2017-02-27 1898 - Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung, Kohleninsel, Mord- und Gewalttat, Alte Isarkaserne, Weltausstellung, Automatenrestaurant, Gartenschau, Standkonzert, - Luitpold Prinzregent in München-Geschichte


11. Juni 1898

Der Prinzregent eröffnet die „II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“

Isarvorstadt * Prinzregent Luitpold eröffnet die „II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“.

Als Ausstellungsgelände dient die „Kohleninsel“, die auch „zu etwas anderem gut sei als zu schmutzigen Schuppen, nächtlichem Aufenthalt lichtscheuen Gesindels und ab und zu einer verschwiegenen Mord- oder Gewalttat“.

Der Ausstellungsbau ist ein gewaltiges Gebäude im neoklassizistischen Stil mit einer imponierenden, säulengeschmückten Eingangshalle, einem 45 Meter hohen Rundturm, dessen Aussichtsgalerie über einen elektrischen Fahrstuhl erreicht werden kann, und weiteren Nebengebäuden.
Zusammen mit der integrierten „Isarkaserne“ stehen rund 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Architektonisch folgt man zwar den großen Vorbildern der Weltausstellungen, doch der schöne Schein ist trügerisch, denn die Bauten bestehen aus zusammengenagelten und weiß getünchten Brettern, die Säulen und der üppige Figurenschmuck sind lediglich Gips und Stuck - und damit nur für eine begrenzte Dauer konzipiert.

Im südlichen Teil der Insel erreicht man über einen Park das Hauptrestaurant.
Dem gegenüber befindet sich das „Automatenrestaurant“, in dem man sich - eine absolute Neuheit für die Münchner - gegen Geldeinwurf verpflegen kann.

Im Park gibt es außerdem eine große Gartenschau und täglich stattfindende Standkonzerte.


1898

Suchbegriffe

Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung, Kohleninsel, Mord- und Gewalttat, Alte Isarkaserne, Weltausstellung, Automatenrestaurant, Gartenschau, Standkonzert, ,

Personen

Luitpold Prinzregent

Weitere Ereignisse im Jahr 1898

1898

Au * Ludwig Weinberger senior gründet eine „Wagnerei“ in der Brunnthaler Straße und beschäftigt sich zunächst mit der Herstellung von Pferdefuhrwerken. 

1898

Wien * Die Wiener „Alpine Gesellschaft D‘Reichensteiner“ beschließt bei ihrer Gründung einen „Arier-Paragraphen“, um damit jüdische Mitbürger von der Mitgliedschaft auszuschließen.

1898

Theresienwiese * Die „Radrennbahn“ auf der „Theresienwiese“ stellt ihren Betrieb ein.

1898

Hackenviertel * „Krao, das Affenmädchen“, die junge Frau aus Burma mit der Ganzkörperbehaarung, lockt - nach 1895 - erneut die Besucher ins „Internationale Handels-Panoptikum“ an der Neuhauser Straße 1.

1898

München * In der „Feuerdienstordnung der königlichen Polizei-Direktion München“ wird die „Vorgehensanweisung für Vergnügungsetablissements“ festgeschrieben.

1898

Kreuzvierzel * In der Folge des Pariser „Basarbrands“ müssen im „Oberpollinger“ zur Freihaltung von Fluchtwegen zehn Tische entfernt werden.

Damit verringern sich die Sitzplätze von 300 auf 220, was natürlich den Umsatz und damit das Einkommen der Gastronomie und der auftretenden Künstler erheblich schmälert.

1898

Berg am Laim * Bei der Firma „Franz Kathreiner's Nachfolger“ beträgt das „Wochenleistungsmaß“ 57 Stunden.

Die Beschäftigten müssen nach der geltenden „Betriebsordnung“ um 7 Uhr morgens im Betrieb sein und dürfen ihn vor abends 19 Uhr nicht mehr verlassen.

Es gibt zwar eine allgemeingültige „Gewerbeordnung“ für alle Unternehmen, doch wird diese durch innerbetriebliche spezielle „Arbeitsordnungen“, in der die Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer noch eindeutiger festgelegt sind, ergänzt.
Verstöße gegen diese „Hausordnung“ werden durch von der Firmenleitung einseitig festgelegte Geldstrafen geahndet.

Es gibt eine „Paragraphen-Liste“ für die sogenannten „50-Pfennig-Strafen“.
Diese können fällig werden, wenn ein Beschäftigter während der Arbeitszeit schlafend angetroffen wird.

