2017-02-23 1802 - Paulanerinnen, Kloster Lilienthal in der Au, Säkularisation, Altomünster, Niederschönenfeld, Niederviehbach - in München-Geschichte


14. September 1802

Die Auer „Paulanerinnen“ werden in „Aussterbeklöster“ gebracht

Au * Weil es kein zweites „Paulanerinnen-Kloster“ in Baiern gibt, werden die 17 Schwestern in „ständische Frauenklöster“ zur unentgeltlichen Verpflegung versetzt. 

Am 14. und 15. September werden die „Paulanerinnen vom Kloster Lilienthal in der Au“ in ihre ihnen zugewiesene Klöster abtransportiert:

  • sechs zu den „Brigittinnen“ nach Altomünster,
  • sechs ins „Zisterzienserinnenkloster“ Niederschönenfeld und
  • die restlichen fünf ins „Augustinerinnenkloster“ Niederviehbach. 

1802

Suchbegriffe

Paulanerinnen, Kloster Lilienthal in der Au, Säkularisation, Altomünster, Niederschönenfeld, Niederviehbach,

Weitere Ereignisse im Jahr 1802

1802

Untergiesing * Der „churtrierische Kammerherr“ von Horben verkauft den „Edelsitz Pilgramsheim“ an den „Staatsrat“ Joseph von Hazzi.

Der „Staatsrat“ ist selbst davon überzeugt, dass der zwischenzeitlich verstorbene Kurfürst Carl Theodor nicht über das Recht verfügt hatte, eine „Sitzgerechtigkeit“ zu verleihen und aus diesem Grund als Landesherr seine Machtbefugnisse überschritten habe.
In diesem Selbstverständnis verzichtet er auf die Anerkennung von „Pilgramsheim“ als „Adelssitz“.

1802

Au * Die „Rumford-Suppenanstalt“ wird gegründet.

Das Grundrezept der „Rumford-Suppe“ besteht aus Wasser, Kartoffeln, Graupen, Erbsen, Salz, Weinessig oder saueres Bier.
Auf tausend Portionen Suppe kommen drei Pfund gerstenkorngroß geschnittenes Fleisch.
Nach stundenlangem Kochen wird die Suppe gallertartig dick.
Dazu gibt es noch einige Stückchen hartes Brot, um das zur Verdauung notwendige Kauen zu fördern. 

1802

Lehel * Die heutige „Praterinsel“ ist vor der „Säkularisation“ der „Erholungsplatz der Franziskaner“, nachdem diese in ihrem Kloster für eine Stätte der Einkehr und Besinnung keinen ausreichenden Platz gefunden haben.

Mit der „Säkularisation“ kommt die Insel in das Eigentum des Staates.

1802

München * München verfügt über 1.397 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.

Das bedeutet einen Rückgang von 374 „Gerechtigkeiten“ gegenüber dem Jahr 1618 - trotz des Anstiegs der Bevölkerungszahlen.

1802

Kreuzviertel * Peter Paul Maffei gründet die „Maffei-Bank“.

25. Januar 1802

Bayern * Das „kurfürstliche Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster“ in Baiern beginnt mit der Feststellung,

  • dass die „Bettelorden“ die „Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichen Irrtümer“ begünstigen und
  • die Entstehung und Entwicklung „richtiger Begriffe der moralischen Bildung im Volke“ verhindern,
  • weshalb die fortdauernde Existenz der „Mendikantenklöster“ zwecklos und schädlich für die Bürger ist.  

In Altbaiern sind davon einundneunzig derartige kirchliche Einrichtungen betroffen.

In München sind folgende Bettelorden betroffen:  
„Kapuziner“, „Franziskaner“, „Karmeliten“, „Karmelitinnen“, die „Benediktinerinnen am Lilienberg“ , die „Paulanerinnen im Lilienthal“ und das „Pütrichkloster“

Zur zweckmäßigen Einrichtung der „Bürger- und Landschulen“ wird ein „Schulfonds“ eingerichtet, der aus dem Vermögen der aufgehobenen Orden gebildet wird, da es an anderweitigen staatlichen Mitteln mangelt.

