2017-02-27 1890 - Müll, Abfallbeseitigung, Reinlichkeitspolizei, Krankheiten, Kehricht, Asche, Küchenabfälle - in München-Geschichte


1890

Probleme der Abfallbeseitigung

München * Im Verwaltungsbericht „Über den Stand der Gemeindeangelegenheiten der königlichen Haupt- und Residenzstadt München“ werden die Zweifel an den bisherigen Methoden der Abfallsammlung deutlich formuliert.

Im Abschnitt „Reinlichkeitspolizei“ heißt es:
„Die innerhalb eines Anwesens sich ansammelnden Abfälle, insbesondere der sogenannte Hauskehricht (Kehricht, Asche, Küchenabfälle), sind in München bisher zumeist in Gruben aufgespeichert worden, welche jährlich mindestens einmal geleert werden mußten.
In diesem Kehricht befinden sich fäulniserregende Stoffe, welche die Träger von Krankheiten sein können.
Dies ist für die Gesundheit umso nachtheiliger, als erfahrungsgemäß die Verschlüsse jener Gruben schlechte sind, ein oftmaliges Öffnen derselben nicht vermieden werden kann, ja dieselben häufig wegen Überfüllung überhaupt offen stehen bleiben.
Die Sorge für die Gesundheit der Stadt verlangt eine rasche Entfernung dieser Stoffe [...] aus den genannten Anwesen.
Desgleichen verlangt die Gesundheitspflege, daß bis zu dem Zeitpunkt ihrer Entfernung die Stoffe in gut verschließbaren Behältern aufbewahrt bleiben.
Der Transport der Abfälle muß in gesicherter Weise stattfinden, sodaß weder sanitäre Gefahr entsteht, noch die Reinlichkeit verletzt wird“
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1890

Suchbegriffe

Müll, Abfallbeseitigung, Reinlichkeitspolizei, Krankheiten, Kehricht, Asche, Küchenabfälle,

Weitere Ereignisse im Jahr 1890

Um das Jahr 1890

München * Das „Luxuscafé“ setzt sich in München durch.  

Den großen Vorbildern „Café Luitpold“ und „Café Prinzregent“ folgt eine Flut von Nachahmungen, die sich im Ausstattungsniveau, im technischen Standard und in der Dienstleistung an diesen hohen Vorgaben orientieren.  

Zwischen 1890 und 1897 wurden eine ganze Reihe von größeren und kleineren Kaffeehäusern gegründet oder ältere dem „Geschmack der Neuzeit entsprechend“ restauriert. 

1890

München * Die „Kapuziner-Brauerei“ wirbt mit „Jeden Samstag und Sonntag Auftreten einer Komiker- und Sängergesellschaft“.

1890

Ludwigsvorstadt * Nach 15 Jahren „Varieté-Betrieb“ wird die „Westendhalle“ in der Sonnenstraße in ein „Volkstheater“ umgewandelt.

1890

Untergiesing * Die inzwischen zur „Aktiengesellschaft“ umgewandelte Produktionsstätte der „Untergiesinger Lederfabrik“ umfasst einen Personalbestand von 360 Arbeitern und Angestellten.

Der Fabrikbesitzer, inzwischen Julius von Eichthal, ist zu einem der wichtigsten Münchner Arbeitgeber aufgestiegen. Auf dem 8,8 Hektar großen Fabrikgelände zwischen der Pilgersheimer- und der Lohstraße werden jährlich 60.000 Rinder- und 15.000 Schweinehäute in fünfzig hölzernen „Wasserkästen“, 420 „Gargruben“ und diversen „Gartrommeln“ verarbeitet und schließlich im Freien zum Trocknen aufgehängt.

Die Bewohner der Lohe sind dadurch ständig einer starken „Geruchsbelästigung“ ausgesetzt.

Um das Jahr 1890

München * Auch wenn der Arbeitsplatz der „Telephonistin“ früher als typischer Beruf für Mädchen aus gutem Hause gilt, so ist der Dienst am Klappenschrank ursprünglich eine männliche Domäne. 

