fast 14 Millionen Mark angewachsen.

Johann von Lutz, der Vorsitzende des bayerischen Ministerrats stellt daraufhin - devot zwar im Ton, aber unmissverständlich in der Aussage - die Forderung nach Sanierung des königlichen Haushaltes. Er meint damit konkret die Unterbrechung des Schlösserbaus. Da aber König Ludwig II. keinerlei Verständnis für die Vorschläge zeigt, muss - auch in Hinblick auf den Ansehensverlust der Monarchie - etwas geschehen. 

Man hat zwar in Bayern das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie eingeführt und zusätzlich verschärft, aber dennoch das unaufhaltsame Anwachsen der Arbeiterbewegung nicht verhindern können.


1886

März 1886

Pfronten * Die Planungen für „Burg Falkenstein“ bei Pfronten sind weitgehend abgeschlossen.

23. März 1886

München * Da König Ludwig II. kein Verständnis für die Forderungen nach „Sanierung des königlichen Haushalts“ aufbringt und er sich auch sonst als „beratungsresistent“ zeigt, beauftragt der „Bayerische Ministerpräsident“ Freiherr Johann von Lutz den „Psychiater“ und Leiter der „Kreisirrenanstalt von München und Oberbayern“, Dr. Bernhard von Gudden, mit der Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens, das die „Geisteskrankheit und Handlungsunfähigkeit“ des Königs beweisen soll.

Vor der Erteilung des Auftrags muss der „Ministerpräsident“ aber erst die Einwilligung des „Hauses Wittelsbach“ einholen. 

Und nachdem Ludwigs Bruder Otto wegen seiner „Geisteskrankheit“ als Verhandlungspartner ausscheidet, wendet sich der „Regierungschef“ an dessen Onkel, den Prinzen Luitpold.
Dieser gibt nach langem Zögern seine Zustimmung, hätte es aber lieber gesehen, wenn sein Neffe von sich aus „abdanken“ würde.

Mit „Reichskanzler“ Otto von Bismarck wird über das weitere Vorgehen gegen König Ludwig II. Einvernehmen hergestellt, um jede mögliche Intervention und Missbilligung „Preußens“ und des „Deutschen Reiches“ auszuschließen.

8. Juni 1886

München * Professor Dr. Bernhard von Gudden und drei weitere Ärzte attestieren König Ludwig II. - rund zehn Wochen nach Auftragserteilung - eine sehr weit fortgeschrittene und unheilbare Paranoia. Sie stützen sich dabei im Wesentlichen auf Aussagen der Hofbediensteten und ohne mit dem Patienten auch nur ein einziges Wort gesprochen zu haben. 

Mit dem psychiatrischen Gutachten sind aber die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft von König Ludwig II. gegeben.

Ludwigs Onkel, Prinz Luitpold, erklärt sich nach längerem Zögern und Zaudern zur definitiven Übernahme der Regentschaft - nach der Entmündigung des Königs - bereit und verständigt noch am selben Tag die größeren deutschen Souveräne und Kaiser Franz Joseph von Österreich.

9. Juni 1886

München * Prinz Luitpold lädt zur Ministerkonferenz ein, auf der

  • die Regierungsunfähigkeit des Königs festgestellt,
  • seine Entmündigung vollzogen und
  • dem Einladenden die Regentschaft - vorbehaltlich der Unterrichtung des Landtags - übertragen wird. 

Zur Wahrung der privatrechtlichen Interessen des Märchenkönigs Ludwig II. setzt man die Grafen Clemens Maria von Toerring-Jettenbach und Max von Holnstein als Vormund ein.

10. Juni 1886

München * Die Regentschaftsproklamation des Prinzen Luitpolds wird vom Gesamtministerium gegengezeichnet. Der 65-jährige Luitpold von Bayern wird damit zum Verweser des Königreichs Bayern, oder kurz gesagt zum Prinzregenten.

In der Zwischenzeit hat sich eine elfköpfige „Fang-Kommission“ - unter Beteiligung des Ministers Krafft Freiherr von Crailsheim, der Vormünder, Dr. Bernhard von Gudden und anderen - auf den Weg nach Schloss Neuschwanstein gemacht. Sie sollen den König von seiner Regierungsunfähigkeit und der Übernahme der Regentschaft durch Prinz Luitpold unterrichten und ihn in irrenärztliche Pflege übernehmen. Der rechtzeitig informierte König Ludwig II. lässt die Kommission von Gendarmen aus Füssen festnehmen. 

Erst am Nachmittag, nachdem sich die Regentschaftsproklamation Luitpolds auch in Füssen herumgesprochen hat, werden die Gefangenen wieder freigelassen.

11. Juni 1886

Schloss Neuschwanstein - Schloss Berg * Eine kleinere, effektivere Fang-Kommission nimmt einen neuen Anlauf. Diesmal mit mehr Erfolg. Dem König wird die Entmündigung eröffnet. Er lässt sich festnehmen und nach Schloss Berg am Starnberger See überführen. Dort kommt es in der Folge zum sogenannten Königsdrama.

Ursprünglich sollte der Ex-König Ludwig II. nach Schloss Fürstenried gebracht werden. Man kommt von dem Gedanken aber wieder ab, da man die Brüder nicht im selben Haus untergebracht haben will. Statt dessen werden Pfleger vom Prinzen Otto abgezogen.

17. Juni 1886

München * In einem geheimen Protokoll wird über den Gesundheitszustand des fünften bayerischen Königs das Nachfolgende ausgeführt: „Der Zustand seiner Majestät des Königs Otto sei ein solcher, daß auch der Laie die Regierungsunfähigkeit zu bestätigen vermöge.

Das Leiden hat seinen Anfang genommen [...] wie bei Seiner Majestät König Ludwig. Zuerst seien Seine Majestät König Otto zur Führung einer längeren Conversation befähigt gewesen, jetzt könnten sich Seine Majestät gar nicht mehr artikuliert ausdrücken, wenn auch ein gewißes Verständnis und Erkennungsvermögen bestehe.
Wenn Ihre Majestät die Königinmutter oder ein Curator das Schloß Fürstenried besuche, so erkennen Seine Majestät dieselben, lachen und springen davon, weil Seine Majestät außer Stande sind, zusammenhängend zu sprechen.“
  

Und an einer anderen Stelle der gleichen Protokollnotiz steht geschrieben: „Hienach finden sich bei Seiner Majestät König Otto bald Exaltations-, bald Depressions-Zustände mit Aufregungen, lebhaften Sinnestäuschungen, zuckende Bewegungen, Wahnideen sowie Geistesschwäche vor, und ist dieser Zustand als ein unheilbarer zu erachten.“

19. Juni 1886

München-Kreuzviertel * Der Leichnam König Ludwigs II. wird in der Krypta der Michaelskirche beigesetzt.

1. August 1886

Herrenchiemsee - Linderhof - Neuschwanstein * Schloss Herrenchiemsee, Schloss Linderhof und Schloss Neuschwanstein werden zur öffentlichen Besichtigung freigegeben.

16. August 1886

Altötting * Die Urne mit dem Herzen des verstorbenen Königs Ludwig II. wird nach Altötting überführt. 

Oktober 1886

München-Kreuzviertel * Der Leichnam König Ludwigs II. wird in einen neoklassizistischen Sarkophag umgebettet.

Um den Oktober 1886

München-Graggenau * Nach dem Tod König Ludwigs II. wird der „Königliche Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz“ aufgelassen.  

  • Die Pflanzen werden nach „Schloss Nymphenburg“ gebracht,  
  • das kupferne Seebecken wird verkauft. 
13. Oktober 1886

München * Die Münchner Neuesten Nachrichten informiert die Bevölkerung ausführlich über die Lebensumstände und den Gesundheitszustand des neuen Bayernkönigs Otto I.. Die Öffentlichkeit erfährt erst jetzt, dass Prinz Otto an Verrücktheit oder Paranoia leidet.

„Der kranke König wird durch anhaltende Sinnestäuschungen (Halluzinationen) und Wahnvorstellungen so sehr vom realen Leben abgezogen, daß der Nichtunterrichtete [...] jeden geistigen Zusammenhang des Monarchen mit der Außenwelt für aufgehoben hält. Nur gelegentlich zeigen sich vorhandene Reste normaler Geisteskräfte. [...] Die Prognose geht mit Bestimmtheit dahin, daß an Heilung nicht gedacht werden kann. Auf die Lebensdauer hat das Leiden keinen Einfluß.“

November 1886

Schloss Herrenchiemsee * Die Arbeiten an „Schloss Herrenchiemsee“ werden eingestellt.