Zur sofortigen Verminderung der Insassen werden

  • alle „Ausländer“, das heißt, die nicht in Pfalzbaiern geborenen Klostermitglieder, in ihre Heimat geschickt,
  • die „Laienbrüder“ in die „Prälatenklöster“ versetzt und
  • „Kleriker“, die noch keine „Profeß“ abgelegt haben, entlassen.
  • Neuaufnahmen und das Überwechseln von Ordensangehörigen in andere Klöster wird streng untersagt.
  • „Priestermönche“ können unter bestimmten Voraussetzungen in den „Weltpriesterstand“ übertreten, was dem Staat die „Pensionskosten“ einsparen hilft.
  • Alle übrigbleibenden „Klosterindividuen“ sollen in „Zentralklöster“ - in Wirklichkeit „Aussterbeklöster“ - ihres Ordens verbracht werden.
  • Außerdem ist den „Franziskanern“ künftig nur noch „Predigt und Beichthören“ in der eigenen „Ordenskirche“ erlaubt, jedoch keinerlei „Seelsorgeaushilfe“.
  • Dazu unterstehen sie der verschärften Aufsicht der zuständigen „Landrichter“.

Als Unterhalt für die „Franziskaner“ setzt man, da ihnen das „Almosensammeln“ verboten worden ist, jährlich 125 Gulden fest, zahlbar aus dem „Vermögensfonds der nichtständischen Klöster“.

  • Der Inhalt des „Aufhebungsdekretes“ wird öffentlich nicht bekannt gemacht.
  • Die ganzen Vorbereitungen der „staatlichen Klosteraufhebungen“ laufen bis zur Ausführung im Wesentlichen geheim.
  • Das verstärkt die Unsicherheit und lässt jede Gegenwehr erlahmen.
  • Ebenfalls besteht Unkenntnis über die Befugnisse der eingerichteten „Spezialkommission“

Ausgenommen vom „kurfürstlichen Aufhebungs-Dekret der Bettelordensklöster“sind - aufgrund ihrer Tätigkeit in der Krankenpflege beziehungsweise im Schulwesen - die Klöster der „Barmherzigen Brüder“ sowie der „Englischen Fräulein“ und der „Elisabethinerinnen“.

Das Kloster der „Ursulinen“ in München wird mit den „Nonnen de Notre Dame“ in Nymphenburg vereinigt.

In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein „ständisches Kloster“: das „Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger“.

Februar 1802

Lehel * Der mit der Klosteraufhebung betraute „Rechnungskommissär“ Ilg findet Anfang Februar 1802 im Leheler Kloster zehn Patres und einen Frater vor.  

Die „Hieronymiten“ werden den Bettelorden zugerechnet, weshalb man sie konsequenterweise in die Aufhebung der „nicht-ständischen Klöster“ mit einbezieht.

Weil aber die „Hieronymiten“ im Lehel auch die Seelsorge versehen, können sie die allgemeine Klosteraufhebung - trotz einiger Probleme - einige Jahre überdauern. 

6. Februar 1802

Kreuzviertel * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im „Kapuziner-Kloster“ das Bargeld und die Stiftungskapitalien. 

Das „Kapuziner-Kloster“ wird von 24 Patres und elf Laienbrüdern bewohnt.
Sie sollen in das „Zentralkloster“ in Rosenheim gebracht werden. 

6. Februar 1802

Graggenau * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im „Fanziskaner-Kloster“ das Bargeld und die Stiftungskapitalien. 

Im „Franziskaner-Kloster“ leben dreißig Patres und fünf Laienbrüder.
Sie sollen in das ehemalige „Augustiner-Kloster“ in Ingolstadt gebracht werden. 

