2017-02-27 1777 - Antichambrieren, Bologna, Salzburg, Planstelle, Vakatur, Hofmusiker, Sachzwang-Argumentation, Bischofshof - Mozart Wolfgang Amadeus Komponist, Max III. Joseph Kurfürst in München-Geschichte


30. September 1777

Die „fehlende Vakatur“ verhindert Mozarts Anstellung in München

Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart „antichambriert“ mit Kurfürst Max III. Joseph in der Residenz.

Den Verlauf des Gesprächs schreibt Wolfgang Amadé an seinen Vater:
„Als der Kurfürst an mich herankam, sagte ich:
„Euer Kurfürstliche Durchlaucht erlauben, daß ich mich untertänigst zu Füßen lege und meine Dienste antragen darf“ –
„Ja, völlig weg von Salzburg? –
„Ja, Euer Kurfürstliche Durchlaucht“ –
„Ja, warum denn, habts enck z‘kriegt?“ –
„Ei, beileibe, Eurer Durchlaucht: ich habe nur um eine Reise gebeten, er
[der Salzburger Fürstbischof] hat sie mir abgeschlagen, mithin war ich gezwungen, diesen Schritt zu machen; obwohl ich schon lange im Sinn hatte, wegzugehen, denn Salzburg ist kein Ort für mich.“ -
„Mein Gott, ein junger Mensch! Aber der Vater ist noch in Salzburg?“ -
„Ja, Euer Kurfürstliche Durchlaucht. Ich bin schon dreimal in Italien gewesen, habe drei Opern geschrieben, bin Mitglied der Akademie in Bologna, habe müssen eine Probe ausstehen, wo viele Maestri 4 bis 5 Stunden gearbeitet und geschwitzt haben, ich habe es in einer Stund verfertigt: das mag zum Zeugnis dienen, daß ich im Stande bin, in einem Hofe zu dienen.“ –
„Ja, mein liebes Kind, es ist keine Vakatur da. Mir ist es leid, wenn nur eine Vakatur da wäre“ –
„Ich versichere Euer Durchlaucht, ich würde München gewiß Ehre machen“ –
„Ja, das nutzt alles nichts. Es ist keine Vakatur da“ -
Dies sagte er gehend. Nun empfahl ich mich zu höchsten Gnaden.“

Gerade weil der Kurfürst so musikverständig war, müssen andere Gründe als die fehlende „Planstelle“ der Anstellung Mozarts im Wege gestanden haben.
Hätte Baierns Kurfürst Max III. Joseph die „Anstellung“ Wolfgang Amadeus Mozarts wirklich gewollt, so hätte er die „Planstelle“ für den „Hofmusiker“ auch durchgesetzt und Mittel und Wege der Finanzierung gefunden. 

Es trifft freilich zu, dass im Bereich der „Hofmusik“ damals die Ämter des „Kapellmeisters“, des „Kammerkompositeurs“ und der „Konzertmeister“ besetzt waren. 

Und dennoch war die Aussage mit der „fehlenden Vakatur“ eine typische Sachzwang-Argumentation.
Guten Willen vorausgesetzt, hätte der baierische Herrscher den Komponisten aus seiner „Kabinettskasse“ bezahlen können, wie er es schon mehrmals bei bedeutenden Sängerinnen und Sängern machte. 

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Mozart den Auftrag für eine Oper zu erteilen.

Es scheint naheliegend, dass Mozarts Musik nicht dem kurfürstlichen Geschmack entsprochen hat.
Kurfürst Max III. Joseph war ein überzeugter Anhänger der älteren neapolitanischen „Virtuosenoper“

Mozarts Musik dürfte ihm zu wenig traditionell, zu reich, zu vielschichtig, kurz - zu modern gewesen sein.
Seine eigenen, etwas altväterlichen Kompositionen scheinen dies zu bestätigen.

Die Ursachen liegen aber zweifellos am „Salzburger Bischofshof“.
Denn wer, wie Mozart, gegen den Bischof von Salzburg „aufmümpfige Reden“ führt und es nicht versteht sich den hergebrachten „ständischen Normen“ und hierarchischen Strukturen zu unterwerfen, für den ist auch am baierischen Hof kein Platz. 

Da kommt Kurfürst Max III. Joseph die Argumentation, dass er jeden ausgegebenen Gulden seinen Untertanen vom Mund absparen muss, nur gelegen.


1777

Suchbegriffe

Antichambrieren, Bologna, Salzburg, Planstelle, Vakatur, Hofmusiker, Sachzwang-Argumentation, Bischofshof,

Personen

Mozart Wolfgang Amadeus Komponist Max III. Joseph Kurfürst

Weitere Ereignisse im Jahr 1777

1777

München * Die Familie des Ignaz Mayer kommt nach München, als Kurfürst Carl Theodor das Erbe der baierischen Regentschaft antritt. 

