2017-02-27 1933 - Freikorps-Denkmal, Freikorps, Mustersiedlung Ramersdorf, Autobahn, Autofahrerschreck, Räterepublik - Zöberlein Hans NS-Stadtrat in München-Geschichte


11. September 1933

„Ein Denkmal für die Befreiung Münchens vom Rätewahnsinn

München * Der NS-Stadtrat Hans Zölberlein beantragt

  • „ein Denkmal für die Befreiung Münchens vom Rätewahnsinn. [...] 
  • Zur dauernden Erinnerung an die geschichtlich bedeutsamen Maitage und
  • als Dank für das Opfer des Lebens von über 200 Freikorpssoldaten“.

Der Münchner Stadtrat schreibt daraufhin einen Wettbewerb für eine „Erinnerungsstätte zum Gedenken an die Befreiung Münchens 1919“ aus.
Diese soll am Ostrand der Ramersdorfer „Muster-Siedlung“ aufgestellt werden und die über Ramersdorf ankommenden Autobahnbenutzer begrüßen.

Doch der für Ramersdorf geplante „Autofahrerschreck“ kommt nicht zur Aufstellung, dafür wird Giesing - aufgrund seiner „linken“ Vergangenheit - vom Nazi-Stadtrat als Standort für ein „Freikorps-Denkmal“ auserkoren.


1933

Suchbegriffe

Freikorps-Denkmal, Freikorps, Mustersiedlung Ramersdorf, Autobahn, Autofahrerschreck, Räterepublik,

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Weitere Ereignisse im Jahr 1933

1933

Lehel - Englischer Garten * Durch den Bau des „Hauses der Deutschen Kunst“ verliert der „Englische Garten“ an seiner Südseite erneut Grund und Boden.

1933

Au * Die „Museum-Lichtspiele“ werden von Anton Rösch betrieben.

Ab 1933

Bogenhausen * Die Aufgabe des „Reichsfinanzhofes“ bestand während der Jahre von 1933 bis 1945 im Wesentlichen in der Weiterentwicklung der Steuergesetze und der Entwicklung des Steuerrechts im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Den Boykott jüdischer Geschäfte, die Entziehung der Berufszulassungen von jüdischen ärzten und die Entfernung jüdischer Beamten aus dem öffentlichen Dienst bezeichneten die Finanzrichter lediglich als „in steuerlicher Hinsicht irrelevante Belästigungen“.

Mit ihren Urteilen nahmen die „furchtbaren Juristen von der Ismaninger Straße“ entscheidenden Einfluss an der „Arisierung“ jüdischen Vermögens. 

So mussten Juden, deren Wohnung von der „Gestapo“ versiegelt wurden, nachdem sie ins Ausland geflohen waren, ein Viertel ihres Vermögens als „Reichsfluchtsteuer“ zahlen.

1933

Graggenau * In der Münchner Residenz wird eine Ausstellung zur Erinnerung an Richard Wagner eröffnet.

„Reichsstatthalter“ Franz Xaver Ritter von Epp stellt dabei fest: „Die Nationalsozialisten empfinden Wagner als den deutschesten Mann, den nur einer gleichen Blutes voll zu verstehen vermag“.

1933

Haidhausen * Die „Altöttinger-Kapelle“ am Gasteig wird geschlossen, da die Wände durch die täglich rund 200 geopferten Kerzen vollständig geschwärzt sind.

1933

Großbritannien * Charlotte Haas, Enkelin von Joseph Schülein, nimmt ihr Studium in England auf.

1933

Maxvorstadt * Das Anwesen Richard-Wagner-Straße 16 gehört dem „Kaufmannsehepaar“ Karl und Franziska Lieb aus Lichtenfels.

1933

Lehel - Haidhausen * Karl Valentin zieht von der Kanalstraße 8 im Lehel in die Sckellstraße 1, direkt hinter dem Maximilianeum, nach Haidhausen um.

1933

München * Karl Valentin arbeitet an seiner Fotosausstellung „Alt-München in der Photographie 1850 - 1900“.

1933

Haidhausen - Lehel * Karl Valentin zieht von der Sckellstraße 1 an den Mariannenplatz 4 im Lehel.

3. Januar 1933

München * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Films „Im Photoatelier“ in München.

21. Januar 1933

Au * Der „Cowboy Club München Süd“ lädt in sein künftiges Clublokal im „Josefshaus“ in der Hochstraße 28 ein.

Neben „Lebenden Bildern“, bei denen sogar vier Pferde integriert werden, führen die Aktivisten „Stepptänze“ und „Lassospiele“ vor.  
Eine 25 Mann starke „Sioux-Indianertruppe“ führt „heimatliche Tänze“ auf. 

Nach dem 30. Januar 1933

Deutschland * Mit dem Nationalsozialismus kommen die alten, stockkonservativen Töne wieder zurück.  

Die NS-Machthaber entlassen alle verheirateten Lehrerinnen und kürzen den verbliebenen das Gehalt um zehn Prozent. 

Die Meinung, „die deutsche Mutter gehört zu den Kindern nach Hause“, ändert sich programmatisch erst wieder, nachdem die Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen worden sind. 

Nun darf die Frau wieder einmal ihren Mann stehen.

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten „Machtübernahme“.

Adolf Hitler wird vom „Reichspräsidenten“ Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum „Reichskanzler“ ernannt.
Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und „Stahlhelm“.

Nach Februar 1933

Obergiesing * An der Ecke Gietl- und Untere Grasstraße, wo heute das „Pfarrzentrum“ steht, befand sich früher die Wirtschaft „Kriegerheim“, in der während der NS-Zeit die „Ortsgruppe Giesing der NSDAP“ untergebracht ist.

Hier finden an den Wochenenden zahlreiche Appelle und Kundgebungen von NS-Partei-Organisationen statt.

Zuvor dient die Wirtschaft den „Unabhängigen Sozialisten - USPD“ Giesings als Versammlungs- und Vereinslokal.

Februar 1933

München * „Snip, der Springende Punkt“, ein Reklamefilm der „Austria Tabak“ mit Karl Valentin entsteht.

Februar 1933

Zürich * Anita Augspurg und ihre Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann emigrieren nach der „Machtübernahme Hitlers“ am 30. Januar 1933 nach Zürich.

Sie befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Mittelmeerreise.

Februar 1933

Obergiesing * Nach dem Regierungswechsel erscheinen viele Gemeindemitglieder in ihren Partei- beziehungsweise SA-Uniformen zu den evangelischen Gottesdiensten.

1. Februar 1933

Berlin * Auflösung des „Reichstags“ durch die zwei Tage zuvor ernannte „Reichsregierung“.

2. Februar 1933

Berlin * Das „Demonstrationsverbot der Kommunisten“ in Preußen wird eingeführt.