7. Februar 1802

Kreuzviertel * Das „Karmeliten-Kloster“ wird aufgehoben und das Bargeld sowie die Stiftungskapitalien eingezogen. 

Im „Karmeliten-Kloster“ leben 31 Patres und vier Laienbrüder.
Wer nicht in den „Weltklerus“ wechselt, soll in das „Franziskaner-Kloster“ in Straubing kommen, das zum „Zentralkloster für die Karmeliten“ bestimmt worden ist. 

17. Februar 1802

Graggenau * Graf Philipp von Arco wird zum „lokalen Aufhebungskommissar“ für die „Franziskaner“ bestimmt.

20. Februar 1802

Graggenau * Das „Pütrich-Kloster“ wird durch den „Aufhebungskommissar“ von Kleber aufgehoben.
28 Chorfrauen und zehn Laienschwestern sind von dieser Maßnahme betroffen. 

25. Februar 1802

Graggenau * „Aufhebungskommissar“ Graf Philipp von Arco ist mit der Auflösung des ältesten „Mönchskonvents“ der Stadt beauftragt worden.
Ein genaues Inventar des „Franziskaner-Klosters“ ergibt ein recht bescheidenes Kapitalvermögen. Umfangreich war hingegen der Bestand an Kunstwerken zur Ausstattung der Kirchen mit nicht weniger als fünfundzwanzig Altären.

Die Aufnahme des Personalbestandes ergibt, dass im „Hauptkloster Sankt Anton“ dreißig Patres, drei Kleriker und vierzehn Laienbrüder leben, im „Hospiz am Anger“ sind vier Patres und ein Laienbruder, im „Hospiz Josephsburg“ drei Patres und ein Laienbruder untergebracht.

Einen „Laienbruder“ schickt man als „Ausländer“ in seine Heimat Berchtesgaden zurück. Vier weitere „Ausländer“ lässt man aus triftigen Gründen vorübergehend im Kloster.
Für einen nicht transportfähigen alten und kranken „Pater“ setzt sich Graf Arco nachdrücklich ein: „Ihn seinem Schicksal überlassen, hieße der ganzen Klosteraufhebung den Stempel der Grausamkeit aufdrücken und würde eine üble Wirkung bei dem Volke zurücklassen“.
Fünf „Laienbrüder“ werden in „Abteien“ verwiesen, die übrigen „Franziskaner“ sollen möglichst bald nach Ingolstadt gebracht werden.

Die „Ordensmänner“ wissen zwar, dass ihr Kloster aufgehoben wird, darüber hinaus sind ihnen aber weder der genaue Zeitpunkt noch die besonderen Umstände mitgeteilt worden.

25. Februar 1802

Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige „Instruktion zur Klosteraufhebung“.

Sie ist unmittelbar für das „Franziskanerkloster St. Anton in München“ bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der „Klosteraufhebungen“.

Sofort nach Erhalt der „Instruktion“ muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das „Bargeld“ zählen und das übrige „Klostervermögen“ feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im „Refektorium“ zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden.
Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die „Staatskasse“ interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

Dem „Kommissar“ ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die „Spezial-Klosterkommission“.

Der weitere Inhalt der „Instruktion“ lautet kurzgefasst:
Alle „Ausländer“ sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden „Zehrgeld“ und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt.
Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April.
Das „Sammeln“ auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

Alle inländischen „Laienbrüder“, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum „Auszug“ 25 Gulden und die nötigen Kleider.
Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen „Prälatenklöster“ als „Konventdiener oder Pfründner“ zu verteilen.
Die nach Abzug der „Kranken“ und „Ausländischen“ verbliebenen sieben „Laienbrüder“ des Münchener „Franziskanerklosters“ sind in „ständische Abteien“ zu schicken.

Die „kurfürstliche Verordnung“ gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von „Priestermönchen der Mendikantenorden“ in den „Weltpriesterstand“.
Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die „Spezial-Klosterkommission“ unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind.
Haben die „Aspiranten“ ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die „Erlaubnis zum Überwechseln“ mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.

