2017-02-20 1861 - Juden, Matrikelzwang, Ansiedelung - in München-Geschichte


1861

Der sogenannte „Matrikelzwang“ wird aufgehoben

München * Der sogenannte „Matrikelzwang“ wird aufgehoben.

Den jüdischen Mitbürgern ist damit die Ansiedelung in München ohne Beschränkung möglich.


1861

Suchbegriffe

Juden, Matrikelzwang, Ansiedelung,

Weitere Ereignisse im Jahr 1861

1861

Au * Josef Sedlmayer erwirbt den „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße und lässt ein auf neuester Technik basierendes Brauereigebäude errichten.

Er verlegt auch seinen „Leistbräu“ hieher.
Das Unternehmen heißt jetzt „Josef Sedlmayer - Brauerei zum Franziskaner (Leistbräu)“.

1861

Haidhausen * Der „Physikatsbericht“ gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum:

Demnach sind von den 491 Haidhauser Häuser 166 für „Herbergen“ bestimmt.
Das sind 33,8 Prozent. 626 „Gemächer“ oder 3,8 Wohnungen je Haus waren darin untergebracht.

1861

Haidhausen - Au * Die „Unheilbaren“ vom Spital am Gasteig werden in den Räumen der ehemaligen „Irrenanstalt“ in Untergiesing untergebracht.

1861

Starnberger See * Der bayerische Staat erwirbt die Eisenbahn-Strecke zum Starnberger See von Ulrich Himbsel. 

1861

München - Au - Haidhausen - Giesing * Im „Physikatsbericht des Bezirks der Stadt München“ finden sich über die Wohnverhältnisse in den „Herbergsvierteln“ folgende Ausführungen:

„München besteht gegenwärtig aus 2 Theilen, durch den Isarfluß voneinander getrennt.
München links der Isar ist der größte Theil, und das ursprüngliche, eigentliche, alte München. München rechts der Isar enthält die erst seit 1854 zu München gezählten 3 Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing.

In diesen 3 Vorstädten sind natürlich die Wohnungsverhältnisse ganz anders, wie auch die Population eine ganz andere ist, als wie in München links der Isar.
In den genannten 3 Vorstädten, in welchen größtentheils Taglöhner, überhaupt Arbeiterbevölkerung wohnt, ist das Herbergswesen vorherrschend. [...]

In diesen Herbergen ist die Bewohnung dichter, sind die Wohnungen überhaupt schlechter, den hygienischen Anforderungen nicht entsprechend, ja sie sind, wie dies namentlich in den Jägerhäuseln, in der Lohstraße, Quellenstraße, in der Grube zu Haidhausen der Fall ist, sogar im hohen Grade feucht in Folge ihrer tiefen Lage an dem Bergabhang und an den Canälen und dergleichen, sie sind finster, oft dumpf usw., und wunderbar dennoch ist, wie ich in einer speciellen Bearbeitung der Wohnungsfrage in München im Allgemeinen im vorigen Jahre nachgewiesen habe, die Mortalität in diesen Straßen und Häusern nicht im Geringsten eine größere, und sind die Erkrankungen, namentlich an Typhen etc. nicht einmal so häufig hier, als wie in den luftigsten und schönsten Quartieren der Stadt.

Ich weiß dieses nur dadurch zu erklären, daß diese Bevölkerung eine abgehärtetere und obgleich arm, doch gut genährte, und größtentheils im Freien lebende ist“.

1861

Au * Der „Physikatsbericht“ gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum:

Demnach sind von den 744 Auer Häuser 269 für „Herbergen“ bestimmt.
Das sind 36,2 Prozent. 1.167 „Gemächer“ oder 4,3 Wohnungen je Haus sind darin untergebracht.

1861

Giesing * Der „Physikatsbericht“ gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum:

Demnach sind von den 467 Giesinger Häuser 89 für „Herbergen“ bestimmt.
Das sind 19,1 Prozent. 294 „Gemächer“ oder 3,3 Wohnungen je Haus waren darin untergebracht.

1861

Lehel * Der „Physikatsbericht“ gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum:

Demnach sind von den 435 Häuser im Lehel 25 für „Herbergen“ bestimmt.
Das sind nur 5,6 Prozent.

