2017-02-23 1938 - Juden, Ausweis, J - in München-Geschichte


5. Oktober 1938

Die Ausweise der Juden müssen mit einem roten „J“ versehen werden

Berlin * Die Ausweise der Juden müssen mit einem roten „J“ versehen werden.


1938

Suchbegriffe

Juden, Ausweis, J,

Weitere Ereignisse im Jahr 1938

1938

München - Lehel * Nachdem österreich als „Ostmark“ dem Deutschen Reich „angeschlossen“ worden war, wird der „Deutsche und österreichische Alpenverein - DuOeAV“ in „Deutscher Alpenverein - DAV“ umbenannt.

Das „Alpine Museum“ auf der „Praterinsel“ erhält den Namen „Alpines Museum des DAV“.

Um 1938

Geiselgasteig * Im Auftrag des „Deutschen Sparkassen- und Giroverbands“ entstehen die 3-Minuten-Werbefilme „Selbst Valentin macht mit“ und „Nur nicht drängeln“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt in den Hauptrollen.

Um 1938

Geiselgasteig * Nicht sicher ist der Entstehungszeitpunkt des Valentin-Karlstadt-Kurzfilms „Der Antennendraht/Im Senderaum“.

Regie führt Joe Stöckl.
Er könnte aber bereits 1937 entstanden sein.

1938

Maxvorstadt * Rudolf Ritter und Edller von Pauer ist Eigentümer der „Villa Freundlich“ an der Brienner Straße 43.

1938

Theresienwiese * Die Südhälfte der „Theresienwiese“ wird ganz als „Pferderennplatz“ ausgebaut und die „Budenstadt“ auf den Nordteil beschränkt.

Sämtliche Straßen der „Budenstadt“ werden geteert.

1938

Maxvorstadt * Die „Staatsschule für angewandte Kunst“ wird in „Akademie für angewandte Kunst“ umbenannt.

1938

Maxvorstadt - Schwabing * Der Umzug „2000 Jahre Deutsche Kultur“ nutzt das „Siegestor“ für seine Propaganda.

1938

Untergiesing * Die ehemalige „Winterhalter-Villa“ an der Birkenleiten 35,  die sich im Besitz des „Gutsbesitzers“ Simon Eckart befindet, geht in das Eigentum der „Landeshauptstadt München“ über.

1938

Maxvorstadt * Die „Generalmajorswitwe“ Josephine Pongratz-Steiner ist Eigentümerin des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9.

1938

Untergiesing * Nach mehreren Erweiterungen wird das „Schyrenbad“ zum „Familienbad“ umgestaltet.

1938

Maxvorstadt * Das „Herzog-Max-Palais“ wird von den Nazis für den Neubau der „Reichshauptbankstelle“ abgerissen.

Damals nimmt man die von Robert von Langer geschaffenen Fresken im Empfangssaal ab und transportiert sie in das „Haus des Deutschen Rechts“.

Noch vor den ersten Bombenangriffen verkleidet man die Fresken aus Angst vor Zerstörung.
Dabei geraten sie in Vergessenheit.

1938

München * Die Zahl der sogenannten „Rassejuden“ liegt in München bei etwa 6.350.

1938

Au * Das „Bezirksamt am Lilienberg“ wird in „Landratsamt“ umbenannt.

1938

Bogenhausen * Die Villa des Bankdirektoren-Ehepaares Auguste und Martin Aufhäuser in der Maria-Theresia-Straße 28 wird „arisiert“ und geht in den Besitz des „NS-Reichskolonialbundes“ über.

1938

Untergiesing * Neben der „Bäcker-Kunstmühle“ wird ein 4.500 Tonnen fassender Getreide-Silo errichtet.

1938

Großhesselohe * Mitglieder des „Cowboy Clubs München Süd“ drehen ihren eigenen Film mit dem Titel „Pecos Kid“. 
Regie führt Kurt Ulrich. 

1938

München * Mit dem Stück „Architekt Sachlich“ kritisiert Karl Valentin die Monumental-Architektur der Nationalsozialisten.

Um 1938

München * Nicht sicher ist der Entstehungszeitpunkt des Valentin-Karlstadt-Kurzfilms „Der Antennendraht/Im Senderaum“.

