2017-02-20 1895 - Schyrenplatz, Arbeiter-Radfahr-Club, Rennfahrten - in München-Geschichte


Um 1895

Die ersten „Arbeiter-Radfahr-Klubs“ entstehen

München * Die ersten „Arbeiter-Radfahr-Klubs“ entstehen.

Sie lehnen allerdings das „patriotische Klimbim“ und „Rennfahrten“ ab und „wollten gemeinsam mit ihren Klassengenossen in die Ferne schweifen und die Schönheiten der Natur genießen“.


1895

Suchbegriffe

Schyrenplatz, Arbeiter-Radfahr-Club, Rennfahrten,

Weitere Ereignisse im Jahr 1895

1895

Hackenviertel * „Krao, das Affenmädchen“, eine am ganzen Körper behaarte junge Frau aus Burma, lockt die Besucher ins „Internationale Handels-Panoptikum“.

1895

Maxvorstadt * Anlässlich der Vollendung der „Sankt-Benno-Kirche“ erhält Leonhard Romeis den „Verdienstorden vom heiligen Michael III. Klasse“.

1895

Berlin * Der „arbeitsfreie Sonntag“ wird im Kaiserreich gesetzlich verankert.

1895

New York * Konrad Drehers „Schlierseer Bauerntheater“ gastiert während seiner USA-Tournee auch an der „Metropolitan Opera“ in New York.

1895

München * Die evangelische Gemeinde Münchens umfasst 57.478 Mitglieder. 

1895

Haidhausen * Die „Unionsbrauerei“ an der Äußeren-Wiener-Straße in Haidhausen, der heutigen Einsteinstraße 42, wird in „Unionsbrauerei Schülein & Compagnie“ umbenannt und zu einer gut gehenden Braustätte ausgebaut. 

1895

Berg am Laim * Berg am Laim hat 1.359 Einwohner.

Hinzu kommen noch 905 italienische „Ziegelarbeiter“.

1895

München * Ernst von Possart wird zum „Generalintendanten der kgl. Hofbühnen“ befördert.

Er setzt schließlich den Bau eines „Münchner Festspielhauses“ durch.

1895

Bogenhausen * Die beiden von der „Luitpoldbrücke“ auf die „Prinzregent-Luitpold-Terrasse“ führenden Straßenschleifen sind fertiggestellt und werden dem Verkehr übergeben. 

1895

Graggenau * Valentin Ludwig Fey beginnt mit seiner Ausbildung in der „Privat-Bürgerschule Dr. Ustrich“ in der Münzstraße 4.

1895

Au * Zwischen 1895 und 1897 wird die „Volksschule“ an der Kolumbusstraße als „Musterschule“ durch Carl Hocheder errichtet.

Sie löst eine seit 1885 bestehende „Schulbaracke“ in der Pilgersheimer Straße ab.
Der Architekt Carl Hocheder muss für die „Volksschule an der Kolumbusstraße“ eine völlig neuartige architektonische Lösung entwickeln.

Da das Grundstück, wegen des unregelmäßigen Zuschnitts, eine geschlossene Bebauung nicht zulässt, gliedert Hocheder die Schule in einzelne Baukörper.

Zum ersten Mal verwendet er hier die - für das „Münchner Schulhaus“ später so typische - „Turnsaalterrasse“ und stellt sie an die Ecke des spitzwinkeligen Grundstücks.
Als Gegengewicht zu dem breit gelagerten Komplex entsteht der schlanke „Uhrenturm“

Carl Hocheder orientiert sich bei der Gestaltung der Schule an süddeutsche Klosterbauten des 18. Jahrhunderts.

1895

Untergiesing * Nicht nur die Männer liefern sich die ungleichen Wettrennen zwischen Pferd und Fahrrad. 

Es kommt auch zu einem Wettkampf zwischen einer amerikanischen Präriereiterin und einer Münchner Radfahrerin.

„Daß Damen sich auch an den öffentlichen Wettfahrten betheiligen, ist [...] das Eigenartigste auf diesem Gebiete des Sports. [...]
Dieser Wettkampf fand kürzlich zu München auf dem „Neuen Sportplatze“ zwischen der amerikanischen Prairiereiterin Miß Nelly und der Münchener Radfahrerin Fräulein Amanda Löschke statt.