1887

13. Oktober 1887

München-Graggenau * Die vier Moriskentänzer aus dem Besitz des Conte Palavicini-Barrocco werden um 8.000 Francs wieder zurückgekauft. 

4. November 1887

München-Hackenviertel * Da die vier Moriskentänzer aus dem Besitz des Conte Palavicini-Barrocco „hier mit kleineren Defecten angekommen“ sind, werden sie der Firma Radspieler zur Restaurierung übergeben und die Figuren neu gefasst. 


1888

1888

München-Graggenau * Der kleinere „Sitzungssaal“ für den „Magistrat“ im „Neuen Rathaus“ wird von Wilhelm von Lindenschmitt mit einem Fresko ausgeschmückt.

Es zeigt eine „Monachia“, die von König Ludwig I. gekrönt wird. Man wollte damit „pflichtschuldig“ daran erinnern, dass München „seinen Aufstieg zu einer erstrangigen Kunststadt Europas alleine dem Bauwillen und dem Sammlungseifer dieses Regenten zu verdanken hatte“.


1889

1889

München-Graggenau * Das „Postamt“ in der „Residenzpost“ erhält eine lichtdurchflutete, neubarocke „Schalterhalle“ durch die Firma Heilmann & Littmann eingebaut.

1889

München-Graggenau * Erweiterungsarbeiten am „Neuen Rathaus“ beginnen im Bereich Diener- und Landschaftsstraße.


1890

1890

München-Graggenau * Der „Eisbach“ vor dem „Prinz-Carl-Palais“ wird überwölbt.


1891

8. September 1891

München-Graggenau * Kaiser Wilhelm II. besucht - verkleidet in der Uniform seines bayerischen Ulanenregiments - die Stadt München. Im Neuen Rathaus trägt er sich mit den Worten „Suprema lex regis voluntas“ [= Das höchste Gesetz ist der Wille des Königs] ins Goldene Buch der Stadt ein. Der mit einer Adlerfeder geschriebene - völlig unzeitgemäße - Satz erregt bei vielen Bayern Ärger. 


1896

26. Mai 1896

München-Graggenau * Der letzte Biersud wird im alten Hofbräuhaus am Platzl gebraut.


1897

1897

München-Graggenau * Die Planungen für den westlichen Erweiterungstrakt des „Neuen Rathaues“ werden in Angriff genommen.

1897

München-Graggenau * Die Halle aus Glas und Eisen, die den „Königlichen Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz“ bedeckt hatte, wird abgebaut und auf dem Gelände der „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg - MAN“ in Nürnberg wieder aufgerichtet.  

Sie wird im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört. 

1897

München-Graggenau * Ein erster „Führer durch die Residenz zu München“ erscheint.  

Täglich außer an Sonn- und Feiertagen kann die „Residenz“ besichtigt werden.  
Ausgenommen sind natürlich die von der Herrscherfamilie noch bewohnten Zimmerfolgen. 


1899

1899

München-Graggenau * Die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt des Neuen Rathauses beginnen. Sie dauern bis 1909 an. Insgesamt 43 baierische Herrscher, davon eine Frau, sind am Neuen Rathaus angebracht worden. Es ist der größte Herrscherzyklus an einen deutschen Rathaus und ist als Antwort auf die Verherrlichung der Hohenzollern in der Berliner Sieger Allee zu verstehen. Insgesamt 102 Figuren und Figurengruppen schmücken das Neue Rathaus. 


1900

12. September 1900

München-Graggenau * Die Familie Feuchtwanger zieht an die Galeriestraße 15 um. 


1901

9. Februar 1901

München-Graggenau * Max von Pettenkofer erschießt er sich in seiner Wohnung in der Münchner Residenz


1902

1902

Leipzig * Der „Publizist“ Theodor Fritsch, der seine politischen Aktivitäten auf den Mittelstand konzentriert, gibt die Zeitschrift „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“ heraus.

Schon 1887 hatte er einen „Antisemiten-Katechismus“ verfasst, der anno 1907 neu überarbeitet unter dem Titel „Handbuch der Judenfrage“ neu erschienen war.

Sein Leipziger „Hammerverlag“ verlegt nicht nur zahlreiche völkische Bücher und Zeitschriften, wie die „Antisemitische Correspondenz“, die „Deutschsozialen Blätter“ sowie den bereits erwähnten „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“, sondern auch den „Deutschen Müller“, eine damals bekannte Wirtschaftszeitung.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg erzielen die Produkte des „Hammerverlags“ Aufmerksamkeit und hohe Auflagen.

1902

München-Graggenau * Im „Residenztheater“ wird Ludwig Thomas Komödie „Die Lokalbahn“ uraufgeführt. 


1904

1904

München-Graggenau * Karl Rosipal, ein vermögender und exzentrischer Münchner Kaufmann, spendet aus Anlass des hundertjährigen Bestehens seiner Modewarenfirma der Stadt München über 30.000 Mark für ein „Glockenspiel“ am „Neuen Rathaus“. 

Er trägt damit zu einer der bekanntesten und meistfotografiertesten Sehenswürdigkeit Münchens bei.


1905

1905

München-Graggenau * Das „Münchner Kindl“ kommt auf die Spitze des zwölfstöckigen, 85 Meter hohen Turm des „Neuen Rathauses“.


1908

1908

München-Graggenau * Die zweite und überarbeitete Ausgabe des „Führers durch die Residenz zu München“ erscheint. 

12. März 1908

München-Graggenau * Das „Glockenspiel“ am Turm des „Neuen Rathauses“ wird der Öffentlichkeit vorgeführt. 

Die 37 Glocken sind eine „Stiftung“ des Münchner Geschäftsmannes Karl Rosipal.

1. Oktober 1908

München-Lehel * Lion Feuchtwanger zieht in die Gewürzmühlstraße 3. 


1910

1910

München * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast betreibt bis 1913 das Münchner Kabarett „Serenissimus“


1911

18. Juli 1911

München-Graggenau * Lion Feuchtwanger zieht in die Burgstraße 10. 


1912

1912

München-Graggenau * Die „Thule-Gesellschaft“ hat ihren Ursprung in den vom „Mühleningenieur“ und „Publizisten“ Theodor Fritsch gegründeten „Reichshammerbund“

Bei der Konstituierung des „Reichshammerbundes“ wird zugleich der „Germanenorden“ aus der Taufe gehoben.
Er soll die „geheime Kommandozentrale“ für die gesamte „völkische Bewegung“ werden, ein „deutsch-völkischer Generalstab“.

Nur „bis ins dritte Glied reinblütige Deutsche“ werden in den „Orden“ aufgenommen.

Besonderer Wert wird auf die „Propaganda der Rassenkunde“ gelegt.
Es sollen die Erfahrungen, die man „im Tier- und Pflanzenreiche gemacht hat, auf den Menschen angewandt“ und gezeigt werden, „wie die Grundursache aller Krankheit, allen Elends, in der Rassenvermanschung liege“.

Der „Orden“ will die „Prinzipien der Alldeutschen“ auf die „ganze germanische Rasse“ ausdehnen und den Zusammenschluss „aller Völker germanischen Blutes“ anbahnen.

12. Dezember 1912

München-Graggenau * Der 91-jährige Prinzregent Luitpold stirbt. Er wird von der Kritik - wegen seines Desinteresses in politischen und wirtschaftlichen Fragen - schlicht für unfähig gehalten. 

Luitpolds 67jähriger Sohn Prinz Ludwig III. tritt seine Nachfolge als Prinzregent an. Der letzte bayerische Monarch „von Gottes Gnaden“ wird jedoch die Herzen seiner Untertanen nie erreichen. 


1913

Ab 1913

München * Gustl Annast betreibt bis 1926 das „Varieté Savoy“ im „Hotel Reichsadler“

30. Oktober 1913

München-Kreuzviertel * Die Abgeordnetenkammer beschließt ein verfassungsänderndes Gesetz mit 122 gegen 27 Stimmen der Sozialdemokraten. Mit diesem Gesetz kann der „Regent die Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt erklären“, wenn „wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs“ auch „nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Regierungsfähigkeit“ besteht. Damit hat der Prinzregent die Möglichkeit, seinen noch lebenden geisteskranken Cousin, den legitimen König Otto I., zu entthronen. 

Prinzregent Ludwig III. wollte politisch eine Veränderung herbeiführen und konnte mit dem Zentrum und den Liberalen auf eine breite parlamentarische Mehrheit bauen. Doch eine schlichte Proklamation Ludwigs III. zum König wurde von den Abgeordneten als nicht ratsam erachtet, da auch der Prinzregent eine Übertragung der Krone durch den Landtag ablehnte. Schließlich wollte Ludwig III. kein „König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ sein.