1861

Isarvorstadt - Ludwigsvorstadt * Der „Physikatsbericht“ gibt Auskunft über die Aufteilung der Häuser in Herbergseigentum:

Demnach sind von den 806 Häuser der Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt lediglich 5 für „Herbergen“ bestimmt.
Das sind 0,6 Prozent. 20 „Gemächer“ oder 4,0 Wohnungen je Haus waren darin untergebracht.

1861

Friedrichsdorf * Philipp Reis erfindet das „Telephon“

1861

Bogenhausen * Auf dem Grundstück des „Rappelhofes“ in der Neuberghausener Straße, der mit rund 100 Tagwerk Wirtschaftsfläche zweitgrößte Bauernhof Bogenhausens, wird die Wirtschaft „Neuberghausen“ eröffnet.

1861

Haidhausen * Der „Vorstadt-Krämer“ Eugen Allwein erwirbt das „Kotterhof“-Anwesen in Haidhausen.

1861

München * München hat 130.222 Einwohner, 4.251 Familien, 6.210 Häuser.

1861

Haidhausen * Das „Verzeichnis der Hauseigentümer und Herbergsbesitzer“ verzeichnet in den vier Häusern des „Kriechbaumhauses“ insgesamt zwölf Eigentümer von Herbergen. 

Ab 1861

Graggenau * Bis 1864 wird das „Alte Rathaus“ vom „Städtischen Baurat“ Arnold Zenetti regotisiert.

1861

München * König Max II. verordnet mit Gesetzeskraft: „Die Verwendung anderer Stoffe oder Surrogate für Gerstenmalz und Hopfen zur Bereitung von Braunbier bleibt verboten“.

1861

Bayern * 3.840 „Ziegelstadel“ gibt es in ganz Bayern.

1861

Graggenau * Kopien der verschenkten „Moriskentänzer“ werden im „Festsaal des Alten Rathauses“ zur Aufstellung gebracht. 

1861

Au * Der „Salvator“ wird erstmals im neu erbauten „Zacherlkeller“ ausgeschenkt.

1861

Bogenhausen * Das ehemalige „Schloss Neuberghausen“ wird abgerissen.

Die „Gastwirtsgerechtsame“ des Ausfluglokals geht auf den „Rappelhof“ - neben der Bogenhausener Georgs-Kirche - über.

1861

Kreuzviertel * Die Häuser Nr. 41 - 44 in der Neuhauser Straße werden zum „Hotel Oberpollinger“ umgebaut. 

1861

Maxvorstadt * Da die Gemälde Adolf Friedrich von Schacks an ihrem Aufstellungsort aufgrund der Feuchtigkeit „dem sicheren Verderben“ ausgesetzt sind, lässt der Kunstmäzen von Eduard Gerhardt ein neues „Galeriegebäude“ im Garten seines Anwesens an der Brienner Straße 19 erbauen.

1. Januar 1861

Oberdorf * Ida Baer, die spätere Ehefrau des Bierbrauers und Besitzers der Union-Brauerei, Joseph Schülein, wird in Oberdorf geboren.

17. Januar 1861

New York * Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag stirbt Lola Montez.  

Ein kurzes, aber ereignisreiches Leben ist damit zu Ende. 

2. Februar 1861

Graggenau * Der 15-jährige bayerische Kronprinz Ludwig erlebt die Münchner „Lohengrin“-Aufführung. 

Damit wird der Grundstein für seine schwärmerische Begeisterung für Richard Wagner und dessen Musikwelt gelegt.
Es heißt, dieser Abend sei Ludwigs „wahrer Geburtstag“ gewesen.

4. März 1861

Haidhausen - Ramersdorf * Mit einer Entschließung des „Staatsministerium des Inneren“ und des „Justizministeriums“ soll das Gebiet „Auf der Ramersdorfer Lüften“ und jenes am „Kuisl“ künftig

  • von der Gemeinde Ramersdorf abgetrennt,
  • mit der „Vorstadt Haidhausen“ vereinigt und
  • in den Münchner Burgfrieden aufgenommen werden. 
Ab April 1861

Wien * Am Wiener „Hofoperntheater“ soll Richard Wagners „Tristan und Isolde“ aufgeführt werden.
Nach 77 Proben wird das Stück Ende 1863 wegen „Unspielbarkeit“ abgesagt.