26. Februar 1802

Berg am Laim * Die seit dem Jahr 1693 bestehende Zusammenarbeit zwischen der „Michaels-Bruderschaft“ und dem „Franziskaner-Orden“ dauerte bis zur „Klosteraufhebung“ im Rahmen der „Säkularisation“ an.

Bis diese staatlich verordnete Zwangsmaßnahme eintritt, verrichten die Münchner „Franziskaner zum heiligen Antonius von Padua“ den Gottesdienst und die Seelsorge in den „franziskanischen Frauenklöstern“ der Stadt und leiteten auch deren Wirtschaftsbetriebe. 

Bei den etwa sechzig „Klarissen zu Sankt Jakob am Anger“ besitzen die Mönche eine ständige Niederlassung.
Dieses „Hospiz“ wird zumeist von zwei „Patres“ und einigen „Brüdern“ bewohnt.

März 1802

Kreuzviertel * Das Münchner „Augustinerkloster“ wird als „Zentralkloster“ für alle „Augustiner-Eremiten“ in „Kurbaiern“ genutzt. 

So werden hier die vormaligen „Konvente“ aus Ingolstadt, Passau, Seemannshausen und Schönthal vereinigt.
Jene „Kleriker“, die noch nicht die „ewige Profess“ geleistet haben, werden freilich sofort aus dem Orden entlassen. 

2. März 1802

Berg am Laim * Das „Franziskaner-Hospiz Josephsburg“ in Berg am Laim wird aufgehoben. 

3. März 1802

Graggenau * Nachmittags um 16 Uhr erscheint „Generallandesdirektionsrat“ Freiherr von Leyden mit einigen Amtspersonen im „Franziskanerkloster“ und lässt alle Insassen ins „Refektorium“ rufen.
Dort teilt er den „Ordensmännern“ mit, dass der Abtransport nach Ingolstadt unter den Bedingungen der „kurfürstlichen Instruktion“ am „kommenden Morgen um 3 Uhr, längstens 4 Uhr“, zu erfolgen hat.

Freiherr von Leyden hat die Weisung erhalten, dafür zu sorgen, dass „die hier bleibenden Individuen“ im Kloster verbleiben und nicht durch ihr „Ausgehen in die Stadt dem neugierigen Volke zu vielem Geschwätz Veranlassung“ geben.

4. März 1802

Graggenau * Die „Franziskaner-Patres“ treten - „ohne das geringste Hindernis“ - ihre Reise nach Ingolstadt an, wo das ehemalige „Augustinerkloster“ für die „Franziskaner“ als „Aussterbekonvent“ bestimmt worden ist.

In ihren Händen befindet sich der größte Schatz der Mönche, das „Reliquiar des heiligen Antonius von Padua“.

In Pfaffenhofen nehmen die Ordensmänner bei den dortigen „Franziskanern“ das Mittagessen ein.
Ohne Aufsehen zu erregen, haben sie „sofort nach eingenommenen Mittagsmahl die Reise ohne Aufschub weiter nach Ingolstadt fortzusetzen“.

17. März 1802

München - Lehel - Au * Die „Polizeidirektion“ wird mit der Gründung einer Einrichtung beauftragt, die dann als „Kleinkinderbewahranstalt“ und heute - in der Weiterentwicklung - als „Kindergarten“ oder „Kinderhort“ bezeichnet wird. 

Im Focus stehen „unbemittelte Eltern, die sich außer Haus begeben müssen, um sich vom täglichen Handlohn zu ernähren“.
Denn diese „müssen häufig ihre kleinen Kinder einsperren oder unbesorgten Nachbarn anvertrauen, sie auch gar frei herumlaufen lassen, wodurch Unglücksfälle entstehen und die sittliche Erziehung benachteiligt wird“.  