4. November 1913

München-Kreuzviertel * Auch die Kammer der Reichsräte billigt die Verfassungsänderung. Damit kann Prinzregent Ludwig III. die „Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt“ erklären.

5. November 1913

München * Prinzregent Ludwig III. proklamiert sich selbst zum König. König Otto I. wird damit durch seinen Vetter Prinzregent Ludwig III. entthront. Eine 27-jährige Regentschaft geht dadurch zu Ende.

Nachdem diese unumstößlichen Fakten geschaffen sind, erkennt der Landtag an, „daß am 4. November 1913 die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft bestanden haben“. Die Abgeordneten stimmen dem Antrag brav zu. Daraufhin erklärt König Ludwig III., dass durch seine Thronbesteigung der Titel und die Ehrenrechte König Ottos I. nicht berührt werden. Bayern hat damit - bis zum Tod König Ottos I. am 11. Oktober 1916 - zwei Könige und damit eine Doppelmonarchie.

Doch die Vorgänge um die Inthronisation schadet dem Ansehen König Ludwigs III. und der Monarchie schwer. Deshalb rührt sich auch keine Hand, als exakt fünf Jahre später die Monarchie in Bayern als erster deutscher Einzelstaat sang- und klanglos zusammenbricht.

8. November 1913

München * Der neu ernannte König Ludwig III. leistet seinen Treueeid auf die Verfassung. Der Sozialist Kurt Eisner bemerkt dazu nur kurz: „Soeben hat Prinzregent Ludwig der Monarchie das Grab geschaufelt.“

Auf den Tag genau, fünf Jahre später, fällt Ludwig in die Grube, die er sich selbst und der Monarchie geschaufelt hat.


1916

26. April 1916

München - Rom-Vatikan * Papst Benedikt XV. genehmigt dies durch ein Dekret der „Ritenkongregation“, dass die „Muttergottes“ zur „Patronin des Königreichs Bayern“ wird.  

Das Königreich wird jedoch bald darauf in den revolutionären Wirren untergehen. 

14. Mai 1916

München * Das Fest „Maria - Patronin des Königreichs Bayern“ wird in München erstmals begangen, im Jahr darauf in allen bayerischen Diözesen. 

11. Oktober 1916

Schloss Fürstenried * König Otto I. stirbt 68-jährig in Schloss Fürstenried an einer Darmverschlingung aufgrund seiner ungesunden Ernährungsweise. Er war 30 Jahre König, so lange wie kein anderer Wittelsbacher, hat aber keinen einzigen Tag regiert.

14. Oktober 1916

München-Kreuzviertel * Die sterblichen Überreste König Ottos I. werden in der Krypta der Michaelskirche beigesetzt.


1917

23. März 1917

München-Graggenau * Die orthodoxe „Ohel-Jakob-Synagoge“ an der Herzog-Rudolf-Straße begeht sein 25. Jubiläum. 

28. November 1917

München * Ohne Wahl wird die Amtszeit des am 13. Dezember 1914 gewählten Münchner Magistrats um zwei Jahre verlängert. 

An Stelle von Dr. Otto Merkt, dessen Wiederwahl die Sozialdemokraten und die Liberalen verweigern, wird Hofrat Dr. Hans Küfner zum II. rechtskundigen Bürgermeister gewählt. 


1918

7. März 1918

München * Der in der Reichsbahnhauptwerkstätte München als Werkzeugschlosser beschäftigte Anton Drexler ruft den Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden ins Leben. Die Gründung erfolgte in Anlehnung an eine fast gleichnamige und gleiche Ziele verfolgende Organisation in Bremen. Aus dem Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden wird später die Deutsche Arbeiterpartei - DAP hervorgehen. .

Es ist eine antisemitische und antimarxistische Gruppierung, die nie mehr als vierzig Mitglieder zählt und der es um eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit der nationalen Rechten geht. Die bürgerlichen Parteien haben in ihren Augen versagt und der Marxismus erscheint ihnen für ihre nationalistischen Ziele ungeeignet. 

17. August 1918

München-Graggenau * Am 17./18. August 1918 findet die Einweihung der Germanenloge im noblen Hotel Vier Jahreszeiten an der Maximilianstraße statt. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft war die Thule-Gesellschaft auf die gerade freigewordenen Sitzungszimmer des ehemaligen Marine-Offiziers-Club aufmerksam geworden. Die anvisierten Räumlichkeiten bieten Platz für 300 Personen und haben eine für die Zwecke des Geheimordens gediegene Ausstrahlung. 

Nachdem die Bewerbung von der Hotelleitung akzeptiert wurde, konnten die gepflegten und herrschaftlich wirkenden Sitzungssäle mit den dazugehörenden Büros mit Hakenkreuzfahnen sowie Kranz und Schwertern dekoriert werden. 

Das Hakenkreuz, das auch den Briefkopf des Ordens ziert, symbolisiert den „Siegeszug des Ariers“ und steht für das Motto der Loge: „Denke daran, daß du ein Deutscher bist! Halte dein Blut rein!“. Mitglieder und Gäste begrüßen sich mit „Heil und Sieg“, aus dem wenig später das berüchtigte „Sieg Heil !“ wird.

2. Oktober 1918

München * Gast der ersten öffentlichen Veranstaltung des „Freien Arbeiterausschusses für einen guten Frieden“ ist Karl Harrer, ein Mitglied der Thule-Gesellschaft und Sportjournalist bei der national-liberal orientierten München-Augsburger Abendzeitung. 

Um 10. Oktober 1918

München * Karl Harrer wird von der Thule-Gesellschaft beauftragt, Arbeiter für die völkische Politik zu gewinnen. Zu diesem Zweck ruft er einen Arbeiter-Ring ins Leben. Noch vor dem Sturz der Monarchie in Bayern - gründen Harrer und Anton Drexler gemeinsam den Politischen Arbeiterzirkel, der sich - laut seiner erst am 24. März 1919 festgelegten Satzung - als „eine Vereinigung ausgewählter Persönlichkeiten zwecks Besprechung und Studium politischer Angelegenheiten“ versteht. 

Die vom Vorstand zu Mitgliedern des Zirkels ernannten Personen werden zum Stillschweigen über die Tätigkeit und die personelle Zusammensetzung der Gruppe verpflichtet, woraus alleine schon der Einfluss der exklusiven und elitären Thule-Gesellschaft erkennbar ist. 

Die dominierende Figur und der geistige Führer dieses Politischen Arbeiterzirkels, dem zum größten Teil Arbeitskollegen Drexlers angehören, ist demzufolge auch nicht Drexler, sondern Karl Harrer, der vor diesem zwar vorwiegend, aber nicht ausschließlich im Hotel Vier Jahreszeiten tagenden kleinen Kreis - besonders im Winter 1918/19 - auch ständig Vorträge zu verschiedenen aktuellen Themen hält. 

Um den 14. Oktober 1918

München * In zwei Listen werden Bronzefiguren aufgeführt, die den Metallbedarf der Rüstungsbetriebe geopfert werden sollen. Die erste Liste beinhaltet Werke, auf die man ersatzlos und für immer verzichten will. Dazu gehört unter anderem die Schwind-Büste auf der Praterinsel, das Senefelder-Denkmal, ein Germaniabrunnen und das Brunnenbuberl, das sich seinerzeit noch in der Anlage in der Sonnenstraße befindet.

Auf der zweiten Liste stehen Werke die nach dem Krieg wieder rekonstruiert werden sollen. Dazu zählt unter anderem das Maxmonument, Standbilder von Schiller und Goethe und der Wolfsbrunnen am Kosttor. Die nur wenig verbleibende Zeit bis zur Revolution rettet die Bronzeplastiken und macht sie zu den Gewinnern der Revolution und der neu entstandenen Demokratie. 

9. November 1918

München-Graggenau * Der neue Ministerrat unter Kurt Eisner lässt die Residenz vor möglichen Plünderungen durch Wachen sichern. 

17. November 1918

München-Graggenau * Im Nationaltheater wird eine Revolutionsfeier abgehalten. „Keine festliche Auffahrt, keine rauschenden Toiletten, keine blinkenden Ordenssterne und Diademe. Die Karten waren durch das Los verteilt worden, so dass das äußerliche Bild ganz anders war als bei den Festaufführungen der Vergangenheit.“

Kurt Eisner spricht erstmals seit der Revolution wieder in der Öffentlichkeit. Zum Abschluss singen die Zuhörer Kurt Eisners „Hymne an die Revolution“ und bringen danach Hochrufe auf die „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, auf Eisner und die soziale Republik“ aus. 