Um den 5. Februar 1933

Giesing * Giesing gilt den Nazis als ein zu brechendes Symbol der Opposition. 

Schon eine Woche nach Hitlers Machtergreifung ziehen die braunen SA- und SS-Horden in einem Triumphzug durch die Arbeiterviertel, um sich als Sieger und Träger der Staatsgewalt zu präsentieren. 

Mit diesem Propagandamarsch durch Giesing und Haidhausen - geschützt durch Polizei und Staatsgewalt - wollen sie ihren Herrschaftsanspruch demonstrieren. 

10. Februar 1933

Maxvorstadt * Im „Richard-Wagner-Jahr“ hält Thomas Mann aus Anlass des 50. Todestages des berühmten Künstlers im „Auditorium maximum“ der „Universität München“ einen Vortrag über „Leiden und Größe Richard Wagners“.

Thomas Mann verliest dabei ein zwanzigseitiges Manuskript aus einem rund siebzig Seiten umfassenden Aufsatz. 

In seinem Referat spricht sich Thomas Mann gegen eine einseitig heroisierende Verherrlichung und eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Werken Richard Wagners aus.

11. Februar 1933

München - Holland * Der Schriftsteller Thomas Mann verlässt München zu weiteren „Wagnervorträgen“ in mehreren europäischen Großstädten.

Diese Reise wird der Beginn seines mehrjährigen Exils.

18. Februar 1933

Tokyo * Yoko Ono kommt in Tokyo als Tochter eines wohlhabenden Bankiers zur Welt. 

21. Februar 1933

Au * In der „Liste der Gesellschafter der Cenovis-Werke“ wird Dr. Julius Schülein als „Generaldirektor“ aufgeführt. 

Er wohnt in der Brienner Straße 51 und hat einen Geschäftsanteil von 392.000 RM. 

„Kommerzienrat“ Emil Zeckendorf ist mit 140.000 RM, Fräulein Nelly Zeckendorf mit 47.800 RM am Unternehmen beteiligt.
Die Letztgenannten wohnen in der Richard-Wagner-Straße 11.

21. Februar 1933

Berlin * Hermann Göring will in den Polizeiverwaltungen in Preußen „SPD-Mitglieder“ durch „national gesinnte“ Beamte ersetzen.

27. Februar 1933

Berlin * In der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 brennt der „Reichstag“ ab.

28. Februar 1933

Berlin * Die Verordnung des „Reichspräsidenten“ Hindenburg „Zum Schutz von Volk und Staat“, die sogenannte „Reichstagsbrandverordnung“ wird erlassen. 

Damit werden unter anderem „Grundrechte“ außer Kraft gesetzt und willkürliche polizeiliche „Schutzhaft“ ohne richterliche Kontrolle ermöglicht.

28. Februar 1933

München * Erich Mühsam wird in „Schutzhaft“ genommen. 

5. März 1933

Deutschland - Berlin * Trotz NS-Terror und verfassungswidriger Behinderung von KPD, SPD und „Zentrum“ erreicht die NSDAP nur 43,9 Prozent. 

Es reicht aber für eine knappe absolute Mehrheit für die Regierungskoalition aus NSDAP; DNVP und „Stahlhelm“.

5. März 1933

Kreuzviertel - Maxvorstadt * In ihrer unbedingten Gegnerschaft zum „Bolschewismus“ und zur „Freidenker- und Gottlosenbewegung“ sind sich katholische Kirche und NSDAP einig. 

In einem Schreiben teilt „Kardinal“ Michael von Faulhaber dem „päpstlichen Nuntius“ Alberto Vassallo di Torregrossa mit: 
„Verbot auf die gesamte kommunistische Propaganda und auf die sozialdemokratischen Freidenkerverbände ausgedehnt, die ebenso radikal wie die eigentlichen Proletarier gegen christlichen Glauben und christliche Sitte wüteten. [...]
Sicher müssen neben den staatlichen Gewaltmitteln heute die kirchlichen Kräfte neu erweckt werden, um den Vormarsch des russischen Bolschewismus zum Weltbolschewismus in Deutschland aufzuhalten“
.

8. März 1933

München * Die letzte Ausgabe der Zeitschrift „Der gerade Weg“ erscheint.

Dr. Fritz Gerlich bezeichnet darin Hitler und dessen Politik als „undemokratisch und verbrecherisch“.
Die Auflage der Zeitschrift liegt bei 1,25 Millionen Exemplare.

9. März 1933

Kreuzviertel * Sturz der konservativen „Regierung Held“ in Bayern durch die Nationalsozialisten.

Bayern wird als Letztes der deutschen Länder in Hitlers Herrschaft eingefügt. 

Ritter Franz-Xaver von Epp wird „Reichskommissar für Bayern“, Heinrich Himmler „kommissarischer Polizeipräsident“ in München.

Nach dem 9. März 1933

Isarvorstadt * Die „Gedenktafel für Kurt Eisner“ im „Gewerkschaftshaus“ an der Pestalozzistraße wird von den Nazis entfernt. 

Sie gilt seither als verschollen.

9. März 1933

Graggenau * Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in Bayern.

Max Amann hisst die „Hakenkreuzfahne“ am Münchner Rathaus.
Nun beginnt die systematische Ausschaltung ihrer politischen Gegner.

9. März 1933

Maxvorstadt * Dr. Fritz Gerlich wird noch am Tag der „Machtübernahme“ verhaftet. 

Obwohl er keinen Widerstand leistet, verprügeln ihn die „Nazi-Schläger“ und bringen ihn ins Polizeipräsidium an der Ettstraße, wo er in Einzelhaft sitzt und gefoltert wird.

12. März 1933

Berlin * Die „Hakenkreuzfahne“ wird zur „Reichsflagge“.

13. März 1933

Vatican - Berlin * Papst Pius XI. drückt Adolf Hitler öffentlich seinen Dank dafür aus, dass er als erster Staatsmann klar und deutlich vom „Bolschewismus“ abgerückt ist. 

15. März 1933

München * Bayerns „Ministerpräsident“ Heinrich Held von der konservativen „Bayerischen Volkspartei - BVP“ muss der nationalsozialistischen Gewalt weichen und zurücktreten.

16. März 1933

Kreuzviertel * Franz Xaver Ritter von Epp übernimmt als „Kommissarischer Reichsstatthalter und Ministerpräsident“ die Macht in Bayern.

17. März 1933

Berlin * Gründung der „SS-Leibstandarte Adolf Hitler“.

19. März 1933

Graggenau * Liesl Karlstadt steht in den „Kammerspielen“ für Therese Giehse auf der Bühne, weil diese - aufgrund ihrer jüdischen Abstammung - in die Schweiz emigrieren musste.

