2017-02-27 1872 - Zeichnungs- und Modellierschule, Abteilung für Mädchen - in München-Geschichte


1872

Die „Zeichnungs- und Modellierschule“ wird für Frauen erweitert

München * Die „Zeichnungs- und Modellierschule“ wird um eine „Abteilung für Mädchen“ erweitert.


1872

Suchbegriffe

Zeichnungs- und Modellierschule, Abteilung für Mädchen,

Weitere Ereignisse im Jahr 1872

Nach 1872

Obergiesing * In den 1870er Jahren, als das Bau­gewerbe in München nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich einen allgemeinen Aufschwung erlebt, lässt ein Teil der Obergiesinger Kleinhausbesitzer seine Häuser aufstocken, sodass in der „Feldmüller-Siedlung“ das zweigeschossige Vorstadthaus prägend wird.

Die Gebäude sind dennoch äußerst einfach und schlicht.

Nach 1872

München * Das neu erwachte „Deutschland-über-alles-Selbstwertgefühl“ nach dem gewonnenen Krieg von 1870/71 sowie die „Reichsgründung“ haben in München schon zu Wagners Lebzeiten Vereine gründen lassen, die dieses Gefühl pflegen und hochhalten.

Und damit stehen Richard Wagners Kompositionen im Mittelpunkt des öffentlichen Musikinteresses.

Seine Musik wird konsumierbar gemacht; von der „Spieldose“ bis zum „mechanischen Klavier“. Neben „Volksliedern“, „patriotischen Hymnen“ und „Gassenhauern“ spielen „Kirmes-Orgeln“ auch „Wagner-Potpourris“.

Und selbst in den regelmäßig stattfindenden „Bierkonzerten“ erfreut sich ein „mehrere tausend Köpfe starkes Publikum“ an den von vierzig bis fünfzig Mann starken „Militärkapellen“ vorgetragenen Werken von Richard Wagner. Das „Vorspiel zu Parsifal“ oder Szenen aus „Rheingold“ beziehungsweise der „Walküre“ werden dargebracht und von den zechenden Besuchern mitgesungen.

Richard Wagner ist einfach zum „Popstar“ geworden. 

1872

München * Die dritte Welle der „Cholera“ kündigt sich an.

In München sterben 17 Menschen an der Seuche.

1872

Haidhausen * Der streng geometrisch angelegte „Bordeauxplatz“ gilt als eine der frühesten rein stadtteilbezogenen Grünanlagen Münchens, der zusammen mit dem Orleans-, dem Weißenburger- und dem Pariser Platz das dreistrahlige, vom „Ostbahnhof“ ausgehende Straßensystem im „Franzosenviertel“ gliedert. 

Vor 1872

Englischer Garten - Schwabing * Scheinbar haben sich die Unternehmer Leven & Sohn etwas zu Schulden kommen lassen, denn seither bezahlt ein Joseph Hermann die Pacht.

Ob aber das Antreffen von „ein Paar Frauenzimmer zweideutigen Rufes“ zur Kündigung des Pachtvertrages geführt haben, ist unklar.

Jedenfalls lässt sich Joseph Hermann „die Hebung des Unternehmens sehr angelegen sein.
Er richtete im ehemaligen Schlössl eine feudale Restauration ein und suchte dem Publikum möglichst viel zu bieten.
Da war ein Raubtierhaus, auf einem Hügel ein Bärenzwinger, ein Affenhaus, Singvögelhäuser, ein wildverwachsner Wasserfall
[...]. Die Münchner kamen gern heraus und ließen sich's wohl sein.
[...] Auch für artistische Darbietungen sorgte der Pächter und ließ Seiltänzer wie Blondin und Miss Victoria auftreten.
Und besonders schön und beliebt war's an Sommerabenden, wenn im Zoologischen ein wenig getanzt wurde“
.

1872

Englischer Garten - Schwabing * Der „Zoo“ am Westrand des „Englischen Gartens“ schließt endgültig seine Pforten.