Eine solche Einrichtung soll in der Stadt und im Lehel eingerichtet werden.
Auch das „Gericht ob der Au“ und das „Hofmarkgericht Haidhausen“ können Vorschläge einreichen. 

Bis zum 20. März 1802

Graggenau * Auch die letzten „Franziskaner“ haben das Münchener Kloster verlassen.

27. März 1802

Kreuzviertel * In aller Frühe werden 25 „Kapuziner“ in das „Zentralkloster“ nach Rosenheim gebracht. 

27. März 1802

Amiens * Mit dem „Frieden von Amiens“ endet der „Zweite Koalitionskrieg“

Um den 1. Mai 1802

Au * Im „Bendektinerinnenkloster am Lilienberg“ leben 17 „Chorfrauen“ und sechs „Laienschwestern“ im „Konvent“

Zwei „Novizinnen“ werden sofort entlassen, eine 73-jährige geistesgestörte Nonne wird in die „Irrenanstalt“ gebracht. 

22. Mai 1802

Au * Den „Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“ wird ihre Versetzung mitgeteilt.

Jeder wird erlaubt, ihr Bett und den übrigen Hausrat ihrer Zelle mitzunehmen.
Um jegliches Aufsehen zu vermeiden wird einigen Nonnen erlaubt, ihre Eltern und Verwandten in München in „geschlossenen Wägen“ zu besuchen. 

24. Mai 1802

Bayern * Für Baiern beginnen die Landzugewinne.

Kurfürst Max IV. Joseph hat mit Frankreich in einem Geheimvertrag vereinbart, dass er die vertraglich zugewiesenen Territorien noch vor der Verabschiedung des „Reichsdeputationshauptschlusses“ militärisch in Besitz nehmen kann. 

29. Mai 1802

Au * In der Frühe um 4 Uhr werden die ersten der zwanzig verbliebenen „Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“ in das „ständische Kloster der Benediktinerinnen“ nach Geisenfeld gebracht. 

31. Mai 1802

Au * Die restlichen  „Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“ werden in die „ständischen Klöster der Benediktinerinnen“ nach Kühbach und Hohenwart gebracht. 

Die „Mädchenschule“ wird von zwei weltlichen Lehrerinnen weitergeführt. 

Anfang Juni 1802

Au * Die Versteigerung des Mobiliars aus dem „Kloster am Lilienberg“ bringt 3.024 Gulden in die Staatskasse.

7. Juni 1802

Andechs * Wallfahrer der „Marianischen Kongregation“ halten sich an diesem Pfingstmontag auf dem „heiligen Berg“ in Andechs auf. 

8. Juni 1802

Kreuzviertel * Nachmittags um 17 Uhr kehren die Wallfahrer vom „heiligen Berg“ in Andechs zurück.
Sie ziehen feierlich durch das Sendlinger Tor in die Stadt ein. 

Nachdem der Pfingstdienstag als Feiertag und damit auch das Abhalten von „Prozessionen“ bereits 1771 abgeschafft worden war, schreitet das Militär ein. 

Es kommt zu Ausschreitungen. 
Eine rund 300 Personen umfassende Gruppe stürmt zur „Hauptwache“ am Schannenplatz und weiter in Richtung „Bürgersaal“.  

Das Militär kann sich durchsetzen und die Protestierer zurückdrängen.

9. Juni 1802

München * Über die ganze Stadt verteilt sind militärische Patrouillen zu Pferd und zu Fuß. 

Die ersten Handwerksgesellen treten in den Streik. 

10. Juni 1802

München * Das Militär durchstreift die Stadt und nimmt Handwerksgesellen fest. 

Um 11 Uhr wird mit Trommelschlag ausgerufen, dass man gegen jene Handwerksburschen militärische Gewalt anwenden wird, wenn sie sich nicht den Anordnungen fügen würden. 

11. Juni 1802

München * Es ist wieder Ruhe in der Stadt eingekehrt. 