20. März 1933

Dachau - Oranienburg * Das „Konzentrationslager Dachau“ wird geöffnet.

Einen Tag später folgt das „KZ Oranienburg“.

20. März 1933

Berlin - Vatican * Abschluss des „Kokordats“ zwischen dem „Deutschen Reich“ und dem „Vatikan“.

21. März 1933

München - Dachau * Im „Völkischen Beobachter“ und in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ erscheint eine von Heinrich Himmler, dem „Reichsführer SS“ und zugleich „kommissarischen Polizeipräsidenten von München“, veranlasste Pressemeldung mit der Überschrift „Ein Konzentrationslager für politische Gefangene“.  

In der Meldung ist zu lesen: „Am Mittwoch [nächster Tag] wird in der Nähe von Dachau das erste Konzentrationslager eröffnet. Es hat ein Fassungsvermögen von 5.000 Menschen“.  

Weiter heißt es, dass dort „die gesamten kommunistischen und - soweit notwendig - Reichsbanner- und marxistische Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen“ werden.  

Abschließend erklärt Himmler „Wir haben diese Maßnahme ohne jede Rücksicht auf kleinliche Bedenken getroffen in der Überzeugung, damit zur Beruhigung der nationalen Bevölkerung und in ihrem Sinn zu handeln“

22. März 1933

Dachau * Im „KZ Dachau“ werden die ersten Menschen inhaftiert.  

Am Vormittag gegen 10 Uhr steigen im „Zuchthaus Landsberg“ die ersten 50 Gefangenen auf Lastwagen, die sie nach Dachau bringen.  

Gegen Mittag trifft der Transport an der ehemaligen „Pulverfabrik“ ein, vor deren Eingang sich eine Menschenmenge Schaulustiger versammelt hat.  

Das „Konzentrationslager Dachau“ wird von der „2. Polizei-Hundertschaft“ der „Bayerischen Landespolizei“ bewacht.  

Der Münchner „Rechtsreferendar“ Claus Bastian trägt die Gefangenennummer 1.  
Über 200.000 werden ihm folgen.  

In den zwölf Jahren der Nazi-Herrschaft werden im „KZ Dachau“ 41.500 Menschen ermordet, verhungern oder an Krankheiten sterben. 

Nach dem 22. März 1933

Giesing * Die aufgestaute Angst vor den „Roten“ hat ein Nachspiel.

Die männlichen Erwachsenen ganzer Giesinger Straßenzüge werden verhaftet und ins „KZ Dachau“ gebracht.

23. März 1933

Berlin * Adolf Hitler stellt in seiner Regierungserklärung fest, dass die „Reichsregierung“ im „Christentum“ die „unerschütterliche Grundlage des Dritten Reiches“ erblicke. 

24. März 1933

Berlin * Der „Reichstag“ beschließt - nach der „Aberkennung der Reichstagsmandate der KPD“ und mit den „Gegenstimmen der SPD“ das „Gesetz zur Behebung der Not im Volk und Staat“, das sogenannte „Ermächtigungsgesetz“

Für das Gesetz stimmen die „Reichstagsfraktionen“ der „NSDAP“, „DNVP“, „Zentrum“, „BVP“, „DVP“ und „DStP“.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes wird kein Steuergesetz mehr parlamentarisch beraten und beschlossen.

24. März 1933

München * „Kardinal“ Michael von Faulhaber fordert seine bayerischen Amtsbrüder auf, „trotz allem mehr Toleranz gegen die neue Regierung zu üben, die heute nicht bloß im Besitz der Macht ist, was unsere Grundsätze nicht umstoßen könnte, sondern rechtmäßig wie noch keine Revolutionspartei in den Besitz der Macht gelangte“

29. März 1933

Berlin * Die nationalsozialistische Regierung führt die Vollstreckungsmethode des „Erhängens“ wieder ein.

29. März 1933

Berlin * Ein „Ministerialerlass“ - „betr. Verbot marxistischer Organisationen“ - ergeht. 

Er hat auch Auswirkungen auf die „Arbeiter-Sportvereine“

30. März 1933

Kreuzviertel - Chicago * Der „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber rechtfertigt die „Ausschreitungen gegen die Juden“ und schreibt dazu seinem „Amtsbruder“ George Mundelein nach Chicago: 

„Die unwahren Berichte über blutige Greueltaten in Deutschland, die in amerikanischen und anderen ausländischen Zeitungen erschienen sind, und die Angriffe gegen die neue Regierung in Deutschland wegen ihres Kampfes gegen den Kommunismus, haben die deutsche Regierung veranlaßt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und vom 1. April ab den Boykott gegen alle jüdischen Geschäfte mit aller Strenge durchzuführen“.

1. April 1933

Berlin * Die NSDAP ruft zum reichsweiten „Judenboykott“ auf.

Über 600 jüdische Firmen in München werden boykottiert, „zum Schutz der Inhaber und zur Belehrung des Publikums durch Posten gesichert und durch Plakatierung gekennzeichnet“

Der reichsweite „Boykott jüdischer Geschäfte“ dauert bis zum 3. April an.

1. April 1933

München * Heinrich Himmler wird zum „Politischen Polizeikommandeur Bayerns“ ernannt. 

3. April 1933

Gießen * Die „Universitäts-Klinik Gießen“ fragt bei der „IHK München“ an, ob die „Cenovis eine christliche Firma“ ist.

5. April 1933

Kreuzviertel * Der Geistliche Dr. Alois Wurm, der gleichzeitig Herausgeber der Monatsschrift „Seele“ ist, wendet sich an „Kardinal“ Michael von Faulhaber. 

Wurm hat einen Artikel gegen den „Judenboykott“ an eine bayerische Zeitung geschrieben, diese den aber nicht abgedruckt. 

Aus diesem Grund appelliert der Priester an Faulhaber, in der katholischen Presse zur Orientierung der Katholiken klare Aussagen zum Vorgehen gegen die Juden zu machen.
Schließlich, so Wurm weiter, sei es mit der katholischen Lehre nicht vereinbar, wenn ein Mensch unschuldig, nur wegen seiner Rasse gehasst oder verfolgt werde.

Scheinbar war dem „Kardinal“ der Ton des Geistlichen zu fordernd.
Jedenfalls reagiert Michael von Faulhaber sehr ungehalten auf diesen Brief. 

5. April 1933

München - Au * Das „Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze“ der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei - NSDAP“ antwortet auf die Anfrage der „Universitäts-Klinik Gießen“, ob die „Cenovis eine christliche Firma“ ist.

Sie ist der Auffassung, „dass die Voraussetzung für einen Boykott der Cenovis Werke München, Rosenheimer Straße, nicht gegeben sind und die Firma daher nicht unter dem Boykott am 1. April 1933 gefallen ist“.