Denn weder die „Königlich-bayerische Post“, noch die „Reichspost“ wollen etwas von Frauen in ihren Reihen wissen.

So erklärt der spätere „Reichspostminister“ Heinrich von Stephan, dass „keine Anstalten weniger als die Reichs-Verkehrsanstalten dazu geeignet sind, Frauen in Beschäftigung zu setzen“

Das „Briefgeheimnis“ scheint bei den Damen nicht sicher und für „gehobene Stellungen“ gelten Frauen sowieso als ungeeignet. 

1890

München * Die Einrichtung von sechs „Filialwachen der Berufsfeuerwehr“ wird vom Magistrat beschlossen.

1890

Haidhausen * Der „Schlossermeister“ Andreas Schärfl gründet in der Weißenburger Straße 11 einen Betrieb zur Metallverarbeitung.

Nach 1890

München * Hugo Alois von Maffei ist stellvertretender Vorsitzender der „Siemens-Schuckert AG“.

1890

Graggenau * Der „Eisbach“ vor dem „Prinz-Carl-Palais“ wird überwölbt.

1890

Lehel - Isarvorstadt * Die „Gastwirtschaft zum Roten Turm“ muss dem Neubau der „Ludwigsbrücke“ weichen.

1890

Maxvorstadt * Franz von Lenbachs „Residenz“ an der Luisenstraße 33 ist fertiggestellt.

1890

München * Der Export Münchner Bieres liegt bei 1.277.595 Hektoliter.

Der Bierverbrauch pro Kopf der Münchner Bevölkerung beträgt 339 Liter.

1890

München * Der Malzverbrauch aller Münchner Brauereien liegt bei 1.222.838 Hektoliter.

Ab 1890

Traunstein * Ludwig Thoma absolviert sein „Rechtspraktikum“ in Traunstein. 

Ab 1890

Lehel * Die Prinzregentenstraße wird angelegt.

Das hat einen Flächenverlust im Süden des „Englischen Gartens“ zur Folge.

Um 1890

Obergiesing * Mit einem Körpergewicht von beinahe zweieinhalb Zentnern und seinem vierzig Zentimeter langem Schnurrbart war der „Steyrer Hans“ eine stattliche, mitunter auch furchteinflößende Erscheinung.

Kein Wunder, dass ihm die Münchner unterstellten, er würde „Oachkatzln“ schnupfen, die er in seiner zigarrenschachtelgroßen, dreiundvierzig Pfund schweren Tabakdose aus Marmor und Zinn untergebracht hätte.
Dieses Ungetüm reicht der „Steyrer Hans“ mit besonderem Vergnügen herum, weil sie kaum jemand halten konnte.

Verheiratet ist er mit Mathilde, der Tochter des „Schweinemetzgers“ Schäffer.
Sie betreiben nacheinander mehrere Gaststätten in München, so das Gasthaus „Zum bayerischen Herkules“ in der Lindwurmstraße, ein weiteres in der Bayerstraße.

Dann übernehmen sie eine kleine Wirtschaft in Obergiesing, den „Tegernseer Garten“, den sie ausbauen und bis zu seinem Tod als „Restaurant Steyrer Hans“ bewirtschaften.
Dieses Wirtshaus an der Tegernseer Landstraße 75 ist ein beliebter Treffpunkt der Athleten und „Kraftmenschen“.

??? 1890

München * Oskar von Miller gründet sein eigenes „Ingenieur-Büro“ in München, das sich zu einem der bedeutendsten europäischen Planungsbüros für Kraftwerkanlagen entwickeln wird.

1890

München * Die Stadtgremien beschließen die Einführung von „Jugendturnspielen“ an den „städtischen Volksschulen“.

Jede Jahrgangsstufe soll - neben dem eigentlichen Turnen - ihrem Alter angemessene Spiele ausüben können.

Um den Jugendlichen diese Möglichkeiten zu geben, müssen in den folgenden Jahren in allen Stadtteilen geeignete Spielplätze und umfangreiches Spielgerät zur Verfügung gestellt werden.