Die Handwerksburschen dürfen sich auch wieder bis elf Uhr nachts in ihren Herbergen aufhalten. 

14. Juni 1802

Kreuzviertel * Um 4 Uhr früh wird ein Teil der zwanzig „Karmelitinnen“ und zwei Novizinnen ins „Zentralkloster“ nach Neuburg an der Donau gebracht. 

19. Juni 1802

Kreuzviertel * Die restlichen „Karmelitinnen“ werden ins „Zentralkloster“ nach Neuburg an der Donau gebracht. 

20. Juni 1802

Graggenau * Die Gräber auf dem „Franziskaner-Friedhof“ werden geöffnet. 

28. Juni 1802

Graggenau * Die Abbrucharbeiten am „Franziskaner-Kloster“ beginnen. 

1. Juli 1802

Stepperg * Die Kurfürsten-Witwe Maria Leopoldine kauft das „Landsassengut zu Stepperg“ mit den dazugehörenden Bauernhöfen in Rennertshofen und Mauern um den Preis von 71.200 Gulden. 

18. Juli 1802

Kreuzviertel * Die „Regierung Montgelas“ ordnet die Aufhebung des „Karmelitenklosters“ an.

Anfangs bezieht das Militär die aufgelassenen und leerstehenden Klosterräume, bis Teile für das „Neue Gymnasium“, das spätere „Ludwigs-Gymnasium“, eingerichtet und andere Teile zum „Königlichen Erziehungsinstitut für Studierende“, dem sogenannten „Hollandeum“, ausgebaut werden können.

23. Juli 1802

Kreuzviertel * Dreißig „Karmeliten“ und vier Laienbrüder werden in das ehemalige „Franziskaner-Kloster“ nach Straubing gebracht. 

12. August 1802

Mühldorf * Siegmund Christoph von Hartmann, der „Pfleger“ von Mühldorf am Inn, meldet dem „Hofratsdirektoroum“ in Salzburg, dass „Mühldorf an die weise und gerechte Regierung von Baiern“ abgetreten werden soll. 

15. August 1802

Lehel * Es wird beschlossen, dass die „Hieronymiten-Mönche“ am 21. August nach Indersdorf versetzt werden. 

19. August 1802

Werdenfelser Land * Kurfürst Max IV. Joseph lässt die zu Freising gehörende „Grafschaft Werdenfels“ durch baierische Truppen besetzen. 

19. August 1802

Salzburg - Berchtesgaden * Die Stadt Salzburg und die „Fürstprobstei Berchtesgaden“ werden von den österreichischen Truppen für Ferdinand III. von Toskana, dem jüngeren Bruder von Kaiser Franz, militärisch besetzt. 

19. August 1802

Mühldorf * Baierns Militär marschiert um 16:30 Uhr in das zum „Fürstbistum Salzburg“ gehörende Mühldorf am Inn ein und nimmt die Stadt militärisch in Besitz. 

20. August 1802

Salzburg - Mühldorf * Das in Salzburg sitzende „Hofratsdirektorium“ teilt dem Mühldorfer „Pfleger“ Siegmund Christoph von Hartmann mit, dass für eine militärische Besetzung der Stadt keine rechtlichen Grundlagen vorhanden wären und diese einen massiven Rechtsbruch darstellen würde. 

Doch sei angesichts der Lage ein „aktiver Widerstand nicht angemessen“.

21. August 1802

Lehel * Entgegen der bisherigen Pläne können die ehemaligen „Hieronymiten“ als „Weltpriester“ in ihrem Kloster bleiben und auch weiterhin die Seelsorge im „Lehel“ versehen.  

Das ist auch der Grund, weshalb die „Paramente und Kirchengeräte“ nicht versteigert, sondern später der Pfarrkirche zugeteilt werden. 

23. August 1802

Freising * Kurfürst Max IV. Joseph lässt das Militär in das „Fürstbistum Freising“ einmarschieren. 