Kurt Eisner ist mit einem schwarzen Gehrock gekleidet. Seine Haare sind ordentlich geschnitten und frisiert. Er spricht von der Revolution wie von einer heiligen Reliquie. Für ihn war es die Revolution, die „die Idee, das Ideal und die Wirklichkeit vereint. „Da wir eine neue Form der Demokratie suchen“, müssen die Fehler und die Schuld der Vergangenheit zugegeben werden. „Vergessen wir, was war, und vertrauen wir dem, was wird.“

20. November 1918

München * Der Königliche Obersthofmeisterstab wird in die Verwaltung des ehemaligen Kronguts umgewandelt. Aus dieser wird 1932 die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. 

2. Dezember 1918

München * Die ehemalige Leibgarde wird in Staatliche Bewachungstruppe umbenannt.


1919

1. April 1919

München-Graggenau * Hermine Körner übernimmt die Leitung des Münchner Schauspielhauses

1. Juni 1919

München-Oberwiesenfeld * Vom Münchner Flugplatz am Oberwiesenfeld bricht Hermine Körner, die neue Intendantin des Münchner Schauspielhauses, mit zwei Kollegen zu einem Gastspiel nach Augsburg auf. 


1920

1920

München-Graggenau * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast übernimmt gemeinsam mit seiner Frau das „Hofgarten-Café“

1920

München-Graggenau * Die Münchner „Residenz“ wird als „Residenzmuseum“ der Allgemeinheit für Besichtigungen zugänglich gemacht. 


1921

26. August 1921

Bad Griesbach im Schwarzwald * Der ehemalige Reichsminister der Finanzen, Matthias Erzberger, wird in Bad Griesbach im Schwarzwald ermordet. Die Attentäter sind Heinrich Tillessen und Heinrich Schütz, die der rechten Organisation Consul, dem Freikorps Oberland und dem Germanenorden angehören. Den Auftrag zu diesem politischen Fememord gab ihnen der Kapitänleutnant Manfred von Killinger im Monat des Anschlags. 


1924

1924

München-Graggenau * Der 62 Meter lange, 33 Meter breite und acht Meter hohe „Wintergarten“ Königs Max II. - zwischen dem „Königsbau“ der „Residenz“, dem „Cuvilliés-Theater“ und dem „Nationaltheater“ - wird abgerissen. 


1927

1927

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die „Moriskentänzer“ von Erasmus Grasser aus dem „Alten Rathaus“ kommen in das „Stadtmuseum“.


1928

1928

München-Graggenau * Die „Moriskentanzfiguren“ von Erasmus Grasser aus dem „Festsaal des Alten Rathauses“ werden abgenommen und durch Kopien ersetzt. 

Die Originale werden im „Bayerischen Nationalmuseum“ zunächst untersucht, restauriert und anschließend ausgestellt.
Bei der Restaurierung bleibt eine Figur umgefasst, um so die charakteristische Schnitzarbeit Erasmus Grassers darstellen zu können. 


1931

April 1931

München-Angerviertel * Nach einer vierjährigen Umbauphase wird das „Münchner Stadtmuseum“ wiedereröffnet. 

Die Hauptattraktion sind die „Moriskentänzer“ von Erasmus Grasser aus dem „Festsaal des Alten Rathauses“


1933

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.

9. März 1933

München-Graggenau * Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in Bayern.

Max Amann hisst die „Hakenkreuzfahne“ am Münchner Rathaus.
Nun beginnt die systematische Ausschaltung ihrer politischen Gegner.

19. März 1933

München-Graggenau * Liesl Karlstadt steht in den „Kammerspielen“ für Therese Giehse auf der Bühne, weil diese - aufgrund ihrer jüdischen Abstammung - in die Schweiz emigrieren musste.

1. April 1933

Berlin * Die NSDAP ruft zum reichsweiten „Judenboykott“ auf.

Über 600 jüdische Firmen in München werden boykottiert, „zum Schutz der Inhaber und zur Belehrung des Publikums durch Posten gesichert und durch Plakatierung gekennzeichnet“

Der reichsweite „Boykott jüdischer Geschäfte“ dauert bis zum 3. April an.

Seit etwa 6. April 1933

Berlin * Die „Deutsche Studentenschaft“, der Dachverband der „Allgemeinen Studentenausschüsse“, wirbt bei den Studenten der einzelnen Hochschulen per Rundschreiben zur Mitarbeit an einer vierwöchigen Aktion „gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewusstes Denken und Fühlen im deutschen Schrifttum“


1934

1934

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ wird zugunsten des „Winterhilfswerkes“ noch einmal aufgeführt und ein dreijähriger Turnus beschlossen. 

Der Brauch schläft aber systembedingt bald darauf ein.


1937

1937

München-Graggenau * Der umfangreiche „Amtliche Führer Residenz München“ erscheint.  

Er beinhaltet die Baugeschichte und die ausführliche Beschreibung der zu besichtigenden Räume.  
Der Führer dokumentiert ein letztes Mal das Erscheinungsbild der „Residenz“ vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. 

8. November 1937

München-Isarvorstadt * Im Bibliotheksbau des Deutschen Museums wird die Ausstellung „Der ewige Jude“ eröffnet. Sie hilft die folgenden antisemitischen Pogrome vorzubereiten.


1938

27. Oktober 1938

Deutschland - Polen * Das Deutsche Reich lässt 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhaften und an die polnische Grenze transportieren. Da der polnische Staat zunächst die Einreise seiner Staatsbürger verweigert, vegetieren die Menschen im Grenzgebiet in der Zwischenzeit dahin.

Unter den 17.000 befinden sich auch die Eltern des Herschel Gryspan, der wenige Tage später - wegen homosexueller Beziehungen - den Legationssekretär Ernst vom Rath an der Deutschen Botschaft in Paris schwer verletzen wird.

7. November 1938

Paris * In den Morgenstunden dieses Tages verletzt der 17-jährige Herschel Grynspan in Paris den an der Deutschen Botschaft beschäftigten Ernst vom Rath mit fünf Kugeln schwer.

8. November 1938

München * Die nationalsozialistische Propaganda stilisiert Herschel Gryspans Bluttat zum politisch motivierten Mordanschlag aus Hass an den Deutschen hoch. Die Münchner Neuesten Nachrichten schreiben:

„Wenn die internationale Judenschaft glaubt, mit Meuchelmorden das Judenproblem in Deutschland lösen zu können, dann nimmt Deutschland diese Herausforderung an und wird nicht zögern, sie so zu beantworten, wie sie Elementen gegenüber notwendig ist, die den Mord aus dem Hinterhalt als politische Waffe betrachten.“

9. November 1938

München-Graggenau * Im Alten Rathaus treffen sich Hitler, Goebbels, Göring, Himmler und der Rest der NSDAP-Führungselite zu einem „geselligen Beisammensein“, als die Nachricht vom Tode des deutschen Legationssekretärs Ernst vom Rath eintrifft.

Da der Täter jüdischer Abstammung ist, liefert Raths Tod den Vorwand für eine groß angelegte jüdische Kampagne, die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingehen wird.

9. November 1938

München-Graggenau * Nach Bekanntwerden des Todes von Ernst vom Rath hält Reichspropagandaminister Joseph Goebbels umgehend eine antisemitische Hasstirade in der er zur Rache und zur Vergeltung am Weltjudentum aufruft.

Die Nationalsozialisten sind bestens vorbereitet, denn noch kurz vor Mitternacht ergeht ein Fernschreiben an alle deutschen Polizeistellen. Darin heißt es:

  • „Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden.
  • Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen.
  • Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20.000 bis 30.000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden.“

Der SS-Gruppenführer und Chef der Sicherheitspolizei, Reinhard Heydrich, präzisiert die Befehle in einem weiteren Fernschreiben.

  • Dort ist zu lesen, dass die Polizei und die Dienststellen der NSDAP gemeinsam die Demonstrationen leiten sollen.
  • Und: „Es dürfen nur solche Maßnahmen getroffen werden, die eine Gefährdung deutschen Lebens oder Eigentums nicht mit sich bringen. Zum Beispiel Synagogenbrände nur, wenn keine Brandgefahr für die Umgebung ist“.

Durch ein im Jahr 1937 angefertigtes Verzeichnis der Münchner jüdischen Gewerbebetriebe wissen die NS-Parteiorgane und Schlägertrupps genau wo sie zuschlagen und so die „verbrecherische Tat des jüdischen Mordbuben“ rächen müssen.