Der Münchner „Textilgroßkaufmann“  und „Königlich Spanische Konsul“ Michael Rosipal kauft das „Maillot-Schlösschen“ um 70.000 Gulden und macht es zur „Villa Rosipal“.
Er nutzt es rein für private Zwecke und übergibt es seinen Sohn Carl Rosipal.

1872

Isarvorstadt * Umbenennung des „Gärtnerplatz-Theaters“ in „Königliches Hoftheater am Gärtnerplatz“.

1872

Schwabing * Das „Palais der Königin Therese“ wird von deren Enkel Prinz Leopold gekauft. 

Seither trägt es den Namen „Palais Leopold“.

1872

USA * Als auch mit der „Büffeljagd“ nichts mehr zu verdienen war, gründet „Buffalo Bill“ seine „Wander- und Wildwestschau“, mit der er - gemeinsam mit seiner „Artisten- und Schaustellertruppe“ - rund dreißig Jahre die verschiedensten Länder der „Alten und Neuen Welt“ bereist und dort die Zuschauer fasziniert.

Januar 1872

München * Prinz Otto von Bayern wird von mehreren Ärzten untersucht und ein ärztliches Gutachten erstellt.

Die Ärzte prognostizieren, dass eine Heilung möglich wäre, wenn der Patient von München entfernt und einer konsequenten Behandlung zugeführt werden würde.

Man vermutet allerdings „Syphilis“ und keine „Schizophrenie“.
Außerdem gibt man dem Prinzen nur noch eine Lebenserwarten von einem halben bis maximal zwei Jahren.

1. Januar 1872

München * Das „Gesetz, die Maß- und Gewichtsordnung betreffend“ tritt in Kraft.  

Damit wird das „metrische System“ mit seinen dezimalen Teilungen und Vielfachen im „Königreich Bayern“ eingeführt.  
Eine Ausnahme bildet das „Pfund“, das gesetzlich auf ein halbes Kilogramm festgelegt wird. 

Um den 15. Januar 1872

München * Prinz Otto wird von mehreren Ärzten untersucht.  

Die Mediziner sehen eine Heilung im Bereich des Möglichen, wenn der Patient von München entfernt und einer konsequenten Behandlung unterzogen werden würde.  

Ottos Leibarzt Dr. Gietl vermutet sogar, dass der Prinz innerhalb eines halben Jahres sterben wird, wenn er sich nicht einer strengen Kur unterzieht.  
Man attestiert ihm aber nicht „Schizophrenie“, sondern „Syphilis“.  

Erst als Ottos Tod partout nicht eintreten will, ändert man das Krankheitsbild auf „Paranoia“ um. 

21. Februar 1872

Englischer Garten - Tivoli * Ein Großbrand vernichtet die „Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp.“

Da die Gesellschaft gut versichert war, ist man eher „aufgebrannt“ statt abgebrannt.

25. Februar 1872

Graggenau - Schloss Nymphenburg * Prinz Otto wird - gegen seinen Willen - auf Anordnung seines Bruders König Ludwig II. aus der „Residenz“ entfernt und nach „Schloss Nymphenburg“ gebracht, wo er im südlichen Pavillon „isoliert“ wird. 

8. April 1872

Angerviertel * Zunächst wird die „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ im Schulhaus im Rosenthal untergebracht. 

22. April 1872

Bayreuth * Was in München nicht gelingt, glückt in Bayreuth. 
Der Grundstein für das „Festspielhaus auf dem Grünen Hügel“ wird gelegt.
Doch schnell steht das Projekt vor dem Ruin.

Da schreibt König Ludwig II.: „Nein! Nein und wieder nein! So soll es nicht enden; es muß geholfen werden“ und schickt 100.000 Mark nach Bayreuth. 
Wagner bedankt sich bei seinem königlichen Gönner mit den Worten: „Oh, mein huldvoller König! Blicken Sie nur auf alle deutschen Fürsten, so erkennen Sie, daß nur Sie es sind, auf welchen der deutsche Geist noch hoffend blickt!“

Nachdem die ersten Festspiele mit Schulden in Höhe von 148.000 Mark enden, greift der König wiederholt in die Tasche und unterstützt den Musiker, obwohl er dem „Meister“ schon zuvor 25.000 Mark zur Fertigstellung seiner „Villa Wahnfried“ überlassen hat.