Seit etwa 6. April 1933

Berlin * Die „Deutsche Studentenschaft“, der Dachverband der „Allgemeinen Studentenausschüsse“, wirbt bei den Studenten der einzelnen Hochschulen per Rundschreiben zur Mitarbeit an einer vierwöchigen Aktion „gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewusstes Denken und Fühlen im deutschen Schrifttum“

6. April 1933

Krustin * Erich Mühsam wird in das „KZ Sonnenburg“ bei Krustin an der Oder gebracht. 

7. April 1933

Berlin * Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ tritt in Kraft. 

Es ermächtigt die neuen Machthaber zur Entlassung oder Zwangspensionierung politisch „unzuverlässiger Elemente“ und von Beamten jüdischer Herkunft.

7. April 1933

München * Auf die Anfrage der „Universitäts-Klinik Gießen“, ob die „Cenovis eine christliche Firma“ ist, antwortet die „IHK München“.  

Sie führt dabei aus, dass sich „das Kapital der Firma Cenovis München teils in christlichen, teils in israelitischen Händen befindet“

8. April 1933

Kreuzviertel * In seinem Antwortschreiben an den Geistlichen Dr. Alois Wurm erklärt sich „Kardinal“ Michael von Faulhaber gleich im ersten Satz als nicht zuständig, sich für Juden einzusetzen und fordert im Gegenzug Dr. Wurm zum Handeln auf. 

Natürlich findet auch er, dass „dieses Vorgehen gegen die Juden [...] derart unchristlich [ist], daß jeder Christ, nicht bloß jeder Priester, dagegen auftreten müsste“

Aus Faulhabers Sicht bestehen aber für die „kirchlichen Oberbehörden [...] weit wichtigere Gegenwartsfragen; denn Schule, der Weiterbestand der katholischen Vereine, Sterilisierung sind für das Christentum in unserer Heimat noch wichtiger, zumal man annehmen darf, und zum Teil schon erlebte, daß die Juden sich selber helfen können, daß wir also keinen Grund haben, der Regierung einen Grund zu geben, um die Judenhetze in eine Jesuitenhetze umzubiegen. 

Ich bekomme von verschiedenen Seiten die Anfrage, warum die Kirche nichts gegen die Judenverfolgung tue.
Ich bin darüber befremdet; denn bei einer Hetze gegen die Katholiken oder gegen den Bischof hat kein Mensch gefragt, was man gegen diese Hetze tun könne.
Das ist und bleibt das Geheimnis der Passion“

Seit etwa 10. April 1933

Berlin * Der nationalsozialistisch orientierte Bibliothekar Dr. Wolfgang Herrmann erstellt im Auftrag des „Verbandes Deutscher Volksbibliothekare“ Listen, die die Grundlage für die „Bücherverbrennungen“ liefern. 

Sie werden am 26. April in der „Berliner Illustrierten Nachtausgabe Nr. 97“ abgedruckt. 

10. April 1933

Berlin - München * Franz Xaver Ritter von Epp wird durch „Reichspräsident“ Paul von Hindenburg zum „Reichsstatthalter von Bayern“ ernannt.

11. April 1933

Dachau * Die „SS“ übernimmt das Kommando im „KZ Dachau“

12. April 1933

Dachau * Die ersten Gefangenen werden im „KZ Dachau“ ermordet.  

Das ist nur ein Tag nachdem die „SS“ das Kommando übernommen hat. 

13. April 1933

Berlin * Die „Deutsche Studentenschaft“ gibt ihre Thesen „Wider den undeutschen Geist!“ heraus.

Darin wird unter anderem den Juden der Gebrauch der deutschen Sprache untersagt. Denn:

  • „Der Jude kann nur jüdisch denken“. Und weiter: „Schreibt er deutsch, dann lügt er“.
  • „Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter!“
16. April 1933

München * Gegen den „Wagner-Vortrag“ Thomas Manns organisieren der „Bayerische Staatsoperndirektor“ Prof. Hans Knappertsbusch und der „Generalmusikdirektor“ Prof. Dr. Hans Pfitzner einen „Protest der Stadt München“

Dieser wird in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ abgedruckt und ist von den führenden Vertretern des künstlerischen Lebens Münchens unterzeichnet worden. Darunter

  • der „Präsident der Akademie der Bildenden Künste“, Prof. Dr. German Bestelmeyer;
  • der „Bildhauer“ Bernhard Bleeker;
  • „Oberbürgermeister“ Karl Fiehler;
  • der „Akademieprofessor“ Olaf Gulbransson;
  • der „Generalintendant der Bayerischen Staatstheater“, Clemens von Frankenstein;
  • der „Generalmusikdirektor“ Dr. Richard Strauß;
  • der „Präsident der Industrie- und Handelskammer“ Josef Pschorr
  • und viele andere Honoratioren mehr.

In dem „Protestschreiben“ heißt es:
„Nachdem die nationale Erhebung Deutschlands festes Gefüge angenommen hat, kann es nicht mehr als Ablenkung empfunden werden, wenn wir uns an die Öffentlichkeit wenden, um das Andenken an den großen deutschen Meister Richard Wagner vor Verunglimpfung zu schützen. 

Wir empfinden Wagner als musikalisch-dramatischen Ausdruck tiefsten deutschen Gefühls, das wir nicht durch ästhetisierenden Snobismus beleidigen lassen wollen, wie das mit so überheblicher Geschwollenheit in Richard-Wagner-Gedenkreden von Herrn Thomas Mann geschieht. [...] 

Wir lassen uns eine solche Herabsetzung unseres großen deutschen Musikgenies von keinem Menschen gefallen, ganz sicher aber nicht von Herrn Thomas Mann, [...]. 

Wer sich selbst als derart unzuverlässig und unsachverständig in seinen Werken offenbart, hat kein Recht auf Kritik wertbeständiger deutscher Geistesriesen“.

Thomas Mann wiederholt seinen Vortrag in Amsterdam, Brüssel und Paris.

Doch nach dem „Protest der Richard-Wagner-Stadt München“ kann er nicht mehr in seine Heimatstadt zurückkehren.

26. April 1933

Deutschland * In der „Berliner Illustrierten Nachtausgabe Nr. 97“ werden die vom nationalsozialistisch orientierte Bibliothekar Dr. Wolfgang Herrmann erstellten Listen abgedruckt und den „Studentenschaften“ von ihrem Dachverband zugänglich gemacht. 

Die Listen bilden die Grundlage für die „Bücherverbrennungen“.

26. April 1933

Graggenau * Die SPD protestiert gegen die Ernennung des „Reichskanzlers“ Adolf Hitler und des „Reichsstatthalters“ Franz Ritter von Epp zu „Münchner Ehrenbürgern“.  