Das Publikum hatte sich zu dieser noch nie dagewesenen Schaustellung überaus zahlreich eingefunden und verfolgte mit lebhaftester Spannung den Verlauf dieses Wettkampfes, aus dem die Reiterin als Siegerin hervorging“.

1895

München * In München gibt es 34.708 Gewerbebetriebe bei 413.255 Einwohner.

1895

München * In München gibt es 147 „Arbeitsnachweise“.

Davon sind 99 gewerbsmäßige Stellenvermittlungen, 18 Arbeitgeber- und 23 Arbeitnehmerbüros. Weitere 7 Vermittlungsbüros werden von karitativen Vereinigungen betrieben.

Ab 1895

Bogenhausen * Bis 1898 entsteht das „Wohn- und Atelierhaus“ für Adolf von Hildebrand in der Maria-Theresia-Straße 23.

1895

Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei-Kraftwerk“ am Eisbach, das heutige „Tivoli-Kraftwerk“, wird zur Stromerzeugung für das „Maffei-Lokomotivenwerk“ erbaut.

Es dient der Firma zur Deckung des eigenen Strombedarfs.

1895

Ludwigsvorstadt * Nach Auffassung des Münchner Magistrats kann man so etwas „Unanständiges“ wie die „Brunnengruppe Satyrherme & Knabe“ des Bildhauers Matthias Gasteiger unmöglich an einem viel besuchten Platz aufstellen, weshalb der Brunnen in die Nähe des „Toilettenhäuschens“ in der „Stachusgrünanlage“ zur Aufstellung kommt.

Aber so gut kann man das „Brunnenbuberl“ gar nicht verstecken, dass sich nicht doch „Moralapostel“ und „Sittlichkeitsvereine“ über diese „Sauerei“ ereifern.

Es kommt zum Skandal, in deren Folge der Münchner Polizeipräsident bei Matthias Gasteiger vorspricht, um ihm „allen Ernstes zu erklären, daß das Bildwerk höchst anstößig sei und daß das Interesse der Aufrechterhaltung der Moral und guten Sitten unbedingt erfordere, daß 'etwas' geschehen“.

Matthias Gasteiger unternimmt nichts. Er will keinesfalls ein Feigenblatt an seinem „Buberl“ akzeptieren.

Februar 1895

Paris * Die Brüder August und Louis Lumiére erhalten das Patent für einen „Cinématographe“.

Ab März 1895

Paris * Der „Cinématographe“ der Gebrüder Lumiére wird in Paris einem Fachpublikum vorgestellt und vorgeführt.

1. März 1895

München * Der Briefkopf der „Firma Hildebrand & Wolfmüller“ weist folgende „Fabrikationslokalitäten“ auf:
Colosseumstraße 1, Müllerstraße 44, Müllerstraße 48, Baumstraße 4a und Zenettistraße 11.

Im Frühjahr 1895 sind bereits 850 Beschäftigte in den über die Stadt verteilten Betriebe tätig.
Die Zahl der Arbeiter steigt bis zum „Konkurs“ der Firma noch auf 1.200 Arbeiter an.

13. März 1895

München * Franz von Lenbachs zweite Tochter Erika wird geboren.

22. März 1895

München * Seit 1893 plant die Stadt München einen zentral organisierten, unparteiisch geleiteten und unentgeltlichen „Arbeitsnachweis“.

Am 22. März 1895 fasst der Magistrat der Stadt den maßgebenden Beschluss zu dieser Einrichtung zur Vermittlung von Arbeitsstellen.

Und nachdem das achtköpfige Gremium gewählt ist, wird mit der Einrichtung des „Städtischen Arbeitsamtes“ in der Zweibrückenstraße 20 begonnen und deren Eröffnung durch Plakate, Annoncen und Zeitungsartikel bekannt gegeben.

12. Juni 1895

Maxvorstadt * Der vom Bildhauer Adolf von Hildebrand entworfene „Wittelsbacher Brunnen“ am Lenbachplatz wird eingeweiht.

11. Juli 1895

Amsterdam * Margaretha Geertruida Zelle, alias „Mata Hari“, heiratet in Amsterdam den zwanzig älteren niederländischen „Kolonialoffizier“ John MacLeod.