Regie führte Joe Stöckl.
Der könnte bereits 1937 entstanden sein.

1938

Neuhausen * Die Firma „Transhand Transport- und Handels AG, vormals Falk & Fey“ wird in eine „oHG“ (offene Handelsgesellschaft) umgewandelt.

Januar 1938

Bogenhausen * Der „Lebensborn e.V.“ bezieht die ehemalige „Thomas-Mann-Villa“ in der Poschingerstraße 1.

Er muss keine Miete bezahlen und einzig für die laufenden Kosten und Unterhaltskosten aufkommen.

5. Januar 1938

München * Pater Rupert Mayer wird erneut wegen „Nichtbeachtung des Predigtverbots“ verhaftet.

15. Januar 1938

Obergiesing * Pater Rupert Mayer wird zwei Tage im „Gefängnis Stadelheim“ inhaftiert.

17. Januar 1938

Landsberg * Pater Rupert Mayer wird auf Druck der „Gestapo“ ins „Gefängnis in Landsberg am Lech“ als „Strafgefangener Nr. 9.469“ eingeliefert.

22. Januar 1938

München * Die Stadt richtet die „Sonderbaubehörde Ausbau der Hauptstadt der Bewegung“ ein. 

„Stadtbaurat“ Hermann Alker leitet die Behörde.

Nach dem 22. Januar 1938

Ludwigsvorstadt * Vertrauliche Verhandlungen zwischen der „Sonderbaubehörde Ausbau der Hauptstadt der Bewegung“ und der evangelischen „Landeskirche“ über den „Abbruch der Matthäuskirche aus verkehrstechnischen Gründen“ beginnen. 

14. Februar 1938

Lehel * Adolf Hitler entwickelt im Atelier des Münchner Stadtbaurates Hermann Reinhard Alker die Vorstellungen zum „Haus der Deutschen Architektur“.  

Dieses Ausstellungsgebäude sollte genau gegenüber dem „Haus der Deutschen Kunst“ entstehen, aber keineswegs „ähnlich concipiert“, wenn auch gleichartig in Stein und Farbe und mit 21 Säulen.  
Nach einer vorliegenden Projektskizze hätte der Baukunsttempel noch einige Meter breiter werden sollen als der Synchronbau auf der anderen Straßenseite.
Auf zwei hohen Sockeln sollten „Sphinxe“ wachen wie vor den „Pyramiden von Gizeh“

15. Februar 1938

München * Walter von Reichenau übergibt das Kommando im „Wehrkreis VII“ an „General“ Eugen Ritter von Schobert.

März 1938

Berlin * In einem „Erlaß des Reichswirtschaftsministeriums“ heißt es:

Zur „Voraussetzung für die Anerkennung als nichtjüdischer Gewerbebetrieb [ist] grundsätzlich zu verlangen, dass auch im Aufsichtsrat kein jüdisches Mitglied mehr vorhanden ist und dass bezüglich des Gesellschafterkapitals eine Dreiviertelmehrheit der nichtjüdischen Gesellschafter besteht“.

4. April 1938

München * Der Valentin-Karlstadt-Film „Der Bittsteller“ liegt erst zwei Jahre nach seiner Entstehung der Zensur vor. 

Obwohl der Film nicht verboten wird, kommt er nicht zur öffentlichen Aufführung.

28. April 1938

Berlin - Theresienwiese * In einer Anordnung Adolf Hitlers sollen bei der Bekanntgabe der Bauvorhaben für München „die nur für eine gewisse Zeit, nämlich für Ausstellungszwecke zu erstellenden Baulichkeiten auf der Wiese im Planbild weggelassen werden“, denn die „Wiese (gemeint ist natürlich das Oktoberfest) ist für den Münchener etwas Heiliges, mit ihr verbindet sich eine alte Tradition und an sie darf nicht getastet werden“

Mai 1938

Au - Berlin * Verhandlungen zwischen der „Cenovis-Werke“ und der „Maggi Gesellschaft mbH“ in Berlin über den Verkauf der in jüdischen Händen befindlichen Anteile der Firma beginnen.

1. Mai 1938

Ludwigsvorstadt * Uraufführung der Valentin-Karlstadt-Groteske „Der Umzug“ im „Deutschen Theater“, Schwanthalerstraße 13.