9. November 1938

München * Noch in der Nacht finden - unter passiver Anteilnahme sehr vieler Schaulustiger - die seit längerer Zeit geplanten Ausschreitungen gegen die Juden statt.

  • In München werden ein Jude ermordet sowie 900 Menschen verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht.
  • Rund 700 Geschäfte und Betriebe werden demoliert und die Synagogen in der Herzog-Rudolf-Straße und in der Reichenbachstraße zerstört.
  • Die Münchner Hauptsynagoge war bereits im Juni 1938 abgerissen worden.

Die Bilanz dieser später auch noch beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten Juden-Pogrome bedeutet für Deutschland:

  • 91 Ermordete, zahllose Verletzte, Misshandelte und Vergewaltigte,
  • 191 zerstörte Synagogen,
  • 7.500 zerstörte und ausgeraubte Geschäfte,
  • Verwüstung unzähliger Wohnungen und
  • fast aller jüdischer Friedhöfe,
  • rund 30.000 Einlieferungen in Konzentrationslager.

Die reichsweit organisierten antijüdischen Ausschreitungen dauern auch noch am 10. November an.

10. November 1938

Berlin * Propagandaminister Joseph Goebbels erlässt einen „Aufruf an Alle!“. Er lautet:

  • „Die berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord an einem deutschen Diplomaten in Paris hat sich in der vergangenen Nacht in umfangreichem Maße Luft verschafft.
  • In zahlreichen Städten und Orten wurden Vergeltungsaktionen gegen jüdische Gebäude und Geschäfte vorgenommen.
  • Es ergeht nunmehr an die gesamte Bevölkerung die strenge Aufforderung, von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofort abzusehen.
  • Die endgültige Antwort auf das jüdische Attentat in Paris wird auf dem Wege der Gesetzgebung beziehungsweise der Verordnung dem Judentum erteilt werden.“
12. November 1938

Berlin * Hermann Göring, der Beauftragte für den Vierjahresplan zur Kriegsvorbereitung, erlässt eine Sühneverordnung, die zur Finanzierung der Aufrüstung gedacht ist.

  • Die Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssen zusammen eine Milliarde Reichsmark wegen „ihrer feindlichen Haltung gegenüber dem deutschen Volk und Reich“ zahlen.
  • Weiterhin werden alle Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben ausgeschaltet.
  • Und schließlich gibt es die Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes.
  • Sie besagt: „Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.
  • Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen. Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt.“

In München wird eine eigene Arisierungsstelle in der Widenmayerstraße 27 eingerichtet, die die Enteignung und Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung durchführen soll.

18. November 1938

München * Innerhalb des isolierten jüdischen Lebensbereiches wird die Israelitische Kultusgemeinde gezwungen, die staatlichen Terror-Maßnahmen durchzusetzen und zu organisieren. So kündigt der Völkische Beobachter an:

„Die Israelitische Kultusgemeinde richtet im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen ab sofort eigene Verkaufsstellen ein, in denen die in München ansässigen Juden ihren notwendigen Bedarf decken können. Zutritt zu diesen Verkaufsstellen haben nur Juden.“


1939

1939

München-Graggenau * Nachdem bekannt wurde, dass der verstorbene Geschäftsmann Karl Rosipal, der „Stifter des Glockenspiels“ am Neuen Rathaus, „nicht ganz arischer Herkunft“ war, schreckt der antisemitische Oberbürgermeister Fiehler nicht davor zurück, die „Stiftung“ rückgängig zu machen und die gestiftete Summe den Erben zurückzuzahlen.

8. November 1939

München-Haidhausen * Die von Georg Elser im Bürgerbräukeller installierte Bombe explodiert zum vorgesehenen Zeitpunkt, doch Hitler verlässt die Veranstaltung der „Alten Kämpfer“ dreizehn Minuten zu früh.


1943

18. Dezember 1943

Dartford * Keith Richards, Gitarrist und Songwriter der Rolling Stones, wird in Dartford in der Grafschaft Kent in England, geboren. 


1944

7. Januar 1944

München-Graggenau * Der Fischbrunnen auf dem Marienplatz wird in der Bombennacht weitgehend zerstört.

15. April 1944

München-Graggenau * Die „Residenzpost“ wird - mit Ausnahme von Klenzes Bogenhalle - bei Luftangriffen schwer beschädigt und brennt aus.

Nur die Fassade am Max-Joseph-Platz und die barocke Hausfront an der Residenzstraße bleiben erhalten. Das Innere, samt dem „schönsten Münchner Treppenhaus des Spätrokoko“ wird zerstört.

17. Dezember 1944

München-Graggenau * Durch Bomben wird der Tanz- und Festsaal des Alten Rathauses zerstört. 


1945

Bis 1945

München-Englischer Garten - Lehel * Der Zusammenfluss aller äußeren Stadtbäche wird - bis zur Kreuzung mit dem „Eisbach“ - als „Schwabinger Bach“ bezeichnet.
Dieser Bachabschnitt wird seither „Eisbach“ genannt. 
Er beginnt unter der Prinzregentenstraße mit der Vereinigung des „Stadtmühlbachs“ und des „Stadtsägmühlbachs“.

Genau umgekehrt ist es beim jetzigen „Schwabinger Bach“.
Er heißt bis 1945 „Eisbach“.
So heißt der Bachabschnitt ab der Galeriestraße nach dem Zusammenfluss von „Kögelmühlbach“ und „Kainzmühlbach“.

Ab der Kreuzung zwischen „Eisbach“ und „Schwabinger Bach“ besteht wieder die alte Namensgebung.

Mai 1945

München-Graggenau * Das „Neue Rathaus“ ist ein „Hauptsitz der amerikanischen Militärregierung“.

4. Mai 1945

München • Karl Scharnagel [CSU] wird von der amerikanischen Besatzungsmacht als Münchner Oberbürgermeister eingesetzt. 

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.

8. November 1945

München-Graggenau * Kardinal Michael von Faulhaber weiht die Mariensäule am Marienplatz neu ein. 


1946

1946

München * Paul von Hindenburg, Franz Ritter von Epp, Franz Xaver Schwarz, Adolf Hitler und Hermann Göring werden die „Münchner Ehrenbürgerwürde“ aberkannt.

6. Juni 1946

München-Graggenau * Der erste frei gewählte Münchner Stadtrat der Nachkriegszeit kommt im provisorisch eingerichteten Großen Sitzungssaal zusammen.


1948

30. Juni 1948

München • Die Amtszeit von Karl Scharnagel [CSU] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

1. Juli 1948

München • Thomas „Dammerl“ Wimmer [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister. 


1949

29. Oktober 1949

München * Auf Anregung der amerikanischen Besatzungsmacht findet der „Tag der freiwilligen Mitarbeit der Bürger“ für eine konzertierte Schutträumaktion statt. Unter Leitung des Münchner Oberbürgermeisters Thomas Wimmer sollen alle Schutthaufen, die bei den behördlich organisierten Räumungsaktionen bis dahin übersehen worden waren, entfernt werden.

Rund 7.000 Münchner helfen mit. Die Freiwilligen räumen etwa 15.000 Kubikmeter Schutt weg. Das liegt jedoch hinter der Leistung, die täglich von den Profis beseitigt werden. Die Aktion geht als „Rama Dama“ (wir räumen auf) in die Geschichte ein. 


1950

September 1950

München-Graggenau * Der Querbau im „Kaiserhof“ der Residenz, der für den „Königlichen Wintergarten“ Ludwigs II. erbaut worden war, wird abgerissen. 

1. November 1950

Vatikan * Der frühere päpstliche Nuntius in München, Eugenio Pacelli, verkündet als Papst Pius XII. das vierte und bisher letzte Marktnische Dogma. Es lautet: „Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.“


1952

1952

München-Graggenau * Karl Pilotys Monumentalgemälde „Monachia“ im „Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses“ wird wegen technischer Umbauarbeiten abgehängt und durch einen historischen Gobelin ersetzt.

Juli 1952

München-Graggenau * Der „Genießer-Brunnen“ im Hof der Burgstraße 5 geht in Betrieb.


1953

1953

München-Graggenau * Dieter Hildebrandt legt am Münchner „Residenztheater“ die Prüfung der Schauspieler-Genossenschaft ab. 


1954

1954

München-Graggenau * Die größte „Telefonvermittlungszentrale“ Deutschlands nimmt in der „Residenzpost“ den Betrieb auf.

11. Juli 1954

München-Graggenau * Der im Krieg schwer zerstörte Fischbrunnen wird unter Verwendung erhaltener Figuren neu gestaltet und wieder zum Fließen gebracht.