24. August 1802

Regensburg * Die „Reichsdeputation“, die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem „Friedensvertrag von Lunéville“ ausarbeiten soll, tritt in Regensburg erstmals zusammen.

1. Oktober 1802

Schloss Nymphenburg * Eine Abordnung Mühldorfer Bürger überreicht dem Kurfürsten Max IV. Joseph im „Schloss Nymphenburg“ eine Bittschrift, in der sie zum Ausdruck bringen, wie sehr sich die Bevölkerung freut „dem durchläuchtigsten Churhause Baiern einverleibt“ zu werden.  

Damit gehe „ein Wunsch, der schon Jahr Zehnte in unseren Herzen glühte in Erfüllung“

4. Oktober 1802

Au * Eine weltliche Lehrerin betreibt die ehemalige „Klosterschule am Lilienberg“

Nachdem Ende Mai die „Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“ weggebracht worden waren, hatten achtzig Schülerinnen keine Lehrerin mehr. 

11. Oktober 1802

Au * Dem bisher als „Klosterbrauerei“ geführten „Paulaner-Bräuhaus“ wird eine „ordentliche und reale Bräugerechtigkeit“ bewilligt. 

November 1802

Graggenau * Die Gebäude des „Franziskanerklosters“ werden an die Meistbietenden „auf Abbruch“ versteigert.

Die „Franziskanerkirche“ erwirbt der „Hutmacher“ Johann Giglberger um 1.152 Gulden zur sofortigen „Demolierung“.

November 1802

Graggenau * Mit dem Abbruch der „Franziskaner-Klostergebäude“ verschwindet auch der Friedhof mit seinen Gruftkapellen und den Gräbern zahlreicher Persönlichkeiten.

Einige Grabplatten werden vorsorglich als historische Monumente an die „Frauenkirche“ übergeben.
Graf Törring-Gronsfeld lässt drei Epitaphen von Familienangehörigen in die Bogenhauser „Georgskirche“ bringen.

Das Epitaph des im Jahr 1594 verstorbenen Renaissancekomponisten Orlando di Lasso befindet sich im „Nationalmuseum“, den Schädel des Wilhelm von Occam erhielt die „Bayerische Akademie der Wissenschaften“.

Und noch beim Bau der Tiefgarage auf dem „Max-Joseph-Platz“ beförderten die Bagger eine große Zahl von Knochen zutage.

November 1802

Freising * Nach der „Säkularisierung Freisings“ erhält  der „Baierische Staat“ die jährliche Pauschalsumme als „Rekognition für die Verlegung der Brücke“.

3. November 1802

Kreuzviertel * Das ehemalige und inzwischen umgebaute „Karmeliten-Kloster“ nimmt das „Wilhelms-Gymnasium“, das bisher im ehemaligen „Jesuitenkolleg“ untergebracht war, auf. 

Es bleibt bis 1826 in diesen Räumen. 

23. November 1802

Regensburg * Die „Reichsdeputation“ beschließt in seiner 30. Sitzung den „Reichsdeputationshauptschluss“

Dieser bildet die Grundlage für die Aufhebung der „Geistigen Staaten“ und der „Landsässigen Klöster“, die der „freien und vollen Disposition der respectiven Landesherren“ überlassen werden.

Baiern vollzieht daraufhin offiziell die Inbesitznahme der ihm zugeteilten Territorien: 

  • Die „Fürstbistümer“ Freising, Augsburg, Bamberg, Würzburg
  • sowie „Teile der Fürstbistümer“ Eichstätt, Passau und Salzburg.

Damit werden große Teile Schwabens und Frankens baierisch.

24. November 1802

Freising - Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph ernennt Johann Adam Freiherr von Aretin zum „Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf“ und gibt ihm weitreichende Vollmachten. 

26. November 1802

Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph bevollmächtigt Johann Adam Freiherr von Aretin per Dekret die Stadt Mühldorf in Besitz zu nehmen. 