Das ist zwar ein nicht akzeptierbares Verhalten, doch bei einer „57-Stunden-Arbeitswoche“, oftmals verbunden mit schweren körperlichen Arbeit kann das schon vorkommen.

Selbst das Führen von Unterhaltungen am Arbeitsplatz, die von der „Geschäftsleitung“ als „arbeitsstörend“ eingestuft werden, führen zu dieser Strafe.
Das gilt gleichfalls für das „Müßiggehen“ in den „Geschäftsräumen“.

Daneben regelt die „Arbeitsordnung“ das Verhalten der „Arbeitnehmer“.
So darf niemand die Arbeit niederlegen, bevor nicht das „Glockenzeichen“ oder die „Dampfpfeifen“ ertönt sind.

Die „Geldstrafen für Verspätungen“ sind bei der Firma „Franz Kathreiner's Nachfolger GmbH“ noch differenzierter geregelt.
Da müssen jene Beschäftigte, die zu spät an ihren Arbeitsplatz kommen, außer beim ersten Mal, eine „Mindeststrafe von 20 Pfennigen“ entrichten.
Sind die Verspätungen größer als zwanzig Minuten, dann ist pro Minute ein Pfennig fällig.

1898

Maxvorstadt * Anderl Welsch tritt zwischen 1898 und 1905 im „Apollotheater“ in der Dachauer Straße 19 - 21 auf.

1898

Maxvorstadt * Der „Fabrikant“ Carl Ungerer lässt sich das hochherrschaftliche Doppelhaus an der Brienner Straße 38/40 erbauen.

Architekt ist Eugen Drollinger.
Carl Ungerer lebt hier bis 1905.

1898

Bogenhausen * Der „Panoramenmaler“ Ernst Philipp Fleischer fertigt das Rundgemälde „Kaiser Franz Joseph und seine Zeit“.

1898

Bogenhausen * Die neubarocke, schlossartige „Bürgermeistervilla“ an der Ismaninger Straße 95 wird für das Ehepaar Joseph und Pauline Selmayr auf dem Grund es ehemaligen „Hansmarterhofs“ erbaut.

Sie umgibt der „Bürgermeistergarten“.

1898

München - Haidhausen * Mit einer „Ministerialentschließung“ wird das sogenannte „Fünf-Prozent-Grün“ eingeführt.  

Diese legt fest, dass in allen zu erstellenden Baulinienplänen fünf Prozent der Gesamtfläche als Grünanlagen und Spielplätze auszuweisen sind.  

Haidhausen und das „Franzosenviertel“ ist mit Grünanlagen nicht gerade gesegnet.  
Eine Begründung lässt sich auch darin finden, dass eine Sicherung von Grünanlagen ohne staatliche Verordnung seinerzeit nicht denkbar ist.  
Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert.  

Bei der Bebauung eines Gebiets durch „Terraingesellschaften“ sind die Flächen unentgeltlich an die Stadt abzutreten.  
Diese „städtebaulich und sanitär bedeutende Entscheidung“ betrifft anfänglich nur die großen Grundbesitze, da die entsprechenden fünf Prozent hier auch tatsächlich eine größere zusammenhängende Fläche ergeben.  
Später werden die Fünf-Prozent-Flächen durch Grundabtausch erstellt.  

Zwar sind im „Franzosenviertel“ mit dem Orleans-, Weißenburger-, Pariser- und Bordeauxplatz die ersten stadtteilbezogenen Grünanlagen geschaffen worden.  
Diese dienen jedoch mit ihren regelmäßigen Formen und überschaubaren Größen rein als Schmuckplätze und Mittelpunkt eines Wohngebiets.  
Zum Spielen und als Aufenthalt für Kinder sind sie jedoch nicht geeignet, da zudem noch der Straßenverkehr über diese Plätze führt.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich im dicht besiedelten „Franzosenviertel“ lediglich noch zwischen Orleans-, Lothringer- und Pariser Straße ein unbebautes Areal erhalten:  die „Postwiese“.  