Das ist der Anlass, weshalb die NSDAP-Stadträte die SPDler bei der nächsten Sitzung aus dem Sitzungssaal prügeln werden.  

In einer Erklärung lehnt die NSDAP „jede weitere Zusammenarbeit mit den marxistischen Arbeiterverrätern“ ab.  
Die SPD-Stadträte fordert sie auf, „sofort und ein für allemal aus der Gemeindevertretung zu verschwinden“

27. April 1933

Ludwigsvorstadt * Uraufführung des Valentin-Stücks „Ehescheidung vor Gericht“ im „Kabarett Wien-München“ im „Hotel Wagner“, Sonnenstraße 23.

Innerhalb von 15 Minuten tritt Liesl Karlstadt als Ehemann, Ehefrau, Sohn, preußischer Untermieter und als „Ratschkathl“ auf.
Das Stück wird in 64 Vorstellungen aufgeführt.

28. April 1933

Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ tritt an diesem und dem darauffolgenden Tag letztmalig für die nächsten 13 Jahre zusammen.

Der Landtag wird nach dem Ergebnis der „Reichstagswahlen“ vom 5. März 1933 gebildet.
Von den 103 Abgeordneten gehören 51 Abgeordnete der NSDAP an, 30 der „Bayerischen Volkspartei - BVP“, 17 der SPD und 5 der „Kampffront“.
Von einer freien Volksvertretung kann allerdings keine Rede mehr sein.

Der Landtag hat nur mehr das „Ermächtigungsgesetzes“ zur endgültigen Selbstausschaltung als Verfassungsorgan zu erlassen.  
Ansonsten dienen die beiden Sitzungen vornehmlich der Demonstration der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Bayern. 

29. April 1933

Kreuzviertel * Im „Bayerischen Landtag“ wird das „Ermächtigungsgesetz“ verabschiedet.

Lediglich die 16 anwesenden SPD-Abgeordneten stimmen gegen die vollständige Machtergreifung Hitlers.
Damit wird die bayerische Parlamentstradition mit einem Federstrich beendet. 

1. Mai 1933

München * Der „Allgemeine Deutsche Automobilclub“ spendet der NSDAP Benzin, damit sie den „Tag der Deutschen Arbeit“ kostengünstiger organisieren kann.

2. Mai 1933

München - Au * Die Nazis übernehmen schnell die Argumente der Mittelstandsbewegung, weshalb nach der Machtübernahme der NSDAP allen Konsumgenossenschaften die letzte Stunde schlägt.

Die „SA“ besetzt die Zentrale des „Konsumvereins München von 1864“, schließt die Betriebe und Geschäfte und enteignet den Verein. 

2. Mai 1933

Deutschland * Die „Freien Gewerkschaften“ werden im gesamten Reich mit brutaler Gewalt aufgelöst. 

5. Mai 1933

Kreuzviertel - Bayern * Angeblich wollte „Kardinal“ Michael von Faulhaber das „Unrecht gegen die Juden“ in seinem „Hirtenbrief“ vom 5. Mai ansprechen, wird aber von den anderen Bischöfen davon abgehalten.

In dem „Hirtenbrief“ der bayerischen Bischöfe heißt es jetzt:
„Unsere jetzige Reichsregierung hat sich große und schwierige Aufgaben gestellt; sie will das deutsche Volk, das an den Folgen des verlorenen Weltkrieges und der Revolution so unsäglich viel leidet, wieder zur früheren Höhe emporführen durch eine geistige, sittliche und wirtschaftliche Erneuerung. [...] 

Daher rufen wir Bischöfe in tiefer Liebe zu unserem armen Vaterlande, [...] den Blick nicht mehr zu richten auf die Vergangenheit, nicht auf das zu sehen, was uns trennt, sondern auf das, was uns eint, daher einander die Hand zu reichen und in hochherziger Opferwilligkeit die vereinten Kräfte einzusetzen, um der furchtbaren Not, dem immer weiter fortschreitenden Niedergang und dem unseligen Unfrieden Einhalt zu bieten. [...]  

Der Wiederaufbau unseres Volks- und Staatslebens muß zur Grundlage haben die ewigen, unantastbaren Gesetze des christlichen Glaubens, der christlichen Sitte, der christlichen Gerechtigkeit und des sozialen Friedens.
Es verdient aufrichtigen Dank, daß der höchste Vertreter der Reichsregierung in feierlicher Stunde erklärte, das Werk der Wiedererneuerung unseres Volkes auf den Felsengrund des christlichen Glaubens stellen und freundschaftliche Beziehungen zur Kirche pflegen zu wollen.  [...]  

Wir sind dankbar für die Erklärung des Reichskanzlers, daß die Rechte der Kirchen nicht geschmälert, ihre Stellung zum Staate nicht geändert werden wird“.

6. Mai 1933

München * Die „Hitlerjugend - HJ“ führt in München die erste „Bücherverbrennung“ durch. 

10. Mai 1933

Berlin * Das gesamte Vermögen der SPD wird beschlagnahmt. 

10. Mai 1933

Maxvorstadt * Um 19:45 Uhr beginnt im „Lichthof der Universität München“ eine „Feier der nationalen Revolution“ statt.  

Die „Festrede“ hält Kultusminster Hans Schemm.
Eingerahmt von der „Egmont-Ouvertüre“ folgt die Übergabe des neuen „Studentenrechts“, ein „Treuegelöbnis“, ein „Appell an die studentische Verantwortung“ und schließlich das Absingen des „Horst-Wessel-Liedes“.

Im Anschluss an die Feier beginnt ein „Großer Fackelzug“.
Dazu werden ab 20:30 Uhr am rückwärtigen Ausgang der Universität gegen Gutschein Fackeln ausgegeben.

Um 22:00 Uhr bewegt sich der Fackelzug in Richtung Königsplatz.
Die freiwilligen und begeisterten Teilnehmer in „Uniform oder dunklem Anzug“ ziehen an der mit einer roten Flammenkette geschmückten „Feldherrnhalle“ vorbei zum mit Flaggen und Pylonen festlich ausgestatteten „Königsplatz“, wo

um 23:30 Uhr circa 50.000 überwiegend akademisch gebildete Nationalsozialsten und ihre Sympathisanten einen großen „Verbrennungsakt“ beginnen.

Auf dem Rasen vor der heutigen „Antikensammlung“ am Königsplatz ist ein riesiger Scheiterhaufen aus Holz und Stroh errichtet worden.