Die Großzügigkeit Ludwigs II. gegenüber dem von ihm vergötterten Musiker ist grenzenlos.
Mit insgesamt 562.914 Mark greift Ludwig II. dem Komponisten unter die Arme, um die Vollendung des
„Rings des Nibelungen“, der „Meistersinger“ und des „Parsifal“ zu sichern und ihm auch weiterhin einen luxuriösen Lebensstil zu ermöglichen.

Aus Ludwigs Sicht ist das Geld gut investiert, denn: „Die Töne Ihrer Werke sind meine Lebensluft, ich kann sie nicht entbehren“ schreibt der Monarch an den „Meister“.

6. Mai 1872

Graggenau * Im „Residenztheater“ wird mit dem Lustspiel „Die Gräfin du Barry“ die erste offizielle „Separatvorstellung“ für König Ludwig II. aufgeführt. Weitere 208 werden folgen.

Zwischen dem 6. Mai 1872 und dem 12. Mai 1885 hat das „Residenztheater“, vom Oktober 1873 an auch das „Hof- und Nationaltheater“, exklusiv für den „Märchenkönig“ 154 Schauspielvorführungen, 44 Opern- und elf Ballettaufführungen angesetzt.
Dabei entgehen den genannten Schauspielhäusern etwa 200.000 Mark an Einnahmen.

Der König erklärt dem „Intendanten“ Ernst Possart zur Begründung:
„Ich kann keine Illusion im Theater haben, solange die Leute mich unausgesetzt anstarren und mit ihren Operngläsern jede meiner Minen verfolgen. Ich will selbst schauen, aber kein Schauobjekt für die Menge sein“.

12. Juni 1872

München * Die „Gewerbeordnung“ für den „Norddeutschen Bund“ wird mit einem „Reichsgesetz“ auch auf Bayern übertragen.

Diese allgemeine „Gewerbefreiheit“ ermöglicht es Unterhaltungskünstlern, ihre Darbietungen im ganzen Kaiserreich anzubieten, Singspielgesellschaften zu gründen und Bühnen oder Schauspielbetriebe zu eröffnen.
Damit blühen viele „Theaterbetriebe“, besonders aber deren Mischformen wie „Varieté“, „Revue“, „Tingeltangel“ und „Singspielhalle“ auf.

Da das Reichsgesetz die „Restaurationsbetriebe mit Unterhaltungsdarbietungen“ zwar wie „Theater“ unter die „Gewerbeordnung“ stellt, schränkt sie deren Tätigkeit jedoch umgehend wieder ein, denn die „Betreiber“ sind weiterhin in erster Linie „Gastronomen“ und keine „Theaterdirektoren“.

4. Juli 1872

Berlin * Reichskanzler Otto von Bismarcks „Jesuitengesetz“ erklärt die Mitglieder der „Gesellschaft Jesu“ zu „Reichsfeinden“.

September 1872

Theresienwiese - Au * Bis 1872 wird auf der „Wiesn“ das sogenannte „Sommerbier“ ausgeschenkt.

Nachdem der Sommer dieses Jahres sehr heiß gewesen ist, gingen dem „Leistbräu“ die Vorräte an „Lagerbier“ aus. Michael Schottenhamel will auf dem „Oktoberfest“ jedoch kein „Winterbier“ ausschenken, weshalb er Sedlmayr‘s „Märzenbier“ zum Ausschank bringt. 

Der Bierpreis liegt mit 12 Kreuzern 3 Kreuzer über dem üblichen Preis, was den „Polizeipräsidenten“ wegen zu erwartender „Bierkrawalle“ schlecht schlafen lässt.

