2017-02-23 1859 - Kreis-Irrenanstalt für Oberbayern, Nervenkrankenhaus, Musteranstalt, Gesindeordnung, Pflegequote, Altersversorgung, Urlaubsregelung, Arbeitszeit, Pflegekräfte - Gudden Bernhard von Dr. Psychiater in München-Geschichte


21. November 1859

Die „Kreisirrenanstalt” in der Hochau wird eröffnet.

Au * Die „Kreisirrenanstalt für Oberbayern“ wird eröffnet.  

Das neue Nervenkrankenhauses liegt bei ihrer Errichtung in einem völlig unbebauten Gebiet zwischen der Rosenheimer- und der Auerfeldstraße.  

Unter der Leitung des „Obermedizinalrats“ Dr. Bernhard von Gudden gilt die Einrichtung als „Musteranstalt“.

  • Der quadratische Gebäudekomplex hat vier Höfe.  
  • Die Länge der Flügelbauten betragen hundert Meter.  
  • Im Südflügel sind die Verwaltungsräume, in der Mittelachse die Küche,  
  • die Anstaltskapelle mit Werkstätten ist im Erdgeschoss,  
  • ebenso eine Turnhalle mit dem zentralen Bad und den Beschäftigungsräumen.  

In den beiden südlichen, nur auf drei Seiten geschlossenen Höfen sind die „ruhigen Irren“,  
in den beiden nördlichen geschlossenen Höfen die „unruhigen Kranken“ untergebracht.  

Die Zimmer der „ruhigen“ Patienten liegen außen.  
Die Räume der „unruhigen“ Kranken sind genau umgekehrt angeordnet.  

Nur die Fenster und Türen im Erdgeschoss haben Gitter und da sie die Form der rundbogigen Fenster aufnehmen, bleiben sie relativ unauffällig.  

Die Anlage um die vier Höfe entspricht den zeitgemäßen Forderungen nach Trennung der Patienten nach Geschlechtern und der Schwere ihrer Erkrankung.  
Eine Trennung nach Klassen ist nicht vorgesehen.  

Die Beschäftigten der „Kreisirrenanstalt“ finden allerdings keine mustergültigen Arbeitsbedingungen vor.  
Das Pflegepersonal untersteht der „Gesindeordnung“.  

Es gibt weder eine Pflegequote, noch Urlaubsregelungen oder eine Altersversorgung für die Pflegekräfte.  
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt einhundert Stunden und mehr.  
Der Dienst beginnt um 5.00 Uhr und endet um 21.00 Uhr.  
Selbst verheiratete Pfleger müssen in der Anstalt schlafen und dürfen nur einen Nachmittag pro Woche bei ihren Familien verbringen.  

Durch das rapide Bevölkerungswachstum der Stadt - München wächst vom Jahr 1854 von 100.000 Einwohnern auf fast 500.000 im Jahr 1900 - kommt es in der „Kreis-Irrenanstalt“ zu einer über fünfzigprozentigen Überbelegung und wird unter diesen Umständen den Bedürfnissen nicht mehr gerecht. 


1859

Suchbegriffe

Kreis-Irrenanstalt für Oberbayern, Nervenkrankenhaus, Musteranstalt, Gesindeordnung, Pflegequote, Altersversorgung, Urlaubsregelung, Arbeitszeit, Pflegekräfte,

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Gudden Bernhard von Dr. Psychiater

Weitere Ereignisse im Jahr 1859

1859

Geiselhöring * Ab dem „Verkehrsknotenpunkt Geiselhöring“ wird auf zwei Strecken die „Ostbahn“ weitergebaut.
Die eine Strecke führte nach Passau, die andere nach Regensburg, Amberg und Nürnberg.
Mit einem Aufgebot von bis zu 17.000 Arbeiterinnen und Arbeitern wird das 453 Kilometer umfassende Grundnetz der „Bayerischen Ostbahnen“ fertiggestellt werden.

Paul Camille von Denis schafft das in einer fünfeinhalbjährigen Bauzeit.

Der „Direktor der Ostbahngesellschaft“ unterschreitet damit nicht nur die zeitliche Vorgabe der staatlichen „Eisenbahn-Commission“, die dafür eine Bauzeit von sieben Jahren vorgesehen hatte,  sondern auch die Baukosten gegenüber dem Voranschlag von 46,5 Millionen Gulden um 12,8 Millionen Gulden.
Das sind nahezu dreißig Prozent.

Damit ist Paul Camille von Denis, dem „Altmeister des Eisenbahnbaus“, die allgemeine Anerkennung sicher.

In Zeitungsartikeln halten sich die Zeitgenossen mit ihrer Bewunderung für diese Leistung nicht zurück:
„Der Erfahrungssatz, der leider bei uns in Deutschland viel zu wenig bekannt oder anerkannt scheint - ‚Zeit ist Geld‘ -, spricht sich in allen Anordnungen der Ostbahn-Direction aus“

1859

Graggenau * In der „Tuchfabrik“ des Johann Nepomuk Roeckenschutz an der Wurzerstraße bricht ein Feuer aus, „bei dem sich die Münchner Löschverhältnisse in aller Jämmerlichkeit“ zeigen.