Das NS-System zensiert den ursprünglichen Schluss des Stücks, als ein Abrissbagger auf die Bühne rollt.
Das Stück wird insgesamt 78 Mal aufgeführt.

5. Mai 1938

Landsberg * Pater Rupert Mayer wird aufgrund der „Österreich-Amnestie“ - anlässlich der Eingliederung Österreichs in das „Deutsche Reich“ - vorzeitig aus der Haft entlassen.

9. Juni 1938

München - Ludwigsvorstadt * Gegen 18:00 Uhr wird auf einer Besprechung im „Bayerischen Innenministerium“ dem Pfarrer Friedrich Loy mitgeteilt, dass die evangelische „Matthäuskirche“ umgehend abgerissen werden soll.

Um 22:00 berät die „Kirchenverwaltung der Matthäuskirche“, unter welchen Bedingungen sie sich zum Abbruch der Kirche bereit erklären könnte. 

10. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Am Vormittag beschäftigt sich der „Landeskirchenrat“ mit den Abrissplanungen der „Matthäuskirche“ und bestätigt und ergänzt die Beschlüsse der „Kirchenverwaltung der Matthäuskirche“.

In einer Besprechung im „Innenministerium“ um 13 Uhr werden die Beschlüsse dargelegt.

Am Abend wird die evangelische Gemeinde benachrichtigt, dass das „Innenministerium“ bereits eine Abrissfirma beauftragt hat.  
Die Abbrucharbeiten sollen am 13. Juni beginnen. 

10. Juni 1938

München * Die „IHK München“ setzt die „Cenovis-Werke“ unter Druck und verlangt, dass das Unternehmen bis zum 31. Juli 1938 nach dem „Erlaß des Reichswirtschaftsministeriums“ vom März 1938 „umzustellen“ ist. 

Ansonsten wird die Gesellschaft aus dem „Verzeichnis der nichtjüdischen Betriebe“ gestrichen.

Zusätzlich fordert die „Hauptvereinigung der deutschen Brauwirtschaft“ eine Bestätigung des „Gauwirtschaftsberaters“, wonach die Firma „in jeder Hinsicht als ein rein arisches Unternehmen angesehen werden kann“.

Bis zur Erfüllung der Forderung lehnt der „Brauwirtschaftsverband“ ab, „Malzabholscheine“ bei den „Cenovis-Werken“ einzulösen.

11. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * „Landesbischof" Dr. Hans Meiser interveniert am Vormittag gegen den Abriss der evangelischen „Matthäuskirche“.  

Da Meiser unter den gegebenen Umständen sich weiteren Verhandlungen verweigert, zieht das „Innenministerium“ den Auftrag an die Baufirma vorläufig zurück. 

Um 16 Uhr erklärt sich „Gauleiter“ Adolf Wagner bereit, auf die vom „Landeskirchenrat“ erarbeiteten Forderungen einzugehen.
Als vorläufiger Versammlungsraum wird der „Matthäus-Kirchengemeinde“ der „Weiße Saal“ in der ehemaligen „Augustinerkirche“, der inzwischen zum „Polizeipräsidium“ gehört, zugesichert. 

12. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Am Abend findet ein „Abschiedsgottesdienst“ der evangelischen Gesamtgemeinde in der „Matthäuskirche“ statt. 

Landesbischof Dr. Hans Meiser hält die Predigt. 

13. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Um 20 Uhr wird der „Abschiedsgottesdienst“ für die evangelische „Matthäus-Kirchengemeinde“ mit einer Predigt des Pfarrers Friedrich Loy abgehalten. 

Noch während des Gottesdienstes werden die Abbruchgerüste aufgebaut. 

14. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Die Kult- und Kunstgegenstände werden aus der evangelischen „Matthäuskirche“ entfernt. 

Die Abrissarbeiten beginnen. 

21. Juni 1938

München - Berlin * Die in jüdischen Händen befindlichen Anteile der „Cenovis-Werke“ gehen an die „Maggi GmbH Berlin“ über.

26. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Die evangelische „Matthäus-Kirchengemeinde“ erfährt davon, dass der Architekt German Bestelmeyer mit Planungen für eine neue „Matthäuskirche“ beauftragt worden ist. 

27. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Das Dach der der evangelischen „Matthäuskirche“ ist abgedeckt. 

28. Juni 1938

Ludwigsvorstadt * Die Vorhalle der evangelischen „Matthäuskirche“ wird gesprengt. 

3. Juli 1938

Ludwigsvorstadt * Der Turm der evangelischen „Matthäuskirche“ wird gesprengt. 

6. Juli 1938

Ludwigsvorstadt * Die Abbrucharbeiten an der evangelischen „Matthäuskirche“ sind beendet. 

Auf dem Gelände befindet sich jetzt ein Parkplatz.

8. Juli 1938

München * Martin Bormann, „Stabsleiter im Braunen Haus“, verlangt die genaue

  • „Erfassung jüdischer Hauseigentümer,
  • an Nicht-Juden vermietete Wohnungen von jüdischen Hauseigentümern,
  • an Juden vermietete Wohnungen,
  • eigenen Wohnraum und leerstehende Wohnungen,
     
  • um so eine planmäßige Lösung von Mietverhältnissen mit Juden möglich zu machen,
  • eine Einengung zu erreichen,
  • mehrere Familien in größere jüdische Wohnungen zusammenzulegen,
  • Juden von Nicht-Juden zu trennen und
  • dabei möglichst keine Ghettobildung zuzulassen“.
13. Juli 1938

Au * Die „Cenovis-Werke“ schreiben an die „IHK München“ die Zeilen:
„[...] teilen wir Ihnen hierdurch mit, dass die Gesamtanteile an unserer Gesellschaft nunmehr in arischen Besitz übergegangen sind.
Die Cenovis-Werke GmbH in München sind infolgedessen sowohl in personeller wie auch in kapitalmässiger Hinsicht eine reine arische Unternehmung“
.
Dann folgte das obligatorische „Heil Hitler“ und die Unterschrift „Altenrath“.

Dr. Julius Schülein kann gerade noch rechtzeitig vor der sogenannten „Reichs-Kristallnacht“ in die USA emigrieren.

30. Juli 1938

Schloss Nymphenburg * Die dritte „Nacht der Amazonen“ findet statt.

Wieder kommen 12.000 Zuschauer.
Pünktlich um 21 Uhr beginnt der Remmidemmi im „Nymphenburger Schlosspark“, dessen Motto lautet: „Hochzeit des Kurprinzen Max“.

Sechzehn „Amazonen“ zu Pferd treten auf.
Ihre Brüste wippen beim „Galoppieren“ derart, dass man Schlimmstes befürchtet und sich daher mit dem gemütlicheren „Trab“ begnügt.

17. August 1938

Berlin * Die „Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ tritt in Kraft.

Die Verordnung beinhaltet eine „Richtlinie über die Führung von Vornamen“.
Darin dürfen neugeborene Juden nur solche jüdische Vornamen führen, die in einer Liste aufgeführt werden.

Juden, die keinen typisch jüdischen Vornamen tragen, müssen einen zusätzlichen Vornamen annehmen - „Sara“ oder „Israel“

18. August 1938

Halle * Das „Amtsgericht Halle“ fällt ein Urteil zur Vertreibung der Juden aus „arischen“ Wohnhäusern.

Darin heißt es unter anderem:
„Auch in der Hausgemeinschaft können eigennützige Interessen der einzelnen keinen Bestand haben.
Eine wahre Hausgemeinschaft im Sinne dieses Denkens kann aber nur von gleichgesinnten, deutsch denkenden Personen und Hausbewohnern arischer Abstammung gebildet und gepflegt werden; sie ist mit Personen jüdischer Herkunft wegen des bestehenden Rassenunterschiedes schlechterdings unmöglich.

Da der nationalsozialistische Staat aber auf das Bestehen und die Pflege einer wahren Hausgemeinschaft einen besonderen Wert legt und von jedem Volksgenossen diese Einstellung im Sinne der Hausgemeinschaft fordert, so kann dem Vermieter und den Mietern arischer Abstammung im Interesse der Erhaltung dieser Hausgemeinschaft nicht zugemutet werden, diese mit Mietern jüdischer Abstammung zu bilden und zu pflegen und mit diesen in derselben Hausgemeinschaft zu leben.