1956

Bis 1956

München-Graggenau * Nachdem die Ruine der „Residenzpost“ weitgehend abgetragen ist, lässt die „Oberpostdirektion“ bis zum Jahr 1956 einen modernen Neubau errichten, in den die restaurierte „Loggia“ am Max-Joseph-Platz integriert wird.

Das Portal an der Residenzstraße wird abgetragen und ins Innere der „Schalterhalle“ verlegt.
In die neue, langweilige Fassade in der Residenzstraße presst man noch ein drittes Stockwerk hinein.

Die „Schokoladenseite“ mit der „Kolonnade“ kann hingegen nach Klenzes Plänen relativ preiswert restauriert werden.


1957

1957

München-Graggenau * Von den „Moriskentänzern“ werden Kopien gefertigt und im „Alten Rathaus“ aufgestellt.


1958

18. Juni 1958

München-Maxvorstadt * „800 Jahre und 5 Tage nach der Gründung der Stadt München“ wird im Pavillon im Alten Botanischen Garten die „Karl-Valentingedächtnisausstellung“ eröffnet.

  • Gezeigt wird der Stummfilm „Der neue Schreibtisch“.  
  • Außerdem spielt Hannes König auf Karl Valentins Zither.  
  • Professor Carl Niessen, der im Jahr 1953 den Nachlass von Karl Valentin für das Institut Theaterwissenschaft der Universität Köln erworben hat, stellt Originale für die Ausstellung zur Verfügung. 

1959

Bis 1959

München * Die bis zum Jahr 1959 verkehrende „Poststraßenbahn“ bedient auch das „Postamt 1“.


1960

17. März 1960

München - Verona * Die Städtepartnerschaft zwischen dem oberitalienischen Verona und München wird gegründet.  

München erhält zwei „Julia-Statuen“.

Eine Figur steht - häufig blumengeschmückt und am Busen abgewetzt - am „Alten Rathaus“.  
Das andere Standbild befindet sich in Bogenhausen im „Shakespeare-Platz“

3. Mai 1960

München • Die Amtszeit von Thomas „Dammerl“ Wimmer [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

3. Mai 1960

München • Hans-Jochen Vogel [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister. 

29. Mai 1960

München-Maxvorstadt * Das Kavallerie-Denkmal vor dem Hauptstaatsarchiv wird enthüllt. Der Wehrmachtsgeneral a.D. Dietrich von Saucken lobt dabei die Eigenschaft der „Deutschen Soldatenpferde“ und die sich daraus ergebenden Charaktereigenschaften: „Fromm, willig und ausdauernd bis zum letzten Atemzug“, lautet seine Analyse.

Der Entwurf zu dem überlebensgroßen, ungesattelten Bronzepferd stammt von dem Bildhauer Bernhard Bleeker, der schon den toten Soldaten im Kriegerdenkmal im Hofgarten geschaffen hat. 


1961

1961

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die Turmschreiber vergeben im Turmstüberl des Valentin-Musäums erstmals ihren Poetentaler


1964

1964

München-Maxvorstadt * Friedrich Jahn übernimmt das „Hofgarten-Café Annast“.


1966

Ab 1966

München-Graggenau * Wegen des U-Bahn-Baus wird der „Fischbrunnen“ am Marienplatz abgetragen.


1967

1967

München-Graggenau - München-Angerviertel * Das „Valentin-Musäum“ vergibt den „Blödsinnstaler“.  

Prämiert wird der „größte Blödsinn des Jahres“

1967

München-Graggenau * Bedingt durch den Bau der U- und S-Bahn wird die „Mariensäule“ abgetragen, wobei der früher schon erneuerte Säulenschaft zerbricht.  

Sie wird durch eine Kopie in „Adneter Marmor“ ersetzt. 

1. Januar 1967

München * Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs werden alle vier Innenstadtbezirke zum Stadtbezirk 1 - Altstadt zusammengefasst.

15. September 1967

München-Graggenau * Der Zierbrunnen im Alten Hof wird wieder in Betrieb gesetzt.


1969

23. Februar 1969

München * Bei einem Brand der Baustelle im Tunnel der U-Bahn unter dem Marienplatz kommen drei Arbeiter ums Leben. 


1970

Februar 1970

Freising * Die „Freisinger Bischofskonferenz“ legt den Termin des Festes „Maria - Patronin Bayerns“ auf den 1. Mai fest.  

Er bildet so den Auftakt zum „Marienmonat“

8. Dezember 1970

München-Graggenau * Kardinal Julius Döpfner weiht die auf leicht verschobenem Standort wieder aufgerichtete Mariensäule ein. 


1971

1971

München-Graggenau * Der an das „Alte Rathaus“ anschließende Turm wird nach dem Aussehen von 1462 rekonstruiert. 

Im Turm befindet sich heute das „Spielzeugmuseum“

2. September 1971

München-Graggenau * Der Fischbrunnen am Marienplatz wird wieder als ganzjährig laufender Brunnen in Betrieb genommen.


1972

10. Juni 1972

München • Die Amtszeit von Hans-Jochen Vogel [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

11. Juni 1972

München • Georg Kronawitter [SPD] wird erstmals Münchner Oberbürgermeister. 


1977

1977

München-Graggenau * Die Fresken in der Bogenhalle der „Residenzpost“ werden durch Max Lacher erneuert.

Der inzwischen schadhafte „Klenze-Portikus“ wird in Zusammenarbeit mit dem „Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege“ unter Berücksichtigung von Befunduntersuchungen und unter Benutzung der farbigen Pläne Klenzes erneuert.


1978

4. März 1978

München • Die erste Amtszeit von Georg Kronawitter [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

5. März 1978

München • Erich Kiesl [CSU] wird Münchner Oberbürgermeister. 


1980

23. September 1980

München-Graggenau • Der Kanzlerkandidat der CDU/CSU, Franz Josef Strauß, will vor seiner Rede auf dem Marienplatz von der Polizei Demonstranten entfernen lassen, die auf Transparenten Stoppt Strauß fordern und durch Sprechchöre auf sich aufmerksam machen.

Da der Einsatzleiter dazu keine rechtliche Grundlage sieht, wird auf der Stelle von Strauß (jetzt in seiner Eigenschaft als bayerischer Ministerpräsident) abgesetzt. Die Demonstranten sehen sich kurz darauf von einem großen Polizeiaufgebot umzingelt. 


1983

1983

München * Der „Turmschreiber-Kalender“ erscheint jährlich. 


1984

1984

München-Graggenau * Die Madonna auf der „Mariensäule“ ist nun „ölvergoldet“ und damit hochglänzend. 

17. März 1984

München • Die Amtszeit von Erich Kiesl [CSU] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

18. März 1984

München • Georg Kronawitter [SPD] wird erneut Münchner Oberbürgermeister. 


1986

Um den August 1986

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul II. bekräftigt die Existenz des Satans.

„Hexenangst“ ist aber beileibe keine rein katholische Angelegenheit.
„Hexenglauben“ findet sich auch unter Protestanten.
Vor allem pietistisch geprägte Richtungen innerhalb der protestantischen Konfession bejahen eine angstbesetzte Vorstellung vom „Teufel“


1991

Seit dem Jahr 1991

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die seit dem Jahr 1991 in den Werkstätten des „Bayerischen Landesamtes­ für Denkmalpflege“ restaurierten „Heldenputti“ werden zwischen 1994 und 1998 durch Abgüsse ersetzt.  

Die Originale befinden sich seither im Münchner „Stadtmuseum“


1992

??? 1992

München-Graggenau * Mit dem Bau der „Bayerischen Staatskanzlei“ wird der „Kögelmühlbach“ wiederbelebt.

24. April 1992

München * Die Münchner Abendzeitung meldet, dass 16 Prozent der erwachsenen Bundesbürger an die reale Existenz von Hexen glauben. Bayern steht mit der höchsten Zahl von Hexengläubigen an der Spitze. 

1. September 1992

München-Graggenau - München-Angervierteil - München Kreuzvierzel - München-Hackenviertel - München-Lehel * Der Stadtbezirk 1 - Altstadt wird mit dem Stadtbezirk 13 - Lehel zum neuen 1. Stadtbezirk - Altstadt-Lehel vereinigt.


1993

1993

München * Der „Turmschreiber-Verlag“ wird gegründet. 

1993

München-Lehel - München-Graggenau * Umzug der „Bayerischen Staatskanzlei“ von der Prinzregentenstraße 9 in die Gebäude am „Hofgarten“.