Zunächst hält ein studentischer Funktionär eine Ansprache zur „Ausmerzung undeutscher Schriften“.
Danach werfen uniformierte Studenten unter Verlesung von „Feuersprüchen“ die mitgeführten Bücher ins Feuer.
In Anlehnung an das „Wartburgfest“ verbrennen sie die „volkszersetzenden Schriften kommunistischer, marxistischer, pazifistischer Haltung (vielfach aus jüdischer Feder stammend) als Symbol der Abkehr vom undeutschen Geist“

11. Mai 1933

Maxvorstadt * Im „Vorstand der Löwenbräu AG“ wird über die „Angriffe der nationalsozialistischen Machthaber“ diskutiert.

Das Protokoll vermerkt, „gewisse Anzeichen, die auf den künftigen Wegfall städtischer und staatlicher Bierlieferungen und darüber hinaus auf die Möglichkeit eines Boykottes abzielen“.

Daraufhin stellen einige jüdische Vorstandsmitglieder ihre Mandate zur Verfügung.
Joseph Schülein zieht sich auf sein „Gut Kaltenberg“ zurück.

Dr. Hermann Schülein bleibt - aufgrund seiner unersetzlichen Fachkompetenz - formal im „Löwenbräu-Vorstand“, muss aber als Vorsitzender zurücktreten.

12. Mai 1933

Wien * Oskar Maria Graf veröffentlicht in der marxistischen Wiener „Arbeiter-Zeitung“ unter der Überschrift „Verbrennt mich! - Ein Protest“ seine „Nachverbrennung“.  

„Laut ‚Berliner Börsencourier‘ stehe ich auf der ‚weißen Autorenliste‘ des neuen Deutschlands, und alle meine Bücher, mit Ausnahme meines Hauptwerkes ‚Wir sind Gefangene‘, werden empfohlen:
Ich bin also dazu berufen, einer der Exponenten des ‚neuen‘ deutschen Geistes zu sein!  
Vergebens frage ich mich: Womit habe ich diese Schmach verdient?

[...] Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen.
Verbrennt die Werke des deutschen Geistes!
Er selbst wird unauslöschlich sein wie eure Schmach!“

Oskar Maria Graf

12. Mai 1933

München * Der „Völkische Beobachter“ stellt zufrieden fest:
„Die Löwenbrauerei kann nunmehr mit vollem Recht als ein deutsches Unternehmen bezeichnet werden. [...]
Damit entfallen die bisherigen Anwürfe“
.

Um den 15. Mai 1933

München * Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ antworten auf Oskar Maria Grafs „Nachverbrennungs-Aufruf“ derart:  

„Wir haben bisher die Bücher von Oskar Maria Graf [...] für viel zu unbedeutend gehalten. [...]
Aber wenn der Herr Dichter durchaus will, nun wir sind gar nicht so. [...]
Also hinein mit ihm ins Feuer!“
 

Um den 15. Mai 1933

Berlin * Den Nationalsozialisten sind die „Kaufhäuser“ als „Prototypen wurzellosen kapitalistischen Gewinnstrebens“ ein Dorn im Auge.

Adolf Hitler erlässt eine „Errichtungs- und Erweiterungssperre für Warenhäuser“.
Die „Gewerbekapitalsteuer“ für solche Unternehmen verdoppelt sich in dieser Zeit.

Vor den „Kaufhäusern“ verteilen Nazis Flugblätter mit Boykottaufrufen.
Sprechchöre verkünden: „Wer im Warenhaus kauft, ist ein Lump!“

Selbst die „Kaufhaus-Verkäuferinnen“ sind von den brauen Machthabern nicht gerne gesehen, weil die materielle Abhängigkeit von männlichen Vorgesetzten und der stete Kontakt mit einem anonymen Publikum ihre Tugend überfordern könnte.
Außerdem verlockt die Atmosphäre der „Kaufhäuser“ zu „Vergnügungs- und Putzsucht“.  

Vor allem aber fürchtet die NSDAP, dass sich durch diesen neuen Frauenberuf die „selbstbewusste, unabhängige, arbeitende Frau“ emanzipieren und „Mutterschaft und Haushalt“ nicht mehr als das erstrebenswerte Ziel ansehen könnte. 

19. Mai 1933

Obergiesing * Der „Turn- und Sportverein München-Ost“ wird durch das NS-Regime aufgelöst.

  • Das gesamte Vereinsvermögen wird beschlagnahmt,
  • das Vereinsheim in das „SA-Heim Georg Hirschmann“ umfunktioniert. 
22. Mai 1933

München * Sämtliche Münchner SPD-Stadträte werden in „Schutzhaft“ genommen. 

Juni 1933

Maxvorstadt * Professor Dr. Ernst von Romberg, Bewohner der Richard-Wagner-Straße 2, kann, obwohl er Jude ist, noch einen Vortragszyklus halten, der sogar in einem Organ der NSDAP angekündigt wird.

Der Grund: Nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ konnten alle jüdischen Ärzte, die ihren Beamtenstatus vor 1914 erhalten haben, noch weitere zwei Jahre im Amt bleiben.

Da Romberg seit 1912 Professor war, trifft für ihn diese „Ausnahmeregelung“ zu.

Juni 1933

Bayern - München * In ganz Bayern leben etwa 42.000 „Glaubensjuden“, also Mitglieder der jüdischen Relegionsgemeinschaften.

Das entspricht 0,55 Prozent der Gesamtbevölkerung.

9.005 davon sind in München ansässig.

Juni 1933

Au * Der NS-Stadtrat bestimmt, dass für die „Auer Sommerdult“ keine „Personen jüdischer Abstammung“ zugelassen werden.

Juni 1933

München * Vor den Kirchenwahlen beginnen die nordisch-völkischen „Deutschen Christen“ auch in Bayern eine großangelegte Werbekampagne.

8. Juni 1933

Maxvorstadt * Toni Pfülf begeht in ihrer Wohnung im Gartenhaus der Kaulbachstraße 12 Selbstmord.

Nach den „Reichstagswahlen“ im März 1933 wurden viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in „Schutzhaft“ genommen.
Auch Toni Pfülf wurde vorübergehend wegen „Aufforderung der Arbeiterschaft zum Widerstand gegen das NS-Regimes“ verhaftet.

17. Juni 1933

Bogenhausen * Der „Zierbrunnen“ am Shakespeareplatz geht in Betrieb.

22. Juni 1933

München * Der dem „NS-Reichsstatthalter“ Ritter von Epp unterstellte „Freistaat Bayern“ schließt mit dem „Scharfrichter“ Johann Reichhart einen neuen Vertrag.

Damit erhöht sich sein Jahresgehalt auf stattliche 3.000.- RMark (monatlich 250 RM). Er verfügt nun über ein regelmäßiges Einkommen, das dem eines „Regierungsrates“ entspricht.

22. Juni 1933

Trudering * Die nach der Eingemeindung von Trudering (1.April 1932) notwendigen Straßenumbenennungen nimmt der von den Nationalsozialisten dominierte Stadtrat zum Anlass, in Trudering ein sogenanntes „Kolonialviertel“ zu schaffen. 