Dem Vermieter muß deshalb das Recht zugesprochen werden, Mieter jüdischer Abstammung aus dieser Hausgemeinschaft auszuschließen und von diesen Räumung ihrer Wohnung zu fordern.

Leistet ein solcher Mieter jüdischer Abstammung dem Räumungsverlangen des Vermieters keine Folge oder lehnen die Mieter arischer Abstammung eine Hausgemeinschaft mit ihnen ab, so stört er damit die zwischen dem Vermieter und den anderen Mietern arischer Abstammung bestehende Hausgemeinschaft und macht sich durch sein weiteres Wohnenbleiben diesen gegenüber einer erheblichen Belästigung im Sinn des § 2 Mieterschutzgesetz schuldig“.

28. August 1938

Maxvorstadt * Jenny Zeckendorf, Eigentümerin des Anwesens Richard-Wagner-Straße 11, stirbt.

Das Haus geht in den Besitz der Kinder Dr. Walter und Nelly Zeckendorf über, die aber bereits nach New York emigriert sind. Sie bleiben offizielle Besitzer bis zum Jahr 1941.

9. September 1938

München * Der Haidhauser „Brauereigründer“ Joseph Schülein stirbt.

17. September 1938

Haidhausen * Mit einem „Kinderfest“ wird die fast 4 Tagwerk große neue „Postwiese“ eröffnet, die sich seitdem bei alt und Jung großer Beliebtheit erfreut.

Die Stadtverwaltung hat die Grube auffüllen und den Platz zu einem Spielplatz und zu einer Erholungsstätte für die Bevölkerung umgewandelt.

Die „Postwiese” wird als erster ausschließlich für das Spielen eingerichteter Platz errichtet.
Er ist die erste große Anlage mit einer räumlichen Gliederung in einzelne Spiel- und Aufenthaltsbereiche.
Die Bepflanzung ist - gemessen an der Fläche von 11.720 Quadratmetern - eher spärlich.
Drei Straßenseiten werden durch Hecken unter einer Lindenallee abgeschirmt, an der vierten Seite befinden sich vor den Häusern stattliche Säulenpappeln.

Oktober 1938

München * Nachdem die Familie Haas ihren „Antrag auf Ausreise“ gestellt hat, wird die „Reichsfluchtsteuer“ auf 125.000 RM festgesetzt.

Das entspricht dem Wert des Immobilienbesitzes.

Als es dann im Oktober 1938 zum Verkauf an die „Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands, Landesstelle München“ kommt, wird der Wert der Häuser von den staatlichen Prüfern auf nur mehr 45.000 RM festgesetzt.
Damit geht der Kauf für ein Butterbrot über die Bühne.

Die finanziellen Belastungen der „Reichsfluchtsteuer“ bleiben dennoch bestehen.
Daneben werden der Familie Hass noch alle wertvollen Gegenstände abgenommen.

27. Oktober 1938

Deutschland - Polen * Das „Deutsche Reich“ lässt 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhaften und an die polnische Grenze transportieren.

Da der polnische Staat zunächst die Einreise seiner Staatsbürger verweigert, vegetieren die Menschen im Grenzgebiet in der Zwischenzeit dahin.

Unter den 17.000 befinden sich auch die Eltern des Herschel Gryspan, der wenige Tage später - wegen homosexueller Beziehungen - den „Legationssekretär“ Ernst vom Rath an der „Deutschen Botschaft“ in Paris schwer verletzen wird.

31. Oktober 1938

München * Der Valentin-Karlstadt-Film „Der Antennendraht/Im Senderaum“ liegt der Zensur vor.

Laut Karl Valentin wurde der Film während der Nazi-Zeit nicht öffentlich aufgeführt.

November 1938

München * In dem Dokumenarfilm „München 1938“ hat Karl Valentin einen Kurzauftritt mit dem Titel „Nacht der Amazonen“.

November 1938

Berlin * Adolf Hitler ordnet von Berlin aus den Bauplatz für den Neubau der evangelischen „Matthäuskirche“ am Sendlinger-Tor-Platz an. 

7. November 1938

Paris * In den Morgenstunden dieses Tages verletzt der 17-jährige Herschel Grynspan in Paris den an der „Deutschen Botschaft“ beschäftigten Ernst vom Rath mit fünf Kugeln schwer.