27. November 1802

Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche „Generalkommissär“ Johann Adam von Aretin dem Freisinger „Hofrat“ das „Besitzergreifungspatent“.

Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“ gehören.

Damit werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die „Zugspitze“ baierisch.

Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft.
Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen „Municipalgemeinde“

1. Dezember 1802

Mühldorf * Der „kurfürstliche Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf“, Johann Adam Freiherr von Aretin, nimmt zivilrechtlich Besitz von der Stadt Mühldorf.

2. Dezember 1802

Mühldorf * Johann Adam Freiherr von Aretin nimmt - unter großem Jubel der Bevölkerung - mit dem „Besitzergreifungspatent“ vom 26. November offiziell Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. 

Er weist das „Pfleggericht“ an, ab sofort keine Weisungen und Befehle mehr aus Salzburg entgegenzunehmen.

Nach der Vereidigung der Beamten findet ein feierlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche statt.
Am Abend wird in der Stadt gefeiert. 

3. Dezember 1802

Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin erhält den kurfürstlichen Auftrag, die „Zivilbesitzergreifung der Reichsgrafschaft Werdenfels“ nicht auf dem normalen Verwaltungsweg über Freising aus, sondern vor Ort durchzuführen. 

5. Dezember 1802

Mittenwald - Garmisch * Um 10:30 Uhr vormittags trifft Johann Adam Freiherr von Aretin in Mittenwald ein.
Er wird von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt.

Gleiches passiert bei seiner Ankunft in Garmisch gegen 15 Uhr. 

6. Dezember 1802

Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin eröffnet um 8:30 Uhr mit einem Festgottesdienst die „Besitzergreifungsfeierlichkeiten der Reichsgrafschaft Werdenfels“.

An den öffentlichen Gebäuden wird das kurbaierische Wappen angebracht und die „Zivilbesitzergreifung durch Verruf“ bekannt gemacht.
An der großen mittäglichen Festtafel dürfen allerdings nur geladene Gäste teilnehmen.

Damit endet die über 500 Jahre andauernde bischöfliche Herrschaft über das „Werdenfelser Land“

12. Dezember 1802

Lehel * Die „Hieronymitaner“ im Lehel treten erstmals in der Kleidung der „Weltpriester“ auf. 

Das Kloster bleibt weiterhin bestehen. 

13. Dezember 1802

Kreuzviertel * Das ehemalige „Karmelitinnen-Kloster“ am Rochusberg wird um 34.000 Gulden der „Pfandhausverwaltung“ überlassen. 

18. Dezember 1802

Graggenau * 19 der vierzig Nonnen aus dem „Pütrich-Kloster“ und ihr „Beichtvater“ begeben sich auf ihre Reise nach Reutberg. 

23. Dezember 1802

Bayern * Der „Schulzwang“, die „allgemeine Schulpflicht“, für „alle Kinder vom 6. bis 12. Lebensjahre“, wird eingeführt.

Wöchentlich müssen von den Eltern dafür 2 Kreuzer bezahlt werden.

An diese „Grundschulzeit“ schließt sich für die 13- bis 18-jährigen eine „Sonntagsschule“ an, in der ihnen der „Katechismus“ und weiteres Grundwissen gelehrt wird.

Der Staat ist damit für die Erziehung verantwortlich, weshalb er neue Schulen und bessere Lehrer braucht.
Dafür werden eigene „Lehrerseminare“ eingerichtet.
Die lokale „Schulaufsicht“ liegt freilich weiterhin bei den Pfarrern. 

29. Dezember 1802

Graggenau * Die restlichen 21 „Pütrich-Nonnen“ verlassen München in Richtung Reutberg. 


Verwendet in Führung:

05. Die südliche Au



Paulanerinnen, Kloster Lilienthal in der Au, Säkularisation, Altomünster, Niederschönenfeld, Niederviehbach