Michael Schottenhamel meint dazu nur: „Wann d‘Münchner was richtig‘s kriag‘n, na schaug‘n sie‘s Geld net o!“.

Und tatsächlich, das neue Münchner Bier findet einen derartigen positiven Anklang, dass bald alle Brauereien ein „Märzenbier“ entwickeln.

29. September 1872

Theresienwiese * Wegen der vergangenen Schlechtwetterperioden im Oktober wird der „Wiesnbeginn“ erstmals in den September verlegt.

1. Oktober 1872

München * Der Magistrat beschließt die Namensgebung für das „Franzosenviertel“

14. Oktober 1872

Maxvorstadt * Die „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ hat im Gebäude des „Damenstifts“ an der Ludwigstraße ihre neue Unterkunft gefunden.

Die „Lehramtsaspirantinnen“ müssen eine „höhere Erziehungs- und Unterrichtsanstalt“ besuchen und anschließend eine zweijährige Fachausbildung durchlaufen, werden aber nicht in den gleichen Fächern ausgebildet wie die Männer.

Behörden und Lehrer sehen die Frau in der Schule - zwar als einen hübschen, aber dennoch - als Ärgernis erregenden Fremdkörper an. 

Kritiker betonen, dass der Körper der Lehrerinnen „den Anstrengungen des Schulberufs weniger gewachsen ist als der der Männer.
Wir Deutsche aber, die dem konzentrischen Drucke aller Völker Europas ausgesetzt sind, können die Verweiblichung am allerwenigsten brauchen.
Wir können uns in unserer Stellung nur halten aufgrund jener harten Männertugenden, die das schönste Erbteil des deutschen Volkes sind“
.

  • Die „Lehrerinnen“ werden von ihrem männlichen Kollegen verteufelt, obwohl ihr Lohn sowieso schon geringer als der ihrer männlichen Kollegen ist.
  • Außerdem haben die meisten weiblichen Lehrkräfte keine feste Anstellung und kommen über die untersten Stufen der Hierarchie nicht hinaus.
  • Hinzu kommt noch ein strenges „Zölibat“, ein Heiratsverbot. 
  • Das verordnete „Eheverbot für die Lehrerinnen“ ist ein wirksames Mittel, die Quote der weiblichen Lehrkräfte niedrig zu halten.  

Die „Unvereinbarkeit zwischen Ehe und Lehrberuf“ wird begründet und verteidigt.
So kommt der „Bayerische Landtag“ zur Erkenntnis, dass das Eheverbot „einem dem Interesse der Schule schädlichen Widerstreit zwischen den Pflichten einer Frau als Lehrerin und als Ehefrau“ zuvorkomme. 

November 1872

Dresden - Hamburg - Wien * Der „Magistrat“ schickt seinen „Stadtbaurat“ Arnold Zenetti nach Dresden, Elberfeld, Hamburg, Berlin und Wien zur Besichtigung und Prüfung der dort verkehrenden „Pferdestraßenbahnen“.  

In seinem Gutachten befürwortet Zenetti den Bau einer zweigleisigen „Münchner Pferdetrambahn“, die auch die Altstadt durchziehen soll.  
Allerdings nur dort, wo die Straßen eine Mindestbreite von fünf Metern aufweisen. 

29. November 1872

Tivoli * Nahezu alle Gründer der Kommanditgesellschaft „Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp.“ gründen eine neue Aktiengesellschaft.

Diese firmiert jetzt endgültig unter dem Namen „Kunstmühle Tivoli“.

Dezember 1872

Maxvorstadt * Richard Wagner sitzt bei Franz Lenbach für ein Porträt Modell.

4. Dezember 1872

Werneck * Friedrich Bürklein stirbt - gebrochen durch den Tod seines ältesten Sohns vor Sedan - in der „Heilanstalt Werneck“ in Unterfranken.


Verwendet in Führung:

28. Kreuzviertel
38. Richard-Wagner-Straße



Zeichnungs- und Modellierschule, Abteilung für Mädchen