8. November 1938

München * Die nationalsozialistische Propaganda stilisiert Herschel Gryspans Bluttat zum politisch motivierten Mordanschlag aus Hass an den Deutschen hoch.

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben:
„Wenn die internationale Judenschaft glaubt, mit Meuchelmorden das Judenproblem in Deutschland lösen zu können, dann nimmt Deutschland diese Herausforderung an und wird nicht zögern, sie so zu beantworten, wie sie Elementen gegenüber notwendig ist, die den Mord aus dem Hinterhalt als politische Waffe betrachten“.

9. November 1938

Graggenau * Im „Alten Rathaus“ treffen sich Hitler, Goebbels, Göring, Himmler und der Rest der NSDAP-Führungselite zu einem „geselligen Beisammensein“, als die Nachricht vom Tode des deutschen „Legationssekretärs“ Ernst vom Rath eintrifft.

Da der Täter jüdischer Abstammung ist, liefert Raths Tod den Vorwand für eine groß angelegte jüdische Kampagne, die als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte eingehen wird.

9. November 1938

Lehel * Die „Ohel-Jakob-Synagoge“ in der Herzog-Rudolf-Straße geht in der „Reichskristallnacht“ in Flammen auf. 

9. November 1938

Graggenau * Nach Bekanntwerden des Todes von Ernst vom Rath hält „Reichspropagandaminister“ Joseph Goebbels umgehend eine „antisemitische Hasstirade“ in der er zur Rache und zur „Vergeltung am Weltjudentum“ aufruft.

Die Nationalsozialisten sind bestens vorbereitet, denn noch kurz vor Mitternacht ergeht ein Fernschreiben an alle deutschen Polizeistellen.

Darin heißt es:

  • „Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden.
  • Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen.
  • Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20.000 bis 30.000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden“.

Der „SS-Gruppenführer“ und Chef der „Sicherheitspolizei“, Reinhard Heydrich, präzisiert die Befehle in einem weiteren Fernschreiben.

  • Dort ist zu lesen, dass die Polizei und die Dienststellen der NSDAP gemeinsam die „Demonstrationen“ leiten sollen.
  • Und: „Es dürfen nur solche Maßnahmen getroffen werden, die eine Gefährdung deutschen Lebens oder Eigentums nicht mit sich bringen. Zum Beispiel Synagogenbrände nur, wenn keine Brandgefahr für die Umgebung ist“.

Durch ein im Jahr 1937 angefertigtes Verzeichnis der „Münchner jüdischen Gewerbebetriebe“ wissen die NS-Parteiorgane und Schlägertrupps genau wo sie zuschlagen und so die „verbrecherische Tat des jüdischen Mordbuben“ rächen müssen.

9. November 1938

München * Noch in der Nacht finden - unter passiver Anteilnahme sehr vieler Schaulustiger - die seit längerer Zeit geplanten Ausschreitungen gegen die Juden statt.

  • In München werden ein Jude ermordet sowie 900 Menschen verhaftet und in das „Konzentrationslager Dachau“ gebracht.
  • Rund 700 Geschäfte und Betriebe werden demoliert und die „Synagogen“ in der Herzog-Rudolf-Straße und in der Reichenbachstraße zerstört.
  • Die Münchner „Hauptsynagoge“ war bereits im Juni 1938 abgerissen worden.

Die Bilanz dieser später auch noch beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten „Juden-Pogrome“ bedeutet für Deutschland:

  • 91 Ermordete, zahllose Verletzte, Misshandelte und Vergewaltigte,
  • 191 zerstörte Synagogen,
  • 7.500 zerstörte und ausgeraubte Geschäfte,
  • Verwüstung unzähliger Wohnungen und
  • fast aller jüdischer Friedhöfe,
  • rund 30.000 Einlieferungen in „Konzentrationslager“.

Die reichsweit organisierten antijüdischen Ausschreitungen dauern auch noch am 10. November an.

10. November 1938

Berlin * „Propagandaminister“ Joseph Goebbels erlässt einen „Aufruf an Alle!“.