Die „Bayerische Staatskanzlei“ ist mit 8.800 qm wesentlich größer als das „Weiße Haus“ in Washington (4.800 qm).

30. Juni 1993

München • Die zweite Amtszeit von Georg Kronawitter [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

12. September 1993

München • Christian Ude [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister. 


1994

1994

München-Graggenau - München-Angerviertel * Im Valentin-Musäum wird wieder einmal der Blödsinnstaler für den größten Blödsinn des Jahres vergeben. Es ist der „Gebissersatz Marke Seehofer“ - ein Fleischwolf, der die Speisen so zerkleinert, dass sie auch ohne Zähne verspeist werden können. 

1994

München-Graggenau * Die Fassade der „Residenzpost“ am Max-Joseph-Platz wird renoviert.


1995

Um 1995

München-Graggenau * Nach der Privatisierung der „Deutschen Bundespost“ in den 1990er-Jahren wird das „Postamt 1“ Eigentum der „Deutschen Telekom AG“.

Nachdem man die Telefontechnik in einer neuen und platzsparenden Variante in einem Neubau in der Seitzstraße untergebracht hat, verkauft die „Deutsche Telekom Immobilien“ das wohl wertvollste Grundstück Münchens an einen Investor.

23. September 1995

München-Graggenau • Bei der an der Feldherrnhalle stattfindenden Demonstration gegen das Karlsruher Kruzifix-Urteil unterzieht sich Kardinal Friedrich Wetter nicht der Mühe, die Debatte zu versachlichen. Im Gegenteil, er heizt die emotional eh schon aufgeheizte Stimmung gegen das vermeintliche Karlsruher Intoleranzedikt noch an. 


1997

24. Februar 1997

München-Graggenau * In der Rathaus-Galerie wird die „Wehrmachtsausstellung“ eröffnet. 90.000 Münchnerinnen und Münchner werden die Ausstellung besuchen.

Peter Gauweiler, der Münchner CSU-Vorsitzende, verschickt an alle Münchner Haushalte einen Brief, in dem er schreibt: „Den Ausstellern wird vorgeworfen, dass sie deutsche Soldaten [...] generell herabwürdigen und faktisch auf eine Stufe mit Kriegsverbrechern stellen.
[...] Eine pauschale Verurteilung ist ein Schlag von Millionen Familien, die im Krieg ihren Vater, Bruder, Sohn oder Ehemann verloren haben und eine späte absichtsvolle Demütigung zahlloser Männer, die ehrenhaft gekämpft hatten.“
  

Statt an der Eröffnungsfeier der „Wehrmachtsausstellung“ teilzunehmen, legt Peter Gauweiler mit Gleichgesinnten am Grabmal des Unbekannten Soldaten im Hofgarten einen Kranz nieder. 


1998

8. November 1998

München-Graggenau * Oberbürgermeister Christian Ude enthüllt anlässlich des 60. Jahrestages des Pogroms im Alten Rathaus eine Gedenktafel zur Erinnerung an die „Reichskristallnacht“.


1999

1999

München-Graggenau - München-Angerviertel * Umbenennung des „Valentin-Musäums“ in „Valentin-Karlstadt-Musäum“.

1999

München * Die „CSU-Stadtratsfraktion“ fordert die Errichtung eines Denkmals für die „Wiederaufbau-Generation“ in München. 


2001

Ab September 2001

München-Graggenau * Die „Residenzpost“ wird noch einmal umfassend renoviert.


2004

20. September 2004

München-Graggenau * Carl von Pilotys Monumentalgemälde „Allegorie Monachia“ im Großen Rathaussaal wird wieder eingeweiht. Das überdimensionierte Bild entstand 1879 und misst 15,30 mal 4,60 Meter. Es zeigt 128 Personen der Münchner Stadtgeschichte, unter deutlicher Vernachlässigung des Wittelsbacher Herrscherhauses. Das Bild ruhte viele Jahre im Depot. 


2005

2005

München-Graggenau * Während der Restaurierung des „Cuvilliès-Theaters“ ergießen sich aus einem alten Rohr ganze Fluten in das Theater. 

2005

München-Graggenau * Die „Residenzpost“ schließt für immer und verlegt den Betrieb in den „Alten Hof“.

14. Januar 2005

München * Rudolph Mooshammer wird von dem irakischen Stricher Herish A. im Streit um den Liebeslohn erdrosselt.

Oktober 2005

München-Graggenau * Eine Bietergemeinschaft bestehend aus der „Accumulata Immobilien Development“ und der „LBBW-Immobilien“, einer Tochter der „Landesbank Baden-Württemberg“, erwirbt die ehemalige „Residenzpost“.

Die beiden Firmen haben ambitionierte Pläne für das Gebäude und wollen auf dem rund 4.300 Quadratmeter großen Grundstück ein „Luxushotel der Extraklasse“ entstehen lassen, mit 160 bis 190 Zimmer, passend zur exklusiven Lage. 300 bis 390 Millionen Euro soll das Projekt kosten.
Im Gebäude können neben den „Hotelzimmern“ und „Suiten“, „Konferenzräume“, ein „Ballsaal“, ein „Wellnessbereich“ und edle „Boutiquen“ Platz finden.

Während die Verhandlungen mit möglichen Investoren geführt werden, beantragen die Eigentümer eine „alternative Nutzung“.
Diese ist ein Mix aus Gastronomie und Geschäften.

So findet sich hier die Diskothek „8seasons“, der „Feinkosthändler Käfer“, das „Café L’Opera“ und andere mehr, darunter auch der Schuhhersteller „Ed. Meier“.


2006

24. April 2006

Würzburg * Die Deutsche Bischofskonferenz stellt in einer Erklärung fest, dass der Austritt aus der katholischen Kirche den Tatbestand des Schismas darstellt und die Strafe der Exkommunikation nach sich zieht. 


2007

??? 2007

München-Graggenau * Der „Ältestenrat“ beschäftigt sich abschließend mit der Erstellung eines „Trümmerfrauen-Denkmals“ und befindet, dass es den Begriff der „Trümmerfrauen“ in München nie gegeben hat. 

Einzig die CSU äußert sich positiv zum neuen Denkmal. 

Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid sieht die Argumente gegen ein Denkmal als nicht schwerwiegend genug an: „Natürlich wollen wir keine Nationalsozialisten ehren“, so Schmid. „Doch es gibt keine Kollektivschuld des deutschen Volkes, und die Aufbauarbeit der Zivilbevölkerung muss gewürdigt werden“.  

22. November 2007

München-Graggenau * Die Volkssänger-Ausstellung im Nordturm des Valentin-Karlstadt-Musäums wird eröffnet. 


2008

24. Juli 2008

München-Graggenau * Mit einem Festakt im Innenhof des Isartors wird das völlig neu gestaltete Valentin-Karlstadt-Musäum eröffnet. 


2009

2009

München-Graggenau * 8.000 Liter Wasser ergießen sich nach einer Vorstellung im „Cuvilliès-Theater“ über Beleuchtungskörper, die Tonanlage und die Bühnenmaschinerie sowie die elektronischen Schaltschränke. 

Januar 2009

München-Graggenau * Das „Café L’Opera“ muss seine Räume in der „Residenzpost“ aufgeben.

Gleiches passiert dem „Feinkosthändler Käfer“ im Februar.

Februar 2009

München-Graggenau * Weil sich für das angestrebte „Luxushotel“ in der ehemaligen „Residenzpost“ zwar namhafte Betreiber, aber immer noch keine Investoren haben finden lassen, entscheiden sich die „Accumulata Immobilien Development“ und die „LBBW Immobilien“ für einen „zweiten Weg“, auch wenn noch weitere Gespräche in Richtung „Luxushotel der Extraklasse“ geführt werden.

Die Eigentümer haben in der Zwischenzeit einen „Bauantrag“ eingereicht, der Wohnungen, Büros, Geschäfte und schicke Bars vorsieht.
Einfach der berühmte „Münchner Mix“, der immer dann entsteht, wenn eine teuere Immobilie in bester Lage auf den Markt kommt.

8. November 2009

München-Graggenau * Nach Protesten aus der Bevölkerung wird eine Kopie der Gedenktafel an die Reichskristallnacht neben dem Eingang des Alten Rathauses angebracht und enthüllt.


2012

15. Mai 2012

München-Graggenau - München-Angerviertel * Im Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums gründet sich der „Valentin-Karlstadt-Förderverein e.V. * SAUBANDE“. Seine Aufgaben sieht er in der „Wahrung, Stärkung und Verbreitung des Ansehens und des Wissens über Karl Valentin, Liesl Karlstadt und den Münchner Volkssängern“.