Er wird später dem erlauchten Kreis der Kreditgeber des baierischen Königs zählen.
Alleine in den Jahren 1807 und 1808 gewährt er der königlichen „Centralkasse“ Anleihen in Höhe von 100.000 Gulden.

1777

München * Im Gefolge des neuen pfalz-baierischen Kurfürsten Carl Theodor kommen etwa 3.000 Menschen aus der Pfalz nach München - und damit auch verstärkt der „Pfalzwein“.

1777

Bogenhausen * Mit den zwei Seitenaltären ist die Innenausgestaltung der „Georgskirche“ in Bogenhausen abgeschlossen.

Um Februar 1777

Georgia * Benjamin Thompson wird in London „Sekretär für die Provinz Georgia“

Das unbedeutende Ehrenamt ist mit einem ansehnlichen Jahresgehalt von einhundert Pfund dotiert.

16. August 1777

Haidhausen * Der Haidhauser „Hofmarktherr“ Graf Anton Clemens von Toerring-Seefeld tritt an Franz Ferdinand von Setzger die „Niedergerichtsbarkeit“ über den „Jesuitengarten“ ab.

18. August 1777

München * Im Alter von nur 18 Jahren hat Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas seine Ausbildung beendet und wird von seinem Taufpaten Max III. Joseph zum - unbesoldeten - „Wirklichen Hofrat auf der Ritterbank“ ernannt. 

22. August 1777

Haidhausen * Der ehemalige „Jesuitengarten“ in Haidhausen wird zu einem „Edelsitz mit Niedergerichtsbarkeit“ erhoben und erhält den Namen „Haidenberg“.

September 1777

Salzburg * Wolfgang Amadeus Mozart hält es nicht mehr in Salzburg.

Er hat von dem strengen und sparsamen „Fürstbischof“ Hieronymus Coloredo die Schnauze voll, ist gerade aus dem verhassten salzburgischen „Hofdienst“ entlassen worden und sucht nun an einem anderen Ort ein ihm gemäßes Wirkungsfeld. 

Gemeinsam mit seiner Mutter macht er sich auf Reisen.

24. September 1777

Kreuzviertel * Wolfgang Amadeus Mozart und seine Mutter kommen in München an und logieren im Gasthof „Zum schwarzen Adler“ des Weinschenks Franz Joseph Albert in der Kaufingergasse.

4. Oktober 1777

Kreuzviertel * Im Weingasthof „Zum schwarzen Adler“ kommen unter Wolfgang Amadeus Mozarts Leitung mehrere Werke zur Aufführung. 

Mit einem vorgetragenen Violinsolo beeindruckt Mozart ganz besonders:
„Da schaute alles groß drein, ich spielte, als wenn ich der größte Geiger in ganz Europa wäre.“
Mozart und Albert sind zufrieden.

Der Musik liebende „Weinwirt“ Franz Joseph Albert hat schon lange erkannt, welcher Gewinn Mozart für München wäre und entwickelt ein interessantes Projekt, das er dem stellenlosen Musiker unterbreitet:

  • Er solle in München bleiben und von guten Freunden monatlich mit 50 Gulden unterstützt werden.
  • Wenn er für Kompositionen vom „Hofintendanten“ Graf Joseph Anton von von Seeau nur 200 Gulden bekäme, so wären das 800 Gulden im Jahr.

Wolfgang Amadé ist begeistert, nur sein Vater nicht einverstanden, da er seinen Sohn in einer gesicherten Stellung wissen will.

11. Oktober 1777

München - Augsburg - Mannheim * Wolfgang Amadeus Mozart reist mit seiner Mutter weiter nach Augsburg und Mannheim.

30. Dezember 1777

München * Kurfürst Max III. Joseph stirbt in München. 

Sein Nachfolger wird der aus der pfälzisch-wittelsbachischen Linie stammende Carl Theodor. 

Als Regierungssitz des neuen pfalz-baierischen Kurfürsten ist in einem Hausvertrag München festgelegt worden. 

30. Dezember 1777

Berg am Laim * Mit dem Ableben des kinderlosen baierischen Kurfürsten Max III. Joseph fällt die „Hofmark Berg am Laim“ an den baierischen Staat.

30. Dezember 1777

München * Da Kurfürst Max III. Joseph stirbt, muss Freiherr von Montgelas unter dem neuen Landesherrn Carl Theodor zehn Jahre vergeblich auf eine feste Besoldung warten. 


Verwendet in Führung:

28. Kreuzviertel
29. Graggenau



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