1859

Haidhausen * Johann Georg Landes gründet die „J. G. Landes Maschinen- und Kesselfabrik, Eisen- und Metallgießerei“.

Die Firma stellt Erzeugnisse des Maschinenbaues her und spezialisiert sich später auf Wasserturbinen, Schleusen- und Wehranlagen. Das Unternehmen ist bis zum Zweiten Weltkrieg tätig.

Johann Georg Landes richtete „aus Fürsorge um das Wohl ihrer Arbeiter“ eine firmeneigene „Betriebskrankenkasse“ ein. Die Höhe der Unterstützungsleistung richtet sich nach der Lohngruppe. Um das Leistungsrisiko zu vermindern, knüpfen die Kassen oft die Auszahlung von „Krankengeld“ an gewisse Bedingungen.

In der Satzung des „Krankenvereins der Maschinenfabrik J. G. Landes“ heißt es: „Auf Unterstützung hat aber kein Mitglied Anspruch, so lange dasselbe wirklich Arbeit verrichtet, nur Medizin gebraucht, oder sich Krankheit und Arbeitsunfähigkeit durch Exzeß, Rauferei oder unordentlichen Lebenswandel [durch übermäßiges Trinken oder syphilitische Krankheiten] zugezogen hat“.

1859

Haidhausen * Das alte „Brunnhaus auf dem Isarberg“ wird abgerissen.

1859

London * Lola Montez hält sich in London auf.

Seit dem Jahr 1859

Au * Johann Valentin Fey übt beim Auer „Tapezierer“ Karl Falk in der Entenbachstraße 63 die Tätigkeiten eines Geschäftsführers und Vorarbeiters aus.

Im Laufe des Jahres 1859

München * König Max II. beendet seine sämtlichen Versuche, die „Verfassung“ zu verschlechtern.  

Sie scheitern an der hohen Hürde der „Dreiviertelmehrheit“, die in „Titel X Artikel 7 der Verfassungsurkunde des Jahres 1818“ festgelegt worden war.  

Der angebliche Leitspruch Königs Max II.: „Ich will Frieden haben mit meinem Volk!“ trat damit tatsächlich ein.  
Der König erkennt die Unmöglichkeit der „Verfassungsänderung“ gegen den Willen der bayerischen Bevölkerung. 

1859

Lehel - Isarvorstadt * Im nördlichen Anbau des ehemaligen „Roten Turms“ wird die „Gastwirtschaft zum Roten Turm“ eingerichtet.

Sie erhält die „Taferngerechtsame des Heiliggeistspitals“.

Die Gäste dieses Lokals sind hauptsächlich Soldaten der nahen „Schwere-Reiter-Kaserne“.

1859

Nach der Aufhebung der „Maulkorbverordnung“ steigt die Zahl der Hunde wieder stark an. 

1859

Wien * In Wien wird die „Gewerbefreiheit“ eingeführt.

2. August 1859

Haidhausen * Die „Jakobi-Dult“ wird provisorisch auf den Haidhauser Johannisplatz verlegt.

12. September 1859

Bogenhausen * Der Unternehmer Reinhold Hirschberg gründet eine „oHG“ (= offene Handelsgesellschaft) und eröffnet eine Ziegelei mit dem Namen „Fabrik Steinhausen“.

31. Oktober 1859

Au * Das „Irrenhaus Giesing“ wird in die Hochau verlegt, wo die „Kreisirrenanstalt“ eröffnet hat.

Sie steht unter der Leitung des „Obermedizinalrats“ Dr. Bernhard von Gudden, dem Gutachter König Ludwig II., und gilt über eine lange Zeit als „Musteranstalt“

Mit der Eröffnung der „Kreisirrenanstalt“ nutzt man die Gebäude am Kolumbusplatz für das „St.-Nikolai-Spital für Unheilbare“, das vorher am Gasteig stand. König Max II. hatte zuvor das „Leprosenhaus am Gasteig“ erworben, das mittlerweile den Namen „Spital der Unheilbaren“ erhalten hat, um es in den „Maximiliansanlagen“ aufgehen zu lassen.

Der Magistrat der Stadt muss daraufhin die aufgelassene „Irrenanstalt“ in Untergiesing - zur Unterbringung der „Unheilbaren“ - kaufen.


Verwendet in Führung:

04. Haidhausen - Das Franzosenviertel
16. „An jedem Eck a Gaudi“ - Die Münchner Volkssänger



Kreis-Irrenanstalt für Oberbayern, Nervenkrankenhaus, Musteranstalt, Gesindeordnung, Pflegequote, Altersversorgung, Urlaubsregelung, Arbeitszeit, Pflegekräfte
Gudden Bernhard von Dr. Psychiater