27. April 1861

München * Prinz Otto wird an seinem 13. Geburtstag von seinem Vater zum „Unteroffizier“ ernannt. 

16. Juni 1861

München * Der „bürgerliche Lohnkutscher“ Michael Zechmeister will „einem längst gefühlten Bedürfnisse unserer Residenzstadt“ abhelfen und richtet einen privaten „fahrplanmäßigen Stellwagenverkehr“ ein.   

Seine drei „Groschenwagen“ fahren fünfmal täglich die Strecke „Centralbahnhof - Marienplatz - Tal - Lilienstraße - Mariahilfplatz“.  

Doch auch wenn Michael Zechmeister mit seinem „Stadtomnibus“ erstmals die innerstädtische Beförderung einer größeren Menschenmenge ermöglicht, so ist die Nachfrage nach dieser Dienstleistung noch sehr gering.  

Das liegt auch an der Durchschnittsgeschwindigkeit der „Pferde-Omnibus-Linie“, die nur wenig über der eines Fußgängers liegt und deshalb mehr der Bequemlichkeit und weniger dem schnelleren Vorwärtskommen dient.  

Hinzu kommen die hohen Fahrpreise, die sich nur gut situierte Fahrgäste leisten können.  
Sie liegen bei sechs Kreuzern und sind damit doppelt so teuer wie ein Brot.  

Damit scheidet die „Unterschicht“ als Kundschaft aus.  
Die zahlungskräftige „Oberschicht“ lässt sich aber von „Fiakern“ oder in eigenen „Equipagen“ kutschieren. 

16. Juni 1861

Graggenau * Kronprinz Ludwig II. erlebt Ludwig Schnorr von Carolsfeld in der Titelrolle des „Lohengrin“.

12. August 1861

München * Der „Lohnkutscher“ Michael Zechmeister eröffnet seine dritte Linie.  

Sie führt vom Bahnhof über den Promenadeplatz, über die Theatiner- zur Maximilianstraße und endet an der „Praterinsel“.  
Von hier aus muss der Fahrgast den Weg nach Haidhausen zu Fuß zurücklegen. 

Um September 1861

München - New York * Der aus New York stammende „Zivil-Ingenieur“ S. A. Beer sucht in München um eine „Konzession für eine Pferdebahn“ nach.  

Doch der Münchner „Magistrat“ lässt den Amerikaner abblitzen, weil die Sache für ihn zu wenig erprobt und er München schlichtweg für zu klein hält.   

Tatsächlich besteht München damals lediglich aus der Innenstadt, der zum ehemaligen „Burgfrieden“ gehörenden „Anna-Vorstadt“, der „Maxvorstadt“, der „Ludwigsvorstadt“, der „Isarvorstadt“ und den seit dem 1. Oktober 1854 eingemeindeten Vorstädten „Haidhausen“, „Au“ und „Giesing“.  

Durch die Eingemeindung hat sich das Stadtgebiet Münchens zwar verdoppelt.  
Doch dieses Stadtgebiet entspricht mit seinen rund 3.200 Hektar gerade einmal zehn Prozent der heutigen Stadtfläche, die damals von 130.222 Menschen bewohnt wird.  

Außerdem, so lautet ein weiteres Argument des „Stadt-Magistrats“, hat ja der „bürgerliche Lohnkutscher“ Michael Zechmeister gerade einen privaten „Stellwagenverkehr“ eingerichtet, der seine drei „Groschenwagen“ fünfmal täglich die Strecke „Centralbahnhof - Marienplatz - Tal - Lilienstraße - Mariahilfplatz“ anfahren lässt. 

10. November 1861

München * Der bereits am 4. Juni 1848 im „Grundlagengesetz“ verkündete Grundsatz der „Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung“ wird nun endlich verwirklicht. 

22. Dezember 1861

München * Kronprinz Ludwig II. wohnt der Aufführung der Wagner-Oper „Tannhäuser“ bei.


Verwendet in Führung:




Juden, Matrikelzwang, Ansiedelung