Sie hatte den Uniformträger über eine Zeitungsannonce kennen gelernt. 

21. Juli 1895

Maxvorstadt * Franz Stuck wird an der „Königlichen Akademie der bildenden Künste“ Nachfolger von Wilhelm von Lindenschmitt. 

30. Juli 1895

Haidhausen * Die alte Haidhauser „Sankt-Johann-Baptist-Kirche“ ist wieder renovierungsbedürftig geworden und muss wegen Baufälligkeit umgehend geschlossen werden.

Eine Restauration wird wegen der hohen Kosten abgelehnt.

19. August 1895

Haidhausen * Gegen den Abriss der alten Haidhauser „Sankt-Johann-Baptist-Kirche“ formiert sich der Widerstand.

Dieser führt dazu, dass sich das „Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns“ für die Erhaltung der Kirche aus „historischen und ästhetischen Gründen“ ausspricht.
Damit wird das Gebetshaus renoviert und bleibt erhalten.

September 1895

Theresienwiese * Mit Carl Gabriels „Hexenschaukel“ kommt eine Neuheit aufs „Oktoberfest“.

September 1895

Theresienwiese * Der Magistrat will das „Oktoberfest“ attraktiver gestalten.

Dazu soll das „Winzerer Fähndl“ einen „Festzug in historischen Kostümen“ organisieren.

September 1895

Theresienwiese * Der Verein „Winzerer Fähndl“ bekommt für seine Beteiligung am „Wiesnumzug“ das Recht eingeräumt, eine eigene „Bierbude“ auf dem „Oktoberfest“ zu bewirtschaften.

Dafür wird ein Vertrag mit der „Thomas-Brauerei“ geschlossen.
Die „Bierbude“ entsteht neben der „Oktoberfest-Zielstatt für das Adler-, Stern- und Scheibenschießen“ der „Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl“.

Die „Festburg Winzerer Fähndl“ ist die erste große „Bierhalle“ auf der „Theresienwiese“, die außerhalb des bisherigen „Wirtsbudenrings“ Aufstellung findet.

Ein 26 Meter hoher „Lueg-ins-Land“ überragt sie.
Seine Vorderfront ziert eine riesige Darstellung eines „Geharnischten“, der einen Humpen „Thomasbräubier“ schwenkt.

18. September 1895

Graggenau * Im „Großen Saal“ des „Alten Rathauses“ veranstaltet der „Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke“ unter der Leitung von Geheimrat von Pettenkofer eine öffentliche Veranstaltung.

27. September 1895

Theresienwiese - Kreuzviertel * Von der „Polizei-Kommandantur“ wird über die „Bierbude Nr. 3“ ein „Militärverbot“ verhängt.

Der Grund ist die Erklärung des Budeninhabers, er werde dem sozialistischen Gewerkschaftsverein für jeden auf der „Festwiese“ gezapften Hektoliter eine Mark spenden.

30. September 1895

München * Das „Winzerer Fähndl“ zeigt einen „Jagdzug“ aus dem 16. Jahrhundert, an dem 200 Personen und 26 Pferde beteiligt sind.

1. November 1895

Isarvorstadt * Mit sieben Mitarbeitern beginnt die Arbeitsvermittlung von „gewerblichen Arbeitern, Handlungsangestellten, Dienstboten, Tagelöhnern und Lehrlingen“ im „Südpavillon“ auf der „Kohleninsel“.

Damals öffnet das „Städtische Arbeitsamt München“ seine Pforten für arbeitsuchende Münchnerinnen und Münchner.

Die bayerische Hauptstadt übernimmt mit dieser Einrichtung im Bereich der kommunalen Arbeitsvermittlung - neben einigen Städten in Württemberg - eine Vorreiterrolle.

2. November 1895

München * Das „Konkursverfahren“ vor dem „Königlichen Amtsgericht München I“ gegen die „Firma Hildebrand & Wolfmüller“ wird eröffnet.

Wie viele „Motorräder“ wirklich produziert worden sind, lässt sich nicht mehr bestimmen; es waren aber kaum mehr als einhundert.