Er lautet:

  • „Die berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord an einem deutschen Diplomaten in Paris hat sich in der vergangenen Nacht in umfangreichem Maße Luft verschafft.
  • In zahlreichen Städten und Orten wurden Vergeltungsaktionen gegen jüdische Gebäude und Geschäfte vorgenommen.
  • Es ergeht nunmehr an die gesamte Bevölkerung die strenge Aufforderung, von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofort abzusehen.
  • Die endgültige Antwort auf das jüdische Attentat in Paris wird auf dem Wege der Gesetzgebung beziehungsweise der Verordnung dem Judentum erteilt werden“.
12. November 1938

Berlin * Hermann Göring, der „Beauftragte für den Vierjahresplan“ zur Kriegsvorbereitung, erlässt eine „Sühneverordnung“, die zur Finanzierung der Aufrüstung gedacht ist.

  • Die Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssen zusammen eine Milliarde Reichsmark wegen „ihrer feindlichen Haltung gegenüber dem deutschen Volk und Reich“ zahlen.
  • Weiterhin werden alle Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben ausgeschaltet.
  • Und schließlich gibt es die „Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes“.
  • Sie besagt: „Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.
  • Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen. Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt“.

In München wird eine eigene „Arisierungsstelle“ in der Widenmayerstraße 27 eingerichtet, die die Enteignung und Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung durchführen soll.

18. November 1938

München * Innerhalb des isolierten jüdischen Lebensbereiches wird die „Israelitische Kultusgemeinde“ gezwungen, die staatlichen Terror-Maßnahmen durchzusetzen und zu organisieren. 

So kündigt der „Völkische Beobachter“ an: „Die Israelitische Kultusgemeinde richtet im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen ab sofort eigene Verkaufsstellen ein, in denen die in München ansässigen Juden ihren notwendigen Bedarf decken können.

Zutritt zu diesen Verkaufsstellen haben nur Juden“.

22. November 1938

München * Der „Völkische Beobachter“ begründet die Vertreibung der Juden aus „arischen“ Wohnhäusern so:

„Es besteht ein dringender Bedarf an Wohnraum, und es ist nicht einzusehen, dass arbeitende deutsche Menschen ohne Unterkunft sind oder sich auf primitivste Weise behelfen müssen.
Deshalb müssen die ausgewiesenen Juden ihre Wohnungen vorher auf eigene Kosten renovieren und ihren Hausrat und ihre Möbel zurücklassen“
.

Die auf diese Weise freigewordenen, voll eingerichteten Wohnungen werden in der Regel von verdienten Parteigenossen bezogen.

23. November 1938

München - Mit dem „Gesetz über das Feuerlöschwesen“ endet die kommunale Selbstständigkeit der „Feuerwehren“.

Die Münchner „Berufsfeuerwehr“ wird in die unter Reichsverwaltung stehende „Feuerschutzpolizei“ integriert.
Ab sofort sind die Uniformen und die Fahrzeuge grün.

28. November 1938

München * Eine Berliner „Anweisung zur Erfassung der jüdischen Wohnungen“ wird in München unverzüglich umgesetzt.

Man ordnet an, eine Namens- und Adressenliste der noch ansässigen jüdischen Mieter zu erstellen und verpflichtet Hausbesitzer, keine Neuvermietungen an jüdische Personen ohne städtische Genehmigung abzuschließen.

Dezember 1938

Berlin * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten letztmals eine Gastspielreise nach Berlin an.

Sie treten wieder im „Kabarett der Komiker“ auf.

Dezember 1938

Bogenhausen * Das Anwesen Cuvilliésstraße 22 gehört der jüdischen Mitbürgerin Rosa Wassermann und ihrem Sohn Rudolf.

Weil den Juden der eigenständige Handel mit Immobilien verboten ist, müssen sie das Grundstück für 36.900 RM an die „Vermögensverwertung München GmbH“ übertragen.

20. Dezember 1938

München - London * Dr. med. Alfred Haas, Betreiber der „Privatklinik“ in der Richard-Wagner-Straße 17 und 19 flüchtet nach London. 

Seine Frau Elsa folgt ihm bald nach.


Verwendet in Führung:

36. Täterorte - Opferorte * Nationalsozialismus
38. Richard-Wagner-Straße



Juden, Ausweis, J