Die Straßen dieses Viertels setzen seither zusammen aus reinen Länderbezeichnungen wie Togostraße oder Kamerunplatz - aber auch aus Ehrungen für einige der grausamsten Offiziere der Kolonialgeschichte des Deutschen Reiches. 

22. Juni 1933

Obergiesing * Der NS-Stadtrat Hans Zölberlein fordert die Entfernung des Grabmals im „Ostfriedhof“, das Kurt Eisner und dem Gedenken der Toten der Revolution gewidmet ist, da es „ein Ärgernis für jeden guten Deutschen und alten bayerischen Soldaten“ darstellt. 

Nachdem die Nationalsozialisten im Jahr 1933 den Gedenkstein zertrümmert hatten, übergeben sie Kurt Eisners Urne dem „Neuen Israelitischen Friedhof“ an der Ungererstraße. 

22. Juni 1933

Berlin * Die SPD wird im gesamten Reich verboten.  

Die Mandate der SPD-Abgeordneten erlöschen damit. 

28. Juni 1933

Maxvorstadt * Die „Akademie des Deutschen Rechts“ wird vom „Rechtsanwalt“ Hans Frank gegründet.

4. Juli 1933

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“ löst sich auf.  

Zuvor hat Heinrich Himmlers „Bayerische Politische Polizei - BPP“ nahezu alle wichtigen Funktionäre und sämtliche BVP-Land- und Reichstagsabgeordnete verhaften lassen. 

5. Juli 1933

Geiselgasteig * Karl Valentin und Liesl Karlstadt nehmen den 23-Minuten-Film „Orchesterprobe“ in Geiselgasteig auf.
Regie: Carl Lamac. 

8. Juli 1933

Vatican - Berlin * Das „Konkordat“ zwischen dem „Heiligen Stuhl“ und dem „Deutschen Reich“ wird paraphiert. 

11. Juli 1933

München * Die Nazi-Stadträte regeln, dass die Asche verstorbener Juden nicht mehr auf christlichen Friedhöfen beigesetzt werden darf.

14. Juli 1933

Berlin * Im „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ bestimmten die Nationalsozialisten, dass Menschen in acht Krankheitsfällen - auch gegen ihren Willen - „sterilisiert“, also „unfruchtbar“ gemacht werden können.

Die aufgeführten Krankheiten sind

  • „angeborener Schwachsinn“,
  • „Schizophrenie“,
  • „manisch-depressives Irresein“,
  • „Epilepsie“,
  • „Veitstanz“,
  • „erbliche Blindheit und Taubheit“ und
  • „schwere körperliche Mißbildungen“.

Außerdem können Personen, die an „schwerem Alkoholismus“ leiden, unfruchtbar gemacht werden.

In den Jahren von 1933 bis 1945 werden aufgrund dieses Gesetzes circa 400.000 Männer und Frauen mit erblichen Krankheiten „sterilisiert“.

Nach den Grundsätzen nationalsozialistischer „Erbgesundheitspflege“ gehört die Maßnahme der „Sterilisation“ zur künstlichen „Ausmerze“, die bis zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ geht.

20. Juli 1933

Vatican * Das „Konkordat“ zwischen dem „Heiligen Stuhl“ und dem „Deutschen Reich“ wird vom - katholischen - „Vizekanzler“ Franz von Papen und vom „Kardinalstaatssekretär“ Eugenio Pacelli im „Vatikan“ unterzeichnet.

Das Vertragswerk bestätigt die bestehenden „Länderkonkordate“ mit Bayern, Preußen und Baden und den „Fortbestand der katholischen theologischen Fakultäten an den Universitäten“, sichert den „katholischen Religionsunterricht an allen Schularten“ und die „Beibehaltung und Neueinrichtung von Bekenntnisschulen“, „Freiheit des Bekenntnisses“ und der „öffentlichen Ausübung der Religion“, „staatlichen Schutz für Geistliche“, „Schutz des Beichtgeheimnisses“ und „Schutz der katholischen Organisationen“.
Außerdem wird die „Militärseelsorge“ und das eigene „kirchliche Steuerrecht“ garantiert.

Die Kirche gesteht hingegen den neuen Machthabern nur wenig zu: „Entpolitisierung des Klerus“, „Treueeid der Bischöfe gegenüber dem Deutschen Reich und seinen verfassungsmäßig gebildeten Regierungen“.

Die „Reichsregierung“ macht der Kirche sehr große Zugeständnisse mit dem Ziel, internationale Anerkennung zu erhalten und die deutschen Katholiken für die „Bewegung“ zu gewinnen, solange deren Macht noch nicht gefestigt ist.   

Keine der anderen neunzehn „Weimarer Regierungen“, auch nicht die „Koalitionen mit Zentrumsbeteiligung“, war der katholischen Kirche so weit entgegengekommen. 

22. Juli 1933

Berlin * Noch am Vorabend der Kirchenwahlen macht Hitler in einer Rundfunkrede klar, was die evangelischen Christen zu wählen haben:

„Die Kräfte einer lebendigen Bewegung.
Diese Kräfte sehe ich in jenem Teil des evangelischen Kirchenvolkes in erster Linie versammelt, die als DC bewusst auf den Boden des NS-Staates getreten sind“
.

23. Juli 1933

Obergiesing * Der gewählte Kirchenvorstand der evangelischen „Martin-Luther-Kirche“ besteht zu fünfzig Prozent aus NS-Parteigenossen.

Der Münchner Dekan sagt:
„Dass der Wunsch geherrscht hat, es möchten in unseren Kirchenvorständen besonders auch solche Männer Platz finden, die in der deutschen Freiheitsbewegung an hervorragender Stelle stehen - das war allen verständlich.
Wir brauchen diese Männer in der kirchlichen Arbeit“

Hauptsache ist, dass die „Gottlosen-Propaganda“ im „KZ Dachau“ ihr Ende findet.

25. Juli 1933

München * Durch das Verbot der KPD und SPD sowie der Auflösung der BVP wird das Stadtratsgremium auf 40 Sitze reduziert.  

Aus dem Kreis der NSDAP rücken 17 Stadträte in den nun rein nationalsozialistischen Stadtrat nach.  
Damit ist die „Machtergreifung der Nazis“ in München abgeschlossen. 

23. August 1933

Berlin * Lion Feuchtwanger wird die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. 

September 1933

Theresienwiese * Der „Bierpreis“ wird vom NS-Stadtrat auf 90 Pfennige festgesetzt.

September 1933

Theresienwiese * Das „Zentral-Landwirtschaftsfest“ wird letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet.

Kurz danach werden die Bauernkammern „gleichgeschaltet“, weshalb das „Zentral-Landwirtschaftsfest“ während der NS-Zeit von der „Theresienwiese“ verschwindet.

