2017-02-26 1612 - Hexenverfolgung, Hexen, Aberglaubens- und Hexenmandat, Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Absegnen, Zauber, Ehre Gottes, Schmied, alte Weiber, Nachrichter, Teufelspakt - in München-Geschichte


März 1612

Das baierische „Aberglaubens- und Hexenmandat“ wird veröffentlicht

München * Erst jetzt ist das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ den Beamten zugänglich gemacht.

Das „Landgebott wider die Aberglauben Zauberey Hexerey und andere sträffliche Teufelskünste“ umfasst 40 Seiten und ist das umfangreichste „Gesetz gegen die Hexerei, Zauberei und Aberglauben“, das jemals in Mitteleuropa publiziert worden ist.

Es listet 52 strafbare Formen von „Aberglauben“ auf.
Darunter beispielsweise Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Ausgraben von Leichen und Alraunen, abergläubisches Schatzsuchen, Ungezieferbeschwörung, Wetter- und Bildzauber, Bannung von Geistern und Krankheiten durch Ansegnen, Missbrauch von Scharfrichterutensilien und so weiter.

Ausdrücklich wird „guter“ und „schlechter Zauber“ gleichgesetzt.
Auch harmloser „Aberglaube“ gilt als „Vorstufe zum Hexenverbrechen“.

Jede Form von „Zauberei“ muss ausgerottet werden, weil sonst „Gott der Allmechtig zu billichem Zorn gegen uns Menschen bewegt und unser Landt und Leuth mit thewrung Krieg und Pestilentz auch andern mannigfaltigen Plagen straffen und angreiffen möchte“.  
Schließlich ist es Aufgabe der Obrigkeit, die „Ehre Gottes“ zu retten.

Als besonders tatverdächtig werden im Bereich des „Aberglaubens“ die „Schmiede auf dem Lande“, die „alten Weiber“ und die „Nachrichter“ genannt.

Erstmals wird für den Bereich des Herzogtums Baiern nun auch der „Teufelspakt“ als Straftat ausformuliert. 


1612

Suchbegriffe

Hexenverfolgung, Hexen, Aberglaubens- und Hexenmandat, Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Absegnen, Zauber, Ehre Gottes, Schmied, alte Weiber, Nachrichter, Teufelspakt,

Weitere Ereignisse im Jahr 1612

1612

Einbeck - München * Der aus Einbeck - im hohen protestantischen Norden - stammende „Bierbrauer“ Elias Pichler wird vom baierischen Herzoghaus ans „Hofbräuhaus“ nach München angeworben, um hier ein Bier nach „ainpöckischer Art“ zu Brauen.

Bevor er seine Tätigkeit aufnimmt, muss er aber noch schnell zum katholischen Glauben konvertieren.

Er braucht zwar noch einige Experimente, aber dann gibt‘s statt des bis dahin gebrauten „Plempels“ ein würziges, süffiges und bekömmliches „Bockbier“ aus dem „Herzoglichen Hofbräuhaus“.

Das wird aber erst im Jahr 1614 sein. 

1612

München * Das Kräfteverhältnis im „Hofrat“, dem zentralen kurfürstlichen Entscheidungsträger in der „Justiz“, hat sich zu Gunsten der verfolgungskritischen „Politiker“ verändert. 

Ab 1612

Bamberg * In den fränkischen „Hochstiften“ erreichen die „Hexenverfolgungen“ einen neuen Höhepunkt.

Vor allem der Bamberger „Weihbischof“ Friedrich Förner tut sich als Antreiber hervor.
In der Zeit von 1610 bis 1630, in der er sein einflussreiches Kirchenamt ausübt, fordert er fanatisch die „Ausrottung der Trudner“, wie man hier die „Hexen“ bezeichnet.

Noch während der ersten „Verfolgungswelle“ der Jahre 1612/13 kommt es zur „Hinrichtung“ von 15 „Hexen“

1612

Oberbayern - Niederbayern * Die Zahl der landesherrlichen „Weißbier-Brauhäuser“ ist auf neun angewachsen.

Weitere neun „Weißbier“ brauende „Kommun-Brauhäuser“ sind dem Herzog gegenüber abgabepflichtig.

1612

München * Dieser „Landtag“ beschäftigt sich erneut mit dem herzoglichen „Weißbier-Brauwesen“.

Herzog Maximilian I. entkräftet sämtliche Argumente, muss aber zugestehen, dass er bei einer „Weizenknappheit“ das Getreide aus dem Ausland beziehen oder die „Weißbierproduktion“ einschränken wird.

Die als „Komposition“ bezeichnete Abgabe in Höhe von 10.000 Gulden zahlt der Herzog auch weiterhin an die „Landschaftskasse“.
Dieser Betrag ist aber im Vergleich zu den Einnahmen aus dem herzoglichen „Weißbiermonopol“ lächerlich gering.