Die auf diesen Sportplätzen durchgeführten „Spielnachmittage“ zeigen reges Interesse und ständig steigende Teilnehmerzahlen.
Schnell kristallisiert sich als beliebteste Betätigung das Spiel mit dem „Fußball“ heraus.

10. Januar 1890

München * Ignaz von Döllinger stirbt - exkommuniziert und unversöhnt mit der römisch-katholischen Kirche.

20. Januar 1890

Graggenau * In der Galeriestraße 15a eröffnet die Berliner Firma "Siemens & Halske" mit zwei Mitarbeitern seine erste Niederlassung außerhalb Preußens. 

Das Zwei-Personen-Büro teilen sich der Ingenieur Adalbert Planck, ein Bruder des späteren "Nobelpreisträgers" Max Planck, und eine Sekretärin. 

15. März 1890

München * Der bayerische Ministerpräsident Johann von Lutz stellt die Trennung der „Altkatholiken“ von der „Katholischen Kirche“ fest.  

Die „Altkatholiken“ verlieren dadurch die „Rechte einer öffentlichen Korporation“

20. März 1890

Berlin * Otto von Bismarck wird von Kaiser Wilhelm II. als „Deutscher Reichskanzler“ entlassen. 

19. April 1890

Theresienwiese * William Frederick Cody, besser bekannt als „Buffalo Bill“, gastiert mit seiner „Buffalo Bill‘s Wild West Show“ im Rahmen seiner „Europa-Tournee“ bis zum 4. Mai 1890 auf der „Theresienwiese“.  

Er ist mit über 200 Cowboys und Indianern sowie 170 Pferden, Mauleseln und rund 20 Bisons unterwegs.  

Mit dabei ist auch die junge „Kunstschützin“ Annie Oakley.

24. April 1890

Bad Wörrishofen * Die Gründer der Firma „Franz Kathreiner‘s Nachfolger“ , Emil Wilhelm und Adolph Brougier, schließen mit dem Bad Wörrishofener „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp einen Vertrag.

Damit können sie ihr „Malzkaffee-Produkt“ als „Kneipps-Malzkaffee“ mit einem „Kneipp-Porträt“ und seiner Unterschrift in den Handel bringen.

1. Mai 1890

München * In Anerkennung seiner Verdienste erhält Arnold Zenetti viele hohe Auszeichnungen:

  • die „Goldene Bürgermedaille der Stadt München“,
  • den Titel „Oberbaurat“ und
  • zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum den mit dem persönlichen Adel verbundenen „Kronenorden“, der ihm vom Prinzregenten Luitpold persönlich an die Brust geheftet wird. 
Juli 1890

Hackenviertel * Nach Buffalo Bills Gastspiel geben „D'Münchner“ im „Bamberger Hof“ das komische Singspiel „Biffola Bull“ oder „Der Indianerhäuptling 'Hau Wau' von Holzkirchen“.

23. August 1890

Isarvorstadt * Die Instandsetzungsarbeiten an der „Neuen Isarkaserne“ beginnen.

Die Reparaturen sind bis zum Frühjahr 1893 abgeschlossen.

25. August 1890

München * Leonhard Romeis erhält den „Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klasse“.

Anlass ist die „Walhalla-Feier".
Romeis hat den Sockel für eine von Ferdinand von Miller jun. gegossene Büste König Ludwigs I. entworfen

30. September 1890

Berlin * Das stets befristete Ausnahmegesetz „Gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ läuft aus. 

Reichskanzler Otto von Bismarck ist im März 1890 grollend abgetreten.

1. Oktober 1890

Haidhausen * Das „Pferdestraßenbahn-Depot“ an der Äußeren-Wiener-Straße kann feierlich eingeweiht werden. 

20. November 1890

Schwabing * Die „Stadt Schwabing“ wird nach München eingemeindet. 

4. Dezember 1890

Au * Die „Riegermühle“ in der Au brennt ab und wird nicht mehr aufgebaut.


Verwendet in Führung:

20. Untergiesing



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