September 1933

Theresienwiese * Personen jüdischer Abstammung werden „im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ zur Verabreichung von Speisen und Getränken und zur „Veranstaltung von Lustbarkeiten“ nicht mehr auf dem „Oktoberfest“ zugelassen.

Dies gilt auch für Angestellte, Mitarbeiter, Gehilfen oder Mitspieler.

1. September 1933

München * Der „Scharfrichter“ Johann Reichhart gehört verschiedenen Untergliederungen der NSDAP an.

10. September 1933

Vatican - Berlin * Das „Konkordat“ zwischen dem „Heiligen Stuhl“ und dem „Deutschen Reich“ tritt in Kraft. 

23. September 1933

München - Berg am Laim * Der „NSDAP-Stadtrat“ W. Holzwarth stellt den Antrag auf Umbenennung der Schüleinstraße und des Schüleinplatzes in Berg am Laim.

In seiner Begründung gibt er an, dass der „Kommerzienrat Joseph Schülein keine besonderen Verdienste, weder in sozialer Hinsicht, noch um die Stadtgemeinde München im Besonderen, nachgewiesen werden können“ und aus diesem Grund „keine Veranlassung besteht, dass in einem nationalsozialistischen Staate eine Strasse und ein Platz nach einem Juden benannt werden. 

Schülein war Hauptaktionär und Aufsichtsrat-Vorsitzender der Löwenbrauerei und bei seinem nicht unbeträchtlichen Einkommen und grossem Vermögen, dürfte es wohl nicht als besonderes Verdienst anzurechnen sein, wenn er von diesen Geldern wieder einen kleinen Bruchteil der Allgemeinheit für bestimmte Zwecke zur Verfügung stellte. [...]

Ausserdem hat meines Wissens gerade Schülein dafür gesorgt, dass der grösste Teil der Landbrauereien Bayerns [mehrere 1.000 Betriebe] durch die Löwenbrauerei aufgekauft wurden.
Sämtliche aufgekauften Betriebe wurden sofort geschlossen, wodurch die in Bayern blühende Land-Bier-Industrie vollständig vernichtet wurde. 

Die daraus sowohl für die einschlägige Industrie und das Handwerk, als auch für den Arbeitslosenmarkt entstandenen und zugefügten Schäden sind gar nicht zu übersehen“.

1. Oktober 1933

München * „Kommandierender General im Wehrkreis VII“ wird Wilhelm Adam.

11. Oktober 1933

Lehel * „Reichskanzler“ Adolf Hitler legt, begleitet vom Geläute sämtlicher Münchner Kirchenglocken, den Grundstein für das „Haus der Deutschen Kunst“.

Dabei bricht der Zeremonienhammer in zwei Teile.
Ein böses Omen.

Zugleich verleiht der „Führer“ der bayerischen Hauptstadt den Ehrentitel „Hauptstadt der Deutschen Kunst“.

21. Oktober 1933

Ludwigsvorstadt * Uraufführung des Valentin-Bühnenstücks „Der Theaterbesuch“ im „Kabarett Wien-München“, im „Hotel Wagner“ in der Sonnenstraße 23.

Das Stück wird 156 Mal aufgeführt.

27. November 1933

Berlin * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Films „Die Orchesterprobe" in Berlin im Beiprogramm zu „Glückliche Reise“.

Dezember 1933

Geiselgasteig * Dreharbeiten zu dem Film „Es knallt“ mit Karl Valentin als Fürst und Kunstschützen sowie Liesl Karlstadt als Wirtin in den Hauptrollen.

3. Dezember 1933

Kreuzviertel * „Kardinal“ Michael von Faulhaber hält seine „Adventspredigt“ in der „Michaelskirche“.

Darin weist er darauf hin, dass sich in der „deutschen Kultur“ seit dem frühen Mittelalter zahlreiche Einflüsse aus dem „Alten Testament“, also aus der „jüdischen Kultur“, finden:
„Im Besonderen verdanken die menschliche Kultur und christliche Religion dem Alten Testament einen reinen und erhabenen Gottesgedanken“.
Und weiter: „Wir müßten unsere deutschen Klassiker Lügen strafen, wollten wir das Alte Testament mißachten und aus den Schulen und Volksbüchereien verbannen. Wir müßten die Geistesgeschichte unseres Volkes verleugnen.“

Über die Juden sagt er: „Bei keinem anderen Volk findet sich eine solche Schriftenreihe, worin so klar, so bestimmt, so einheitlich die Grundwahrheiten des religiösen Lebens dargeboten werden.“  

Diese und noch andere Worte des Respekts machte er zunichte mit den dann kommenden Sätzen:
„Nach dem Tode Christi wurde Israel aus der Offenbarung entlassen.
Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt.
Sie hatten den Gesalbten des Herrn verleugnet und verworfen, zur Stadt hinausgeführt und ans Kreuz geschlagen.
Damals zerriß der Vorhang im Tempel auf Sion und damit der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk.
Die Tochter Sion erhielt den Scheidebrief, und seitdem wandert der ewige Ahasver ruhelos über die Erde“

Mit solchen Schuldzuweisungen und Verleumdungen geht es weiter.
Faulhaber spricht immer wieder von den „Israeliten“, auf denen der Zorn Gottes ruhe.

Solche Worte sind in „normalen Zeiten“ schon bedenklich.
In Zeiten, in denen staatlich verordnete „Judenschelte“ und „Boykottmaßnahmen“ an der Tagesordnung, in denen Verhaftungen, Beschimpfungen, ja sogar Morde nichts Außergewöhnliches sind, verschlimmern solche Worte die Situation nur noch. 

7. Dezember 1933

Berg am Laim * Die Berg am Laimer Schüleinstraße und der Schüleinplatz werden aufgrund des Antrags des NSDAP-Stadtrats in Halserspitzstraße und Halserspitzplatz umbenannt.

10. Dezember 1933

Maxvorstadt * Der „Kommerzienrat“ und „Handelsrichter“ Emil Zeckendorf, Eigentümer des Hauses Richard-Wagner-Straße 11, stirbt.

18. Dezember 1933

Maxvorstadt * Professor Dr. Ernst von Romberg, Bewohner des Hauses in der Richard-Wagner-Straße 2, stirbt im Alter von 68 Jahren.

31. Dezember 1933

Isarvorstadt * Die Münchner „Brockensammlung“ wird aufgelöst.


Verwendet in Führung:

18. Krippen, Porzellan & Falkenjagd * Auer Impressionen im Nationalmuseum



Freikorps-Denkmal, Freikorps, Mustersiedlung Ramersdorf, Autobahn, Autofahrerschreck, Räterepublik
Zöberlein Hans NS-Stadtrat