2013

7. Februar 2013

Mount Hagen * In Mount Hagen in Papua Neu-Guinea wird die zwanzigjährige Leniata Kepari bei lebendigem Leib als „Hexe“ verbrannt.  

Die junge Frau soll einen Knaben verhext haben.  
Der Sechsjährige hat zuvor über Schmerzen in Magen und Brust geklagt und ist daraufhin in das Krankenhaus gebracht worden.  
Am nächsten Tag stirbt er.  

Die Männer ziehen die mutmaßliche „Hexe“ aus, foltern sie mit einer erhitzten Eisenstange, fesseln sie und übergießen sie mit Benzin.  
Danach wird Kepari Leniata ins Feuer geworfen.  

Sie verbrennt bei lebendigem Leib.  
Bilder zeigen sie unter einem brennenden Lkw-Reifen, der offenbar noch auf sie geschmissen wurde.
Sie selbst ist Mutter eines acht Monate alten Mädchens.  

Polizisten und Feuerwehrleute schreiten nicht ein.  
Angeblich lässt die Meute ihr Einschreiten nicht zu. 

8. Mai 2013

München-Graggenau * Am Marstallplatz wird ein schulterhoher Gedenkstein für die „Trümmerfrauen und der Aufbaugeneration“ aufgestellt. Das Denkmal ist stark umstritten, weil nach den Recherchen des Stadtarchivs der klassische Trümmerfrauen-Mythos in München nicht zu halten ist.

Nachdem die Stadt die Anträge auf Errichtung eines „Trümmerfrauen-Denkmals“ mehrfach abgelehnt hat, wendet sich der der CSU nahestehende Verein „Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere der Trümmerfrauen e.V.“ an den CSU-geführten Freistaat Bayern, der ein Plätzchen zur Verfügung stellt. 

30. Juni 2013

München-Graggenau * Die Confiserie Rottenhöfer Café Hag in der Residenzstraße 26 schließt seine Pforten. 

September 2013

München-Graggenau * Die Stadt München kauft nach 18 Jahren das von dem Künstler Bruno Wank geschaffene Werk „Argumente“ zu einem „aus Datenschutzgründen“ nicht genannten Preis. 

Die Kunstinstallation aus Bronzesteinen erinnert in der Viscardigasse an jene Münchner, die zwischen 1933 und 1945 den „Hitlergruß“ vor der „Feldherrnhalle“ nicht leisten wollten und deshalb über die Viscardigasse ausgewichen sind. 

4. Dezember 2013

München-Graggenau * Die GRÜNEN-Landtagsabgeordneten Katharina Schulze und Sepp Dürr stülpen über den im Mai aufgestellten „Gedenkstein für die Trümmerfrauen und die Aufbaugeneration" am Marstallplatz einen brauen Sack. Dieser trägt die Aufschrift:

„Den richtigen ein Denkmal. Nicht den Alt-Nazis.  
Gegen Spaenles Geschichtsklitterung.“
 

Die Begründung:  Er vermittelt „ein falsches Bild von den Aufräumarbeiten in der Stadt. Mehr als 90 Prozent der Männer und Frauen, die später zu Trümmerfrauen stilisiert wurden, waren zwangsverpflichtete Alt-Nazis, die um ihre Essensmarken bangten“


2014

12. Februar 2014

München-Graggenau * Vermutlich die Pink Panthers, die erfolgreichste Diebesbande der Welt, überfällt gegen 11 Uhr das Juweliergeschäft Chopard in der Maximilianstraße 11. Der Überfall dauert nur Sekunden. Die Räuber zertrümmern mit einer Stoff umwickelten Axt die versperrte Eingangstüre, bedrohen den Sicherheitsmann mit einem Schraubenzieher, schlagen vier Vitrinen ein und erbeuten hauptsächlich Uhren und Schmuck von noch unbekanntem Wert. Anschließend flüchten die fünf Männer zu Fuß in verschiedene Richtungen.

Die Räuber haben aber nicht mit den Münchnern gerechnet, die sofort die Verfolgung aufnehmen und über ständigem Handy-Kontakt mit der Einsatzzentrale der Polizei kommunizieren. Nur knapp 20 Minuten später werden vier Jugendliche in der Nähe des Viktualienmarktes festgenommen. Dem fünften Täter gelingt scheinbar die Flucht. Die Polizei nimmt zusätzlich zwei Serben fest. 

Die Räuber sind noch halbe Kinder: ein 14-jähriger Ukrainer und drei 15 und 16 Jahre alte Moldawier, dazu die 27 und 32 Jahre alten Serben. Ob die Tat wirklich den Pink Panthers zugeordnet werden kann, ist unter den gegebenen Umständen fraglich. 

30. April 2014

München-Graggenau * Oberbürgermeister Christian Ude verabschiedet sich an seinem letzten Arbeitstag auf dem Marienplatz von den Münchnerinnen und Münchnern. 

1. Juli 2014

München-Graggenau * Die Süddeutsche Zeitung berichtet über einen sensationellen Fund im Apothekenhof der Münchner Residenz. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um das fast unversehrte Grab einer 40- bis 60-jährigen Frau, die nach ihrem Tod an anderer Stelle verbrannt und im späteren Apothekenhof beigesetzt wurde.  

Die Archäologen fanden einen stattlichen Scherbenhaufen an Feinkeramik, die zum Teil kunstvoll mit in den Ton geritzten Schraffuren, Bändern und Zickzack-Mustern. Auch verschiedene Bronzeutensilien haben die Forscher entdeckt, darunter zwei Vasenknopfnadeln. Die Ur-Münchnerin hat vor mehr als 3.000 Jahren in der späten Bronzezeit (1350 bis 1200 vor Christi) nahe der Isar und ihren Seitenarmen gelebt. Nach der wissenschaftlichen Auswertung sollen die schönsten Fundstücke in der Residenz ausgestellt werden. 


2015

16. Dezember 2015

München-Graggenau * Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder eröffnet im Vierschäftesaal der Münchner Residenz eine zeitlich befristete Ausstellung von Bronzeskulpturen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um Bronze-Skulpturen, die durch Kopien ersetzt und danach aufwändig restauriert worden sind. 

Die Ausstellung ist bis zum 14. Februar 2016 für die Öffentlichkeit zu besichtigen. Danach können die Werke im Bronzesaal nur noch geladene Gäste und Teilnehmer gelegentlich stattfindender öffentlicher Führungen erleben.  


2016

15. Februar 2016

München-Graggenau * Die zeitlich befristete Ausstellung von Bronzeskulpturen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert im Vierschäftesaal der Münchner Residenz wird wieder geschlossen. Nun können die Werke im Bronzesaal nur noch geladene Gäste und Teilnehmer gelegentlich stattfindender öffentlicher Führungen erlebt werden. 


2017

5. April 2017

München-Graggenau * Am „Marienhof“ werden mit dem offiziellen Spatenstich die Bauarbeiten für die „Zweite Stammstrecke“ begonnen.

26. Juli 2017

München-Graggenau * Der Stadtrat beschließt in seiner Vollversammlung, dass das Valentin-Karlstadt-Musäum zum 1. Januar 2018 ein städtischer Betrieb wird. Damit kommt das Valentin-Karlstadt-Musäum dorthin, wo es eigentlich schon immer hingehört - in die Hände der Münchner Stadtgesellschaft. 

16. Dezember 2017

München-Kreuzviertel * Kardinal Rainhard Marx leitet mit einem Gottesdienst in der Frauenkirche das Seligsprechungsverfahren für Dr. Fritz Gerlich und Romano Guardini ein. 


2018

1. Januar 2018

München-Graggenau - München-Angerviertel * Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist ein städtischer Betrieb. Bis dahin war das „Musäum“ ein privat betriebenes Museum, das seinen Betrieb bis 2016 ausschließlich selbst erwirtschaften musste. 

13. März 2018

München-Graggenau * Im Münchner Rathaus findet erstmals eine Gedenkveranstaltung an die Deportation der Münchner Sinti und Roma statt. 

5. Juli 2018

München-Graggenau * Der Kulturausschuss des Münchner Stadtrats beschließt die Einführung eines jährlichen Gedenktages für die von den Nazis deportierten und ermordeten Sinti und Roma. 


2019

18. Dezember 2019

München-Graggenau * Der Münchner Stadtrat beschließt den Klimanotstand und will schon bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. 


2020

26. Juli 2020

München * Der Münchner Alt-Oberbürgermeister und spätere Bau- und Justizminister sowie SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel stirbt im Alter von 94 Jahren in München.