Walter Heerde weist in seinem „Haidhausen-Buch“ darauf hin, dass die „Postwiese“ ihren Namen völlig zu unrecht trägt, „denn es handelte sich nicht um eine Wiese, sondern um eine große, häßliche Grube, die zwar von der Haidhauser Jugend von je her als Spielplatz und winterliche Rodelstätte benützt wurde, aber sonst einen Schandfleck und ein Sorgenkind Haidhausens bildete“

1898

Au * Dr. Joseph Freudenberger schreibt über die „hohe sozialpolitische Bedeutung der Herbergen“:

Es ist „nicht zu verkennen, daß sie gegen die sozialistischen Irrlehren vielfach feit, die ja bekanntlich darauf hinausgehen, Unzufriedenheit und Haß zu säen, und den diesen Gefühlen Verfallenen zum Kampfe gegen die Besitzenden aufzustacheln, wogegen jeder, der einen, wenn auch noch so kleinen Besitz hat, veranlaßt und verpflichtet ist, für Erhaltung der bestehenden Verhältnisse einzutreten.

Nimmt man ihm aber diesen Besitz, fertigt man ihn und seine Ansprüche mit einer schnöden Summe Geldes ab, so wirft man ihn der Umsturzpartei [gemeint waren damit die „Sozialdemokraten“] förmlich in die Hände“.

1898

Haidhausen - Lehel * Der „Kabelsteg“ - Münchens schönste und meistfotografierte Brücke - wird zur Kabelüberführung errichtet.

1898

München * Um die Jahrhundertwende ist die Bezeichnung „Münchner Architektur“ auch im Ausland ein Qualitätsbegriff.

Speziell zwei Gebäudetypen werden dabei zu einem beliebten „Exportartikel“: der „Bierpalast“ und das „Schulhaus“.

Natürlich ist die Konzeption des Schulhausbaues eine langjährige Entwicklung, doch mit Carl Hocheders „Volksschule am Kolumbusplatz“ ist der vorläufige Höhepunkt erreicht.

„Schulgärten“, „Brausebäder“ und die „Turnsaalanbauten“ sind feste Bestandteile in den Volksschulen. „Schulküchen“, „Schulwerkstätten“ und „Horte“ werden bei Bedarf eingefügt.

Die Bauform ergibt sich durch Aneinanderschieben der „L-förmigen“ Jungen- und Mädchentrakte.
An der Gelenkstelle entstehen die übereinanderliegenden Turnsäle.

1898

Ludwigsvorstadt * Im „Frankfurter Hof“ wird von dem „Pächter“ Josef Durner eine „Volkssänger-Bühne“ eröffnet, in der die Gesellschaft von Hans Blädel spielt, bis sie 1907 in den „Peterhof“ am Marienplatz umzieht. 

1898

Maxvorstadt * Als erstes Kaufhaus in München wird jenes von Hermann Tietz, der heutige „Hertie“, am Hauptbahnhof eröffnet.

Ab 1898

Angerviertel * Der „Hundemarkt“ hat seinen Platz an der „Faßeiche“ am „Schrannenpavillon“

Anno 1898

Au * Der Bäcker Josef Bernbacher verkauft sein Brot in der Quellenstraße 42.

1898

Isarvorstadt * Das „Münchner Arbeitsamt“ ist die Hauptvermittlungsstelle für die Bezirke Oberbayern, Schwaben und Neuburg.

Seine Hauptaufgabe ist, möglichst viele am Münchner Arbeitsmarkt gemeldete Arbeitslose auf das Land zu vermitteln.
Doch für die Landbevölkerung stellt das Leben in der Stadt die wünschenswertere Perspektive dar, weshalb die meisten Zuzügler nicht zur Rückkehr zu bewegen sind.

Deshalb bietet man diesen Arbeitern und Dienstboten nur mehr landwirtschaftliche Stellen an.
Die anderen Stellenangebote werden dagegen nur den Münchnern vorgelegt.

1898

Berlin * „Admiral“ Alfred Peter Friedrich Tirpitz erhält von Kaiser Wilhelm II. den Auftrag, eine „Kriegsflotte“ aufzubauen, um England einzuschüchtern und zu Bündnisverhandlungen zu bewegen.

1. Januar 1898

Maxvorstadt * Die kleine, 210 Meter lange Straße, welche an der Nordseite der Brienner Straße, unmittelbar gegenüber der einstigen „Gartenvilla“ Richard Wagners, zur Gabelsbergerstraße führt, wird mit dem Namen „Richard-Wagner-Straße“ benannt. 

Eine bereits vorhandene „Richard-Wagner-Straße“ in Neuhausen ist kurz zuvor in „Nibelungenstraße“ umbenannt worden.