1612

München * Herzog Maximilian I. verlangt vom Rat der Stadt, die „Konkubine“ Barbara Ferchthin an drei Sonn- oder Feiertagen hintereinander öffentlich vor die Frauenkirche zu stellen und sie danach „sechs Meilen Wegs“ von München wegzuschaffen.

Anno 1612

Au - Haidhausen - Untergiesing * Ein eigenständiges „Gericht ob der Au negst München“ wird eingerichtet.

Es ist allerdings kein selbstständiges „Landgericht“, sondern ein „Niedergericht“, deren „hochgerichtlichen Funktionen“ auch weiterhin vom „Landrichter in Wolfratshausen“ wahrgenommen werden.

Das „Gericht ob der Au“ ist also letztlich nichts anderes als eine „Hofmark“ unter der „Gerichtsbarkeit“ des „Hofoberrichteramtes“

Haidhausen, die Au und Niedergiesing scheiden deshalb aus der „Hauptmannschaft Obergiesing“ aus.

19. Januar 1612

München * Wegen zu erwartender kriegerischer Auseinandersetzungen mit der protestantischen „Union“ fordert Herzog Maximilian I. erneut den Aus- und Umbau der Münchner Stadtbefestigung. 

Er argumentiert zusätzlich mit der Möglichkeit einer Erweiterung des ummauerten Stadtgebiets.
Doch auch die „Landstände“ Versagen ihre Zustimmung aus finanziellen Gründen.

20. Januar 1612

Prag * Kaiser Rudolf II. stirbt in Prag.  

Sein Bruder Matthias wird daraufhin Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“

Entgegen seinem Versprechen hält er sich jedoch nicht an die den „Böhmischen Ständen“ gegebenen Zusagen im „Majestätsbrief“

21. Januar 1612

München * Der „Geheime Rat“ schickt das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wieder zurück, weshalb es den Beamten erst im März 1612 zugänglich gemacht werden kann.

Die für den voreiligen Druck verantwortlichen „Hofräte“ Dr. Cosmas Vagh und Dr. Hieronymus Faber mussten die Korrekturen als „Strafarbeit“ persönlich in die anderen Exemplare übertragen.

Das Verhalten des „Hofrats“ gegenüber dem „Geheimen Rat“ löst auch die Untersuchung der Vorgänge in Wemding aus. 

17. Februar 1612

Arnsberg - Köln * Kölns Kurfürst und Erzbischof Ernst stirbt bei einem Jagdausflug im westfälischen Arnsberg in Westfalen.  
Er wird im Kölner Dom beigesetzt.

Sein Nachfolger wird der jüngste Sohn von Herzog Wilhelm V., Herzog Ferdinand von Baiern, der Bischof von Lüttich.

Er erhält nun zusätzlich das Bistum Köln einschließlich der Kurfürstenwürde, dazu die Bistümer Hildesheim und Münster, ohne dass dagegen der Papst, der Kaiser oder die Fürsten einschreiten. 
Nur das Freisinger „Domkapitel“ widersteht allen Einschüchterungsversuchen des „Münchner Hofs“

Ferdinand zeigt sich als kompromissloser Vorkämpfer einer kirchlichen Restauration auf der Grundlage des „Trienter Konzils“.

Trotzdem weigert er sich lebenslang, die „höheren Weihen“ zu empfangen und als „konsekrierter Bischof“ seiner Ämter zu walten.
Selbst die „Jesuiten“ in seiner Umgebung, die als ständige Berater und Beichtväter die einflussreichsten Positionen einnehmen, können Ferdinand diese Entscheidung nicht abringen.  

21. Juli 1612

München * Zur Veröffentlichung des „Hexenmandats“ muss dieses von der „Kanzel“ verlesen werden.

Doch der „Landrichter“ von Friedberg berichtet, dass sich die Priesterschaft im Bezirk der Verlesung des „Hexenmandats“ verweigern würde und führt dies auf den Einfluss der zuständigen Bischöfe zurück.

Außerdem untersagt der „Geheime Rat“ dem „Hofrat“ die Veröffentlichung des „Mandats“ in den „Hofmarken“.
Damit zeigt das „Mandat“ keine allzu große Wirkung. 

6. Dezember 1612

Au * Herzog Wilhelm V. schenkt „Neudeck“ seinem Kammerdiener Johann Hebenstreit. 

Dieser fungiert als „Strohmann“ und kauft im herzoglichen Auftrag weitere Grundstücke hinzu. 


Verwendet in Führung:

11. Münchner Zeitensprünge
21. Berg am Laim - Ost
23. Maximilianstraße
29. Graggenau



Hexenverfolgung, Hexen, Aberglaubens- und Hexenmandat, Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Absegnen, Zauber, Ehre Gottes, Schmied, alte Weiber, Nachrichter, Teufelspakt