Was war geschehen und warum wurde der kometengleiche Aufstieg der Firma so jäh wieder beendet?
Denn immerhin erreichte das Auftragsvolumen nur wenige Wochen nach der Firmengründung zwei Millionen Reichsmark, was die Unternehmer in die Lage versetzte, ihre „Motorräder“ für einen Stückpreis von 650 Mark an die Händler abzugeben.

Alois Wolfmüller und Heinrich Hildebrand wagten sich zu früh an die Öffentlichkeit.
Der „Konstrukteur“ musste sich - wie sein Geldgeber - um die Produktion kümmern, und fand schon deshalb keine Zeit, sich um die Verbesserung seiner sonst so fortschrittlichen Erfindung zu kümmern.

Das Grundproblem des „Hildebrand & Wolfmüller - Motorrades“ war die ungenügende Funktion der „Zündung“.
Das Anlassen der „H&W-Maschine“ - ohne „Kickstarter“ und ohne „Batterie“ - war laut der Beschreibung für das „Motorrad“ für einen Geübten in drei bis fünf Minuten zu bewerkstelligen.

Heute wissen wir allerdings, dass der „Vorwärm-Mechanismus“ - ähnlich wie bei Dieselfahrzeugen - viel Fingerspitzengefühl erforderte und sicherlich 13 bis 15 Minuten dauerte - oder gar nicht gelang.
Die Unzufriedenheit der Kunden war also vorhersehbar und der Konkurs der Münchener Firma damit unabwendbar.

Auch sonst war man bei diesem Pionierstück der „Motorrad- Geschichte“ noch von vielen heute üblichen Lösungen weit entfernt.
Beim Betrachten des „H & W - Motorrades“ fällt sofort der an ein Lokomotivengestänge erinnernde Antrieb auf.
Über zwei lange „Pleuelstangen“ wurde die Kraft der beiden Kolben - wie bei einer Dampfmaschine - direkt auf das Hinterrad des „H&W-Motorrades“ übertragen.

Der gravierende Unterschied lag im Antrieb, der bei dem „Motorrad“ über einen Benzinmotor erfolgte.

Da bei einem „Benzinmotor“ die Kraft durch die Explosion eines Gasgemisches erfolgt, war ohne Kupplung und Getriebe ein gefühlvolles und ruckfreies Anfahren überhaupt nicht möglich.
Die mit einem für heutige Verhältnisse außergewöhnlich hohen Hubraum von 1.530 cm³ ausgestattete Maschine wurde bei jeder Zündung um 1½ Meter nach vorne „geworfen“.

Um den Vorwärtsdrang dieses „Hubraumriesen“ etwas geschmeidiger zu gestalten, kamen zwei starke Gummibänder zum Einsatz, die beidseitig am „Motorrad“ angebracht wurden, einen Teil der Energie speicherten und diese dann während der „Rückhubphase“ des Kolbens abgaben.

Um mit dem „H&W-Motorrad“ überhaupt in Fahrt zu kommen, musste der Fahrer - auf dem Sattel sitzend - beidseitig mit den Beinen so lange anschieben, bis der 2,5-PS-Motor seine Arbeit aufnahm, um in den Stillstand zu kommen, der Motor sogar „abgewürgt“ werden.

Die einzige Bremse des Fahrzeugs bestand aus zwei Holzklötzen, die direkt auf die Lauffläche drückten.

Dennoch konnte mit dem „Motorrad“ eine Geschwindigkeit von dreißig bis vierzig Kilometern in der Stunde erreicht werden.
Sonderanfertigungen brachten es sogar auf neunzig Stundenkilometern.

Aus dieser - bei Weitem nicht vollständigen - Funktionsbeschreibung geht eindeutig hervor, dass die richtige Bedienung des „Hildebrand & Wolfmüller Motorrades“ durch einen Laien kaum zu bewerkstelligen war.
Und genau das war auch der Grund, weshalb die „H & W“ als „Serien-Motorrad“ nicht erfolgreich war.

28. Dezember 1895

Paris * Die Brüder Louis und Auguste Lumiére zeigen im Pariser „Grand Café“ mit einem „Cinematographe“ genannten Gerät „lebende Bilder“

Umgehend nimmt Carl Gabriel Verhandlungen auf und erreicht die Absendung eines „Operateurs“ nach München.


Verwendet in Führung:

20. Untergiesing



Schyrenplatz, Arbeiter-Radfahr-Club, Rennfahrten