15. Januar 1898

München * Die Vorschrift tritt in Kraft, wonach „Neubeschaffene sowie nachbeschaffene Behälter in Bezug auf Maß und Form genau der beim Stadtbauamt aufbewahrten Mustertonne entsprechen“ müssen. 

Diese sind bis zum Jahr 1983 offiziell in Gebrauch.

28. Februar 1898

Berlin * Das „Flottengesetz“ des „Deutschen Reichstags“ in Berlin löst das Wettrüsten mit Großbritannien aus. 

Mai 1898

Haidhausen * Die vier Bekrönungsfiguren auf der „Villa Stuck“ werden aufgestellt. 

13. Juni 1898

München * In Bayern dürfen nur noch solche Personen an einer Hinrichtung teilnehmen, die ein „ernstes Interesse“ an ihr bekunden können.

September 1898

Theresienwiese * Georg Lang engagiert für sein „Festzelt“ eine 40 Mann starke „Blaskapelle“.

Die „Original Oberlandler“ sind in Tracht gekleidet und greifen auf ein breites Spektrum beliebter Unterhaltungsmusik zurück.

Die „revolutionäre Tat“ Georg Langs folgt einer „Mode“ jener Jahre.
In vielen Bierpalästen, Singspielhallen und Volkssängerlokalen sind Musikkapellen in Oberländer oder Dachauer Tracht gang in gäbe. Doch mit der Musik steigert er den Bierumsatz.

Besonders das Lied von Bernhard Dittrich aus Chemnitz animiert zum Trinken: „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit, ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit. Oans, zwoa, drei, gsuffa!“.

September 1898

Theresienwiese * Die „Ochsenbraterei“ ist - sehr zur Freude der Münchner - wieder auf dem „Oktoberfest“ vertreten.

Um September 1898

Berlin * Wilhelm Liebknecht bietet Kurt Eisner beim SPD-Parteiorgan „Vorwärts“ eine Tätigkeit im Redaktionsteam an.

„Eisner ist eine scharfe Klinge, die hoffentlich manchen Kopf abschlägt.
Möglich, dass es uns endlich gelingt, das Blatt journalistisch zu heben“
.

September 1898

Theresienwiese * Der aus Nürnberg stammende „Krokodilwirt“ Georg Lang erhält vom Stadtmagistrat - bei einer Gegenstimme - die Genehmigung zur Aufstellung eines Großzeltes, und das, obwohl Lang gleichzeitig drei Zulassungsbedingungen umging.

Er stammte nicht aus München, bewirtschaftete seinen Wiesnausschank nicht selbst und baute seine Riesenhalle auf fünf Wirtsbudenplätze alter Größe.
Diese ließ er über fünf Münchner Wirte als „Strohmänner“ ersteigern und dort die „Lang‘s Riesenhalle“ errichten.

Da die Stadt nichts dagegen unternimmt, macht sie den Weg für die „Bierhallen“ im großen Stile frei.
Da diese Form des Bierausschanks finanzkräftige Investoren voraussetzt, verlagert sich die Trägerschaft von den Wirten auf die Brauereien. 

10. September 1898

Genf * Die österreichische Kaiserin Elisabeth wird in Genf ermordet. 

Gegen 13:30 Uhr stößt ihr der 25-jährige italienische Anarchist Luigi Lucheni eine scharf geschliffene Feile ins Herz. 

Kaiserin Elisabeth war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Ihr Mörder hatte es nicht auf sie abgesehen, sondern auf den französischen Thronanwärter Henri de Orléans.
Da das auserkorene Opfer aber nicht kam, änderte der Anarchist seinen Plan und ermordete einfach die 60-jährige österreichische Kaiserin, die im Hotel „Beau Rivage“ abgestiegen war. 

10. Oktober 1898

Isarvorstadt * Die „II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“ auf der „Kohleninsel“ wird geschlossen.

Trotz der 600.000 Besucher müssen die Veranstalter ein Defizit von 200.000 Mark zur Kenntnis nehmen.

29. Oktober 1898

München * Ludwig Thomas erster Artikel erscheint im „Simplicissimus“.

Thoma wird in der Folge über 800 Artikel für die Zeitschrift schreiben.
Er benutzt dazu auch Pseudonyme wie „Peter Schlemihl“ oder „Schmiernazi“

1. Dezember 1898

Berlin * Kurt Eisner wird Mitglied der SPD.


Verwendet in Führung:

07. Reif für die Inseln?



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